SYNOPTISCHE UEBERSICHT MITTELFRIST

S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T M I T T E L F R I S T
ausgegeben am Donnerstag, den 24.09.2020 um 10.30 UTC

Wechselhaft mit zeitweiligen Regenfällen, dabei vor allem am Wochenanfang
gebietsweise Dauerregen (teils Unwetter). Im Bergland teils kräftige Schneefälle
und windig.

Synoptische Entwicklung bis zum Donnerstag, den 01.10.2020

TM – Tief Mitteleuropa – das ist in der ab Sonntag beginnenden Mittelfrist
zunächst das Maß der Dinge. Das Tief mit Zentrum über Polen am Sonntagmittag
wird unterstützt durch ein recht opulentes Höhentief mit Zentrum etwas südlich
davon über Tschechien. Dabei führt die „herumgeholte“ Okklusion des Tiefs einen
Schwall warme Luft in den Norden Deutschlands mit T850 hPa von 10 bis 14 Grad,
während im Süden kühlere Luft mit T850 hPa von 1 bis 6 Grad wirksam ist. Zudem
bringen die Ausläufer sehr feuchte Luftmassen zu uns, was einen wechselhaften
und herbstlich anmutenden Sonntag verspricht.

Am Montag spaltet sich das Höhentief, wobei der Hauptteil in Richtung Polen und
Tschechien zieht, während der andere Teil gen Tyrrhenisches Meer strebt. Damit
wird allerdings auch der Support des Bodentiefs untergraben, sodass es sich
auffüllt. Die herumgeholte Okklusion mit der warmen und feuchten Luft liegt aber
weiterhin über dem Norden, Westen und Süden Deutschlands, sodass insbesondere
dort weitere Niederschläge zu erwarten sind.

Am Dienstag zieht der nördliche Teil des ehemaligen Höhentiefs in den
Bottnischen Meerbusen, während der südliche Teil zum Balkan wandert. Daher wird
der Weg frei für einen flachen Rücken, dessen Achse mittags eine Linie Spanien –
Pyrenäen – Paris – Benelux einnimmt. Zwar steigt dadurch der Druck bei uns, die
Okklusion bewegt sich aber nur langsam in den Osten des Landes weiter und
schwächt sich auch nur allmählich ab.

Am Mittwoch schwenkt der Rücken über Deutschland hinweg nach Osten durch.
Nachfolgend geraten wir in den Einflussbereich eines Troges über dem
Nordatlantik und den Britischen Inseln. Das zugehörige Zentraltief bei Island
lenkt seine Ausläufer mit feuchter Luft bereits am Nachmittag in den Nordwesten
Deutschlands.

Am Donnerstag wandelt sich ein Teil des Höhentroges zu einem Randtrog um, der
sich auf der Südostflanke des Haupttroges gen Norden verlagert, während der
Westteil durch einen weiteren hereinlaufenden Randtrog regeneriert wird und
dabei nach Süden amplifiziert. Dazwischen formiert sich ein flacher Rücken. Das
Zentraltief bleibt damit nahe Island, seine Ausläufer überqueren Deutschland
rasch von West nach Ost. Dazwischen stellt sich durch den Rücken vorübergehender
Hochdruckeinfluss ein, bevor zum Abend hin die Warmfront eines neuen Tiefs knapp
westlich der Britischen Inseln schon den Nordwesten Deutschlands erreicht.
Dieses Tief geht aus einer Wellenstörung an der Frontalzone über dem
Nordostatlantik durch den nach Süden ausgreifenden Höhentrog hervor und weist
Züge einer rapide Zyklogenese auf mit einem Druckfall von über 30 hPa in 24
Stunden.

In der erweiterten Mittelfrist ab Freitag amplifiziert der Trog unter Verkürzung
seiner Wellenlänge weiter in Richtung Iberische Halbinsel. Das Tief nahe der
Britischen Inseln zieht damit in das Nordmeer und führt die Warmfront nach
Norden ab. Die Kaltfront des Tiefs dagegen bleibt durch die Amplifizierung
westlich von uns. So stellt sich eine südwestliche bis südliche Strömung ein,
die warme bis sehr warme Luft mit T850 hPa von 14 bis 18 (!) Grad zu uns lenkt.
Erst zum Ende des Vorhersagezeitraums des EZMW-Modells nähert sich in der Nacht
zum Sonntag die Kaltfront Deutschland an.

Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs

Bis zum Dienstag ist der heutige 0 UTC-Lauf des EZMW noch einigermaßen
konsistent zu seinen beiden gestrigen Vorläufen, danach sinkt die Konsistenz
beträchtlich. Am Mittwoch beispielsweise brachten die beiden gestrigen Läufe
noch ein kleines Höhentief über Deutschland mit ins Spiel, der nun durch einen
flachen Rücken und Zwischenhocheinfluss ersetzt wurde. Ab Donnerstag zeigten die
beiden Läufen von gestern ein größeres Höhentief über den Britischen Inseln, das
Richtung Mitteleuropa weiterziehen sollte. Im heutigen Lauf dagegen gibt es ein
zur Iberischen Halbinsel amplifizierenden Höhentrog über dem Nordostatlantik und
den Britischen Inseln, auf dessen Vorderseite aus Süden warme bis sehr warme
Luft nach Deutschland vorstößt. Die Temperaturdifferenz beträgt dabei zum Teil
über 10 Kelvin! Dadurch wird auch das Wetter nicht ganz so wechselhaft wie bei
den Vorläufen.

Vergleich mit anderen globalen Modellen

GFS weist bis zum Dienstag in den Grundzügen Parallelen auf, zeigt am Mittwoch
dann aber ähnlich wie die gestrigen EZMW-Läufe ein kleines Höhentief, allerdings
mit Zentrum über der Nordsee. Anschließend gibt es ein Höhentief über den
Britischen Inseln und später ein weiteres über Frankreich. Auf der Vorderseite
dieser beiden Höhentiefs strömt zwar auch warme Luft zu uns, vor allem die
Westhälfte befindet sich aber in deren Einflussbereich und dürfte demnach
wechselhafteres Wetter bekommen.
ICON folgt dem EZMW ebenfalls etwa bis Dienstag und bildet danach ein größeres
Höhentief knapp südwestlich der Britischen Inseln. Der Zwischenhocheinfluss am
Donnerstag ist damit nicht so stark ausgeprägt.
GEM und NAVGEM folgen in weiten Teilen dem EZMW.

Bewertung der Ensemblevorhersagen

Die Rauchfahnen der T850 hPa weisen für verschiedene deutsche Städte bereits am
Sonntag/Montag eine recht hohe Varianz von etwa 10 Kelvin auf, was den
Unsicherheitsfaktor in Sachen herumgeholter Warmluft im Bereich der Okklusion
betont. Nach vorübergehend sogar leichter Besserung zur Wochenmitte mit nur
einer Differenz von rund 6 Kelvin öffnen sich die Streuungen vor allem ab
Freitag wieder deutlich mit einem Unterschied von dann teils über 20 Kelvin. Ab
diesem Zeitpunkt spiegelt sich die Unsicherheit in Sachen Trogvorderseite
wieder, einige Läufe zeigen bei den Geopot 500 hPa-Rauchfahnen nämlich einen
signifikanten Abfall. Der Trog könnte demnach früher auf uns übergreifen und das
warme Intermezzo würde entsprechend kühler ausfallen. Die vielen vorhandenen
Niederschlagssignale hingegen unterstreichen den zu erwartenden wechselhaften
Wettercharakter in der Mittelfrist.

Die Clusteranalyse wartet von Dienstag (0 UTC) bis Donnerstag (0 UTC) mit 5
Clustern auf. Haupt- und Kontrolllauf finden sich in C5 mit nur 5 Mitgliedern
wieder. Allzu groß sind die Unterschiede zwischen den Clustern für unseren
relevanten Bereich aber nicht. Von Freitag (0 UTC) bis Sonntag (0 UTC) werden 4
Cluster analysiert, die allesamt dem Regime der negativen NAO zugeordnet sind.
Dieses Regime wird durch den bei C1, C2 und C4 Richtung Britische Inseln und
Iberische Halbinsel amplifizierenden Höhentrog hervorgerufen, der nur eine
schwache Westwinddrift erlaubt. In C3 amplifiziert der Trog in Richtung
Mitteleuropa mit deutlich stärkerem Tiefdruckeinfluss bei uns.

FAZIT: Bezüglich der herumgeholten Okklusion mit dem Warmlufteinschub bestehen
von Sonntag bis Dienstag noch einige Unsicherheiten vor allem in der Lage. Diese
könnte aber maßgeblich Niederschlagsschwerpunkt beeinflussen. Danach geht es
wahrscheinlich meist wechselhaft weiter mit nur kurzen Phasen des
Zwischenhocheinflusses bei für die Jahreszeit üblichen Temperaturen. Ab Freitag
steht das Szenario der Trogvorderseite mit der Zufuhr warmer bis sehr warmer
Luft aus dem Süden auf sehr wackeligen Füßen.

Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen

WIND:
EFI weist Signale auf für überdurchschnittlich starken Wind im äußersten Westen
und Südwesten am Sonntag auf. Die Ensembles zeigen dort aber bisher nur in den
Bergen Hinweise für stürmische Böen oder Sturmböen. Auch an den Folgetagen, wo
EFI keine Hinweise mehr liefert, gibt es im Bergland stürmische Böen oder
Sturmböen, bevor sich der Wind zur Wochenmitte hin abschwächt.

DAUERREGEN:
Am Sonntag und Montag bietet EFI Werte bis 0,7 für überdurchschnittlich viel
Niederschlag insbesondere im Süden und Westen Deutschlands an. Bei den Ensembles
wird dies durch erhöhte Wahrscheinlichkeiten für Dauerregen und durch geringe
Wahrscheinlichkeiten für ergiebigen Dauerregen (Unwetter) bestätigt.

SCHNEEFALL:
Eine durch EFI-Signale bei den Temperaturen vorhergesagte zu kühle Witterung am
Sonntag und Montag führt im höheren Bergland etwa oberhalb von 1000 m zeitweise
zu Schneefällen. Dabei sind die Neuschneemengen in den Ensembles meist markant,
unwetterartige Neuschneemengen lokal jedoch nicht ausgeschlossen.

Basis für Mittelfristvorhersage
EZMW, EZMW-MOS. Am Ende MOSMIX, weil unklar ist, wohin die Reise geht.

VBZ Offenbach / Dipl. Met. Simon Trippler