SYNOPTISCHE UEBERSICHT MITTELFRIST

S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T M I T T E L F R I S T
ausgegeben am Sonntag, den 20.10.2019 um 10.30 UTC

Bestes Bergwetter! Ansonsten Nebellotterie und meist trocken.

Synoptische Entwicklung bis zum Sonntag, den 27.10.2019

Zunächst soll ein Blick auf den stratosphärischen Polarwirbel geworfen werden,
der aktuell für diese Jahreszeit zonale Windgeschwindigkeiten aufweist, die nahe
am oberen Ende des bisher beobachteten liegen. Allerdings deuten u.a. die GEFS
Member recht einheitlich Ende Oktober eine Abschwächung auf normale bis leicht
unterdurchschnittliche Werte an (besonders vom Nordostpazifik über Kanada bis
nach Grönland). Davon abgesehen liegt das Zentrum des Wirbels in der
Stratosphäre aktuell recht zentriert über dem Pol und „flattert“ in der Folge in
Richtung Ostsibirische See bzw. Laptewsee (ein in der Findung des Wirbels nicht
ungewöhnlicher dynamischer Prozess). Daran gekoppelt fällt auch in der
mittleren/oberen Troposphäre das Geopotential zwischen der Karasee und der
Laptewsee. Peripher erhöhte Baroklinität sorgt von Island über Nordskandinavien
bis nach Russland die Mittelfrist über für eine rege Tiefdruckaktivität. Mit dem
Abdriften des Wirbels und einer absinkenden AO/NAO in negative Gefilde deutet
sich ein stark mäandrierendes Strömungsmuster im nordamerikanisch/kanadischen
und teils auch europäischen Raum an.
Komplexer wird das Bild durch die erneut in der Mittelfrist vorhandenen
„high-latitude“ Blockadelagen und der daraus resultierenden positiven
Geopotentialanomalien über Grönland und zum Ende der Mittelfrist besonders über
dem Nordostpazifik/Alaska („phase locked“ mit dem Bereich höchster SST Anomalie
von teils deutlich mehr als 2 Kelvin über dem Nordostpazifik bis zur
Tschuktschensee). Daher verwundert es nicht, dass das Wort „Retrogression“ über
dem Nordatlantik und auch über dem westlichen Europa die Mittelfrist über eine
zunehmende Bedeutung erlangt und das Geopotentialfeld teils sehr komplexe
Vorgänge unterläuft – u.a. zwei versetzte Blockadelagen („Omega“ über Kanada und
Grönland sowie „Hoch-über-Tief“ über Süd- und Mitteleuropa). Zudem etabliert
sich dank zyklonal brechenden Rossby-Wellen über dem Nordatlantik stromab eine
typische Blockadelage, die jedoch den Randbereich dieser Mittelfrist und somit
eher die erweiterte Mittelfrist betrifft.
Zusammengefasst springt einem die Komplexität der zu erwartenden Vorgänge ins
Auge und daher (so viel sei schon mal erwähnt) verwundert eine stetige
Diskrepanz der Modelle innerhalb der Mittelfrist nicht. Das Gute aber zuletzt:
so komplex das Wetter auf dieser Skala erscheint, so ruhig verläuft es in
Deutschland.

Zum Beginn der Mittelfrist, am Mittwoch, etablieren sich die bereits
angesprochenen Druck- und Geopotentialverteilungen über dem Nordatlantik und
über Europa. Ein markanter Höhentrog erstreckt sich von Island bis zu den
Azoren, kommt insgesamt mit seiner Achse kaum nach Osten voran, weist jedoch in
den PV-Feldern einen agilen kurzwelligen Anteil an seiner Südspitze auf, der mit
den subtropischen Luftmassen interagierend in der Folge noch von Interesse sein
wird. Stromab liegt ein Tiefdruckgebiet über Spanien und dem westlichen
Mittelmeer, was jedoch keinen Anschluss an die über Nordwesteuropa liegende
Frontalzone findet und vor Ort „herumirrt“ (dabei jedoch ein „high-impact“
Wetter über Südwesteuropa in Form unwetterartiger Regenfälle/Gewitter bringend).
Wiederum stromab wölbt sich ein Keil dank hochreichender WLA nordwärts in
Richtung Mitteleuropa und östliches Europa auf.
Deutschland befindet sich dabei am westlichen Rand dieses Rückens sowie in einem
breiten Warmsektor (aufgespannt durch die Zyklone über Südwesteuropa). Eine zur
Deutschen Bucht und Benelux abziehende Warmfront dürfte dem Nordwesten noch
dichtere Wolken bringen, bevor sich auch hier die Sonne wie im übrigen Land
durchsetzt. Dank höhenmilder Luft und angedeuteter Absinkinversion werden sich
Feuchtefelder in Form von Nebel/Hochnebel entlang der Flüsse Süddeutschlands
lange bis in den Tag halten (teils bis zum Abend). Die leicht föhnige
Südströmung macht sich auf Alpengipfeln mit Sturmböen bemerkbar, ansonsten weht
der Südostwind nur schwach (und verstärkt nur die hochnebelhaltende Inversion
über Süddeutschland). Die Höchstwerte werden sich im Norden um 17 Grad, im Süden
um 20 Grad einpendeln mit deutlichen (negativen) Abweichungen im Nebel.
In der Nacht zum Donnerstag gibt es keine wesentlichen Änderungen. Vielerorts
bildet sich dichter Nebel (über dem Norden mit einsickernder Nordseeluft gar
eine ausgedehnte Hochnebeldecke) und über der Deutschen Bucht frischt der
Südwind dank der Nähe zur Frontalzone etwas stärker auf. Die Tiefstwerte liegen
zwischen 13 und 6 Grad.

Am Donnerstag und in der Nacht zum Freitag ändert sich bei dem genannten
Geopotentialmuster wenig. Erwähnenswert ist, dass sich der kurzwellige Anteil am
Südrand des Troges dank hervorragender barokliner Umgebung zu einem ungewöhnlich
heftigen Azorensturmtief aufbläht. Sein diabatischer Input baut einen Keil
Richtung Portugal auf, was das Tief über Spanien in der Folge etwas nach
Ost/Nordost und somit in Richtung Deutschland drückt. Die östliche
Höhenkeilachse verbleibt über dem östlichen Mitteleuropa bzw. Osteuropa. Seine
Westflanke kann als Schwachstelle angesehen werden und mit der regen
Tiefdruckaktivität über Nordeuropa stehen die Chancen nicht schlecht, dass sich
im Tagesverlauf eine erste Front nach Deutschland „mogeln“ kann.
Somit erwartet Deutschland vielerorts erneut ein ruhiger und vielerorts sonniger
„Goldener Oktobertag“. Achtung, Einschränkung: Dichte Nebelfelder aus der Nacht
müssen sich erst einmal auflösen (bleiben teils bis zum Abend bestehen) und auch
der Hochnebel im Norden braucht bis weit in den Tag, um sich zu lichten. In der
Nacht verdichten sich die Nebelfelder dann erneut. Auch sonst driften abseits
der Nebelfelder teils ausgedehnte Wolkenfelder vorüber, die an eine Front
gebunden sind, die unter Abschwächung in den Keil reinläuft (große
Modelldiskrepanzen, wie ausgeprägt die frontale Hebung bzw. Bewölkung noch ist).
Ganz im Südwesten könnte es mit etwas Labilisierung und Hebung des
Mittelmeertiefs gar zu einzelnen Schauern reichen. Nach Höchstwerte von 17 bis
23 Grad (mit Föhn lokal auch mehr) werden Tiefstwerte von 13 bis 7 Grad
erwartet. Der Südwind weht auf Alpengipfeln weiterhin föhnig mit Sturmböen,
sonst aber nur schwach bis mäßig aus Süd bis Südost.

Am Freitag wird das Sturmtief über den Azoren zur treibenden Kraft. Dank seiner
kräftigen WLA wird einerseits das Tief über dem westlichen Mittelmeer zunehmend
aufgefüllt (bringt aber dort weiterhin hohes Unwetterpotential), andererseits
findet eine Retrogression des Keils in Richtung zentrales Mitteleuropa statt.
Grundsätzlich beste Voraussetzungen für einen goldenen Oktobertag, wenn nicht
die Frontpassage aus der Nacht wäre. Deren Feuchteeintrag, überlaufen von
höhenmilder Luft und zunehmendem synoptisch-skaligem Absinken könnte vielerorts
eine dichte Hochnebeldecke zur Folge haben, die sich besonders im Nordosten zäh
bis weit in den Tag hälft. IFS ist noch zurückhaltend mit der Frontpassage und
somit mit dem Feuchteinput aus der Nacht heraus, sodass demnach der Freitag
vielerorts sonnig verläuft, aber diese Ausgangslage birgt grundsätzlich
Potential für „negative“ Überraschungen mit Blick auf die Sonnenausbeute.
Abseits des Nebels/Hochnebels wird ein freundlicher bis sonniger Tag erwartet.
In der Nacht verdichtet sich die Nebelfelder, sonst ändert sich an dem
hochdrucklastigen Wetter wenig. Nach Höchstwerte von 16 bis 20 Grad (im
Dauernebel deutlich kälter) liegen die Tiefstwerte bei rund 12 bis 6 Grad mit
den mildesten Werten entlang der Küsten. Der aus überwiegend südlicher Richtung
wehende Wind spielt deutschlandweit keine Rolle.

Am Samstag wandert das Hochdruckgebiet mit seinem Zentrum weiter in Richtung
südliche Nordsee und bildet eine schwache Hochdruckbrücke mit der positiven
Geopotentialanomalie über Grönland aus. Mit dieser Entwicklung würden wir aus
heutiger Sicht im Tagesverlauf auf die Ostflanke des Hochs gelangen und
grundsätzlich wäre dieser Schritt einer in Richtung „peripher Nordwest“,
„kälter“ und „wechselhafter“. Allerdings liegen hier noch erhebliche
Diskrepanzen vor bezüglich der Druckverteilung über dem Nordatlantik und der
daraus resultierenden Entwicklung stromab, sodass dieser Vorhersagezeitraum noch
als unsicher einzustufen ist.
Folgen wir dem Fahrplan des letzten IFS-Laufs, dann würde auch der Samstag und
die Nacht zum Sonntag zumeist störungsfrei verlaufen, wenngleich im Verlauf der
Nacht mit Annäherung einer Kaltfront aus Nord mit zunehmender Bewölkung und
einzelnen Schauern zu rechnen wäre. Ansonsten dauert sowohl am Tag wie auch in
der Nacht das Wechselspiel aus Sonne/Sternen und Nebel-/Hochnebelfeldern an. Die
Höchstwerte liegen zwischen 14 und 20 Grad, die Tiefstwerte zwischen 12 und 5
Grad (das „im Nebel kälter“ spare ich mir in der Folge) und der allmählich auf
Südwest drehende Wind spielt abseits einzelner Böen im Küstenumfeld keine große
Rolle.

Bleibt noch kurz der Sonntag zu erwähnen, wo sich KLA gestützt ein üppiges
Bodenhoch vor Südnorwegen aufblähen und seine Fühler bis nach Deutschland
strecken soll. Der Süden und Westen werden zudem noch vom Höhenkeil tangiert,
während der Nordosten eher zyklonal geprägt daherkommt. Die Kaltfront aus der
Nacht kommt nur noch mit Mühe südwärts voran, bringt im Osten einzelne Schauer,
sonst aber vor allem viel Hochnebel, während präfrontal im Süden die
Nebel-/Sonnenlotterie weitergeht. Postfrontal gehen die Höchstwerte auf rund 13
Grad zurück und liegen sonst weiterhin im milden Bereich zwischen 15 und 19
Grad. Einzelne postfrontale Windböen im Küstenumfeld vernachlässigend ist
weiterhin mit keinem nennenswerten Wind zu rechnen.

Fazit: Bestes Wetter in den Bergen, lästige Nebellotterie im Tiefland und
durchweg trocken (abgesehen von einzelnen Schauern).

Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs

Eine blockierende Wetterlage wird durch eine recht homogene
Geopotentialverteilung innerhalb der vergangenen IFS-Läufe gestützt.
Erwähnenswert ist vielleicht, dass die westliche Peripherie des Keils über
Deutschland bis Freitag von Lauf zu Lauf etwas schwächer gerechnet wird, was die
Wahrscheinlichkeit für schwache Frontpassagen (besonders in Form von Bewölkung
und Hochnebel) erhöht. Mit einer retrograden Keilverlagerung vom östlichen
Mitteleuropa nach Deutschland nimmt die Unsicherheit zum kommenden Wochenende
wieder ab.

Die Mittelfrist über muss weder mit einem erhöhten Sturmpotential noch mit
nennenswertem Niederschlag gerechnet werden.

Vergleich mit anderen globalen Modellen

Bis einschließlich Freitag stimmt die Numerik recht gut mit der von IFS
gezeigten Entwicklung überein.
Diese Aussage beschränkt sich jedoch nur auf Mitteleuropa, denn über dem
Nordatlantik sieht es aus wie „Kraut und Rüben“. Die Modelle scheinen mit der
Retrogression der Rossby-Welle vor Grönland/Island ihre Probleme zu haben.
Erschwert wird das Ganze noch durch die Interaktion dieses Troges mit
subtropischen Luftmassen, sodass die daraus hervorgehende Zyklogenese
unterschiedlich berechnet wird. Da stromab gelegen, erreichen uns diese
Modelldiskrepanzen per „downstream development“ am Wochenende. U.a. wird die von
IFS proklamierte Höhenhochlage über Deutschland weder von ICON noch von GFS
gestützt (dort eher im Randbereich gelegen). Entsprechend zyklonaler wäre das
Wetter, entsprechend weniger nordwestanfällig wäre dann allerdings auch die
erweiterte Mittelfrist (eher Fortdauer mit einer Trogvorderseite).

Die Unsicherheiten nehmen also besonders zum Wochenende deutlich zu und erlauben
einem nur eine grobe Tendenz bezüglich der Entwicklung zu äußern.

Bewertung der Ensemblevorhersagen

Die Meteogramme in Deutschland zeigen ein stabiles Temperaturniveau mit einer
engen Memberschar (die in Nebelgebieten wie der Donau naturgemäß zunimmt) und
deuten im Norden zum Ende mit einer größeren Streuung die mögliche
Kaltfrontpassage an.
Eine ähnlich enge Bündelung findet bei den 850 hPa und 500 hPa Rauchfahnen (T
und p) statt, wobei besonders im Norden eine schwache Frontpassage mit einer
vorübergehenden Spreizung der Memberschar angedeutet wird.

Die Clusteranalyse zeigt zum Beginn der Mittelfrist am Mittwoch drei Cluster
(noch positive NAO) mit unbedeutenden Diskrepanzen für Deutschland.
In der Folge wechseln mehr und mehr Cluster in das klimat. Regime „Blockade“ und
bei maximaler Anzahl wird die Komplexität der Entwicklung der Geopotentialfelder
hervorgehoben. Bis Freitag bleiben wir dank der direkten Nähe zum Höhenhoch von
den meisten Unsicherheiten noch verschont, doch spätestens zum Wochenende wirken
sich die Unsicherheiten über dem Nordatlantik auch auf die Lage des
blockierenden Hochs über Mittel-/Westeuropa aus. Mit dem Kontroll- und det. Lauf
im ersten und zweiten Cluster verwundert die Tendenz zu einer nordwestlichen
Strömung wenig, doch zeigen das die restlichen Cluster nicht. Die geometrischen
Diskrepanzen wirken sich auch auf mögliche Frontpassagen über Deutschland aus,
die zwar aus dynamischer Sicht nicht „die Bringer“ sein werden, aber
entscheidend bei der Nebellotterie eingreifen können.

Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen

Abgesehen von einem leicht positiven Ausschlag bei den Temperaturwerten deuten
auch der EFI sowie alle weiteren probabilistischen Verfahren eine ruhige
Mittelfrist an.

STURMBÖEN:
Bis Donnerstag treten auf Alpengipfeln wiederholt föhnbedingt Sturmböen aus Süd
auf.

Basis für Mittelfristvorhersage
IFS, IFS-EPS und (modifizierte) MOSMIX

VBZ Offenbach / Dipl. Met. Helge Tuschy

SYNOPTISCHE UEBERSICHT MITTELFRIST

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ausgegeben am Samstag, den 19.10.2019 um 10.30 UTC

Zumeist Hochdruckeinfluss mit zunehmender Nebel- und Hochnebelneigung. Kaum
Niederschlag. Vor allem in höheren Lagen sehr mild. An den Alpen zeitweise Föhn
bzw. föhnig.

Synoptische Entwicklung bis zum Samstag, den 26.10.2019

Dienstag … sticht bei der Betrachtung der Höhenkarte sofort der in einem
Abtropfprozess befindliche mächtige Langwellentrog über Südwesteuropa ins Auge.
Außerdem kommt dieser kaum nach Osten voran, denn ein umfassender Rücken reicht
von Tunesien über Süditalien bis nach Osteuropa. Dieser stützt bodennah ein
Hochdruckgebiet über Mitteleuropa, das die Brücke von der französischen
Atlantikküste bis zum Schwarzen Meer schlägt. Die diagonal vom Oberrhein bis zur
Oder reichende schwach ausgeprägte Luftmassengrenze verliert damit weiter ihre
Wetterwirksamkeit, wenngleich diese thermisch gesehen noch gut zu erkennen ist.
An den Alpen dreht die südwestliche Höhenströmung auf Süd und verliert an
Stärke, sodass der föhnige Abschnitt zunächst ein Ende findet. Den Norden
streift außerdem ein schwach ausgeprägter Randtrog, der sich dort vor allem
hinsichtlich der Bewölkung auswirken wird. Summa summarum ergibt sich daher für
Deutschland ein eher ruhiger Dienstag, wohingegen dem westlichen Mittelmeerraum
unruhige Zeiten mit heftigen, konvektiv durchsetzten Niederschlägen bevorstehen.

Mittwoch … verlagert sich das hochreichende südwesteuropäische Tief mit seinem
Zentrum in den Südosten Spaniens. Bodennah ergeben sich mehrere Tiefdruckkerne,
die sich über Südwesteuropa und dem westlichen Mittelmeerraum situieren.
Vorderseitig kommt kräftige WLA in Gang, die zum Mittagstermin bis in die Mitte
Deutschlands ausgreift (T 850 zwischen 17 Grad an den Alpen und 10 Grad im
Bereich der zentralen Mittelgebirge, an der Küste hingegen nur um 4 Grad). Damit
stellt sich aber auch die Frage, wie stark sich die Warmluft in den tiefen Lagen
durchsetzen kann. Zum einen nimmt der Gradient an den Alpen wieder etwas zu,
sodass sich dort der Föhn mit einem schwachen Lebenszeichen zurückmeldet. Diese
leichten föhnigen Effekte können aber in Kombination mit der Einstrahlung
ausreichen, dass am Alpenrand bereits die Marke von 25 Grad wieder in Sichtweite
gerät. Andererseits wird der Tag in vielen Regionen mit Nebel- oder Hochnebel
starten, der sich früher oder später aber noch meist auflösen sollte. Über 20
Grad kommt Temperatur in diesen Regionen aber wahrscheinlich nicht. Im Norden
ziehen außerdem die Wolken der Luftmassengrenze über den Himmel hinweg, sodass
auch dort die Temperatur teils deutlich unter 20 Grad liegt. Niederschläge sind
keine auszumachen.

Donnerstag … ändert sich in der synoptischen Grundkonstellation nur sehr
wenig, allerdings verlagert sich der umfassende südwesteuropäische Trog ein
wenig ostwärts. Dies facht die WLA über Deutschland noch weiter an, sogar an der
See werden eine T850 von mehr als 10 Grad erwartet. Jedoch ergibt sich aus der
Nacht heraus voraussichtlich eine ausgeprägte Nebel- und Hochnebelsituation, die
sich im Verlauf des Tages nur langsam abschwächt. MOS reagiert darauf bei der
relativen Sonnenscheindauer mit einem ausgeprägten Berg-Flachland-Muster. Damit
können zwischen nebligen 15 Grad und sonnigen 20 Grad oft nur wenige Kilometer
liegen. Während es in weiten Teilen Deutschlands keinen Niederschlag gibt,
streift den Nordwesten die Kaltfront eines nordeuropäischen Tiefs. Damit sind
dort ein paar Tropfen Regen nicht ausgeschlossen.

Freitag … zeigt der aktuelle Lauf, dass die Frontalzone etwas weiter
nördlicher verläuft als beim gestrigen 00-UTC-Lauf, geringe Niederschläge sind
im Norden aber weiterhin möglich. Geschuldet ist dies der etwas weiter nach
Norden ausgreifenden Hochdruckzelle über Mitteleuropa. Es verstärkt sich
außerdem wieder der Luftmassengradient in 850 hPa, der von 15 Grad an den Alpen
bis 4 Grad an der Küste reicht. Sonnenschein gibt es ausgiebig auf den Bergen,
im Flachland wird sich die Hochnebellage dagegen wohl verstärken.

Samstag … verlagert sich das bereits am Vortag vollständig abgetropfte Tief
über dem westlichen Mittelmeer ein wenig in Richtung Sardinien. Über Deutschland
verweilt der Rücken, somit ergeben sich im Vergleich zum Freitag kaum
Änderungen.

In der erweiterten Mittelfrist könnte die Nordostflanke des Rückens etwas
einbrechen. Damit sind zyklonalere und kühlere Verhältnisse in Ostseenähe
möglich. Sonst bleibt es beim Hochdruckeinfluss mit sehr milder Luft in höheren
Atmosphärenschichten, Nebel- und Hochnebel im Flachland und ausbleibendem
Niederschlag.

Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs

Die großräumigen synoptischen Strömungsmuster sind zu Beginn des
Berichtszeitraums ziemlich konsistent zwischen den verschiedenen Läufen des
EZMW. Kleinere Unterschiede ergeben sich naturgemäß in den Feinheiten, so wird
der am Dienstag auf den Norden Deutschlands übergreifende Randtrog von Lauf zu
Lauf unterschiedlich stark ausgeprägt simuliert. Auch der genaue zeitliche
Ablauf ist noch nicht ganz klar.

Ansonsten manifestiert sich im Süden der Hochdruckeinfluss mit einer
Hochnebel-/Nebelproblematik, im Norden bleibt es sehr wahrscheinlich zunächst
noch leicht wechselhaft und etwas kühler. Ab Donnerstag simuliert der aktuelle
EZMW-Lauf den über Deutschland wirksamen Rücken ausgeprägter, sodass das Pendel
auch im Norden auf eine eher trockene Witterung umschlagen könnte. Für das
Wochenende ist die aktuelle Vorhersagetendenz, dass der Hochdruckeinfluss weit
überwiegt und die bisher für den Norden gerechneten Tiefausläufer nur den
äußersten Norden/Nordosten streifen.

Vergleich mit anderen globalen Modellen

Die Unterschiede zwischen den Modellen halten sich sehr in Grenzen.
Erwähnenswert ist eventuell, dass der vorhin schon diskutierte über den Norden
hinwegziehende Randtrog in ICON nicht auftaucht. Zum Ende des Berichtszeitraums
will ICON außerdem von der Schwächung der Nordostflanke des Rückens nichts
wissen.

Insgesamt steht aber fest, dass in weiten Teilen des Bundesgebiets eine längere
trockene Phase bevorsteht.

Bewertung der Ensemblevorhersagen

EPS:
Die Rauchfahnen für repräsentative Orte in Deutschland spiegeln die
vorhergehende Diskussion wider. Im Süden verbleibt die Temperatur 850hPa im
Mittelfristzeitraum auf durchgehend hohem Niveau. Dabei nehmen die
Unsicherheiten erst ab dem Wochenende etwas zu. Im Norden und der Mitte gibt es
bei der T850 hPa eine kleine Wellenbewegung, die dem vorübergehenden schwachen
zyklonalen Einfluss am Dienstag und Freitag Rechnung trägt. Allerdings ist immer
im Hinterkopf zu behalten, dass sich die sehr milde Luftmasse nur stellenweise
in tiefen Lagen durchsetzen kann. Größere Niederschläge sind sehr
unwahrscheinlich.

CLUSTER:
+120 … +168h: Es liegen 3 Cluster vor, wobei zwei Cluster (mit dem
deterministischen Lauf) eine positive NAO erkennen und ein Cluster eine
Blockingsituation zeigt (mit dem Kontrolllauf). Die Anzahl der Member ist
zwischen den Clustern annähernd gleichverteilt. Für Mitteleuropa interessant
ist, dass zwei Cluster den vorhin beschriebenen mächtigen Rücken stützen. Das
dritte Cluster propagiert dagegen zum Wochenende eine flachere Südwestströmung.

+192 … +240h: In diesem Zeitraum wurden ebenfalls 3 Cluster zusammengefasst,
wobei die Strömungsmuster zwischen Blocking und atlantischem Rücken schwanken.
Damit ergeben sich für Mitteleuropa aber doch sehr unterschiedliche
Auswirkungen. Während Cluster 1 (26 Member) tendenziell weiterhin antizyklonal
und durch eine milde Luftmasse geprägt ist, deutet Cluster 2 (18 Member) auf der
Rückseite des osteuropäischen Troges eine kühlere Nord- bis Nordwestströmung an.

Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen

Auf den Alpengipfeln zeitweise stürmische Böen oder Sturmböen (Bft 8 bis 9).
Ansonsten keine signifikanten Wettererscheinungen.

Basis für Mittelfristvorhersage
EZMW-EPS, EZMW-Mos

VBZ Offenbach / Mag.rer.nat. Florian Bilgeri

SYNOPTISCHE UEBERSICHT MITTELFRIST

S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T M I T T E L F R I S T
ausgegeben am Freitag, den 18.10.2019 um 10.30 UTC

Vorübergehend ruhiges, trockenes und (höhen-)mildes Wetter, in den Alpen
allerdings zeitweise Föhnsturm. Zum Ende der Woche wieder etwas unbeständiger,
zumindest im Norden auch wieder spürbar kühler.

Synoptische Entwicklung bis zum Freitag, den 25.10.2019

Zu Beginn der Mittelfrist stellt sich die Großwetterlage um. Aus einer
zyklonalen Südwestlage wird eine antitzyklonal dominierte, im Verlauf zeitweise
außerordentlich (höhen-)milde Wetterlage.

Am Montag befinden wir uns immer noch auf der Vorderseite unseres altbekannten
Höhentroges, der mit seiner positiv geneigten Achse vom Skagerrak über die
Biskaya bis zu den Kanaren reicht, in einer südsüdwestlichen Höhenströmung.
Eingeklemmt zwischen einem zu den Britischen Inseln schwenkenden Rücken und
einer Höhenantizyklone mit Schwerpunkt über dem Balkan wird der Trog immer mehr
in die Länge gestreckt. Da er zudem in seinem Nordteil von kräftiger WLA
durchstoßen und entsprechend „zugeschüttet“ wird, tropft er weiter südlich
multipel ab. Zwei signifikante Cut-Off zeichnen sich nach Lesart des jüngsten
IFS-Laufes über der Straße von Dover sowie am Kap Finisterre ab. Kurzwellige
Anteile von Ersterem sowie das von Jütland Richtung Baltikum durchschwenkende
Trogresiduum stützen eine Welle an der nach wie von Südwest nach Nordost über
Deutschland liegenden Frontalzone. An der wellenden Front vom Südwesten bis in
den Nordosten sowie im Umfeld des Cut-Offs im Nordwesten regnet es recht
verbreitet schauerartig, allerdings mit abnehmender Intensität, sodass die
etwaige, in der Kurzfrist beginnende Dauerregensituation beendet wird. Nach
Südosten zu ist es freundlicher und meist trocken, am anfangs noch föhnigen
Alpenrand (Böen Bft 9-10 auf Alpengipfeln, Bft 7 in anfälligen Tälern)
möglicherweise gar sonnig. Die Frontalzone trennt maritime, erwärmte Polarluft
von sehr milder Subtropikluft (T850 von Nordwest nach Südost 4 bis 15 Grad), was
sich entsprechend auch in den Tmax wiederspiegelt (kaum 15 im Nordwesten, bis
knapp 25 in Südostbayern).

Am Dienstag nistet sich das südliche, sehr kräftige Cut-Off mit seinem Kern über
der Iberischen Halbinsel ein. Auf der Vorderseite wird über Nordafrika und dem
westlichen Mittelmeer eine imposante Zyklogenese induziert, die wohl noch
Aufsehen erregen wird (unwetterträchtiges „High-Impact-Weather“). In
Mitteleuropa geht es ungleich ruhiger zu. Zum einen schwenkt der Rücken über den
Britischen Inseln zur Nordsee, zum anderen wölbt sich durch kräftige WLA auf der
Vorderseite des südlichen Cut-Offs, ausgehend von der Antizyklone über dem
Balkan ein weiterer Rücken Richtung Frankreich auf. Dazwischen finden sich zwar
noch Reste des nördlichen Cut-Offs, das vermutlich als Randtrog der mittlerweile
weit nördlich über Nordeuropa verlaufenden Frontalzone über Norddeutschland
hinweggesteuert wird, die Wetterwirksamkeit hält sich aber stark in Grenzen (ein
paar schlappe Schauer). Am Boden setzt sich nämlich bereits Hochdruckeinfluss
durch. Ein Keil des Azorenhochs schießt von Westen herein und bildet eine
eigenständige Hochzelle über Mitteleuropa. Die Frontalzone bekommt vorübergehend
Schub und wird als Kaltfront in den Süden und Südosten gedrückt, wo sie sich
unter dem großräumigen Absinken aber auflöst. Entsprechend präsentiert sich die
Mitte und der Süden recht freundlich. Da die Temperaturen auf 850 hPa auch im
Süden zurückgehen, weicht der Temperaturgegensatz insgesamt etwas auf,
wenngleich der Süden weiterhin am wärmsten wegkommt (Tmax um 20 Grad).

Am Mittwoch schwenkt der Rücken der Antizyklone über dem Balkan unter
Verstärkung nach Deutschland. Die dadurch gestützte Hochzelle wandert nach
Osteuropa ab, wodurch Deutschland in eine südöstliche bis südliche Strömung
gelangt. In ihr setzt sich niedertroposphärisch eine neuerliche Erwärmung durch
(T850 verbreitet 10 bis 17 Grad). Nach Auflösung zäher Nebelfelder, die sich in
einigen Flussniederungen durchaus auch den ganzen Tag halten können, scheint
verbreitet die Sonne. Nicht ganz so freundlich präsentiert sich lediglich der
Norden, wo an der Nordabdachung des Rückens das Absinken nicht ganz so effektiv
ist und feuchte Luft aus Südwesten advehiert wird.

Ab Donnerstag wird das Wettergeschehen etwas zyklonaler. Ein Kurzwellentrog, der
wieder etwas stärker mäandrierenden Höhenströmung über dem Nordatlantik und
Nordeuropa, schwenkt von den Britischen Inseln über die Nordsee nach
Skandinavien. Er hobelt den Rücken über Deutschland ab. Die Kaltfront des
korrespondierenden Sturmtiefs greift mit Wolken und etwas Regen auf den
Nordwesten und Norden über. Auch im Südwesten wird es wieder wolkiger, den auf
der Vorderseite des hochreichenden (Unwetter-)Tiefs über dem westlichen
Mittelmeer sickert feuchtere Luft ein. Es wird sogar etwas Labilität erzeugt,
fehlender dynamischer Antrieb und ein Deckel machen Schauer und Gewitter aber
eher unwahrscheinlich. Nach Südosten und Osten zu steht dagegen ein weiterer,
fernab zäher Nebelfelder sehr freundlicher und milder Tag ins Haus. Je nach
räumlicher Exposition des Cut-Offs über dem Mittelmeer, könnte sich an den Alpen
allerdings wieder ein Föhnsturm einstellen.

Am Freitag und in der erweiterten Mittelfrist stellt sich ein klassisches
Viererdruckfeld ein, mit hochreichenden, steuernden Tiefdruckkomplexen über dem
Nordatlantik und Fennoskandien/Nordwestrussland und Hochdruckgebieten über
Grönland und Südosteuropa. Die Temperaturgegensätze an der zwischen den Tiefs
mäandrierend verlaufenden Frontalzone werden dadurch weiter verschärft.
Typischerweise haben die Modelle Probleme, die sich aus diesem „instabilen“
Zustand eines Viererdruckfeldes heraus entwickelnde Großwetterlage zu erfassen.

Entsprechend unsicher ist auch die Wetterentwicklung für Deutschland.
Prinzipiell dominiert im Süden aber zunächst antizyklonales, mildes Wetter,
während es im Norden nahe oder unter der Frontalzone unbeständiger und kühler
sein dürfte. Ob es nachfolgend zu einem ersten signifikanten Kaltluftvorstoß
kommt, oder sich auch im Norden wieder milderes Wetter durchsetzt, ist völlig
offen.

Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs

Bis Donnerstag weist die jüngste IFS-Simulation von 00UTC keine
prognoserelevanten Unterschiede zu seinen Vorgängern auf. Die Umstellung zu
einer vorübergehend ruhigen, niederschlagsarmen und wahrscheinlich auch sehr
milden Wetterlage ist sicher.
Auch danach darf die Konsistenz der neusten IFS-Modellläufe zumindest als
passabel bezeichnet werden. Zwar wird das Timing und die Ausprägung des
neuerlichen Trogvorstoßes unterschiedlich simuliert, der Grundtenor der
deterministischen IFS-Läufe geht in der erweiterten Mittelfrist aber recht klar
in Richtung „leicht wechselhafter“ und vor allem im Norden „spürbarer kühlerer
Witterung“.

Vergleich mit anderen globalen Modellen

Die an dieser Stelle üblicherweise betrachteten, großen Globalmodelle (GFS,
ICON) weisen in ihren jüngsten Simulationen keine prognoserelevanten
Unterschiede zum IFS auf – zumindest bis Donnerstag. Danach zeigen sich – wie
schon innerhalb der IFS-Modellwelt – gewisse Unterschiede bei Timing und
Ausprägung des Trogvorstoßes. GFS zeigt im Verglich zu IFS und ICON eine für
Deutschland zurückhaltende Variante. Demnach würde nur der äußerste Nordwesten
von einer schwachen, kaum wetteraktiven Kaltfront erfasst werden.
Auch nachfolgend fährt GFS eine ganz andere Schiene als ICON und IFS. Zwar
rechnet es auch ein Viererdruckfeld, das aber deutlich nach Norden verschoben
ist. Deutschland verbliebe auf der (höhen-)warmen, antizyklonalen Seite.

Bewertung der Ensemblevorhersagen

Die Auswertung der Ensemblevorhersagen des IFS ergeben bis Donnerstag keine
wesentlich von der deterministischen Modellbetrachtung abweichenden
Erkenntnisse. So verlaufen die Rauchfahnen für 850-hPa-Temperatur und
500-hPa-Geopotenzial gut gebündelt, wobei der deterministische IFS-Lauf stets
gut in die Ensembleschar eingebettet ist.

Danach nimmt der Spread sowohl in Temperatur als auch Geopotenzial sprungartig
zu. Bei der 850-hPa-Temperatur beträgt die Spannweite schon am Freitag 20 K (+15
bis -5 Grad). Während einige Member auf konstant hohem Temperatur- und
Geopotenzial-Niveau verharren, zeigt die Mehrheit der Member einen
(vorübergehenden) moderaten, einige wenige einen signifikant starken und
nachhaltigen Temperaturrückgang.

FAZIT: Die Probleme mit der Vierderdruckfeld manifestieren sich auch im IFS-EPS.
Es ist völlig offen, was ab der erweiterten Mittelfrist (also zum Ende der
Woche) passiert. Stellt sich eine kalte, unbeständige Trog- oder Trograndlage
ein oder setzt sich das (höhen-)milde und ruhige Wetter fort?

Entsprechend polarisiert zeigt sich auch das Clustering für den Zeitraum
+192-240h: es werden 4 Cluster angeboten, die die komplette „Range“ an möglichen
Großwetterlagen bzw. Zirkulationsregimen abdecken. Das milde Lager
(Positive/Negative NAO mit Austrogung über West-/Nordwesteuropa) ist 26 Member
stark, das eher kalte Lager (Blocking/Atlantic Ridge) 25 Member stark – quasi
Patt.

Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen

STURM:
Am Montag in den Alpen anfangs noch Föhn mit (schweren) Sturmböen auf
Alpengipfeln und starken bis stürmischen Böen in anfälligen Föhntälern.
Am Mittwoch und Donnerstag an den Alpen wieder auflebender Föhn. Dabei Sturmböen
auf Alpengipfeln wahrscheinlich.

Ansonsten wahrscheinlich keine markanten Wettererscheinungen.

Basis für Mittelfristvorhersage
IFS, IFS-EPS, IFS-/MOS-MIX

VBZ Offenbach / Dipl. Met. Adrian Leyser

SYNOPTISCHE UEBERSICHT MITTELFRIST

S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T M I T T E L F R I S T
ausgegeben am Donnerstag, den 17.10.2019 um 10.30 UTC

Zunächst regnerisch, im Alpenraum Föhn. In der ersten Wochenhälfte
Wetterberuhigung, nachfolgend wieder wechselhafter.

Synoptische Entwicklung bis zum Donnerstag, den 24.10.2019

Zu Beginn des mittelfristigen Vorhersagezeitraums am Sonntag liegt Deutschland
vorderseitig eines umfangreichen Troges, dessen Achse von Skandinavien über die
Britischen Inseln nach Gibraltar zeigt in einer südwestlichen bis
südsüdwestlichen Strömung. So setzt sich der in den Alpen herrschende Föhn fort.
Am Boden verläuft eine Luftmassengrenze diagonal von Südwest nach Nordost über
Deutschland, die eine wärme Luftmasse im Südosten (T850 hPa 15 Grad) von einer
deutlich kühleren Luftmasse (T850 hPa 4 Grad) im Nordosten trennt. In deren
Bereich kommt es zu teils länger anhaltenden Regenfällen, Sonne ist föhnbedingt
lediglich im Südosten zu finden.

Zum Montag kommt der Trog geringfügig ostwärts voran und zieht sich zunehmend in
die Länge. Der dann mit mehreren Drehzentren ausgestattete Trog tropft im
Tagesverlauf zur Iberischen Halbinsel ab und der Resttrog schwenkt in der Nacht
zum Dienstag über Norddeutschland ostwärts durch. Allerdings bildet sich im
Verbindungsbereich des Randtroges mit dem Höhentief ein weiteres Drehzentrum
über der Nordsee aus. Die Luftmassengrenze verlagert sich weiter ostwärts,
sodass die 850-Temperaturen zumindest vorübergehend in ganz Deutschland
einstellig werden.

Am Dienstag baut sich hohes Geopotential über Mitteleuropa auf. Allerdings
könnte sich das Tief über der Nordsee, das sich in ein kleinräumiges Höhentief
wandelt und über Dänemark ostwärts zieht, für etwas Hebung über Norddeutschland
sorgen. Korrespondierend zum Rücken etabliert sich auch ein Hoch am Boden, das
von Frankreich kommend über Deutschland nach Polen wandert.

Am Mittwoch verlagert sich das Drehzentrum des Höhentiefs von der Iberischen
Halbinsel allmählich in den westlichen Mittelmeerraum. Zeitgleich erfolgt eine
neue Randtrogentwicklung vom nördlichen Atlantik bis nach Irland. Die zu Beginn
noch über Deutschland verlaufende Achse des Rückens verlagert sich sukzessive
ostwärts. Die im Süden liegende Luftmassengrenze macht Boden nach Norden hin
gut.

Am Donnerstag gliedert sich das südwesteuropäische Höhentief diesem Randtrog
wieder an, am Abend verläuft die Achse von den Britischen Inseln bis nach
Tunesien. Ein weitgehend okkludiertes Frontensystem schiebt sich langsam in den
Westen Deutschlands.

In der erweiterten Mittelfrist tropft der Höhentrog erneut ab und verlagert sich
in den Mittelmeerraum, während der Resttrog langsam über Norddeutschland zieht.
So scheint sich die Wetterlage im Norden aufgrund der Nähe zur Frontalzone
zyklonal zu gestalten, während der Süden von hohem Luftdruck über Südwesteuropa
profitieren könnte.

Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs

Die Konsistenz des aktuellen IFS-Laufs ist bis Montag hoch und lässt dann nach.
Trotz einiger Unterschiede in den synoptischen Strukturen ist der Lauf
brauchbar. Bereits beim Abtropfprozess des westeuropäischen Troges zur
Iberischen Halbinsel am Montag sind Unterschiede im Timing zu finden,
insbesondere aber im Verhalten des ostwärts schwenkenden Resttroges, der im
aktuellen Lauf wieder etwas mehr auf den Norden Deutschlands übergreift. Die
Zunahme des Geopotentials über Deutschland ist unstrittig, allerdings bildet
sich am Dienstag über der Nordsee nach dem aktuellen Lauf ein kleinräumiges
Höhentief, der das Wetter in Norddeutschland weiterhin unbeständig gestalten
könnte. Zum Donnerstag gliedert sich das mittlerweile über dem westlichen
Mittelmeer befindende Höhentief schneller wieder dem westeuropäischen Trog an.

Vergleich mit anderen globalen Modellen

Der Vergleich von IFS, ICON und GFS zeigt zunächst Gemeinsamkeiten beim
Abtropfprozess und beim Aufbau des hohen Luftdrucks. Allerdings wird das
Trogresiduum anders behandelt, nach ICON liegt die Frontalzone etwas südlicher
als nach IFS und GFS. Die Wiederangliederung des Höhentiefs an den
nordwesteuropäischen Trog wird von ICON gestützt, nach GFS erfolgt diese erst
später und nachfolgend greift der Trog auf Deutschland über. So kann ab Ende des
Mittelfristzeitraums wohl nur noch spekuliert werden.

Bewertung der Ensemblevorhersagen

Die Rauchfahnen repräsentativer deutscher Städte stützen den Temperaturrückgang
zum Dienstag und die wieder nordwärts vorankommende Luftmassengrenze am
Mittwoch. Niederschlagssignale sind vor allem am Sonntag zu finden und nehmen ab
Donnerstag wieder zu und stützen damit das o.g. Szenario.
Im Zeitraum 120 168h ergeben sich in der Clusteranalyse 2 Cluster, die annähernd
gleichverteilt sind (26 zu 25 Member), wobei der Kontroll- wie auch der
Hauptlauf sich in Cluster 1 befinden, der einen etwas stärkeren Rücken und einen
etwas nördlicheren Verlauf der Frontalzone zeigt.
Im Zeitraum 192 240h ergeben sich 3 Cluster, in denen der am stärksten besetzte
Cluster 1 (mit deterministischen Lauf) eine starke Austrogung über Westeuropa
beinhaltet, während Cluster 2 (mit Kontrolllauf) den Trog eher über
Norddeutschland positioniert. Der dritte Cluster favorisiert einen starken
Rücken über Deutschland. Damit dürfte für jeden was dabei sein, eine Aussage
lässt sich aber nicht mehr treffen.

Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen

WIND:
EFI wie auch die Probabilistik zeigt den Föhn am Sonntag in den Alpen, es werden
Sturmböen (Bft 8-9), in exponierten Lagen auch schwere Sturmböen (Bft 10)
erwartet. Montag nachlassend.
Am Dienstag und Mittwoch einzelne stürmische Böen (Bft 8) an der See nicht
ausgeschlossen.

Dauerregen:
Im EFI geringe Hinweise auf ein Dauerregenereignis im Südwesten am
Samstag/Sonntag. Seitens EZ-EPS nur geringe Wahrscheinlichkeit, lediglich
Cosmo-Leps stützt mit 30%-iger Wahrscheinlichkeit Mengen von mehr als 30 l/qm in
24 Stunden im Südschwarzwald.

Basis für Mittelfristvorhersage
EZ, EZ-EPS, EZ-Mos

VBZ Offenbach / Dipl. Met. Peggy Hofheinz

SYNOPTISCHE UEBERSICHT MITTELFRIST

S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T M I T T E L F R I S T
ausgegeben am Mittwoch, den 16.10.2019 um 10.30 UTC

Am Wochenende zeitweise Regen, an den Alpen Föhn. Zum Dienstag Wetterberuhigung.
Weiterhin meist mild bis sehr mild.

Synoptische Entwicklung bis zum Mittwoch, den 23.10.2019

Zu Beginn der Mittelfrist am Samstag und Sonntag liegt Deutschland auf der
Vorderseite eines umfangreichen Torges über Westeuropa und dem nahen
Ostatlantik, diagonal über dem Land liegt eine wellende Luftmassengrenze. Dabei
liegen die Temperaturen in 850 hPa im Nordwesten bei 3 bis 5 Grad, im Südosten
bei 10 bis 13 Grad. Das Wetter dürfte sich überwiegend wechselhaft gestalten,
mit einem Niederschlagsband quer über Deutschland. Die genaue Lage und die
Intensität dürfte auch von etwaigen, kurzwelligen Troganteilen abhängen.
Bevorzug ist voraussichtlich der Südosten Bayerns, dort dürfte sich föhnbedingt
meist trockenes und sehr mildes Wetter einstellen. Auf den Alpengipfeln herrscht
Föhnsturm.

Zum Montag vergrößert der westeuropäische Trog seine Amplitude und tropft am
Montag Richtung Portugal/Westspanien ab. Die Luftmassengrenze verlagert sich
daher nur wenig, vielleicht sogar etwas retrograd und liegt weiterhin diagonal
über Deutschland. Außerdem liegt der Norden auf der Vorderseite des
Trogresiduums, so dass dort auch schauerartige Verstärkungen bzw. einzelne
Gewitter und lokaler Starkregen auftreten können. Mit der etwas aufsteilenden,
auf Süd drehenden Höhenströmung fließt in den Südosten Bayerns mit knapp 15 Grad
in 850 hPa noch etwas wärmere Luft ein. In der Nacht zum Dienstag schwenkt dann
das Trogresidum über dem Vorhersageraum ostwärts durch, so dass sich auch die
wellende Front „endlich“ ostwärts verlagern kann. Zudem streckt sich ein Keil
des Azorenhochs Richtung Mitteleuropa und dämpft allmählich die
Wetterwirksamkeit der Luftmassengrenze.

Am Dienstag verlässt das sehr kurzwellige Trogresiduum Deutschland ostwärts, am
Boden steigt der Druck weiter und es bildet sich ein eigenständiges Bodenhoch
über West- und Mitteleuropa. Nachfolgend wölbt sich ein Keil auf, dessen Achse
vom zentralen Mittelmeer in Richtung Britische Inseln gerichtet ist. Die
Luftmassengrenze und damit auch noch leichte Niederschläge ziehen damit
größtenteils ebenfalls ab. Durch Absinken lässt die Wetterwirksamkeit ohnehin
weiter nach, temperaturtechnisch macht sie sich wahrscheinlich noch im äußersten
Süden bemerkbar. Dort liegen die 850 hPa-Temperaturen bei Werten um 10 Grad,
ganz im Norden streift die 0 Grad-Isotherme.

Am Mittwoch verlagert sich der Rücken unter Aufrichtung seiner Achse ostwärts
und liegt damit direkt über Deutschland. Das korrespondierende Bodenhoch
verlagert seinen Schwerpunkt nach Osteuropa. Niederschläge werden demnach nicht
erwartet. Mit einer südlich bis südwestlichen Höhenströmung wird an der
Ostflanke des nach wie vor über der Iberischen Halbinseln befindliche Höhentief
wieder wärmere Luft mit 850 hPa-Temperaturen von 10 bis 14 Grad herangeführt. Im
Nordosten werden 3 bis 5 Grad in 850 hPa erwartet.

In der zweiten Wochenhälfte, als in der erweiterten Mittelfrist, soll sich die
Frontalzone mit einer Austrogung bei den Britischen Inseln von Norden allmählich
wieder Deutschland nähern. Das Höhentief über dem Mittelmeer schwächt sich ab,
gliedert sich an den neuen Trog an und wird auf dessen Vorderseite etwas
nordostwärts geführt, ein entstehendes Mittelmeertief könnte mit seinen
Ausläufern dann auch den Süden beeinflussen. Es dürfte sich eine zyklonale West-
bis Südwestlage einstellen, bei der sich das Wetter insgesamt wieder
wechselhafter gestaltet.

Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs

Die Konsistenz der vorliegenden EZMW-Läufe ist einschließlich des Wochenendes
sehr gut, die Phasen- bzw. Timingunterschiede sind minimal.

Ab Montag nimmt die Konsistenz des aktuellen EZMW-Laufs zu seinen Vorläufen
etwas ab. Im neuesten EZMW-Lauf von 00 UTC vergrößert der westeuropäische Trog
seine Amplitude stärker und tropft bereits im Laufe des frühen Montags Richtung
Portugal/Westspanien ab. Die Vorläufe vollzogen den Cut-off erst im Laufe der
Nacht zum Dienstag und ließen zudem das Höhentief etwas weiter östlich abtropfen
und in der Folge deutlich rascher Richtung westliches Mittelmeer ziehen. Demnach
plädiert der aktuelle Lauf für eine schnellere Wetterberuhigung zum Dienstag
unter Ausbildung eines Bodenhochs über West- und Mitteleuropa und deutet
keinerlei Einfluss des Mittelmeertiefs (Höhentiefs) auf das Wetter in
Deutschland an. Bei den Vorläufen sah das zumindest für den Alpenraum noch
unsicher aus, ob von Süden Niederschläge bis nach Deutschland ausgreifen können.

In der erweiterten Mittelfrist soll sich die Frontalzone mit einer Austrogung
bei den Britischen Inseln allmählich wieder dem Norden Deutschlands nähern.
Hierbei zeigen die vorliegenden EZMW-Läufe naturgemäß noch größere Unterschiede,
insgesamt dürfte sich das Wetter aber wieder wechselhafter gestalten.

Vergleich mit anderen globalen Modellen

Bis einschließlich Montag simulieren die anderen Betrachteten Globalmodelle
(ICON, GFS) die Grundstrukturen sehr ähnlich, erst in der weiteren Entwicklung
unterscheidet sich der Umgang mit dem abgetropften Höhentief.
Während ICON vor allem das Trogresiduum weniger markant simuliert als der
aktuelle EZMW-Lauf und ansonsten die Lösung des EZMW weitgehend stützt, hat GFS
dieses überhaupt nicht im Plan. GFS simuliert dafür das Höhentief deutlich
weiter östlich und einen sich ebenfalls weiter östlich aufwölbenden Rücken.
Damit würde sich nach Lesart von GFS das Bodenhoch weiter nördlich über
Südskandinavien etablieren und Deutschland im zyklonalen Einfluss auf der
Vorderseite des umfangreichen Höhentiefs und eines korrespondierenden
Bodentiefkomplexes über Westeuropa verbleiben. Von einer Wetterberuhigung könnte
dann keine Rede sein.

Bewertung der Ensemblevorhersagen

Die Clusterananlyse des EZMW liefert für den ersten Zeitraum (+72 bis +96 h) 3
Cluster mit 28, 14 und 9 Membern. Die Unterschiede sind marginal in der
Ausdehnung des westeuropäischen Troges. Im Zusammenspiel mit dem Wissen um die
Luftmassengrenze diagonal über Deutschland stützen diese Aussagen aber die
Unsicherheiten bzgl. der Details der Niederschlagsschwerpunkte.
Von Montag bis Mittwoch (+120 bis +168 h) werden 3 Cluster angeboten mit einem
stark besetzten 1. Cluster (30 Member, inkl. Haupt- und Kontrolllauf). Cluster 2
mit 12 Membern und Cluster 3 mit 9 Membern zeigen vom Grundgedanken zwar
Ähnlichkeiten, nämlich das Abtropfen des westeuropäischen Troges, allerdings ist
Cluster 2 deutlich langsamer als die Lösung des deterministischen EZMW-Laufes
(und Cluster 1) und Cluster 3 vollzieht den Abtropfprozess deutlich schneller
und lässt zum Mittwoch zudem den Rücken über Mitteleuropa deutlich stärker
aufwölben. Cluster 2 zeigt hingegen gar keinen Rücken, sondern weiter zyklonal
beeinflusstes Wettergeschehen.
Zur erweiterten Mittelfrist (Donnerstag bis Samstag, +192 bis +240 h) werden 4
Cluster gezeigt, Grundtenor ist eine zyklonal geprägte West- bis Südwestlage,
die nach Cluster 1 (15 Member) und Cluster 2 (14 Member) anhält, Cluster 3 und 4
(14 bzw. 8 Member) deuten die Aufwölbung eines Keils über Westeuropa an, von dem
dann auch Deutschland profitieren würde.

Die Rauchfahnen wurden am Beispiel Offenbach betrachtet. Hier werden im
Wesentlichen die Aussagen des Hauptlaufes gestützt: Das Temperaturniveau in 850
hPa ändert sich wenig, auch wenn der Spread insbesondere ab Montag etwas
zunimmt. Zum Mittwoch hin steigt das Temperaturniveau auch in der Mehrzahl der
Member. Die Niederschlagssignale sind am Wochenende und auch am Montag noch
reichlich vorhanden, in fast allen Membern wird dann aber für Dienstag und
Mittwoch kein Niederschlag vorhergesagt. Und auch das Geopotenzial steigt ab
Sonntag peu à peu an, bis einschließlich Sonntag mit recht geringem Spread. Nach
der Wetterberuhigung am Dienstag und Mittwoch mit recht hohem Geopotenzial und
nur wenigen Membern mit geringem Geopotenzial, deutet sich in der Rauchfahne
wieder ein Abfall des Geopotenzials an, was der im Hauptlauf gezeigten Variante
entspricht. Interessant ist, dass der Kontrolllauf auf höherem
Geopotenzialniveau verbleibt.

Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen

WIND:
Am Samstag und Sonntag liefern sowohl EFI als auch die EPS-Verfahren deutliche
Signale für Föhn in den Alpen mit Sturmböen, zeitweise schwere Sturmböen auf
Alpengipfeln. Nur geringe Signale für Föhntäler mit Böen Bft 7.

DAUERREGEN:
EFI liefert für Samstag und Sonntag Signale im Bereich der wellenden
Luftmassengrenze und dort vor allem im Südwesten (Schwarzwald) für andauernde
Niederschläge, ob dabei tatsächlich Dauerregenwarnschwellen überschritten werden
bleibt abzuwarten. Die EPS-Verfahren zeigen den Schwerpunkt aktuell westlich
unserer Landesgrenzen.

STARKREGEN/GEWITTER:
Risiko für einzelne Gewitter und lokalen Starkregen am Montag im Norden.

Basis für Mittelfristvorhersage
EZ, EZ-EPS, EZ-MOS

VBZ Offenbach / Dipl. Met. Sabine Krüger