SXEU31 DWAV SYNOPTISCHE UEBERSICHT KURZFRIST

SXEU31 DWAV 281800

S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T K U R Z F R I S T
ausgegeben am Montag, den 28.09.2020 um 18 UTC

Markante Wettererscheinungen:
Wenig berauschender Septemberausklang mit zyklonalen und antizyklonalen
Anteilen, aber ohne markante Wettererscheinungen.

Synoptische Entwicklung bis Donnerstag 12 UTC

Aktuell … dümpelt die hiesige Wetterlage mehr oder weniger lustlos oder besser
undynamisch vor sich hin. Als Protagonist des Ganzen lässt sich ein Höhentief
über Österreich ausmachen, um das sich alles dreht, wobei es bis morgen früh im
Zeitlupentempo ins benachbarte Ungarn auswandert. Auf der Nordwestflanke des
Tiefs bleibt die Höhenströmung bei uns leicht zyklonal konturiert, obwohl von
Frankreich und Benelux her ein flacher Rücken dichter an den Vorhersageraum
heranrückt.
Aus der Höhe zum Boden, wo die Druckverteilung extrem flau ist, was u.a. die
schwache Luftbewegung erklärt. Für Teile unseres Landes zeichnet das alternde
Tief YOUNGME verantwortlich, das heute Abend vergleichsweis unscheinbar mit rund
1010 hPa irgendwo zwischen Rheinmündung und Ijsselmeer liegt, von wo aus es
unter weiterer Auffüllung nach Norden raus auf die offene Nordsee zieht. YOUNGME
verfügt über einen ausgeprägten, nach Süden weisenden Bodentrog, in dem zwar nur
schwache, dafür aber stark konfluente Bodenwinde wehen, die im Verbund mit
schwacher WLA sowie einer eingebetteten Okklusion einen gewissen Hebungsbeitrag
leisten. Der Trog schwenkt im Laufe der Nacht in die westlichen und
südwestlichen Landesteile, wo es zu schauerartigem Regen kommt. Insbesondere in
einem schmalen, von der Eifel über das Saarland bis zum Schwarzwald reichenden
Streifen kann der Regen auch mal kräftiger ausfallen mit einer Gesamtrate von 10
bis 15 l/qm, lokal vielleicht 20 l/qm innert 12 h. Es soll an dieser Stelle aber
nicht verschwiegen werden, dass vor allem ICON zur Attacke bläst, während
COSMO-D2 sowie die externen Modelle defensiver aufgestellt sind. Fakt ist, dass
die Niederschläge im äußersten Südwesten die Tendenz haben, sich ostwärts
auszuweiten, so dass sie im Laufe der Nacht auf das Allgäu und das westliche
Alpenvorland übergreifen.
Derweil schwächen sich die Niederschläge im Südosten mit Abzug des Höhentiefs
allmählich ab, wobei die anfangs bei 1500 m angesiedelte Schneefallgrenze leicht
ansteigt.
Der große Rest des Landes präsentiert sich bis in die Frühstunden trocken bei
teils starker, teils aufgelockerter Bewölkung. Dort, wo es längere Zeit
ausstrahlen kann (vornehmlich Mitte/Norden, aber auch Teile Bayerns), bildet
sich stellenweise Nebel. Zudem wird es in diesen Regionen auch am kältesten,
z.T. kühlt sich die Luft auf unter 5°C ab, was in ungünstigen Lagen die Gefahr
leichten Frostes in Bodennähe birgt.

Dienstag … präsentiert sich das Wetter in Deutschland zweigeteilt mit
überraschendem Ausgang, wenn man nur auf die Höhenströmung respektive
Potenzialverteilung guckt. Im Nordosten, wo die Höhenströmung aufgrund eines vom
Höhentief (das übrigens nach Rumänien zieht) zurückhängenden Troges am
zyklonalsten aufgestellt ist, wird es am freundlichsten. Insbesondere an der
Ostsee, vielfach aber auch im Binnenland (SH, MV, östliches NDS bis hinunter
nach Sachsen-Anhalt) scheint für längere Zeit die Sonne, während sich nach Osten
hin (Berliner Raum, Oder/Neiße, Ober-/Niederlausitz) ein paar mehr Wolken
zeigen.
Im Westen und Süden des Vorhersageraums, wo der Höhenrücken einen zaghaften
Vorstoß wagt, bleibt die Wolkendecke weitgehend geschlossen und es kommt zu
schauerartigen, gebietsweise auch länger andauernden Regenfällen mit Tagesraten,
die meist unter 10 l/qm, häufig sogar unter 5 l/qm liegen. Die Ursache dafür ist
weniger in der „Höhe“ zu finden (wie auch bei dieser Konstellation), stattdessen
kommen die konfluenten Reste des Bodentrogs und der Okklusion, eine bis etwa 650
hPa gut gesättigte Schicht sowie eine niedertroposphärisch markante
Rechtsdrehung des Windes (=> WLA) als Erklärung in Frage. In den Alpen steigt
die Schneefallgrenze auf etwa 2000 m an.
Das nicht zuletzt deswegen, weil die 850-hPa-Temperatur einen leichten Satz nach
oben auf 4 bis 8°C macht. Projiziert auf die 2m-Temperatur bedeutet das am Ende
des Tages Höchstwerte von 16 bis 20°C in den Regionen, wo die Sonne zumindest
hin und wieder mal Akzente setzt und 12 bis 16°C dort, wo dass teils nasse Grau
vorherrscht.

In der Nacht zum Mittwoch gelangt Deutschland bezogen auf das Potenzial unter
einen Sattelpunktsbereich ohne jedwede Antriebe. Der o.e. Trog aus dem Nordosten
zieht sich gen Tschechien zurück, der neue Trog vom Atlantik ist noch nicht da.
Gleichzeitig flacht der o.e. Rücken immer weiter ab und sein Pendant über
Nordosteuropa hält sich über der Ostsee vornehm zurück. So kann es passieren,
dass in den Frühstunden kaum eine Isohypse über Deutschland im Potenzialfeld
anzutreffen ist.
Mit oder ohne Isohypse, der Korridor mit den Regenfällen verlagert sich von
Westen über die Mitte ostwärts, wobei er sich mehr und mehr abschwächt. Am
längsten regnet es noch im Südosten. Rückseitig schwappt etwas feuchtere und
geringfügig labilere Luft in die westlichen Landesteile, in der es mitunter
schauerartig regnen kann, ohne dass dabei aber die ganz großen Mengen
herausspringen.
Dort, wo es aufklart (Osten/Nordosten, phasenweise Südwesten) bildet sich
örtlich Nebel. Im Zuge allmählicher Erwärmung dürfte Frost in Bodennähe kein
Thema mehr sein, auch wenn im Osten die 2m-Temperatur punktuell auf Werte um 5°C
sinkt.

Mittwoch … gilt es, seine Augen mehr und mehr Richtung Westen zu schärfen. So
hat sich mittlerweile über dem nahen Ostatlantik ein manierlicher Langwellentrog
manifestiert, der von Grönland bis hinunter zur Biscaya reicht. Korrespondierend
dazu findet man zwischen Island und UK/Irland ein mehrkerniges elliptisches Tief
(der Hauptkern liegt bei Island, während weiter südlich ein am Okklusionspunkt
entstandenes Teiltief zu finden ist). Beides – Tief und Trog – sind noch zu weit
weg und auch nicht progressiv genug, um das Wetter bei uns nachhaltig
aufzumischen. Trotzdem macht sich die Vorderseite im Westen und Nordwesten des
Landes insofern leicht bemerkbar, als dass dort der südliche bis südwestliche
Wind die Zügel etwas anzieht, ohne dabei aber unangenehm aufzufallen. Am
spürbarsten wird die Luftbewegung über der Deutschen Bucht, für 7er-Böen dürfte
es aber kaum reichen.
Wettermäßig gilt es zu konstatieren, dass die anfänglich im Osten noch
auftretenden leichten Regenfälle immer schwächer werden bzw. ganz aufhören.
Dafür bleibt die Niederschlagsneigung aus der Nacht im Westen des
Vorhersageraums ganztägig erhalten, was sich in Form einzelner, meist schwacher
Schauer widerspiegelt. In puncto Sonne stehen der Nordosten (MV bis nach
Sachsen) sowie der äußerste Südwesten (Südbaden, Südwürttemberg) am besten da,
auch wenn dort jetzt nicht der pure Affenhochglanz vorherrscht.
Bei leicht steigenden 850-hPa-Temperaturen (auf 6-9°C) erwärmt sich auch die
alternde bodennahe Luftmasse etwas auf 14 bis 21°C.

In der Nacht zum Donnerstag zeigt das gesamte Strömungsmuster eine leichte
Ostverlagerung. Durch schwache WLA nimmt die mehrschichtige Bewölkung in den
westlichen Landesteilen zu, der zugehörige skalige Regen lässt bis zum Morgen
wahrscheinlich aber noch auf sich warten. In den übrigen Landesteilen
präsentiert sich der Himmel unterschiedlich bewölkt, nicht selten präsentiert er
sich sogar gering bewölkt oder klar. Dabei bildet sich gebietsweise Nebel.
Im Nordwesten verschärft sich der Gradient, die zugehörige Windzunahme aus
Südost ist aufgrund stabiler Schichtung aber nur auf der Nordsee sowie in
einigen wenigen Höhenlagen wirklich spürbar. Mit 14 bis 11°C wird die Nacht im
Nordwesten unter den Wolken ziemlich mild, während in den östlichen und
südöstlichen Mittelgebirgen sowie an den Alpen z.T. die 5°C-Marke unterschritten
wird.

Donnerstag … kommt der Höhentrog vor allem in seinem Südteil weiter nach Osten
voran, was ihm eine leicht negative Achsstellung verleiht. Das korrespondierende
Bodentiefdrucksystem macht nur wenig Boden nach Osten hin gut und das kleine,
zur südwestlichen Nordsee bzw. Richtung Niederlande vorankommende Teiltief
fungiert als Bremse für die Progression der zugehörigen Kaltfront respektive
Okklusion.
Kurzum, der frontale Regen greift wahrscheinlich schon in den Morgenstunden,
spätestens am Vormittag auf die westlichen Landesteile über, die nachfolgende
Ausbreitung gen Osten folgt dann aber eher dem Muster Schalker Angriffsfußballs,
sprich pomadig und wenig effektiv. Wie weit sich das Regengebiet schlussendlich
ostwärts ausbreitet, steht noch nicht endgültig fest. Tendenziell sind die
externen Modelle etwas forscher aufgestellt als ICON, was z.T. der Achsneigung
des Höhentrogs sowie der genauen Position des Teiltiefs geschuldet ist.
Je näher man den östlichen und südöstlichen Landesteilen kommt, desto
wahrscheinlicher ist ein trockener und zumindest zeitweise sonniger 1. Oktober.
Ob dabei von Polen her ein paar Schauer die Oder und Neiße westwärts überqueren

  • das Höhentief schlägt von Rumänien aus einen Nordostkurs ein und wird somit
    zumindest partiell retrograd -, wie von ICON 06 UTC propagiert (und von ICON 12
    UTC nicht bestätigt), ist derzeit noch äußerst fraglich.
    Fakt ist, dass T850 bis zum Abend auf 6 bis 11°C, Richtung Alpen 12 °C ansteigt,
    was mit Ausnahme höherer Lagen Tageshöchstwerte von 16 bis 22°C zur Folge hat.
    Dabei lebt der Wind östliche bis südliche Wind im Norden und Westen etwas auf,
    Böen der Stärke 7 Bft, vereinzelt 8 Bft bleiben wahrscheinlich aber nur der
    offenen Nordsee und vielleicht noch Teilen der schleswig-holsteinischen
    Ostseeküste vorbehalten.

Modellvergleich und -einschätzung

Die Modelle sind sich im Großen und Ganzen einig, und dort, wo das nicht ganz
der Fall ist (klassische Unschärfen keine substanziellen Unterschiede), besteht
keine Warnrelevanz. So wird auf der Warnkarte des DWD in den nächsten Tagen und
Nächten die Farbe Grün dominieren, am ehesten mal „gestört“ durch gelben Nebel.