SXEU31 DWAV SYNOPTISCHE UEBERSICHT KURZFRIST

SXEU31 DWAV 141800

S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T K U R Z F R I S T
ausgegeben am Montag, den 14.09.2020 um 18 UTC

Markante Wettererscheinungen:
Antizyklonale Südlage, für die Jahreszeit ungewöhnlich warm.

Synoptische Entwicklung bis Donnerstag 12 UTC

Aktuell … liegt ein ungewöhnlich kräftiges Höhenhoch (592 gpdam) über Mittel-
und Osteuropa. Flankiert wird dieses Hoch von einem Cut-Off-Tief über dem
Atlantik, einem Russlandtrog und einem Kaltlufttropfen über dem Mittelmeer.
Starkes Absinken, sowie WLA an der Westflanke des Hochs haben dafür gesorgt,
dass die 850-hPa-Temperatur im Westen bis 18 °C gestiegen ist. So erwartet uns
am Abend verbreitet sonniges Wetter.

In der Nacht etabliert sich über Tschechien bis Sachsen unterhalb der
Absinkinversion ein schwacher Low-Level-Jet (supergeostrophischer Wind). Im Lee
des Erzgebirges werden von COSMO-D2 einzelne Böen um 55 km/h simuliert. Andere
Lokalmodell gehen von Böen bis 70 km/h in den Kammlagen aus. Ob wirklich
stärkere Böen auftreten, bleib abzuwarten, da die Modelle die
Windgeschwindigkeiten bei diesen Prozessen gerne mal übertreiben.
Ansonsten verläuft die Nacht abgesehen von einzelnen Nebelfelder im Süden
weitestgehend klar. Die Temperatur geht in den Niederungen und Senken noch auf
angenehme Werte um 10 °C zurück. Anders sieht dies in Leelagen, auf Anhöhen und
in Berglagen, oberhalb einer markanten Absinkinversion aus. Dort fällt die
Temperatur nur auf 15 bis 19 °C.

Dienstag … verlagert sich das Zentrum des Hochs weiter nach Osteuropa, behält
aber seinen Einfluss auf Deutschland. Ansonsten ändert sich an der Konfiguration
nichts. Die 850-hPa-Temperatur ist geringfügig kälter als am Vortag,
gleichzeitig sinkt die Schichtdicke etwas. Dies hat aber auf die Höchstwerte
keine Auswirkung, da die Frühtemperaturen etwas höher als an den Vortagen sind.
So erwarten uns wieder Höchstwerte von 29 bis 34 °C. Mit der meist südlichen
Strömung wird etwas feuchtere Luft herangeführt, zudem setzt in der Höhe leichte
Abkühlung ein, sodass die Atmosphäre labiler wird. Die 500 – 800 J/kg CAPE, die
sich im Süden aufbauen, können aber nicht abgerufen werden, da ein starker
Deckel vorherrscht. Bei Auslöstemperaturen von 35 – 37 °C und CIN ~500 J/kg sind
Gewitter nahezu unmöglich, auch wenn die Bodenströmung zunehmend zyklonaler
wird.
Auch die Nacht zum Mittwoch verläuft abgesehen von Cirrusfeldern, deren
Auftreten noch unsicher ist, weitestgehend klar.

Mittwoch … Über dem Atlantik tropft ein Tief ab, während das Trogresiduum nach
Skandinavien zieht. Somit ist der Weg über dem Nordmeer frei für einen
nachfolgenden kräftigen Rücken. Vorderseitig des Skandinavientrogs setzt über
Finnland Zyklogenese ein. Dadurch wird unser Hoch langsam Richtung Osteuropa
verdrängt und macht Platz für den sich regenerierenden Trog, der sich im
weiteren Verlauf südwärts ausbreitet und eine schwache Verbindung zum
Mittelmeerhöhentief aufbaut. Tagsüber herrscht bei uns noch Hochdruckeinfluss
vor. Erst am Abend erreicht die Kaltfront den Norden Deutschlands. Da die
Kaltfront wieder rasch von Druckanstieg überlaufen wird und die Kaltluft
vergleichsweise flach einfließt, wird trotz des enormen Temperaturgradienten
(850-hPa-Temperatur 15 °C in der Mitte Deutschlands und 2 °C an der Grenz zu
Dänemark) nur wenig Regen an der Front simuliert.
Die meisten Modelle, (allen voran wieder GFS) rechnen jedoch vorlaufend mit 500

  • 1000 J/kg CAPE. Ein Schwerpunkt soll über NRW liegen und ein weitere über dem
    Südosten Deutschlands. Auch hier wird es wieder schwierig mit der Auslösung, da
    die Sperrschicht durch das vorangegangene Absinken noch ziemlich stark ist.
    Super HD rechnet daher nur am Abend mit einer Zelle in der Eifel und schwacher
    Aktivität in den Chiemgauer Alpen sowie im Bayerischen Wald. EZMWF rechnet
    hingegen im Süden ab dem Abend verbreitet mit konvektiv durchsetzen, vermutlich
    gewittrigen Regenfällen. Hebungsantrieb dafür soll ein Höhentief über der Adria
    liefern. Vom zugehörigen Lokalmodell EZ4 wird dies allerdings nur für den
    Alpenrand gestützt. Zudem soll sich knapp südlich der Front in er Nacht über der
    Mitte Deutschlands stratiformer Niederschlag in einem Bodentrog bilden, der der
    eigentlichen Front vorweg läuft. Im ICON wird er nur schwach angedeutet.
    Dass die Unsicherheiten in der Nacht zum Donnerstag sehr groß sind, spiegeln
    auch die ECMWF-ENS wieder, die in der Mitte und im Süden eine hohe Streuung bei
    den Niederschlägen aufweisen, wobei in den letzten Läufen die Anzahl der Member
    mit Regen etwas zugenommen hat.
    Nördlich der Kaltfront fließt deutlich trocknere Luft ein. Durch massives
    Absinken lockert die Wolkendecke verbreitet auf. Die Temperatur sinkt dabei auf
    einstellige Werte. Für Bodenfrost wird es wahrscheinlich nicht reichen.

Donnerstag … zieht der Trog mit dem zugehörigen Tiefdruckgebiet rasch nach
Nordosteuropa ab. Es folgt ein ausgeprägter Höhenkeil, der nach Skandinavien
vorstößt. An der Südostflanke des Bodenhochs stellt sich eine kräftigere
Nordostströmung ein. Dabei fließt kühle und sehr trockene Luft in den Nordosten.
(850 hPa-Temperatur ~ 5 °C). Vorhersagesoundings zeigen dort eine durchgängig
trockne Atmosphäre mit Taupunkten bis -35 °C oberhalb der Absinkinversion auf
800 hPa.
Der Südwesten befindet sich weiter im Übergangsbereich zur alten subtropischen
Luftmasse mit 850-hPa-Temperaturen bis 13 °C. Die sich im thermischen Gradient
abgeschwächte Kaltfront liegen dabei über dem Süden Deutschlands. GFS und vor
allem ECMWF rechnen noch mit konvektiv durchsetzen Niederschlag etwa südlich der
Donau, während es im ICON schnell abtrocknet.

Modellvergleich und -einschätzung

Bis Mittwoch gibt es kaum Modellunterschiede. Die Unsicherheiten ab
Mittwochabend wurden bereits in der Übersicht diskutiert

Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Christian Herold