SXEU31 DWAV SYNOPTISCHE UEBERSICHT KURZFRIST

SXEU31 DWAV 301800

S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T K U R Z F R I S T
ausgegeben am Sonntag, den 30.08.2020 um 18 UTC

Markante Wettererscheinungen:
Im äußersten Süden baldiges Ende der Dauerregenlage. In der Mitte und im Osten
in der Nacht zum Montag weitere, teils kräftige Regenfälle oder Gewitter.
Tagsüber im Süden, in der Mitte und im Osten einzelne Gewitter.

Synoptische Entwicklung bis Mittwoch 12 UTC

Aktuell … befindet sich Deutschland innerhalb eines Höhentrogs, der sich von
Nordeuropa bis hinunter zur Iberischen Halbinsel erstreckt. Darin eingelagert
ist ein Drehzentrum, das sich bis morgen früh von Zentral- nach Südostfrankreich
verlagert, wodurch der Potenzialgradient im Süden und Westen unseres Landes
komplett in die Knie geht. Derweil schwenkt der nördliche Teil des Troges
ostwärts, so dass der Norden und Osten des Vorhersageraums unter eine schwache
westliche bis nordwestliche Höhenströmung gelangt.
Im Bodendruckfeld fällt zunächst mal die meridional exponierte und von einem
Höhenrücken gestützte Hochdruckzone (HARALD) ins Auge, die vom nahen Ostatlantik
bis zum Europäischen Nordmeer reicht. Ihr gegenüber steht eine breite
Tiefdruckrinne, die von Skandinavien über das östliche Mitteleuropa bis hinunter
zum zentralen Mittelmeer verläuft. Ein wesentlicher Bestandteil dieser Rinne ist
das flache Tief MARLIES, das in der Nacht von Tschechien her auf Vb-Bahn nach
Polen zieht. Zwischen dem Hoch und dem Tief hat wird bei uns eine im Mittel
schwache nördliche, im Süden eher westliche Grundströmung generiert, mit der
erwärmte Meereskaltluft polaren Ursprungs angelockt wird (T850 3 oder 4°C über
und an der Nordsee, gebietsweise 8°C im Süden). Der Wind spielt dabei keine
große Rolle, lediglich an der Nordsee frischt er mit Abzug eines Bodentroges
nach Süden (der klägliche Rest des ehemaligen Tiefs LYNN) und dem Vorstoß eines
flachen Keils bis zur Deutschen Bucht vorübergehen mal etwas stärker auf mit
einzelnen Böen 7 Bft. Ach ja, auch in den Höhenlagen der östlichen und
südöstlichen Mittelgebirge begehrt der West-Nordwestwind vorübergehen mal auf
(nämlich auf der West- bzw. Südwestflanke von MARLIES), was sich in Böen 7 bis 8
Bft, in exponierten Kamm- und Kuppenlagen sogar 9 Bft äußert. Dagegen nimmt der
anfangs z.T. noch stürmische Wind auf den Alpengipfeln im Laufe der Nacht immer
weiter ab.
Wichtiger als der Wind sind aber die Niederschläge, die im äußersten Süden mit
Zusammenbruch der Gegenstromlage immer schwächer werden bzw. ganz aufhören.
Entsprechend können die seit Freitag laufenden Dauerregenwarnungen auslaufen
oder sogar vorzeitig aufgehoben werden. Dagegen regnet es in Richtung Franken
und Mitte sowie in Teilen Ostdeutschlands noch weiter, bedingt durch konvektive
Verstärkungen sowie eingelagerte Gewitter gebietsweise auch kräftig, was mit
einer relativ breit aufgestellten markanten Starkregenwarnung gewürdigt wird.
Nicht ausgeschlossen, dass diese in Teilen Sachsens sowie im südlichen BB in
situ noch auf Unwetter hochgezogen werden muss. Wahrscheinlicher ist aber, dass
ein Großteil des für die Nacht im Osten prognostizierte RR-Maximum in Verbindung
mit Gewittern fällt, die aktuell von Tschechien her über das Erzgebirge
nordwärts zunächst auf Sachsen, später auch auf BB übergreifen. Abgesetzt vom
großräumigen Regengebiet können im Westen einzelne Schauer, vielleicht auch ein
vereinzeltes Gewitter von Belgien und Luxemburg her auf deutsches Territorium
übergreifen, während die einzelnen Gewitter am kalten Rand des Regengebietes
alsbald Geschichte sein sollten.

Montag … gelangt Deutschland in den gradientschwachen Innenbereich des
Höhentrogs, während das o.e. Drehzentrum respektive Höhentief knapp südlich der
Alpen nach Osten zieht und Venetien ansteuert. Derweil kommt der Höhenrücken bis
zur Nordsee, aber nicht weiter voran. Vorderseitig einsetzendes leichtes
Absinken sorgt in Teilen Nord- und Westdeutschlands für einen weitgehend
trockenen und teils heiteren (vor allem in Küstennähe und in SH) Wochenbeginn
(Inversion zwischen 800 und 700 hPa, darunter Quellungen).
Ansonsten gestaltet sich der Montag ziemlich wolkenreich in der weiterhin mit
schlaffer nordwestlicher Strömung herangeführten erwärmten Meeresluft polaren
Ursprungs (T850 4 bis 8°C). Zwar ist die Luftmasse nicht überborden labil
geschichtet, durch die vorherigen Regenfälle aber ausreichend angefeuchtet, so
dass mit Ausnahme des äußersten Südostens etwas CAPE generiert werden kann. Zwar
fehlt es morgen an synoptisch-skaligen Hebungsantrieben, der Tagesgang sollte
aber dicke ausreichen, weitgehend unorganisierte konvektive Umlagerungen in Form
von Schauern und einzelnen Gewittern schon frühzeitig in Gang zu bringen. Neben
Böen 7 Bft kann dabei auch mal Starkregen um oder etwas über 15 l/qm, im worst
case vielleicht bis nahe 25 l/qm innert kurzer Zeit dabei sein (wenig mobile
Zellen).
Mit 17 bis 22°C Höchsttemperatur sagt der meteorologische Sommer 2020 Adieu, auf
ein Neues 2021.

In der Nacht zum Dienstag zieht das Höhentief von Venetien in Richtung
Tschechien, während sich gleichzeitig ein zweites kleines Drehzentrum von der
Ostsee nach Nordostdeutschland reinmogelt. Unter dem Strich ergibt sich ein
dipolartiges Höhentiefpärchen, bei dem der südliche Part mit einem vom
nördlichen Balkan gen Slowakei ziehenden Bodentief korrespondiert. Unter dem
Strich werden im gesamten Süden sowie in der östlichen Mitte teils schauerartig
verstärkte Regenfälle generiert, die stellenweise über 10 l/qm binnen 12 h
bringen können. Nach neuerlichen Warnungen sieht es derzeit aber nicht aus.
Nach Norden und Westen hin lockert die Bewölkung in Hochnähe vielfach auf, so
dass sich in windschwacher Umgebung stellenweise Nebel bildet. Außerdem kühlt
die Luft z.T. deutlich unter 10°C, lokal bis nahe 5°C ab – Willkommen im Herbst

  1. Dienstag … dreht sich der Dipol gegen den Uhrzeigersinn, bevor am Ende des
    Tages ein einziges Drehzentrum übrigbleibt, das nach Lesart von ICON um 24 UTC
    über MV liegt (500 hPa). Vor diesem Hintergrund bleibt die Höhenströmung über
    dem Vorhersageraum zyklonal konturiert, ohne dass aber nennenswerte
    Advektionsprozesse ausgemacht werden können. Der Höhenrücken über der Nordsee
    wird trotzdem sukzessive abgebaut, während sich gleichzeitig über Skandinavien
    eine Höhenhochparzelle etabliert. Dementsprechend verlagert sich auch der
    Schwerpunkt des korrespondierenden Bodenhochs mehr und mehr nach Skandinavien.
    Wettertechnisch bedeuten die ganzen Verrückungen für den Norden und Nordwesten
    heiter bis wolkige, ganz weit im Norden auch sonnige Verhältnisse, garniert von
    einzelnen Schauern. Der große Rest des Landes muss nicht nur mehr Bewölkung
    ertragen, auch die Regenwahrscheinlichkeit ist höher. Häufig handelt es sich
    dabei um schauerartige Niederschläge mit einzelnen Gewittern, nach Osten hin ist
    gebietsweise aber auch länger andauernder Regen möglich. Warnschwellen werden
    nach heutigem Stand aber nicht gerissen.
    Der Wind weht schwach bis mäßig aus Nordwest bis Nord, im Norden zunehmend aus
    Ost bis Nordost. Die Höchstwerte liegen zwischen 15 und 21°C.

In der Nacht zum Mittwoch bleibt das Höhentief über Deutschland liegen. Trotzdem
schwächen sich die konvektiv geprägten Regenfälle tagesgangbedingt ab. Offen ist
derzeit noch, ob von Osten her skalige Niederschläge auf die östlichen
Landesteile übergreifen, wie das GFS von 06 UTC und IFS von 00 UTC anpreisen.
ICON hält sich diesbezüglich zurück.
Dort, wo es länger aufklart bildet sich gebietsweise Nebel mit Sichtweiten unter
150 m.

Mittwoch … eiert das Höhentief weiterhin über Deutschland herum, was die
Prognose nicht gerade vereinfacht. Grundsätzlich sollte man von schauerartig
geprägten Regenfällen und einzelnen Gewittern ausgehen. Im Westen und Nordwesten
dürfte es die meisten Sonnenstunden zu verzeichnen geben. Dort wird es mit bis
zu 22°C auch am mildesten, während sonst 16 bis 21°C auf der Karte stehen.

Modellvergleich und -einschätzung

Die großräumige Entwicklung wird modellübergreifend nahezu gleich simuliert.
Gleichwohl ist weiterhin auch In-situ- respektive Nowcastwarnmanagement gefragt,
weil die Regen- und Gewitterprognosen divergieren. Von daher sind weitere
kurzfristige Anpassungen bei den Starkregenwarnungen im Bereich des Möglichen.

Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Jens Hoffmann