SXEU31 DWAV SYNOPTISCHE UEBERSICHT KURZFRIST ausgegeben am Mittwoch, den 04.11.2020 um 18 UTC

SXEU31 DWAV 041800

S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T K U R Z F R I S T
ausgegeben am Mittwoch, den 04.11.2020 um 18 UTC

Markante Wettererscheinungen:
Hochdruckrandlage; an der Ostsee am Donnerstag nochmals stürmische Böen möglich.
Ansonsten ruhiges Herbstwetter, nachts gebietsweise leichter Frost und Nebel.

Synoptische Entwicklung bis Samstag 12 UTC

Aktuell … wird die Geopotenzialverteilung über dem nordatlantischen und
westeuropäischen Raum dominiert von einem umfangreichen Höhenhoch mit
Schwerpunkt nördlich der Azoren. Dadurch wird die Frontalzone weit nach Norden
abgedrängt; sie verläuft über Island und dem Europäischen Nordmeer nach
Skandinavien und von dort aus nach Nordwestrussland. Darin eingebettet,
überquert ein Langwellentrog in der kommenden Nacht die Ostsee und Finnland
ostwärts. Von diesem ausgehend reicht ein Randtrog aktuell über die südliche
Ostsee bis nach Norddeutschland. Dynamischer Hebungsantrieb auf dessen
Vorderseite ist kaum mehr auszumachen und sonderlich labil geschichtet ist die
höhenkalte Luftmasse im Achsenbereich des Troges auch nicht, so dass es – wenn
überhaupt – lediglich an den Küsten anfangs noch für einzelne Schauer reicht.
Im weiteren Verlauf dominiert ein vom atlantischen Höhenhoch ausgehender
Höhenkeil zunehmend das Wetter im Vorhersagegebiet. Dieser schiebt sich über die
Britischen Inseln zur Nordsee vor und drängt den weiter an Kontur verlierenden
Randtrog über Norddeutschland im Laufe der Nacht nach Südosten ab. Gleichzeitig
weitet sich im Bodenfeld eine Hochdruckzone über Mitteleuropa nach Ost- bzw.
Südosteuropa aus und verstärkt sich (um 06 UTC über 1038 hPa über der Mitte
Deutschlands). An deren Nordflanke bleibt auch nach Abzug des Randtroges im
Bodenfeld im äußersten Norden und Nordosten Deutschlands noch ein recht
veritabler Gradient aufrecht, so dass dort der Wind weiterhin lebhaft aus
westlichen Richtungen weht. An den Küsten, insbesondere der Ostsee, kann es
bevorzugt an exponierten Küstenabschnitten steife Böen (Bft 7) geben.
Im Laufe der zweiten Nachthälfte greift ein weiterer Höhentrog vom Nordmeer auf
Norwegen über. Diesem ist ein Frontensystem vorgeschaltet, dessen Warmfront
morgens die mittlere Nordsee sowie Südskandinavien erfasst. Kräftige WLA im
Vorfeld lässt morgens auch im Norden Deutschlands wieder mehrschichtige
Bewölkung aufziehen, bis auf etwas Nieselregen sollte es aber weitgehend trocken
bleiben.
Südlich daran anschließend lösen sich flache Quellwolken in den Abendstunden
rasch auf und es bleibt vielerorts gering bewölkt oder klar. Im Laufe der
zweiten Nachthälfte können sich gebietsweise aber Nebel- und Hochnebelfelder
ausweiten, nach Lesart höher aufgelöster Modelle vor allem in der Mitte und im
Osten. Ob allerdings wirklich so flächig wie vom C-D2 simuliert oder doch etwas
aufgelockerter (EURO4), bleibt abzuwarten. Auf jeden Fall kann es in den
Regionen, wo es längere Zeit klar bleibt, innerhalb der eingeströmten maritimen
Polarluft (um 0 Grad in 850 hPa) zumindest in ungünstigen Lagen leichten Frost
und verbreitet Bodenfrost geben.
Dichte Bewölkung hält sich auch im Südosten und Süden. Diese ist Aufgleiten an
der Nordflanke eines sich auflösenden Frontensystems über den Alpen bzw.
Norditalien geschuldet, wobei die Aufgleitprozesse anfangs auch noch durch eine
Gegenstromlage (Nord bis Ost am Boden, Südwest in der Höhe) gestützt werden. Im
Laufe der Nacht schwächen sich diese Prozesse aber weiter ab und es fällt kaum
mehr Regen. Übrig bleibt aber die dichte Bewölkung, die sich zwar von Norden
allmählich auflöst (zumindest im Norden Bayerns und Baden-Württembergs), sich
aber vor allem entlang und südlich der Donau bis zu den Alpen als äußerst zäh
erweist.
Dort, aber auch unter den dichten Wolken im Norden und Osten bleibt es
frostfrei, im äußersten Norden und Nordosten mit Minima zwischen 10 und 6 Grad
auch relativ mild.

Donnerstag … verlagert das atlantische Höhenhoch seinen Schwerpunkt zu den
Britischen Inseln. Der nach Mitteleuropa gerichtete Höhenkeil verstärkt sich
noch und weitet sich ins östliche Mitteleuropa aus, vom ehemaligen Randtrog
bleibt lediglich eine flache Potenzialrinne übrig, die über Süddeutschland
hinweg nach Westen verläuft.
Der Höhenkeil wird gestützt durch kräftige WLA an der Südflanke der Frontalzone.
Damit korrespondierend, greift die Warmfront eines sich allmählich Richtung
Barentssee verlagernden Tiefs auf Nord- und Nordostdeutschland über und kommt
allmählich ostsüdostwärts voran. Somit weitet sich die dichte mehrschichtige
Bewölkung auf das ganze Norddeutsche Tiefland aus. Hier und da fällt auch etwas
Nieselregen, meist bleibt es aber trocken.
Im Warmsektor verschärft sich der Druckgradient, was sich angesichts der
stabilen Schichtung im Binnenland aber kaum bemerkbar macht. An den Küsten
frischt der Wind allerdings aus westlichen Richtungen stärker auf und es gibt
steife, vor allem entlang der vorpommerschen Ostseeküste auch stürmische Böen
(Bft 7 bis 8), exponiert sind dort sogar Sturmböen (Bft 9) nicht ausgeschlossen.

In der Mitte und im Süden dominiert weiterhin der Einfluss der Hochdruckbrücke,
an der sich bzgl. Lage und Intensität kaum etwas ändert. An deren Südflanke weht
unterhalb der Inversion (in 750 hPa) südlich der Donau weiterhin in freien Lagen
spürbarer Ost- bis Nordostwind, der zwar keine Warnschwellen erreicht,
allerdings die dichte Bewölkung unterhalb der Inversion gegen die Alpen drückt,
so dass es dort sowie im angrenzenden Alpenvorland, aber wohl auch am Bodensee,
in Oberschwaben und am Hochrhein bzw. in Südbaden vielerorts stark bewölkt oder
gar trüb bleibt. Ansonsten lösen sich die Nebel- und Hochnebelfelder aber meist
mehr oder weniger zögernd auf und es scheint die Sonne, lediglich gebietsweise
bleibt es länger neblig trüb.
In die Nordhälfte wird auch niedertroposphärisch mildere Luft advehiert (etwa 5
bis 7 Grad in 850 hPa), so dass die Höchsttemperaturen dort bei spürbaren
Westwind trotz meist dichter Bewölkung Werte zwischen 10 und 13 Grad erreichen.
Sonst liegen sie meist zwischen 7 und 12 Grad, bei zähem Nebel nach kalter Nacht
kann es örtlich auch kälter bleiben.

In der Nacht zum Freitag versetzt das Höhenhoch seinen Schwerpunkt allmählich
zur Nordsee bzw. nach Norddeutschland, wodurch die Frontalzone über dem
nördlichen Mitteleuropa etwas nach Norden abgedrängt wird und sich die
mitteltroposphärische WLA über dem Norden bzw. Nordosten Deutschlands allmählich
abschwächt. Aus der flachen Potenzialrinne über Süddeutschland tropft ein
kleinräumiges Höhentief ab, das sich als Kaltlufttropfen nach Lesart des
aktuellen ICON-EU-Laufes bis Freitagfrüh nach Nordfrankreich verlagert und
keinerlei Wetterwirksamkeit aufweist, sondern lediglich für ein leichtes Anheben
der markanten Absinkinversion im Südwesten des Landes sorgt.
Im Bodenfeld verlagert die Hochdruckzone ihren Schwerpunkt vom mittleren
Deutschland nach Tschechien bzw. Ostösterreich, insgesamt nimmt sie eine etwas
meridionalere Ausrichtung an und erstreckt sich morgens von der Nordsee bis nach
Südosteuropa. An deren Nordostflanke dreht der Wind im Norden und äußersten
Nordosten mehr auf West bis Nordwest, wobei der Gradient zögernd auffächert und
es ausgangs der Nacht lediglich an exponierten Abschnitten der vorpommerschen
Ostseeküste eventuell noch für warnrelevante Böen (Bft 7) reicht.
Unterhalb der Absinkinversion (in etwa 950 bis 900 hPa) gelangt aber weiterhin
recht feuchte Luft in den Norden und Nordosten bzw. Osten des Landes, so dass es
vielerorts stark bewölkt bis bedeckt bleibt, gebietsweise auch trüb. Wie weit
diese dichte Bewölkung nach Süden vorankommt, ist allerdings noch unsicher.
In der Mitte und im Süden ist es dagegen zunächst vielerorts gering bewölkt oder
klar, lediglich vom südlichen Baden-Württemberg bis ins Alpenvorland hält sich
dichte hochnebelartige Bewölkung, deren Obergrenze allerdings allmählich
absinkt, so dass die Berge zunehmend frei sind. Auch in den anfangs noch gering
bewölkten Regionen bildet sich gebietsweise dichter Nebel. Vor allem dort kann
es erneut leichten Frost, verbreitet aber Bodenfrost geben.
An der Südwestflanke der Hochdruckzone verschärft sich der Gradient über dem
Südwesten Deutschlands etwas und es stellt sich eine schwache Bisenlage ein. Mit
Unterstützung durch Low Level Jets (scharfe Absinkinversion zwischen 900 und 850
hPa) kann es vor allem im Südschwarzwald auf einigen Berggipfeln und Kuppen
steife bis stürmische Böen aus östlichen Richtungen geben.

Freitag … zieht der der Kaltlufttropfen weiter nach Südengland und wird
zunehmend in die Zirkulation eines umfangreichen Höhentroges über dem
Ostatlantik westlich der Iberischen Halbinsel einbezogen, der sich nach Norden
ausweitet. Der Schwerpunkt des Höhenhochs verlagert sich dadurch ins östliche
Mitteleuropa und die Höhenströmung über dem Vorhersagegebiet dreht allmählich
auf Südost, bleibt aber antizyklonal konturiert.
An Lage und Ausrichtung der Hochdruckzone im Bodenfeld ändert sich nur wenig,
allerdings schwächt sie sich etwas ab. Dadurch fächert der Gradient weiter auf,
so dass der Wind auch an der Ostsee warntechnisch keine Rolle mehr spielen
sollte. Mit dem flachen Gradienten rückt zunehmend die Grenzschichtproblematik
prognose- und warntechnisch in den Vordergrund. Vor allem in den Norden und
Nordosten des Landes gelangen an der Nordostflanke der Hochdruckzone von
Nordwesten her bodennah nach wie vor relativ feuchte Luftmassen, so dass sich
dort unterhalb der Absinkinversion (in etwa 950 bis 900 hPa) teils ausgedehnte
SC-Felder halten können, die sich nur gebietsweise auflösen. Ansonsten scheint
aber nach teils zäher Nebel- und Hochnebelauflösung die Sonne, örtlich kann sich
der Nebel/Hochnebel aber auch ganztägig halten, vor allem wohl vom Hochrhein bis
ins schwäbische Alpenvorland sowie an der Donau, vielleicht auch im
Oberrheingraben. Trotz vielerorts dichter Wolken bleibt es im Norden und Osten
(wo die Grundschicht nie richtig auskühlen konnte) mit Höchstwerten zwischen 9
und 13 Grad recht mild. Bei Sonnenschein werden ähnliche Höchstwerte erreicht,
während es in den Regionen mit beständigem Nebel/Hochnebel mit kaum mehr als 5
Grad kühler bleibt.

In der Nacht zum Samstag wird der südwesteuropäische Höhentrog regeneriert und
weitet sich Richtung Iberische Halbinsel aus. Der ehemalige Kaltlufttropfen über
dem Süden der Britischen Inseln wird als Randtrog in die weiterhin weit im
Norden verlaufende Frontalzone eingebunden und verlagert sich bis Samstagfrüh
zur nördlichen Nordsee. Insgesamt wird das Höhenhoch noch etwas nach Osten
abgedrängt und die Höhenströmung über dem Vorhersagegebiet dreht allmählich auf
Südsüdwest.
Das Bodenhoch verlagert seinen Schwerpunkt nach Südosteuropa, ein Keil bleibt
aber weiterhin nach Mitteleuropa gerichtet. Bei weiterhin flachem Bodendruckfeld
dominiert über dem Vorhersagegebiet nieder- und mitteltroposphärisch Absinken,
so dass sich die Luftmasse über der langsam auskühlenden Grundschicht weiter
erwärmen kann, bis Samstagfrüh steigt die Temperatur in 850 hPa auf etwa 7 bis
11 Grad. Dadurch verschärft sich die Inversion weiter und vor allem im Nordosten
sowie im Süden und Südwesten bilden bzw. halten sich ausgedehnte Nebel- und
Hochnebelfelder. In der Mitte und im Süden gibt es in Regionen mit länger klarem
Himmel wieder gebietsweise leichten Frost und vielerorts Bodenfrost. Knapp
unterhalb der Inversion lassen lokal generierte Low Level Jets auf einigen
Bergkuppen den Wind aus Ost bis Südost böig auffrischen, wobei dann kleinräumig
durchaus auch mal steife bis stürmische Böen auftreten können, die warntechnisch
aber wohl schwer händelbar bleiben.

Samstag … zieht der kurzwellige Randtrog über der nördlichen Nordsee weiter
nach Südnorwegen, während ausgehend vom Höhentrogkomplex nordwestlich der
Iberischen Halbinsel ein Randtrog von Spanien her auf Südwestfrankreich
übergreift. Das Höhenhoch wird dadurch noch etwas weiter Richtung Südosteuropa
abgedrängt, allerdings wölbt sich vorderseitig des Randtroges durch schwache WLA
ein flacher Höhenrücken über Südwestdeutschland und Belgien/Nordfrankreich bis
zu den Britischen Inseln auf.
Dadurch wird auch das Bodenhoch weiter gestützt, wenngleich vor allem im Westen
und Nordwesten des Landes schwacher Druckfall einsetzt. Insgesamt bleibt das
Druckfeld sehr schwachgradientig, zudem verstärkt sich oberhalb der teils scharf
ausgeprägten Inversion (die sich meist in etwa 900 hPa, teilweise auch darunter,
befindet) die Advektion sehr milder Luftmassen von Südwesten her noch etwas, die
Temperatur in 850 hPa steigt auf knapp 13 Grad im Südwesten und 8 Grad im
Norden. Somit erscheinen die MOSMIX-Prognosen der Sonnenscheindauer etwas
optimistisch, denn mit recht hoher Wahrscheinlichkeit wird sich gebietsweise
ganztägig Nebel und Hochnebel halten. Bevorzugt im Oberrheingraben, am Hochrhein
sowie in Oberschwaben und entlang der Donau dürfte das großflächiger der Fall
sein (dort hat auch MOSMIX recht hohe Wahrscheinlichkeiten für beständigen Nebel
auf der Agenda), kleinräumig aber auch wohl anderswo. Ausgedehntere SC-Felder
dürften sich wohl auch noch im Nordosten halten. Bei schwachen bis mäßigen
südöstlichen Bodenwinden setzt sich dagegen vor allem an den Nordrändern der
Mittelgebirge und im Westen vielerorts die Sonne durch, oberhalb von etwa 800
bis 1000 m scheint die Sonne wohl ganztägig. Die Höchstwerte liegen meist
zwischen 7 und 13 Grad, in mittleren Höhen- sowie in Leelagen wird es mit 16
Grad auch milder, während im Dauernebel in Süddeutschland eventuell kaum 5 Grad
erreicht werden.

Modellvergleich und -einschätzung

Anhand der synoptischen Basisfelder lassen sich keine warn- und
prognoserelevanten Unterschiede ausmachen. Im Detail können sich allerdings
aufgrund der zunehmend in den Fokus rückenden Grenzschichtproblematik durchaus
gröbere Differenzen ergeben.

Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Jens Winninghoff