S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T M I T T E L F R I S T
ausgegeben am Donnerstag, den 19.09.2019 um 10.30 UTC

Wechselhafte Trogvorderseite mit Zustrom warmer Atlantikluft.

Synoptische Entwicklung bis zum Donnerstag, den 26.09.2019

Am Sonntag liegt über dem Atlantik ein ausgeprägter Langwellentrog, der sich an
den Vortagen durch das Einbinden von Ex-Hurrikan „Humberto“ amplifiziert hat.
Ein weiterer Teiltrog stößt Richtung Biskaya bis zur Iberischen Halbinsel vor.
Trogvorderseitig hat sich ein blockierender Keil aufgebaut, dessen Achse von
Mitteleuropa über das Nordmeer bis nach Grönland negativ geneigt ist. Über
Mitteleuropa wird für die Jahreszeit ungewöhnlich warme Luft mit Ursprung in
Spanien advehiert, die aber nur sehr schwach labil geschichtet ist. Dadurch
reicht die 15 °C- isotherme bis Süddeutschland. In einer „Schliere“ der wärmsten
Luft hat sich eine Konvergenz gebildet, die am Nachmittag gepaart mit einem
schwachen Kurzwellentrog auf den Westen Deutschlands mit schauerartigem Regen
übergreift. Gewitter sind jedoch selten und höchstens eingelagert. Der Rest von
Deutschland wird noch antizyklonal beeinflusst.

Am Montag bildet der von der Biskaya kommende Kurzwellentrog einen Cut-Off in
den Golf von Genua. Dadurch greift auf den Süden etwas kräftigerer Regen
übergreift. Des Weiteren liegt immer noch die Konvergenz über dem Westen
Deutschlands, in der es ebenfalls zu schauerartigem Regen kommt. Sonst dominiert
noch leicht antizyklonaler Einfluss in der alternden spanischen Luftmasse.

Am Dienstag zieht der atlantische Langwellentrog weiter Richtung Großbritannien.
Deutschland gelangt vorderseitig in eine südwestliche Strömung, in der feuchte
Meeresluft herangeführt wird. Der Höhenkeil richtet seine Achse auf und wird
über Skandinavien zwischen einem Osteuropatrog und dem nachfolgenden
Langwellentrog zusammengedrückt, sodass die Höhenströmung über Deutschland
zunehmend zyklonal wird. Eine schwache Kaltfront überquert Deutschland ostwärts,
räumt die spanische Warmluft aus und ersetzt diese durch eine feuchte, etwas
weniger warme Atlantikluftmasse. Im Tagesverlauf greift bereits ein weiteres
okkludiertes Frontensystem auf den Westen über.

Von Mittwoch bis Freitag bildet der Höhenkeil über Skandinavien ein Omega. Der
atlantische Langwellentrog, der durch ein nachfolgendes Atlantiktief wieder
regeneriert wird, gewinnt dadurch nach Osten hin kaum noch an Raum und setzt
sich westlich der Britischen Inseln fest. Deutschland verbleibt auf der
Trogvorderseite in einer südwestlichen Strömung in der warme, aber auch feuchte
Meeresluft herangeführt werden. Vom Langwellentrog ausgehend überqueren immer
wieder schwache Kurzwellentröge teilweise mit Frontresten vor allem den Westen
Deutschlands, sodass sich ein ziemlich zyklonal geprägter, wechselhafter
Witterungscharakter einstellt.

Zum Wochenende hin kommt es dann zum Zusammenbruch des skandinavischen
Höhenkeils, wodurch sich eine recht aktive Südwestlage ergibt.

Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs

Was die Großwetterlage betrifft, so gibt es keine wesentlichen Unterschiede zu
den Vorläufen. Große Unterschiede gibt es jedoch bezüglich der Abfolge der
Kurzwellentröge, die Deutschland im Laufe der Woche beeinflussen. Dies beginnt
bereits am Montag. Der Abtropfprozess wurde nicht von allen Vorläufen
unterstützt. Eine genaue Niederschlagsprognose bleibt also schwierig.

Vergleich mit anderen globalen Modellen

Hier gilt dasselbe, wie bei er Modellkonsistenz. Alle Modelle mit ähnlicher
Großwetterlage, jedoch großen Unterschieden bezüglich der Abfolge der
Kurzwellentröge. GFS rechnet am Montag keinen Cut-Off nach Oberitalien, der Trog
soll hier abgeschwächt über Deutschland ziehen. In ICON ist das Cut-Off-Tief
noch intensiver als im ECMWF. Zum Ende der Woche rechnet GFS mit einer
High-Over-Low-Lage mit einem Skandnavienhoch und schwachen Kaltlufttropfen über
Deutschland.

Bewertung der Ensemblevorhersagen

Die ECMWF-ENS zeigen alle einheitlich einen allgemeinen Temperaturrückgang der
850-hPa-Temperatur auf ein nur noch leichter überdurchschnittliches Nivea ab
Beginn der neuen Woche. Größere Streuung im Geopotenzial und in den
Niederschlägen zeugen von der Unsicherheit bezüglich des Durchgangs von
Kurzwellentrögen. Die GFS-ENS sehen ähnlich aus. Auch die Clusteranalysen
bringen diesbezüglich keinen Hinweisen, da die Lösungen zusammengefasst werden.
Die GFS-ENS sehen ähnlich aus.

Als Fazit lässt sich festhalten, dass die Großwetterlage ziemlich sicher ist. Es
ist von einer wechselhaften Trogvorderseite auszugehen. Dabei fließt eine warm
und feuchte Atlantikluftmasse ein, wodurch die Temperatur in einem mindestens
leicht überdurchschnittlichen Niveau verharrt. Besonders die Nächte werden warm.
Der genaue Ablauf, und genaue Aussagen wann es wo wieviel regnet bleibt jedoch
sehr unsicher.

Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen

Die Lage birgt ein geringes bis mäßiges Potenzial einzelner Gewitter mit
Starkregen. Eine markante Dauerregenlage am Montag am Alpenrand ist möglich,
erscheint derzeit aber eher unwahrscheinlich.

Basis für Mittelfristvorhersage
ECMWF, ab Dienstag ECMWF-ENS

VBZ Offenbach / Dipl. Met. Christian Herold