S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T M I T T E L F R I S T
ausgegeben am Sonntag, den 13.09.2020 um 10.30 UTC

Ab Donnerstag kühler, nur gebietsweise Niederschläge, vereinzelt Gewitter.

Synoptische Entwicklung bis zum Sonntag, den 20.09.2020

Am Mittwoch, zu Beginn des mittelfristigen Prognosezeitraumes, gelangt
Deutschland zunehmend auf die Vorderseite eines Troges über Skandinavien. Über
dem Archipel der sogenannten Britischen Inseln baut sich ein abgeschlossenes
Höhenhoch auf, das eine kräftige Antizyklone (Schwerpunkt mit etwas mehr als
1034 hPa bei den Shetland-Inseln) stützt. Erin mit dem Trog korrespondierendes
Tief zieht von Mittelschweden über den Bottnischen Meerbusen nach Westfinnland
in den Raum Vaasa. Von ihm aus erstreckt sich eine Zone tiefen Luftdrucks (so
eine richtige Rinne ist es nicht) bis nach Deutschland. An der Konvergenzachse
dieser „Rinne“ sollen sich nach Lesart des aktuellen IFS-Laufes vor allem im
Südosten einzelne Schauer und Gewitter entwickeln, sicherlich ein stückweit
getriggert durch einen Höhentiefkomplex über Italien und dem zentralen
Mittelmeer, der zum Abend in das Zirkulationsmuster des nordeuropäischen Troges
mit einbezogen wird. Sollte es tatsächlich Gewitter geben, können diese örtlich
von Starkregen und Hagel begleitet sein. Im übrigen Land beschränken sich
konvektive Umlagerungen – wenn überhaupt – wahrscheinlich auf das Bergland.
Allerdings gibt es an sowie im Vorfeld der Kaltfront des o.e. Tiefs, die abends
den äußersten Norden Deutschlands erreicht, schwache schauerartige Regenfälle
und möglicherweise auch einzelne Gewitter. Ohnehin bleibt es spannend, wieviel
Niederschlag tatsächlich fällt, da die Front in einer ziemlich antizyklonalen
Umgebung zu uns hereinkommt. Präfrontal gibt es bei 850 hPa-Temperaturen
zwischen 10 und 17 °C vielerorts noch einmal einen Sommertag, gerade im
Südwesten auch einen heißen Tag. Lediglich im äußersten Norden bleibt es mit 20
bis 24 °C kühler, wobei sich diese unter Umständen noch einen Tick kälter
anfühlen, da der Wind insbesondere an der Küste mit steifen Böen daherkommt.
In der Nacht zum Donnerstag zieht das Tief weit nach Estland, seine Kaltfront
erreicht bereits die Mitte. Am ehesten Niederschlag fällt dabei durch die Nähe
zum Trog noch im Osten. Im Westen gibt es durch ein stärkeres antizyklonales
Regime wahrscheinlich nur ein paar Tropfen.

Am Donnerstag erreichen sowohl das Drehzentrum des Troges als auch das
korrespondierende Bodentief das estnisch-lettisch-russische Grenzgebiet. Die
Kaltfront kommt im Süden Deutschlands an, gerät dort allerdings ins Schleifen.
An der Front bzw. in ihrem Vorfeld gibt es schauerartige Niederschläge mit
eingelagerten Gewittern. Starkregen und Hagel als mögliche Begleiterscheinungen
sind möglich, treten jedoch (wenn überhaupt) wahrscheinlich nur örtlich eng
begrenzt auf. Postfrontal stößt ein Keil des Hochs, das seinen Schwerpunkt
mittlerweile zur nördlichen Nordsee verlagert hat, nach Deutschland vor. In der
in weiten Teilen Deutschlands vorherrschenden nördlichen Strömung geht die T850
auf Werte zwischen 3 und 9 °C zurück. Vor der Front sind es hingegen noch 10 bis
14 °C.

Am Freitag befinden sich Trogdrehzentrum und Tief über den Smolensker Höhen.
Über dem nahen West- und Mitteleuropa baut sich ein kräftiger Höhenrücken in
Form eines Omegas auf, dessen Achse abends über dem Westen Deutschlands liegt.
Obwohl die Kaltfront nun endlich ganz Deutschland überquert hat, wird es im 850
hPa-Niveau vor allem in der Westhälfte wieder etwas wärmer. Mit dem weiteren
Vorstoß des Bodenhochkeils ins östliche Mitteleuropa dreht der Wind zum Teil auf
Ost bis Südost. Damit werden in der gesamten Westhälfte wieder mehr als 10 °C
erreicht, in der Osthälfte sind es 4 bis 10 °C. Niederschläge sind bei diesem
starken antizyklonalen Einfluss nicht zu erwarten.

Am Samstag wandert die Achse des Höhenhochs langsam über Deutschland hinweg und
erreicht zum Tageswechsel die östlichsten Landesteile. Das gibt Anlass, wieder
nach Westen zu blicken. Dort zieht nämlich ein (ehemals abgetropftes) Höhentief
von der westlichen Iberischen Halbinsel in die Biskaya. Sein korrespondierendes
Bodentief tut es ihm gleich. Im Bodenniveau fällt dann auch hierzulande der
Druck, über dem Süden kann man eine erste Schwache Rinne erkennen, in der aber
wegen des noch zu starken antizyklonalen Deckels nichts weiter passiert.
Allerdings kann man da ggf. schon die Warmfront des Tiefs reinlegen – sie
entspricht den Resten unserer ehemaligen Kaltfront, nur dass sich jetzt eben die
Strömungsrichtung geändert hat. Aufgrund dieser Konstellation steigt das
Temperaturniveau in 850 hPa nochmals an und erreicht wieder verbreitet über 10
°C, im äußersten Südwesten gar die 17 °C.
In der Nacht zum Sonntag schwenkt die Front im Westen ein ganzes Stück nach
Norden. Dort kommt sie in eine trogexponiertere Position, weshalb es vor allem
westlich des Rheins zeitweise regnet. Die Mengen sind aber insgesamt gering.

Am Sonntag baut sich vorübergehend ein neuer Rücken über Deutschland auf, der
Niederschläge weitgehend unterdrückt. Nur westlich und entlang des Rheins
entwickeln sich im Warmsektor einzelne Schauer und Gewitter. Die 850
hPa-Temperatur liegt erneut zwischen 10 und 17 °C. In der Nacht zum Montag
verlässt die Achse des Rückens Deutschland ostwärts bzw. wird der Rücken von
einer vorübergehenden Passage eines neuen skandinavischen Troges weggehobelt.
Vor dem Trog bildet sich über dem Nordosten ein Tief, das das Frontensystem
kapert. Weite Teile des Landes sind dann im Warmsektor, in dem es gebietsweise
schauerartig regnet, eingelagerte Gewitter bilden aber eher die Ausnahme. Dafür
ist das Setting eher ungünstig, da eine hochreichende Antizyklone über dem
Seegebiet westlich der Britischen Inseln ihre Fühler schon wieder in unsere
Richtung ausstreckt.

Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs

Der neueste Lauf des IFS zeigt sich im mittelfristigen Vorhersagezeitraum bis
Freitag zunächst sehr konsistent zu seinen Vorgängern. Zum Wochenende nehmen die
Unterschiede zwischen den Läufen zu. Der aktuelle Lauf zeigt dann ein wärmeres
Szenario. Auch die Niederschläge ab der Nacht zum Sonntag sollen dann weiter
westlich ansetzen.

Vergleich mit anderen globalen Modellen

Ähnlich wie gestern zeigt GFS im Vergleich mit ICON und IFS einen nicht ganz so
progressiven Kaltfrontdurchgang und lässt das nachrückende Hoch weiter östlich
entstehen. Dadurch fiele die T850 hierzulande nicht so weit ab. Allerdings
nähert sich auch das GFS den anderen beiden Modellen an. ICON präsentiert sich
im 00z-Lauf sogar noch etwas kälter als das IFS, da es das Tief nicht ins
westliche Russland, sondern nach Oberlitauen ziehen lässt. Dies würde auch
ziemlich windige Verhältnisse im Nordosten sorgen (an der See Bft 8 bis 9, im
Binnenland Bft 7 bis 8). Zum Freitag nimmt ICON weiter eine Außenseiterposition
ein und zeigt einen vor allem in der Höhe viel stärkeren zyklonalen Touch und
nicht wie IFS und GFS einen breiten Rücken über Mitteleuropa. So ähneln sich IFS
und GFS auch in der Strömungskonfiguration, während es beim ICON gut 4 bis 6 K
kälter ist. Auch die Umstellung am Wochenende bringen GFS und IFS ein stückweit
ähnlich, GFS jedoch mit einem neuen Hoch über der Ostsee und etwa 2 K
niedrigerem Temperaturniveau. ICON bringt am Sonntag gerade mal eine flache
Rinne im Süden.

Bewertung der Ensemblevorhersagen

Die Rauchfahnen für eine repräsentative Auswahl deutscher Städte zeigt am
Mittwoch noch einen stark gebündelten Verlauf der Kurvenscharen für 850
hPa-Temperatur und 500 hPa-Geopotenzial. Mit dem durch die Kaltfront
verursachten Temperatursturz gehen auch die Lösungen auseinander und der Spread
nimmt zu. Dabei bewegt sich der deterministische Lauf bzgl. der Temperatur meist
leicht über dem Bereich der wahrscheinlichsten Lösung. Insgesamt ist nach dem
Tiefpunkt am Donnerstag aber bei allen Ensemblemitgliedern wieder ein
allmählicher Temperaturanstieg erkennbar. Beim Geopotenzial bewegen sich Haupt-
und Kontrolllauf überwiegend im Bereich der wahrscheinlisten Lösung. Abgesehen
von leichten zyklonalen und antizyklonalen Wellen bewegt sich das Geopotenzial
auf relativ konstant hohem (um die 576 bis 580 gpdam) Niveau. Einige wenige
Member bieten ein wesentlich tieferes Geopotenzial an, wodurch der Spread sehr
hoch ist. Es sind aber halt sehr weniger Member. Die allerdeutlichsten
Niederschlagssignale gibt es am Mittwoch/Donnerstag für München, was tatsächlich
für die o.e. Niederschläge spricht. Aber selbst für den Westen (Essen,
Offenbach) gibt es entgegen dem deterministischen Lauf zumindest bei einzelnen
Membern Signale für etwas dringend benötigtes Nass von oben. Für das Wochenende
gibt es in erster Linie für Essen deutlichere Niederschlagssignale, in den
anderen Städten sind sie eher verhalten bis gar nicht vorhanden, was tendenziell
die deterministische Lesart unterstützt.

Für den Zeitraum Mittwoch bis Donnerstag (T+72…96h) gibt es beim Clustering
drei Cluster, die mit 19, 18 und 14 Membern in etwa gleich stark besetzt sind
und alle eine Blocking-Lage verkörpern. Haupt- und Kontrolllauf korrespondieren
dabei mit dem ersten Cluster. Wesentliche Unterschiede ergeben sich dabei für
Mitteleuropa nicht. Augenfällig ist nur, dass der Trog im zweiten Cluster über
dem östlichen Mitteleuropa weiter südwärts bis zum Balkan vorstößt und somit
etwas an die ICON-Variante erinnert.
Auch für den nachfolgenden Zeitraum von Freitag bis Sonntag gibt es drei
Cluster, wobei das erste, mit 25 Membern besetzte Cluster mit dem Haupt- und
Kontrolllauf korrespondiert. Die anderen beiden Cluster sind mit 14 bzw. 12
Membern besetzt. Während beim ersten und dritten Cluster der antizyklonale
Einfluss mit einem Hochkeil über Deutschland dominiert, ist es im zweiten
Cluster ein ausgeprägter Trogeinfluss. Auch das erinnert an die ICON-Lösung.

Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen

Am Mittwoch kann es im Südosten im Bereich einer „Rinne“ zu einzelnen Gewittern
kommen. Örtlich steht dabei Starkregen und Hagel auf dem Programm. Am Donnerstag
ist dies nur noch im äußersten Süden, also dem präfrontalen Bereich, der Fall.
Darüber hinaus zeigt ICON für den Donnerstag an der Ostseeküste sowie im
vorpommerschen Binnenland Signale für stürmische Böen aus Nordwest. Die anderen
Modelle simulieren dagegen eine gradientschwache Lage. An den anderen Tagen sind
keine signifikanten Wettererscheinungen zu erwarten.

Basis für Mittelfristvorhersage
IFS, IFS-EPS, MOSMix

VBZ Offenbach / M.Sc. Met. Stefan Bach