SYNOPTISCHE UEBERSICHT MITTELFRIST

S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T M I T T E L F R I S T ausgegeben am Montag, den 24.06.2019 um 10.30 UTC

Erste Hitzewelle des Jahres mit Höchsttemperaturen bis weit über 35 Grad.

Synoptische Entwicklung bis zum Montag, den 01.07.2019

Am Donnerstag liegt Deutschland unter der Nordostflanke eines Höhenkeils, der
sich vom westlichen Mittelmeer zu den Britischen Inseln erstreckt. Durch diesen
Keil wird eine Hochbrücke gestützt, die von Schottland südlich an Island vorbei
bis in den mittleren Nordatlantik reicht. Die Frontalzone verläuft über Island
und Südskandinavien hinweg zu den Baltischen Staaten. Ein darin eingelagerter
kräftiger Trog gelangt nach Westrussland. Die Kaltfront des
korrespondierenden
kräftigen Bodentiefs überquert die Mitte Deutschlands und erreicht am Freitag
den Süden. Während am Donnerstag in den tieferen Lagen Südwest- und Süddeutschlands Höchsttemperaturen deutlich über 35 Grad erreicht werden, wird
es am Freitag mit Temperaturmaxima etwas über 30 Grad dort nicht mehr ganz so
heiß. Im Norden und Nordosten macht sich das Ausfließen kühlerer Luft aus dem
Hoch über der Nordsee bemerkbar, so dass dort Maxima um 25 Grad zu erwarten sind. Am Freitag weitet sich der Höhenkeil eher noch etwas nach Norden aus, was
die nordwestliche Strömung eher noch etwas aufsteilen lässt und die Kaltfront
somit über die Alpen hinweg südwärts drückt.
Am Samstag verschiebt sich das Zirkulationsmuster ein wenig nach Osten, wodurch
der Zustrom mäßig warmer Luft von der Nordsee her versiegt. Daher dürften die
Temperaturen erneut ansteigen, wobei am Sonntag, wenn der Keil unter Abflachung
und Verkürzung der Wellenlänge Deutschland überquert, ein weiterer Höhepunkt der
Hitze erreicht wird. In tieferen Lagen Südwest- und Süddeutschlands sind dann
wieder Temperaturmaxima deutlich über 35 Grad vorstellbar. Allerdings greift ein
breiter Trog auf den nahen Ostatlantik und die Britischen Inseln über, der zu
Wochenbeginn eine Zonalisierung einleitet. Dabei bildet sich hinsichtlich der
Temperaturen ein ausgeprägtes Nord-Süd-Gefälle heraus, das auch im erweiterten
mittelfristigen Vorhersagezeitraum Bestand hat. Dies geht mit einem zunehmend
wechselhaften Wettercharakter einher, so dass im Norden häufiger Schauer zu erwarten sind und im Süden die Gewitterneigung zunimmt. Eine Schwergewitterlage
zeichnet sich jedoch nicht ab. Während im Norden je nach Bewölkung die Temperaturen durchaus unter der 20 Grad-Marke verbleiben können, sind im Süden
weiterhin Maxima um bzw. über 30, in tieferen Lagen Südwest- und Süddeutschlands
zur Wochenmitte hin auch wieder über 35 Grad zu erwarten.

Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs

Bis einschließlich Sonntag ist der aktuelle Lauf gegenüber den beiden gestrigen
Modellläufen weitgehend konsistent. Prognoserelevante Unterschiede sind bis dahin nicht erkennbar.
Am Montag wird die Zonalisierung deutlicher und rascher simuliert als dies bei
den beiden Vorläufen der Fall war. Als Ergebnis liegen die Temperaturen im 850
hPa-Niveau über dem Norden und der Mitte Deutschlands etwa 10 Grad tiefer als
vom gestrigen Modellauf noch angenommen wurde. Im erweiterten mittelfristigen
Vorhersagezeitraum gleichen sich die Prognosen jedoch wieder an.

Vergleich mit anderen globalen Modellen

Bis einschließlich Samstag ergeben sich hinsichtlich der synoptischen Basisfelder keine prognoserelevanten Unterschiede zwischen den verfügbaren Modellen. Am Sonntag zeigt ICON den über Deutschland hinweg nach Osten schwenkenden Keil noch am kräftigsten, wogegen die anderen Modelle wie auch EZMW
diesen Keil rasch abflachen lassen.
Im erweiterten mittelfristigen Vorhersagezeitraum ergibt sich dann wieder ein
weitgehend ähnliches Bild mit einer relativ weit nördlich ansetzenden Zonalisierung.

Bewertung der Ensemblevorhersagen

Das EPS des GFS stützt die oben beschriebene Entwicklung. Auch hier lässt sich
die Zonalisierung zum Monatswechsel ableiten. Damit geht mit einem Temperaturrückgang einher, den der aktuellste Lauf ein wenig ausgeprägter zeigt
als weiter zurückliegende Modellläufe. Auch hier lässt sich anhand der Niederschlagssignale eine zunehmende Unbeständigkeit ableiten. Die ausgeprägten
Niederschlagsignale ab Montag im Süden dürften als Hinweis für eine rege Gewittertätigkeit anzusehen sein.
Auch beim EPS des EZMW stützt die Entwicklung bis in den erweiterten mittelfristigen Vorhersagezeitraum hinein, wenngleich mit schwächeren Niederschlagssignalen als beim EPS des GFS. Allerdings folgen in der Mitte und
im Süden die beiden ungestörten Läufe nicht dem Trend hin zu etwas zurückgehenden Temperaturen. Während mehr als 80 Prozent der Einzellösungen einen eher kräftigeren Keil favorisieren (was der ICON-Version nahekommt) wird
die bereits am Montag einsetzende Zonalisierung neben den Hauptlauf und Kontrolllauf nur von 8 Membern gezeigt. Der Spread ist selbst im erweiterten
mittelfristigen Vorhersagezeitraum vergleichsweise gering.

Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen

Abgesehen von Hitze (mit teils extremer Wärmebelastung und verbreiteten Tropennächten) und hoher UV-Belastung sind vorerst keine markant zu bewarnenden
Wetterereignisse zu erwarten. Erst ab Sonntag nimmt zunächst an den Alpen und
vielleicht auch in den östlichen Mittelgebirgen, danach im gesamten Süden die
Gewitterneigung deutlich zu, ohne dass sich bisher eine ausgewachsene Schwergewitterlage abzeichnet.

Basis für Mittelfristvorhersage

EPS(EZMW) mit Tendenz zu etwas höheren Temperaturen im Süden und in der Mitte
Deutschlands.

VBZ Offenbach / Dipl. Met. Thomas Schumann

SYNOPTISCHE UEBERSICHT MITTELFRIST

S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T M I T T E L F R I S T ausgegeben am Sonntag, den 23.06.2019 um 10.30 UTC

Hitzewellen mit starker bis extremer Wärmebelastung bei nur geringer Gewitterneigung. Ab Donnerstag vorübergehend leichte Abkühlung.

Synoptische Entwicklung bis zum Sonntag, den 30.06.2019

Die für diese Woche angekündigte Hitzewelle findet ihren ersten Höhepunkt wahrscheinlich am ersten Tag der Mittelfrist am kommenden Mittwoch. Als Grundlage dient dem aktuellen EZMW-Lauf von 00 UTC zufolge ein breit aufgewölbter Höhenrücken, der sich von Nordafrika über das westliche und zentrale Mittelmeer bis nach Frankreich, Benelux und bis nach Polen erstreckt.
Bodennah wird dadurch ein Hoch gestützt, dessen Zentrum etwa über dem Baltikum
zu finden ist. Dabei strömt auf der Vorderseite eines hochreichenden Tiefdruckkomplexes über dem nahen Ostatlantik mit südlicher bis südwestlicher
Strömung heiße Luft ein, sodass die T850 hPa am Mittwoch zwischen 15 und 24 Grad
liegen. Mit Ausnahme der direkten Küstengebiete stehen somit deutschlandweit
Temperaturen über 30 Grad ins Haus. Beachtenswert ist, dass MOSMIX im Südwesten
tatsächlich sogar lokal Höchsttemperaturen von 40 Grad vorhersagt, womit der
Juni-Rekord der höchsten Temperatur von 38,5 Grad (gemessen am 27.Juni 1947 in
Bühlertal, Baden-Württemberg) deutlich wackelt und selbst die höchste jemals in
Deutschland erreichte Temperatur von 40,3 Grad (registriert am 5. Juli und am 7.
August 2015 in Kitzingen, Bayern) in Gefahr gerät. Möglicher Saharastaub oder
verminderte Einstrahlung bei hoher Bewölkung könnten die Rekorde aber noch verhindern.

In der zweiten Wochenhälfte ab Donnerstag stellt sich dann zunächst eine leichte
Abkühlung ein, die wir einem vom Nordmeer ausgehenden Trog zu verdanken haben.
Dieser weitet sich immer weiter nach Südosten hin aus und erreicht am Samstag
das Schwarze Meer. Der Höhenrücken weicht dadurch retrograd nach Westen zurück
und somit auch die heiße Luft, die sich dann über der Iberischen Halbinsel, Frankreich und den Britischen Inseln befindet (T850 hPa 20 bis 30 Grad). Im Zuge
dessen bildet sich bodennah eine neue Hochparzelle über der Nordsee, sodass eine
nordwestliche Strömung aufkommt, die insbesondere den Nordosten erfasst. Die
T850 hPa sinken dadurch bis zum Freitag auf 7 Grad im Osten, während im Westen
meist noch 15 Grad und mehr vorherrschen. Freilich bedeuten solche Werte immer
noch schweißtreibende Temperaturen über 30 Grad im Westen, während es im Osten
bei 25 bis 30 Grad leicht kühler bleibt. Darüber hinaus lässt sich im Theta-E-Feld eine stark barokline Luftmassengrenze ausmachen, die quer über Deutschland liegen soll, aber kaum Wetteraktivität entfaltet. Ihr fehlt der dynamische Input (unter dem Rücken gibt es keine Tröge oder Höhentiefs in der
Nähe) und das Absinken des Hochs wirkt ebenfalls hemmend. Die Niederschlagssignale von den Modellen halten sich dementsprechend stark in Grenzen, aber vielleicht kann ja die Orografie das eine oder andere – dann sicherlich starke – Gewitter auslösen.

Am Wochenende bzw. in der erweiterten Mittelfrist ab Montag übernächster Woche
steht ein neuer Hitzehöhepunkt ins Haus. Der osteuropäische Trog zieht allmählich nach Osten weiter und der Rücken kommt nun wieder progressiv voran.
Zusammen mit dem Höhentief über dem Nordostatlantik stellt sich vorübergehend
sogar eine Omega-Wetterlage ein. Jedenfalls macht sich die heiße Luft wieder auf
den Weg nach Osten und damit auch nach Deutschland. Am Sonntag und Montag werden
in 850 hPa Temperaturen von 16 bis 24 Grad erreicht, womit neuerlich verbreitet
30 bis 35 Grad und lokal mehr zu erwarten sind.

Nach derzeitigem Stand könnte die Hitzewelle am kommenden Dienstag mit einem
kräftigem „Wumms“ zuende gehen, denn es droht ein Luftmassenwechsel. Ursache ist
ein Trog, der in die Nordsee zieht und ein Tief nach Skandinavien führt. Die
Kaltfront dieses Tiefs greift im Tagesverlauf von Westen her auf Deutschland
über, angesichts der vorherrschenden heißen Luftmasse ist die Gefahr schwerer
Gewitter hoch.

Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs

Die Konsistenz des aktuellen 00 UTC-Laufs des EZMW zu seinen beiden gestrigen
Vorläufen ist bis zum Samstag sehr hoch, sodass am Vorhersagekonzept kaum etwas
zu ändern ist. Ab Sonntag nehmen die Unterschiede leicht zu, die sich vor allem
in einem kräftigeren Rücken über Mitteleuropa äußern als gestern noch angedacht.
Das Temperaturniveau ist damit ab Sonntag um ca. 4 Kelvin höher als gestern,
womit neuerliche Hitze zu erwarten ist. Die nachfolgende Abkühlung mit dem Durchzug einer Kaltfront eines Tiefs über Skandinavien von Westen her hatten die
gestrigen Vorläufe dann auch rascher im Programm (12 bis 24 Stunden früher).

Vergleich mit anderen globalen Modellen

Genau wie bei den Konsistenzbetrachtungen zeigen sich bei ICON und GFS zunächst
nur geringe Unterschiede, die ab Samstag etwas zunehmen. Beim ICON wölbt sich
der Rücken dann stärker auf und liegt weiter östlich als beim EZMW. Die GFS-Variante ist irgendwo zwischen diesen beiden Lösungen anzusiedeln. Damit
würde die heiße Luft rascher wieder zurückkehren. Ebenso würde der nachfolgende
Trog mit dem neuen Tief über Skandinavien und der Kaltfront schneller folgen und
die Hitze früher beenden. Ein ähnliches Szenario hatten die beiden gestrigen
EZMW-Läufe in petto. GEM schließt sich der Lösung von ICON an. NAVGEM bringt
keine große Abkühlung ab Donnerstag, weil der Trog weiter östlich gerechnet wird. Ab dem Wochenende folgt das Modell der ICON-Lösung (recht früher Durchzug
der Kaltfront).

Bewertung der Ensemblevorhersagen

Die T850 hPa-Rauchfahnen diverser deutscher Städte sind bis zum Mittwoch eng
gebündelt, ab Donnerstag öffnen sie sich. Haupt- und Kontrolllauf liegen dann am
unteren Ende der Schar, womit ein Hinweis gegeben wird, dass die Abkühlung ab
Donnerstag möglicherweise nicht so deutlich ausfällt. Den neuerlichen Hitzehöhepunkt am Sonntag/Montag spiegelt sich ebenso wider, wobei der Hauptlauf
aber nach oben ausreißt, während der Kontrolllauf dagegen recht gut im Median
liegt. Die Geopot 500 hPa-Rauchfahnen sind ebenfalls bis Mittwoch eng gebündelt
und weiten sich dann etwas. Haupt- und Kontrolllauf sind stets gut im Median
eingebettet.

Die Clusteranalyse liefert für Mittwoch bis Freitag 5 Cluster. Der Trog, der
sich vom Nordmeer bis zum Schwarzen Meer erstreckt, wird zum Teil etwas weiter
östlich gerechnet als vom Hauptlauf (in C1). Somit stellt sich erneut die Frage
nach der Nachhaltigkeit der Abkühlung ab Donnerstag. Für Samstag bis Montag existieren 3 Cluster. Sie offenbaren Unterschiede beim neuen für uns relevanten
Trog vom Nordostatlantik. Er wird zeitlich und räumlich mit einigen Differenzen
vorhergesagt, sodass unklar bleibt, wann die Abkühlung nach dem neuen Hitzehöhepunkt kommt.

Fazit: Das heiße bis sehr heiße Wetter bis zum Mittwoch ist kein heißes Eisen
mehr, weil es als sicher anzusehen ist. Hauptthema wird die Jagd nach 40 Grad
und nach möglichen Rekorden sein, Gewitter bleiben größtenteils aus. Ab Donnerstag steht eine Abkühlung ins Haus, deren Nachhaltigkeit aber noch Fragen
aufwirft. Am kommenden Wochenende folgt wahrscheinlich eine neue Hitzewelle bei
nur geringer konvektiver Aktivität. Dass es danach zu einer Abkühlung kommt,
scheint recht wahrscheinlich, die Frage des Zeitpunkts kann aber aus heutiger
Sicht noch nicht zufriedenstellend beantwortet werden.

Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen

EFI gibt an allen Tagen deutliche Hinweise bis 1.0 für
überdurchschnittlich hohe
Temperaturen. Selbst die SOT zeigen Werte bis 1.0 an, was für Rekordtemperaturen
spricht. Die Wärmebelastung ist folglich stark, teilweise auch extrem. Tropische
Nächte tragen ihr Scherflein dazu bei. Etwas kühler bleibt es an den Küsten und
vorübergehend im Norden und Nordosten ab Donnerstag.

Darüber hinaus werden am Mittwoch landesweit und an den anderen Tagen vor allem
im Süden und Südwesten von EFI hohe Werte beim CAPE und beim CAPE-Shear vorhergesagt. Zwar ist die Gewitterneigung gering und hauptsächlich dürften diese sich nur mithilfe der Orografie bilden. Mögliche Gewitter könnten jedoch
(auch unter Berücksichtigung der beteiligten Luftmassen) sehr kräftig ausfallen
und mit den üblichen Begleiterscheinungen Sturm, Hagel und Starkregen einhergehen. Lokal sind dann rasch unwetterartige Entwicklungen möglich.

Basis für Mittelfristvorhersage
MOSMIX, EZMW, EZMW-EPS

VBZ Offenbach / Dipl. Met. Simon Trippler

SYNOPTISCHE UEBERSICHT MITTELFRIST

S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T M I T T E L F R I S T ausgegeben am Freitag, den 21.06.2019 um 10.30 UTC

Hitzewelle mit Höhepunkt voraussichtlich zur Wochenmitte. Dabei vor allem im Südwesten und Westen sehr heiß. Danach leicht ansteigendes Potenzial für Hitzegewitter und von Norden etwas kühler.

Synoptische Entwicklung bis zum Freitag, den 28.06.2019

In der Mittelfrist baut sich eine markante Hitzewelle auf, die ihren Namen endlich auch mal verdient. Unter gebührender Berücksichtigung der noch vorhandenen Unsicherheiten im Hinblick auf Ausprägung und Andauer der Hitzewelle, scheinen über einige Tage hinweg Höchsttemperaturen von verbreitet deutlich über 30, vor allem nach Westen und Südwesten zu auch über 35 Grad ins Haus zu stehen. Schon beinahe zwangsläufig kommt dabei die Frage auf, ob es sogar für 40 Grad und mehr reichen wird. So spannend diese Fragestellung für Statistikfreunde hinsichtlich etwaiger Rekorde oder für Teilnehmer verschiedener
Tipprunden sein mag, für den „Ottonormalverbraucher“ macht es den Braten nicht mehr fett, ob es 38, 39 oder 40 Grad werden. Denn die
Hitzebelastung wird so oder so auch ohne Schwüle ziemlich hoch sein.

Zu Beginn des Mittelfristzeitraums am Montag ist die „Maschinerie“ Richtung Hitze schon in Gang gesetzt. Zwischen Azoren und Biskaya hat sich ein Höhentief eingenistet, das wenig Anstalten macht, seinen angestammten Platz zu verlassen. Auf dessen Vorderseite stützt kräftige WLA einen Rücken, der mit seiner Achse von Afrika über den westlichen Mittelmeerraum nach Mitteleuropa reicht. Von dort
aus „gabelt“ der Rücken in zwei Äste, wobei einer über die Nordsee Richtung Nordmeer, der andere nach Osteuropa gerichtet ist. Dabei wird eine langestreckte
Hochdruckzone vom Seegebiet südlich Island über das Nordmeer und Südskandinavien
bis zum Baltikum gestützt. Deutschland befindet sich dabei in einer östlichen bis südöstlichen Strömung im Zustrom trockener
Kontinentalluft. Die Erwärmung ist überwiegend diabatischer, nicht advektiver Natur, der Ast der niedertroposphärischen Erwärmung befindet sich noch über Westeuropa. Dennoch steigen die Temperaturen in 850 hPa von Nordost nach Südwest auf 12 bis 18 Grad,
was Höchsttemperaturen von verbreitet 30 bis 35 Grad zur Folge hat. Hitzegewitter sind unter dem starken Absinken sehr unwahrscheinlich.

Am Dienstag und Mittwoch schwingt sich die Hitzewelle langsam zu einem Höhepunkt
auf. An der großräumigen Geopotenzialverteilung ändert sich zunächst wenig, allerdings verstärkt sich der Rücken über Mitteleuropa noch etwas. Das Geopotential erreicht außergewöhnlich hohe Werte von teils über 594 gpdam, was einer Anomalie von mehr als 20 gpdam entspricht. Zudem greift die niedertroposphärische WLA von Westeuropa nun doch langsam auf Deutschland über. Der Luftdruck fällt von Südwesten dadurch ein wenig, womit die Strömung etwas mehr Südkomponente erlangt. Die Temperaturen auf 850 hPa steigen in der Südwesthälfte auf 18 bis 22 Grad, nach Norden und Osten zu immerhin auf 13 bis 18 Grad. Aus Hitze wird demnach Affenhitze – verbreitet steigt das Quecksilber auf Werte um 35 Grad, nach Süden und Westen zu auch auf deutlich über 35 Grad. Die Antwort auf die Frage nach den „magischen 40 Grad“ ist aufgrund der medialen
Wirksamkeit heikel, soll an dieser Stelle aber trotzdem genauer angegangen werden. Gehen wir mal davon aus, dass die hohen Werte der Temperaturen in 850 hPa von 22 Grad +/- 1 Grad ganz im Südwesten und Westen bei gleichzeitig hohen Geopotenzialwerten von 1580 bis 1600 gpdam erreicht werden, dann erhält man mithilfe der bekannten Formel (Tmax=0,01*(Höhe der 850-hPa-Druckfläche – Höhe über NN)+T850+3K) für die tiefsten Lagen Höchsttemperaturen von 39 bis 41 Grad. Der Knackpunkt an der Sache ist aber der für die „Überadiabasie“ veranschlagte 3-K-Aufschlag, der einen perfekten Strahlungstag voraussetzt. Hohe Wolkenfelder durch kräftige WLA und/oder leichte Trübung/Wolkenbildung durch Aerosole (Saharastaub) könnten diesen perfekten Strahlungstag verhindern. Fraglich ist auch, ob die turbulente Durchmischung ausreicht, um die Absinkinverson vollständig aufzulösen. Hitzegewitter (mit lokal heftigem Starkregen, Hagel und Downbursts) bleiben aufgrund fehlender oder schwacher dynamischer Unterstützung weiterhin eher die Ausnahme, können aber speziell mit orographischer Unterstützung über den Mittelgebirgen und Richtung Alpen nicht ausgeschlossen werden.

Schon am Mittwoch vollzieht sich über dem Nordmeer und Skandinavien eine flache Austrogung, die sich am Donnerstag und Freitag unter
Amplifizierung über Osteuropa fortsetzt. Dadurch verlagert sich der Rücken unter leichter Abschwächung retrograd nach Westeuropa. Deutschland gelangt folglich in eine recht glatte nordwestliche Höhenströmung. Über den Britischen Inseln und der Nordsee bildet sich ein neuer Hochdruckschwerpunkt aus, an dessen Südostflanke Deutschland bodennah in eine nördliche Strömung kommt. Dabei wird von Norden etwas kühlere Luft herangeführt, der Ast der niedertroposphärischen WLA zieht sich korrelierend mit der retrograden Verlagerung des Geopotenzialfeldes ebenfalls nach Westeuropa zurück. Summa Summarum bedeutet dies ein Rückgang der 850-er Temperaturen von Norden her auf 18 bis 10 Grad, was aber immer noch Sommertage, nach Süden und Südwesten zu verbreitet auch noch Hitzetage bedeutet.
„35 Grad plus x“ würden zumindest nach dieser von den letzten beiden IFS-Läufen simulierten Variante kaum mehr auftreten. Die Umstellung der Wetterlage ginge voraussichtlich aber mit wenig Wetteraktivität vonstatten, wenngleich aufgrund der aufkommenden Baroklinität und des nicht mehr so starken Absinkens die Gefahr
von Schauern und (teils heftige Gewittern) etwas zunimmt.

Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs

Bis einschließlich Mittwoch weisen die jüngsten IFS-Läufe eine sehr gute Konsistenz auf. Der Aufbau einer Hitzewelle scheint somit sehr sicher. Ab Wochenmitte zeigt der neuste IFS-00UTC-Lauf wie schon der 12UTC-Lauf von gestern eine von den Vorgängern leicht abweichende Entwicklung. Die Strömung soll am Rande eines Hochs bei den Britischen Inseln und der Nordsee auf nördliche Richtungen drehen, was mit einem von Norden einsetzenden Rückgang des Temperaturniveaus auf etwas moderatere Werte verbunden ist.

Vergleich mit anderen globalen Modellen

Im Gegensatz zu IFS (12 und 00 UTC) vollzieht sich der Trogvorstoß über Nord und
Osteuropa bei ICON und GFS zwar früher, allerdings weiter östlich. Der Rücken verlagert sich dadurch nicht so stark retrograd, bleibt mit seiner Achse über Mitteleuropa (GFS) bzw. schwenkt sogar langsam nach Osten durch (ICON). Weder bei ICON noch bei GFS würde sich über Deutschland in eine nordwestliche bis nördliche Strömung durchsetzen, vielmehr bleibt es anhaltend heiß bis sehr heiß,
die Advektion der heißen Luftmasse könnte sich sogar noch etwas verstärken. GEM schlägt sich auf die Seite von ICON und GFS, NAVGEM eher auf die Seite von IFS.

Bewertung der Ensemblevorhersagen

Das IFS-EPS bestätigt bis einschließlich Mittwoch die Version des deterministischen Modelllaufes bis einschließlich Mittwoch. So zeigen sich die Rauchfahnen von Geopotenzial und 850-hPa-Temperatur bis Mittwoch gut gebündelt. Beide Parameter erreichen am Dienstag und Mittwoch ein relatives Maximum, was gleichbedeutend ist mit dem Höhepunkt der Hitzewelle. Ab Wochenmitte nimmt der Spread deutlich zu. Eine größere Anzahl an Membern zeigt am Donnerstag und Freitag einen Temperaturrückgang auf Werte um 15 Grad in
850 hPa im Südwesten und um 10 Grad im Nordosten. Eine nicht zu vernachlässigende Anzahl an Membern (vor allem nach Süden zu) sehen aber auch eine Fortdauer der (extremen) Hitze. Was alle Modellläufe des EPS gemeinsam haben, ist der langsame Geopotenzialrückgang ab Wochenmitte. Von Tiefdruckeinfluss kann zwar eher keine Rede sein, dennoch deutet der Geopotenzialrückgang auf schwächelndes Absinken hin, was sich auch in sporadisch „aufpoppenden“ Niederschlagssignalen (Schauer, Hitzegewitter) widerspiegelt. In der erweiterten Mittelfrist gehen die Rauchfahnen noch weiter auseinander, sodass vor allem im Hinblick auf das
Temperaturniveau keinerlei Aussage mehr möglich ist.

Die Clusteranalyse teilt das IFS-EPS für den Zeitraum von Dienstag bis Donnerstag in 3 Cluster, die alle ein Blocking-Regime zeigen. Die Unterschiede sind auf den ersten, eigentlich sogar auf den zweiten Blick eher marginal. Bei genauerem Hinsehen fällt aber auf, dass die Austrogung über Nord- und Osteuropa am Wochenmitte räumlich und zeitlich leicht unterschiedlich simuliert wird. Bei Cluster 1 und 3 (39/51) verlagert sich der Rücken retrograd (Türöffner für die Advektion kühlerer Luftmassen von Norde?), bei Cluster 2 bleibt seine Achse eher nach Mitteleuropa gerichtet.
Für die erweiterte Mittelfrist werden schließlich 4 Cluster gebildet, von denen die meisten eine Zonalisierung („positive NAO“) favorisieren, bei allerdings eher antizyklonalen Verhältnissen über Mitteleuropa.

Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen

HITZE:
Ab Montag ausgeprägte Hitzewelle mit starker, vor allem nach Westen und Südwesten zu auch sehr starker Wärmebelastung. Höhepunkt voraussichtlich am Mittwoch.
GEWITTER:
Am Dienstag und Mittwoch sehr geringe Wahrscheinlichkeit lokaler Hitzegewitter über dem Bergland sowie im äußersten Nordwesten (wenige Member des ICON-EPS mit Signalen). Danach insgesamt leicht ansteigende Gefahr. Bei Hitzegewittern besteht räumlich eng begrenzt Unwettergefahr aufgrund von heftigem Starkregen, Hagel und Downbursts.

Basis für Mittelfristvorhersage
IFS, IFS-EPS, MOS-IFS, MOS-MIX

VBZ Offenbach / Dipl. Met. Adrian Leyser

SYNOPTISCHE UEBERSICHT MITTELFRIST

S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T M I T T E L F R I S T ausgegeben am Donnerstag, den 20.06.2019 um 10.30 UTC

Am Sonntag sommerlich warm und nur ganz im Süden und Südosten letzte Gewitter. In der kommender Woche Hitzewelle und ab Dienstag im Westen und Südwesten sehr heiß mit Werten örtlich über 35 Grad. Erste Gewitter wahrscheinlich erst im Laufe des Donnerstages.

Synoptische Entwicklung bis zum Donnerstag, den 27.06.2019

Am Sonntag zieht ein flacher mitteleuropäischer Trog nach Polen ab und ein Teil tropft zum Balkan ab. Es folgt von Südfrankreich her ein Höhenkeil nach, der sich unter kräftiger Verstärkung bis Tagesende nach Deutschland schiebt. Ursache
für die Kräftigung ist ein Zentraltief, welches vom Seegebiet weit westlich der Biskaya nach Nordosten
zieht und auf seiner Vorderseite sehr warme Luft ansaugt und nach Mitteleuropa führt.
Am Montag kommt der Höhenkeil unter weiterer Verstärkung kaum noch weiter ostwärts voran, wobei in der Mitte und im Süden ein ungewöhnlich hohes Potential
von über 5920 geopotentiellen Metern erreicht wird. In 850 hPa steigt die Temperatur im Süden bis zum Abend örtlich auf 18 Grad und an der See auf über 12
Grad. Dabei entwickelt sich ein neuer Hochschwerpunkt über dem südlichen Nordmeer und das ursprüngliche Hoch über dem Baltikum ist nun als Bodenhochkeil erkennbar.
Im Laufe des Dienstags entwickelt sich ein flaches Höhenhoch über Mitteleuropa und die Isolinie von 5920 geopotentiellen Metern erreicht die Küste. Durch einen
zum nördlichen Balkan reichenden Hochkeil verstärkt sich die niedertroposphärische WLA deutlich und bis Tagesende steigt die Temperatur in 850 hPa nach Lesart des aktuellen EZMW-Laufes auf Werte zwischen 15 Grad in Vorpommern und 22 Grad am Hochrhein. Innerhalb des Rückens ist konvektive Aktivität dank fortlaufenden Absinkens selbst über den Mittelgebirgen unwahrscheinlich.
Am Mittwoch ändert sich an der großräumigen Verteilung des
Geopotenzialfeldes nur wenig, der nach Mitteleuropa gerichtete Höhenrücken kann sich immer wieder regenerieren. Im Bodenfeld verstärkt sich über dem Vorhersagegebiet allerdings von Südwesten her der Druckfall und aus dem Hochkeil entwickelt sich ein Schwerpunkt über Polen. Durch andauernde WLA und Einstrahlung steigt in 850 hPa die Temperatur bis zum Abend auf Werte zwischen 17 Grad an der Oder und 25 Grad am Niederrhein. Damit wird wahrscheinlich der Höhepunkt der Hitzewelle erreicht: So gibt es wahrscheinlich verbreitet Höchstwerte um 35 Grad und im Westen und Südwesten Temperaturen bis rekordverdächtige 38 Grad. Selbst knapp 40 Grad erscheinen nicht ganz abwegig! Ganz im Osten und an der Küste ist es nicht ganz so heiß.

Am Donnerstag schwächt sich der Höhenrücken geringfügig ab und kippt etwas nach Südosten. Währenddessen verlagert sich das Höhentief weiter nach Nordosten und erreicht Irland. Insgesamt kippt die Höhenströmung etwas nach Südwesten und intensiviert sich in Nordwestdeutschland, so dass dort Kurzwellentröge ablaufen können. Die Kaltfront über der Bretagne und England erreicht aber lediglich die südliche Nordsee und die Küste Belgiens. Damit bleibt die heiße Luft noch über Mitteleuropa liegen, ja an der Oder wird es sogar noch etwas wärmer. So liegt ganz Deutschland innerhalb der 20-Grad-Isotherme in 850 hPa und örtlich gibt es sogar 24 Grad. Entsprechend wären abermals Werte über 35 Grad möglich!

Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs

Der neue Modelllauf vom EZMW simuliert die Entwicklung ähnlich wie die beiden Modell-Runs von gestern.

Vergleich mit anderen globalen Modellen

Die anderen globalen Modelle simulieren einheitlich die Hitzewelle zumindest bis
Mittwoch. JMA lässt die o. e. Kaltfront früher, nämlich bereits Mittwochnachmittag nach Nordwestdeutschland vordringen.
NAVGEM dagegen lässt bereits Mittwoch in der 2. Tageshälfte antizyklonal von Norden kühlere Luft nach Norddeutschland einströmen. Dabei wird das Cut-Off-Tief
Donnerstagmittag deutlich weiter im Süden vor Portugal berechnet und somit reicht ein kräftiger Hochkeil vom Nordostatlantik zur Nordsee und entsprechend wird die frischere Luft nach Norddeutschland gelenkt.

Bewertung der Ensemblevorhersagen

Die Rauchfahne von Offenbach zeigt ausgehend vom Freitag einen kontinuierlichen Temperaturanstieg in 850 hPa von knapp 10 Grad bis Mittwochabend auf Werte um 20
Grad. Am Donnerstag sinkt in 6 Modellläufen die Temperatur ab (Kaltfrontdurchgang), bei weitere Modellruns erst am Freitag. Etwa die Hälfte der Läufe bleiben aber noch im ungewöhnlich warmen Bereich. Selbst am Samstag hält in knapp 10 Modellläufen die Hitzewelle an. Die Clusteranalyse bildet heute bis zum 7. Folgetag 3 Cluster, die allesamt den mitteleuropäischen Rücken zeigen. Dabei erkennt man im ersten und dritten Cluster mit insgesamt 32 Modellruns ein Cut-Off-Tief, das bis Donnerstag noch westlich der Biskaya verbleibt. Damit ist es in Mitteleuropa störungsfrei. Im 2.
Cluster mit 19 Modellläufen nähert sich das Höhentief Mitteleuropa an (Tiefzentrum am Donnerstag, 00 UTC bei Irland), so dass die Vorderseite des Troges in der Nacht zum Donnerstag auf den Westen Deutschlands übergreift. In der erweiterten Mittelfrist gibt es 2 Cluster, wobei im ersten Cluster mit 28
Modellläufen am Freitag der Höhenrücken nach Osten abzieht und einer Südwest- bis Westlage Platz macht, die im Süden anfangs noch antizyklonal geprägt ist. Im
2. Cluster hält der Höhenrücken noch bis Samstag mit entsprechend hohen Tagestemperaturen.
Die EPS-Meteogramme zeigen ab Montag die Hitzewelle mit Temperaturen um 30 Grad und mehr. Die höchsten Temperaturen der Woche werden im Mittel am Mittwoch und Donnerstag erreicht, wobei am Donnerstag schon rund 25 Prozent der Modellläufe eine leichte Abkühlung bringen. 25 Prozent (im Osten rund 10 Prozent) der Läufe bleiben aber noch bis Samstag heiß mit 37 Grad und mehr. Ab Sonntag ist aber die
Wahrscheinlichkeit von 35 Grad und mehr nur noch gering.

Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen

Die Wahrscheinlichkeit von Starkregen im Zusammenhang mit Gewittern ist am Sonntag im Alpenraum und vom Erzgebirge bis in den Bayerischen Wald noch leicht erhöht (CosmoLEPS). Ansonsten ist nicht mit markanten Warnungen zu rechnen. Von Montag bis Mittwoch ist nach EZMW-EPS die Wahrscheinlichkeit von Starkregen bei Gewittern praktisch gleich null. Am Donnerstag steigt sie lokal etwas an. 1 bis 2 Läufe von ICON-EPS bringen bereits ab Dienstagnachmittag einige kräftige
Schauer und Gewitter im Südwesten und Westen Deutschlands. Dieses Szenorio erscheint aber als unwahrscheinlich.

Basis für Mittelfristvorhersage
Mosmix, operationelle Modelle, EPS

VBZ Offenbach / Dipl. Met. Olaf Pels Leusden