SYNOPTISCHE UEBERSICHT MITTELFRIST ausgegeben am Montag, den 12.10.2020 um 10.30 UTC

S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T M I T T E L F R I S T
ausgegeben am Sonntag, den 11.10.2020 um 10.30 UTC

Zunächst wechselhaft und im Osten teils kräftige Niederschläge. Zum Wochenende
Wetterberuhigung und nur noch wenige Schauer. Weiterhin kühl, mit
Nachtfrostgefahr.

Synoptische Entwicklung bis zum Sonntag, den 18.10.2020

Zu Beginn des mittelfristigen Vorhersagezeitraums, am kommenden Mittwoch, liegt
Deutschland im Dipolartigen Höhentrog, der sich von vom Süden Frankreichs über
den Alpenraum bis nach Ungarn und Ostpolen erstreckt. Dabei gibt es zwei
Bodentiefs zum einem mit dem Zentrum bei Korsika und zum anderem mit dem
kräftigeren über Westpolen. Letzteres verursacht im Bereich einer nach Westen
reichenden Okklusion in Ostdeutschland teils kräftige und länger andauernden
Regen. Im Westen Deutschlands sind einzelne nicht so intensive Regenfälle zu
erwarten. Bei 850 hPa Temperaturen, die sich um die Null Grad Marke bewegen
bleibt es kühl mit Höchstwerten von 8 bis 13 Grad. Hinzukommt ein frischer bis
starker nördlicher Wind mit Sturmböen an der Küste und schweren Sturmböen im
Bergland.

Am Donnerstag wird das Höhentief über Polen von einem kräftigen Randtrog eines
sich neuformierenden Langwellentroges Über Nordosteuropa eingefangen, so dass
diese verschmelzen und sich zum Baltikum bzw. nach Nordrussland verlagern. Das
andere Teil des ursprünglichen dipolartigen Höhentroges verlagert sich von
Frankreich in den Golf von Genua. Dort bringt es in den Südalpen erneut kräftige
Regefälle, die sich bis in den Süden Deutschlands hinauswirken. Gleichzeitig
sorgt kräftiger Druckanstieg über dem Nordmeer dort für die Bildung eines
kräftigen Hochs. Ein Keil dessen schiebt sich dann in der Nacht zum Freitag nach
Norddeutschland vor und sorgt dort für eine Wetterberuhigung.

Am Freitag liegt Deutschland dann am Westrand der neu gebildeten Rossbywelle,
wobei der Westen zögernd von einer schwachen Keilaufwölbung über Frankreich
profitieren würde. Gleichzeitig nimmt auch der Keil des Nordmeerhochs Kontakt
mit dem über Frankreich auf, so die Wetterberuhigung sich im Norden und Westen
Deutschlands verstärken würde. Die Okklusionsreste des Tiefs über Genua würden
dagegen dem Osten und Südosten noch weitere Niederschläge bescheren, wobei
fraglich wäre, ob das erwartete Temperaturniveau in der freien Atmosphäre
ausreichen würde den Gipfeln der Mittelgebirge Neuschnee zu bringen (u.a. 850
hPa Temperaturwerte um 0 Grad). Das Temperaturniveau bleibt durchweg auf einem
leicht zu kühlen Niveau mit erhöhter Nachtfrostgefahr in Bodennähe bei längerem
Aufklaren (inklusive örtlicher Luftfrostgefahr). Der zumeist nördliche Wind
spielt keine große Rolle mehr.

Am Samstag sorgt der Keil des Nordmeerhochs dann auch im Osten und Süden des
Landes für weitere Wetterberuhigung. Nur noch vereinzelt dürfte es dann noch zu
leichten Schauern kommen. In den Nächten muss mit Bodenfrost bzw. leichtem
Luftfrost gerechnet werden.

In der erweiterten Mittelfrist scheint sich ein abgetropfter Höhentrog über dem
nahen Ostatlantik festzusetzen. In Mitteleuropa würde sich schwacher
Geopotentialanstieg durchsetzen. Dadurch würde später in einer leicht südlichen
Höhenströmung wieder etwas mildere Luft in Mitteleuropa durchsetzen.

Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs

Die Konsistenz des IFS kann als recht gut bezeichnet werden. Nach teils
kräftigen Regenfällen verursacht durch den kräftigen Tiefdruckkomplex über
Polen, sorgt zum kommenden Wochenende im Wesentlichen der Keil eines
Nordmeerhochs von Norden her für eine gewisse Stabilisierung in Deutschland.
Allerdings bleibt die Luftmasse zunächst noch kühl und die Gefahr von Bodenfrost
und Luftfrost bleibt hoch.

Vergleich mit anderen globalen Modellen

Auch der Vergleich mit anderen globalen Modelle zeigt ein ähnliches Ergebnis.
Die kräftige Bodentiefentwicklung über Osteuropa wird von GFS/ICON und IFS bis
Mittwoch recht einheitlich gezeigt mit einer zonalen Diskrepanz von nur rund 150
km zwischen GFS und IFS, was für diesen Vorhersagezeitraum beachtlich ist. Der
große Unterschied ist jedoch, dass ICON und GFS das Bodentief in der Folge ohne
Neubildung und unter allmählicher Abschwächung nach Nordosten ziehen lassen,
während IFS versucht dieses zu teilen (mit einem Residuum über
Ostdeutschland/Polen und einer Neubildung in Richtung Grenzbereich zu Russland
zum Donnerstag). Es überrascht nicht, dass IFS somit das Modell ist, dass
skalige und nennenswerte Niederschläge nach Deutschland ausgreifen lässt. Nach
GFS und ICON wäre davon wenig zu spüren und die gesamte Mittelfrist würde
besonders im Nordosten deutlich trockener verlaufen (wobei allerdings ICON
mächtig umgeschwenkt ist im Vergleich zu den Vorläufen und nun die höchsten
Niederschlagsmengen im Osten Deutschlands zeigt).
In der Folge gerät Deutschland von Norden zunehmend unter schwachen
Hochdruckeinfluss. Mit nur noch leichten Niederschlägen, aber Bodenfrost und
lokaler Nachtfrostgefahr.

Bewertung der Ensemblevorhersagen

Die Clusteranalyse zeigt (Mittwoch bis Freitag) 4 Cluster, deren klimatologische
Regime wild zwischen „Blockade“ und „Atlantikrücken“ wechseln (Kontroll- und
det. Lauf im 2. Cluster). Extreme positive Geopotenzialabweichungen sind über
dem Pol zu erkennen und bilden in beinahe allen Clustern zwischen dem
Nordatlantik und dem Beringmeer eine Brücke mit einer Schwäche über Skandinavien
und Sibirien. Hierhin verlagert sich die Rossbywelle auch, was den Trog über
Mitteleuropa sukzessive nach Osten/Nordosten bringt.
Wenn man sich aber zum Ende der Woche die Druckgeometrie innerhalb der Cluster
anschauet erkennt man zahlreiche Diskrepanzen, die sich zwar zunächst nicht
direkt auf das Wetter in Deutschland auswirken, jedoch sehr wohl in der
erweiterten Mittelfrist, wo die Clusterzahl auf das maximal Mögliche anwächst.
Interessant ist zu diesem Zeitpunkt (kommendes Wochenende), dass der det. und
Kontrolllauf beide zwar im meist besetzen Cluster (Nummer 1) sitzen, wo eine
nördliche Komponente für Mitteleuropa angedeutet wird, jedoch das Groß der
restlichen Member wiederum eine Lösung mit einem kräftigen Langwellentrog über
dem Nordatlantik zeigt (in den übrigen Clustern 2-6), was in eine südwestliche
Lage für Mitteleuropa münden würde.

Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen

Der EFI hebt die recht warnarme Mittelfrist hervor, wobei nur im Westen und
Süden durchweg leicht negative Temperaturwerte gezeigt werden. Ansonsten gibt es
keine weiteren Hinweise, sieht man von den hohen EFI-Werten inkl. positivem SOT
über dem Nordosten Deutschlands von Mittwoch auf Donnerstag ab. Im CDF ist eine
Zunahme der Eintrittswahrscheinlichkeit zu erkennen und somit scheint klar, dass
im Umfeld der herumgeholten Okklusion warnwürdige Niederschlagsmengen zu
erwarten sind, was auch besonders für Polen ein Thema darstellen sollte. Je nach
Intensität des Bodentiefs ist auch der Wind im äußersten Nordosten ein Thema und
kann im Küstenumfeld gar Sturmstärke erreichen. Ansonsten sind aber keine
warnwürdigen Wind- und Niederschlagsereignisse zu erkennen, was auch die
Vorhersage von GFS miteinschließt.

In den Nächten besteht besonders im Süden und über der Mitte vielerorts Gefahr
für leichten Frost in Bodennähe und stellenweise für leichten Luftfrost.

Basis für Mittelfristvorhersage
IFS-EPS, IFS, MOS-MIX

VBZ Offenbach / Dipl. Met. Stefan Külzer