SXEU31 DWAV SYNOPTISCHE UEBERSICHT KURZFRIST

SXEU31 DWAV 271800

S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T K U R Z F R I S T
ausgegeben am Sonntag, den 27.09.2020 um 18 UTC

Markante Wettererscheinungen:
Weiterhin Tiefdruckeinfluss, aber kaum Warnerregung.

Synoptische Entwicklung bis Mittwoch 12 UTC

Aktuell … ist nach wie vor „Karussellfahren“ in weiten Teilen Mitteleuropas
angesagt, was den Bayern aus München offensichtlich nicht behagt – 1:4-Klatsche
in Hoffenheim für „Mia san Mia“, wurde ja auch mal wieder Zeit. Als Antrieb für
das „Karussell“ fungiert ein weiträumiges, aus mehreren Drehzentren respektive
Randtrögen bestehendes Höhentief, das auf seinen Flanken verschiedene Bodentiefs
gegen den Uhrzeigersinn (also – Überraschung – zyklonal) steuert. Als
Hauptdrehzentrum lässt sich ein 550-gpdm-Tief südlich der Alpen ausmachen,
dessen Vertikalachse heute Abend kurz vorm Übertritt vom Ligurischen Meer zur
Toskana steht, um von dort bis morgen früh Venetien zu erreichen.
Korrespondierend dazu findet man am Boden das kleine, aber giftige Tief ZORA,
das den italienischen „Stiefel“ ostwärts in Richtung Istrien überquert, wo es
zum Frühstück mit etwas unter 1000 hPa aufschlägt. Es dürfte um die nördliche
Adria herum sowie an der „balkanesischen“ Adriaküste eine unruhige Nacht mit
Wind/Sturm, kräftigen Regenfällen und sogar einzelnen Gewittern werden.
Bei uns hingegen zeigt sich die „Rote ZORA“ von ihrer milden Seite. Zwar sorgt
sie im südöstlichen Bayern für den Abbau des tagsüber wirksamen Zwischenhochs,
aber erst spät ziehen von Österreich her hohe, in den Frühstunden dann auch
mittelhohe und tiefe Wolken nach Oberbayern rein, aus denen es gegen Morgen am
Alpenrand sowie Richtung Gäuboden anfängt, leicht zu regnen, oberhalb rund 1500
m zu schneien.
Die nächste Kandidatin in der Kaskade diverser Tiefs ist Madame XYLA, die ihren
großen Auftritt bei uns aber schon am gestrigen Samstag bzw. in der Nacht zum
Sonntag hatte, wo sie weiten Landesteilen eine erste, teils üppige Portion des
lang ersehnten Niederschlags zukommen ließ – herzlichen Dank dafür, in einigen
Regionen hätte es aber durchaus noch mehr sein dürfen. Inzwischen hat XYLA
Zentralfrankreich erreicht, wo sie es in ungünstigem Gelände (mangelnder Support
aus der Höhe, Druckanstieg) schwer hat zu überleben. Und so kommt es wie es
kommen muss, die gute XYLA verschwindet im Laufe der Nacht von der Wetterkarte,
um ihren wohlverdienten Platz in den ewigen Jagdgründen kleiner, aber wirksamer
Tiefdruckgebiete einzunehmen.
„X“ und „Z“, bliebe also noch ein Tief mit dem Anfangsbuchstaben „Y“, das heute
Abend über Norddeutschland liegt und den Namen YOUNGME trägt. Entsprechend
seiner Exposition zum Höhentief befindet sich YOUNGME auf Westkurs, um unweit
der Nordseeküste Westfriesland anzusteuern. ES handelt sich um ein schmales,
langgestrecktes, dessen Kern nicht ganz einfach auszumachen ist, was sich auch
in leicht unterschiedlichen Modellaussagen widerspiegelt. Fakt ist, dass es dem
Norden und Nordwesten zeitweise Regen beschert (wie weit der Regen über NRW nach
Süden vorankommt, ist noch immer nicht ganz sicher), die 12-stündigen Mengen
meist aber unter der 10mm-Schwelle verbleiben.
Von Südwestdeutschland bis hinüber in die östlichen Landestile bleibt die Nacht
weitgehend trocken (abzüglich anfänglichen Nieselns im Südwesten) und die
wolkenarme Zone aus dem Süden arbeitet sich bis in die östlichen Landesteile
vor. Dabei bildet sich in der feuchten und windschwachen Grundschicht
gebietsweise dichter Nebel. Außerdem kühlt es in der dort eingeflossenen
maritimen Polarluft soweit ab, dass im Süden und Südosten leichter Frost in
Bodennähe möglich ist.

Montag … verlagert sich das steuernde Höhentief in den Grenzbereich von Ober-
zu Niederösterreich, während die korrespondierende ZORA unter deutlichem
Substanzverlust via Slowenien nord-nordostwärts zieht. Bereits zur Mittagszeit
ist nicht mehr so viel von ihr übrig (Druckniveau bei 1010 hPa), es reicht aber,
um vor allem Ober- und Niederbayern, aber auch Teile der Oberpfalz und
Oberfrankens bis hoch nach Sachsen und zur Lausitz mit einem Überangebot
mehrschichtiger Bewölkung und stratiformem Regen zu versorgen. Zwischen
Werdenfelser Land und dem Bayerischen Wald kommen gebietsweise 5 bis 10 l/qm,
lokal bis zu 15 l/qm zusammen. Die Schneefallgrenze in den Alpen liegt bei etwa
1500 m.
Beim zweiten Tief YOUNGME ist noch nicht zu 100% klar, wo genau die Reise
hingeht. Der Grund dafür liegt darin, dass YOUNGME mehr und mehr aus dem
Wirkungsradius des o.e. steuernden Höhentiefs herausrückt und stattdessen in
einen gradientschwachen Sattelpunktbereich über der südwestlichen Nordsee
gelangt (Höhentief bzw. Trog über dem Südosten und dem Nordwesten, Höhenrücken
bzw. -keil über Skandinavien und der Biscaya). Es kann sein, dass das Tief
belgisches oder niederländisches Festland erreicht, kann aber auch sein, dass es
irgendwo vor den Niederlanden über der Nordsee oder über dem Ijsselmeer
verbleibt. Auf alle Fälle sollte man in West- und Nordwestdeutschland davon
ausgehen, dass der Wochenstart eher grau in grau mit z.T. tiefhängenden Wolken
und zeitweiligem Regen oder Nieselregen ausfällt, auch wenn der Hauptteil des
Regens modellübergreifend etwas weiter westlich simuliert wird.
Fakt ist, dass sich zwischen den beiden zyklonalen Baustellen im Südosten und
Nordwesten ein Streifen mit kompensatorischem Absinken etabliert, der sich von
BW bis in die östlichen Landesteile erstreckt. Hier lockert die Wolkendecke mal
mehr, mal weniger auf und die Sonne zeigt sich zeitweise. Allerdings kann es
Ende September an der einen oder anderen Stelle dauern, bis sich der Nebel
aufgelöst hat.
Bei 850-hPa-Temperaturen von 2 bis 7°C steigt die 2m-Temperatur vielerorts auf
14 bis 19°C. Etwas kühler bleibt es bei Regen in den westlichen Mittelgebirgen
sowie – ebenfalls bei Regen – in weiten Teilen Bayerns. Der Wind spielt unter
den gegebenen Druckverhältnissen lediglich eine Komparsenrolle.

In der Nacht zum Dienstag entfernt sich das Höhentief wenn auch nur langsam in
Richtung nördlicher Balkan. Damit verschiebt sich das gesamte Potenzialmuster
südostwärts, was den o.e. Sattelpunkt etwa nach Jütland transferiert. Derweil
scheint sich das Tief YOUNGME entscheiden zu haben, seinen Lebensabend über der
Nordsee zu verbringen, ist ja auch schön dort. Der zugehörige, meridional
exponierte Bodentrog schwenkt von Benelux her bis nach Westdeutschland, wo er
weitere, teilweise bis zur Mitte ausgreifende Regenfälle generiert. Akkumuliert
über 12 h reicht es gebietsweise für 5 bis 10 l/qm, lokal vielleicht bis 15
l/qm. Gleichzeitig treten die Niederschläge im Südosten den geordneten Rückzug
an, gleichwohl kann es im südöstlichen Bayern noch bis in die frühen
Morgenstunden leicht regnen.
Im Norden und Osten sowie in Teilen der Mitte präsentiert sich die Nacht
vielfach wolkenarm, was erneut Nebel zur Folge hat. Frost in Bodennähe hingegen
sollte in der sich allmählich erwärmenden Luftmasse kein Thema mehr sein.

Dienstag … verlässt uns das Höhentief endgültig in Richtung Rumänien. Dadurch
wird Platz frei für den o.e. Höhenkeil, der sich von Frankreich und Benelux
nahezu geräuschlos dem Vorhersageraum annähert. Wer nun aber glaubt, dass damit
eine nennenswerte Wetterbesserung im Sinne weniger Wolken und mehr Sonne
verbunden ist, muss an dieser Stelle enttäuscht werden. Okay, im Nordosten des
Landes, namentlich von der Ostsee bis hinunter nach Sachsen-Anhalt und BB,
vielleicht noch bis in die Leipziger Tieflandsbucht und Ostthüringen lässt sich
zeitweise, nach Norden hin auch längere Zeit die Sonne blicken und es bleibt
trocken.
Ansonsten macht sich aber ein langgestrecktes, meridional von Nord nach Süd
orientiertes Regenband bemerkbar, das den Resten des im Bodendruckfeld nur noch
mit Mühe auffindbaren Bodentrogs zuzuordnen ist und sich nur sehr langsam von
Westen her ostwärts vorarbeitet. Hebungstechnische Unterstützung erfolgt durch
nieder- und mitteltroposphärische WLA, die im Laufe des Tages aber schwächer
wird.
Die weiterhin schwachen Luftdruckgegensätze sind alles andere als windfördernd,
entsprechend erfolgt auch kein Luftmassenwechsel. Bei 850-hPa-Temperaturen
zwischen 4 und 8°C werden Tageshöchstwerte von 13 bis 18°C, im
sonnenscheinreicheren Nordosten bis zu 20°C erreicht.

In der Nacht zum Mittwoch wird das Regenband unter Abschwächung in die östlichen
Landesteile durchgereicht. Derweil wird der ohnehin nicht gerade vor Kraft
strotzende Höhenrücken etwas abgehobelt, so dass ein vor allem in der unteren
Troposphäre erkennbarer Sekundärtrog die westlichen und nordwestlichen
Landesteile erreicht, wo dadurch ein paar Schauer generiert werden. Summa
summarum verläuft die Nacht aber ruhig und unspektakulär mit einigen
Nebelfeldern in den Regionen, wo es für länger Zeit aufklart/-lockert
(Südwesten, Osten).

Mittwoch … gelangt Deutschland mehr und mehr auf die Vorderseite eines
veritablen Langwellentrogs, der von Grönland bis zum Seegebiet knapp südwestlich
von Irland reicht. Korrespondieren tut der Trog mit einem elliptisch
angeordneten Zwei-Kern-Tief, das zur Mittagszeit zwischen Island und Irland
seinen Platz beansprucht. Trotz Vorderseite bleiben die Hebungsimpulse aber
relativ schwach, weil die Höhenströmung ebenfalls eher „dünne“ ist und somit
keine großen Advektionsterme rausspringen. Gleichwohl wird es wahrscheinlich im
Westen und Nordwesten sowie in der westlichen Mitte für ein paar Tropfen reichen
und auch im Osten könnte es anfangs noch etwas aus dem ehemaligen Regenband
tröpfeln. Dagegen wird im Nordosten (vornehmlich MV, BB) sowie in Teilen BWs hin
und wieder die Sonne vorstellig.
Bei weiterhin geringen Luftdruckgegensätzen bleibt der Wind schwach unterwegs,
lediglich Richtung Nordsee macht der südliche Wind ganz bescheiden auf sich
aufmerksam, ohne dabei aber auch nur annähernd in die Nähe irgendwelcher
Warnschwellen zu gelangen. Die Temperatur steigt auf 14 bis 21°C mit den
höchsten Werten im südlichen Oberrheingraben.

Modellvergleich und -einschätzung

Der Generalkurs wird von den etablierten Modellen unisono verfolgt. Kleinere
Unschärfen sind branchenüblich, machen den Kohl aber nicht wirklich fett und
sind vor allem nicht warnrelevant.

Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Jens Hoffmann