SYNOPTISCHE UEBERSICHT MITTELFRIST

S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T M I T T E L F R I S T
ausgegeben am Samstag, den 28.03.2020 um 10.30 UTC

Ruhiges, nur im Norden leicht unbeständiges Wetter. Zögerlicher Erwärmung.

Synoptische Entwicklung bis zum Samstag, den 04.04.2020

In der Mittelfrist deuten die Modelle eine Umstellung der Wetterlage an. Dabei
gibt es durchaus Szenarien, die uns den Weg aus dem aktuellen „Tal der Tränen“
bereiten könnte. Damit ist natürlich der „Ausweg“ aus dem zum Teil
spätwinterlich anmutendem Wettercharakter gemeint, der uns in der Kurzfrist und
zu Beginn der Mittefrist noch beschäftigen wird. Allerdings finden sich auch
konträre Berechnungen, die es weiterhin unterkühlt haben wollen. Für Spannung
ist gesorgt!

Am ersten Tag der Mittelfrist, das ist heute der kommende Dienstag, wird unser
Wetter noch maßgeblich durch die blockierende Antizyklone über dem
Nordostatlantik geprägt, von dem ausgehend sich ein Rücken bis nach Mitteleuropa
erstreckt. Am Boden findet sich achsensenkrecht darunter das sich bereist etwas
abschwächende Hoch KEYWAN mit aber immer noch bemerkenswerten knapp 1045 hPa
Kerndruck. Das blockierende Hoch wird im Norden flankiert von der recht glatten
Frontalzone, die von Grönland über Skandinavien bis zur Ostsee reicht. Im Süden
und Osten erstreckt sich ein Trog von der Karasee in einem Bogen über die
Ukraine bis nach Italien, ein Cut-Off über der Biskaya bildet schließlich die
Westspitze der Trogkonfiguration. In Deutschland sorgt der hereinschwenkende
Keil zunächst für eine Wetterberuhigung, die Niederschläge klingen ab und es
setzt sich mehr und mehr die Sonne durch. Der Norden wird im Verlauf aber von
WLA und der Warmfront eines Sturmtiefs bei den Lofoten erfasst, sodass sich die
Bewölkung wieder verdichtet und etwas Sprühregen einsetzt. In der zuvor
eingeflossenen, maritimen Arktikluft (T850 zwischen -5 und -10 Grad) verharren
die Temperaturen meist im einstelligen Bereich. In der Nacht zum Mittwoch tritt
südlich der Wolkenkante flächendeckend leichter bis mäßiger, über Schnee an den
Alpen sowie gebietsweise in Bodennähe sogar strenger Frost auf.

Am Mittwoch schwenkt der Rücken unter Konturverlust zu den Alpen, ihm folgt in
der Nordwestströmung ein flacher Kurzwellentrog. Das mit dem Trog korrelierende
okkludierende Frontensystems des zur Barentssee ziehenden Tiefs kommt bis zur
nördlichen Mittel voran, wird dort aber aufgrund einer weiteren Austrogung und
kräftigen Zyklogenese bei Island an weiterem Voranschreiten gehindert. Während
der Nordhälfte somit ein bewölkter Tag mit gebietsweisen, leichten
Niederschlägen ins Haus steht (bei T850 zwischen -2 und -5 Grad allenfalls in
den nördlichen Mittelgebirgen etwas Schnee, sonst Regen), gestaltet sich das
Wetter in der Südhälfte freundlich und geringfügig wärmer als an den Vortagen
(zweistellige Tmax im Südwesten und Westen). Auch der Nachtfrost schwächt sich
ab und zieht sich im Wesentlichen in die Südhälfte zurück.

In der zweiten Wochenhälfte vollzieht sich die Umstellung der Großwetterlage.
Die blockierende Antizyklone über dem Nordostatlantik wird vollends abgebaut.
Dafür kräftig sich eine hochreichende Antizyklone über Nordostkanada. Stromab
wird der Nordostatlantik zunehmend mit Kaltluft geflutet, die eine umfangreiche,
breit angelegte Austrogung nach sich zieht. Deutschland gelangt auf die
Südflanke des Troges in eine auf West drehende Höhenströmung. Die Nordhälfte
wird dabei von kurzwelligen Troganteilen gestreift, die mit Ausläufern eines
veritablen Orkantiefs über dem Nordmeer korrespondieren. Folglich bleibt das
Wetter dort leicht unbeständig und zeitweise auch recht windig. Weiter nach
Süden dominiert dagegen der antizyklonale Einfluss. Die langsame Erwärmung setzt
sich fort, im Norden durch Advektion maritimer Subpolarluft, im Süden eher durch
adiabatische Prozesse. Es wird Tag für Tag etwa 1-2 Grad wärmer, sodass am
Samstag bereits Höchsttemperaturen zwischen 10 und 15 Grad, im Südwesten auch
darüber erreicht werden. Zu leichten Nachtfrösten kommt es am ehesten noch im
Süden, wobei er sich auch dort immer mehr in höhere Muldenlagen und an die Alpen
zurückzieht.

In der erweiterten Mittelfrist ab Sonntag soll sich der Trog nach IFS-Lesart
nach Osteuropa verschieben. Derweil amplifiziert sich ein neuer Trog über dem
Nordatlantik weiter westlich etwas stärker, sodass sich stromab über
Mitteleuropa ein Rücken aufwölben kann. Mit allmählicher Winddrehung auf Süd bis
Südwest setzt zu Beginn der kommenden Woche und damit später als in den
Vorläufen Advektion subtropischer Luftmassen ein, sodass eine stärkere Erwärmung
auf frühlingshafte Werte erfolgen könnte.

Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs

Der neuste IFS-Modelllauf von 00Z zeigt im Hinblick auf die synoptischen
Basisfelder zunächst kaum Unterschiede zu den Vorläufen. Es stellt sich
insgesamt recht ruhiges, nur in der Nordhälfte zeitweise leicht zyklonal
geprägtes Wetter ein. Die Erwärmung erfolgt nur zögerlich.
Etwas größer werden die Diskrepanzen erst ab Freitag und am Wochenende. Die
beiden gestrigen IFS-Läufe von 00Z und 12Z rechneten noch einen rascheren
Übergang zu einer Südwestlage mit kräftiger Warmluftadvektion schon ab Freitag.
Im heutigen IFS00Z-Lauf geschieht dies verzögert, es stellt sich zunächst die
oben beschriebene (nördliche) Westlage mit einer Hochdruckbrücke über dem
südlichen Mitteleuropa ein. Dadurch kann sich bis zum Wochenende zumindest nach
Norden zu (noch) keine durchgreifende Erwärmung durchsetzen.

Vergleich mit anderen globalen Modellen

Auch die anderen vorliegenden Globalmodelle rechnen bis Freitag keine von IFS
nennenswert abweichende Wetterentwicklung.

Am Wochenende divergieren die Modelle allerdings stärker. IFS nimmt die
antizyklonalste Position ein. Bei GFS und ICON trogt es über Mitteleuropa etwas
stärker aus. Nach GFS käme zumindest der Norden verstärkt unter Trogeinfluss
(unbeständig, an der Küste eventuell gar stürmisch), bei ICON das gesamte Land.
Bei beiden Varianten fiele die Erwärmung noch gedämpfter aus als bei IFS.

In der erweiterten Mittelfrist ist das gesamte Strömungsmuster bei GFS um gut
1500 km nach Westen verschoben. So zieht der Trog aufgrund der stärkeren
Amplifizierung langsamer nach Osten ab, Deutschland verbliebe im Randbereich in
einer nordwestlichen Strömung. Eine Erwärmung erfolgt dabei unter
Hochdruckeinfluss nur in der Südwesthälfte adiabatisch und damit sehr zögerlich.
In der Nordosthälfte bliebe eine Erwärmung zunächst sogar gänzlich aus.

Bewertung der Ensemblevorhersagen

Bis Donnerstag ist der deterministische IFS-Lauf sehr gut in die eng gebündelten
Rauchfahnen für T850 und H500 eingebettet. Der Median der Temperaturen auf 850
hPa erholt sich ganz langsam von -10 bis -5 am Dienstag auf -4 bis +1 Grad am
Donnerstag. Die Rauchfahne des Geopotenzials schwingt in der Nordhälfte leicht,
in der Südhälfte steigt es langsam aber stetig an. Dazu sind
Niederschlagssignale im EPS in der Nordhälfte omnipräsent, in der Südhälfte nur
rudimentär ausgeprägt.

FAZIT 1: Bis Donnerstag ist die Sache klar: Im Norden leicht zyklonales,
unbeständiges Wetter, im Süden dagegen ruhiges, oft freundliches Wetter. Dabei
nur langsame Erwärmung.

Ab Freitag unterstreicht der stark zunehmende Spread sowohl in Temperatur als
auch in Geopotenzial die aufkommenden Unsicherheiten. Vor allem in den
Rauchfahnen des Geopotenzial fällt auf, das einige Member recht stark abstürzen.
Bei der 850-hPa-Temperatur verharren die entsprechenden Member auf konstant
niedrigem Niveau. Die Mehrheit der Member zeigen aber sowohl bei T850 als auch
bei H500 einen sich fortsetzenden, ab Sonntag sich etwas beschleunigenden
Erholungstrend. Der Median von T850 steigt bis Montag an auf +1 (Norden) bis +6
(Südwesten). Der deterministische IFS-Lauf befinden sich noch darüber am
obersten Rand der Verteilung, auch bei H500. Während es der deterministische
Lauf ab Sonntag überwiegend und landesweit trocken lässt, zeigen sich im EPS vor
allem nach Norden zu weiterhin deutliche Niederschlagssignale.
Die GFS-ENS sind bei der Fragestellung „kräftige Erwärmung ab Sonntag oder kühle
Troglage/Trograndlage“ gar völlig unentschieden.

FAZIT 2: Ab dem Wochenende ist die weitere Entwicklung unsicher. Freitag und
Samstag ist die nördliche Westlage (im Süden freundlich, im Norden leicht
unbeständig; weitere, zögerliche Erwärmung) die wahrscheinlichste Variante,
wenngleich eine Troglage (landesweit unbeständig, keine Erwärmung) nicht
ausgeschlossen ist. Mit der kräftigen Erwärmung ab Montag scheint der
deterministische IFS-Lauf etwas forsch zu sein. Auch wenn IFS zuletzt immer mal
einen Trend vorgab, ist eine haltbare Aussage eigentlich noch nicht möglich.

Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen

STURM:
Am Dienstag in exponierten Hochlagen des Schwarzwaldes Sturmböen wahrscheinlich.

Am Donnerstag und Freitag an der Küste Sturmböen (Bft 8-9) gering wahrscheinlich
(IFS-EPS an exponierten Abschnitten 30-50%).

FROST:
In der Nacht zum Mittwoch im Süden und Osten, in der Nacht zum Donnerstag an den
Alpen in Bodennähe stellenweise strenger Frost.
In 2 Metern dort verbreitet mäßiger Frost.

Basis für Mittelfristvorhersage
IFS(EPS+det.), IFS-MIX

VBZ Offenbach / Dipl. Met. Adrian Leyser

SYNOPTISCHE UEBERSICHT MITTELFRIST

S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T M I T T E L F R I S T
ausgegeben am Freitag, den 27.03.2020 um 10.30 UTC

Antizyklonale Nordlage; Übergang zu einer antizyklonalen Nordwestlage. Anfangs
im Bergland Schnee. Für die Jahreszeit deutlich zu kalt.

Synoptische Entwicklung bis zum Freitag, den 03.04.2020

Betrachtet man sich die nordhemispherische Zirkulation zum Beginn des
Mittelfristzeitraums, so sieht man einen sehr stark gestörten Polarwirbel, mit
einem kräftigen Ast über Kanada und einem etwas schwächeren Ast über
Nordosteuropa. Am Rande eines sehr starken Atlantikhochs erreichen die Ausläufer
des Polarwirbels sogar Mitteleuropa. Im weiteren Verlauf setzt über Kanada
deutliche Erwärmung ein, der kanadische Zweig des Polarwirbels wird Richtung
Nordmeer und Grönland verdrängt. Dies hat ab dem nächsten Wochenende
entscheidenden Einfluss auf die Entwicklung einer neuen Witterungsphase in
Mitteleuropa.
Die Lage im Detail:
Am Montag liegt ein ungewöhnlich kräftiges, blockierendes Hoch mit Kerndruck
über 1050 hPa über dem Atlantik und ein stark ausgeprägter Trog über Osteuropa.
Mitteleuropa gelangt dazwischen in eine nördliche bis nordöstliche Strömung.
Dabei wird arktische Kaltluft aus dem Ast des Polarwirbels, der sich über
Skandinavien und der Barentsee befindet, angezapft. In Deutschlands sinkt dabei
die 850-hPa-Temperatur auf Werte von bis zu -13 °C. Im Stau der Alpen fällt noch
etwas Schnee. Sonst zieht der Trog mit der Höhenkaltluft nach Osten ab, sodass
die arktische Luftmasse unter Hochdruckeinfluss gelangt. Letzte Schneeschauer
lassen nach und die Wolken lockern zunehmend auf, sodass in der Nacht zum
Dienstag mit mäßigen, in ungünstigen Mittelgebirgslagen sogar mit strengem Frost
zu rechnen ist.
Bis Mittwoch schwächt sich der Keil über dem Atlantik ab und bildet eine
Hochdruckzone, die von der Labradorsee über den Atlantik reicht und eine Brücke
über Mitteleuropa zu einem schwachen Osteuropahoch schlägt, das sich Rückseitig
des abziehenden Trogs dort etabliert hat. Die Frontalzone liegt dabei weit im
Norden über dem Nordmeer und Nordskandinavien. Über Mitteleuropa kann sich die
eingeflossene arktische Luft durch Warmluftadvektion und durch Absinken unter
der Hochdruckbrücke zunehmend erwärmen (850-hPa-Temperatur -3 bis – 5°C am
Mittwoch). Der Norden wird aber noch von Kurzwellentrögen beeinflusst. Ansonsten
herrscht Hochdruckwetter.
Ab Donnerstag beginnt der beschriebene Umbau der großräumigen Zirkulation. Über
Nordostkanada baut sich ein kräftiges Hoch auf. Ein Ast des Polarwirbels wird
dabei ins Nordmeer verdrängt. Über Grönland fließt arktische Kaltluft in den
Nordatlantik, was zu einer starken Zyklogenese im Nordmeer führt. Der Nordwesten
gelangt in den Einflussbereich dieses Tiefdruckgebiets, während im Süden noch
eine schwache Hochdruckbrücke vorherrscht.
Am Freitag verbindet sich dann der Nordatlantiktrog mit einem Cut-Off-Tief über
dem mittleren Atlantik, sodass sich eine Langwellentrog mit SW-NO ausgerichteter
Achse bildet. Dem gegenüber steht ein Ostatlantikhoch, das immer noch einen Keil
nach Deutschland schiebt. Die Warmluftadvektion nach Mitteleuropa ist zunächst
noch sehr schwach, da die Südwestströmung auf Grund des Keils nur sehr langsam
in Gang kommt.
Am Wochenende stellt sich dann eine typische Vorderseitenlage ein. Die Achse des
Langwellentroges stellt sich auf, das Tief über dem Atlantik verstärkt sich und
ebenso das Osteuropahoch. Dabei gelangt Deutschland in eine südliche Strömung
wobei sehr warme Mittelmeerluft herangeführt wird. (850 -hPa-Temperatur ~ 8°C).

Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs

Der neue Lauf zeigt bis zum Donnerstag keine wesentlichen Unterschiede zu den
Vorläufen. Ab Ende der Woche nehmen dann die Unsicherheiten zu. Zeigten alte
Läufe noch, dass sich der Nordatlantiktrog über Mitteleuropa ausdehnet, so gibt
es in den neueren Läufen einige Sprünge. Der ECMWF12z-Lauf zeigt gestern noch
ein Hoch über Mitteleuropa und der neue Lauf nun die besprochene Südlage.

Vergleich mit anderen globalen Modellen

Die Modelle sind bis Donnerstag im Wesentlichen alle gleich. Ab Freitag
favorisieren GFS und insbesondere ICON die Trogvariante über Mitteleuropa, wobei
ICON den Trog sehr schnell und auch kräftig nach Mitteleuropa ziehen lässt.

Bewertung der Ensemblevorhersagen

In den Ensemblevorhersagen fällt auf, dass es im Süden Deutschlands einige
wenige Mitglieder gibt, die eine deutlichere Erwärmung zur Mitte der Woche
sehen. Der Großteil ist jedoch auf der kalten Seite. Sonst gibt es bis Freitag
kaum Streuung in ENS-Rauchfahnen. Es tauchen immer wieder einige schwache
Niederschlagssignale auf. Bodennah herrscht zwar überwiegend Hochdruckeinfluss,
aber durch die immer noch dominierenden schwachen Trogverhältnisse in der Höhe
scheint das Wetter nicht ganz so freundlich zu verlaufen, wie es der Hauptlauf
uns glauben macht. Schauer sollten aber selten bleiben.
Ab Freitag gehen dann die Ensembles deutlich auseinander. Zeigten die meisten
Ensembles gestern für das nächste Wochenende noch die Troglage, so geht in den
neueren Ensembles der Trend immer mehr in Richtung hohes Geopotenzial. Dass die
Lage aber noch sehr unsicher ist, zeigen die Cluster-Analysen für das Wochenende
mit insgesamt 5 Clustern, alle mit einer unterschiedlichen Position des Troges.
Als Fazit lässt sich festhalten, dass die Lage bis Freitag einigermaßen sicher
ist, es aber dann am Wochenende zu einer Umstellung der Wetterlage kommt:
Entweder zu einer Troglage, oder zu einer warmen Südlage wobei die Südlage mit
dem neuen Lauf deutlich wahrscheinlicher geworden ist. Es wäre also nicht
verwunderlich, sollte ECMWF hier wieder einen Trend vorgeben, den anderen
Modelle in späteren Läufen folgen.

Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen

In der Nacht zum Montag und am Montag kommt es zu Stauschneefällen an den Alpen.
Ansonsten klart es in der Nacht zum Dienstag vielerorts auf, sodass es in
ungünstigen Lagen an den Alpen, sowie in den Mittelgebirgen zu strengem Frost
bis -11 °C kommen kann.
Sonst bietet die Wetterlage kaum Potenzial für signifikante Wettererscheinungen.

Basis für Mittelfristvorhersage
ECMWF, ab Freitag ECMWF-ENS

VBZ Offenbach / Dipl. Met. Christian Herold.

SYNOPTISCHE UEBERSICHT MITTELFRIST

S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T M I T T E L F R I S T
ausgegeben am Donnerstag, den 26.03.2020 um 10.30 UTC

Mäßig kalter Witterungsabschnitt mit leichten bis mäßigen Nachfrösten, vor allem
an den Alpen sowie im südlichen Alpenvorland auch etwas Schnee. Zeitweise und
regional begrenzt starke bis stürmische Böen.

Synoptische Entwicklung bis zum Donnerstag, den 02.04.2020

Sonntag … wird fast das gesamte Bundesgebiet durch Meeresluft polaren
Ursprungs geflutet. Die dafür verantwortliche Kaltfront erreicht in den
Abendstunden bzw. in der Nacht zum Montag schließlich auch den Alpenrand. Die
Luftmassentemperatur in 850 hPa bewegt sich zunehmend zwischen 0 Grad am
direkten Alpenrand und bereits -11 Grad in den norddeutschen Gebieten. Ein
weiterer Player im Wettergeschehen ist außerdem der nachfolgende, schmal
ausgeprägte Trog, der im Laufe des Tages auf die Nordhälfte übergreift. Als
Hauptdarsteller übernimmt aber zunehmend das sich nordwestlich von Irland
etablierende umfangreiche Bodenhoch das Zepter, sodass sich am Zustrom polarer
Luftmassen zunächst nichts ändern wird. Die durch die Front sowie den
nachfolgenden Trog ausgelösten Niederschläge verlagern sich im Tagesverlauf vom
Norden in den Süden, wobei natürlich auch die Schneephase eine gewichtige Rolle
spielen wird. Die Schneefallgrenze sinkt dabei von Norden her sukzessive bis in
tiefere Lagen, nach Mitternacht muss vor allem noch südlich der Donau mit
Neuschnee gerechnet werden.

Montag … hängt die etwas schleifende Kaltfront im Alpenraum und sorgt dort
sowie im südlichen Alpenvorland für weitere Schneefälle. In den übrigen Gebieten
trocknet die polare Luftmasse unter dem Einfluss des umfangreichen Hochs über
dem Nordostatlantik ab und die Sonne bekommt doch einigen Raum. Mit Hilfe dieser
Einstrahlung steigen auch die Temperaturen über die Marke von 5 Grad hinaus,
während im Süden bei dichten Wolken nur knapp über 0 Grad erreicht werden. In
der Nacht zum Dienstag wird der Frost zum entscheidenden Thema werden, denn die
Rahmenbedingungen lassen eine starke Auskühlung zu. Vielerorts werden Werte
unter -5 Grad erreicht. Der Wind spielt eher eine untergeordnete Rolle, wobei
aber im Südwesten aufgrund der Bisensituation starke Böen, im Schwarzwald
Sturmböen aus Nordost möglich sind.

Dienstag … ist weitgehend noch geprägt durch den Randbereich der Antizyklone
auf dem Nordostatlantik (in Richtung Osteuropa gerichtete Brückensituation).
Allerdings sorgt die schwach ausgeprägte Warmfront eines Tiefs über dem
nördlichen Skandinavien für den Zustrom etwas milderer Luft, wobei T850 im
Norden zunehmend bei -5 Grad liegt, im Süden bei Werten um -7 Grad. Wesentliche
Niederschläge werden mit der Warmfront nicht erwartet, allerdings kann die
Bewölkung vor allem über der Nordhälfte etwas dichter sein. Einhergehend damit
verschiebt sich der Frostschwerpunkt in der Nacht zum Mittwoch in den Süden
(Tiefstwerte erneut um -5 Grad, an den Alpen durchaus tiefer), ganz im Norden
könnte es dagegen frostfrei bleiben.

Mittwoch … liegt weiterhin die Brückensituation vor. Auf dem Atlantik ändert
sich an der Hoch-über-Tief-Lage ebenfalls nur wenig, das skandinavische Tief
zieht weiter in Richtung Finnland. Allerdings gibt es einen Nachfolger: ein vom
Europäischen Nordmeer nach Südschweden ziehendes kleines Sturmtief. Vor allem in
der Nacht zum Donnerstag kann dieses an der Küste für Sturmböen sorgen. Auf der
Vorderseite des Tiefs westlich der Iberischen Halbinsel setzt außerdem im
äußersten Süden leichte Warmluftadvektion ein, Niederschläge sind damit aber
nicht verbunden. Die Frostgefahr ist in der Nacht zum Donnerstag noch nicht
gebannt, vor allem in der Mitte und im Süden.

Donnerstag … gelangt der Norden zunehmend in den Einflussbereich des sich von
Nordeuropa südwärts ausdehnenden Troges, der Süden bleibt bodennah noch im
Einflussbereich der schwachen Hochdruckbrücke. Die Luftmasse ist weiterhin nicht
auf Frühling ausgerichtet: -6 Grad im Norden und um 0 Grad im Süden (850hPa).

Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs

Die letzten Läufe des EZMW sind weitgehend konsistent. Am Rande des sich
nordwestlich von Irland etablierenden Hochs gelangt Meeresluft polaren Ursprungs
nach Deutschland. Diese Luftmasse bestimmt anschließend den Wochenbeginn. Zur
Wochenmitte steigen die Unsicherheiten etwas an: zum einen ist die Stärke und
Position der Tiefs über Nordeuropa fraglich, zum anderen ist auch das Ausmaß der
leichten Warmluftadvektion in den Süden mit einigen Fragezeichen behaftet.

Vergleich mit anderen globalen Modellen

Am Beginn des Mittelfristzeitraums sind die verschiedenen globalen Modelle
weitgehend konsistent, selbst das Verhalten der schleifenden Front am Alpenrand
weist nur mehr kleine zeitliche Unschärfen auf. Zur Wochenmitte ist zum einen
die Position des Tiefdrucksystems über der Iberischen Halbinsel, zum anderen die
genaue Tiefdruckaktivität über Skandinavien von den Modellen unterschiedlich
gerechnet. Besonders bezüglich der Windentwicklungen über dem Norden
Deutschlands sind also noch Unsicherheiten gegeben. Am mäßig kalten
Witterungsabschnitt mit leichten bis mäßigen Nachtfrösten ist aber kaum noch zu
rütteln.

Bewertung der Ensemblevorhersagen

EPS:
Die Rauchfahnen für drei repräsentative Orte in Deutschland zeigen unisono den
starken Abfall der T850 zum Sonntag bzw. in der Nacht zum Montag. Auch an den
Folgetagen ist der Spread der Ensembles nur relativ gering, wobei sich der
Hauptlauf eher am Oberrand der verschiedenen Läufe befindet. Die Unsicherheit
der leichten WLA im Süden zur Wochenmitte bestätigen auch die Ensembles, wobei
auch hier der Hauptlauf eine wärmere Lösung darstellt. Der Schneefall an den
Alpen wird von den Ensembles mitgetragen.

CLUSTER:
+120 … 168h: Es liegen drei Cluster vor, wobei die Member annähernd
gleichverteilt sind. Diesen ist außerdem gemeinsam, dass alle das
Strömungsmuster „Atlantic Ridge“ propagieren. Unsicherheiten bestehen bei der
Ausprägung und der genauen Positionierung des Troges über Mitteleuropa.
+192 … 240h: Ebenfalls drei Cluster, die weiterhin „Atlantic Ridge“ stützen.
Allerdings ergeben sich im Detail doch deutliche Unterschiede: Während Cluster 1
(inkl. Kontrolllauf) umfassenden Trogeinfluss über Mitteleuropa simulieren, sind
die anderen beiden Cluster differenzierter (Trog über Nordosteuropa). Eine
richtige Frühlingswetterlage hat damit kein einziges Cluster im Gepäck.

Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen

SCHNEE:
In der Nacht zum Montag sowie am Montag tagsüber am Alpenrand sowie im
unmittelbar daran angrenzenden Alpenvorland mehr als 10 bis 15 cm in 24 Stunden
wahrscheinlich.

WIND:
Am Montag und Dienstag im Schwarzwald und auf der Schwäbischen Alb einzelne
Sturmböen gering wahrscheinlich. In der Nacht zum Donnerstag und am Donnerstag
tagsüber an der Küste sowie im angrenzenden Binnenland Sturmböen wahrscheinlich.

Basis für Mittelfristvorhersage
EZMW-det; EZMW-prob; MosMix

VBZ Offenbach / Mag.rer.nat. Florian Bilgeri

SYNOPTISCHE UEBERSICHT MITTELFRIST

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ausgegeben am Mittwoch, den 25.03.2020 um 10.30 UTC

Schon wieder ein markanter Kaltlufteinbruch – diesmal sogar mit nennenswertem
Schnee (am ehesten an den Alpen).

Synoptische Entwicklung bis zum Mittwoch, den 01.04.2020

Unterkühlte Temperaturen, knackige Nachtfröste – im Winter würden sich viele
sicherlich darüber freuen. Aber heuer hat man sich doch irgendwie mental schon
auf wärmeres Wetter eingestellt und T-Shirt und kurze Hosen parat gelegt, oder?
Eigentlich fehlt nur noch der Schnee, um die Saison gänzlich ad absurdum zu
führen. Was jetzt wie Sarkasmus klingt, ist leider (mir sei da mal eine Wertung
erlaubt) ernster gemeint, als es vielleicht scheint. Das zeigt der Blick gen
Mittelfrist, wo – im wahrsten Sinne des Wortes – mit Hochdruck an
spätwinterlichem Wetter gearbeitet wird.

Das blockierende Hoch JÜRGEN, das uns den jetzigen Kaltlufteinbruch beschert,
zieht sich am Wochenende zwar hinter den Ural zurück, doch für einen
standesgemäßen Nachfolger ist gesorgt: Massive, meridionale, in Richtung
Labradorsee und Grönland gerichtete WLA lässt eine mächtige Höhenantizyklone mit
Schwerpunkt südwestlich Island entstehen. Am Boden kann sich dadurch quasi
achsensenkrecht ein nicht minder bombastisches Hoch mit dem Namen KEYWAN auf
über 1050 hPa aufpumpen. Zwischen JÜRGEN und KEYWAN stößt als Ausgleich kräftige
KLA vom Europäischen Nordmeer über Skandinavien gen Mittel- und Osteuropa. Die
dadurch forcierte Austrogung zerstört die am Samstag anfangs noch wirksame Hoch-
und Geopotenzialbrücke zwischen JÜRGEN und KEYWAN. Durch die zunehmend positive
Neigung dauert es allerdings eine Zeitlang, bis die Achse Deutschland erreicht.
Das führt auch dazu, dass die vorgelagerte Kaltfront eines Tiefs über der
Barentssee am Samstag zunächst eher flach, antizyklonal und daher wenig
wetterwirksam den Norden Deutschlands erreicht. Am Sonntag allerdings wird sie
dann durch den Trog aktiviert, sodass vor allem über der Mitte und dem Süden
Niederschläge aufkommen. Nach IFS00Z-Lesart bleibt Südost bis Sonntagabend noch
präfrontal (T850 >0 Grad), postfrontal geht T850 in einsickernder maritimer
Arktikluft rasch auf -1 bis -10 Grad zurück. Das bedeutet., dass die
Niederschläge im Süden zunächst zwar bis in die höheren Lagen als Regen fallen,
Richtung zentralen Mittelgebirgsraum (auch begünstigt durch den
Anafront-Charakter) dann aber schnell bis in tiefere Lagen in Schnee übergehen,
inklusive Ausbildung einer dünnen Schneedecke zumindest ab den mittleren Lagen.
Mit Kaltfrontdurchgang ist eine recht kräftige Druckanstiegswelle verbunden,
sodass der auf Nord drehende Wind in Böen vorübergehend stark, eventuell auch
stürmisch auffrischt.

Zu Beginn der kommenden Woche tropft der Trog über Westeuropa wahrscheinlich ab,
die Verlagerung des resultierende Cut-Off ist aber noch recht unsicher. Nach
IFS00Z zieht es von Frankreich über die Biskaya und Nordostspanien vor die Küste
Portugals. Das Trogresiduum schwenkt südostwärts über Deutschland hinweg.
Dahinter streckt KEYWAN seine langen Ärmchen in Form eines Rückens nach
Mitteleuropa, was am Boden zur Ausbildung eines Hochkeils führt. Die Kaltfront
wird dabei zu den Alpen gedrückt, wo sie dann aber durch eine kräftige, durch
das Cut-Off forcierte Zyklogenese über Südwesteuropa zurückgehalten wird. An den
Alpen sowie im angrenzenden Vorland halten die Niederschläge daher noch eine
Zeitlang (bis in den Dienstag hinein) an, auch unterstützt durch eine zunehmende
Staukomponente. 48-stündige Mengen zwischen 10 bis 20, an den Alpen in Staulagen
20 bis 40 mm scheinen im Bereich des Möglichen. Da sich die Arktikluft auch im
Süden durchsetzt (T850 zwischen -6 an den Alpen und, bitte anschnallen, -12 Grad
in Vorpommern) fällt ein größerer Teil davon als Schnee. Markante
Neuschneemengen sind somit nicht nur in oder unmittelbar an den Alpen, sondern
auch im angrenzenden höheren Alpenvorland ins Kalkül zu ziehen. Im übrigen Land
lassen die Niederschläge unter Hochdruckeinfluss rasch nach. Da die Luft durch
das Absinken und den längeren Fetch über das Skandinavische Gebirge hinweg immer
mehr abtrocknet, stehen die Chancen auf längeren Sonnenschein, allerdings auch
wieder mäßige Nachtfröste nicht schlecht.

Zur Wochenmitte sorgt der Keil allgemein für ruhiges Wetter, wobei sich die Luft
in der unteren Troposphäre vor allem nach Süden zu deutlich erholt. Das macht
sich aber allenfalls am Tage durch etwas höhere (immer noch eher kühle) Tmax’e
bemerkbar, die Nächte bleiben verbreitet frostig mit der Gefahr von strengem
Frost über Schnee an den Alpen.

In der erweiterten Mittelfrist deutet vieles auf einen Trogvorstoß Richtung
West- oder Mitteleuropa hin, was wieder unbeständigeres, eher kühles und, je
nach Lage der Trogachse, im höheren Bergland eventuell winterliches Wetter
bedeuten würde.

Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs

IFS rechnet die Entwicklung der Großwetterlage hin zu einer kalten,
vorübergehend auch zyklonalen Nordost- bis Nordlage sehr konsistent. Die
Unschärfen im Timing des von Norden vorstoßenden Troges sind zwischen den
jüngsten Modellsimulationen gering geworden, sodass sich keine nennenswerte
Prognoserelevanz mehr daraus ableiten lässt.
Auch was die Ausbildung einer Hochdruckbrücke zu Beginn der kommenden Woche mit
damit einhergehende Wetterberuhigung und Abtrocknung der Luftmasse, allerdings
auch wieder verbreiteten mäßigen Nachtfrösten angeht, rechnen die letzten
IFS-Läufe recht kongruent.
Etwas weiter laufen die Simulationen in der erweiterten Mittelfrist ab
Wochenmitte auseinander, wenngleich alle Varianten den Übergang zu einer wieder
zyklonaleren Troglage gemein haben.

Vergleich mit anderen globalen Modellen

Nennenswerte Unterschiede zwischen IFS und den anderen betrachteten
Globalmodellen zeigen sich erst zu Beginn der kommenden Woche. Es scheint nicht
ganz klar zu sein, wo und wie der Trog über Westeuropa abtropft, wo sich das
Cut-Off einnistet und wie schnell das Residuum über Deutschland hinwegschwenkt.
NAVGEM sieht es wie IFS, bei GFS, ICON und UKMO bleibt zwischen dem Cut-Off und
dem Residuum dagegen eine Potenzialrinne bestehen, sodass der nachfolgende
Rücken über Nord- und Ostsee liegen bleibt. Dies würde an den Alpen noch etwas
länger anhaltende Niederschläge (Schneefälle) bedeuten, im Rest des Landes eine
stramme Ostströmung (mit teils starken bis stürmischen Böen und nicht zu
vernachlässigendem Windchill), anstatt Wetterberuhigung.
Dies hat natürlich auch einen Einfluss auf den neuerlichen Trogvorstoß ab
Wochenmitte. Bei GFS und ICON wird er durch den Rücken über Nord- und Ostsee
blockiert, dagegen macht sich das Cut-Off wieder auf den Weg nach Nordosten und
könnte Deutschland von Süden und Südwesten her wieder beeinflussen. So oder so,
die Zeichen stehen auf eher leicht unbeständiges Wetter in der erweiterten
Mittelfrist.

Bewertung der Ensemblevorhersagen

Das IFS-EPS bestätigt im Wesentlichen das oben skizzierte, an IFS00Z angelehnte
Szenario.

Die Rauchfahnen von T850 und H500 für ausgewählte deutsche Städte verdeutlichen
den Trogvorstoß am Wochenende (H500 mit Minimum Sonntagabend, Nacht zum Montag)
mit damit einhergehendem Kaltlufteinbruch (T850 im Median im Norden von +3 auf
knapp unter -10 Grad, im Süden von +6 auf knapp über -10 Grad absinkend). Der
Spread ist jeweils ziemlich gering, was auf nur noch geringe Unsicherheiten
bezüglich des Timings des Trog- und Kaltluftvorstoßes hindeutet. Passend zur
Aktivierung der Front flammen die Niederschlagssignale Sonntag und Montag vor
allem im Süden deutlich auf.

Im weiteren Verlauf zu Beginn der kommenden Woche nimmt der Spread zwar etwas
zu. Zumindest bei der Temperatur zeichnet sich aber deutlich ein Cluster ab, in
den auch der deterministische Lauf und der Kontrolllauf eingebettet sind. Dieser
zeigt eine langsame, aber stete Erholung von T850 bis Wochenmitte (Erwärmung
durch Absinken und längeren Fetch über das Skandinavische Gebirge). Bei H500
hält es der Großteil der Member auch wie IFS00Z und sieht einen raschen Anstieg
des Geopotenzials bis einem lokalen Maximum am Dienstag/Mittwoch (Rücken von
KEYMAN mit Achse über Deutschland -> Wetterberuhigung). Andere sehen diesen
Anstieg verzögert und schwächer (Trogresiduum verharrt über Deutschland ->
GFS/ICON-Szenario).

Für den Zeitraum +72-96h (Sa-So) werden 5 Cluster angeboten, die alle eine
Regime-Transformation von „Blocking“ zu „Atlantik Ridge“ vollziehen (KEYWAN
übernimmt das Zepter). 4 Cluster (46/51 Member) unterscheiden sich fast
überhaupt nicht, bei einem Cluster (5/51 Member) läuft der Trog weiter östlich
ab, sodass Deutschland zunächst nur gestreift wird.
Im Zeitraum +120-168h (Mo-Mi) schrumpft das EPS auf 4 Cluster, die alle in der
Klasse „Atlantik Ridge“ verharren. Bei Cluster 1 und 3 (29/51, inklusive det.
Lauf) zieht das Trogresiduum rasch ab, sodass sich der nachfolgende Rücken
durchsetzen kann (Wetterberuhigung), bei Cluster 2 und 4 bleibt eine
Potenzialrinne über Deutschland erhalten, die nachfolgend sogar regeneriert wird
(sei es durch den sich wieder annähernden Cut-Off oder den neu von Nordwesten
hereinstoßenden Trog -> GFS/ICON-Szenario).

FAZIT: Der Kaltlufteinbruch am Wochenende bis zu Wochenbeginn ist in Sack und
Tüten.
Unklar ist, ob sich danach landesweit eine (vorübergehende) Wetterberuhigung
durchsetzt oder ob die Potenzial-Rinne respektive das Cut-Off den unbeständigen
und windigen Wettercharakter ein Stück weit am Leben hält.

Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen

EFI:
Der EFI unterstreicht den Kaltlufteinbruch mit Höhepunkt am Montag. EFI liegt
für die 2-m-Temperatur zwischen -0.5 und -0.6.
Signale für eine Windlage gibt es am Sonntag an den Küsten und ganz im
Nordwesten (EFI 0.5-0.6), am Montag ganz im Südwesten (EFI<0.5, aber SOT >0.3).
Für ungewöhnliche Niederschlagsmengen springt der EFI in geringem Maße für den
Alpenrand am Sonntag an (EFI 0.5, SOT>0.3).

STURM:
Am Sonntag rechnen alle vorliegenden probabilistischen Modelle mit geringen
Wahrscheinlichkeiten für stürmische Böen (Bft 8) an den Küsten und ganz im
Nordwesten.
Am Montag simuliert das IFS-EPS mit geringen Wahrscheinlichkeiten für stürmische
Böen (Bft 8) im Südwesten („Bise“).
Bis Wochenmitte geringe Wahrscheinlichkeiten für Sturmböen (Bft 8-9) in
Kammlagen der süddeutschen Mittelgebirge und der Alpen.

SCHNEE:
Beginnend ab der Nacht zum Montag bis Montagabend haben sowohl das COSMO-LEPS
als auch das IFS-EPS leicht erhöhte Wahrscheinlichkeiten (10-30%) für markante
Neuschneemengen (>15 cm/24 h) für den unmittelbaren Alpenrand im Programm. Bis
in das südliche Alpenvorland werden Wahrscheinlichkeiten zwischen 30 und 60% für
Neuschneemengen >10 cm/24 h simuliert. Ansonsten beschränken sich Signale für
nennenswerten, warnwürdigen Schnee (>5 cm/24 h) auf höhere Lagen der
Mittelgebirge (insbesondere der östlichen).

Basis für Mittelfristvorhersage
IFS (det.+EPS), IFS-MIX

VBZ Offenbach / Dipl. Met. Adrian Leyser

SYNOPTISCHE UEBERSICHT MITTELFRIST

S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T M I T T E L F R I S T
ausgegeben am Montag, den 23.03.2020 um 10.30 UTC

Übergang zu einer antizyklonalen Nord- bis Nordostlage – zunehmend leicht
unbeständig und für die Jahreszeit zu
kalt.

Synoptische Entwicklung bis zum Montag, den 30.03.2020

Betrachtet man sich den Polarwirbel im gesamten Mittelfristzeitraum, so wird
dieser zunehmend gestört, sodass in der nordhemispherischen Zirkulation
meridionale Lagen dominieren. So auch am Donnerstag zu Beginn des
Mittelfristzeitraums. Dabei liegt ein Hoch über dem Atlantik, dass eine Brücke
über die Nordsee – Dänemark und dem Baltikum zu einem Osteuropahoch schlägt. Die
Frontalzone wird dadurch weit nach Norden bis abgedrängt und verläuft über
Skandinavien. In den Mittelmeerraum ist ein großräumiges Cut-Off-Tief
abgetropft, das mit polarer Kaltluft angereichert ist. Somit ergibt sich über
Mitteleuropa eine nicht ganz klassische High-over-Low-Lage. Wobei der die
Nordhälfte Deutschlands antizyklonal beeinflusst wird. Über Süddeutschland
ziehen jedoch dichte Wolkenfelder, die vom südeuropäischen Cut-Off-Tief von
Osten herangeführt werden.

Am Freitag beginnt sich die Wetterlage umzustellen: Das Atlantikhoch wölbt sich
zunehmend Richtung Grönland auf, wodurch sich stromabwärts ein Trog Entwickelt,
der Richtung Groß Britannien vorstößt. Die Hochdruckbrücke wird dadurch
geschwächt und nach Süden gedrückt. Durch das Absinken in der Hochdruckbrücke
kann sich die Luft bis auf 3 °C in 850-hPa über Deutschland erwärmen.

Auch das Cut-Off-Tief über dem Mittelmeer beginnt zu schwächeln und zerfällt in
der Höhe in zwei Teiltiefs. Das stärkere setzt sich über dem östlichen
Mittelmeerraum fest, während ein schwächerer Kaltlufttropfen Richtung Spanien
zieht.

Am Samstag kräftigt sich das Atlantikhoch weiter, wodurch sich die Austrogung
über Westeuropa fortsetzt, sodass der Trogkontakt zu dem Kaltlufttropfen über
Spanien aufnimmt. An der Ostflanke des Hochs dreht die Bodenströmung über West-
und Mitteleuropa auf Nord, wobei subpolare Luft herangeführt wird.

Ab Sonntag weitet sich vom Atlantikhoch ausgehend ein Keil Richtung Skandinavien
aus, sodass die Trogachse immer mehr in Südwest-Nordostrichtung kippt. Die
Strömung dreht dabei über Mitteleuropa auf Nordost. Dabei wird trockene
arktische Kaltluft aus dem Polarwirbel angezapft, die am Montag auch den Norden
und die Mitte Deutschlands mit 850-hPa-Temperaturen bis -10 °C flutet.

Am Dienstag bildet der Trog dann einen Cut-Off westlich der Iberischen
Halbinsel, während sich über Mitteleuropa eine neue aber diesmal sehr schwache
Hochdruckbrücke liegt, die gegen Mitte der Woche von einem von Nordwesten
hereinschwenkenden Trog wieder abgebaut wird. Dabei herrschen weiterhin
arktische Luftmassen vor.

Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs

Bis Freitag zeigen sich keine wesentlichen Unterschiede zu den Vorläufen.
Unterschiede bestehen bezüglich der Austrogung am Wochenende. Die Stoßrichtung
des Troges schein von Lauf zu Lauf stärker zu variieren. Dadurch scheint die
Position des nachfolgenden Cut-Off-Tiefs unsicher. In den älteren Läufen setzte
dieser deutlich weiter östlich an, wodurch die arktische Kaltluft weiter
zurückgehalten wurde und nur das nördliche Mitteleuropa gestreift hat.

Vergleich mit anderen globalen Modellen

Ab Freitag nehmen auch die Unterschiede zu den anderen Modellen zu:
Fraglich ist schon die Position des Kaltlufttropfens, der vom Mittelmeertief
abgetropft ist. Im GFS zieht dieses nicht nach Spanien, wie im ECMWF, sondern
über Frankreich nordwärts. Im ICON verstärkt sich dieser Kaltlufttropfen und
setzt sich über der Biskaya fest, während ein weiterer, kleiner Kaltlufttropfen
auf den Osten Deutschlands übergreift.
Im weiteren Verlauf favorisiert GFS einen weit nördlichen Vorstoß der arktischen
Kaltluft, wobei der Norden Deutschlands an der Südflanke einer Hochdruckbrücke
über Südskandinavien nur von ihr gestreift wird.

Bewertung der Ensemblevorhersagen

Bis Freitag herrscht in den Ensembles noch eine weitestgehend geringe Streuung.
Erst ab dem Wochenende nimmt die Streuung deutlich zu. Dies geht mit
Unsicherheiten bezüglich des Trogvorstoßes einher. Die 850-hPa-Temperaturen
zeigen ab Sonntag zwar alle einen Abwärtstrend, dieser ist aber unterschiedlich
stark ausgeprägt und auch zeitlich verschoben. Unsicherheiten gibt es auch
bezüglich der Niederschläge, die jedoch in den meisten ENS-Mitgliedern sehr
gering ausfallen. Zeigte sich gestern in den 0z-Ensembles noch eine Bifurkation
zwischen wärmeren und kälteren Läufen im erweiterten Mittefristbereich, so
sprangen in den gestrigen 12z-Ensembles die meisten Läufe auf die kalte
Variante, die auch durch die neunen Ensembles bestätigt wurde. Ähnlich sehen es
auch die GFS-Ensembles, wobei der Hauptlauf zu den etwas wärmeren Mitgliedern
gehört. Ab dem neuen Monat gleiten die GFS-Ensembles dann fast völlig ins Chaos
ab.

Als Fazit lässt sich festhalten, dass die Erwärmung zum Samstag relativ sicher
scheint. Danach bestehen aber sehr große Unsicherheiten bezüglich eines
Cut-Off-Prozesses über Westeuropa, der darüber entscheidet, ob uns nochmals
arktische Kaltluft erreicht. Nach den neusten Läufen ist es zumindest
Wahrscheinlich, dass uns ab Sonntag ein mäßiger mit geringer Wahrscheinlichkeit
auch ein starker Kaltlufteinbruch bevorsteht. Einigkeit besteht in den relativ
geringen Niederschlagsmengen, die ab Sonntag im Bergland als Schnee fallen
würden.

Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen

Am Donnerstag und in der Nacht zum Freitag ist böhmischer Wind mit stürmischen
Böen oder einzelnen Sturmböen zunächst am Bayerischen Wald, später auch im
Erzgebirge und in der Lausitz zu erwarten.

Sonst bietet die Wetterlage kaum Potenzial für signifikante Wettererscheinungen.

Basis für Mittelfristvorhersage
ECMWF, ab Samstag ECMWF-ENS

VBZ Offenbach / Dipl. Met. Christian Herold