SYNOPTISCHE UEBERSICHT MITTELFRIST

S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T M I T T E L F R I S T
ausgegeben am Dienstag, den 11.08.2020 um 10.30 UTC

Sommerlich warm bis heiß, dabei zeit- und gebietsweise wechselhaft mit Schauern
und teils starken bis schweren Gewittern (Unwetterpotential vor allem durch
heftigen Starkregen und Hagel).

Synoptische Entwicklung bis zum Dienstag, den 18.08.2020

Freitag … sind die markantesten Strukturen im Isohypsenfeld (500 hPa) zum
einen ein Langwellentrog über dem westlichen Russland bzw. der östlichen Ukraine
und zum anderen ein abgeschlossenes Höhentief über dem nahen Ostatlantik. Große
Teile Mitteleuropas befinden sich dabei „zwischen diesen Stühlen“ in einer auch
am Boden ausgesprochen flachen Druckverteilung. Die wetterbestimmende Luftmasse
verdient dabei in den meisten Teilen des Landes die Attribute „sommerlich warm“
und „feucht“, nur im äußersten Nordosten Deutschlands überwiegt eine etwas
trockenere, aber jedenfalls nicht weniger warme Festlandsluft. Bei 850
hPa-Temperaturwerten zwischen 12 und 16 Grad steht erneut ein sommerlich warmer
Tag ins Haus, wobei regional die Marke von 30 Grad erneut überschritten werden
dürfte (voraussichtlich bei längerem Sonnenschein im Nordosten). Allerdings wird
es nicht überall ein Tag zum durchgehenden Sonnenbaden, denn in der feuchtwarmen
Luft entwickeln sich im Tagesverlauf vermehrt Schauer und Gewitter, die dem Tag
einen wechselnd bewölkten und zeitweise wechselhaften Touch verpassen.
Unterzieht man die Isobaren einer Feinanalyse (1 hPa-Auslösung), ergeben sich
auch Hinweise auf kleinräumige Tiefdruckrinnen bzw. konvergente Strukturen, die
aber bei der aktuellen Vorlaufzeit natürlich noch nicht hinreichend lokalisiert
werden können. In der Nacht zum Samstag wird zwar in der einen oder anderen
Innenstadt die Temperatur weiterhin nicht unter 20 Grad sinken, in der Fläche
sollten die Tiefstwerte aber zwischen 19 und 14 Grad liegen.

Samstag … verlagert sich das Höhentief vor der französischen Atlantikküste
langsam ostwärts und wird wieder etwas in die Höhenströmung eingebunden. In
unserem Vorhersageraum ändert dies aber zunächst nichts an der
Grundkonstellation mit einer sehr warmen, feuchten und daher zu Schauern und
Gewitter neigenden Luftmasse. Wie bereits am Vortag sind die
Strömungsverhältnisse ausgesprochen schwach, daher liegt der Fokus der
Gewitterbegleiterscheinungen auf örtlich möglichem Starkregen. Außerdem
tendieren die Modelle dazu, dass sich im Südwesten etwas trockenere Luft
breitmacht, während die feuchtwarme Luftmasse nun auch den äußersten Nordosten
Deutschlands erreicht. Dies hat natürlich auch unmittelbare Auswirkungen auf die
Regionalisierung der Schauer- und Gewitterschwerpunkte. Am Temperaturniveau
ändert sich nicht viel, es bleibt weitgehend sommerlich warm, örtlich auch heiß.

Sonntag … erreicht das Höhentief über dem Atlantik das europäische Festland,
am Boden weitet sich gleichzeitig die westeuropäische Tiefdruckzone weiter in
Richtung Mitteleuropa aus. Ein markanter Luftmassenwechsel findet weiterhin
nicht statt, daher ähnelt die Wettercharakteristik jener des Vortages. Heiß
dürfte es wieder entlang des Rheins sowie auch im Bereich der Lausitz werden,
die Schauer- und Gewitterschwerpunkte werden aktuell von den Modellen
unterschiedlich simuliert, wobei EZMW diesen eher in den Norden des Landes legt.

Montag … (und auch bereits in der Nacht zu diesem) gelangt Deutschland auf die
Vorderseite des nun entwickelten Langwellentroges über Westeuropa, außerdem
passiert die Tiefdruckrinne die westlichen Landesteile und erreicht im
Tagesverlauf die Osthälfte. Da sich an der Luftmassencharakteristik weiterhin
nichts Gravierendes ändert, stehen vom Westen ostwärts ausweitende Schauer und
teils starke bis schwere Gewitter auf der Agenda. Am längsten sonnig dürfte es
im Osten bleiben, dort werden erneut Tagesmaxima über 30 Grad erwartet.

Dienstag … befindet sich der Westen und große Teile des Südens in der nun
eingeflossenen etwas kühleren und trockeneren Luftmasse, während im Osten in der
bisher wetterbestimmenden Luft weitere Schauer und Gewitter auftreten werden. Um
das Bodentief herumgeholte Warmluft dürfte später auch im Westen wieder für
Schauer und Gewitter sorgen. Ein gewisses Maß an Konvektion bleibt damit in
allen Landesteilen erhalten.

Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs

Die Konsistenz der letzten drei EZMW-Läufe kann als relativ gut beurteilt
werden. Das Wochenende ist gekennzeichnet durch die erwähnte flache
Druckverteilung über großen Teilen Mitteleuropas. In Kombination mit der
vorhandenen feuchtwarmen Luftmasse resultieren daraus leicht wechselhafte, durch
Schauer und Gewitter gekennzeichnete und weiterhin sommerlich warme
Verhältnisse.

Vergleich mit anderen globalen Modellen

Bei den synoptischen Grundmustern unterscheiden sich die maßgeblichen
Globalmodelle nur wenig. Sowohl ICON, als auch GFS stützen die EZMW-Simulationen
im Wesentlichen. Es liegt allerdings in der Natur der Sache, dass die
Regionalisierung der Schauer und Gewitter im mittelfristigen Vorhersagezeitraum,
besonders bei den erwarteten flachen Druckverteilungen, doch einigen
Unterschieden unterworfen ist. Beispielsweise zeigt EZMW den Gewitterschwerpunkt
am Sonntag im Nordosten, ICON (gestützt durch GFS) dagegen eher im Südwesten.
Die grobe Richtung der Wetterentwicklung ist klar, der genaue Pfad dahin wird
sich erst in den nächsten Tagen manifestieren.

Bewertung der Ensemblevorhersagen

EPS:
Die Rauchfahnen für repräsentative Orte in Deutschland stützen im Wesentlichen
die deterministischen Aussagen. Bis zum Beginn der neuen Woche ist der Spread
sowohl beim Geopotential (der Mangel an markanten Strukturen ist deutlich zu
erkennen, dafür langsamer Abbau), als auch beim Temperaturverlauf 850 hPa
gering. Bezieht man die Niederschlagssignale in die Analyse ein, lässt sich die
beschriebene feuchtwarme und teils wechselhaften Witterung auch aus den
Ensembles ableiten. Zur Mitte der nächsten Woche ergeben sich Diskrepanzen
zwischen Haupt-/Kontrollauf und der Mehrzahl der Ensembles, die den
Temperaturrückgang vor allem in der Mitte und im Süden nicht 1:1 stützen.

CLUSTER:
+120 … 168h: Es liegen zwei Cluster vor, wobei sowohl Haupt-, als auch
Kontrolllauf dem zweiten Cluster mit 24 Membern zugeordnet werden. Beide Cluster
propagieren „Blocking“. Dabei variiert die Lage des von Westen sich Deutschland
annähernden Troges nur wenig, die Prognosegüte bezüglich der grundlegenden
Strömungsmuster ist daher bis dahin als gut zu bewerten.

+192 … 240h: Die Clusteranzahl erhöht sich auf sechs. Die Mehrzahl (4) sind
nun dem Strömungsmuster „negative NAO“ zuzuordnen, jeweils eines „Blocking“ und
„positive NAO“. Es kristallisiert sich etwas heraus, dass der Langwellentrog
über Westeuropa langsam auf Mitteleuropa übergreift. Damit wären in weiterer
Folge zyklonale und etwas weniger warme Verhältnisse verbunden, allerdings ist
der Grat zwischen „Vorderseite“ und „Troglage“ doch noch ein sehr schmaler –
vorsichtige Formulierungen sind daher angesagt.

Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen

GEWITTER:
Regional starke Gewitter mit Starkregen, kleinkörnigem Hagel und stürmischen
Böen. Besonders bezüglich Starkregen sind auch unwetterartige Mengen
wahrscheinlich. Die genaue Regionalisierung ist noch deutlichen Modellunschärfen
unterworfen, abschließend kann diese wahrscheinlich erst in der Kurzfrist
beurteilt werden. Es gibt aber Hinweise darauf, dass am Freitag zunächst der
Nordosten etwas außen vor ist, am Wochenende sinkt dagegen im Südwesten die
Gewitterwahrscheinlichkeit.

HITZE:
Regional noch starke Wärmebelastung, allerdings sinkt die Wahrscheinlichkeit für
tropische Nächte (Tmin über 20 Grad).

Basis für Mittelfristvorhersage
EZMW-EPS und MOS-Mix.

VBZ Offenbach / Mag.rer.nat. Florian Bilgeri