SXEU31 DWAV SYNOPTISCHE UEBERSICHT KURZFRIST Freitag, den 13.11.2020 um 18 UTC

SXEU31 DWAV 131800

S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T K U R Z F R I S T
ausgegeben am Freitag, den 13.11.2020 um 18 UTC

Markante Wettererscheinungen:
Zunächst auf dem Brocken Sturmböen. Ab Sonntag auffrischender Wind mit Sturmböen
an den Küsten, im Bergland sowie allgemein mit Passage der Kaltfront ab
Sonntagnachmittag. Dabei auch kurze Gewitter mit Bft 8 bis 9 möglich.

Synoptische Entwicklung bis Montag 12 UTC

Aktuell … liegen wir in einer westsüdwestlichen Strömung zwischen einem
hochreichenden Tief über dem Nordostatlantik und einem blockierenden Hoch über
Ost- und Südeuropa. Das Frontensystem des Zentraltiefs bei Island nähert sich
aktuell von Westen her und überquert in der Nacht zum Samstag die Nordhälfte
ostwärts. Da die Höhenströmung vor einem kurzwelligen Troganteil etwas nach
Südwest rückdreht, gerät die Kaltfront über der der Mitte ins Schleifen und geht
in die Warmfront einer Welle nahe der Biskaya über. Insgesamt gelangt dabei
milde bis sehr milde Meeresluft nach Deutschland.
Im Norden und der Mitte kommt dabei von Westen her leichter Regen auf. Der Süden
wird von den frontalen Geschehnissen nicht erfasst. Es bleibt meist trocken und
aufgelockert. Im Nordwesten zeigen sich postfrontal im Laufe der Nacht wieder
Wolkenlücken.
Der zunächst im Nordwesten gut aufgestellte Druckgradient fächert wieder auf.
Zunächst sind an der Nordsee und im Bergland kräftige Böen aus Süd bis Südwest
zu erwarten, die aber nach Passage der Tiefausläufer weniger werden. Lediglich
auf dem Brocken gibt es anhaltend Böen Bft 8 bis 9 und die Windwarnungen können
dort durchlaufen. Mit Werten zwischen 2 Grad im Südosten und 10 Grad im
Rheinland bleibt es insgesamt mild. Nur ganz im Süden (Alpenvorland, Alpenrand)
muss bei geringer Bewölkung mit Bodenfrost gerechnet werden. Vor allem rund um
die Donau sowie südlich davon kann sich Nebel bilden. Das ein oder andere
Nebelfeld über der Mitte (Flusstäler) und im Nordwesten (bei Auflockerungen) ist
aber auch möglich.

Samstag … schwenkt ausgehend vom steuernden Tiefkomplex über dem Nordatlantik
ein weiterer Troganteil zu den Britischen Inseln, was stromab einen über
Mitteleuropa ostwärts schwenkenden Höhenrücken kräftigt. Westlich Schottlands
entsteht derweil ein neues Zentraltief, dessen Frontensystem über die Britischen
Inseln ostwärts zieht. Die westsüdwestliche Strömung – nun wieder mehr auf
antizyklonal getrimmt – geht aber weiter, ebenso wie die Advektion milder bis
sehr milder Meeresluft.

Mit Annäherung der Tiefausläufer kommt über Norddeutschland wieder
Warmluftadvektion auf, die dort zu mehrschichtiger Bewölkung führt. An den sich
auflösenden Frontenresten, die von der Mitte nach Norden gedrängt werden, fällt
zunächst auch etwas Regen, der sich in den Norden zurückzieht und weniger wird.
Im Tagesverlauf sorgt dann der sich kräftigende Hochkeil von Süden her für
größere Auflockerungen, die ganz im Norden aber wohl nicht greifen. Im Süden
scheint dafür teils längere Zeit die Sonne, während die Chancen auf Sonne im
Norden sehr limitiert sind.
Im Nordwesten nimmt im Tagesverlauf der Druckgradient erneut zu, so dass über
der freien Nordsee einzelne 7er Böen nicht ausgeschlossen werden können.
Ansonsten beschränken sich stärkere Böen auf die Gipfellagen des Berglandes.
Die Zufuhr milder Luft verstärkt sich und die Temperatur in 850 hPa steigt auf 4
Grad im Nordosten und bis 9 Grad im Südwesten. Die 2m Maxima liegen
zwischen 11/12 Grad im Nordosten und 17/18 Grad im Südwesten.

In der Nacht zum Sonntag zieht der Rücken nach Osten ab und auf der
Trogvorderseite setzt sich eine südwestliche, bodennah südliche Strömung bei uns
durch. Mit Annäherung der Ausläufer des Richtung GB ziehenden Tiefs verdichtet
sich die Bewölkung in der Nordwesthälfte und zwischen Rheinland und Nordsee
regnet es später leicht.
Ansonsten hält sich schwacher Hochdruckeinfluss mit Nebelfeldern vor allem im
Südosten. Ansonsten sorgt der langsam weiter zunehmende Gradient über der
Nordwesthälfte für eine leichte Windzunahme, die vor allem im Bergland und nach
Nordwesten hin wirksam wird. Über der Nordsee und im Bergland sind steife Böen
auf der Karte, ob es auch im Westen (Leelagen) dazu reicht, ist fraglich. Der
Brocken darf dagegen weiter mit Sturmböen glänzen.

Sonntag … nimmt die Dynamik des Wettergeschehens langsam aber sicher zu.
Großen Anteil daran hat an ein über Westeuropa nach Frankreich und in die
Nordsee schwenkender, deutlich markanter als seine Vorgänger ausgeprägter Trog.
Die vorgelagerte Kaltfront erfasst zum Abend den Westen und Nordwesten unseres
Landes.
Wir liegen davor zwar zunächst im Warmsektor des Tiefs bei Schottland, zum Teil
hält sich aber auch noch der Einfluss des langsam zurückweichenden Hochs über
Osteuropa.
Im Süden und Osten scheint so z.B. nach teils zögernder Auflösung von Nebel und
Hochnebel die Sonne, auch wenn im Tagesverlauf vermehrt hohe Wolken aufziehen.
In der Nordwesthälfte hingegen ist der Wolkenanteil größer, auch wenn gerade am
Vormittag noch ab und zu die Sonne scheint.
Im Laufe des Nachmittags setzt von Benelux und der Nordsee her teils konvektiver
Regen ein. Unterstützung bekommt die Front vor allem durch ein PVA-Maximum auf
der diffluenten Vorderseite des Troges, während die überlagerte KLA
teilkompensierend wirkt.

Mit Frontpassage sind 5 bis 10 mm Niederschlag in kurzer Zeit möglich, teils in
Verbindung mit Gewittern, die aufgrund guter Scherungsbedingungen sowie des
scharf konturierten Höhentrogs linienartig organisiert sein können
(wahrscheinlich im schmalen Bereich mit der stärksten frontalen Querzirkulation,
wie eindrucksvoll bei SuperHD zu sehen).
Bei Höhenwinden bis zu 50 Kt in 925 hPa sind an der Linie Böen 8-9 Bft zu
erwarten, zudem können die Gewitter von Graupel begleitet sein.

Darüber hinaus legt auch der gradientgetriggerte Wind im Tagesverlauf aus
südlichen Richtungen zu, vornehmlich – aber nicht ausschließlich – im Westen und
Nordwesten sowie in höheren Lagen. So kommt z.B. in Tälern von Osterzgebirge und
Zittauer Gebirge eine Art „Böhmischer Wind“ in Gang mit Spitzen 7-8 Bft. In
tiefen Lagen West- und Nordwestdeutschlands muss am Nachmittag mit Böen 6-7 Bft
gerechnet werden, bevor die Frontpassage den Höhepunkt bis Böen bis zu 9 Bft
bringt.
An und auf der Nordsee sowie in Kamm- und Kuppenlagen der meisten Mittelgebirge
(außer im Südosten) wird es auch ohne Front stürmisch (8 Bft, exponiert 9 Bft),
wobei der Brocken mit Böen 10 Bft die Nase vorn hat.

Aufgrund der relativ guten Durchmischung kann sich die im Warmsektor
einströmende sehr milde Biskayaluft (T850 7 bis 10°C) recht gut bis in tiefe
Lagen durchsetzen, was mit knapp 20°C im Oberrheingraben eindrucksvoll
illustriert wird. Aber auch sonst wird es sehr mild mit Höchstwerten von 12 bis
18°C, einzig im Südosten bei zähem Nebel/Hochnebel bleibt es frischer.

In der Nacht zum Montag passiert die Kaltfront rasch weite Landesteile,
lediglich im Südosten kommt sie zum Morgen etwas ins Schleifen. Rückseitig sorgt
die Zufuhr erwärmter Meeresluft polaren Ursprungs für einen merklichen
Luftmassenwechsel (Rückgang T850 auf 3 bis 0°C). Gebietsweise kommen 5 bis 10
l/qm, im Stau des Schwarzwaldes auch etwas mehr Niederschlag zusammen. Die
Gewitterwahrscheinlichkeit nimmt im Laufe
der Nacht aber ab, zumindest an der Front. Dafür sind später über und an der
Nordsee einzelne Troggewitter (T500 um -28°C) möglich.
Zwar frischt der Wind mit Frontdurchgang kurzzeitig auf, die
Wahrscheinlichkeit für Böen 8-9 Bft in tiefen Lagen nimmt aber ab. Was bleibt
sind Böen 7-9 Bft, Brocken 10 Bft in höheren Lagen sowie eine windige bis
stürmische Nordseeküste. An der Ostsee sind Böen 7-8 Bft aufgrund der
überwiegend ablandigen Windkomponente sowie des schwächer ausgeprägten
Gradienten eher die Ausnahme.

Montag … schwenkt der Höhentrog in der westlichen Strömung zügig über uns nach
Osten. Abends wird von seiner Achse die Oder und Neiße erreicht, während sich
von Westen ein Höhenrücken, von Warmluftadvektion überlaufen nähert.
Dabei strömt tagsüber von Westen her erwärmte Meereskaltluft ein, die in 850 hPa
Temperaturen von ca. 0°C aufweist. Mit Passage des Troges labilisiert die
Schichtung kurzzeitig (T500 bis -26°C) und es kommt zu Schauern, im Norden
eventuell zu kurzen Gewittern, obwohl die Labilität sich zugegebenermaßen doch
in Grenzen hält.
Im Übergangsbereich von hohem Druck über dem Mittelmeer zu den Tiefs über Nord-
und Nordwesteuropa stellt sich ein recht guter Druckgradient über Deutschland
ein, der für starke bis steife Böen reichen sollte, bei Schauern sind auch
einzelne 8er Böen aus Südwest bis West nicht ganz ausgeschlossen.

Dank der guten Durchmischung liegen die Temperaturen aber weiterhin zwischen 9
und 13 Grad.

Modellvergleich und -einschätzung

Die Modelle simulieren weitgehend ähnlich.

Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Bernd Zeuschner