SXEU31 DWAV SYNOPTISCHE UEBERSICHT KURZFRIST

SXEU31 DWAV 161800

S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T K U R Z F R I S T
ausgegeben am Sonntag, den 16.08.2020 um 18 UTC

Markante Wettererscheinungen:
Von Westen heraufziehende Gewitter, teils Unwetter mit Starkrügen. Im weiteren
Verlauf von Westen her kühler.

Synoptische Entwicklung bis Mittwoch 12 UTC

Aktuell … erstreckt sich eine Hochdruckzone von Nordosteuropa bis ins
Nordmeer. Flankiert wird diese Hochdruckzone von einem kleinen Kaltlufttropfen
im Grenzbereich zwischen Tschechien und Polen und einem weiteren,
wetterwirksameren Cut-Off-Tief mit Zentrum über der Bretagne. Vorderseitig
dieses Tiefs drehte die Höhenströmung in Westdeutschland auf Süd, wodurch
Mitteltropospherisch WLA einsetzte. In den 12 UTC-Sounding zeigt sich eine
trockene etwas wärmere Schicht zwischen 600 und 400 hPa, die zum einen durch
Entrainment schwächend auf potentielle Aufwinde auswirken, anderseits die
Konvektion etwas deckelt. Durch die immer noch vorhanden niedertroposphärische
Feuchte, die vorderseitige des Cut-Off-Tiefs wieder weiter Nordostwärts
vorangekommen ist, ist die Luftmasse dennoch sehr labil. So zeigen die
12UTC-Sondings 1500 – 2000 J/kg CAPE. Der Decke war aber nur sehr schwach und
konnte recht schnell durchbrochen werden, sodass sich im Westen und im zentralen
Mittelgebirgsbereich wieder zahlreiche Gewitter ausgelöst wurden. Zwar zog die
südliche Höhenströmung vorderseitig des Tiefs etwas an, sodass die 12
UTC-Soundings Storm-Motion-Vektoren von 12 bis 20 m/s zeigen. Die
Zuggeschwindigkeit wird aber durch das südliche Anbauen der Zellen größtenteils
kompensiert, sodass heftiger Starkregen wieder ein Thema ist. Die an mittels
Radar ermittelten Niederschlagswerte RH haben sich als nur leicht zu hoch
erwiesen. Auch mit Hagel um 2 – 3cm muss auf Grund der hohen CAPE-Werte
gerechnet werden.
Ein weiterer Gewitterschwerpunkt greift gerade auf den Westen über. Innerhalb
einer Konvergenz werden zahlreiche Zellen ausgelöst, die Rückwertig anbauen und
sich in kleineren Linien organisieren, in Süden in eine oder mehrere Superzellen
zerfallen ist. Dieses Scenario zeigte der 00z von COSMO-D2, dies wurde
allerdings in den neuen Läufen verworfen. Somit muss man die Vorhersage in den
nächsten Stunden rein auf Nowcasting stützen.
In der Nacht soll die Konvektion an der ersten Linie nur langsam zusammenfallen.
COSMO-D2 rechnet immer wieder neue Zellen, während eine 2. Linie, die aktuell im
Satelliten- und Radarbild über Frankreich sichtbar ist, auf den Südwesten in
Form eines MCS übergreifen. Anfangs kann dieses besonders im Südwesten noch
etwas besser organisiert sein, da dort mit einer DLS von bis zu 10 m/s die
Scherung etwas besser ist. In der 2. Nachthälfte simulieren einige Lokalmodell
unter Anderem COSMO-D2 einen größeren Cluster mit länger anhaltendem Starkregen
in BaWü. Die Entwicklung bleibt allerdings fraglich, da noch unsicher ist,
wieviel Energie die 1. Linie aus dem System nimmt. Dieser Cluster wird von
Super-HD nicht gestützt. Dort soll ein weiteres MCS auf NRW treffen.

Fazit: Auf Grund der Modellunsicherheiten bleibt Nowcasting als erstes Mittel
der Wahl. Dabei kann sich bezüglich der Niederschlagsmengen an den Radarsummen
orientiert werden. Wegen Sturmböen in verbindung mit konvektion ist Richtung
Nordwesten eine etwas aggressiveres Vorgehen gefragt, da dort noch eine inverse
V-Struktur in den Temps zu finden ist. Wegen der etwas zunehmenden Scherung und
MU-CAPE-Werte von 1500 J/kg muss in der Westhälfte die ganze Nacht mit Unwettern
gerechnet werden. Die Konvektion kommt voraussichtlich bis Montagfrüh bis in
die Mitte voran.

Montag … verlagert das Höhentief seinen Schwerpunkt nach England und kommt
damit nicht mehr weiter ostwärts voran. Gleichzeitig wird es allmählich in einem
von Westen sich nähernden Trog eingebunden. Die Bodenrinne legt sich quer über
die Mitte des Landes, sodass sich ausgehend von den Friesischen Inseln bis in
den Südosten von Bayern eine Windkonvergenz finden lässt.

Diese Rinne ist allerdings schon ziemlich weit vorderseitig des Troges und damit
aus seinem direkten Antrieb raus gewandert. Dementsprechend sind auch die
Scherwerte in seinem Umfeld nur gering.

Der Großteil der Konvektion wird am Hinterrand und eher etwas abseits der
Windkonvergenz gerechnet, was darin liegen mag, dass von Osten durch den Ostwind
etwas trockenere Luft zugeführt wird. Auch etwas CIN in den Modellfeldern deutet
an, dass die Luftmasse dort etwas gedeckelt ist.

Der wahrscheinlichste Ablauf ist, dass sich die aus der Nacht vorhandene
Konvektion vom Westen und Südwesten allmählich etwas nordostwärts schiebt. Dabei
können sich auch mesoskalig organisierte Schwerpunkte ergeben, die nicht
zwingend gewittrig sind, durch den hohen Gehalt an Feuchte (ppw-Werte über 35
mm) aber dennoch Starkregen bis in den Unwetterbereich bringen können (auch
mehrstündig). Die Aktivität wird wahrscheinlich einem gewissen Tagesgang folgen
(dynamischer Antrieb aus der Höhe fehlt ja eher). Das heißt, nach einem
spätvormittäglichen Minimum, dürfte die Gewittertätigkeit und die Intensität am
Nachmittag eher wieder aufleben … gerade am Vorderrand hin zu warmen Luft, wo
es auch noch Einstrahlung gibt. Am Nachmittag hauptsächlich betroffen ist ein
breiter Streifen von den ostfriesischen Inseln bis zum Bayerischen Wald, sowie
allgemein der Süden des Landes.
Die ppw-Wert liegen am Nachmittag bei bis zu 40 mm. Die Zuggeschwindigkeiten
sind nur gering und gerade über dem Nordteil des Streifens vorwiegend parallel
zur Organisationsform. Wie bereits gesagt, steht damit der Starkregen
(vielleicht auch bis in den extremen Bereich) klar im Fokus.

Dienstag … zieht das Höhentief weiter nach Schottland und wird immer stärker
in den von Westen sich nähernden Trog eingebunden. Deutschland liegt in seinem
Westteil weiterhin in seinem Einflussbereich. Die Bodenrinne verschiebt sich in
den Nordosten. Dort liegt entsprechend ein Schwerpunkt der Konvektion. Schon aus
der Nacht heraus wird diese aktiv sein und sich dann allmählich in den äußersten
Nordosten verlagern. Weiter stromaufwärts schließt sich ein trockener Streifen
an.

Noch weiter südwestlich folgt der Trog, der im Tagesverlauf durch Hebungsimpulse
in der weiterhin labilen Luftmasse neue Konvektion auslöst. Die Luftmasse im
Trogbereich ist nicht mehr ganz so feucht wie noch an den Vortagen mit
ppw-Werten zwischen 25 und 30 mm. Das CAPE erreicht nur noch Werte um 500 J/kg.

Die zu erwartende Trogkonvektion ist damit eher im markanten Bereich
angesiedelt. Neben den niedrigeren ppw-Werten ist auch die Zuggeschwindigkeit
von etwas mehr als 10 kn ein Argument dafür.
Vereinzelt kann dennoch nicht ausgeschlossen werden, dass die Unwetterschwelle
überschritten wird. Teile des Westens und Nordwestens befindet sich schon
rückseitig des kurzwelligen Troges, sodass dort kaum noch Schauer oder gar
Gewitter auftreten. Eine Ausnahme bildet das Nordseeumfeld.

In der Nacht auf Mittwoch zieht der Kurzwellentrog weiter nach Osten. Damit
verschiebt sich die Hauptaktivität der Konvektion allmählich in den Osten und
Südosten, schwächt sich aber deutlich ab. Auch an der Nordsee kann es weitere
Schauer und Gewitter geben. Sonst lockert die Wolkendecke teils stärker auf.
Während im Osten die Tiefstwerte noch meist oberhalb der 15 Grad Marke liegen,
werden sonst 14 bis 9 Grad erwartet.

Mittwoch … hat sich eine Westwetterlage eingestellt. Während der Norden unter
Trogeinfluss steht und sich bei CAPE-Werten um 500 J/kg, wiederholt Schauer und
Gewitter bilden, steht der Süden bei WLA unter Hochdruckeinfluss. Die
850-hpa-Temperatur steigt im Süden wieder auf Werte um 13 °C.
In der Nacht zum Mittwoch gelangt ganz Deutschland auf die Vorderseite eines
Langwellentroges über dem Atlantik, wodurch starke WLA einsetzt. Dabei ist ein
sich nach Nordosten aufwölbender Höhenkeil wetterwirksam.

Modellvergleich und -einschätzung

Bereits im Text erwähnt.

Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Christian Herold