SXEU31 DWAV SYNOPTISCHE UEBERSICHT KURZFRIST

SXEU31 DWAV 131800

S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T K U R Z F R I S T
ausgegeben am Sonntag, den 13.09.2020 um 18 UTC

Markante Wettererscheinungen:
Antizyklonale Südlage, für die Jahreszeit ungewöhnlich warm.

Synoptische Entwicklung bis Mittwoch 12 UTC

Aktuell … liegt ein ungewöhnlich kräftiges Höhenhoch (592 gpdam) über
Mitteleuropa. Gestützt wird dieses Hoch durch einen sich amplifizierenden
Langwellentrog über dem Atlantik. Starkes Absinken, sowie WLA haben dafür
gesorgt, dass die 850 hPa-Temperatur im Westen bis 18 °C gestiegen ist. So
erwartet uns am Abend im Süden verbreitet sonniges Wetter. Über die Nordhälfte
ziehen jedoch immer noch dichtere Cirrusfelder, die durch WLA und etwas Hebung
in der Höhe rückseitig eines abziehenden Kurzwellentroges entstanden sind. Diese
breiten sich in der Nacht noch über der Osthälfte aus. Der Gradient im Norden
fächert etwas auf, sodass die Windböen an der Küste und in Schleswig-Holstein
bald nachlassen.
Abgesehen von den Cirrusfeldern verläuft die Nacht weitestgehend klar. Die
Temperatur geht in den Niederungen und Senken noch auf angenehme Werte um 10 °C
zurück. Anders sieht dies in Leelagen, auf Anhöhen und in Berglagen oberhalb
einer markanten Absinkinversion aus. Dort fällt die Temperatur nur auf 15 bis 18
°C.

Montag … verlagert sich das blockierende Hoch etwas ostwärts. Seine Position
wird aber durch den Atlantiktrog, einem Trog über Russland und einem Höhenstiefe
über dem Mittelmeer recht stabil gehalten. Deutschland gelangt an die Westflanke
des Hochs, wodurch afrikanische Luft weite Teile Deutschlands beeinflusst. Die
850-hPa-Temperatur liegt bei Werten bis 18 °C. Eine Absinkinversion auf 900 m
verhindert bei nur mäßiger Durchmischung das Auftreten von Dekadenrekorden bei
den Höchstwerten. Dennoch werden verbreitet 28 bis 33 °C erwartet. Abgesehen von
dichten Cirrusfeldern, die vornehmlich den West und Südwesten beeinflussen,
bleibt es sonnig.
In der Nacht zum Donnerstag ändert sich wenig. Nur die Cirrusbewölkung wird
durch WLA in der Höhe noch etwas dichter, als am Tag. Die Nachttemperaturen sind
ähnlich, wie an den Vortagen mit 13 bis 10 Grad in Senken und Niederungen und
zwischen 16 und 20 °C in Städten und auf Anhöhen.

Dienstag … verlagert sich das Zentrum des Hochs weiter nach Osteuropa, behält
aber seinen Einfluss auf Deutschland. Ansonsten ändert sich an der Konfiguration
nichts. Die 850 hPa-Temperatur ist geringfügig kälter als am Vortag. Dies hat
aber keine Auswirkung, da die Frühtemperaturen etwas höher als an den Vortagen
waren. Zudem löst sich die Cirrusbewölkung im Westen etwas auf. So werden wieder
verbreitet Höchstwerte von 28 bis 34 °C erwartet.
In der Nacht zum Mittwoch könnten im Zuge einer Kaltfrontannäherung im äußersten
Norden im Nachtverlauf etwas dichtere Wolkenfelder aufziehen, die Diskrepanz
bezüglich „timing“ ist jedoch noch recht groß. Ansonsten bleibt es meist klar
mit einigen Cirren und einer nur örtlichen/geringen Nebelneigung. Die
Tiefstwerte liegen zwischen 18 und 10 Grad.

Mittwoch … etwas spannender wird die Entwicklung ab Mittwoch. Über dem
Atlantik tropft ein Tief ab, während das Trogresiduum nach Skandinavien zieht.
Über dem Nordmeer stößt rückseitig ein kräftiger Rücken nach. Trogvorderseitig
setzt über Finnland Zyklogenese ein. Dadurch wird unser Hoch langsam Richtung
Osteuropa verdrängt und macht Platz für den sich regenerierenden Trog, der sich
im weiteren Verlauf südwärts ausbreitet. Die dazugehörige Kaltfront erreicht den
Norden Deutschlands, wobei das Timing auch hier wieder unterschiedlich berechnet
wird. Während GFS die Kaltfront länger zurückhält, liegt sie im ICON am Abend
über Norddeutschland. Da die Kaltfront wieder rasch von Druckanstieg überlaufen
wird und die Kaltluft vergleichsweise flach einfließt, wird trotz des enormen
Temperaturgradienten (850-hPa-Temperatur 15 °C in der Mitte Deutschlands und 2
°C an der Grenz zu Dänemark) nur wenig Regen an der Front simuliert.
Die Frage ist, ob sich vorlaufend in der zunehmend konvergenten Strömung
einzelne Gewitter bilden. Die meisten Modelle, (allen voran wieder GFS) lassen
500 – 700 J/kg CAPE aufbauen. Fraglich, ist, wann und wo der stärkere „Deckel“
überwunden wird. Während GFS Schauer und Gewitter bereits am Abend in einem
Streifen über der Mitte rechnet, zeigen ICON und ECMWF die Hauptaktivität in der
Nacht zum Donnerstag im Südosten. Eine größere Streuung bezüglich der
Niederschläge in den ECMWF-ENS deuten auf große Unsicherheiten hin. Hier müssen
wittere Läufe abgewartet werden.

Modellvergleich und -einschätzung

Bis Mittwoch gibt es kaum Modellunterschiede. Die Unsicherheiten ab
Mittwochabend wurden bereits in der Übersicht diskutiert.

Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Christian Herold