SXEU31 DWAV SYNOPTISCHE UEBERSICHT MITTELFRIST Mittwoch, den 25.11.2020 um 10.30 UTC

S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T M I T T E L F R I S T
ausgegeben am Mittwoch, den 25.11.2020 um 10.30 UTC

Weitgehend ruhiges Hochdruckwetter am Rande von Höhentiefs, die auch etwas
Niederschlag hervorrufen können.

Synoptische Entwicklung bis zum Mittwoch, den 02.12.2020

Am Samstag, zum Beginn des Mittelfristzeitraumes, ist nach IFS eine
Geopotentialbrücke zu erwarten, die einen Rücken im Raum Griechenlands mit
weitem Schwung nach Nordwesten über Frankreich hinweg mit einem
Geopotentialmaximum über Skandinavien verbindet. Dieses Gebilde wird von
Höhentiefs flankiert, die über Belarus und dem westlichen Mittelmeer ihr Unwesen
treiben, wobei ersteres auch mit viel kalter Luft aufwartet. Bodennah ist die
Luftdruckverteilung von Hochs dominiert, deren Zentren aber weit entfernt
liegen, zum einen im Bereich des Urals und zum anderen weit draußen auf dem
Atlantik. Tiefs liegen dagegen weit im Norden im Raum Grönlands und vor der
Iberischen Halbinsel. Relativ hoher Luftdruck, aber bei sehr flacher
Druckverteilung ist über weiten Teilen Nord- und Osteuropas zu finden, wobei
sich über Belarus das Höhentief als flaches Bodentief in die Hochdruckzone
durchpaust. Dieses Tief führt auch eine wenig wetteraktive Kaltfront in den
Nordosten Deutschlands, die dort für etwas mehr Bewölkung und ein paar
Regentropfen sorgen kann. Die dort deutlich niedrigere Temperatur in 850 hPa
(bis -8 Grad) macht sich bodennah nicht bemerkbar, denn unter der milden
Luftmasse im restlichen Land liegt eine Inversion, so dass auch dort bodennah
mäßig-kaltes Temperaturniveau herrscht. Immerhin ist es dort trocken und
zumindest stellenweise kann der Hochnebel auflockern, was bei leichtem Ostwind
an den Westseiten der Berge am wahrscheinlichsten ist. Nicht großer Erwähnung
bedarf, wie sonnig es in den Hochlagen wird.

Am Sonntag verbindet sich das östliche Höhentief mit einem zum Nordmeer
ziehenden Trog und durchbricht damit die Geopotentialbrücke. Wir verbleiben aber
weiter unter hohem Potential. Blickt man auf das Bodendruckfeld, so bildet sich
zunehmend eine weit nördlich liegende zonale Hochdruckbrücke, die ein Hoch
westlich Irlands mit einem mittlerweile auf über 1050 hPa aufgeblähten Hoch
östlich des Urals verbindet, wobei die Brücke über dem Ostseeraum eine
Schwachstelle aufweist. Trotzdem dominiert insgesamt weiter der östliche bis
nordöstliche Wind, der die kältere Luft nach Westen vordringen lässt, was dort
zumindest in den bisher thermisch begünstigten Lagen zu spüren sein dürfte.
Weiter bleibt es dort bei der Hochdrucklage mit teils Hochnebel, teils Sonne,
wobei die Abschwächung der Inversion teilweise die Sonnenchancen erhöhen dürfte.
Schlecht sieht es dagegen im Alpenvorland aus, wo sich zunehmend eine
Staukomponente einstellt. Im Osten kann es in der Nähe der Kaltfront weiterhin
etwas Regen.

Am Montag schwenkt der Trog vom Nordmeer nach Skandinavien, wobei sich über dem
Ostseeraum bis Dienstagfrüh ein Tief bildet. Dies spaltet das Hoch in eine West-
und eine Osthälfte und lässt den Wind von Norden her allmählich von Nordost auf
Südwest drehen. Zudem frischt dieser in der Nacht zum Dienstag im Ostseeraum
auf. Ganz im Norden sorgt die zyklonale Aktivität auch für Regen, ansonsten
bleibt es bei Hochdruckwetter.

Am Dienstag tropft der skandinavische Trog ab und zieht in der Nacht zum
Mittwoch nach Polen. Das Bodentief zieht unter Abschwächung ebenfalls südwärts.
Ein schwaches Regengebiet überquert Deutschland von Nordost nach Südwest. Der
Wind dreht auf Nordwest, teils Nord und nach vorübergehend milderer Luft gelangt
wieder kältere Luft zu uns. Rückseitig der Front geht im Nordosten die
Temperatur in 850 hPa auf -6 Grad zurück. Im höheren Bergland ist folglich etwas
Schnee zu erwarten.

Am Mittwoch soll das abgetropfte Höhentief westwärts nach Deutschland wandern.
In 500 hPa geht dann die Temperatur bis -35 Grad zurück, in 850 hPa bis -8 Grad.
Das Hoch etabliert seinen Schwerpunkt über Russland und der Wind dreht wieder
Richtung Ost. Insbesondere im Nordosten könnte der Ostwind recht kräftig werden.
Ansonsten ist bei bewölktem Himmel zeitweise Niederschlag zu erwarten, wobei die
Schneefallgrenze allmählich in tiefere Lagen sinkt.

In der erweiterten Mittelfrist soll das Höhentief nach Nordwesten abziehen. Im
Osten hält sich das Hochbollwerk, sieht sich aber zunehmend mit einem
Langwellentrog über Südwesteuropa konfrontiert. Damit könnte der Wind wieder
Richtung Süd drehen, allerdings dürfte noch recht lange Hochdruckeinfluss
herrschen und damit zumindest bodennah mäßig kaltes Wetter.

Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs

Die Konsistenz des aktuellen IFS-Laufs mit den beiden Vorgängern ist schlecht.
Schon am Samstag/Sonntag gibt es Unterschiede bezüglich der Ausdehnung des
Höhentiefs und damit der kälteren Luft nach Westen. Das nächste System wird am
Dienstag erwartet, aber in den letzten Läufen gab es diesbezüglich immer sehr
unterschiedliche Simulationen. Die Geschichte mit dem Höhentief am Mittwoch
wurde immerhin im gestrigen 12-UTC-Lauf schon über Polen angedeutet, während der
gestrige 00-UTC-Lauf noch einen Trog über Osteuropa zeigte.

Vergleich mit anderen globalen Modellen

Auch die übrigen Globalmodelle zeigen recht unterschiedliche Entwicklungen. Am
Sonntag lässt kein anderes Modell das Höhentief so weit nach Westen ausgreifen
wie IFS. Am Dienstag soll das nächste System bei ICON und GFS eher vom Hoch
abgeblockt werden, GEM lässt das Höhentief dagegen direkt von Norden her zu uns
abtropfen und dann nach Süden abziehen.
In der erweiterten Mittelfrist tummelt sich dieses dann nach GEM über dem
Tyrrhenischen Meer, nach IFS zieht es – wie oben beschrieben – nach Nordwesten
ab. Bei GFS taucht es dagegen erst am Donnerstag von Osten her bei uns auf.

Bewertung der Ensemblevorhersagen

In der frühen Mittelfrist am Samstag und Sonntag wird das IFS-Ensemble schon auf
sechs Cluster verteilt. Diese spiegeln die Unsicherheit der Lage des Höhentiefs
wider, wobei nicht nur östlichere Varianten (wie zu erwarten) auftauchen,
sondern in C6 (3 Mitglieder) auch eine Variante mit dem Höhentief über
Deutschland. In der zentralen Mittelfrist von Montag, 00 UTC bis Mittwoch, 00
UTC gibt es dann drei Cluster. Bei C1 (21 Mitglieder) zieht das Höhentief nie
richtig ab, kommt dann zum Mittwoch hin über dem östlichen Mitteleuropa als Trog
zu liegen. C2 (17 Mitglieder, Hauptlauf, Kontrolllauf) lässt das Höhentief etwas
nach Osten wandern und dann am Mittwoch wieder von dort zurückkommen. Bei C3 (13
Mitglieder) bleibt dagegen das ganze Höhentiefsystem eher östlich unseres
Landes. In der erweiterten Mittelfrist zeigen sechs Cluster zumindest eines
einheitlich: Hohem Potential im Nordosten steht niedriges im Südwesten
gegenüber. Wer setzt sich durch? Dafür gibt es unterschiedliche Varianten, von
einem sehr beständigen Hoch bis hin zum Sturmtief über den Britischen Inseln und
der Nordsee (C6 mit drei Mitgliedern).

Die Rauchfahnen zeigen für verschiedene Orte einen leichten Rückgang der
Temperatur mit Minimum zwischen Sonntag und Dienstag und danach im Mittel wieder
einen allmählichen Anstieg. Allerdings ist die Unsicherheit hoch und die
Aussagekraft für tiefere Lagen gering. Beim Geopotential deutet sich im Mittel
allenfalls ein leichter Rückgang an, zudem nimmt auch hier die Unsicherheit zu.
Das Minimum zur Mitte der nächsten Woche wird zwar von mehreren Läufen gezeigt,
längst aber nicht von der Mehrheit. Niederschlagssignale tauchen zur Mitte der
nächsten Woche überall auf, im Norden schon ab Montag.

Bei den GFS-Rauchfahnen fällt auf, dass diese vor allem in der Mitte und im
Süden Deutschlands nächste Woche etwas deutlicher in Richtung niedrigerer
Temperatur und niedrigeres Potential zeigen.

Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen

Bezüglich signifikanter Wettergefahren sieht es in der Mittelfrist sehr ruhig
aus. Erst zum Dienstag deutet sich bei IFS-EPS eine geringe Wahrscheinlichkeit
für stürmische Böen an einigen Küstenabschnitten an.

Basis für Mittelfristvorhersage
MOS-MIX (21 UTC), IFS-EPS; Wir nehmen heute das MOS-MIX, das den 12-UTC-Lauf des
IFS enthält, da das Höhentief, das der jüngste Lauf nächsten Mittwoch simuliert,
eine zu extreme Lösung ist.

VBZ Offenbach / Dipl.-Met. Peter Hartmann