SYNOPTISCHE UEBERSICHT MITTELFRIST

S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T M I T T E L F R I S T
ausgegeben am Dienstag, den 17.03.2020 um 10.30 UTC

Am Wochenende vorübergehend leicht unbeständig und kühler. Danach wieder
Hochdruckeinfluss bei für die Jahreszeit üblichen Temperaturen.

Synoptische Entwicklung bis zum Dienstag, den 24.03.2020

Nach der wochenlang andauernden Westwetterlage hat sich nun das
Zirkulationsregime umgestellt. Dabei wurde die Westwetterdrift durch von Rücken
gestützte Hochdruckgebiete über West- und Mitteleuropa unterbrochen und die
Frontalzone nach Norden verschoben. In der Mittelfrist setzt sich der
Hochdruckeinfluss über Deutschland meist fort, kleine „Nebengeräusche“ sind aber
zu verzeichnen.

Zum Beginn des Mittelfristzeitraums am Freitag ist der Hochdruckeinfluss über
Deutschland bereits nicht mehr ganz „astrein“. Der sich bis nach Island
aufwölbende Rücken, der ein Hoch mit Zentrum nordöstlich von Schottland stützt,
wird durch ein Höhentief vor der Küste Portugals unterlaufen. Dieses ist
verbunden mit einem Tiefdrucksystem, dessen Ausläufer quer über Deutschland
liegen. Sie trennen feuchtmilde Luftmassen im Süden (T850 hPa 3 bis 7 Grad) von
kühlerer und trockenerer Luft nördlich davon (T850 hPa -3 bis 0 Grad).

Bis zum Samstag schwenkt dann ein Randtrog von der Nordsee über
Nordostdeutschland nach Polen durch, gleichzeitig wandert der Rücken nach Osten
weiter und erreicht Norwegen. Das korrespondierende Hoch gelangt dadurch nach
Skandinavien (Großwetterlage „HNFa“). Die über der Mitte Deutschlands vorhandene
Luftmassengrenze wird nach Süden gedrückt und die kalte Luft kann weite Teile
Deutschlands fluten. Die T850 hPa sinken auf 0 Grad im Südwesten bis -10 Grad im
Nordosten. Es sei angemerkt, dass sich die -10 Grad-Isotherme fast im gesamten
Winter geziert hat, Deutschland einen Besuch abzustatten.

Bis zum Montag schiebt sich der Rücken nach Russland, ein ihm nachfolgender
Randtrog hat keinen Einfluss auf das mitteleuropäische Wetter. Vielmehr wölbt
sich vom Atlantik ein neuer Rücken auf, der mehr und mehr eine
West-Ost-Komponente bekommt und dessen Achse Montagmittag eine Line Atlantik –
Britische Inseln – Südnorwegen – Baltikum einnimmt. Dieser neue kräftige Rücken
lässt das Bodenhoch von Skandinavien nach Polen weiterziehen (Großwetterlage
„HM“). Dabei kann wieder etwas mildere Luft mit T850 hPa von -3 Grad im Osten
bis 3 Grad im Westen bei uns Fuß fassen.

Am Dienstag bildet sich aus dem Rücken heraus ein neuer Schwerpunkt über den
Britischen Inseln, während der Rücken selber ein wenig nach Südosten Boden gut
macht. So entwickelt sich am Boden ein neues Hoch über den Britischen Inseln,
das verbunden mit dem von Polen nach Südwestrussland ziehenden Hoch eine Brücke
baut („BM“). Die T850 hPa pendeln sich auf -3 Grad im Südosten bis 5 Grad im
Nordwesten ein.

In der erweiterten Mittelfrist ab Mittwoch wird das Höhenhoch über den
Britischen Inseln das zentrale Element. Es stützt weiterhin hohen Druck an
selber Stelle, durch den sich auffüllenden Rücken stürzt aber die Brücke ein
(„HB“). Deutschland liegt an der Südostflanke des Hochs, wobei ein Ausläufer
eines Tiefs über der Barentssee langsam nach Süden vordringt. Die T850 hPa
bewegen sich dann um 0 Grad.

Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs

Die Konsistenz des heutigen 0 UTC-Laufs im Vergleich zum gestrigen 0 UTC-Lauf
ist nur bis zum Samstag noch gut. Danach tropft bei gestrigen 0 UTC-Lauf aus dem
über Nordostdeutschland laufenden Randtrog ein Höhentief über Frankreich ab, das
noch länger Verbindung hält mit dem Trogresiduum. Das hätte Süddeutschland
längeren Tiefdruckeinfluss und mehr Niederschläge gebracht. Nachfolgend
simulieren die beiden Läufe ab Dienstag wieder ähnlicher. Zwischen dem heutigen
0 UTC- und dem gestrigen 12 UTC-Lauf werden die Unterschiede erst ab
Montag/Dienstag größer. Dabei wurde der Rücken gestern noch rascher abgebaut und
drang auch nicht so weit nach Osten vor. Die schwächere Brücke sollte sich
dadurch schneller auflösen und die Großwetterlage „HM“ schneller eintreten.
Großartigen Einfluss auf die Niederschlags- oder Temperaturentwicklungen haben
diese Vorgänge aber nicht.

Vergleich mit anderen globalen Modellen

ICON und GFS haben ab Sonntag ein Höhenhoch über der Nordsee im Programm. Bei
ICON resultiert daraus am Boden ein Hoch dem Baltikum und Südwestrussland. Die
von EZMW gebrachten Übergänge von „HNFa“ über „HM“ und „BM“ zu „HB“ finden
deshalb gar nicht erst statt, für das Wetter bei uns ist dies allerdings kaum
von Belang. Beim GFS bildet sich statt über dem Baltikum ein Hoch über
Südskandinavien und der Ostsee. Der Südosten von Deutschland würde somit in den
Einflussbereich eines (Höhen-) Tiefs über dem zentralen Mittelmeer kommen. Aus
Osten würde dann sehr kalte Kontinentalluft einfließen, im Südosten werden in
T850 hPa sogar -12 Grad simuliert. Auch danach verläuft die Entwicklung völlig
konträr zum EZMW. Das Höhentief soll sich dem GFS zufolge über Mitteleuropa
platzieren, während das EZMW ja auf ein Hoch über den Britischen Inseln setzt.
GEM dagegen ähnelt in den meisten Zügen stark dem EZMW. NAVGEM folgt der
EZMW-Linie nur bis zum Samstag. Am Sonntag bringt es einen Randtrog über den
Britischen Inseln ins Spiel, der ein Tief über der Nordsee „füttert“. Danach
simuliert NAVGEM einen nach Frankreich aufwölbenden Rücken mit einem Bodenhoch
dort. Die T850 hPa würden in Deutschland zwischen 0 und 4 Grad liegen.

Bewertung der Ensemblevorhersagen

Die Rauchfahnen des EZMW-Ensembles zeigen bis zum Freitag (T850 hPa) bzw. bis
zum Samstag (Geopot 500 hPa) einen engen Verlauf. Danach öffnen sich die Kurven,
ein großer Teil der Schar bleibt aber wie Haupt- und Kontrolllauf im Median.
Dieser spiegelt jeweils gut den oben dargestellten Verlauf wider. Es fällt zudem
auf, dass die recht großen Temperaturunterschiede über Deutschland am Samstag
auch von den Ensembles wiedergegeben werden. Niederschlagssignale sind meist
dünn gesät, am ehesten gibt es Niederschläge am Freitag und Samstag in der Mitte
und im Süden. Dadurch bestätigt das Ensemble die obigen Hauptlaufaussagen.

Die Clusteranalyse liefert für Sonntag (0 UTC) bis Dienstag (0 UTC) 6 Cluster,
die bis auf eine Ausnahme alle dem „Blocking“-Regime zugeordnet werden. Die
Cluster lassen keine größeren Zweifel am sich vom Atlantik nach Skandinavien
aufwölbenden Rücken zu, wenn man mal von den naturgemäß kleineren Unterschieden
im Detail absieht. Von Mittwoch (0 UTC) bis Freitag (0 UTC) werden 3 Cluster
analysiert. Auch in diesen Clustern ist mehrheitlich das „Blocking“ vertreten.
C2, in dem sich auch Haupt- und Kontrolllauf befinden, gibt den obigen Verlauf
wider. Bei C1 und C3 überwiegt in Deutschland ebenfalls der Hochdruckeinfluss,
die Schwerpunkte der Hochdruckgebiete variieren allerdings. In keinem Cluster
wird der Einfluss des durchaus vorhandenen Tiefs über dem zentralen Mittelmeer
auf Deutschland stärker betont.

FAZIT: Am Freitag und Samstag wird der über die Mittelfrist vorherrschende
Hochdruckeinfluss durch einen Randtrog bzw. einer über Deutschland von der Mitte
in den Süden ziehenden Luftmassengrenze noch gestört. Dahinter strömt
vorübergehend deutlich kühlere Luft ein, im Nordosten sinkt die T850 hPa sogar
auf -10 Grad. Ab Sonntag bzw. spätestens ab Montag setzt sich der
Hochdruckeinfluss aber wieder durch, wobei die Temperaturen neuerlich etwas
steigen. Wo sich die Hochschwerpunkte dann bilden, ist noch nicht klar. Damit
sind auch die Temperaturvorhersagen nicht eindeutig, wahrscheinlich bewegen wir
uns auf einem für die Jahreszeit üblichen oder leicht überdurchschnittlichen
Niveau. Das von GFS gebrachte Szenario mit sehr kalter Luft in der nächsten
Woche erscheint aufgrund seines Alleinstellungsmerkmals jedoch unwahrscheinlich.

Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen

EFI gibt keine Hinweise auf markante Wetterentwicklungen.

In einigen Ensembles finden sich für Samstag aber geringe Wahrscheinlichkeiten
für markante Schneefälle mit Mengen um 10 cm in den Hochlagen des Bayerischen
Waldes und der Alpen.

Zudem werden am Samstag und Sonntag gewisse Wahrscheinlichkeiten für stürmische
Böen an der Nordsee und im höheren Bergland angezeigt.

Basis für Mittelfristvorhersage
EZMW, EZWM-ENS, MOSMIX

VBZ Offenbach / Dipl. Met. Simon Trippler