SXEU31 DWAV SYNOPTISCHE UEBERSICHT KURZFRIST

SXEU31 DWAV 111800

S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T K U R Z F R I S T
ausgegeben am Dienstag, den 11.08.2020 um 18 UTC

Markante Wettererscheinungen:
Bis Donnerstag etwa in der Südwesthälfte, am Freitag hauptsächlich in einem
Streifen von Bayern bis Niedersachsen markante Gewitter, örtlich eng begrenzt
auch schwere Gewitter (Unwetter) mit heftigem Starkregen, Hagel und Sturmböen.

Synoptische Entwicklung bis Freitag 12 UTC

Aktuell … Der kräftige, aber schwachgradientige Höhenrücken über Mitteleuropa
wandert nur geringfügig nach Osten, so dass Mittwochfrüh seine Achse eine Linie
Hessen-Deutsche Bucht erreicht. Nach Norden hin reicht der Keil bis zum
südlichen Nordmeer und stützt vorderseitig das Hoch an der Norwegischen Küste
und über Südschweden. Die in den Westen und Süden sowie zur Mitte Deutschlands
eingeströmt potentiell instabile Luft mit CapeMU-Werten zwischen 500 und 1300
J/Kg, im Südwesten bis knapp über 2000 J/Kg, wird im Laufe der Nacht noch etwas
nach Südwesten abgedrängt, denn die 15-Grad-Isotherme erreicht den Hamburger
Raum und Westsachsen und knapp südwestlich gibt es einen stärkeren Gradienten
bei der potentiellen Äquivalenttemperatur. Entsprechend dem Tagesgang sollten
sich die aktuellen Gewitter abschwächen und sich in die Gebiete vom südlichen
NRW und Rheinland-Pfalz bis zur Alb und zum Schwarzwald zurückziehen. Die
Gewitter weiter im Nordosten, also in Sachsen, Thüringen und Nordhessen sollten
also in sich zusammenfallen und hier dürften sich keine neuen Gewitter bilden.
In den Ballungsräumen des Westens und Südwestens gibt es mit Werten um oder
etwas über 20 Grad eine tropische Nacht. Ansonsten ist es etwas frischer.

Mittwoch … Bleibt der Höhenrücken bei uns quasistationär liegen, ja es baut
sich durch WLA getriggert sogar an seiner Westflanke erneut ein Keil an, der
nach Belgien wandert. Insofern bleibt die eingeströmte Luftmasse in der
Südwesthälfte für den Wetterablauf entscheidend, in der sich Cape-ML-Werte
zwischen 600 und 1800 J/Kg entwickeln. Auch die PPWs 30 und 40 mm in dieser
Luftmassen ändern sich nur wenig. Da der Antrieb durch das Höhenfeld fehlt,
entwickeln sich erneut bevorzugt über den Mittelgebirgen neue Gewitterwolken,
die aufgrund langsamer Zuggeschwindigkeit erneut leicht in den Starkregenbereich
bis hin zu Unwetter gehen können. Die Modelle liefern von Baden-Württemberg bis
zum südwestlichen NRW gebietsweise 1 bis 5 mm und in dieser Region zeigt CosmoD2
punktuell Starkregen bis in den Unwetterbereich vor allem über den Gebirgen.
Euro4 simuliert interessanter Weise praktisch keine Schauer und Gewitter in
Baden-W., Südhessen und der Pfalz. Betroffen von Gewittern wäre hingegen NRW.
Bei Super HD ziehen einige Gewitter von NRW ins westliche Niedersachsen und
gegen Abend zeigt sich eine Gewitterzone vom Hintertaunus bis zum
Rothaargebirge. Baden-W. und die Pfalz sind auch in dieser Simulation kaum
getroffen. Nach CD2-EPS soll der zentrale Bereich von Baden-W., die Pfalz, die
Eifel und das Ruhrgebiet von Starkregen betroffen sein. Die Modelltemps zeigen
erneut ein Inverses V-Profil, so dass erneut mit Sturmböen in Gewitternähe
gerechnet werden muss.
In der Nordosthälfte Deutschlands ist trockenere Luft wirksam mit PPWs zwischen
20 und 29 und hier bleibt es sonnig und trocken.
Die Temperaturen sind ähnlich hoch wie heute mit Werten zwischen 30 Grad in
Vorpommern und 36 Grad im Westen und Südwesten, so dass meist die Hitzebelastung
bleibt. Nur an der Küste bei auflandigem Wind ist es mit rund 27 Grad
angenehmer.
Im Norden ist der Wind teils mäßig unterwegs mit Böen 5 bis 6 an der See aus
Nordost bis Ost. Ansonsten ist es außerhalb der Gewitter meist schwachwindig.
In der Nacht zum Donnerstag klingen nach ICON die Gewitter ab. Bei den anderen
Modellen, vor allem bei Euro4, halten sich die Gewitter besonders in NRW bis in
die 2. Nachthälfte.

Donnerstag … erreicht die inzwischen zonal orientierte Achse des
westeuropäischen Troges im Tagesverlauf Nordfrankreich. Der Höhenrücken wird von
Westen abgehobelt, übrig bleibt aber eine Potenzialbrücke, die von Schottland
über die südliche Nordsee und Deutschland bis in den zentralen Alpenraum reicht.

Im Bodenfeld zieht eine flache Tiefdruckrinne von Südwestdeutschland aus
ostwärts und verläuft abends von Niederbayern bis nach Ostwestfalen. An deren
Nordostflanke gelangt nach wie vor trockenere Festlandluft in den Norden und
Nordosten des Landes, so dass dort erneut ein wettertechnisch ruhiger Tag ins
Haus steht.
Die Hauptgewitteraktivität spielt sich hingegen im Bereich des konvergenten
Windfeldes innerhalb der Rinne ab, also vor allem von den westlichen über die
mittleren Landesteile bis in den Südosten. In dieser Region werden erneut die
höchsten Capewerte simuliert (1000 bis 1500 J/kg, punktuell auch bis nahe 2000
J/kg) bei hohen PPW-Werten von 35 bis knapp über 40 mm. Nach wie vor findet die
Konvektion in nur schwach gescherter Umgebung statt. Im Vormittagsverlauf
greift von Frankreich her eine Konvergenzlinie bzw. eine flache Tiefdruckrinne
auf Südwestdeutschland über. Damit könnten sich die Gewitter eher in Linienform
anordnen oder in Form von Multizellen. Bis zum Abend Südwestniedersachsen-
Vogtland mit Entsprechender Ausdehnung der Gewitterzone, die insofern wieder
weiter nordostwärts vorankommt als am Vortag. Erneut steht teils heftiger
Starkregen wegen der geringen Zuggeschwindigkeit der Zellen im Focus.
Am Temperaturniveau ändert sich gegenüber den Vortagen weiterhin nur wenig,
wobei es eventuell großräumiger als am Vortag Regionen geben wird, wo es längere
Zeit stark bewölkt bleibt und es mangels Einstrahlung somit nicht ganz so
warm/heiß werden kann. Dennoch bleibt die Wärmebelastung stark. Im Norden und
Nordosten scheint dagegen überwiegend die Sonne und an Küstenabschnitten mit
auflandigem Wind bewegen sich die Temperaturen ebenfalls in einem angenehmeren
Bereich.

In der Nacht zum Freitag greift – ausgehend vom Trog über Nordfrankreich – eine
Potenzialrinne auf den Südwesten und Süden Deutschlands über. Auf deren
Vorderseite kann sich die Tiefdruckrinne über den mittleren Landesteilen noch
ein wenig etablieren und kommt etwas nach Norden voran. Im Bereich dieser Rinne
dauert wohl auch die Nacht über hinweg die Gewittertätigkeit an, wenngleich auch
mit etwas „gebremsten Schaum“. Im Fokus der Begleiterscheinungen bleibt der
Starkregen, kleinräumig weiterhin mit Unwetterpotenzial. Rückseitig der Rinne
gelangen von Westen her etwas stabilere und kühlere Luftmassen in den
Westen/Südwesten und äußersten Süden des Landes, die dort endlich mal für etwas
angenehmere Tiefstwerte sorgt.
Der Nordosten bleibt dagegen noch im Bereich der trockenen Festlandsluft; dort
bleibt es klar oder locker bewölkt bei ebenfalls recht angenehmen Tiefstwerten.

Freitag … Aus der Potentialrinne über Ostfrankreich tropft ein kleines
Höhentief nach Oberitalien ab und von dort reicht niedriges Potentiel bis nach
Nordfrankreich. Vorderseitig kommt die Bodentiefdruckrinne etwa bis in den
Hamburger Raum und bis Südwestbrandenburg voran. Südwestlich dieser Linie bleibt
die Luft feucht mit hohen PPWs teils über 40 mm und hohen Cape-Werten zwischen
600 und knapp 1800 J/Kg. So entwickeln sich erneut Schauer und teils kräftige
Gewitter, wobei wegen der geringen Zuggeschwindigkeit erneut teils heftiger
Starkregen zu erwarten ist. Teils geht der konvektive Regen auch in flächigen
Regen über, da die Konvergenz eher Anakaltfrontcharakter annimmt. In der
Südwesthälfte sinken nämlich die Temperaturen in 850 hPa unter 15 Grad, da von
Westen her etwas kühlere Biskayaluft einströmt. Ganz im Nordosten strömt von
Osten trockene Luft ein und so reicht es hier wahrscheinlich nicht für
konvektive Niederschläge. In der Fläche simulieren die Modelle einschließlich
ICON in einem breiten Streifen von Bayern bis nach Niedersachsen meist 5 bis 15
mm, örtlich auch gut 20 mm innerhalb von 12 Stunden, also mehr als an den
Vortagen. Weiter südwestlich, also in Baden-W., Rheinland-Pfalz und im Saarland
gibt es in der etwas frischeren Luftmasse einzelne Schauer oder Gewitter. Die
Temperaturen erreichen wohl nur noch östlich der Weser Werte von 30 Grad und
mehr. Ansonsten ist es mit 26 bis 29 Grad nicht mehr so heiß wie am Vortag und
wolkige Abschnitte überwiegen gegenüber den sonnigen Abschnitten (Mosmix
Sonnenscheindauer nur noch 40 Prozent und weniger).
Der Wind weht abgesehen von stürmischen Gewitterböen meist nur schwach bis mäßig
aus Südwest, im Nordosten aus Ost bis Nordost.

Modellvergleich und -einschätzung

Die synoptischen Basisfelder werden im Kurzfristzeitraum recht ähnlich
simuliert.

Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Olaf Pels Leusden