SYNOPTISCHE UEBERSICHT MITTELFRIST ausgegeben am Freitag, den 16.10.2020 um 10.30 UTC

S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T M I T T E L F R I S T
ausgegeben am Freitag, den 16.10.2020 um 10.30 UTC

Zeitweise windig bis stürmisch, vor allem im Norden und in der Mitte Regen. Mild
bis sehr mild.

Synoptische Entwicklung bis zum Freitag, den 23.10.2020

Zu Beginn des mittelfristigen Vorhersagezeitraumes am Montag befinden sich die
Mitte und der Norden Deutschlands zunächst noch unter dem Einfluss einer
schwachen Luftmassengrenze, die in der Hauptsache zu einem Tief über dem
Onegasee gehört. Dabei kann es gebietsweise noch etwas regnen, wobei die
Niederschlagstätigkeit in dem sonst recht antizyklonalen Umfeld im Tagesverlauf
zunehmend nachlässt – erst recht, weil zum Abend die Achse eines breiten, aber
relativ flachen Höhenrückens auf den Westen des Landes übergreift. Der Süden
profitiert hingegen ganztägig von einem Hoch über Südosteuropa. Der zum Abend
übergreifende Rücken wird im Westen von einem Trog flankiert, der von Nordmeer
bis zu den Azoren weist. Liegt die Temperatur im 850 hPa-Niveau anfänglich noch
verbreitet um 0 °C, so steigt sie im Tagesverlauf mit zunehmendem Drehen der
Strömung auf Süd bis Südwest bis zum Tageswechsel im Südwesten und Westen schon
auf knapp 10 °C an. Dann beginnt auch der Luftdruckgradient zwischen dem Hoch
über Südosteuropa und dem mit dem Trog korrespondierenden Tief knapp südwestlich
Irlands (Kerndruck unter 984 hPa) deutlicher zuzunehmen, sodass in bei
Südwestwind anfälligen Lagen des Westens (zum Beispiel die Region Aachen) sowie
auf Sylt erste steife Böen auftreten können.

Am Dienstag verlässt die Achse des Rückens das Vorhersagegebiet rasch ostwärts,
der Trog über dem Atlantik schwenkt aber nur etwas ostwärts, vielmehr weitet er
sich nach Süden aus. In der kräftigen südwestlichen Strömung erreicht die T850
Werte zwischen 5 und 10 °C, südlich der Donau 10 bis 13 °C. Dabei gibt es in den
Leelagen der Mittelgebirge teils steife, vereinzelt auch stürmische Böen. Ob es
auf den Alpengipfeln für Föhnsturm reicht, bleibt abzuwarten. Im Verlauf der
ersten Tageshälfte greift der Regen des teilokkludierten Frontensystems des von
Irland nach Schottland ziehenden Tiefs auf den Nordwesten über und breitet sich
im Tagesverlauf in die Mitte und den Osten aus. Das Frontensystem gerät dabei
mehr oder minder ins Schleifen.

Am Mittwoch verlagert sich das Drehzentrum des Troges südwärts ins Seegebiet
westlich der Bretagne. Dadurch wird die Höhenströmung zwar tendenziell eher
antizyklonal, jedoch flattert sie ein wenig. Zudem befinden wir uns trotzdem auf
der Trogvorderseite, wobei uns das schleifende Frontensystem, das sich
mittlerweile an das zum Trogdrehzentrum korrespondierende Tief anhängen lässt,
im Norden und in der Mitte weiteren Regen bringt. Dabei erreicht die T850
bemerkenswerte Werte zwischen 8 °C in Südschleswig und 20 °C an den Alpen. Auf
den Alpengipfeln muss dazu mit Föhnsturm gerechnet werden. Ob dieser zumindest
teilweise in die Täler mit steifen Böen und lokal höheren Temperaturen
durchschlagen kann, bleibt abzuwarten. Sonst gibt es nur in den Lee- und
Hochlagen erneut steife bis stürmische Böen aus Südwest, die dann in der Nacht
zum Donnerstag im gesamten Mittelgebirgsraum etwas gehäufter auftreten.

Am Donnerstag verlagert sich der westeuropäische Trog allmählich ostwärts. Seine
Hauptachse überquert dabei Schottland und England. Dadurch bekommt die Kaltfront
des nach Westnorwegen ziehenden Tiefs neuen „Drive“ und überquert bis zum
Tageswechsel fast das ganze Land. Werden mittags noch etwa 6 bis 15 °C im 850
hPa-Niveau erreicht, geht diese bis 00 UTC auf 3 bis 9 °C zurück. Nur im
äußersten Südosten (Südostbayern + Lausitz) sind es noch etwas mehr als 10 °C.
Sonderlich wetteraktiv ist die Kaltfront in der strammen und leicht flatternden
südwestlichen Strömung nicht, sodass meist nur geringe Mengen an Regen fallen.
Während es im Süden abgesehen vom zum Tageswechsel zusammenbrechenden Föhn
schwachwindig ist, gibt es im Norden und in der Mitte häufig steife bis
stürmische, in Hochlagen auch Sturmböen.
In der Nacht zum Freitag erreicht die herumgeholte Okklusion den Nordwesten. Sie
besitzt ebenfalls Kaltfrontcharakter und lässt die T850 dort noch einmal sinken
und zwar auf Werte knapp unter 0 °C. Darüber hinaus nimmt dort der Wind zu und
weht nach Lesart des aktuellen IFS-Laufes in Küstennähe mit Sturmböen oder
schweren Sturmböen, im Landesinneren nordwestlich einer Linie Eifel – Wismarer
Bucht sowie in höheren Lagen der zentralen Mittelgebirge verbreitet mit
stürmischen Böen.

Am Freitag verlagert sich das Drehzentrum des Troges und mit ihm das Bodentief
zum Bottnischen Meerbusen. An der Kaltfront dieses Tiefs regnet es im Süden
zunächst nur etwas, an der zunehmend zur Kaltfront werdenden Okklusion im Norden
etwas mehr. In der zweiten Tageshälfte wandert von Südwest nach Nordost ein
Bodenhochkeil durch, wodurch die Niederschlagstätigkeit im Norden zumindest
unterbrochen wird. Auf der Vorderseite eines sich über Frankreich
amplifizierenden Troges und in Verbindung mit einer Zyklogenese über dem
Alpenraum kommt in der Nacht zum Samstag an der Kaltfront aus den Alpen heraus
kräftigerer Regen auf, wobei aber voraussichtlich keine Warnschwellen erreicht
werden. Bei der T850 tut sich nur wenig, sie liegt zwischen um die 0 °C im
Norden und um 8 °C im Süden. Der anfänglich noch recht veritable und für steife
bis stürmische Böen sorgende Gradient im Umfeld der Okklusion wird mit dem Keil
auseinandergezogen.

Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs

Gegenüber dem gestrigen 12-UTC-Lauf ist der aktuelle Lauf recht konsistent.
Gegenüber dem 00-UTC-Lauf schleifen die Fronten mit ihren Niederschlagsgebieten
statt über dem Süden eher über der Mitte und dem Norden, was im Endeffekt auch
ein höheres Temperaturniveau erklärt.

Vergleich mit anderen globalen Modellen

Im mittelfristigen Setup sind sich die Modelle ziemlich ähnlich. GFS zeigt am
Dienstag einen stärkeren Rücken, was das Übergreifen des Frontensystems etwas
ausbremst. Für den Mittwoch drückt ICON die Front ähnlich wie der gestrige
0z-IFS-Lauf bereits durch, das Tief zieht in Richtung nördliche Nordsee. Etwas
südlicher sieht GFS das Tief, die Front schleift etwas weiter nordwestlich als
bei ICON, wobei aber das Temperaturniveau schon fast überall auf unter 10 °C in
850 hPa zurückgeht. ICON und GFS gemein ist die stärkere Exponiertheit des
Vorhersageraumes auf der Trogvorderseite. Während ICON am Donnerstag fast ganz
Deutschland mit T850 unter 0 °C flutet, nähern sich IFS und GFS am Donnerstag
zunächst an. Jedoch divergieren die Lösungen zum Freitag schon wieder, da GFS
keinen Rücken aufwölben lässt, sondern der Langwellentrog von Skandinavien bis
zur Iberischen Halbinsel weist. Zudem ist auch das Regime am Boden deutlich
zyklonal. ICON hingegen zeigt diesen Rücken, sogar in stärker ausgeprägter Form
als IFS. Außerdem liegt beim ICON über dem südlichen und südöstlichen
Mitteleuropa bzw. dem nördlichen Südosteuropa ein kräftigeres Hoch als beim IFS,
was Niederschlagsprozesse auf den äußersten Norden (nähe zum tiefen Luftdruck)
begrenzt. Kurzum: Für die kommende Woche ist noch alles offen.

Bewertung der Ensemblevorhersagen

Die Rauchfahnen für eine repräsentative Auswahl deutscher Städte zeigt bei der
850 hPa-Temperatur bis einschließlich Dienstag (München nur bis Montag – unklar,
ob Föhn bereits am Dienstag einsetzt) einen gebündelten Verlauf, beim 500
hPa-Geopotenzial ist das nur bis Montag der Fall. Danach divergieren die
Lösungen völlig. Dabei liegen Haupt- und Kontrolllauf bei der Temperatur
zunächst eher im oberen Bereich, um dann am Donnerstag eher in den unteren
Bereich abzurutschen. Zwar gibt es einen wahrscheinlichsten Bereich, jedoch ist
dieser ziemlich diffus und teilt sich sogar zeitweilig in zwei Bereiche (einer
im oberen und einer im unteren Temperaturniveau) auf. Beim Geopotenzial sind die
Unsicherheiten am Mittwoch/Donnerstag am größten, Haupt- und Kontrolllauf sind
dann eher im oberen Bereich, sonst tendenziell im mittleren Bereich der
Kurvenschar zu finden. Im Gegensatz zum Haupt- und Kontrolllauf zeigen zumindest
einige Member bereits am Mittwoch Niederschlagssignale für den Süden.

Beim Clustering gibt es für Montag und Dienstag (T+72…96h) nur zwei Cluster.
Diese sind mit 31 bzw. 20 Membern besetzt, wobei der deterministische und der
Kontrolllauf mit dem ersten Cluster korrespondieren. Beim zweiten Cluster ist
der Rücken am Dienstag deutlich schwächer ausgeprägt als beim ersten Cluster und
auch am Boden ist das Regime zyklonaler geprägt.
Auch für den nachfolgenden Zeitraum von Mittwoch bis Freitag (T+120…168h) gibt
es nur zwei, mit 34 und 17 Membern (also im Verhältnis 2:1) besetzte Cluster.
Haupt- und Kontrolllauf lassen sich erneut dem ersten Cluster zuordnen. Dabei
zeigt das zweite Cluster ein rasches Durchschwenken des Troges über
Mitteleuropa, was die Kaltfront bereits in der Nacht zum Donnerstag komplett
durchgedrückt hätte. In der sich einstellenden kräftigen nordwestlichen Strömung
läge das Temperaturniveau deutlich niedriger als nach dem ersten Cluster.

Da das zweite Cluster nicht gerade unterdurchschnittlich besetzt ist, bleibt
also abzuwarten, in welche Richtung kommende Läufe tendieren.

Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen

An signifikanten Wettererscheinungen wäre nur der Wind zu nennen, der ab
Dienstag auf den Plan tritt. Zunächst sind von steifen bis stürmischen Böen nur
die Lee- und Hochlagen betroffen, am Mittwoch auch die Nordseeküste und in der
Nacht zum Donnerstag der gesamte Mittelgebirgsraum. Auf den Alpengipfeln setzt
spätestens am Mittwoch – wahrscheinlich aber schon in der Nacht zum Mittwoch –
Föhnsturm mit Böen um Bft 10 ein und bricht erst nach aktueller Lesart in der
Nacht zum Freitag zusammen.
Am Donnerstag gibt es im Norden und in der Mitte vor allem in freien Lagen
einzelne stürmische Böen, in Gipfellagen Sturmböen oder schwere Sturmböen aus
Südwest. Ob tatsächlich in der Nacht zum Freitag wie oben beschrieben im Umfeld
der Okklusion noch einmal eine Windverstärkung einsetzt, bleibt abzuwarten.

Basis für Mittelfristvorhersage
IFS, IFS-EPS, MOSMix (für Befürworter des etwas kühleren ICON-Einflusses) oder
EZ-MOS

VBZ Offenbach / M.Sc. Met. Stefan Bach