SXEU31 DWAV SYNOPTISCHE UEBERSICHT KURZFRIST

SXEU31 DWAV 080800

S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T K U R Z F R I S T
ausgegeben am Sonntag, den 08.03.2020 um 08 UTC

GWL und markante Wettererscheinungen:
GWL Übergang zu Wz
Tiefdruckgeprägte Kurzfrist. Montag Höhentrog, vereinzelt Gewitter. Zum Dienstag
Aufgleitniederschläge, Gefahr von Dauerregen im Südwesten. Nachts unsicher Lage
der wellenden Kaltfront, geringe Dauerregengefahr im Stau im Westen.
Auffrischender Wind, Sturm vornehmlich im Bergland und an der See.

Synoptische Entwicklung bis Dienstag 24 UTC

Sonntag… gelangt Deutschland auf die Vorderseite eines neuen Langwellentroges.
Damit verbunden ist ein umfangreiches Bodentief über dem Nordmeer mit Kerndruck
unter 975 hPa. Die Warmfront des Tiefs hat in den Morgen- und Vormittagsstunden
Deutschland überquert, sodass der Vorhersageraum in den schmalen Warmsektor
gelangt ist. Die Kaltfront greift dann bereits in den Nachmittagsstunden auf den
Westen und Nordwesten über und überquert das Bundesgebiet schließlich in der
Nacht auf Montag.

Mit der Warmfront sind vor allem dichte Wolkenfelder verbunden, aus denen aber
kaum Niederschlag fällt. Auch im Warmsektor selbst machen sich die Wolkenlücken
eher rar. Am freundlichsten wird es allgemein in den Leegebieten der
Mittelgebirge (südwestliche Anströmung. Zudem erreicht die Aufgleitbewölkung die
Lausitz zuletzt, sodass es dort in der ersten Tageshälfte noch länger sonnig
ist. Ausgehend von den Alpen etwa ausgreifend bis zur Donau, kann die Sonne
häufig längere Zeit scheinen. Dort hilft auch die südwestliche Höhenströmung
etwas.

Nennenswerter Niederschlag greift erst mit der Kaltfront auf Deutschland über.
Im Emsland und entlang des Niederrhein beginnt es im Laufe des Nachmittags zu
regnen. Dieser Regen breitet über die Mitte im Laufe der Nacht bis in die
östlichen Landesteile aus. Einzig in der Lausitz sowie im äußersten Südosten
kann es noch meist trocken bleiben. Im Westen und Nordwesten nehmen die
Niederschläge mit der nachfließenden Höhenkaltluft im Laufe der Nacht allmählich
Schauercharakter an. Wenn der Niederschlag in den Morgenstunden den noch kalten
Südosten erreicht, besteht eine geringe Wahrscheinlichkeit für kurzzeitiges
Glatteis in höher gelegenen Bergtälern.

Der Wind frischt im Warmsektor im Tagesverlauf von Westen her auf. Zunächst ist
in den westlichen und nordwestlichen Landesteilen mit Windböen zu rechnen, im
Aachener Raum auch mit einzelnen stürmischen Böen. Zum Nachmittag treten auch in
den mittleren Landesteilen einzelne Windböen auf. Betroffen von den Windböen
sind insbesondere die Leelagen der Mittelgebirge, während in geschützten Lagen
die gelbe Warnschwelle allgemein nicht überschritten wird. An der Nordsee sowie
im höheren Bergland sind stürmische Böen, auf dem Brocken (schwere) Sturmböen zu
erwarten.
Mit Passage der Kaltfront lässt der Wind allgemein wieder deutlich nach.
Entsprechend ist im Laufe der Nacht allgemein nicht mehr mit Windwarnungen zu
rechnen. Nur im Hochschwarzwald kann es zu Sturmböen und auf dem Brocken zu
schweren Sturmböen kommen, ehe in der zweiten Nachthälfte auch dort der Wind
rausgeht.

Abgesehen von der beschriebenen Windentwicklung ist allgemein nicht mit
warnrelevanten Wettererscheinungen zu rechnen. Die Temperatur macht im
Warmsektor tagsüber einen deutlichen Sprung nach oben. So liegen die Höchstwerte
zwischen 8 Grad in Ostbayern und bis 15 Grad am Oberrhein. Nacht bleibt es
häufig frostfrei mit Werten zwischen 7 und 0 Grad. Einzig im äußersten Südosten,
wo es noch länger aufgelockert ist, gibt es leichten Frost. Selbiges gilt für
die Hochlagen der Berge im Osten, Südosten und Süden.

Montag… greift die Achse des nachfolgenden Höhentroges mit seiner
Höhenkaltluft auf Deutschland über. Die Kaltfront des von der Norwegischen See
zur Barentssee ziehenden Tiefs erreicht den äußersten Südosten und zieht
anschließend ostwärts ab. Am Boden setzt sich nachfolgend Zwischenhocheinfluss
durch. Bereits eingangs der Nacht macht sich von Westen wieder kräftige
Warmluftadvektion bemerkbar, welche die vorübergehend eingeflossene Kaltluft
verdrängt. Zum Morgen greift schließlich die Warmfront eines Tiefs bei Island
auf den Westen Deutschlands über und die Temperatur in 850 hPa überschreitet
wieder die 0-Grad Grenze.

Im Osten und Südosten fällt zu Tagesbeginn zunächst noch Regen mit der
abziehenden Kaltfront. Dahinter setzt sich Schauerwetter mit einer rasch
wechselnden Bewölkung durch. Der verantwortliche Trog schwächt sich auf seinem
Weg nach Osten im Tagesverlauf ab. Zudem strömt von Westen her trockene Luft
nach, sodass die Werte an spezifischer Feuchte deutlich zurückgehen.
Entsprechend fallen die Schauer zumeist nur schwach aus. Immerhin liegt die
Gleichgewichtstemperatur bei der Berechnung von aufsteigenden Luftpaketen im
Bereich der Trogachse bei unter -25 Grad. Dies passt gut mit den recht steilen
Lapse Rates überein. Entsprechend besteht durchaus das Potential für das
Auftreten einzelner kurzer Gewitter, wenngleich die Modelle das im direkten
Output nicht zeigen.

An den Alpen fallen staubedingt die Niederschläge etwas intensiver aus. Die
Schauer sind häufiger und teils länger anhaltend. Die Schneefallgrenze sinkt auf
etwa 800 m, sodass in höheren Lagen etwas Neuschnee hinzukommt.

In den Nachtstunden lässt die Schaueraktivität tagesgangbedingt und mit dem
Abziehen des Höhentroges rasch nach. Einzig an den Alpen halten die Schauer noch
etwas länger an.
Im weiteren Verlauf greift von Westen rasch mehrschichtige Bewölkung auf
Deutschland über und erreicht in der zweiten Nachthälfte auch den Osten des
Landes. Regen breitet sich in der zweiten Hälfte der Nacht von Westen und
Nordwesten landeinwärts aus und erreicht in den Morgenstunden die mittleren
Landesteile. Mit den in den positiven Bereich steigenden 850ern steigt die
Schneefallgrenze rasch über 1000 m, sodass auch in den höheren Lagen Regen
fällt.

Der Wind, der tagsüber zumeist keine Warnrelevanz besitzt, frischt im Laufe der
Nacht von Westen kommend auf. Mit der südwestlichen Komponente treten einzelne
Windböen vor allem in den Leelagen der westlichen Mittelgebirge sowie an der
Nordsee auf. In den Hochlagen der Berge kann es stürmische Böen geben, auf dem
Brocken wird zum Morgen die Schwelle zu schweren Sturmböen erreicht.

Die Höchstwerte am Montag erreichen südlich der Donau durch wiederholte Schauer
oft nur 5 bis 9 Grad, auch im Bergland bleibt es einstellig. Sonst werden Maxima
zwischen 10 und 13 Grad erwartet. Nachts kann es vor allem im Südosten, wo die
Aufgleitbewölkung zuletzt ankommt, gebietsweise leichten Frost geben. Dort, wie
auch im Osten gibt es verbreitet Bodenfrost. Am Niederrhein und im Emsland gehen
die Tiefstwerte nicht unter 6 Grad zurück.

Dienstag… überquert die Warmfront des zum Nordmeer ziehenden Bodentiefs
Deutschland ostwärts. Damit gelangen große Teile des Landes in den breiten
Warmsektor. Zum Abend erreicht die Kaltfront des Tiefs den äußersten Nordwesten
und Norden, und kommt in der Nacht nach ICON etwa bis zur Mitte, dann aber durch
stromaufwärtige Wellenbildungen nicht weiter südwärts voran. Damit verbleibt die
Südhälfte auch in der Nacht im Warmsektor.

Der Tag gestaltet sich mit infolge der Warmfront insgesamt grau und regnerisch.
Vor allem in den Südweststaulagen der Mittelgebirge fallen die Niederschläge
länger anhaltend und teils ergiebig aus und halten zum Teil bis in die erste
Nachthälfte auf Mittwoch an. Zwar zeigt ICON gewisse Hinweise auf Dauerregen,
vor allem tagsüber im 12 h Bereich. Allerdings steht die deutsche Modellkette
damit zunächst noch recht allein da. Diese mögliche Dauerregenlage für den
Schwarzwald ist also noch als unsicher einzustufen.
Die Niederschläge in der Nacht betreffen vor allem den Bereich der schleifenden
Kaltfront. Dessen Lage ist allerdings noch recht unsicher. So wird diese von der
deutschen Modellkette recht weit südlich vorhergesagt, sodass auch eine
Dauerregenlage für Teile der westlichen Mittelgebirge nicht ausgeschlossen
werden kann. Bei EZ liegt die Kaltfront ein wenig weiter nördlich, beim GFS
verläuft sie ganz im Norden. Entsprechend lässt sich dahingehend noch keine
klare Aussage treffen.

Der Wind nimmt deutlich an Fahrt auf. Es muss häufiger, wenn auch nicht überall,
mit Windböen am Tage und auch in den Nachtstunden gerechnet werden. Betroffen
sind erneut vornehmlich freie Lagen und Leelagen (Südwestströmung). Im Bergland
und an der Nordsee, nachts zudem an der Ostsee, kann es stürmische Böen geben.
In einzelnen Hochlagen gibt es Sturmböen, auf dem Brocken Bft 11 bis 12. Gerade
ausgangs der Nacht können im Westen in anfälligen Leelagen auch einzelne
stürmische Böen auftreten.

Die Höchstwerte liegen zwischen 7 und 13 Grad, mit den höchsten Werten am
Niederrhein. Nachts verbleiben dort die Tiefstwerte im zweistelligen Bereich.
Aber auch sonst geht die Temperatur nur wenig zurück auf 9 bis 4 Grad.

Modellvergleich und -einschätzung

Zunächst lässt sich im Kurzfristbereich recht große Einigkeit zwischen den
verschiedenen Modellen ausmachen. Erst ausgangs der Kurzfrist, in der Nacht auf
Mittwoch, nehmen die Unsicherheiten bezüglich der Lage der schleifenden
Kaltfront deutlich zu.

Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Marcus Beyer