SYNOPTISCHE UEBERSICHT MITTELFRIST

S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T M I T T E L F R I S T
ausgegeben am Montag, den 14.09.2020 um 10.30 UTC

Unter vorwiegendem Hochdruckeinfluss kaum Niederschläge und meist warm. Ab
Sonntag vor allem im Süden und Südwesten ansteigendes Schauer- und
Gewitterrisiko.

Synoptische Entwicklung bis zum Montag, den 21.09.2020

Ist das Sommerwetter 2020 nun bald Geschichte, oder gibt es noch einmal einen
Nachschlag? Zwar erreicht uns am Donnerstag, also zum Beginn des
Mittelfristzeitraums, eine Kaltfront, danach scheinen sich die Temperaturen aber
vor allem in der Südhälfte weiterhin auf sommerlichem Niveau zu bewegen.

Die Kaltfront gehört zu einem Tief mit Zentrum am Donnerstagmittag über dem
Finnischen Meerbusen. Dieses Tief wiederum ist mit einem Höhentief gekoppelt,
welches nahezu achsensenkrecht über dem Bodentief liegt, wodurch dieses seinen
Höhepunkt überschritten hat. Diesem Gebilde gegenüber steht ein Höhenhoch über
den Britischen Inseln, das ein Hoch über der Nordsee stützt. Weil die Kaltfront
sich auf ihrem Weg nach Süden unter dem Absinken des Hochs befindet, entfaltet
sie nur bedingt Wetterwirksamkeit. Zudem wird die Luftmasse im Süden nur
marginal abgekühlt, sodass die T850 hPa abends zwischen 6 Grad im Nordosten und
13 Grad im Südwesten liegen.

Am Freitag wölbt sich vom westlichen Mittelmeer her ein Rücken auf, der
Verbindung zum von den Britischen Inseln nach Deutschland wandernden Höhenhoch
aufnimmt. Der Hochschwerpunkt wandert daher von der Nordsee nach Polen, sodass
bei Drehung der Strömung auf Südost unter weitgehendem antizyklonalem Einfluss
wieder warme Luftmassen mit T850 hPa von 9 Grad im Nordosten bis 15 Grad im
Süden bei uns Fuß fassen können.

Am Samstag zieht ein Trog über Skandinavien hinweg, sodass der Rücken leicht
nach Süden zurückgedrängt wird und der Hochschwerpunkt über dem Balkan ankommt.
Über der Nordsee zeigt sich dann ein zweiter flacher Rücken, der dort ein
weiteres Hoch unterstützt. Im Zuge dessen dreht die Strömung in der Nordhälfte
auf Nord bis Nordwest, während sie im Süden aus West bis Südwest kommt. Damit
kann sich in der Nordhälfte etwas kühlere Luft mit T850 hPa von 6 bis 10 Grad
durchsetzen, während im Süden kein Luftmassenwechsel erfolgt.

Am Sonntag folgt dem nach Osten abziehenden Trog über Skandinavien ein Rücken,
womit über Polen erneut eine Hochzelle entsteht. Diese ist mit dem weiter über
der Nordsee bzw. dem Nordostatlantik vorhandenem Hoch in Form einer Brücke
verbunden. Dadurch kommt die warme Luft mit T850 hPa über 10 Grad wieder bis in
den Norden voran. Gleichzeitig nähert sich von der Biskaya ein Höhentief, das
zugehörige Bodentief lässt feuchtere Luftmassen im Südwesten von Deutschland
einfließen. Damit erhöht sich dort die Bereitschaft für konvektive Umlagerungen.

Am Montag wiederholt sich das Samstagsprozedere mit einem weiteren Trogdurchgang
über Skandinavien. Das Hoch über der Nordsee/dem Nordostatlantik kräftigt sich
durch den nachfolgenden Rücken. Erneut kann bei Drehungsströmung auf Nord ein
wenig kühlere Luft mit T850 zwischen 7 und 10 Grad in die Nordhälfte einsickern.
Weiterhin dominiert aber auch der antizyklonale Einfluss, nur im Süden bietet
die etwas feuchtere Luftmassen neuerlich Konvektionspotenzial.

In der erweiterten Mittelfrist ab Dienstag schwenkt der Rücken über Deutschland
hinweg, wodurch zunächst weiterhin hoher Druck herrscht. Ab Mittwoch gelangen
wir allerdings mehr und mehr in den Einflussbereich des von der Biskaya auf
Frankreich übergreifenden Höhentiefs, welches aber Auflösungserscheinungen
zeigt. Dennoch breitet sich im Zuge dessen die feucht-warme und zur Konvektion
neigende Luftmasse mit T850 hPa von 10 bis 15 Grad bis in den Norden aus.
Anschließend kündigt sich von Nordwesten her eine Abkühlung an.

Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs

Bis zum Freitag sind der heutige 0 UTC-Lauf des EZMW und seine beiden gestrigen
Vorläufe noch einigermaßen konsistent. Danach werden die Abweichungen größer.
So wird im neuesten Lauf am Samstag in der Nordhälfte mit Strömungsdrehung auf
Nord bis Nordwest eine um etwa 4 Kelvin kühlere Luftmasse vorhergesagt.
Am Sonntag dehnt der über der Biskaya liegende Trog seinen Einflussbereich nur
in den äußersten Südwesten aus, während nach gestrigen 0 UTC bereits außer dem
Nordosten viele Teile Deutschlands betroffen wären.
Am Montag sind der gestrige und heutige 0 UTC-Lauf dann wieder etwas einiger mit
erneut ansteigendem Druck, während der gestrige 12 UTC den Trogeinfluss von
Südwesten bis in die Mitte ausgreifen ließ bei ca. 4 bis 6 Grad höherem
Temperaturniveau.
Ab Dienstag fahren der gestrige und der heutige 12 UTC-Lauf weiterhin eine
ähnliche Linie mit zunächst noch vorherrschendem hohen Druck und nur allmählich
wieder übergreifenden feucht-warmen Luftmassen bis Mittwoch. Der gestrige 12
UTC-Lauf dagegen ist schon auf zyklonalen Einfluss getrimmt, wobei auch die
Abkühlung von Nordwesten schneller auf Deutschland zukommt als im neuesten Lauf.

Vergleich mit anderen globalen Modellen

ICON ist dem EZMW sehr ähnlich, zeigt am Samstag jedoch keine Abkühlung in der
Nordhälfte. Zudem wird beim ICON am Sonntag und Montag keine feuchtere Luft im
Südwesten bzw. Süden wirksam.
GFS bringt ebenfalls keine Abkühlung am Samstag. Am Sonntag und Montag greift
die feuchtere Luft dagegen weiter in die Mitte und in den Nordwesten aus als
beim EZMW.
GEM ist auf der EZMW-Schiene unterwegs, aber auch ohne Abkühlung am Samstag.
NAVGEM loggt sich auf die ICON-Variante ein.

Bewertung der Ensemblevorhersagen

Die Rauchfahnen des EZMW-Ensembles für verschiedene deutsche Städte bestätigen
für T850 hPa und Geopot 500 hPa im Prinzip den deterministischen Lauf, da es
jeweils gut definierte Mediane gibt, in denen sich Haupt- und Kontrolllauf
zumeist wiederfinden. Die Abkühlung in der Nordhälfte wird ebenfalls bekräftigt.
Zwei interessante Dinge gibt es aber noch zu erwähnen. Zum einen zeigt der
Kontrolllauf am Montag/Dienstag in den T850 hPa einen markanten Abfall, was für
einen frühzeitigen Luftmassenwechsel sprechen würde. Zum anderen gibt es sowohl
einige wenige kältere als auch vom Geopotenzial niedrigere Ensemblemitgliedern,
die die Rauchfahnen nach dem Kaltfrontdurchgang am Donnerstag öffnen. Ob das
recht hohe Temperaturniveau danach also noch länger erhalten bleibt, ist noch
nicht restlos geklärt.

Bei der Clusteranalyse werden für Samstag (0 UTC) bis Montag (0 UTC) 5 Cluster
ausgegeben. Cluster 1 bis 4 weisen dabei kaum Unterschiede bei uns auf. Cluster
5 hingegen lässt ein Höhentief über die Ostsee nach Österreich abtropfen, womit
vor allem die Osthälfte in seinen Einflussbereich gelangen würde. Andrerseits
könnte starkes Absinken durch das kräftige Hoch der Wetterwirksamkeit aber
entgegenstehen.
Für Dienstag (0 UTC) bis Donnerstag (0 UTC) werden ebenfalls 5 Cluster
produziert. Die Varianten reichen von „breiter Rücken“ bis „massiver
Langwellentrog“ bei unterschiedlichen Regimen. Eine Aussage lässt sich daraus
kaum ableiten.

FAZIT: Das hochdrucklastige Wetter mit nur geringen Niederschlägen bis zum
Samstag ist sicher. Dabei ist eine warme bis sehr warme Luftmasse aktiv, die vor
allem nach Süden hin sommerliche Temperaturen generiert. Eine mögliche
vorübergehende Abkühlung am Samstag in der Nordhälfte ist dagegen unsicher. Am
Sonntag und Montag könnte eine feuchtere Luftmasse im Südwesten und Süden für
konvektives Geschehen sorgen. In der erweiterten Mittelfrist ab Dienstag ist die
Vorhersage sehr unsicher, es spricht aber etwas mehr dafür, dass es zunächst
noch warm bleibt bei allerdings zunehmendem Tiefdruckeinfluss. Dieser könnte
dann auch eine deutliche Abkühlung einleiten.

Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen

EFI zeigt keine Auffälligkeiten.

Am Donnerstag gibt es im äußersten Süden, am Sonntag im äußersten Südwesten und
am Montag erneut im Süden jedoch einzelne kräftige Gewitter mit örtlichem
Starkregen, Sturmböen und kleinem Hagel.

Basis für Mittelfristvorhersage
MOSMIX, EZMW, EZMW-ENS

VBZ Offenbach / Dipl. Met. Simon Trippler