SYNOPTISCHE UEBERSICHT MITTELFRIST

S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T M I T T E L F R I S T
ausgegeben am Montag, den 16.03.2020 um 10.30 UTC

Überwiegend ruhige, häufig auch freundliche Witterung, ab dem Wochenende mit
Nachtfrost und örtlich Schnee.

Synoptische Entwicklung bis zum Montag, den 23.03.2020

Zu Beginn des mittelfristigen Zeitraums am kommenden Donnerstag beginnt, nach
Leseart des deterministischen Modelllaufs des IFS, ein Kurzwellentrog über dem
Ostatlantik südwärts abtropfen. Das entstehende Höhentief verlagert sich in der
Folge Richtung Iberische Halbinsel. Dabei stützt dieses bis Freitagabend den
Rücken über Mitteleuropa nachhaltig, indem sich dieser mit aller Macht dem
Langwellentrog über Nordeuropa entgegenstellt. Dabei gerät die quasi stationäre
Frontalzone bei leicht antizyklonalen Strömungsverhältnissen unter Absinken und
verliert an Wetteraktivität. Allenfalls über der nördlichen Mitte sowie anfangs
im Norden simuliert der aktuelle Hauptlauf am Donnerstag und Freitag ein paar
Spritzer.

Zum Samstag liegt das nun eigenständige Höhentief vor der Westküste der
Iberischen Halbinsel und stärkt dabei vorderseitig weiter den Rücken, der unter
Verkürzung der Wellenlänge sich von Frankreich zu den Britischen Inseln
ausdehnen kann. Deutschland würde demnach auf dessen Ostflanke in dem
Einflussbereich eines markanten Kurzwellentroges geraten, der von der Nordsee
südwärts über dem Land hinwegschwenkt. In das Spiel greift dann auch ein kleines
Höhentief ein, welches zuvor unscheinbar über Sardinien wirbelte, in der Folge
aber allmählich nordwärts wandert, um in der Nacht zum Sonntag schließlich vom
Kurwellentrog wieder eingefangen zu werden. Auf seinem Weg nach Norden kräftigt
sich das Höhentief und ist dann auch am Boden durch ein Tief gekennzeichnet.
Zusammen mit der Kaltfront, die in den markanten Höhentrog eingebettet ist,
sorgen diese für Hebungsprozesse, sodass am Samstag und in der Nacht zum Sonntag
die Niederschlagsneigung und -intensität zunimmt. Da sich auf der Ostflanke des
beschriebenen Rückens gleichzeitig ein starken und großräumiges Bodenhoch
breitmacht und sich am Samstag mit Zentrum über die Südspitze Norwegens legt,
kann Deutschland von Nordosten mit kalter Luft geflutet werden. Sollen die
Temperaturen in 850 hPa am Donnerstag noch zwischen -3 Grad an der dänischen
Grenze und +7 Grad im Südwesten liegen, sind es nach IFS am Sonntagmorgen -11
Grad an der Oder und -1 Grad im Breisgau. Entsprechend findet bei den
Niederschlägen zunehmend die Umwandlung der Phase hin zu festen Anteilen statt.

Am Sonntag kann sich der Höhenrücken weiter nach Osten bis in den Ostseeraum
ausdehnen, sodass sich auch der Schwerpunkt des Bodenhochs ebenfalls in die
Ostseeregion verlagert. Nachfolgend dreht die über Deutschland überwiegend
antizyklonal geprägte Strömung allmählich auf eine südöstliche Komponente.
Gleichermaßen bildet sich ausgehend von dem markanten Trog, der am Sonntag am
Alpenrand liegt, bis zur Iberischen Halbinseln eine Zone tiefen Geopotentials,
die nach derzeitigen Berechnungen über zwei Drehzentren, über Ostfrankreich und
über Südspanien, verfügt. Die Folge ist, dass die Luftmassengrenze an bzw. im
Alpenraum zu schleifen beginnt, sodass südlich der Donau bis zum Mittelmeer bei
hochreichend leichten zyklonalen Verhältnissen weitere Niederschläge zu erwarten
wären. Im restlichen Deutschland dürfte dagegen freundliches Hochdruckwetter
vorherrschen.

Bis Mittwoch kann sich der Rücken, ausgehend vom Nordostatlantik noch weiter
verstärken und nach Osten ausdehnen, um schließlich über dem Nord-Ostseeraum ein
eigenständiges Höhenhoch zu bilden. Das korrelierende Bodenhoch verlagert sich
dabei nach Osteuropa, sodass Deutschland zunehmend auf die Rückseite des Hochs
gelangt. Die Zone tiefen Geopotentials wird entsprechend nach Süden abgedrängt
und verliert auch an Struktur. Der stärkere Ast mit zwei Höhentiefkernen über
Südosteuropa sorgt von der Adria bis zum Schwarzen Meer sowie südlich davon für
unbeständiges Wetter. Über Deutschland bleibt hoher Luftdruck Trumpf, wobei mit
Verlagerung des Hochs nach Osten wieder deutlich mildere Luft von Westen und
Südwesten ins Land geführt wird. Am Dienstag sollen demnach die Temperaturen auf
850 hPa schon wieder zwischen +7 Grad im Westen und -5 Grad im Südosten
ansteigen.

Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs

Der heutige 00 UTC Lauf des IFS zeigt bis einschließlich Freitag eine gute
Konsistenz zu den vergangenen Hauptläufen. Geringe Unterschiede gibt es nur bei
der Lage des Höhentief über dem Ostatlantik sowie dem genauen Verlauf der
Frontalzone.
Am Samstag und Sonntag nimmt die Variabilität zwischen den deterministischen
Prognosen zu. Im Vergleich zu den Vorläufen zeigt der aktuelle Lauf über der
Iberischen Halbinsel schon ein eigenständiges, weiter nach Süden verschobenes,
aber nicht so intensives Höhentief. Das korrelierende Bodentief kann sich dabei
teils bis in den zentralen Mittelmeerraum ausdehnen und sorgt dafür, dass
bodennah über Mitteleuropa nun eine recht glatte, östliche Strömung vorliegt.
Der stärker gerechnete Höhentrog, der am Boden mit einer Kaltfront verknüpft
ist, sorgt nach Leseart des aktuellen Laufs für kräftigere und weiter nach
Westen reichende Niederschläge.
Ab Montag nimmt die Konsistenz wieder etwas zu, wobei die Lage des Höhentiefs
über Südwesteuropa weiter unterschiedliche simuliert wird. Im Vergleich zum
gestrigen Lauf ist bodennah weiter eher eine östliche anstatt einer
nordöstlichen Strömungskomponente zu verzeichnen. Im Verlauf gelangt Deutschland
nun schneller auf die Rückseite des Bodenhochs, sodass die Strömung auf Südost
bis Süd dreht.

Vergleich mit anderen globalen Modellen

Die deterministischen Modellläufe weiterer Globalmodelle (GFS, ICON, GEM, UKMO)
zeigen bis einschließlich Samstag grundsätzlich vergleichbare Luftdruck- und
Geopotentialstrukturen. Unterschiede gibt es bevorzugt bei der
Entwicklungsgeschwindigkeit sowie der genauen Ausprägung der Gebilde.

Der Hauptlauf des IFS lässt den Trog am Wochenende im Vergleich zum ICON und GFS
schneller südwärts durchschwenken. Noch rascher ist nur das UKMO unterwegs. Bei
der Ausprägung des Troges selber, sind GFS und IFS sowie GEM und ICON ähnlich
veranlagt. Auffällig ist zudem, dass das GFS sowohl das Hoch über Südnorwegen
als auch das Tief über der Iberischen Halbinsel im Vergleich zu allen anderen
Modellen am intensivsten simuliert.

Ab Sonntag steigen die Unterschiede zwischen den Modellen im Detail deutlich an,
wobei die Grundstrukturen weiter recht ähnlich berechnet werden. ICON zeigt
beispielsweise den Vorstoß eines Kurzwellentroges über dem Ostatlantik nach
Süden, den so die anderen Modelle nicht im Programm haben. Dagegen lassen IFS
und GFS zwischen dem markanten Kurzwellentrog über Osteuropa und dem Höhentief
über der Iberischen Halbinsel ein weiteres Höhentief zu. Bei GFS soll sich
dieses von England bis nach Norddeutschland erstrecken, während es beim IFS
recht kleinräumig daherkommt und über dem Dreiländereck Schweiz, Frankreich und
Deutschland wirbelt. Die Lage des Höhentiefs bzw. des Troges ist jedoch für die
Niederschlagsentwicklung in Deutschland von großer Bedeutung. Nach IFS (ECMWF)
sind nur im Süden des Landes Niederschläge zu erwarten, nach Leseart des
deutschen ICON müsste wohl nirgend mit nennenswerten Regen- bzw. Schneemengen
gerechnet werden. Bei GFS würde der Schwerpunkt der Niederschläge nordwärts
verschoben wohl über der Mitte des Landes liegen.

Zu Beginn der neuen Woche wird dann auch die bis dahin vergleichbare
Grundstruktur zunehmend erschüttert bzw. aufgegeben. Während bei ICON und IFS
bei überwiegend antizyklonale Strömungskonturen weiter hoher Luftdruck das
Wetter bestimmt, lässt GFS einen neuen Trog in die Nordsee wandern. Trog
vorderseitige Hebung würde dann im Norden und Nordwesten für Regen sorgen.
Insgesamt lassen IFS und ICON die freundliche und meist trockene Witterung
länger anhalten. Gleichzeitig beschreibt das IFS den Kaltluftvorstoß am
intensivsten und ICON am schwächsten.

Bewertung der Ensemblevorhersagen

Die Rauchfahnen diverser deutscher Städte zeigen bei einem geringen Spread
mittelfristig nur am Donnerstag eine hohe Vorhersagegüte. Schon ab Freitag
spreizt sich das ENS landesweit auf. Grundsätzlich geht der Trend gestützt durch
die Mehrzahl der ENS-Member hin zu kälteren und leicht unbeständigen
Witterungsbedingungen. In der Südwesthälfte gibt es sogar Hinweise aus dem ENS
für kaum zurückgehende Temperaturen auf 850 hPa. Insgesamt ist spätestens ab
Samstag bei einem Spread bei der 850 hPa Temperatur von über 12 Grad kaum eine
seriöse Vorhersage dieses Parameters möglich. Beim Geopotential spreizt sich das
ENS erst ab Sonntag signifikant auf und lässt dann auch nur noch schwer eine
sinnvolle Prognose zu. Auffällig ist zudem, dass die Mehrzahl der Member im
Vergleich zu Haupt- und Kontrolllauf ein höheres Geopotential auf 500 hPa
ausweisen. Die Unsicherheiten bei der Temperatur und auch beim Geopotential ab
dem Wochenende spiegeln sich schließlich auch beim Niederschlag wider. Über alle
Regionen des Landes gibt es von einzelnen ENS-Mitgliedern Hinweise auf
ordentliche Niederschläge. Signifikant sind diese jedoch bevorzugt im Süden und
Teilen Ostdeutschlands. Die Meteogramme stützen die Prognosen der Rauchfahnen,
indem sich die Box-Plots ab Freitag deutlich strecken.

Die Clusteranalyse des IFS-ENS zeigt für den Zeitraum +72 bis +96h insgesamt
drei Cluster, um die Unsicherheiten im Geopotential- und Luftdruckfeld zu
beschreiben. Das stärkste erste Cluster umfasst dabei 23 Repräsentanten und
zugleich auch den Haupt- sowie Kontrolllauf. Zusammen mit Cluster 2 mit 15
Member zeigt es grundsätzlich vergleichbare Strukturen und wechselt zum Ende des
Zeitraums vom Schema einer positiven NAO hin zu blockierenden Verhältnissen. Die
Unterschiede dieser Cluster sind sehr gering. Cluster 2 beschreibt den
Abtropfprozess des Kurzwellentroges über dem Ostatlantik etwas weiter nach Osten
verschoben, sodass auch die Frontalzone über Mitteleuropa geringfügig weiter
nördlich liegt. Cluster 3 bleibt bei dem Schema einer positiven NAO, zeigt
insgesamt schwächer ausgeprägte Geopotential- und Luftdruckgebilde inklusive
abtropfendem Kurzwellentrog.
Auch im Zeitraum +120 bis 168h werden weiter drei Cluster benötigt, um die
Unsicherheiten ausreichend zu erklären. Dabei sind die ersten drei Cluster
nahezu gleichverteilt und können, mit einer kleinen Ausnahme zum Ende des
Zeitraums bei Cluster 3, alle in das Schema einer blickenden Wetterlage
einordnet werden. Da sich in diesem Zeitraum die Cluster teilweise deutlich
unterscheiden, wird die Prognosegüte weiter gesenkt. Das Cluster 1, mit Haupt-
und Kontrolllauf, zeigt einen markanten Trog sowie ein vergleichsweise südlich
liegendes Höhentief im Bereich der Iberischen Halbinsel. Bei Cluster 2 ist der
Trog analog zu ICON weniger markant und insgesamt auch bei der Verlagerung etwas
langsamer. Das Höhentief liegt dagegen nördlicher, als bei Cluster 1. Cluster 3
beschreibt eine zu GEM ähnliche Entwicklung. Der Trog ist kaum konturiert und
weiter nach Osten verschoben. Deutschland würde demnach rasch außerhalb des
Einflussbereiches liegen. Auch die Kaltluftzufuhr würde weniger stark ausfallen.
Dieses Szenario zeigt die freundlichste und wärmste Entwicklung.
In der erweiterten Mittelfrist von +192 bis +240h werden vier Cluster benötigt,
um die Unterschiede im Geopotential- und Luftdruckfeld zu beschreiben. Cluster 1
bis 3 zeigen dabei über weite Teile des Zeitraums noch blockierende
Strömungsverhältnisse. Cluster 4 wechselt dagegen rasch zurück in das Schema
einer positiven NAO hin zu einer Westwetterlage, wobei die Frontalzone erneut
über dem Norden des Landes bzw. über der südlichen Nordsee liegen würde. Vor
allem Cluster 2 steht dagegen für eine freundliche und trockene
Witterungsperiode. Nach Cluster 1 könnte lediglich der Westen ein paar Störungen
abbekommen. Cluster 3 beschreibt dagegen konträre Verhältnisse, da sich bei
diesem Szenario ein Trog über Mitteleuropa festsetzen soll. Alles ist also
möglich, wobei die Mehrzahl der ENS-Member zu einer eher ruhigen Witterungsphase
tendiert.

Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen

Aus Sicht der Probabilistik gibt es lediglich am Samstag an der Küste sowie am
Sonntag bevorzugt in den Hochlagen der südwestdeutschen Mittelgebirge geringe
Wahrscheinlichkeiten für stürmische Böen. Zudem gibt es am Samstag schwache
Hinweise für markante Neuschneemengen in den Hochlagen des Harzes.

Der EFI zeigt anfangs noch leicht überdurchschnittliche Temperaturen. Ansonsten
gibt aber auch dieses Maß kein Signal für markante Wettererscheinungen.

Basis für Mittelfristvorhersage
EZ-EPS, ICON-EPS, aufgrund der Unsicherheiten ab Samstag sind keine einzelnen
deterministischen Modelle für die Vorhersage zu empfehlen.

VBZ Offenbach / Dipl. Met. Lars Kirchhübel