SYNOPTISCHE UEBERSICHT MITTELFRIST

S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T M I T T E L F R I S T
ausgegeben am Mittwoch, den 16.09.2020 um 10.30 UTC

Im Osten und Nordosten weiter freundlich und störungsfrei, von Westen
unbeständiger, lokal Gewitter möglich. Weiterhin mäßig warm, im Südwesten warm.

Synoptische Entwicklung bis zum Mittwoch, den 23.09.2020

Am Samstag schwächt sich der zuvor wetterbestimmende Rücken über Deutschland ab
und auch der Keil des Bodenhochs verlagert seinen Schwerpunkt etwas nach Osten.
Daher kann das westeuropäische Höhentief seinen Einflussbereich ostwärts
ausweiten. In den Westen und Südwesten Deutschlands gelangen zunehmend feuchtere
und labilere Luftmassen mit Schauer- und Gewitterpotenzial, im Großteil des
Landes dominiert aber noch störungsfreies, spätsommerliches Wetter.

Am Sonntag verbleibt das Höhentief relativ ortsfest über Westeuropa, vom
korrespondierenden, westeuropäischen Bodentief schiebt sich ein Ableger in von
Südwesten nach Deutschland, die sich im Tagesverlauf auf die Südosthälfte
ausdehnt. In der feucht-labilen Luftmasse können dann entsprechende
Hebungsprozesse im Zusammenspiel mit der Orografie wieder für Schauer und
Gewitter sorgen. In der Nordosthälfte dominiert nach wie vor höheres
Geopotenzial und am Boden bildet sich aus dem Hochkeil ein eigenständiges Hoch
mit Schwerpunkt über dem Baltikum bzw. dem östlichen Mitteleuropa.

Im Laufe des Montags nimmt das westeuropäische Höhentief allmählich Kontakt zur
Frontalzone auf und wird zum Dienstag allmählich in den vom Nordatlantik
kommenden Trog eingegliedert. Die Strömung steilt damit etwas auf, der Keil über
dem östlichen Mitteleuropa verlagert seine Achse mehr und mehr ostwärts und ein
erster, recht flacher Randtrog kann auf der Vorderseite des markanten Troges
nordostwärts ablaufen. Der Bereich mit Bewölkung und Schauer-/Gewitterpotenzial
dehnt sich am Dienstag bis in die mittleren Landesteile aus, nach Osten hin
bleibt es noch meist freundlicher und trocken.

Am Mittwoch steilt die Strömung noch etwas auf, der Haupttrog über dem
Ostatlantik nähert sich nur sehr zögerlich. Allerdings soll sich der noch von
ehemaligen Höhentief stammende Randtrog unter Verkürzung seiner Wellenlänge als
relativ markanter Kurzwellentrog auf der Trogvorderseite nordostwärts über
Südwestfrankreich gen Deutschland verlagern. Entsprechende Hebung könnte dann
für vermehrte Konvektion sorgen. Der Nordosten/Osten bleibt davon weiterhin
unberührt.

Das Temperaturniveau bleibt über den gesamten Zeitraum relativ hoch. Die 850 hPa
Temperatur liegt durchweg jenseits der 10 Grad, nach Südwesten und Süden
zeitweise gar bei 15 Grad. Erst zum Ende der erweiterten Mittelfrist zum Ende
der kommenden Woche soll der Durchgang des Troges inklusive Frontensystem eines
Tiefs über der Nordsee für einen deutlichen Temperaturrückgang sorgen. Freilich
sind die Unsicherheiten hier noch groß.

Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs

Die Konsistenz der vorliegenden IFS-Vorhersagen kann bezüglich der
Grundstrukturen insgesamt als gut bezeichnet werden, es zeigen sich allerdings
Unterschiede im Timing. Während der gestrige 00 UTC-Laufe für den Samstag noch
keinen Einfluss des westeuropäischen Höhentiefs auf Deutschland annahm, setzt
IFS seit dem gestrigen 12 UTC-Lauf bereits auf eine Labilisierung von Westen.
Der Samstag dürfte demnach nicht mehr komplett störungsfrei verlaufen.
Im weiteren Verlauf der Mittelfrist wird von allen vorliegenden IFS-läufen die
markante Austrogung über dem nahen Ostatlantik bzw. Westeuropa simuliert, aber
auch hier wieder mit leicht unterschiedlichem Timing. Der aktuelle 00-UTC-Lauf
ist hierbei doch deutlich langsamer aufgestellt als die gestrigen Modellläufe.
Der Zeitpunkt der avisierten, grundlegenden Umstellung der Druckkonstellation in
ganz Deutschland in Form der Passage des markanten Troges verschiebt sich bis in
die erweiterte Mittelfrist zur Mitte oder gar zum Ende der kommenden Woche.

Fazit: Im gesamten Vorhersagezeitraum deutet sich eine Schauer- und
Gewitterneigung für den Westen und Südwesten Deutschlands an, nach Osten, vor
allem Nordosten bleibt es störungsfrei und somit auch weiterhin trocken.

Vergleich mit anderen globalen Modellen

Beim Blick auf die Lösungen anderer Globalmodelle wie ICON oder GFS fällt eine
recht große Übereinstimmung in den Grundstrukturen auf.
Am kommenden Wochenende ist ICON im Vergleich zu IFS und GFS etwas forscher
hinsichtlich des Einflusses des Höhentiefs und sieht diesen etwas mehr ostwärts
bzw. in die Mitte Deutschlands übergreifend. Ansonsten herrscht traute Einigkeit
in der weiteren Entwicklung. Erst in der erweiterten Mittelfrist werden
Unterschiede im zeitlichen Ablauf sichtbar. GFS simuliert die Trogverlagerung
dabei etwas flotter als der aktuelle IFS-Lauf. Es bleibt also abzuwarten, wann
die Umstellung zu insgesamt wechselhafterem und dann auch kühlerem Wetter dann
wirklich erfolgt.

Bewertung der Ensemblevorhersagen

Sowohl die Rauschfahnen des IFS-EPS als auch die GFS-EPS-Rauchfahnen sind sehr
eng gebündelt bis Dienstag/Mittwoch kommender Woche und zeigen hinsichtlich der
Temperatur ein konstant hohes Niveau in 850 hPa und auch beim Geopotenzial tut
sich erwartbar wenig. Die Niederschlagssignale im Westen halten sich über den
gesamten Mittelfristzeitraum, nach Osten/Nordosten hin tauchen die ersten
Signale für Regen zum Dienstag/Mittwoch auf.

Die Clusteranalyse des IFS zeigt für den ersten Vorhersagezeitraum von Samstag
und Sonntag (+72 bis +96 h) 3 Cluster. Die Member sind in diesen 3 Clustern
relativ gleich verteilt (18,17,16 Member) und der Hauptlauf findet sich in
Cluster 3, der Kontrolllauf in Cluster 1 wieder. Für unseren Vorhersageraum
lassen sich allerdings keine prognoserelevanten Unterschiede erkennen. Im
Folgezeitraum von Montag bis Mittwoch (+120 bis +168 h) werden ebenfalls 3
Cluster mit 30, 11 und 10 Membern angeboten. Cluster 2 spiegelt hier die Lösung
des Hauptlaufes wieder, bei dem sich das Höhentief allmählich an die Frontalzone
„hängt“, Deutschland dabei aber nur am Rande (im Westen) vom zyklonalen Einfluss
tangiert wird. Der gut besetzte Cluster 1 enthält den Kontrolllauf und vollzieht
eine deutlich schnellere Eingliederung des Höhentiefs in den atlantischen Trog
und lässt leicht östlich von uns den Keil deutlich aufwölben. Da der trog an
sich aber auch hier noch außerhalb Deutschlands liegt, ist auch hier kaum
Prognoserelevanz ersichtlich. Cluster 3 hingegen, der aber nur recht wenig
Member in sich vereint, vollführt die Angliederung des Höhentiefs an den
atlantischen Trog etwas anders, so dass der sich aufwölbende Höhenrücken mit
seiner Achse nur wenig östlich von uns wäre. Somit eine weitgehend antizyklonal
geprägte Variante bzw. Blocking, die nur im äußersten Westen Schauer oder mal
ein Gewitter zulassen würde. In der erweiterten Mittelfrist ab Donnerstag (+192
bis +240 h) schwenken dann alle 4 Cluster auf ein Muster mit positivem NAO –
Unterschiede unter den Clustern ergeben sich hier in der Ausdehnung des Troges
nach Süden. Teils hält auch noch die Blockierung durch den Keil östlich von uns
dagegen. Ein veritabler Trogdurchgang ist in allen Clustern erst zum Ende der
kommenden Woche erkennbar.

Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen

Zunächst vor allem im Westen und Südwesten (inklusive Alpenrand), ab etwa
Dienstag weiter in die mittleren Landesteile ausweitendes Gewitterrisiko, lokal
Starkregen möglich. Aber eigentlich keine Signale in EFI, COSMO-LEPS oder
IFS-EPS für markante Ereignisse.

Basis für Mittelfristvorhersage
IFS-EPS, MOS-EZ

VBZ Offenbach / Dipl. Met. Sabine Krüger