SXEU31 DWAV SYNOPTISCHE UEBERSICHT KURZFRIST Montag, den 16.11.2020 um 18 UTC

SXEU31 DWAV 161800

S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T K U R Z F R I S T
ausgegeben am Montag, den 16.11.2020 um 18 UTC

Markante Wettererscheinungen:
Im Norden etwas windig, im Süden teils neblig. Zum Mittwoch noch einmal
deutliche Milderung und freundlich, zum Donnerstag Temperaturrückgang.

Synoptische Entwicklung bis Donnerstag 12 UTC

Aktuell … wölbt sich in der westlichen Höhenströmung westlich der Britischen
Inseln ein breiter Höhenrücken auf, während unser Land von einem Höhentrog
überquert worden ist, der rasch nach Osten abzieht. Bodennah herrscht ebenso
eine westliche Strömung zwischen einem Hoch mit Schwerpunkt über Südfrankreich
und den Alpen und Tiefs, die sich vom Nordatlantik ins Europäische Nordmeer
verlagern. Dies hat insbesondere im Norden des Landes einen recht kräftigen
Druckgradienten zur Folge, so dass dort der Südwestwind noch mäßig weht,
Windwarnungen sind aber nur noch an der Nordsee nötig und auch dort herrscht
Abschwächungstendenz. Auf dem Brocken weht der Wind in Böen noch in Sturmstärke.
Die eingeflossene kühle Meeresluft ist leicht labil geschichtet, so dass es vor
allem im Norden zu Schauern kommt. Mit der flotten Westströmung nähert sich von
Westen die Warmfront eines Tiefs nordwestlich von Schottland, deren hohe
Bewölkung sich schon im Westen des Landes am Himmel zeigt. Zudem sorgt die WLA
für Stabilisierung und damit nachlassende Schauertätigkeit von Westen her.

In der Nacht zum Dienstag verstärkt sich die WLA und weitet sich aufs ganze Land
aus. In der zweiten Nachthälfte ziehen im Nordwesten auch leichte Regenfälle
auf. Zudem verstärkt sich dort im Nachtverlauf der Gradient wieder etwas, so
dass im Nordseeküstenbereich wieder verstärkt steife Böen aus Südwest erwartet
werden, in exponierten Lagen kann es auch stürmische Böen geben. Auf dem Brocken
hält der Südwestwind weiter an, dort bleibt es bei stürmischen Böen bis
Sturmböen aus Westsüdwest. Im Süden ist der Wind im Bereich des sich noch etwas
zu uns ausweitenden Hochs recht schwach, zudem lockern dort die Wolken auf, so
dass sich dort die Luft etwas stärker abkühlen kann auf etwa 5 bis 1 Grad mit
geringer Frostgefahr in unmittelbarer Alpennähe. Etwas verbreiteter sollte es
jedoch Bodenfrost geben, was zu dieser Jahreszeit aber niemanden überraschen
dürfte. Vor allem dürfte sich aber im Nachtverlauf Nebel und Hochnebel
ausbreiten. In den übrigen Landesteilen bleibt es bei etwas mehr Wind und kaum
auflockernder Bewölkung milder mit 9 bis 5 Grad.

Dienstag … wölbt sich der Höhenrücken immer weiter auf und seine Achse nähert
sich Deutschland an. Auch die bodennahe Hochdruckzone weitet sich noch etwas
nach Norden und Osten aus und gliedert sich zunehmend dem über Russland
liegenden Festlandshoch an. Über der Nordhälfte des Landes bleibt aber noch ein
ganz ordentlicher Gradient erhalten, mit dem die Warmfront über Deutschland
hinweg ostwärts geführt wird. Damit ist vor allem über dem Norden und der Mitte
des Landes Hebung verbunden, die nicht nur für viele Wolken sorgt, sondern auch
für zeitweilige, meist aber nur leichte Regenfälle, die ostwärts geführt werden.
In Summe werden das meist nur 2 bis 3 l/qm werden, vereinzelt vielleicht um 5
l/qm. Südlich von Nahe und Main bleibt es dagegen trocken. Dort kann sich
teilweise dichte tiefe Bewölkung halten, im äußersten Süden soll sich dagegen
die Sonne durchsetzen. In den höheren Lagen des Schwarzwaldes und der Alpen ist
das sowieso der Fall. Der Wind spielt dabei im Süden unter dem Hoch keine große
Rolle, in der Nordhälfte weht er weiterhin mäßig um Südwest. Zu warnwürdigen
Böen kommt es an der Nordsee, vielleicht auch mal vereinzelt im Binnenland
Schleswig-Holsteins oder an exponierten Stellen der Ostseeküste. Auf dem Brocken
gibt es weiterhin Böen bis Sturmstärke. Das Temperaturniveau mit Höchstwerten
zwischen 10 und 15 Grad ist für die Jahreszeit weiterhin sehr mild.

In der Nacht zum Mittwoch wölbt sich der Rücken weiter auf und seine Achse
erreicht das Vorhersagegebiet. Damit gelangen immer größere Bereiche Deutschland
in den Bereich des Absinkens. Der Schwerpunkt des Bodenhochs verlagert sich eher
ins südöstliche Mitteleuropa, so dass im Süden Deutschlands der schwache Wind
eher Richtung Süd oder Südost dreht. Im Norden und Nordwesten bleibt noch ein
etwas stärkerer Gradient erhalten. Somit bleibt es auch ganz im Norden noch
windig, aber mit etwas abnehmender Tendenz. Warnwürdige Böen (nach wie vor aus
Südwest) über 50 km/h werden wohl hauptsächlich noch an der Nordfriesischen
Küste auftreten. Auch auf dem Brocken nimmt der Wind etwas ab und es treten
meist nur noch stürmische Böen auf. Nach dem Abzug der Warmfront nach Osten
lockern auch im Norden die Wolken etwas auf, nur ganz im Norden können weiterhin
viele tiefe Wolken den Himmel trüben. In den übrigen Landesteilen breiten sich
dagegen – teils nach vorübergehenden Auflockerungsphasen – Hochnebelfelder
wieder aus, teils kann es auch dichten Nebel geben. In höheren Lagen bleibt es
dagegen vielfach wolkenfrei. Bei den Temperaturen gibt es ein deutliches
Nord-Süd-Gefälle: Während ganz im Norden in der milden Luftmasse unter Wolken
und bei Wind die Tiefstwerte um 11 Grad liegen, kann es am windstillen und
wolkenarmen Alpenrand bis auf -1 runtergehen.

Mittwoch … verlagert sich die Keilachse zumindest in ihrem Nordteil nach
Osten, das heißt der Höhenkeil beginnt zu kippen. Er wird nämlich von Nordwesten
her von einem Trog attackiert, der in Richtung der Britischen Inseln schwenkt.
Zwar bleiben wir in 500 hPa noch in einem Bereich recht schwacher Winde, in
tieferen Lagen nimmt aber die Südwestströmung deutlich zu, da sich das Hoch nach
Südosten verabschiedet und über der Nordsee der Druck deutlich fällt. Damit
breitet sich in 850 hPa die 10-Grad-Isotherme über ganz Deutschland aus. Die
Kaltfront des in die nördliche Nordsee ziehenden Tiefs bleibt dagegen noch außen
vor. Somit liegt Deutschland am Mittwoch in einer milden und trockenen
Südwestströmung, was oberhalb der Grenzschicht für (von einigen Cirren
abgesehen) weitgehend wolkenfreien Himmel sorgt. Im Norden sollten die tiefen
Wolkenfelder allmählich nach Norden abziehen, in der Mitte und im Süden sind die
Chancen gut, dass sich bei etwas auffrischendem Südwestwind Nebel- und
Hochnebelfelder auflösen. Lediglich ganz im Süden, wo es noch schachwindig
bleibt, kann sich die Suppe eventuell bis zum Abend halten. Bei dieser
Windrichtung sind das Bodenseegebiet und die untere Donau dafür prädestiniert.
Zurück zum Wind: Vor allem an der Nordsee kommt es wieder zunehmend zu steifen
Böen, von Helgoland bis Nordfriesland auch stürmischen Böen. An der Ostsee ist
bei Südsüdwestwind kaum ein Küstenabschnitt exponiert, so dass dort vielleicht
gar keine Warnungen nötig werden. In den zentralen Mittelgebirgen werden in den
Kammlagen in Böen wieder Bft 7 bis 8 erreicht, der Brocken ist zunehmend mit
Sturmböen bzw. schweren Sturmböen dabei. Bei den Temperaturen geht es nochmal
nach oben: Vor allem im Westen und im Lee der Mittelgebirge sind bis zu 17 Grad
drin, sonst meist 11 bis 15. Unter anhaltendem Nebel werden es wohl kaum mehr
als 7 Grad.

In der Nacht zum Donnerstag nähert sich der Höhentrog rasch an. Seine Achse
erreicht die Nordsee und den Ärmelkanal. Deutschland gelangt dabei von
Nordwesten her zunehmend in eine recht kräftige Südwestströmung. Das Bodentief
zieht unter weiterer Verstärkung zum Bottnischen Meerbusen. Das führt zu einer
deutlichen Gradientverschärfung in Norden, so dass insbesondere an der Nordsee
zunehmend mit Sturmböen aus Südwest zu rechnen ist, an der Ostsee in exponierten
Lagen mit stürmischen Böen. Im küstennahen Binnenland kommt es zu steifen Böen.
Auch auf den Bergen wird es noch etwas stürmischer, so dass vielleicht in
einzelnen Mittelgebirgen die Kammlagen gewarnt werden müssen. Der Brocken
steigert sich bis hin zu orkanartigen Böen. Deutlich windschwächer bleibt es
noch ganz im Südosten, so dass dort bei weiterhin wolkenarmem Himmel (oberhalb
der Grenzschicht) der bodennahe Nebel und Hochnebel wieder an Raum gewinnt, vor
allem an der unteren Donau. Im restlichen Land zieht rasch die Kaltfront mit
reichlich Bewölkung auf, diese erreicht am Morgen schon eine Linie
Vorderpfalz-Oderbruch. An ihr kommt es aber zu nicht allzu starker Hebung. Die
PVA ist insgesamt noch relativ schwach, zudem ist sie von KLA überlaufen, so
dass es meist bei leichten, wenngleich teils auch leicht schauerartigen
Regenfällen bleibt. Trotz eines erheblichen Rückgangs der Temperatur in 850 hPa
im Nordwesten auf 0 Grad, geht bodennah das Temperaturniveau nur wenig zurück.
So verteilen sich die Tiefstwerte der Nacht zwischen 10 Grad an der See und
wieder um 0 Grad im Südosten, wobei sich die potentiellen Frostgebiete im
Vergleich zur Vornacht verringern.

Donnerstag … rauscht der Langwellentrog mit Macht herein in unser Land und
weitet sich auch weiter nach Süden aus. Das Bodentief vertieft sich weiter und
zieht über die Halbinsel Kola hinweg. Während die Kaltfront bis zum Nachmittag
den Südosten des Landes erreicht, zieht am späten Vormittag im Nordwesten schon
eine weitere auf. Diese erreicht bis zum Abend schon eine Linie
Uckermark-Südpfalz. Mit ihr gelangt eine nochmals etwas kältere Luftmasse
polaren Ursprungs in den Nordwesten in der im 850-hPa-Niveau die Temperatur auf
-4 bis -5 Grad zurückgeht, was in diesem November schon als sensationelles
Temperaturniveau erscheint. Rückseitig der Kaltfront dreht der Wind auf Nordwest
und frischt an der Front deutlich auf, so dass dort verbreitet steife Böen zu
erwarten sind. Trotz des weiter abziehenden Tiefs verstärkt sich der Gradient
noch etwas, vor allem weil von Westen ein Hoch nachrückt. An der See kommt es zu
weiteren Sturmböen, auch schwere Sturmböen sind nicht ausgeschlossen. Auch bis
ins nördliche Binnenland kommt es zu steifen Böen und vereinzelten stürmischen
Böen. Im höheren Bergland wird es ebenso stürmisch und auf dem Brocken kommt es
weiter zu orkanartigen Böen. Nun zum Wetter: Im Südosten wird die
Grenzschichtbewölkung am Vormittag weggeblasen und am Nachmittag erreichen die
Regenfälle der ersten Kaltfront die Alpen. Die Schneefallgrenze sinkt dort erst
einmal auf etwa 1100 m, die Neuschneemengen fallen aber noch recht gering aus.
Mit der zweiten Kaltfront ziehen von Nordwesten wieder schauerartige
Niederschläge auf, wobei die Schneefallgrenze nachfolgend im Nordwesten auf etwa
600 m sinkt, was zumindest im Harz und Rothaargebirge schon für eine kleine
Schneeauflage reicht. In den Hochlagen von Eifel bis Thüringer Wald reicht es
zumindest für erste Flocken. Noch einmal werden Höchstwerte zwischen 8 und 13
Grad erreicht, wobei vor allem im Nordwesten und Südosten die Höchstwerte schon
früh am Tage erreicht werden dürften.

Modellvergleich und -einschätzung

Die synoptische Entwicklung wird von den vorliegenden Modellen sehr ähnlich
gesehen.

Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl.-Met. Peter Hartmann