S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T M I T T E L F R I S T
ausgegeben am Freitag, den 14.08.2020 um 10.30 UTC

Anfangs warm und wechselhaft mit kräftigen Schauern und Gewittern mit
Unwetterpotential. Am Mittwoch und Donnerstag Wetterberuhigung und wieder
wärmer. Am Freitag wahrscheinlich sommerlich warm bis heiß, im Westen und
Nordwesten später Gewitter.

Synoptische Entwicklung bis zum Freitag, den 21.08.2020

Deutschland liegt am Montag auf der Vorderseite eines Höhentiefkomplexes mit
Kernen über Großbritannien und dem Seegebiet südöstlich vom Kap Farwell. Dabei
sorgt ein kurzwelliger Anteil, der nach Nordosten hin abläuft, für
Hebungsantrieb. Während im Osten noch schwüle und heiße Luft mit Temperaturen
knapp über 15 Grad in 850 hPa wirksam ist, strömt in die anderen Gebiete südlich
einer Tiefdruckrinne über Norddeutschland von Südwesten etwas frischere
Atlantikluft.

Am Dienstag verlagert sich das östliche Höhentief nur wenig zur westlichen
Nordsee und Deutschland liegt somit weiter auf seiner Vorderseite. Die o. e.
Tiefdruckrinne zieht derweil nach Polen und Dänemark. Damit wird die heiße Luft
endgültig nach Osten abgedrängt und ganz Deutschland kommt in den Genuss von der
mäßig warmen bis warmen Atlantikluft.

Am Mittwoch löst sich das Höhentief über der Nordsee auf und der davon
ausgehende Höhentrog überquert aber fast ganz Deutschland ostwärts. Gleichzeitig
zieht das westliche Höhentief ins Seegebiet rund 800 km westlich von Irland.
Vorderseitig verstärkt sich durch Warmluftadvektion über Westeuropa ein
Höhenrücken, dessen Achse abends über Frankreich liegt. Dadurch schiebt sich der
Azorenhochkeil nach Mitteleuropa und zum Tagesende bildet sich über den Alpen
eine Hochzelle.

Der Höhenkeil wandert unter weiterer Verstärkung am Donnerstag zum östlichen
Deutschland und stützt weiter das mitteleuropäische Hoch, das sich zur Slowakei
verlagert. An seiner Westseite strömt erneut sehr warme, nach Südwesten hin auch
heiße Luft nach Deutschland. Die 15-Grad-Isotherme erreicht bis 18 UTC nämlich
NRW und Bayern. Derweil langt das umfanreiche Zentraltief im Westen an der
Irischen Küste an.

Am Freitag wandert der Höhenkeil nach Osteuropa und zur Adria. Rückseitig zieht
das Zentraltief ins Seegebiet nordwestlich von Schottland. Seine Kaltfront
greift vormittags auf den Westen über und liegt zum Tagesende bereits über
Südostbayern. Dabei strömt erneut frischere Atlantikluft nach Deutschland.

Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs

Der neue Modellauf vom IFS simuliert die Wetterentwicklung bis Donnerstag
ähnlich wie die beiden Modellruns von gestern.
Am Freitag wird eine atlantische Kaltfront im neuen Lauf schneller über
Deutschland geführt als gestern berechnet. Während sie ursprünglich lediglich
Nordwestdeutschland am Abend erreicht, überquert sie im Lauf von heute fast ganz
Deutschland ostsüdostwärts.

Vergleich mit anderen globalen Modellen

Bei CMA (China) verlagert sich das Hoch Ende der Woche langsamer nach Osten und
somit würde die Kaltfront des sich langsamer nordostwärts verlagernden Tiefs
erst zum Sonntag auf uns übergreifen. Entsprechend würde freundliches und sehr
warmes bis heiße Wetter noch bis Samstag halten.
Auch bei GEM und JMA ist die Kaltfront verzögert, denn sie greift erst
Freitagnacht von Westen auf uns über.
In der GFS-Variante (von 06 UTC) schleift die Kaltfront am Freitag im Westen und
Norden. Der Südosten würde demnach auf jeden Fall sommerlich warm bis heiß
bleiben.

Bewertung der Ensemblevorhersagen

Die Clusteranalyse bestimmt heute bis zum siebten Folgetag 5 Cluster, die sich
in der Progression des Höhenkeils und des nachfolgenden Troges am Freitag
unterscheiden. Dabei wird der oper. Lauf in den 4. Cluster mit insgesamt nur 8
Modellläufen eingeordnet. Die anderen Cluster verlagern den Langwellentrog
insgesamt etwas langsamer nach Osten ähnlich wie im gestrigen oper. Lauf. Der
Freitag scheint damit doch noch auf der warmen bis heißen Seite zu sein.
Die Rauchfahne von Offenbach zeigt zu Beginn der Mittelfrist gemäßigte
Temperaturen in 850 hPa. Bei Werten um 12 Grad ist die Hitze erst einmal vorbei.
Am Donnerstag steigen aber bereits die meisten Modellläufe auf rund 15 Grad! Am
Freitag wird sogar der Hochpunkt mit 18 Grad erreicht, ehe die meisten Läufe bis
Samstagfrüh wieder unter die 15-Grad-Marke sinken.
Auch das Geopotential sinkt dann bis auf wenige Modellruns wieder ab. Ein
Kaltfrontdurchgang erfolgt also wahrscheinlich in der Nacht zum Samstag oder
Samstagfrüh.
Entsprechend werden bei den EPS-Meteogrammen am Freitag die höchsten
Temperaturen erreicht mit rund 30 Grad. Selbst in Hamburg sind 30 Grad und mehr
zu 25 Prozent wahrscheinlich. Anschließend gehen die Temperaturen auf gemäßigte
Sommerwerte zurück.

Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen

Am Montag sind abgesehen vom Westen, am Dienstag vor allem in der Osthälfte
markante Gewitter mit Starkregen, vereinzelt bis in den Unwetterbereich zu
erwarten. Im Westen beruhigt sich das Wetter.
Am Mittwoch sind im Nordosten auch länger andauernde Starkregenfälle zu
erwarten. Selbst unwetterartiger Dauerregen über 50 mm ist nicht ganz
ausgeschlossen.
Am Donnerstag gibt es eine Wetterberuhigung mit steigenden Temperaturen.
Am Freitag muss vor allem im Westen und Nordwesten erneut mit Gewittern und
Starkregen gerechnet werden. Zuvor wird es nochmals sehr warm bis heiß.

Basis für Mittelfristvorhersage
EPS, Mosmix, oper. Modelle.

VBZ Offenbach / Dipl. Met. Olaf Pels Leusden