SXEU31 DWAV SYNOPTISCHE UEBERSICHT KURZFRIST

SXEU31 DWAV 060800

S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T K U R Z F R I S T
ausgegeben am Freitag, den 06.03.2020 um 08 UTC

GWL und markante Wettererscheinungen:
W s (südliche Westlage).

SCHNEE/GLÄTTE:
Heute im Schwarzwald oberhalb 800 m und im Oberallgäu ab 1000 m mehr als 10 cm
Neuschnee innerhalb von 12 Stunden. In der Nacht zum Samstag vor allem im
Westerzgebirge, im Schwarzwald und an den Alpen um 10 cm Neuschnee, im Allgäu
teils mehr. Am Samstag in den Staulagen vom Westerzgebirge, im Bayerischen Wald
und im Allgäu noch einmal um 10 cm Neuschnee. Kann aber als
Einzelfallentscheidung und daher mit „gelb“ abgewarnt werden.

WIND:
Im Süden in Niederungen stürmische Böen (Bft 8), im Alpenvorland Sturmböen Bft
9, im Bergland Sturm- und schwere Sturmböen (Bft 9 bis 10). Auf exponierten
Schwarzwaldgipfeln vorübergehend Böen bis Orkanstärke (Bft 12, 120 – 140 km/h).
Ab Mittag abflauender Wind. In der Nacht zum Samstag vor allem im östlichen
Mittelgebirgsraum und in den Alpen auf Gipfeln stürmische Böen, exponiert
Sturmböen.
Samstag meist windschwach, in der Nacht zum Sonntag auf exponierten Berggipfeln
erneut Sturmböen. Am Sonntag generell Sturmböen in westlichen, nördlichen und
zentralen Mittelgebirgslagen, exponiert schwere Sturmböen. Im Nordwesten und
Westen bis in tiefe Lagen stürmische Böen. In der Nacht zum Montag Sturmböen nur
noch auf exponierten Berggipfeln.

GEWITTER:
Heute im Westen und Südwesten einzelne kurze Gewitter mit Graupel und Böen bis
Bft 9 nicht ausgeschlossen.

DAUERREGEN:
Anfangs im Saarland und im südlichen Rheinland-Pfalz noch Dauerregen.

Synoptische Entwicklung bis Sonntag 24 UTC

Freitag… gelangt Deutschland unter einen breiten Trog, was mit dem Zustrom
maritimer, aber nicht allzu labil geschichteter Polarluft verbunden ist. Ein
kräftiges, in diesen Trog eingelagertes Tief, das aktuell über der Mitte
Deutschlands liegt, wird unter zusehends rascherer Auffüllung in den Nordosten
Deutschlands gesteuert und erreicht gegen Abend das nördlichen Brandenburg.
Folglich kann von einem Starkwindfeld dann nicht mehr so recht die Rede sein.
Anfangs können im südwestdeutschen Bergland und im Alpenvorland noch stürmische
und in freien Lagen einzelne Sturmböen auftreten. Ab Mittag flaut dort der Wind
ab, so dass zum Abend hin Böen bis Sturmstärke auf die Kamm- und Gipfellagen vor
allem der östlichen Mittelgebirge beschränkt sind. Auch der Dauerregen, der
anfangs durch eine um dieses Tief herumgeführte Niederschlagsschleppe zustande
kam, sollte alsbald nachlassen.
Im Bereich des Troges kommt es zu schauerartigen Niederschlägen, die oberhalb
600 und im Tagesverlauf ab etwa 800 m als Schnee fallen. Nennenswerter Neuschnee
(in Staulagen durchaus mehr als 10 cm innerhalb von 12 Stunden) kommt jedoch nur
im Schwarzwald und im Allgäu zusammen. Die Tageshöchsttemperaturen erreichen 3
bis 9 Grad.
In der Nacht zum Samstag weitet sich der über Deutschland liegende Trog über das
westliche Mittelmeer hinaus weiter nach Süden aus. Der nachrückende Bodenkeil,
der nach Südwestdeutschland vorstößt, bewirkt ein Abklingen der Schauer. Mit der
Verlagerung des Bodentiefs nach Polen gelangt die Niederschlagsschleppe
ebenfalls nach Osten, wodurch dann, durch Stau verstärkt, die östlichen
Mittelgebirge und der östliche Alpenrand erfasst werden. An den Alpen, im
Schwarzwald und auch im Stau des Erzgebirges können durchaus um 10 cm Schnee
innerhalb von 12 Stunden zusammenkommen. Bis Samstagfrüh sinkt die
Schneefallgrenze auf etwa 600 m ab. Da zudem im östlichen Mittelgebirgsraum der
Gradient noch recht kräftig ist, können in freien Hochlagen Verwehungen nicht
ganz ausgeschlossen werden. Leichter Frost ist weitgehend auf die Lagen oberhalb
von 600 m beschränkt.

Samstag… verlagert sich der wetterbestimmende Trog in seinem Nordteil nach
Polen, wogegen dessen südlicher Teil über dem westlichen Mittelmeer verbleibt.
Der nachfolgende Keil rückt bis in die Nordsee vor. Warmluftadvektion, die
diesen Keil stützt, setzt über der Norwegischen See an, greift aber in
abgeschwächter Form auch auf den Norden und Westen Deutschlands über. Hierdurch
erfolgt aber erst zum Abend hin im Nordwesten und ganz im Westen ein
Wolkenaufzug.
Zuvor ist ein schwacher Zwischenhochkeil wetterwirksam, wodurch im Tagesverlauf
vor allem im Nordwesten und Westen größere Auflockerungen zustande kommen.
Bedingt durch die nördliche mitteltroposphärische Strömung dauert jedoch die
Stausituation an den Alpen, im Bayerischen Wald und im Erzgebirgsraum noch an,
so dass dort erneut um 10 Zentimeter Neuschnee bei einer auf 800 bis 1000 m (an
den Alpen) ansteigender Schneefallgrenze hinzukommen können. Zudem bleibt
anfangs im Nordosten auch noch ein kräftiger Gradient bestehen, wodurch in
freien Lagen Windböen und in den Kamm- und Gipfellagen der östlichen
Mittelgebirge anfangs auch Sturmböen auftreten können. Bis zum Abend sollte aber
auch dort der Wind abflauen und dann nicht mehr warnrelevant sein. Gegenüber
heute ändern sich die Temperaturen nur wenig.
In der Nacht zum Sonntag greift unter Verkürzung der Wellenlänge von der Nordsee
kommend der Keil auf Deutschland über. Der nachfolgende breite Trog erreicht bis
Sonntagfrüh bereits das Seegebiet unmittelbar westlich der Britischen Inseln.
Warmluftadvektion, die bis weit über die Keilachse hinaus nach Osten vorstößt,
bewirkt von Nordwesten her Druckfall, wodurch der Zwischenhochkeil rasch nach
Südosten, d.h. in den Alpenraum, gedrückt wird. Von Nordwesten legt der Gradient
zu. An der Nordsee können Windböen, in den Kamm- und Gipfellagen der nördlichen
und westlichen Mittelgebirge stürmische Böen aufkommen. Zudem zieht
mehrschichtige Bewölkung auf, Niederschlag fällt vorerst kaum.
Im Süden bleibt die gradientschwache Lage noch bestehen, so dass dort wie auch
im östlichen Mittelgebirgsraum leichter Frost zu erwarten ist. Ansonsten bleibt
es weitgehend frostfrei.

Sonntag… überquert der o.g. Keil rasch das Vorhersagegebiet, gefolgt von einem
markanten Trog, der bis zum Abend bereits auf die Bretagne übergreift. Folglich
stellt sich über Mitteleuropa eine südwestliche Strömung ein, mit welcher sehr
milde Luft advehiert wird. Die Kaltfront, die diesem Trog vorgelagert ist,
greift bei stabiler Schichtung ab Mittag mit skaligen Niederschlägen auf den
Nordwesten und Westen Deutschlands über. Mit der Annäherung und dem Übergreifen
dieser Kaltfront legt der Gradient erneut zu, so dass im Nordwesten und Westen
verbreitet Windböen, in freien Lagen stürmische Böen in den Hochlagen der
westlichen, nördlichen und zentralen Mittelgebirge Sturmböen aufkommen.
Exponiert (Brocken) sind auch schwere Sturmböen möglich.
Zuvor sind im Osten und Süden noch größere Auflockerungen zu erwarten. Am
Alpenrand sind auch längere sonnige Abschnitte vorstellbar. Gegenüber den
Vortagen erfolgt ein Temperaturanstieg auf 8 bis 13 Grad.
In der Nacht zum Montag greift der Trog auf Ostfrankreich über. Die vorgelagerte
Kaltfront erreicht Montagfrüh den äußersten Osten, hängt aber im Süden etwas
zurück. Da Kaltluftadvektion auch auf die präfrontalen Bereiche übergreift, ist
die Wetterwirksamkeit dieser Front relativ gering. Niederschläge, die fernab von
jeglicher Warnrelevanz sind, erfassen dann auch die östlichen Landesteile.
Postfrontal gelangt zusehends labiler geschichtete Luft in den Nordwesten und
Westen Deutschlands. Allerdings zeigt der sich annähernde Trog kaum dynamische
Aktivität, so dass es für die Auslösung der Labilität an Hebung fehlt. Einzelne
kurze Gewitter, die vor allem im Süden mit stürmischen Böen einhergehen können,
sind zwar wenig wahrscheinlich, aber nicht ganz auszuschließen. Abgesehen von
ein paar Alpentälern sollte es sonst weitgehend frostfrei bleiben.

Modellvergleich und -einschätzung

Die vorliegenden Modelle stützen weitgehend die oben beschriebene Entwicklung.
Anhand der synoptischen Basisfelder lassen sich keine prognoserelevanten
Unterschiede finden.

Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Thomas Schumann