SXEU31 DWAV SYNOPTISCHE UEBERSICHT KURZFRIST

SXEU31 DWAV 051800

S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T K U R Z F R I S T
ausgegeben am Mittwoch, den 05.08.2020 um 18 UTC

Markante Wettererscheinungen:
Hitzewelle in Deutschland, ab Freitag gebietsweise steigendes Gewitterrisiko.

Synoptische Entwicklung bis Samstag 12 UTC

Aktuell … ist der Hochsommer mit zahlreichen heißen Tagen und tropischen
Nächten wieder auf dem Vormarsch. Nachdem sich der Sommer 2020 bisher doch eher
von seiner unbeständigen Seite zeigte und medial schon als Zick-Zack-Sommer
tituliert wurde, straft er all diese nun mit seinem heißen und trockenen Atem.
Wies die großskalige Geopotential- und Luftdruckverteilung in diesem Sommer
bisher meist nur geringere Amplituden und somit recht zonale
Strömungseigenschaften auf, ändert sich dies nun signifikant. Mit dem
Abtropfprozess des Kurwellentroges über Benelux und Ostfrankreich hin zu einem
ausgeprägten CutOff, der am heutigen Abend über Süditalien und der südlichen
Adria wirbelt, wird schließlich ein Rücken bzw. eine Brücke hohen Geopotentials
von der Iberischen Halbinsel bis nach Nordosteuropa gestützt. Gleichzeitig kann
der über dem Atlantik nachstoßende Trog ebenfalls seine Amplitude deutlich
vergrößern, ohne jedoch an Wellenlänge einzubüßen. Insgesamt nimmt die
Verlagerungstendenz der Strukturen spürbar ab, sodass blockierende Verhältnisse
begünstigt sind. Auch bodennah übernimmt zur Geopotentialbrücke korrelierend der
hohe Luftdruck das Kommando über weite Teile Europas. Das Hoch DETLEF, ein
Schwerpunkt der ausgeprägten Hochdruckzone, befindet sich dabei am heutigen
Abend über Polen und dem Baltikum und bestimmt das Wetter nahezu in ganz
Deutschland. Allenfalls im äußersten Norden und im Südosten herrscht nicht nur
eitel Sonnenschein. Im Norden streift das Frontensystems des steuernden Tiefs
bei Island den deutschen Raum. Die WLA sowie die geringen vertikalen
Umlagerungen an der Warmfront sind aber überwiegend nur durch dichtere
Wolkenfelder gekennzeichnet. Der etwas größere Gradient sorgt zudem in
Nordfriesland für einen mäßigen und stark böigen Wind. Im Südosten hat das
abgewanderte Höhentief seine Finger noch im Spiel, indem die feuchtwarme
Mittelmeerluft über die Balkanregion hinweg bis zu uns gelangt. Allerdings
fehlen hierzulande die dynamischen Hebungsantriebe, sodass es bei teils
dichteren Wolken ohne Niederschlag bleibt.
Nur in der Nacht zum Donnerstag könnte die Warnaktivität nochmals geweckt
werden. Denn in der im Süden durch die andauernden Niederschläge der letzten
Tage noch feuchten Grundschicht reicht das nächtliche Auskühlen aus, um
gebietsweise nochmals dichtere Nebelfelder zu erzeugen.
Donnerstag … bleibt der „Status quo“ bei der typischen „High over Low“
Verteilung erhalten. Der Norden wird weiter von kurzwelligen Anteilen gestreift,
die bodennah mit Frontenzügen einhergehen, die aber keine Chancen haben, sich
von den Küstengebieten ins Binnenland vorzuarbeiten. Somit könnte bevorzugt die
nordfriesische Küste von dem einen oder anderen Schauer profitieren. Die nahe
gelegene Frontalzone macht sich dort aber auch ohne Niederschläge durch einen
weiter mäßigen bis frischen und stark böigen wind bemerkbar. Neben dem Norden
kann auch der Südosten weiter von sich behaupten, der Hitze noch wiederstehen zu
können. Das ausgeprägte Höhentief verlagert sich zwar weiter Richtung
Griechenland, dennoch schafft es die auf der Vorderseite nordwärts verfrachtete
feuchtwarme Luftmasse bis nach Bayern und Sachsen. Aufgrund von weiter fehlendem
dynamischen Hebungsantrieb sind ein paar dichtere Quellwolken wohl das höchste
der Gefühle, was die Wetterküche hierzulande abseits der Hitze zu bieten hat.
Überraschungen sind nur im äußersten Südosten nicht ausgeschlossen, wo sich das
vereinzelte Blubbern aus dem Alpenraum vielleicht mal bis ins Berchtesgadener
Land verirren kann. Durch eine etwas labiler geschichtete unteren Troposphäre
sowie mit orographischer Unterstützung sind Schauer und einzelne Gewitter in
Österreich durchaus möglich.
Da die bodennahe Grundschicht auch im Süden zunehmend abtrocknet, wird es nachts
nun auch dort schwer ein Nebelfeld zu erzeugen. Möchte man abwechslungsreicheres
Wetter genießen, sollte man sich nach Südosteuropa orientieren.
Freitag … kann sich die „High over Low“ Verteilung sogar noch weiter
verstärken. Vor allem bodennah plustert sich das Hoch über dem Baltikum so
richtig auf und steht dem etwas schwächer ausgeprägtem tiefem Luftdruck über dem
östlichen Mittelmeerraum entgegen. Gestützt wird das Bodenhoch vom einem weiter
an Amplitude zulegenden Rückens der sich von der Iberischen Halbinsel über
Mitteleuropa hinweg bis nach Skandinavien erstreckt. Kurzwellentröge des
Höhentiefkomplexes über dem Nordatlantik schaffen es mal bis in die
Nordseeregion, werden dann aber rasch nordostwärts nach Norwegen weitergeleitet.
Als Folge sind auch zum Einstieg ins Wochenende noch keine dynamischen
Hebungsantriebe zu verzeichnen, sodass überwiegend Absinken Trumpf bleibt.
Während der Westen bei Temperaturen zwischen 32 und 37 Grad auch weiter den
trocken heißen Sommer „genießen“ kann, wird die Luft im Osten und Südosten
zunehmend wieder feuchter. Über Umwege schafft es die feuchte Luft aus dem
östlichen Mittelmeerraum mit der dominierenden östlichen Strömung bis in die
Südosthälfte von Deutschland, sodass sich die 29 bis 35 Grad schon sehr schwül
anfühlen. Einhergehend kann sich dort etwas hochbasige (1600 bis 2400 m)
Quellbewölkung bilden. In der Südosthälfte steht im Laufe des Tages auch mal
wieder etwas CAPE zur Verfügung, vor allem in der Oberlausitz sind auch schon
recht hohe Werte über 1000 J/kg (nach ICON) zu verzeichnen. Ob es in der
antizyklonalen Umgebung zur Auslösung von Schauern und Gewittern kommt, ist
jedoch bei fehlender dynamischer Hebung mehr als fraglich. Als
Auslösemechanismus kommen daher in erster Linie die Berge in Frage, so dass vor
allem von den östlichen Mittelgebirgen vom Lausitzer Bergland bis zum Bayerwald
sowie in den Alpen das potentielle, konvektive Geschehen ausgeht. Mehr als
einzelne isolierte und kurzlebige Zellen sollten dabei nicht herausspringen.
Im Norden und der Mitte kann man sich dann zurecht fragen, was mit der
nächtlichen Abkühlung falsch läuft. Urlaub in den Tropen ist nun völlig
überbewertet. Tropische Nächte mit Tiefstwerten über 20 Grad stehen ab Freitag
zunächst in Ballungsräumen, im weiteren Verlauf auch in vielen weiteren Regionen
Deutschlands auf dem Programm.
Samstag … weisen die Höhenstrukturen über Europa und dem Atlantik dann
zunehmend eine Omega-Verteilung in Schieflage auf. Dabei wird der Rücken, der
sich von der Iberischen Halbinsel bis nach Osteuropa erstreckt von einem
Langwellentrog über dem Atlantik und dem besagten Höhentief über Südosteuropa,
welches an Kontur verliert und sich langsam zu einem Langwellentrog wandelt, in
die Zange genommen. Die Achse des Rückens verläuft dabei etwa über Frankreich
und den Beneluxstaaten nordostwärts. Bodennah kann sich, getriggert durch den
Höhenrücken, der Schwerpunkt des Hochs vom Baltikum wieder westwärts verschieben
und direkt über die Nordsee legen. Entsprechend der Geopotential- und
Luftdruckverteilungen sind in Mitteleuropa und somit auch in Deutschland
allenfalls im Bodenniveau, auch induziert durch die Hitze, schwache zyklonale
Verhältnisse zu verzeichnen, in der mittleren und höheren Troposphäre bleibt
Antizyklonalität weiter Trumpf. Dynamische Hebungsimpulse sind hierzulande nach
wie vor rar. Allerdings kann sich die feuchtere Luft von Osten her allmählich
über das ganze Land ausbreiten, sodass auch im Westen die Schwüle zunimmt.
Hochbasige Quellbewölkung (1500 bis 2500 m) sollte aber weiter bevorzugt im
Süden und Osten zu finden sein. Auch das CAPE kann weiter zulegen. Die höchsten
Werte werden südlich der Donau mit 500 bis 1500 J/kg, lokal bis 1700 J/kg
prognostiziert. Diabatische Hebungsimpulse (erreichen der Auslösetemperatur bei
leicht labil geschichteter unterer Troposphäre) mit orographischer Unterstützung
lassen die Gewittergefahr vor allem über dem Bergland in Süd- und
Südostdeutschland weiter steigen. Bei PPW bis 26 mm und vernachlässig kleiner
Verlagerungskomponente würde bei der Entwicklung von Gewittern der (heftige)
Starkregen und der Hagel im Fokus stehen. Kleinere Unsicherheiten gehen am
Samstag aber noch von einem schwachen Kaltlufttropfen über Nordpolen aus. Vor
allem das IFS lässt dichtere Wolken und sogar ein paar stärkere
Niederschlagssignale bis in den Nordosten Deutschlands ziehen. Ansonsten bleibt
das Thema Nr. 1 die Hitze. Nahezu landesweit sollen die Temperaturen auf 30 bis
38 Grad steigen. Ausgenommen sind eigentlich nur die direkten Küstengebiete und
die Hochlagen der Berge.
Wer bei noch recht angenehmen Nachttemperaturen schlafen möchte, sollte sich ins
Auto setzen und nach Bayern, ins südliche Baden-Württemberg oder ins höhere
Bergland fahren. Dort sind noch Tiefstwerte von 13 bis 17 Grad möglich, sonst
wird es bei 18 bis 22 Grad doch eher ungemütlich.

Modellvergleich und -einschätzung

Die unterschiedlichen Globalmodelle simulieren die großskaligen synoptischen
Strukturen vergleichbar. Erst zum Wochenende gibt es im Detail geringe
Abweichungen. Beim IFS kann der am Samstag von Westen aufkommende, zu den
Britischen Inseln steuernde Trog etwas mehr vom Rücken abknappern und diesen
leicht südostwärts verschieben, sodass dessen Achse über Deutschland liegt. Der
Trog vorderseitige Hebungsantrieb kann nachfolgend bis nahe an den Rhein
herankommen, sodass in diesem Fall auch im Bereich der Vogesen und des
Schwarzwaldes Schauer und Gewitter nicht ausgeschlossen wären. Zudem ist der
Kaltlufttropfen über Nordpolen und dem Baltikum beim IFS etwas stärker
ausgeprägt, was die intensivere Wetteraktivität erklärt.

Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Lars Kirchhübel