SXEU31 DWAV SYNOPTISCHE UEBERSICHT KURZFRIST

SXEU31 DWAV 190800

S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T K U R Z F R I S T
ausgegeben am Donnerstag, den 19.03.2020 um 08 UTC

GWL und markante Wettererscheinungen:
Übergang von Wa am Freitag zu HFa

Zunächst keine markanten Wetterereignisse.
Ab Freitagnachmittag im Süden örtlich Gewitter mit Starkregen und kleinem Hagel.

Am Samstag im östlichen Mittelgebirgsraum Schnee möglich, in der Nacht zum
Sonntag dann im Süden örtlich Schnee bis in tiefere Lagen mit Glättebildung.

Synoptische Entwicklung bis Samstag 24 UTC

Donnerstag… Deutschland liegt im Randbereich eines abgeschlossenen Höhenhochs
über Österreich, das langsam zum nordwestlichen Balkan wandert. Am Boden wird
damit eine Hochdruckzone gestützt, die vom Balkan über das südliche Mitteleuropa
bis zum Raum Azoren reicht, wo sich ein kräftiger Höhenrücken befindet. Dabei
ist in der Mitte und im Süden die eingeströmt sehr milde Luftmasse wirksam,
wobei nach Norden hin einige Wolkenfelder ŽstörenŽ während es ganz im Süden
meist sonnig ist. Im Norden ist eine leicht schleifende Kaltfront mit Wolken und
etwas Regen wirksam, die im Tagesverlauf geringfügig nach Süden vorankommt. Der
korrespondierende, wenig hebungsaktive Höhentrog wandert bis zum Abend nach
Schottland (konfluenter Trogausgang!). Dahinter schiebt sich ein Höhenrücken zum
Seegebiet südlich von Island vor, der ein neues Hoch westlich von Schottland
stützt. Von diesem breitet sich ein flacher Keil hinter der Kaltfront zum
deutschen Küstengebiet aus. Damit bleibt heute der Gradient aufgefächert, so
dass der Wind meist schwach unterwegs ist.
Es ist sehr mild, im Süden ungewöhnlich mild mit Werten zwischen 15 Grad im
nördlichen Mittelgebirgsraum und 21 Grad örtlich am Alpenrand und in Südbaden.
Im Norden ist es mit 9 Grad an der Nordsee und 14 Grad nach Süden hin merklich
kühler.
In der Nacht zum Freitag schwenkt der oben beschriebene Höhentrog zur Nordsee
und Rückseitig verstärkt sich der Höhenkeil westlich von Schottland. Dort
intensiviert sich auch das Bodenhoch. Damit wird die Kaltfront mit einem auf
Nordost drehendem Wind langsam zum Nordrand der Mittelgebirge gedrückt, so dass
es nördlich der ŽAnafrontŽ vom Münsterland bis nach Brandenburg örtlich etwas
regnet. In der Südhälfte ist es locker und ganz im Süden gering bewölkt. Hier
kann sich wieder örtlich Nebel bilden. Die Tiefstwerte liegen ganz im Süden und
im äußersten Norden, wo es allmählich aufgeht, um 2 Grad mit Bodenfrostgefahr
und ansonsten gibt es erneut Tiefstwerte zwischen 7 und 4 Grad. Der Wind ist
meist nur schwach und dreht an der Ostsee auf nordwestliche Richtungen.

Freitag… schwenkt der Randtrog von der Nordsee bis Tagesende nach
Norddeutschland und gleichzeitig wandert der Rücken langsam ostwärts zur
nördlichen Nordsee und bei Schottland spaltet sich ein Höhenhoch ab, welches das
Bodenhoch vor Südnorwegen stützt (Großwetterlage nun „HFa“). Die über der Mitte
Deutschlands liegende Kaltfront wird noch etwas nach Süden gedrückt und zum
Tagesende erreicht sie etwa das nördliche Süddeutschland. Postfrontal sinken in
T850 hPa die Temperaturen auf 0 Grad an der Mainlinie und bis -8 Grad auf Rügen.
Mit der Front gehen erneut nur leichte Regenfälle einher, die hauptsächlich die
Mitte betreffen.

Über Süddeutschland wird die eingeströmte recht feuchte und ungewöhnlich milde
Luft im Tagesverlauf labilisiert, was nicht nur mit der Tageserwärmung zusammen
hängt sondern auch der Tatsache geschuldet ist, dass der äußerste Süden auf die
Vorderseite eins kleinen Höhentiefs, das von den Westalpen zum Tessin zieht,
gerät.
Damit ŽspringenŽ zum ersten Mal in diesem Jahr die Gewitterindizes an mit
CAPE-Werten über 300 J/kg, Lapse-Rates unter -0,7 K/100m und PPW-Werten bis 18
mm (jeweils lokale Maxima). Damit simulieren ICON/CD2 etwa südlich der Alb und
im Südschwarzwald lokale Gewitter, die mit Starkregen einhergehen können
(CD2/Euro4). Dies liegt daran, dass der Gradient in der Troposphäre recht gering
ist und entsprechend die Gewitterzellen langsam ziehen. Selbst Unwettermengen
können nicht ganz ausgeschlossen werden.
Die Höchstwerte erreichen im Süden nochmals 18 bis 20 Grad, in der Mitte 13 bis
17 Grad und im Norden nur noch 8 bis 12 Grad. Der Wind frischt etwas auf und
dreht auf Nordost bis Nord.

In der Nacht zum Samstag gehen die Temperaturen auf -1 Grad örtlich in Norden,
wo es aufklart, und +7 Grad im bewölkten Südbaden zurück. Leichte Schneefälle
sind in der 2. Nachthälfte vor allem im nördlichen und östlichen
Mittelgebirgsraum möglich.

Samstag… zieht der o. e. Höhentrog von Norddeutschland zur Mitte
Deutschlands, wo sich in 500 hPa sogar ein kleines Höhentief abspaltet.
Rückseitig wandert das Höhenhoch zum Seegebiet vor Südnorwegen und damit
verstärkt sich das Bodenhoch über Skandinavien auf 1040 hPa. An der Südflanke
des Hochs wird die Kaltfront langsam zu den Alpen gedrückt, wo die Temperaturen
in 850 hPa aber zum Tagesende noch knapp über null Grad liegen. Im Nordosten
liegen aber bereits die Temperaturen zwischen -5 und -8 Grad. Damit können die
Niederschläge im Mittelgebirgsraum oberhalb 300 bis 600 m in Schnee übergehen.
Größere Mengen kommen dabei aber nicht zusammen. Meist liegen die
Niederschlagsmengen zwischen 2 und 8 mm innerhalb von 12 Stunden und nur in
Staulagen um 10 mm. Unterhalb von 700 m dürfte aber tagsüber der Boden zu warm
sein, als dass stärkere Glätte auftritt. Darüber ist aber sehr wohl eine dünne
Neuschneedecke möglich.

In der Nacht zum Samstag könnte sich die Glättesituation in der Südhälfte dann
verschärfen, denn gebietsweise schneit es bis in tiefere Lagen. Die Tiefstwerte
liegen zwischen +2 Grad in Südbaden sowie teils an der See und -5 Grad im
östlichen Mittelgebirgsraum.

Modellvergleich und -einschätzung

Die externen Modelle simulieren die großräumige Entwicklung recht ähnlich.

Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Olaf Pels Leusden