SYNOPTISCHE UEBERSICHT MITTELFRIST

S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T M I T T E L F R I S T
ausgegeben am Sonntag, den 06.09.2020 um 10.30 UTC

Im Norden anfangs vorübergehend böiger Wind. Am Mittwoch und Donnerstag von Nord
nach Süd Durchzug eines insgesamt schwachen Regenbandes, abgesehen davon oft
freundlich und teils sommerlich warm.

Synoptische Entwicklung bis zum Sonntag, den 13.09.2020

Am Mittwoch liegt der Süden Deutschlands anfangs unter einer von West nach Ost
orientierten Geopotentialbrücke. Diese wird im Süden von einem abgeschlossenen
Höhentief mit Kern über den Balearen sowie tiefem Geopotential über Skandinavien
mit einem Langwellentrog über den Britischen Inseln flankiert. Im weiteren
Tagesverlauf greift die Achse des Troges auf die Nordsee über, so dass
Deutschland unmittelbar auf die Trogvorderseite gelangt. Gleichzeitig kann der
Trog mit dem Höhentief eine Verbindung aufnehmen womit die Geopotentialbrücke
über Frankreich abgebaut, aber auch über Süddeutschland geschwächt wird. Im
Bodendruckfeld ist zu Tagesbeginn noch ein breiter Hochkeil dominierend, der
insbesondere den Süden du die Mitte Deutschlands beeinflusst. Der Norden liegt
dagegen im Randbereich tiefen Luftdrucks über Skandinavien. Dort ist u.a. der
Druckgradient etwas schärfer, so dass an den Küsten die eine oder andere steife
Böen Bft 7 aus West nicht ausgeschlossen ist. Zusammen mit dem Höhentrog greift
auch im Bodenfeld ein Trog auf die Nordsee und später sogar auch den Nordwesten
über, in den ein schwaches teilokkludiertes Frontensystem eingelagert, Da
darüber hinaus durch den Trog eine schwache Luftmassengrenze, die von West nach
Ost ausgerichtet über der Mitte Deutschlands liegt, wieder aktiviert und etwas
nach Norden verschoben wird, laufen im Tagesverlauf die von Nordwesten
hereinschwenkende und die „alte“ Luftmassengrenze zusammen. Letztendlich sorgen
sie im Norden und Nordwesten für aufkommenden Regen. In weiten Teilen der Mitte
und im Süden bleibt es dagegen trocken. Bei 850er Temperaturen, die an der
Nordsee knapp unter 10°C, im Süden dagegen bei bis zu 15°C liegen, steigen die
Temperaturen auf 20 bis 28°C.

In der Nacht zum Donnerstag ziehen der Höhen- wie auch der Bodentrog nach Osten
ab. Auf der Rückseite des Bodentroges bleibt der Gradient recht scharf
konturiert, so dass im Norden und Nordosten der Wind weiterhin im Böen steif,
eventuell sogar mal stürmisch weht, wobei er auf Nordwest dreht. Das vereinigte
Frontensystem greift auf die Mitte über, wo es einerseits etwas Regen bringt,
andererseits ins Schleifen gerät und damit an Intensität verliert. Die 850er
Temperaturen überdecken zum Morgen eine Spanne von 3 bis 13 Grad, was nächtliche
Minima zwischen 17 und 8 Grad vermuten lässt.

Am Donnerstag kommt die Front allmählich weiter nach Süden voran. Da auf der
Rückseite des abgezogenen Höhentroges die Strömung durchglättet, sind aus der
Höhe keine nennenswerten Hebungsimpulse auszumachen. Entsprechend schwächt sich
die Front weiter ab, am Nachmittag sind im Bereich der Donau nur noch sehr
geringe Niederschläge auszumachen. Rückseitig der Front steigt der Druck
deutlich an, ein kräftiger Bodenkeil schiebt sich von Benelux nach Deutschland
hinein, so dass zum Abend im Nordwesten der Druck schon auf über 1020 hPa
steigt. Mit dem Druckanstieg ist auch ein auseinanderziehen des Gradienten
verbunden. Somit lässt der Wind an der Nordseeküste, am Nachmittag auch an der
Ostseeküste und über dem Nordosten nach. Dort sind anfangs aber noch
Nordwestböen der Stärke 7, eventuell auch mal der Stärke 8 möglich. Während die
Front kaum Regen bringt, ist sie im thermischen Feld sehr gut erkennbar. Die
850er Temperaturen verharren im Süden zwar bei maximal 15°C, im Norden sinken
sie dagegen ab und liegen am Abend in Schleswig-Holstein nur noch wenig über der
Null-Grad-Marke. Damit liegen die Höchstwerte an der Küste nur noch um 16°C, am
Oberrhein aber nochmals über 25°C.

In der Nacht zum Freitag kräftigt sich die Hochdruckzone weiter, auch, weil über
Westeuropa WLA einen flachen Rücken stützt, der für Absinken sorgt. In der Folge
ist es verbreitet gering bewölkt oder sogar klar. Der Gradient ist schwach
ausgeprägt, so dass gebietsweise Nebel möglich ist. In der bis zur Donau
eingeflossenen trockenen Luft sinken die Temperaturen in der Nacht meist auf
Werte um 8°C, im Bergland um 5°C, im äußersten Süden lokal auf 12°C.

Am Freitag nähert sich von Westeuropa ein neuer Trog, dessen Achse zum Abend
etwa Wales erreicht und ausgangs der Nacht die Nordsee. Der flache Rücken zieht
im Tagesverlauf nach Polen ab, womit Deutschland dann durchweg auf der
Trogvorderseite liegt. Zwar befindet sich der Schwerpunkt der Hochdruckzone
schon zu Tagesbeginn über Südostpolen und damit östlich von uns, es ist aber
dennoch hoher Luftdruck wetterbestimmend. Somit bleibt trocken und bei geringen
Luftdruckgegensätzen windschwach, eine durchgreifend Änderung der Temperaturen
ist nicht zu erwarten. In der Nacht zum Samstag erreicht das mit dem
Langwellentrog verbundene Frontensystem eines Tiefs bei Island die Nordsee und
den Nordwesten, wobei die Kaltluft nach jetzigem Stand des EZMW-Hauptlaufs in
Schüben einfließt und der Wind an der Nordsee böig auffrischt, ohne warnwürdig
zu werden. Im Nordseeumfeld und im Westen kann es etwas regnen, sonst ist es
trocken. Vorderseitig der Front und des Troges dreht die Strömung auf Südwest,
so dass die 10-Grad-Isotherme in 500 hPa über dem Osten Deutschlands bis zum
Stettiner Haff nach Norden geschoben wird. Im Gegenzug sinken die 850er
Temperaturen über dem Westen. Da aber mehr Bewölkung zu erwarten ist als in der
Vornacht, sinken die Temperaturen nicht mehr ganz so stark ab.

Am Samstag beeinflussen der Höhentrog und das o.e. Frontensystem den Norden, so
dass es dort etwas regnet und der Wind mitunter böig auffrischt. Schon in der
Nacht zum Sonntag setzt sich wieder Hochdruckeinfluss durch. Dann bleibt es laut
EZMW-Hauptlauf bis in den erweiterten Mittelfristzeitraum, sprich bis in den
Mittwoch hinein, trocken. Dazu ist es anfangs nur im Süden, später jedoch
allgemein spätsommerlich warm.

Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs

Die Übereinstimmung des aktuellen EZMW-Laufs mit den Vorläufen kann bis in den
Donnerstag als guten angesehen werden. Allerdings zeigen sich zum 12-UTC-Termin
am Donnerstag erste schwache Unterschiede im Geopotentialfeld in 500 hPa. Dies
beziehen sich insbesondere auf flache Trogmuster in der Westdrift über West- und
Nordeuropa, die allerdings den Norden Deutschlands streift. In den übrigen
Feldern, wie beispielsweise in der 850er Temperatur oder dem Bodendruck, ist die
Übereinstimmung dagegen

Ab dem Freitag zeigen sich deutlichere Unterschiede in der Höhenströmung. Der
vom aktuellsten Lauf prognostizierte flache Rücken, der zum 12-UTC-Termin über
dem Norden Deutschlands liegen soll, wurde von den Vorläufen nicht nur mit
deutlich kräftigerer Amplitude, sondern zum genannten Zeitpunkt auf deutlich
weiter im Osten gesehen. Da zudem die Wellenlänge jetzt deutlich kürzer sein
soll als in den Vorläufen, ist der nachfolgende Trog rascher über dem
Vorhersagebereich als in den weiter zurückliegenden Läufen. Im Druckfeld zeigt
der aktuelle Lauf entsprechend deutlich höheren Druck als die Vorläufe,
teilweise beträgt der Unterschied (heutiger 00-UTC-Lauf zum gestrigen
00-UTC-Lauf) 15 hPa! Verglichen damit ist die Übereinstimmung in den thermischen
Feldern immer noch ordentlich.

Am Samstag driften die Modelle dann komplett auseinander. Über Westeuropa und
dem Atlantik sieht der aktuellste Lauf einen Rücken sowie eine ausgedehnte
Hochdruckzone, die Vorgänger hingegen simulierten kräftige Tröge mit mehr oder
weniger stark ausgeprägten Tiefdruckgebieten. Während der aktuelle Lauf
südwestlich von Irland eine Hochdruckzone mit Kerndruck über 1025 hPa
vorschlägt, war die Lösung beim gestrigen 00-UTC-Lauf noch eine kräftige Zyklone
westlich von Irland mit Kerndruck unter 980 hPa! Diese Unterschiede wirken sich
z.B. auch massiv auf das thermische Feld aus. Von einem einheitlichen
Vorhersagemuster kann definitiv nicht mehr gesprochen werden.

Vergleich mit anderen globalen Modellen

Bis zum Donnerstag zeigen die betrachteten Globalmodelle (EZMW, GFS, ICON) keine
großen Unterschiede. Der von Benelux hereindrückende Bodenkeil ist bei allen
ebenso zu sehen wie der nach Osten abgezogene Langwellentrog. Im
850er-Temperaturfeld gibt es geringe (und erwartbare) Unterschiede in den
absoluten Werten der Temperatur, allerdings ist die großräumige Struktur der
Isothermen weitgehend identisch vorhergesagt. Erste Unterschiede deuten sich im
Geopotentialfeld an, wo in der westlichen Höhenströmung die sehr flachen
Trog-Rücken-Muster der einzelnen Modelle etwas unterscheiden.

Diese vergrößern sich dann am Freitag (Termin 12 UTC). Die geringe Wellenlänge
des aktuellen EZMW-Laufs haben weder ICON noch GFS im Programm. Die Lösungen der
beiden letztgenannten erinnert etwas an die EZMW-Vorläufe: einem etwas rascher
nach Osten abziehenden Rücken folgt ein langsamer trog über Westeuropa.
Immerhin: Im Bordendruckfeld zeigen ICON und EZMW mit einer Hochdruckbrücke über
Westeuropa eine recht ähnliche Lösung, während diese Brücke bei GFS deutlich
schwächer ausgeprägt ist. Andererseits muss man festhalten, dass die
Unterschiede der internationalen Modellcombo nichts an der fast identischen
Wettervorhersage ändert: Es ist trocken, oft freundlich und im Süden warm, im
Norden dagegen nur mäßig warm.

Am Samstag um 12 UTC ist die Achse des von Westen hereinschwenkenden
Langwellentroges bei EZMW schon über dem Nordwesten Deutschlands, während sie
bei ICON noch über dem westlichen Ärmelkanal, bei GFS sogar erst über der
Keltischen See zu finden ist. Entsprechend hängt bei diesen Modellen auch der
Bodentrog demjenigen bei EZMW deutlich hinterher. In der Folge sieht EZMW auch
eine raschere Eintrübung des Wetters mit nachfolgender Abkühlung in 850 hPa, als
dies bei GFS und ICON der Fall ist.

Im Weiteren werden die Unterschiede noch größer. ICON simuliert am Sonntag um 12
UTC nördlich des Ijsselmeers ein kleinräumiges, aber kräftiges Tief mit
Kerndruck unter 995 hPa, wovon bei den anderen beiden Modellen so gar nichts zu
erkennen ist. Hier werden weitere Modellläufe wohl für Klarheit sorgen müssen.

Bewertung der Ensemblevorhersagen

Im Zeitraum +72 bis +96 h wird das EZMW-Ensemble in drei Cluster aufgeteilt. Das
mit 22 Mitgliedern größte (das auch den Haupt- und Kontrolllauf enthält) sowie
das mit 15 Mitgliedern zweitgrößte liegen durchweg in der Kategorie
„Atlantischer Rücken“, der mit 14 Mitgliedern kleinste Cluster wechselt im
betrachteten Zeitraum von der Kategorie „Positive NAO“ in die Kategorie
„Atlantischer Rücken“. Dabei liefern die repräsentativen Geopotentialfelder
keine großen Unterschiede für das Wetter in Deutschland: bei allen nähert sich
ein Langwellentrog, der zum Ende des Zeitfensters auf den Norden Deutschlands
übergreift. Dabei ist in Cluster eins aber das o.e. abgeschlossene Höhentief
nicht in der repräsentativen Geopotentialverteilung erkennbar.

Im Zeitraum +120 bis +168 h werden fünf Cluster errechnet. Diese liegen durchweg
in der Kategorie „Positive NAO“, nur der mit 3 Mitgliedern kleinste Cluster
wechselt zum Ende in die Kategorie „Negative NAO“. Bezüglich der
500-hPa-Strömungsmuster setzen die drei größten Cluster mit zusammen 41 Membern
eher auf eine zonale Westströmung, die beiden mit zusammen 10 Membern kleinsten
Cluster setzen dagegen mehr auf eine markante Austrogung über Westeuropa.

In der erweiterten Mittelfrist (+192 bis +240 h) werden zwar nur 4 Cluster
berechnet, allerdings kommen in diesen alle vier Wetterkategorien mindestens
einmal vor, was für die Unsicherheit der Prognosen spricht. In der Gesamtschau
gibt es zu Beginn des Zeitfensters einen Trend zur Kategorie „Positive NAO“, zum
Ende des Zeitfensters dann eine Tendenz zu einer Blockierungslage.

Die EZMW-Rauchfahnen für Offenbach zeigen von Sonntag bis Dienstag/Mittwoch
einem allmählichen Anstieg der 850er Temperaturen von etwa 4 auf knapp 12 Grad.
Dabei ist die Streuung recht gering. Mit der Passage des o.e. Frontensystems am
Donnerstag steigt die Streuung deutlich an, wobei insgesamt (bei allen
Ensemblemembern) zumindest ein leichter Temperaturrückgang zu verzeichnen ist.
Ab Freitag steigt die 850er Temperatur bei den EZMW-Ensembles wieder an, wobei
die Streuung aber nochmals deutlich zunimmt. Die Rauchfahnen bezüglich des
Geopotential zeigen bis zum Dienstag einen deutlichen Anstieg und dann einen
deutlichen Rückgang, wobei die Streuung, auch mit der Frontpassage am
Donnerstag, nur sehr schwach ausgeprägt ist. Beim Geopotential steigt die
Streuung erst am Samstag (dann aber deutlich) an, was mit dem Übergreifen des
Langwellentroges und der noch unsicheren weiteren Entwicklung in Verbindung
steht. Eine Mehrheit der Ensemblemitglieder sieht aber, wie auch der Haupt- und
Kontrolllauf, am Samstag wieder einen Anstieg des Geopotentials.

Die Rauchfahnen des GFS-Ensembles stützen die Sichtweise der EZMW-Ensembles,
ohne dabei wesentliche neue Erkenntnisse zu liefern.

Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen

TEMPERATUR:
Der EFI zeigt am Sonntag im Süden sehr schwache Signale für signifikant über dem
Klimamittel liegende Temperaturen.

WIND:
COSMO-LEPS liefert am Mittwoch und Donnerstag an den Küsten Wahrscheinlichkeiten
von bis zu 100% für das Auftreten von steifen Böen. Für das Auftreten von
stürmischen Böen in der Nacht zum Donnerstag und am Donnerstag werden
Wahrscheinlichkeiten von bis zu 60% berechnet.

Basis für Mittelfristvorhersage
EZMW, EZMW-EPS, MOSMIX

VBZ Offenbach / Dipl. Met. Martin Jonas