SYNOPTISCHE UEBERSICHT MITTELFRIST ausgegeben am Freitag, den 13.11.2020 um 10.30 UTC

S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T M I T T E L F R I S T
ausgegeben am Freitag, den 13.11.2020 um 10.30 UTC

Zunehmend wechselhaft mit zeitweiligem Regen und frischem Wind. In der zweiten
Wochenhälfte außerdem deutlich kühler, am Freitag in den Mittelgebirgen und den
Alpen etwas Schnee möglich.

Synoptische Entwicklung bis zum Freitag, den 20.11.2020

Montag … verläuft ein recht schmal konturierter Trog vom Europäischen Nordmeer
über das südliche Norwegen und Dänemark bis nach Süddeutschland und Oberitalien.
Dieser wird zum einen in Osteuropa begrenzt durch einen flachen Rücken, zum
anderen wölbt sich über dem Atlantik ein deutlich ausgeprägterer weiterer Rücken
auf. Im Bodendruckfeld ist das steuernde Tief westlich des südlichen Norwegens
zu finden und die mittlerweile okkludierte Front verläuft vom südlichen
Skandinavien über die Nordsee sowie Osteuropa hinweg in den östlichen Alpenraum
und schleift dort ein wenig. Mit dieser Front findet auch ein merkbarer
Luftmassenwechsel statt, die Temperatur in 850 hPa liegt zum Mittagstermin im
Bereich von 0 Grad. Die Tagesmaxima kommen daher in vielen Regionen nur knapp
über die Marke von 10 Grad hinaus, außerdem fällt gebietsweise noch leichter
Regen. Der vorhandene Druckgradient sorgt außerdem für die eine oder andere
starke bis stürmische Böe an der Küste sowie im Bergland. In der Nacht zum
Dienstag verlässt die Trogachse Deutschland in Richtung Osten und der Einfluss
des nachfolgenden, umfangreichen Rückens wird langsam stärker. Gestützt wird
dieser durch kräftige Warmluftadvektion, die sich im Westen Deutschland bereits
mit dichten Wolkenfeldern und leichtem Regen bemerkbar macht. Ansonsten verläuft
die Nacht wechselnd bewölkt, im Süden auch mit etwas Regen, bei Tiefstwerte im
mittleren einstelligen Bereich. Warnrelevante Böen treten am ehesten noch an der
Nordsee auf.

Dienstag … verläuft die Achse des Rückens von der Iberischen Halbinsel über
Frankreich bis in die Nordsee. Die vorhin erwähnte und von einem kleinräumigen
Tief über dem Süden Skandinaviens gesteuerte Warmfront wird zum Mittagstermin
längs über Deutschland erwartet. Damit in Verbindung steht ein leichter Anstieg
der Luftmassentemperatur auf 3 Grad im Osten und etwa 5 Grad im Westen. Daraus
resultiert im Allgemeinen ein stark bewölkter Tag mit herbstlichen
Temperaturwerten und gebietsweise auftretendem leichten Regen. In der Nacht zum
Mittwoch schwenkt der Rücken weiter in Richtung Mitteleuropa, wobei aufgrund
eines sich neu formierenden Troges über dem Atlantik die Wellenlänge etwas
abgebaut wird. Der WLA-induzierte Regen klingt meistens ab und die Nacht
verläuft daher meist trocken, im Südosten ist stellenweise leichter Frost
möglich. Sowohl am Tag als auch in der Nacht bleibt der Wind an der Küste und
besonders an der Nordsee ein Thema mit starken Böen aus Südwest.

Mittwoch … setzt sich der Trend der Nacht fort. Der Trog über dem Atlantik
greift auf die Britischen Inseln über und über Osteuropa wird die zonale
Verlagerung des Rückens in Richtung Osten stark eingeschränkt. Daher kommt die
Achse des Rückens nur langsam in Richtung Polen, Tschechien und den Osten
Österreichs voran und wird weiterhin in seiner Wellenlänge etwas abgebaut. Mit
dem nachrückenden Trog steht auch frontales Geschehen auf dem Programm, die
Okklusion des steuernden Tiefs über dem Europäischen Nordmeer greift im Laufe
des Tages bereits auf den Nordwesten Deutschlands über. Damit ergibt sich
tagsüber vor allem in den mittleren und östlichen Regionen ein schmales
Zeitfenster für etwas Sonnenschein, bevor die Bewölkung im Tagesverlauf bereits
wieder dichter wird und in der Westhälfte leichter bis mäßiger Regen einsetzt.
Der Wind ist unverändert vor allem an den Küsten und den höheren Lagen zu spüren
mit starken Böen, auf dem Brocken auch mit Sturmböen. In der Nacht zum
Donnerstag greift der Trog vollends auf den Nordwesten Deutschlands über und die
Okklusion passiert auch den Osten Deutschlands in Richtung Osteuropa. Neben dem
gebietsweise auftretendem leichten bis mäßigen Regen verschärft sich auch der
Gradient etwas, sodass in der Nordwesthälfte auch im Binnenland starke Böen
etwas wahrscheinlicher werden.

Donnerstag … ist eine Kombination aus einer Troglage, eingeflossener kühler
Meeresluft subpolaren Ursprungs und einer westlichten Strömung mit einzelnen
starken Böen, auf den Bergen und an den Küsten Sturmböen. Den Tag prägen daher
dichtere Wolken, ab und zu ein paar Schauer und Tageshöchstwerte unter 10 Grad
(bei einer Temperatur in 850 hPa von unter -2 Grad ist nicht mehr drin). Am
Abend und in der Nacht zum Freitag bildet sich über den Britischen Inseln ein
Sekundärtrog, der seine Konturen ausweitet und in der Nacht zum Freitag auf den
Westen Deutschlands übergreift. Das darin eingelagerte Bodentief schwenkt am
Donnerstagabend von Atlantik unter Vertiefung nach England (Kernisobare 995 hPa)
und wird ausgangs der Nacht in ähnlicher Stärke im Bereich der Niederlande und
Belgien erwartet. Damit bleibt auch während der Nacht der wechselhafte
Witterungscharakter erhalten und die Windentwicklung rückt zunehmend in den
Fokus. Die Unsicherheiten sind zwar noch große, aber zumindest ein paar
stürmische Böen sind auch abseits der Küstenlinien wahrscheinlich.

Freitag … passiert die Trogachse auch die mittleren Gebiete Deutschland und
erreicht den Osten des Landes. Damit stellt sich erneut eine Troglage ein, bei
der vor allem die postfrontal einströmende kalte Meeresluft polaren Ursprungs
erwähnenswert ist (T850 hPa teilweise unter -5 Grad). Damit besteht in den
Mittelgebirgen die Chance auf die ersten relevanten Schneeflocken der Saison,
oberhalb 700 m dürfte es weiß werden (Die Unsicherheiten sind aber noch groß).
Im Flachland gibt es dagegen die flüssige Phase mit spätherbstlichen
Temperaturwerten und einem deutlich merkbaren westlichen Wind (an den Küsten und
im Bergland weiterhin starke bis stürmische Böen).

Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs

Die Konsistenz des aktuellen EZMW-Lauf kann zunächst als mäßig, in der zweiten
Hälfte der kommenden Woche als schlecht bezeichnet werden. Die Trogsituation am
Montag wird auch von den Vorläufen mit kleineren Diskrepanzen gezeigt und ist
damit in „trockenen Tüchern“. Dieser wird in der Nacht zum und am Dienstag vom
nachrückenden Rücken abgelöst, wobei dieser Prozess nun etwas langsamer als in
den Vorläufen simuliert vor sich geht. Im Gegensatz zum gestrigen 00-UTC-Laufs
etabliert sich dieser Rücken nicht über Mitteleuropa, sondern wird ab der Nacht
zum Donnerstag von einem weiteren vom Atlantik nach Mitteleuropa schwenkenden
Trog nach Osteuropa abgedrängt. Dies steht in besserer Konsistenz zum gestrigen
12-UTC-Lauf, der aber noch etwas progressiver war. In der zweiten Wochenhälfte
würde sich demnach kühleres und durch weitere Randtröge auch wechselhafteres
Wetter durchsetzen.

Vergleich mit anderen globalen Modellen

Zum Beginn des mittelfristigen Vorhersagezeitraums am Montag sind sich die
verschiedenen Globalmodelle noch weitgehend einig, wenngleich der Trog bei EZMW
etwas weiter nach Süden über die Alpen ausgreift und Abtropftendenzen aufweist.
Der aufwölbenden Rücken am Dienstag haben ICON und GFS ebenfalls im Programm.
Danach wird es deutlich spannender, denn GFS lässt den nachfolgenden Trog
bereits am Mittwoch die Nordhälfte Deutschlands passieren, während ICON das
Bundesgebiet noch unter der Achse des Rückens belässt. EZMW nimmt damit eine
Zwischenlösung ein. Erwähnenswert ist außerdem, dass die Trogpassage in ICON
deutlich weniger ausgeprägt simuliert wird, die Höhenströmung dreht dabei
schneller auf westliche Richtung. Damit ist aber auch der Weg frei für einen
progressiveren Trogdurchgang in der Nacht zum und am Freitag.

Bewertung der Ensemblevorhersagen

EPS:
Die Rauchfahnen für repräsentative Orte in Deutschland weisen im Wesentlichen
einen ähnlichen Verlauf auf. Nach dem Durchgang des Troges am Montag kommt es
überall zu einem Geopotentialanstieg, der in Verbindung mit kräftiger WLA steht
(am Mittwoch in 850 hPa bis +10 Grad). Während der Verlauf des Geopotentials
eine mäßige Schwankungsbreite aufweist, gibt es beim Temperaturverlauf doch
größere Unsicherheiten. Der Frontdurchgang am Mittwoch und in der Nacht zum
Donnerstag kann daher zeitlich noch nicht eindeutig festgelegt werden. Danach
ist der Kurs klar: zunehmend Troglage mit zeitweise auftretenden Niederschlägen
und weiter zurückgehenden Temperaturen. Die Streuung ist allerdings weiterhin
hoch.

CLUSTER:
+120 … +168h: Es liegen drei Cluster vor, die zwischen 14 und 22 Member
aufweisen und alle dem Strömungsmuster „positive NAO“ zugeordnet werden können.
Die wesentlichen Unterschiede bestehen darin, wie schnell der Rücken am Mittwoch
und Donnerstag vom nachfolgenden atlantischen Trog nach Osten verdrängt wird.
Bei diesem bestehen auch noch deutliche Unsicherheiten in seiner genauen
Ausprägung.

+192 … +240h: In diesem Zeitraum wird das Bild deutlich diffuser. Zum einen
erhöht sich die Clusteranzahl auf vier (Cluster 1 mit 23 Member, Cluster 2 bis 4
bis jeweils 6 bis 12 Member), zum anderen mischen sich auch die Strömungsmuster
„negative NAO“ und „Blocking“ dazu. Damit bleibt unsicher, ob Mitteleuropa
zunehmend durch eine Troglage geprägt wird (am wahrscheinlichsten), oder die
Lage doch etwas indifferenter wird.

Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen

WIND:
Am Montag vor allem an der Nordsee sowie in hohen Lagen der zentralen
Mittelgebirge einzelne stürmische Böen aus Südwest. Am Dienstag und Mittwoch
auch an der Nordsee meist weniger als Bft 8. Am Donnerstag und am Freitag wieder
höhere Wahrscheinlichkeit für einzelne stürmische Böen an der Nordseeküste sowie
in den Mittelgebirgen.

Basis für Mittelfristvorhersage
EZMW-EPS, MosMix

VBZ Offenbach / Mag.rer.nat. Florian Bilgeri