SYNOPTISCHE UEBERSICHT MITTELFRIST

S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T M I T T E L F R I S T
ausgegeben am Samstag, den 19.09.2020 um 10.30 UTC

Allmählich zunehmende Schauer- und Gewittertätigkeit. Erst warm, später mäßig
warm und im Bergland Windzunahme.

Synoptische Entwicklung bis zum Samstag, den 26.09.2020

Zu Beginn des mittelfristigen Vorhersagezeitraums am kommenden Dienstag befindet
sich über dem nahen Nordostatlantik ein Langwellentrog, der unter Vergrößerung
seiner Amplitude ganz allmählich Richtung Westeuropa zieht. Über dem Norden der
Iberischen Halbinsel befindet sich ein kleiräumiges Höhentief, das sich nach und
nach Richtung Südfrankreich hin ausdehnt. Über Deutschland macht sich noch ein
flacher Höhenrücken und schwacher Hochdruckeinfluss bemerkbar und somit
überwiegt noch trockenes und warmes Spätsommerwetter, lediglich im Alpenraum
bilden sich im Tagesgang lokale markante Gewitter.

Am Mittwoch amplifiziert der Langwellentrog vor den Toren Europas weiter und
erfasst bereits Irland/England und Schottland. Deutschland verbleibt in einer
diffluenten und kurzwellenanfälligen südwestlichen Höhenströmung im
Einflussbereich feuchtwarmer Luftmassen. Das kleinräumige Höhentief über
Südfrankreich erfasst im Tagesverlauf den Südwesten Deutschlands. Daher wird es
im Süden und Westen Deutschlands wechselhaft mit Schauern und Gewitter bleiben.
Dabei gibt es auch ein West-Ost-Temperaturgefälle der Maxima (20 bis 28 Grad)
mit den höheren Werten im Osten, denn dort kommen die konvektiven Umlagerungen
erst zum Abend bzw. in der Nacht zum Donnerstag an.

Am Donnerstag verbleibt Deutschland vorderseitig des zu einem westeuropäischen
Langwellentroges modifizierten Haupttroges in einer südwestlichen Höhenströmung,
darin eingebettet erfasst eine Kaltfront des steuernden Tiefs mit Kern bei
Schottland im Tagesverlauf den Westen Deutschlands mit mehrschichtiger Bewölkung
und auch teils mit kräftigem Regen. Dieser kann auch von Gewittern durchsetzt
sein. Im Osten Deutschlands bleibt es anfangs noch trocken. Dort kommt der Regen
erst im Laufe des Freitages an. Am Freitag vollzieht sich dann ganz allmählich
ein Luftmassenwechsel. Die feuchtwarme Luftmasse wird dann auch im Osten durch
etwas kühlere Meeresluft ersetzt, so dass die Höchstwerte sich allgemein
zwischen 20 und 25 Grad einpendeln werden.

Am Samstag tropft ein Teil des Troges nach Süden hin Richtung Norditalien ab,
was an den Südalpen erneut, wie schon vor ein paar Wochen, unwetterartige
Regenfälle verursachen dürfte. Der Nordteil des Troges zieht nach Skandinavien
ab. Somit sind auch im Süden Deutschlands noch recht kräftige Regenfälle zu
erwarten, in den übrigen Landesteilen kommt es noch zu einzelnen Schauern.

In der erweiterten Mittelfrist nähert sich vom Atlantik ein neuer
Langwellentrog, der im weiteren Verlauf sich bis nach Mitteleuropa vorarbeitet.
Über Russland baut sich eine mächtige blockierende Antizyklone auf, so dass die
über Mitteleuropa ankommende Tiefs nach Süden oder Norden ausweichen müssen.

Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs

Die aktuelle operationelle ECMWF bzw. IFS Lauf fügt sich nahtlos an die
vorangegangenen Läufe des IFS ein, so dass die Konsistenz des ECMWF als hoch
bezeichnet werden kann. Die Positionierung der steuernden Drucksysteme ist
erstaunlich gut.

Vergleich mit anderen globalen Modellen

Auch die anderen globalen Modelle zeigen eine recht hohe Übereinstimmung.
Anfangs herrscht in weiten Teilen Deutschlands noch schwacher Hochdruckeinfluss
und bei einer trockenen warmen Luftmasse setzt sich zunächst ruhiges
Spätsommerwetter fort. Lediglich am Alpenrand kann es zu ersten lokalen Schauern
und Gewittern kommen. Ab Mittwoch greift nach GFS, ICON und GEM der
westeuropäische Langwellentrog langsam auf Mitteleuropa über. In der sich
etablierenden südwestlichen Strömung wird feuchtwarme Luft herantransportiert,
so dass es verbreitet zu Niederschlägen mit eingelagerten Gewittern kommen wird.
Auch Starkregenereignisse sind vor allem im Süden Deutschlands zu erwarten. Dies
wird insbesondere auch durch die Kanadier gestützt. Wenn man über den Tellerrand
zu den Südalpen blickt, ist ein unwetterartiges Dauerregenereignis zu Beginn des
kommenden Wochenendes im Bereich des Möglichen.

Bewertung der Ensemblevorhersagen

Die IFS-Meteogramme zeigen deutschlandweit bis einschließlich Donnerstag nur
geringe Zu-/Abnahmen der Temperaturmaxima, einzig die Minima steigen zunehmend
in den zweistelligen Bereich an.
Zur Wochenmitte und darüber hinaus nehmen die Niederschlagssignale zu,
allerdings nur mit sehr geringe Medianwerten, aber hohen Spitzen einiger
Einzelmember (Anzeichen für kräftige Schauer/Gewitter). Dabei verschiebt sich
die Zunahme der Niederschläge nach Osten und Südosten eher auf den Freitag. Der
Mittelwind nimmt ebenfalls ab der Wochenmitte zu mit einer deutlichen Zunahme
der Böigkeit ab Freitag, sollte die Höhenkaltluft Deutschland in der Tat fluten
(bessere Durchmischung).
Bis einschließlich Mittwoch im Westen und Donnerstag im Osten gibt es eine sehr
enge Bündelung in den Rauchfahnen der 850 hPa Temperatur und des 500 hPa
Geopotenzials und einer raschen Streuung in der Folge – abhängig von der Lage
des Langwellentroges/Zentraltiefs. Insgesamt wird aber auch hier eine ruhige
Mittelfrist gezeigt.

Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen

Der EFI unterstreicht die insgesamt (warntechnisch) ruhige Mittelfrist mit einem
geringen positiven Ausschlag bei der Temperatur (dank der Advektion
subtropischer Luftmassen vorderseitig des Langwellentroges). Erst zum Ende der
Mittelfrist werden im äußersten Westen Signale für vom Modellklima abweichende
Windböen gerechnet, allerdings im überschaubaren/geringen Bereich (0.5-0.6). Im
gesamten Südwesten Europas gibt es jedoch dahingehend deutlich stärkere Signale,
sodass dieser Parameter im Auge behalten werden muss.
Zum Mittwoch/Donnerstag springt der EFI „CAPE“ in weiten Bereichen Deutschlands
an und Gewitter mit Starkregen sind bei der zu erwartenden Luftmasse/Schichtung
sicherlich nicht auszuschließen (bei allerdings meist geringer Scherung oder
einem EFI „CAPE/shear“ von unter 0.5).
Der EFI „water vapor flux“ zeigt nur schwache Signale über der Iberischen
Halbinsel, bevor auch diese in der Folge verschwinden. Die deutlichsten Werte
gibt es im Zuge von Ex-Sally und einem „Atmosphärenfluss“, der auf das
zentrale/nördliche Norwegische Gebirge gerichtet ist und dort heftige
Niederschläge bringt, ebenso wie der ehemalige (sub)tropische Sturm im östlichen
Mittelmeer, der aus heutiger Sicht mit viel Regen die nördlichen Küsten
Libyens/Ägyptens erreichen sollte.

Basis für Mittelfristvorhersage
IFS, IFS-EPS, GFS, MOS-MIX

VBZ Offenbach / Dipl. Met. Stefan Külzer