SYNOPTISCHE UEBERSICHT MITTELFRIST

S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T M I T T E L F R I S T
ausgegeben am Sonntag, den 30.08.2020 um 10.30 UTC

Zunächst im Osten noch etwas Regen. Ab Donnerstag Westlage mit zum Wochenende
vor allem über der Mitte schleifender Front, einzelne eingelagerte Gewitter.

Synoptische Entwicklung bis zum Sonntag, den 06.09.2020

Am Mittwoch, zu Beginn des mittelfristigen Prognosezeitraumes, befindet sich
Deutschland unter einem umfangreichen Trog, der von Mitteleuropa über das
westliche Mittelmeer bis nach Algerien und Marokko reicht. Sein Drehzentrum
befindet sich in etwas über Sachsen. Im Bodenfeld findet man zum Mittagstermin
über der Mitte Polens ein Tief (Kerndruck etwas unter 1013 hPa). Dadurch kommt
es zu Aufgleitprozessen, die insbesondere im Osten Deutschlands gebietsweise für
Regen sorgen, der mitunter schauerartig verstärkt sein kann. Warnschwellen
werden aber voraussichtlich nicht erreicht. Im Tagesverlauf zieht der Kern des
Höhentiefs zur Oder, während das Bodentief sich unter allmählicher Auffüllung
zur südlichen Ostsee verlagert. Auch im Süden und Südwesten gibt es durch
Aufgleitvorgänge, die im Zusammenhang mit einer dort liegenden schwachen Rinne
stehen, etwa Regen. Dort ist die Atmosphäre auch leidlich labil geschichtet
(T500 bis -19 °C, T850 etwa 7 °C), sodass es örtlich kurze Gewitter geben kann.
Im übrigen Land streut die Temperatur im 850-hPa-Niveau um 5 °C und vereinzelt
gibt es, getriggert durch den Trog, schwache Schauer. Insbesondere vom
Niederrhein/Emsland bis nach Niederbayern passiert aber dank eines schwachen
Hochkeils wenig.

Am Donnerstag zieht das Bodentief nach Südschweden, wo es in die Zirkulation der
steuernden Tiefs südlich und östlich Islands einbezogen wird. Das Höhentief
tritt ebenfalls seinen Weg über die Ostsee in Richtung Öland an, wodurch die
Niederschläge im Nordosten des Landes im Tagesverlauf alsbald nachlassen. Der
gesamte Trog verlässt Deutschlands ostwärts, ihm folgt ein Rücken, der von WLA
überlaufen ist. In der zweiten Tageshälfte greift jedoch die Warmfront des eben
schon apostrophierten Tiefs östlich von Island auf den Westen über. Dadurch
erreicht steigt die T850 bis zum Tageswechsel im Westen und Nordwesten auf über
10 °C, im äußersten Westen sogar auf über 12 °C. Mittags lag sie etwa 5 K
niedriger. Regen fällt vor allem im Warmsektor. Dieser erreicht bis 00 UTC eine
Linie von der Lübecker Bucht bis zur Pfalz.

Am Freitag verlässt die Achse des Rückens rasch Deutschland, wodurch wir in eine
relativ glatte westliche Höhenströmung geraten. Eingebettet in diese greift die
Kaltfront auf den Norden und Nordwesten über. Weite Teile des Landes liegen dann
im nördlichen Warmsektor mit T850-Werten jenseits der 10 °C, nur auf der kalten
Seite sind es 6 bis 9 °C. Dabei regnet es im Warmsektor sowie an der Kaltfront,
wobei einzelne kurze Gewitter eingelagert sein können. Postfrontal gibt es
einige Schauer. Durch die zunehmende höhenströmungsparallele Exposition der
Kaltfront kommt diese über der nördlichen Mitte (oder, wenn man so will, dem
südlichen Norden) ins Schleifen, wobei sich zum Abend über der südwestlichen
Nordsee eine erste Wellenbildung andeutet. Die Warmfront und der Okklusionspunkt
haben dann bereits das östliche Mitteleuropa erreicht und die Regenfälle
beschränken sich im Wesentlichen auf das frontale Umfeld.

Am Samstag dreht die Höhenströmung geringfügig auf Westsüdwest. Die eben
apostrophierte Welle zieht dabei rasch über die nördliche Mitte ostwärts. Dabei
ist ein örtliches Überschreiten von mehrstündigen Starkregenschwellen nicht
ausgeschlossen, insbesondere vor dem Hintergrund der mit über 30 mm relativ
hohen PPW-Werte. Es wird auch etwas CAPE aufgebaut (MU-CAPE-Werte über der Mitte
100 bis etwa 500 J/kg), sodass einzelne, eingelagerte Gewitter durchaus auf der
Agenda stehen. Nachfolgend kommt die Kaltfront im Nordwesten etwas nach Süden
voran, wodurch die 10 °C-Isotherme abends auf einer Linie etwa von der Eifel bis
zum Oderbruch liegt. An den Küsten kann es infolge diabatischer Effekte (warmes
Wasser, T500 um -14 °C) meist schwache Schauer geben.

Zum Sonntag hin dreht die Höhenströmung noch etwas weiter auf Südwest. Die
Kaltfront kommt dabei aber wegen der weiterhin vorhandenen
Höhenströmungsparallelität nur geringfügig nach Südosten voran. Dadurch regnet
es vor allem in einem mehr oder weniger breiten Streifen von der Pfalz/Saarland
bis nach Sachsen/Südbrandenburg. Die Mengen fallen gegenüber dem Vortag mangels
großräumigen Antriebs geringer aus. Auf den äußersten Norden greift indes die
-20 °C-Isotherme im 500-hPa-Niveau über, wodurch die Schaueraktivität etwas
ansteigt. Interessant ist, dass präfrontal einiges an CAPE aufgebaut wird.
Konvergente Strukturen (schwache Rinne über dem Süden) könnten dort für die
Auslöse kräftiger Gewitter mit Starkregen, Hagel und Sturmböen sorgen, der
Modelloutput ist jedoch verhalten. Im übrigen Land profitiert man von einem
schwachen (Zwischen-)Hochkeil.

Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs

Die Konsistenz des aktuellen Laufes kann zunächst als gut bezeichnet werden. Das
donnerstägliche Übergreifen der Warmfront von Westen her wurde seit dem
gestrigen 12-UTC-Lauf gezeigt. Auch das Schleifen der nachfolgenden Kaltfront
über der Mitte zeigte dieser Lauf ähnlich, jedoch mit geringeren Mengen. Im
gestrigen 00-UTC-Lauf griff die Front erst zum Samstag auf den Norden über, kam
dort nicht weiter nach Süden voran und war am Sonntag schon fast wieder
Geschichte.

Vergleich mit anderen globalen Modellen

GFS und ICON zeigen die mittelfristige Wetterentwicklung zunächst ähnlich,
lassen die Kaltfront dann am Samstag bzw. Sonntag zu den Alpen durchschwenken.
Verursacht ist dies durch eine nicht so glatte Höhenströmung, wobei vor allem
ICON für den Samstag einen ausgeprägten Trog auf dem Programm hat, der die
frontalen Niederschläge befeuert. So zeigt ICON ab der Nacht zum Samstag über
der Mitte und Teilen des Nordens wesentlich stärkere Niederschläge, die
gebietsweise auch die Dauerregenschwelle überschreiten. GFS liegt von den Mengen
zwar etwas höher als IFS, zeigt insgesamt aber deutlich weniger als ICON.

Bewertung der Ensemblevorhersagen

Die Rauchfahnen für eine repräsentative Auswahl deutscher Städte zeigt bis
einschließlich Freitag meist einen relativ gebündelten Verlauf der Kurvenscharen
von 850 hPa-Temperatur und 500 hPa-Geopotenzial. Dabei steigt die T850 bis
Freitag sukzessive, im Westen sogar schlagartig auf über 10 °C an. Haupt- und
Kontrolllauf liegen dabei im Bereich der wahrscheinlichsten Lösung. Für Hamburg
fällt der Anstieg freilich nicht so deutlich aus, soll dort doch am Freitag
bereits die Kaltfront ankommen. Anhand der zunehmenden Streuung ab Samstag wird
für alle Städte deutlich, dass unsicher ist, inwiefern und wie schnell die
Kaltfront nach Süden durchgeht. Dabei gibt es einige Member, die eine kältere
Variante zeigen, aber ebenfalls auch einige, die eine Fortdauer des warmen
Regimes bevorzugen. In Hamburg sind die wärmeren Member gegenüber den kälteren
sogar in der Überzahl, was für die gestrige 00 UTC-IFS-Variante spräche.
Insgesamt zeigt der Trend der wahrscheinlichsten Lösung für alle Städte aber
abwärts, wobei sich Haupt- und Kontrolllauf in diesem Bereich befinden bzw.
nicht weit davon entfernen. Auch beim Geopotenzial nehmen die Unsicherheiten ab
Samstag stark zu, der Abwärtstrend wird aber von den meisten Ensemblemitgliedern
gezeigt. Niederschlagssignale gibt es über den gesamten mittelfristigen
Prognosezeitraum, besonders aber am Freitag und Samstag – vor allem in der
Mitte, aber zum Teil auch im Norden. Im Süden sind zwar auch Signale vorhanden,
die Anzahl der Member und auch die Peaks sind jedoch reduziert.

Beim Clustering gibt es für den Zeitraum von Mittwoch bis Donnerstag
(T+72…96h) drei Cluster, die alle dem Muster „Blocking“ zuzuordnen sind. Sie
sind mit 23, 15 und 13 Membern besetzt, wobei der deterministische und der
Kontrolllauf mit dem ersten Cluster korrespondieren. Für unser Vorhersagegebiet
ergeben sich keine wesentlichen Unterschiede zwischen den Clustern.
Für den nachfolgenden Zeitraum von Freitag bis Sonntag (T+120…168h) verdoppelt
sich die Anzahl der Cluster auf sechs. Sie sind mit 13, zwölf, zehn, neun, fünf
und zwei Membern besetzt. Der Kontrolllauf findet sich im ersten Cluster wieder,
der Hauptlauf lässt sich dem dritten Cluster zuordnen. Sie unterscheiden sich
vor allem in der Konfiguration des Höhenfeldes. Beispielsweise ist beim dritten
Cluster der Trog viel schärfer ausgeprägt und lässt die Front schneller nach
Südosten vorankommen. Dadurch wird auch das Bodendruckfeld modifiziert
(ausgeprägter, von Deutschland nach Frankreich gerichteter Bodentrog). Hingegen
zeigen die Cluster V und VI einen veritablen Hochkeil, der beim sechsten Cluster
von einem relativ breiten Rücken gestützt wird.
Kurzum: Die Entwicklung ab Freitag ist noch einigermaßen unsicher.

Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen

Das abziehende Höhentief bringt am Mittwoch und Donnerstag wahrscheinlich keine
signifikanten Wettererscheinungen mit sich. Einzig im Süden gibt es am Mittwoch
einzelne Gewitter, die Starkregengefahr ist aber sehr gering. Erst am Samstag
kann es mit Durchzug einer Welle über der Mitte gebietsweise (mehrstündigen)
Starkregen geben. Außerdem stehen einzelne eingebettete Gewitter auf dem
Programm, von denen eine gewisse Starkregengefahr ausgeht. Die Ensembles zeigen
aber kaum Hinweise in diese Richtung. Am Rande: ICON liefert deutliche
Stark-/Dauerregensignale. Darüber hinaus zeigt der deterministische Lauf am
Samstag im zentralen Mittelgebirgsraum ein Auffrischen des Windes, in den EPSen
erkennt man diesbezüglich aber nichts. Inwiefern am Sonntag im Süden präfrontal
starke Gewitter mit Hagel, Starkregen und Sturmböen entstehen, bleibt
abzuwarten.

Basis für Mittelfristvorhersage
IFS, IFS-EPS, MOSMix

VBZ Offenbach / M.Sc. Met. Stefan Bach