SYNOPTISCHE UEBERSICHT MITTELFRIST

S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T M I T T E L F R I S T
ausgegeben am Mittwoch, den 26.08.2020 um 10.30 UTC

Leicht wechselhaft mit gebietsweisen Gewittern und meist nur mäßig-warm. Im
Süden am Samstag und Sonntag teils ergiebiger Dauerregen (lokal Unwetter).

Synoptische Entwicklung bis zum Mittwoch, den 02.09.2020

Nachdem der Hochsommer passend zum Ende der Hundstage (23. August) sein
„Stell-Dich-Aus“ gegeben hat, ist das Wetter in der ab Samstag beginnenden
Mittelfrist eher auf den gemäßigten Gleisen unterwegs. Dabei bewegen sich die
Temperaturen meist im leicht zu kühlen oder im mäßig-warmen Bereich, dazu wird
es mit zeitweiligen Niederschlägen und Gewittern eher wechselhaft.

Ab Samstag ist ein Trog der Hauptakteur der Mittelfrist, der mit positiver
Achsneigung vom Nordmeer und Skandinavien über die Nordsee und Frankreich bis
zur Iberischen Halbinsel reicht. Korrespondierend dazu ist am Boden ein Tief mit
Kern am Samstagmittag über der Nordsee zu finden. Dessen Frontensystem kommt an
den Alpen ins Schleifen. Der Trog verlagert sich bis zum Montag leicht ostwärts
und erstreckt sich dann von Skandinavien bis zum zentralen Mittelmeer. Dabei
zeigt er im Südteil ein Abtropfprozess, der zu einem eigenen Drehzentrum führt
und der dort eine Zyklogenese induziert. Derweil gibt es auch über Skandinavien
ein eigenes Drehzentrum, mit dem das Bodentief von der Nordsee nach Finnland
wandert. Beide Tiefdruckgebiete sind mit einem Frontensystem verbunden, der dem
Süden und Südosten andauernde Niederschläge bringt, während nach Westen und
Nordwesten hin ein die Nordsee erreichender Rücken am Montag vorübergehend den
Keil eines Azorenhochs aufschlagen lässt.

Am Dienstag zieht der Trog zwar noch bis nach Polen weiter, fängt dann aber an
über Mitteleuropa zu „kreiseln“, wobei er Unterstützung von einem vom Atlantik
hereinlaufenden Trog erhält. Dieser unterwandert den Rücken, aus dem sich eine
eigene Höhenhochparzelle abspaltet und gen Skandinavien driftet. Aus dem
Konglomerat erwächst bis zum Mittwoch eine „High-Over-Low“-Lage mit der
Großwetterlage „Trog Mitteleuropa“. In dieser Konstellation kann das Tief über
dem zentralen Mittelmeer auf Vb-ähnlicher Zugbahn nach Polen ziehen, während
sich das Tief über Finnland auffüllt. Durch die Lage der Tiefdruckgebiete dreht
die Strömung auf nördliche bis nordwestliche Richtungen, sodass kühle Meeresluft
mit T850 hPa von 2 bis 6 Grad einfließt.

In der erweiterten Mittelfrist ab Donnerstag zeigt der Trog über uns leichte
progressive Ambitionen. Ihm folgt von den Britischen Inseln ein flacher Rücken,
womit erneut ein Keil des Azorenhochs gestützt wird, der auch bei uns Fuß fasst.
Bei T850 hPa von 5 bis 8 Grad kann sich mit westlicher Strömung wieder etwas
wärmere Luft bei uns ausbreiten. Bereits am Freitag gelangt aber schon ein neuer
Höhentrog in das Seegebiet zwischen Island und Schottland. Er hat ein Tief im
Gepäck, dessen Ausläufer von Westen her Deutschland erfassen. Dabei wird in die
Südhälfte noch wärmere Luft mit T850 hPa über 10 Grad geführt.

Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs

Bis zum Mittwoch lässt sich im Prinzip, wenn man mal von einigen kleineren
Details absieht, eine gute Konsistenz des heutigen 0 UTC-Laufs des EZMW zu
seinen beiden gestrigen Vorläufen bescheinigen. Erst ab Donnerstag, und damit
schon in der erweiterten Mittelfrist, werden die Unterschiede größer. Dabei ist
neu, dass der Trog nun nach Osten zieht, während er in den Vorläufen über
Mitteleuropa kreiste und mit einem Bodentief gekoppelt war. So kann mit dem
neusten Lauf am Donnerstag ein Azorenhochkeil nach Deutschland vordringen, der
am Freitag aber schon wieder von Ausläufern eines neuen Tiefs von Westen her
verdrängt wird. Die beiden gestrigen Läufe waren dann immer noch bei TrM bzw.
TM.

Vergleich mit anderen globalen Modellen

ICON und GFS verfolgen grundsätzlich die gleichen Ideen wie das EZMW. Beim GFS
zieht der Trog am Donnerstag allerdings etwas langsamer ab (rund 12 Stunden
Zeitversatz). GEM und NAVGEM haben grundsätzlich auch keine anderen Lösungen
parat.

Bewertung der Ensemblevorhersagen

Die Rauchfahnen diverser deutscher Städte sind bis Sonntag eng gebündelt, was
der Vorhersage bis dahin hohe Sicherheit verleiht. Am Montag öffnen sich die
T850 hPa-Rauchfahnen etwas, ab Dienstag auch die des Geopot 500 hPa. Allerdings
gibt es meist einen gut definierten Median, in dem auch Haupt- und Kontrolllauf
eingebettet sind. Bei den T850 hPa-Rauchfahnen liegen diese ab Dienstag aber
häufig am unteren Rand der Schar, womit es zumindest einige „wärmere“ Lösungen
gibt. Insgesamt bestätigen die Rauchfahnen also den deterministischen Lauf.

Die Clusteranalyse bringt für den Zeitraum Montag (0 UTC) bis Mittwoch (0 UTC)
satte 6 Cluster hervor. Für den für uns relevanten Bereich sind die Unterschiede
nicht allzu groß, nur C5 zeigt kein „High-Over-Low“. Damit kann sich über den
Britischen Inseln ein kräftiges Tief etablieren, auf dessen Vorderseite wir
kommen würden (aus „TM“ wird dadurch „TB“).
Für den Zeitraum Donnerstag (0 UTC) bis Samstag (0 UTC) werden 5 Cluster
ausgegeben. Die Differenzen sind dabei beträchtlich und auch die Regime
unterschiedlich, Blocking oder positive NAO überwiegen jedoch. Bei einigen
Clustern fällt höheres Geopotenzial bei uns auf, was höheren Druck generieren
würde.

FAZIT: Der leicht wechselhafte und meist nur mäßig-warme Wetterablauf bis zum
Mittwoch ist recht sicher. In der erweiterten Mittelfrist ab Donnerstag wird die
Vorhersage rasch schwierig, weil die Ensembles einige Fragezeichen aufwerfen.
Allgemein lässt sich aber ein Trend zu wieder zunehmendem Hochdruckeinfluss bei
etwas ansteigenden Temperaturen herausarbeiten.

Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen

EFI gibt für Samstag und Sonntag Signale für überdurchschnittliche Regenmengen
im Süden und Südosten Deutschlands aus. Das wird von den Ensembles unterstützt,
die 24-stündig vor allem am Samstag hohe Wahrscheinlichkeiten bis 90 % für mehr
30 l/qm haben und noch gute Wahrscheinlichkeiten bis 40 % für mehr als 50 l/qm
direkt am Alpenrand (Unwetter). 48-stündig liegen die Wahrscheinlichkeiten bis
Sonntagabend bei bis zu 90 % für mehr als 40 bzw. bis zu 45 % für mehr als 60
l/qm (Unwetter). Direkt an den Alpen werden sogar geringe Wahrscheinlichkeiten
für mehr als 90 l/qm angezeigt.

Am Samstag und Sonntag treten im Norden und Westen gebietsweise Gewitter auf. Am
Montag gibt es dann im Süden, am Dienstag vom Süden bis in die Mitte einzelne
Gewitter, meist aber nur kurze Gewitter.

Basis für Mittelfristvorhersage
EZMW, EZMW-ENS, MOSMIX

VBZ Offenbach / Dipl. Met. Simon Trippler