SYNOPTISCHE UEBERSICHT MITTELFRIST Dienstag, den 23.02.2021 um 10.30 UTC

S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T M I T T E L F R I S T
ausgegeben am Dienstag, den 23.02.2021 um 10.30 UTC

Unter überwiegendem Hochdruckeinfluss sehr ruhiges Wetter. Mild.

Synoptische Entwicklung bis zum Dienstag, den 02.03.2021

Am Freitag, zum Beginn des Mittelfristzeitraumes, liegt nach IFS ein
langwelliger, aber recht flacher Rücken über Südost- und Osteuropa. Von
Nordwesten schwenkt dagegen ein kurzwelliger, aber weit nach Südwesten
ausgreifender Trog herein, von dem über Nordfrankreich ein Höhentief abtropft.
Über den Britischen Inseln baut sich erneut ein Rücken auf. Dieser stützt ein
Hochdruckgebiet, dessen Schwerpunkt sich bis zum Abend schon nach Südengland
verlagert. Deutschland liegt an dessen Ostflanke in einer nordwestlichen
Bodenströmung. Mit dieser wird eine Kaltfront (die zu einem Tief über
Nordrussland gehört) langsam über Deutschland hinweg südwärts geführt, wobei sie
sich in der Nacht zum Samstag über dem Süden des Landes auflöst. Mit der
Kaltfront gelangt dichte Bewölkung vom Norden allmählich in den Süden des
Landes, an der auch Regen fällt, der aber nach Süden hin immer schwächer wird.
Das Temperaturniveau in 850 hPa liegt vor der Front im Süden noch bei über 6
Grad und geht rückseitig allgemein auf 0 bis -2 Grad zurück, ganz im Osten auch
darunter, wo dann im höheren Bergland Schnee fällt.
Am Samstag verändert sich die Lage des Hochs kaum, es dehnt sich aber noch etwas
Richtung Deutschland aus, so dass der Wind meist nur noch schwach aus Nordwest
bis Nord weht. Im Südwesten dreht er auf Nordost und frischt auf. Mit der
bodennahen Strömung gelangt feuchte Luft vor allem in die nördlichen und
östlichen Landesteile, wo vielfach Stratusbewölkung vorherrscht. Im Südwesten
ist es dagegen freundlicher.
Am Sonntag greift ab dem Morgen ein neuer Kurzwellentrog von Nordwesten über, an
den schwache Regenfälle gekoppelt sind. Vor allem in den Norden ziehen wieder
viele Wolken, im Süden kommt davon nicht so viel an. Das Temperaturniveau ändert
sich kaum. In der zweiten Tageshälfte steigt dann die Dominanz eines Höhenhochs
über der Nordsee, das durch den dann über Süddeutschland liegenden
Kurzwellentrog und das schon am Freitag über Frankreich abgetropfte Höhentief
von hohem Potential über dem zentralen Mittelmeerraum abgeschnitten ist.
Bodennah verlagert sich der Hochschwerpunkt zur Nordsee und am Montag dann
zunehmend nach Deutschland. Dementsprechend herrscht am Montag ruhiges und
trockenes Wetter, wobei der Wind im Tagesverlauf auf Ost dreht. Die
Grenzschichtbewölkung löst sich dann auch immer mehr auf. In 850 hPa steigt die
Temperatur durch Absinken schon wieder auf 5 bis 6 Grad, bodennah bleibt es aber
vorerst noch vergleichsweise kühl mit Höchstwerten um 10 Grad.
Am Dienstag ist das Höhenhoch dann über Norditalien zu finden und weiterhin
liegen wir im Einflussbereich des Hochs, das sich bei recht flacher
Druckverteilung über weite Teile Südeuropas und über Mitteleuropa hinweg über
das Nordmeer bis nach Grönland erstreckt. Der Schwerpunkt des Hochs liegt dabei
östlich unseres Landes, so dass der Wind meist aus Süd oder Ost kommt. Die Sonne
treibt die Temperatur wieder etwas höher als zuletzt, ganz im Norden besteht
aber eine Tendenz zu Grenzschichtbewölkung.
Auch in den Folgetagen bleibt die Tendenz zum Hochdruckeinfluss, allerdings
sollen nach dem IFS in den Norden Reste von Fronten gelangen, die dort wieder
für mehr Bewölkung und etwas Regen sorgen. Im Süden dominiert dagegen der
Sonnenschein und es wird noch milder.

Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs

Betrachtet man nur die Bodendruckverteilung, so ist die Konsistenz des aktuellen
Laufs mit seinen beiden Vorgängerläufen als sehr gut zu bewerten. Ein Blick auf
die Höhenkarte offenbart aber deutliche Unterschiede. Während beim heutigen Lauf
der Freitagstrog abtropft, ist es bei den beiden gestrigen Läufen der
Sonntagstrog, wobei die resultierenden Kaltlufttropfen am Montag und Dienstag
dann sogar ähnliche Positionen einnehmen. Nach dem gestrigen 00-UTC-Lauf gelangt
dann so ein Kaltlufttropfen am Mittwoch zu uns, während er uns nach den anderen
Läufen noch fernbleibt. Während also die großskalige Situation recht klar ist,
könnten die Ostereier (die sind dieses Jahr aber sehr früh dran…) für kleinere
Überraschungen sorgen.

Vergleich mit anderen globalen Modellen

IFS, GFS, UKMO und ICON zeigen insgesamt recht ähnliche Lösungen. Leichte
Unterschiede zeigen sich am Sonntag, an dem ICON und GFS den Trog, der nach
Südosten schwenkt stärker und schneller zeigen, so dass Deutschland vor allem
nach GFS im Osten sogar in den Einflussbereich höhenkalter Luft (unter -30 Grad
in 500 hPa) käme. Zum Beginn der neuen Woche zeigen dann GFS und ICON das
Höhenhoch noch etwas weiter nördlich über Deutschland und nicht schon nach
Norditalien zurückgezogen. Eine ganz andere Lösung haben die Kanadier zu bieten:
Sie lassen am Sonntagabend ein abgetropftes Höhentief von Nordosten her über
Deutschland hinweg südwestwärts ziehen. Nachfolgend bilden sich
Höhenhochschwerpunkte über Südosteuropa und westlich der Britischen Inseln.
Letzterer dominiert dann zur Wochenmitte, wenn das Höhentief Anschluss an einen
nordosteuropäischen Trog sucht, so dass sich eine Nordlage einstellt, mit der
wieder deutlich kältere Luft (-8 Grad in 850 hPa) nach Deutschland gelangt. Als
Außenseiterlösung verfolgen wir diese Variante erstmal nicht weiter.

Bewertung der Ensemblevorhersagen

Das Ensemble des IFS verteilt sich im Zeitraum von Sonntag, 00 UTC bis Dienstag,
00 UTC auf zwei Cluster. Diese sind sich im mitteleuropäischen Bereich sehr
ähnlich. Im Zeitraum von nächsten Mittwoch bis Freitag werden ebenso zwei
Cluster gebildet. C1 (26 Mitglieder, Kontrolllauf, Hauptlauf) zeigt bis Freitag
einen breiten Rücken im Bereich Britische Inseln, Nordmeer, Skandinavien und
Deutschland am Randes eines Hochs über dem Nordmeer und Skandinavien. Damit
tendiert es zu einer weiter nördlichen Lage des Hochs als der Hauptlauf und
ähnelt daher etwas mehr GFS. C2 (25 Mitglieder) lässt ab Donnerstag einen
starken Trog vom Nordmeer her in den Rücken reinbohren, der am Freitag
Deutschland erreicht.
Die Rauchfahnen für die Mitte Deutschlands (Erfurt) zeigen bei der
850-hPa-Temperatur eine mäßige Streuung, die erst in der Mitte der nächsten
Woche deutlich zunimmt. Zunächst pendelt sich die Temperatur bei knapp unter 0
Grad ein, um dann zum Montag/Dienstag wieder bis auf etwa 5 Grad zu steigen. Im
Laufe der nächsten Woche geht es dann wieder langsam zurück. Das Geopotential
pendelt auf hohem Niveau. Hinweise auf stärkere herumeiernde Kaltlufttropfen
(Einzelläufe mit vorübergehend stark absinkendem Potential) sind nicht
vorhanden. Nächste Woche gibt es eine allgemeine Potentialabnahmetendenz.
Nennenswerte Niederschlagssignale gibt es nur am Freitag, dort sind sie aber bei
allen Läufen vorhanden.
Leichte Unterschiede gibt es bei GFS: Der Temperatureinbruch am Freitag ist
etwas stärker (bis auf -5 Grad) und nachfolgend bleibt die Temperatur des
Hauptlaufs für einigen Tage etwas unter dem Ensembleschwerpunkt, der näher am
IFS liegt. Beim Geopotential zeigen sich stärkere Dellen am Freitag und Sonntag,
die mit den bei GFS stärkeren Trögen zusammenhängen. Auch hier gibt es keine
Signale für herumirrende Kaltlufttropfen. Ansonsten sind die GFS-Rauchfahnen
denen des IFS sehr ähnlich.

Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen

Der EFI zeigt am Freitag und Samstag noch ein kleines Signal für ungewöhnlich
warmes Wetter vor allem im Norden und Osten. Bei Cosmo-LEPS gibt es am Freitag
geringe Wahrscheinlichkeiten für stürmische Böen in exponierten Lagen der
Ostseeküste.

Basis für Mittelfristvorhersage
MOS-MIX, IFS-EPS

VBZ Offenbach / Dipl.-Met. Peter Hartmann