SYNOPTISCHE UEBERSICHT MITTELFRIST ausgegeben am Sonnstag, den 04.10.2020 um 10.30 UTC

S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T M I T T E L F R I S T
ausgegeben am Sonntag, den 04.10.2020 um 10.30 UTC

Wechselhaft mit teils Schauerartigen Regenfällen. Dabei zeitweise windig und
leicht zu kühl oder Temperaturen der Jahreszeit entsprechend.

Synoptische Entwicklung bis zum Sonntag, den 11.10.2020

Am Mittwoch zieht die Okklusion eines Tiefs über Südskandinavien ostwärts ab und
postfrontal stellt sich in einer von Westen einströmenden frischen
Atlantikluftmasse (T850 zwischen 2 und 4 Grad) Schauerwetter ein. Dabei erreicht
die Achse des Haupthöhentroges zum Tagesende den Nordosten.

Zu diesem Zeitpunkt erreicht eine Frontalwelle das Seegebiet südwestlich von
Irland und zieht von dort zu den Westfriesischen Inseln. Ihre Warmfront erreicht
am Vormittag den Westen und Südwesten Deutschlands und im Laufe des Abends die
Elbe. Die Kaltfront des Tiefs zieht bis Tagesende nach Nordwestdeutschland. Im
Warmsektor strömt mit zunehmendem Wind deutlich mildere Luft ein (Temperatur in
850 hPa zwischen 6 und 11 Grad). Der zugehörige Langwellentrog zieht zu den
Britischen Inseln nebst Höhentief zwischen Norwegen und Schottland.

Die Kaltfront bewegt sich am Freitag leicht wellend langsam nach
Südostdeutschland, während das Tief den Raum Stockholm erreicht. Dabei
beeinflusst das Sturmfeld des Tiefs den äußersten Norden Deutschlands.
Postfrontal gelangt ein Schwall subpolarer Meeresluft zu uns mit
850-hPa-Temperaturen zwischen 0 und 4 Grad.

Am Samstag zieht das Bodentief nur langsam nordwärts zum Bottnischen Meerbusen,
wobei sich das Höhentief an dieses angliedert. Der Höhentrog schwenkt im
Tagesverlauf über uns hinweg nach Osten, während sich im Westteil des Troges
eine Regeneration andeutet. Der entstehende westliche Trogteil dehnt sich nach
Südwesteuropa aus.

Dieser trog erhöht im Laufe des Sonntages unter Verkürzung seiner Wellenlänge
seine Amplitude und tropft bis Montagfrüh nach Südspanien ab. Der entstehende
Resttrog schwenkt derweil nach Benelux, so dass sich im Südosten eine
Aufgleitlage ergibt mit Nord- bis Nordwestwind in Bodennähe und einer
Südwestströmung in der Höhe.

Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs

Bereits am ersten Vorhersagetag des Mittelfristzeitraumes gibt es Differenzen
bei den Potentialfeldern und Bodendruckfeld beim Vergleich des aktuellen
IFS-Laufes mit den beiden gestrigen, die sich aber wettertechnisch erst am
Donnerstag auswirken.

So erreicht am Donnerstagvormittag im alten 00-UTC-Lauf ein Frontensystem
bereits den Osten und Süden Deutschlands und an der Kaltfront entwickelt sich
bis zum Abend eine Frontalwelle über Südostfrankreich, wodurch sich im Süden
Deutschlands eine Schleifzone entwickelt mit kräftigen Regenfällen vor allem im
südlichen Baden-Württemberg.
Im Lauf von gestern 12 UTC und im aktuellen Run entwickelt sich bereits
Donnerstagfrüh deutlich weiter nördlich eine kräftige Frontalwelle, die bis
Tagesende zur zentralen Nordsee (12-UTC-Lauf) bzw. ins Seegebiet knapp nördlich
von Holland zieht (aktueller Lauf). Dadurch fällt im Tagesverlauf besonders in
Nordwestdeutschland Regen und im Süden und Osten gibt es nur wenig Niederschlag
und sogar längere trockene Phasen.
Am Freitag gleichen sich die Unterschiede bis zum Abend weitgehend wieder aus.
Die im alten 00-UTC-Run im Süden weiter schleifende Kaltfront (mit der Gefahr
von Dauerregen) wird sozusagen durch die Kaltfront des nach Skandinavien
ziehenden kräftigen Tiefs (in den beiden letzten Läufen) wieder eingeholt.
Entsprechend breiten sich die Regenfälle erst im Tagesverlauf zur Mitte und
später in den Süden aus.
Am Samstag regnet es dann im Südosten anfangs im Bereich der nur langsam
abziehenden Kaltfront, während sich sonst Rückseitenwetter einstellt.

Am Sonntag tropft dann der atlantische Höhentrog in den drei letzten
Simulationen nach Südwesteuropa ab, so dass die Front als Warmfront erneut auf
den Südosten Deutschlands übergreift.

Vergleich mit anderen globalen Modellen

ICON von 00 UTC stützt heute den Kurs von IFS.

GFS hat allerdings eine deutlich nördlichere Zugbahn des Tiefs am Donnerstag und
es entwickelt sich auch stärker. Es liegt mit einem Kerndruck von knapp 975 hPa
am Freitag, 00 UTC dicht nördlich von Schottland. In der bis Sonntag auf
Nordwest drehenden niedertroposphärischen Strömung tropft das Höhentief zu den
Seealpen ab. Der Abtropfvorgang findet also deutlich weiter östlich statt.
Wettertechnisch wirkt sich dies aber kaum aus.

Die anderen Globalmodelle simulieren ähnlich wie IFS.

Die Dauerregenlösung für den Südwesten am Donnerstag und Freitag, die im
gestrigen 00-UTC-Lauf simuliert wird, ist noch nicht ganz vom Tisch. ICON von
heute 06 UTC simuliert eine ähnliche Lösung wie gestern IFS. Dabei kommt es ab
Mittwochabend zu einer Schleifzone im Süden mit Dauerregenmengen im Schwarzwald
und im Allgäu (zumindest bis Freitagfrüh).

Bewertung der Ensemblevorhersagen

Die Clusteranalyse vom IFS ermittelt heute bis zum 7. Folgetag zwei Cluster, die
beide einen Trogvorstoß zur Iberischen Halbinsel zeigen. Auch das
Bodendruckfeld differiert nur wenig. Nur der Gradient im Norden ist Sonntagfrüh
im ersten Cluster noch kräftig. Im Laufe des Sonntags tropft dann sehr
wahrscheinlich das Höhentief nach Südwesteuropa ab, was man in den 4 Clustern
für die erweiterte Mittelfrist sieht (Tage 8 bis 10).

Die Rauchfahne von Offenbach zeigt anfangs recht gebündelt 850-hPa-Temperaturen
zwischen 2 und 5 Grad, was die erwärmte subpolare Meeresluft anzeigt. Bis
Freitagfrüh schnellt die Temperatur in der Mehrzahl der Läufe nach oben auf 6
bis 9 Grad, was den o. e. Warmsektor anzeigt. Ab Samstag liegt das
Temperaturniveau wieder meist bei 0 bis 3 Grad. Nur etwa 10 Prozent der IFS-Runs
liegen teils deutlich darüber. Kurzen Zwischenhocheinfluss erkennt man am
Donnerstag an einer geringen Niederschlagswahrscheinlichkeit.
Die EPS-Meteogramme zeigen häufig Höchstwerte leicht unter den Normalwerte,
teils auch im Bereich derselben. Die Tiefstwerte weichen kaum ab von den
Erwartungswerten für Anfang Oktober, was am eher wolkigen Charakter des Wetters
liegt.

Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen

Im Zusammenhang mit der West- bzw. Troglage treten an der See zeitweise
stürmische Böen auf, mitunter auch Sturmböen, die auch auf den Bergen
wahrscheinlich sind.

Von Mittwochabend bis Freitagfrüh ist die Wahrscheinlichkeit von Dauerregen im
Südschwarzwald und im Allgäu vor allem bei CosmoLEPS geringfügig erhöht.
Auch ICON von heute 06 UTC berechnet Dauerregen.

Am Mittwoch und Samstag sind einzelne Kaltluftgewitter mit stürmischen Böen
nicht ausgeschlossen.

Am Sonntag beruhigt sich das Wetter.

Basis für Mittelfristvorhersage
Mosmix, EPS, oper. Modelle.

VBZ Offenbach / Dipl. Met. Olaf Pels Leusden