SYNOPTISCHE UEBERSICHT MITTELFRIST

S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T M I T T E L F R I S T
ausgegeben am Sonntag, den 08.12.2019 um 10.30 UTC

Wechselhaft, windig und mild, im Bergland zeitweise Schnee.

Synoptische Entwicklung bis zum Sonntag, den 15.12.2019

Am Beginn des mittelfristigen Vorhersagezeitraums am Mittwoch liegt Deutschland
zwischen einem Trog über dem Ostatlantik und einem weiteren Trog, der sich von
Südrussland bis in den Mittelmeerraum erstreckt im Bereich eines Keils. Der Keil
schwenkt allerdings im Tagesverlauf südostwärst, sodass der nachfolgende Trog
auf Westeuropa übergreifen kann. Im Vorfeld erreicht uns bereits in den
Frühstunden ein Frontensystem mit einem Niederschlagsband. Das Frontensystem
überquert uns bis zum Abend ostwärts. Die Mengen sind nicht warnwürdig, aber
oberhalb von etwa 800 m geht der Regen in Schnee über. Am Donnerstag schwenkt
der Trog unter Abschwächung über Deutschland hinweg ostwärts und rückseitig der
Front wird etwas kühlere Meeresluft zu uns geführt. Es ist vor allem im Süden
wechselhaft und die Schneefallgrenze sinkt auf etwa 500 m ab. Später nähert sich
von Westen her ein Randtrog Westeuropa und vorderseitig bildet sich dort ein
Bodentrog aus. Dadurch nimmt der Gradient zu und vor allem im Bergland der
Westhälfte gibt es stürmische Böen oder Sturmböen aus Südwest. Der hochreichende
Trog erreicht uns am Freitag und über den Niederlanden wird ein abgeschlossenes
970 hPa Bodentief simuliert. Vor allem im Westen gibt es länger andauernden
Niederschlag, ohne das jedoch Warnschwellen überschritten werden. Die
Schneefallgrenze liegt bei etwa 600 und vor allem im Schwarzwald als auch im
Thüringer Wald und im Erzgebirge kann es auch mäßigen Schneefall geben. Das
Bodentief füllt sich langsam auf und verlagert sich im Tagesverlauf des Freitags
in Richtung Nordostdeutschland. Am Samstag schwenkt der Trog weiter nach Osten
und bei uns stellt sich sowohl am Boden als auch in der Höhe eine flotte
westliche Strömung ein. Wir bleiben aber auf der kalten Seite der Frontalzone,
wobei die Temperatur in 850 hPa bei etwa -2°C liegt. Es bleibt unbeständig mit
Regen im Flachland und Schnee oberhalb von etwa 500 bis 700 m. Am Sonntag trogt
es über dem mittleren Atlantik aus und die Strömung dreht sowohl am Boden als
auch in der Höhe von West auf Südwest rück. Die flotte Grundströmung bleibt
erhalten und es ist auch weiterhin unbeständig mit Regen und im Bergland Schnee,
wobei etwas mildere Luft zu uns geführt wird. Auf den Bergen muss mit
stürmischen Böen oder Sturmböen gerechnet werden. In exponierten Gipfellagen
sind auch schwere Sturmböen oder orkanartige Böen nicht auszuschließen.
In der erweiterten Mittelfrist nähert sich der Trog langsam dem europäischen
Kontinent und die Strömung steilt langsam auf. Dadurch setzt sich das
wechselhafte, windige und für die Jahreszeit recht milde Wetter fort.

Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs

Bis Donnerstag stimmt der aktuelle Lauf des IFS recht gut mit den Vorläufen
überein. Dann allerdings lässt der neue Lauf den hochreichenden Trog deutlich
weiter nach Süden ausgreifen. Allerdings ist der Trog auch deutlich schmaler und
tendiert zum Cut-Off und daher ist die nachfolgende Westwindzone glatter und
weniger antizyklonal gekrümmt wie bei den Vorläufen. Am Sonntag besteht zwischen
dem aktuellen Hauptlauf und dem gestrigen 12UTC-Lauf eine recht gute
Übereinstimmung. Auch in der erweiterten Mittelfrist besteht eine recht hohe
Konsistenz zwischen den beiden letzten Läufen.

Vergleich mit anderen globalen Modellen

Bis Donnerstag besteht eine gute Übereinstimmung zwischen dem IFS und den
anderen Modellen. Unterschiede gibt es dann am Freitag, wenn IFS und ICON das
Sturmtief fast kongruent über den Niederlanden simulieren, während GFS das Tief
weiter nördlich am Skagerrak und auch deutlich tiefer, positioniert. Danach
stimmen die Modelle wieder recht gut überein.

Bewertung der Ensemblevorhersagen

Die Cluster Analysen zeigen für Donnerstag bis Samstag 3 Cluster, wobei der
deterministische Lauf sich in Cluster 1 befindet. Die Cluster zeigen ähnlich wie
der aktuelle IFS Lauf eine recht langgestreckte und glatte Westströmung die in
einem Trog über West- und Mitteleuropa endet. Das Strömungsmuster ändert sich in
Cluster 1 und 3 von einer positiven NAO am Donnerstag und Freitag zu einer
negativen NAO am Samstag. Für den anschließenden Zeitraum von Sonntag bis
Dienstag werden dann nur noch ein Cluster gerechnet, das dem Muster einer
negativen NAO entspricht.

Die Rauchfahne eines Punktes aus der Mitte Deutschlands zeigt für Mittwoch einen
kräftigen Temperaturrückgang. Die Temperatur steigt dann bis Mittwoch nächster
Woche wieder langsam an. Es werden für jeden Tag Niederschläge gerechnet, jedoch
ohne das jedoch bei den Ensembleläufen besonders hohe Niederschlagsspitzen
auftreten. Nach GEFS liegt das Temperaturniveau des Ensemblemittels ab
Donnerstag etwa 2K über dem Mittel 1981 bis 2010.

Als Resümee kann man konstatieren, dass die Ensembles die Lösung des
deterministischen Laufs des IFS stützten.

Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen

Der Extreme Forecast Index (EFI) zeigt am Donnerstag für kleine Gebiete im
Westen und im Norden ein Niederschlagssignal, was weder von EZMW-EPS noch von
COSMO-LEPS gestützt wird. Für Donnerstag zeigt der EFI Signale für Wind im
Westen, für Freitag auch für den Süden. Das wird von den Ensembles gestützt. Am
Samstag gibt es im Südwesten Signale für ein Niederschlagsereignis. Das wird von
den Ensembles wenigstens für den Alpenraum bestätigt.

Basis für Mittelfristvorhersage
MOSMix, EZMW-IFS, EPS

VBZ Offenbach / Dipl. Met. Rolf Ullrich

SYNOPTISCHE UEBERSICHT MITTELFRIST

S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T M I T T E L F R I S T
ausgegeben am Samstag, den 07.12.2019 um 10.30 UTC

Wechselhaft und teils sehr windig. Dabei oftmals Niederschlag, im Bergland teils
als Schnee. Im Flachland durchweg als Regen. Verhältnismäßig mild.

Synoptische Entwicklung bis zum Samstag, den 14.12.2019

Zu Beginn des mittelfristigen Vorhersagezeitraums am kommenden Dienstag zeigt
die Geopotentialverteilung über dem östlichen Mitteleuropa einen markanten
Langwellentrog, der im weiteren Tagesverlauf Verlauf nach Osten abzieht und mit
einem größeren Teil Richtung östliches Mittelmeer abtropft. Gleichzeitig schiebt
sich ein Höhenkeil über Westeuropa Richtung Mitteleuropa vor. Dadurch klingen
die Niederschläge auch im Südosten des Landes im Tagesverlauf allmählich ab und
es stellt sich generell eine vorübergehende Wetterberuhigung ein. Die
eingeflossene polare Luftmasse kommt zur Ruhe.
Diese Ruhe ist jedoch nur von kurzer Dauer, da sich ein vor der Südspitze
Grönlands rasant verstärkendes Tiefdruckgebiet zügig nach Osten verlagert und
sich in der Nacht zum Mittwoch als steuerndes Sturmtief über der Grönlandsee
bzw. Island einnistet. Dabei wird die teilokkludierte Kaltfront im Verlauf der
Nacht zum Mittwoch über Nordwesteuropa nach Benelux geführt. Die Folge ist in
der Nacht eine Bewölkungsverdichtung von Westen her und erhöhte
Wahrscheinlichkeiten für erste Niederschläge im Nordwesten Deutschlands. Bei
einer durchmischten Grenzschicht dank eines leicht böigen Südwestwindes (über
Land) deutet sich aus heutiger Sicht dabei keine großräumige Glatteisregenlage
an. Allerdings muss man im Süden und Osten des Landes mit Nachfrost rechnen, so
dass es dort lokal zu Glätte durch Überfrieren kommen dürfte.
Am Donnerstag nähert sich von Westen her ein neuer nach Süden zu ausgreifender
Randtrog Deutschland. Dadurch bekommt die über dem Nordwesten des Landes
liegende teilokkludierte Kaltfront einen Schub und verlagert sich allmählich
ostwärts Richtung Polen und Ungarn. Bei Temperaturen in 850 hPa Niveau von etwa
0 Grad überwiegt bei den Niederschlägen die flüssige Phase und oberhalb von etwa
600 bis 900 m setzt die feste Phase ein.
Am Freitag schwenkt der o. e. Randtrog nach Polen und Weißrussland ab, von
Westen nähert sich in der strammen westlichen Strömung ein neues Randtief,
welches im Tageverlauf die Britischen Inseln erreicht. Der dazugehörende
Frontenzug erfasst Deutschland im Tagesverlauf mit Wolken, zeitweiligen
Regenfällen sowie starken bis stürmischen Winden. Die Schneefallgrenze liegt bei
wenig geänderten 850 hPa Temperaturen weiterhin bei rund 800 m.

Auch am Samstag sowie im erweiterten mittelfristigen Vorhersagezeitraum setzt
sich das wechselhafte, windige und verhältnismäßig milde Wetter fort.

Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs

Der Mittelfristige Vorhersagezeitraum ist im Wesentlichen geprägt von einer
progressiven Westwindwetterlage mit zahlreichen Trog- und Keilpassagen. Bis
Samstag zeigen die letzten Läufe von IFS eine recht hohe Übereinstimmung
bezüglich der Geopotentialverteilung. Alles in allem zeigen alle Läufe eine
wechselhafte Mittelfrist mit nur kurzen Unterbrechungen. Mit der Zufuhr milder
atlantischer Luftmassen und sich nur temporär durchsetzenden etwas kälteren
Rückseitenlagen bleibt der Flachlandwinter weiterhin in weiter Ferne (was jedoch
nicht nächtlichen Frost und Glätte sowie regionale Schneefälle im Süden teils
bis in tiefe Lagen ausschließt).

Vergleich mit anderen globalen Modellen

Auch die anderen gängigen Globalmodelle wie GFS, GEM und ICON zeigen ähnliche
Ergebnisse. Es setzt sich eine recht milde Westströmung über Mitteleuropa durch.
Dabei sind Phasenverschiebungen und Amplitudenausschläge einzelner
durchschwenkender Wellen möglich und lassen sich im Detail nicht näher
klassifizieren. Unter Trogeinfluss wechselhaft soll es nach allen Modellen
werden, doch Feinheiten wie mögliche Schneefälle im Süden in der Nacht zum
Donnerstag können bei der vorhandenen Unsicherheit noch nicht mit großer
Zuversicht beantwortet werden.

Bewertung der Ensemblevorhersagen

Beim Blick auf die Cluster von 72 bis 96 h beginnt die Mittelfrist mit sechs
Clustern, wobei alle das klimatologische Regime „positive NAO“ zeigen. Bei allen
Lösungen liegt Deutschland am Rande eines markanten Troges, der im Begriff ist
nach Osteuropa abzuziehen, bzw. teils auch Richtung östliches Mittelmeer
abzutropfen. Danach schwenkt ein Höhenkeil von Westen her über uns hinweg, der
bei fast allen Clustern im Lauf des Mittwochs schon wieder verschwunden ist.
In der Folge 120 bis 168 h verbleibt die Anzahl der Cluster bei vier, wobei fast
alle das klimat. Regime „positive NAO“ hervorheben. Nur zwei Cluster beinhalten
kurzzeitig mal das Regime „negative NAO“.
Wie bereits in der Beschreibung der Wetterentwicklung besprochen zeigen sich
einige Diskrepanzen beim Blick auf die Geometrie des Höhentroges am kommenden
Dienstag sowie der daraus resultierenden eventuell anschließenden Entwicklung
eines Bodentiefs über Norditalien, was durch den neuesten Lauf weiter östlich
über Griechenland simuliert wird. Dennoch kann der Mittelfrist auch beim Blick
auf die Cluster ein wechselhafter und normal bis mild temperierter
Witterungscharakter bescheinigt werden.

Ein ähnliches Bild zeigt sich auch beim Blick auf die Meteogramme, wo ein
stetiges auf und ab der Niederschlagskurven bzw. der 850 und 500 hPa ENS
Rauchfahnen deutschlandweit gezeigt wird. Das Windmaximum am Montag kommt
besonders im Südwesten deutlich raus und auch die Schneeoptionen im Süden (am
Alpenrand) werden mit großen Unsicherheiten angedeutet.

Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen

Der EFI zeigt am Montag abgesehen vom Norden und Osten verbreitet erhöhte Werte
für Sturmböen mit den Spitzen im Südwesten. In der Nacht zum Dienstag werden die
Werte dann im Norden wieder höher. Dafür lässt der Wind im Süden wieder etwas
nach. Allerdings schwankt die genaue Schärfe des Gradienten von Lauf zu Lauf
(zumal das Modellklima über der Deutschen Bucht bereits höhere Werte zulässt und
somit die Abweichung im EFI nicht so markant herausgearbeitet werden kann).
IFS-EPS zeigt im Südwesten tagsüber besonders im etwas höheren Tiefland bereits
verbreitet Böen Bft 8 bis 9 (Bft 9 mit rund 35 %) und in der Nacht zum Dienstag
über der Deutschen Bucht mit 20 bis 30 % Böen Bft 11.
In der Folge beschränken sich stürmische oder Sturmböen auf die Küsten
(besonders Nordsee) und weiten sich mit geringen Wahrscheinlichkeiten temporär
in den Nordwesten von Deutschland aus. Darin stimmen auch die weiteren Modelle
und Ensembleverfahren überein.

In der Nacht zum Dienstag deuten sich durch EFI und andere statistischen
Verfahren am Alpenrand markante Schneefälle, teils auch unwetterartige
Schneefälle an. Diese klingen dann am Dienstag tagsüber wieder ab.

Basis für Mittelfristvorhersage
IFS, MOS-MIX, IFS-EPS

VBZ Offenbach / Dipl. Met. Stefan Külzer

SYNOPTISCHE UEBERSICHT MITTELFRIST

S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T M I T T E L F R I S T
ausgegeben am Freitag, den 06.12.2019 um 10.30 UTC

Zum Beginn Sturm und mild, ab Dienstag wechselhaft und nur geringfügig kälter.
Bergland und Küsten weiterhin Sturmböen. Alpenrand und inneralpin teils markante
Neuschneemengen. Nachts im Süden und Osten häufig leichter Frost und Glätte.

Synoptische Entwicklung bis zum Freitag, den 13.12.2019

Die Mittelfrist soll wieder mit einem kurzen Blick auf die obere Troposphäre und
Stratosphäre beginnen. Regionen, denen zur Winterzeit eh das Hauptaugenmerk
gilt. Der stratosphärische Polarwirbel ist aktuell trotz einer geringen
Verschiebung in einem recht gesunden Zustand, was sich sowohl bei den
gemittelten Zonalwinden in 60 Grad Nord (10 hPa) rund um den klimat. Median als
auch bei der Temperaturverteilung in demselben Niveau widerspiegelt. In rund 150
hPa verschiebt sich das Zentrum des Wirbels die Mittelfrist über von der Karasee
zunächst Richtung Nordwesten, verbleibt aber südöstlich der Polarstern (Position
bei rund 86 N 122 O, 05 MEZ) und weitet sich in der Folge rasant in Richtung
nördliches Europäisches Nordmeer aus. Weiterhin findet keine direkte Kopplung
zwischen dem stratosphärischen und dem troposphärischen Wirbel statt mit einem
die Mittelfrist über kräftigen trop. Wirbel (allerdings mit nur geringen
positiven Anomaliewerten) und einem leicht geschwächten strat. Wirbel. Die Folge
dieser Entwicklung ist eine anhaltend negative Geopotentialanomalie über
Skandinavien, die sich im Verlauf der Mittelfrist mit einer weiteren negativen
Anomalie über Kanada verbindet. Kein Wunder, dass die NAO aktuell die höchsten
Werte seit dem Sommer aufweist und die Ensemblevorhersage auf absehbare Zeit
einen konstant hohen Wert andeutet. Daher stehen die Zeichen in Europa weiterhin
auf „stramme Westwindzone“. Bezüglich der Option eines Extremereignisses (z.B.
Orkantief) deutet sich der folgende „störende“ Faktor an: da sich über Russland
die Mittelfrist über der Aufbau einer blockierenden Omegalage einstellt, werden
die ostwärts wandernden Tröge über Ost/Südosteuropa abgeblockt und lassen das
Geopotential über Südosteuropa konstant auf einem niedrigen Niveau, was den
Gradienten über Mitteleuropa etwas entschärft. Auch die wiederholt auftretende
retrograde Entwicklung des Azorenkeils entschärft nicht nur den
Geopotentialgradienten, sondern ermöglicht den Trögen über Europa markant und
nachhaltig zu amplifizieren.
Dennoch sorgen sich peripher entlang des trop. Polarwirbels rasant entwickelnde
Zyklone besonders in Nordwest – und Nordeuropa für zeitweise erhöhtes
Sturmpotential.
Am Rande sei erwähnt, dass zum Ende der Mittelfrist eine markante Rossby-Welle
von Kanada nach Osten wandert und stromab über dem Nordatlantik für markanten
Geopotentialanstieg sorgt, was in der Folge mit einer Intensivierung und
Südverlagerung der Frontalzone bezüglich Sturmgefahr für Europa interessanter
werden könnte. Gleichzeitig sieht der Polarwirbel trotz einer deutlichen
stratosphärischen Erwärmung über Asien und dem Nordpazifik bis zum Ende der
Mittelfrist wieder kräftiger aus, was sich auch in einem erneuten Anstieg der
zonalen Windgeschwindigkeit andeutet.

Zum Beginn, am Montag, deutet sich eine Trogpassage an, die besonders tagsüber
auf der Vorderseite skalige Niederschläge hervorruft, wobei die Niederschläge
bei T850 Werten von leicht unter 0 Grad oberhalb von 800 m als Schnee fallen.
Mit der nächtlichen Kaltfrontpassage klingen die Niederschläge bei einer auf
rund 600 m absinkenden Schneefallgrenze von Westen zügig ab. Allerdings deuten
sich inneralpin kräftige Stauniederschläge an, die teils bis ins Alpenvorland
ausgreifen. Der Luftdruckgradient scheint besonders dank einer markanten
Keilaufwölbung stromauf über dem Nordostatlantik und dem sich nur zögernd von
der Deutschen Bucht nach Südschweden verlagernden Bodentief über Deutschland
immerhin so üppig auszufallen, dass im Tiefland Bft 7 bis 8, im Bergland
durchweg Bft 9, exponiert Bft 10 bis 11 zu erwarten sind.

Am Dienstag wandert der bereits angesprochene Keil nach Deutschland und sorgt
tagsüber für eine durchgreifende Wetterberuhigung mit zögernd nachlassenden
Stauniederschlägen am Alpenrand (oberhalb von 600 bis 800 m als Schnee). Der am
Vortag noch wetterbestimmende Trog zieht unter Abschwächung nach Südosteuropa
und scheint dort abtropfen zu wollen. Diese Ruhe ist jedoch nur von kurzer
Dauer, da sich ein vor der Südspitze Grönlands rasant verstärkendes
Tiefdruckgebiet zügig nach Osten verlagert und sich in der Nacht zum Mittwoch
als steuerndes Sturmtief über der Grönlandsee einnistet. Dabei wird die
teilokkludierte Kaltfront im Verlauf der Nacht zum Mittwoch über Nordwesteuropa
nach Benelux geführt. Die Folge ist in der Nacht eine Bewölkungsverdichtung von
Westen und erhöhte Wahrscheinlichkeiten für erste Niederschläge im Nordwesten.
Bei einer durchmischten Grenzschicht dank eines leicht böigen Südwestwindes
(über Land) deutet sich aus heutiger Sicht dabei keine Glatteisregenlage an.

Am Mittwoch und in der Nacht zum Donnerstag tendiert der aktuelle IFS-Lauf zu
einem stark nach Süden ausgreifenden Trog, wobei dieser als PV streamer in der
Nacht zum Donnerstag bis nach Nordalgerien reicht. Zusätzlich scheint sich durch
die Interaktion mit den Alpen und einem verschärften baroklinen Gradienten über
dem nördlichen Mittelmeer ein Leetief über Norditalien ausbilden zu wollen.
Tagsüber würde somit die Okklusion allmählich von West nach Ost über Deutschland
gedrückt werden, dabei im Süden jedoch ins Schleifen geraten und forciert durch
die Mittelmeerzyklogenese in der Nacht zum Donnerstag dort skalige Niederschläge
bringen, die bei T850 hPa Temperaturwerten um -1 Grad oberhalb von 600 m
zunehmend in Schnee übergehen.

Am Donnerstag findet über dem Nordatlantik eine markante Keilaufwölbung statt,
die Deutschland zu dem Zeitpunkt nur indirekt per „downstream development“
beeinflusst, denn es kann sich entlang der Ostflanke des Keils eine stark
mäandrierende Höhenströmung bzw. eine bis nach Algerien reichende Rossby-Welle
ausbilden, die Deutschland beeinflusst. Dabei soll ein Höhentrog mit
kurzwelligem Anteil von Schottland in Richtung Nordsee geführt werden, diese
liegt jedoch zum supergeostrophisch aufgeblähten 150 bis 180 kn Jet in 300 hPa
ungünstig und weist keine Vertiefungstendenzen auf. Die das Tief begleitende
Okklusion erfasst auch in der Nacht zum Freitag Deutschland noch nicht, sodass
der Tag und die Nacht abgesehen von einzelnen Schauern und nachlassenden
Stauniederschlägen am Alpenrand insgesamt ruhig verläuft.

Auch am Freitag ändert sich vorerst noch wenig, auch wenn der markante Keil bis
in die Nacht zum Samstag nach Frankreich vorankommt. Die bereits erwähnte
Okklusion wird nach Deutschland geführt und bringt besonders in der Nacht zum
Samstag deutschlandweit verbreitet Niederschläge.

Nach dem voraussichtlichen Sturmmaximum zum Beginn der Mittelfrist beschränken
sich Sturmböen auf die Küsten und die Berge. Exponiert sind weiterhin teils
schwere Sturmböen nicht ausgeschlossen. Im Tiefland frischt der meist aus West
bis Südwest wehende Wind nur zeitweise und regional böig auf.
Die Höchstwerte gehen von rund 10 Grad am Montag auf 3 bis 8 Grad an den
Folgetagen zurück, wobei es bei Dauerniederschlägen teils auch kälter bleibt.
Die Tiefstwerte deuten einen tendenziell frostfreien Nordwesten und Norden sowie
einen leicht frostigen Süden und Osten an mit einem variablen Übergangsbereich
über der Mitte. Mit Glätte ist somit besonders in den Frostgebieten und in den
angesprochenen Schneefallgebieten im Süden zu rechnen.

Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs

Die Mittelfrist über stellt sich in Mitteleuropa eine progressive
Westwindwetterlage mit zahlreichen Trog- und Keilpassagen ein. Bis in die Nacht
zum Mittwoch zeigen die letzten Läufe von IFS eine gute Übereinstimmung
bezüglich der Geopotentialverteilung.
In der Folge jedoch nehmen die Unsicherheiten zu, wie weit sich ein markanter
Trog zum Ende der Mittelfrist u.U. bis ins zentrale Mittelmeer ausweitet. Dies
wird in den letzten beiden IFS-Läufen mit einer potentiellen
Mittelmeertiefentwicklung und somit mit einer vorübergehenden Unterbrechung der
zonal ausgerichteten Westwindwetterlage angedeutet. Die Folge dieser Entwicklung
wären skalige Niederschläge im Süden und Osten von Deutschland, bevor zum
Wochenende erneut eine kräftige Frontalzone auf Mitteleuropa übergreift.
Alles in allem zeigen alle Läufe eine wechselhafte Mittelfrist mit nur kurzen
Unterbrechungen. Mit der Zufuhr milder atlantischer Luftmassen und sich nur
temporär durchsetzenden etwas kälteren Rückseitenlagen bleibt der
Flachlandwinter weiterhin in weiter Ferne (was jedoch nicht nächtlichen Frost
und Glätte sowie regionale Schneefälle im Süden bis in tiefe Lagen ausschließt).

Vergleich mit anderen globalen Modellen

Auch beim Blick auf die weitern Globalmodelle zeigt sich ein sehr ähnliches Bild
mit rasch zunehmender Streuung, je weiter man über die Wochenmitte hinausblickt.
Zu dem Zeitpunkt ist unsicher, wie stark sich ein Trog nach Süden ausweitet, ob
er mit einer Mittelmeerzyklogenese einhergeht und wie viele kurzwelligere
Anteile den Haupttrog umrunden. Unter Trogeinfluss wechselhaft soll es nach
allen Modellen werden, doch Feinheiten wie mögliche Schneefälle im Süden in der
Nacht zum Donnerstag können bei der vorhandenen Unsicherheit noch nicht mit
großer Zuversicht beantwortet werden. Erst die markante Keilaufwölbung aus
Westen zum Ende der Mittelfrist wird wieder recht einheitlich von allen Modellen
mitgetragen.

Bewertung der Ensemblevorhersagen

Beim Blick auf die Cluster beginnt die Mittelfrist mit vier Clustern, wobei zwei
das klimatologische Regime „positive NAO“ und zwei „Atlantikrücken“ zeigen. Bei
allen Lösungen liegt Deutschland unter einem breiten Trog und deuten somit einen
wechselhaften Wetterabschnitt an. Die Lage und Intensität des Kerntiefs variiert
innerhalb der Cluster nur geringfügig.
In der Folge verbleibt die Anzahl der Cluster bei vier, wobei nun alle das
klimat. Regime „positive NAO“ hervorheben. Wie bereits in der Beschreibung der
Wetterentwicklung besprochen zeigen sich erhebliche Diskrepanzen beim Blick auf
die Geometrie des Höhentroges sowie bei der Entwicklung des Bodentiefs über
Norditalien. Abgesehen von Feinheiten kann jedoch der Mittelfrist auch beim
Blick auf die Cluster ein wechselhafter und normal bis mild temperierter
Charakter bescheinigt werden.

Ein ähnliches Bild zeigt sich beim Blick auf die Meteogramme, wo ein stetiges
auf und ab der Niederschlagskurven bzw. der 850 und 500 hPa ENS plumes
deutschlandweit gezeigt wird. Das Windmaximum am Montag kommt besonders im
Südwesten deutlich raus und auch die zunehmenden Schneeoptionen im Süden (am
Alpenrand) werden mit großen Unsicherheiten gezeigt.

Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen

Sturmböen:
Der EFI zeigt am Montag und in der Nacht zum Dienstag abgesehen vom Nordosten
verbreitet erhöhte Werte mit den Spitzen im Südwesten. Dies steht etwas im
Gegensatz zum letzten det. Lauf, der dank der Platzierung des Bodentiefs und des
Gradienten über der Deutschen Bucht spätestens zum Abend dort ein größeres
Windmaximum andeuten würde. Allerdings schwankt die genaue Schärfe des
Gradienten von Lauf zu Lauf (zumal das Modellklima über der Deutschen Bucht
bereits höhere Werte zulässt und somit die Abweichung im EFI nicht so markant
herausgearbeitet werden kann). IFS-EPS zeigt im Südwesten tagsüber besonders im
etwas höheren Tiefland bereits verbreitet Böen Bft 8 bis 9 (Bft 9 mit rund 35 %)
und in der Nacht zum Dienstag über der Deutschen Bucht mit 20 bis 30 % Böen Bft


  1. In der Folge beschränken sich stürmische oder Sturmböen auf die Küsten
    (besonders Nordsee) und weiten sich mit geringen Wahrscheinlichkeiten temporär
    in den Nordwesten von Deutschland aus. Darin stimmen auch die weiteren Modelle
    und Ensembleverfahren überein.

Schnee:
Besonders in der Nacht zum Dienstag deuten sich am Alpenrand innerhalb der
Ensembles wie ICON-EU oder IFS-EPS selbst im Median markante Neuschneemengen an
mit Maxima im Unwetterbereich (jenseits von 30 mm / 24h). Die synoptische
Ausgangslage und die Konsistenz innerhalb der Ensembles lassen dieses
Schneefallereignis als wahrscheinlich erscheinen.
Auch in der Folge schneit es inneralpin und am Alpenrand zeitweise kräftig,
wenngleich die Signale innerhalb der Ensembles zunehmend verschwimmen bzw. der
EFI immer geringere Werte aufweist. Diese Unsicherheit hängt auch mit der
synoptischen Entwicklung (u.a. Mittelmeerzyklogenese) ab.

Basis für Mittelfristvorhersage
IFS, MOS-MIX, IFS-EPS

VBZ Offenbach / Dipl. Met. Helge Tuschy

SYNOPTISCHE UEBERSICHT MITTELFRIST

S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T M I T T E L F R I S T
ausgegeben am Donnerstag, den 05.12.2019 um 10.30 UTC

Zyklonale Westlage mit viel Wind, teils Sturm und wiederholt Niederschlag, meist
als Regen.

Synoptische Entwicklung bis zum Donnerstag, den 12.12.2019

Schon ein flüchtiger Blick auf die 16er-Blätter von IFS (ECMF) – ja, es gibt
tatsächlich noch ein paar wenige Meteorologen, die sich Wetterkarten auf Papier
anschauen – genügt, um das zu bestätigen, was die Kollegen des Verfassers schon
in den letzten Tagen an gleicher Stelle kommuniziert haben: Westlage bis zum
Abwinken. Zwar verläuft die Frontalzone nicht glatt wie ein Kinderpopo, sondern
neigt durchaus zu einer mal mehr, mal weniger ausgeprägten Mäandrierung. Die
daraus resultierenden Tröge und Keile werden aber alle progressiv gerechnet, so
dass sich eine neuerliche Blockierung nicht abzeichnet.

Ins Detail, das sich zu Beginn des mittelfristigen Prognosezeitraums am
kommenden Sonntag, dem 2. Advent wie folgt darstellt: Deutschland befindet sich
am warmen Rand der langgestreckten, leicht schwingenden Frontalzone, die von
Neufundland bis zum östlichen Mitteleuropa reicht, von wo aus sie nach Nordosten
abbiegt. Ein eingelagerter flacher Rücken wandert im Tagesverlauf zügig über den
Vorhersageraum ostwärts, ohne dabei nennenswerten Zwischenhocheinfluss zu
generieren. Im Gegenteil, er wird von WLA überlaufen, die das nächste, rasch
nach Osten vorstoßende okkludierende Frontensystem ankündigt. Es gehört zu einem
mehrkernigen Tiefkomplex über dem Ostatlantik, das das Seegebiet zwischen
Schottland und Island in Richtung Norwegen passiert. Mit lebhaftem, teils
stürmischem Südwestwind wird tagsüber milde Atlantikluft (T850 2 bis 7°C)
herangeführt, bevor wie in der Nacht zum Montag hinter der Kaltfront eine
Portion subpolarer und nicht wirklich kalter Meeresluft (T850 um oder etwas
unter 0°C) überspült werden. Mit der WLA breitet sich von Nordwesten her zügig
skaliger Regen südostwärts aus, bevor die Niederschläge ab den Abendstunden
konvektiven Charakter annehmen und in den Kammlagen der Mittelgebirge ein paar
Schneeschauer fallen können. Kurz zusammengefasst, man kann sich weitaus
behaglichere Rahmenbedingungen für einen potenziellen Weihnachtsmarktbesuch
vorstellen.

Die neue Woche startet dann mit der Passage eines Potenzialtroges, der ohne
nennenswerte Verschiebung mit einem thermischen Trog korreliert. Dabei gelangt
höhenkalte Luft (T500 um -30°C) zu uns, während niedertroposphärisch zunächst
noch die heizende Wirkung der vorgelagerten Seegebiete greift (0 bis -2°C).
Damit ist die Luftmasse ausreichend labil geschichtet, um mit Unterstützung
kurzwelliger Troganteile eine sehr rege Schaueraktivität anzuregen, die unter
dem Strich einige ordentliche Huschen zustande bringt. Kurze Gewitter sind dabei
ebenso möglich wie Graupelschauer, während Schnee wohl zunächst nur in den
Kammlagen der Mittelgebirge sowie in den Alpen oberhalb 1000 bis 1200 m fällt.
In der Nacht zum Montag könnte die Schneefallgrenze allerdings sinken, wenn die
maritime Polarluft einen direkteren Weg wählt und die 850-hPa-Temperatur auf -3
bis -7°C sinkt.
Im Fokus bleibt auch weiterhin der Wind. So erreicht der o.e. Tiefkomplex
Skandinavien, wo er ein klassisches Dipolmuster annimmt. Während der nördliche,
für uns weniger interessante Kern in Richtung Finnland abdriftet, wählt das
südliche Minimum den Weg über Nordjütland/Skagerrak in Richtung Osten. Der
zugehörige Bodentrog reicht weit nach Süden und soll tagsüber insbesondere den
südlichen Landesteilen Wind und evtl. auch Sturm bringen. Ab dem Abend könnte es
dann für die Nordsee und – abgeschwächt – das nord- und nordwestdeutsche
Binnenland interessant werden, wenn das rückseitige Sturmfeld übergreift. An und
auf der Nordsee könnte es zumindest kurzzeitig mal für schwere Sturmböen oder
sogar Orkanböen aus Nordwesten reichen.

Am Dienstag ist dann die nächste Rückenschulung dran, die etwas nachhaltiger
ausfällt als am Sonntag. So ist die Amplitude des Höhenkeils deutlich
ausgeprägter, was sich auch auf das Bodendruckfeld auswirkt, wo sich ein schöner
Keil von Südwesteuropa bis nach Skandinavien aufwölbt. Kurzum, Wind und
Niederschlag kommen vorübergehend zur Ruhe, wobei die Betonung auf
„vorübergehend“ liegt. Bereits in der Nacht zum Mittwoch gelangt der Nordwesten
auf die Vorderseite des nächsten Troges, der sich vom nahen Ostatlantik nähert.
Er steht in Verbindung mit einem veritablen Sturmtief, einem echten Klopfer mit
Gütesiegel nahe 960 hPa, der um Mitternacht knapp an der Südküste Islands
ostwärts vorbeizieht. Zuerst greift die zugehörige Warmfront mit etwas Regen
über, tagsüber dann die teilokkludierte Kaltfront mit etwas mehr Regen, der sich
von Nordwest nach Südost verlagert. Hinter der Front gelangt ein neuerlicher
Schwall erwärmter Meereskaltluft subpolaren Ursprungs nach Deutschland (T850 0
bis -4°C), in der sich mit gütiger Hilfe des o.e. Höhentrogs Schauer (teils mit
Graupel und kurzen Gewittern, Schnee nur ganz oben) entwickeln.

Am Donnerstag wandert der dann der nächste flache Rücken rasch über uns hinweg,
ohne das Wetter wirklich zu beruhigen (am ehesten im Süden etwas
Zwischenhocheinfluss). Im Zuge einer kräftigen Austrogung über dem nahen
Ostatlantik bzw. Westeuropa dreht die Strömung rück auf Süd-Südwest. Bis zum
dritten Adventswochenende tropft der Trog über Südwesteuropa ab, was
Mitteleuropa respektive Deutschland zunehmend in eine glatte und ziemlich
bewegte Zonalströmung bringt – Westlage halt!

Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs

Der aktuelle Modelllauf von IFS (ECMF) von heute 00 UTC fügt sich sehr gut in
das Prognoseschema seiner jüngsten Vorgänger ein. Mit anderen Worten, an der
mittelfristigen Ausrichtung der Großwetterwetterlage bestehen rein aus
Konsistenzgründen keine Zweifel. Somit muss auch an der offiziellen
Wettervorhersage von gestern kaum getunt werden. Wenn, dann handelt es sich um
Kleinigkeiten, die den prognoseüblichen Timingunschärfen respektive kleineren
räumlichen Verschiebungen geschuldet sind. Auch beim Wind sind gewisse
Anpassungen denkbar, allerdings bedarf es erst der Sichtung anderer
Modelllösungen bzw. der statistischen Prognosen.

Vergleich mit anderen globalen Modellen

Grundsätzlich haben die anderen etablierten Globalmodelle (ICON, GFS, GEM, UKMO)
auch keine anderen Ideen parat. Allerdings ist jedes Modell so selbstbewusst,
eine eigene Meinung zum Detailablauf zu formulieren, die sich nicht immer ganz
deckt mit den anderen Lösungen. Ein Beispiel: Während IFS das Zwischenhoch am
Dienstag ziemlich kräftig simuliert und damit weiten Teilen Deutschlands einen
trockenen Tag bescheren würde, tendieren ICON und GFS zu einer raschen
Eintrübung von Westen her mit aufkommenden Regenfällen. Ohnehin ist GFS das
Modell, das einen starken Hang zur Zonalisierung hat mit einer schleifenden
Front, die Deutschland von Dienstag bis Donnerstag mit z.T. kräftigen Regen
langsam südwärts überquert – ein Szenario, das im deterministischen Vergleich
etwas aus dem Rahmen fällt.

FAZIT: Im Großen und Ganzen steht der Fahrplan, allerdings mit den
unweigerlichen „Verspätungen“ in Form von Timingunterschieden.

Bewertung der Ensemblevorhersagen

Sowohl die IFS-EPS- als auch die GFS-EPS-Rauchfahnen verschiedener deutscher
Städte zeigen bei der Temperatur (850 hPa) und beim Potenzial (500 hPa) das
klassische Schwingungsmuster. Mal liegen wir vorderseitig, mal rückseitig, mal
greift Zwischenhocheinfluss. Die Niederschlagssignale spielen dieses Spielchen
anständig mit und zeigen bis Mitte nächster Woche relativ deutlich, wann das
Geschehen zyklonal beeinflusst ist und wann sich mal ein antizyklonales Fenster
dazwischenschiebt. Die Streuung ist zunächst relativ gering, nimmt dann von
Dienstag zu Mittwoch aber allmählich zu. So ist es durchaus möglich, dass der
vom Hauptlauf für Dienstag avisierte Zwischenhocheinfluss kürzer ausfällt, was
zumindest in Teilen der Lesart von ICON und GFS entsprechen würde. In Richtung
drittes Adventswochenende wird das Kurvenkonsortium diffus. So schwankt z.B. das
Spektrum T850 für Offenbach zwischen +6 und -6°C ohne erkennbaren Median und
zwei Kaltluftausreißen in Richtung -10°C.
Für den Zeitraum T+120…168h (Dienstag bis Donnerstag) werden bei IFS-EPS fünf
Cluster angeboten. Sie weisen zu Beginn alle das gleiche mäandrierende
Grundmuster auf. Das Außenseitercluster CL 5 (5 Fälle) zonalisiert dann ziemlich
rasch, was in etwa dem GFS-Szenario entspricht. Die anderen vier Cluster
unterscheiden sich – bezogen auf unseren Raum – in Geometrie und
Verlagerungsgeschwindigkeit des Höhenrückens respektive Zwischenhochs. Haupt-
und Kontrolllauf finden sich dabei nur in CL 4 wieder (9 Fälle). Insbesondere
bei CL 2 und 3 (jeweils 12 Ensemblemitglieder) fällt das antizyklonale Fenster
schwächer und etwas kürzer aus.
Ab Freitag (T+192…240h) bleibt es bei fünf Clustern (16, 15 + HL/KL, 9, 8, 3
Fälle), von denen die ersten drei auf eine relativ glatte West- oder Südwestlage
zusteuern. CL 4 und 5 favorisieren hingegen einen Trog über Mitteleuropa, der
evtl. südlich der Alpen abtropft.

FAZIT: Die Ensembles stützen zumindest bis Mitte kommender Woche den Hauptlauf,
signalisieren mehrheitlich aber einen etwas kürzeren und schwächeren
Zwischenhocheinfluss am Dienstag.

Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen

Bei den signifikanten Wettererscheinungen scheint nach Lage der Dinge das Thema
WIND/STURM ganz oben auf der Agenda zu stehen. Zwar drängt sich auch heute kein
Extremereignis auf (z.B. durch einen Schnellläufer). Gleichwohl sollte man
gerade den Montagabend bzw. die Nacht zum Dienstag an der Nordsee im Auge
behalten, zumal auch ICON die Deutsche Bucht mit reichlich Böen der Stärke 10
bis 12 Bft zupflastert. Ansonsten stehen in der Regel die Hochlagen sowie die
Küste im Fokus.
In puncto Niederschlag sind die Hinweise auf signifikante Ereignisse dünn.
Vielleicht reicht es in der Nacht zum Dienstag an und in den Alpen für 10 bis 20
cm Neuschnee, aber auch nur vielleicht.

Basis für Mittelfristvorhersage
IFS, IFS-EPS, MOS-Mix.

VBZ Offenbach / Dipl. Met. Jens Hoffmann

SYNOPTISCHE UEBERSICHT MITTELFRIST

S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T M I T T E L F R I S T
ausgegeben am Mittwoch, den 04.12.2019 um 10.30 UTC

Zyklonale Westlage – und kein Ende? 2. Advent nass, mild und stürmisch

Synoptische Entwicklung bis zum Mittwoch, den 11.12.2019

Am kommenden Samstag, den Beginn der Mittelfrist, verläuft die leicht
mäandrierende Frontalzone genau über Deutschland. Wir befinden uns dabei in der
Höhe an der Südflanke eines umfangreichen Troges über Skandinavien ohne dabei
wirklich in höhenkalte Luft zu gelangen (T500 hPa -20 bis -25 Grad). Das
korrespondierende Bodentief befindet sich über der nördlichen Ostsee und erzeugt
von dort bis zur dänischen und deutschen Küste ein nettes Sturmfeld. Mit einer
westlichen Strömung gelangt dabei subpolare Meeresluft nach Deutschland, die die
anfangs noch im Süden befindliche mäßig kalte Festlandsluft rasch verdrängt.
Dabei besteht in den Frühstunden in Niederbayern und in Alpentälern noch eine
gewisse Gefahr gefrierenden Regens mit Glatteisbildung. Bei 850 hPa Temperaturen
um den Gefrierpunkt liegt die Schneefallgrenze mit weit über 1000 Metern
entsprechend hoch. Im großen Rest des Landes treten bei starker Bewölkung immer
wieder schauerartige Regenfälle auf, allerdings mit Mengen die meist unterhalb
von 10 l/qm binnen 12 Stunden verbleiben. Bei guter Durchmischung liegen die
Höchstwerte bei milden 7 bis 10 Grad, in Ostbayern um 5 Grad. Der Wind ist
deutlich spürbar mit Böen 7 Bft in der norddeutschen Tiefebene und Sturmböen und
im höheren Bergland. Die Nacht zum Sonntag verläuft weitestgehend frostfrei.

Am 2. Advent schwenkt ein flacher Rücken ostwärts über uns hinweg, der von
Warmluftadvektion überlaufen ist. Unmittelbar auf dessen Rückseite schließt sich
bereits das nächste, weitgehend okkludierte Frontensystem an, das zu einem
mehrkernigen Tiefdruckkomplex gehört, der sich vom Skagerrak bis ins Seegebiet
nordwestlich der Hebriden erstreckt. Damit ziehen nicht nur neue Regenfälle auf,
auch der Wind frischt nach kurzer Pause erneut teils stürmisch auf. Die
Schneefallgrenze schwankt etwa zwischen 1200 und 1500 Meter. Postfrontal sind
mit Annäherung des Troges zum Abend im Nordseeumfeld Schauer und kurze Gewitter
zu erwarten.

Der Beginn der nächsten Woche steht ganz im Zeichen des Troges, der sich von den
Britischen Inseln nach Mitteleuropa verlagert. Damit einhergehend gehen die
Temperaturen in 500 hPa auf -30 Grad zurück, niedertroposphärisch überwiegt aber
weiterhin subpolare Meeresluft mit 850 hPa Temperaturen um oder knapp unterhalb
0 Grad. Das führt in der Konsequenz zu einer Labilisierung der Schichtung über
Deutschland. Die gesteigerte Wetteraktivität ist durch einen eingelagerten
Kurzwellentrog erklärbar, der südostwärts über uns hinwegschwenkt. Dadurch
bleibt es letztlich ungemütlich, windig, nass und mild. Der Unterschied zu dem
Vortag ist, dass es kurzzeitig und lokal auch mal heftiger schütten und auch mal
ein kurzes Graupelgewitter eingelagert sein kann. Zum Abend sinkt die
Schneefallgrenze von Norden bis in die Kammlagen der zentralen Mittelgebirge ab.

Am Dienstag stellt sich auf der Trogrückseite am Boden vorübergehend
Zwischenhocheinfluss ein und es gelangt vorübergehend ein Schwall polarer
Meeresluft nach Deutschland mit 850 hPa Temperaturen um -5 Grad. Abklingende
Schauer im östlichen Bergland und an den Alpen fallen dann immer mehr als
Schnee. Der Wind nimmt deutlich ab und die Gefahr von Nachtfrösten steigt wieder
an.

Für den Mittwoch steht bereits das nächste Sturmtief über den Britischen Inseln
parat.

Auch in der erweiterten Mittelfrist (2. Wochenhälfte nächster Woche) deutet sich
keine blockierende Wetterlage mit Winteroptionen für das Flachland an. Mehr als
kurzzeitige „Rückseiten“ mit sinkender Schneefallgrenze auf Lagen oberhalb etwa
600 Meter sind wohl vorerst nicht drin.

Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs

Der aktuelle IFS-Lauf liegt in prinzipiell in guter Übereinstimmung zu seinen
Vorläufen, an der zyklonalen Westlage mit kurzer Rückseite zum Dienstag wir
nicht gerüttelt. Eine bissige, aber nicht gefährliche Sturmoption für den Montag
ist wie gerade vom gestrigen 12z Lauf simuliert nach wie vor nicht vom Tisch.
Der Dienstag verfestigt sich inzwischen immer mehr als Tag unter
Zwischenhocheinfluss. Eine südliche Westlage mit Berglandwinter in der kommenden
Woche ist etwas unwahrscheinlicher geworden. Die Frontalzone droht mit
Austrogung über der Iberischen Halbinsel vielmehr zu kippen (von SW nach NE
verlaufende LMG über Deutschland), als dass sie ins Mittelmeer rauscht.
Derartige Details sind aber noch sehr unsicher und betreffen den Übergang zur
erweiterten Mittelfrist.

Vergleich mit anderen globalen Modellen

Bis auf geringe Unterschiede in den Gradienten und leichte Phasenverschiebungen
in den rasch ablaufenden Trog-Keil-Mustern inklusive eingelagerter Fronten sind
unter den gängigen Globalmodellen keine nennenswerten Unterschiede auszumachen.

Bewertung der Ensemblevorhersagen

Aus den Rauchfahnen ist heute nicht sonderlich viel herauszuholen. Ähnlich wie
beim Modellvergleich ist die Bandbreite der Lösung äußerst gering und der
Hauptlauf gliedert sich mitsamt Kontrolllauf hervorragend ein. Ob dann beim
Frontendurchgang 3 mm mehr fallen oder die 850 hPa Temperaturen auf der
Rückseite zum Dienstag um 2 Grad mehr abfällt, muss letztlich eh in der
Kurzfrist geklärt werden und ist für den generellen Fahrplan der Mittelfrist
irrelevant. Im Übergangsbereich zur erweiterten Mittelfrist Mitte nächster Woche
nehmen die Unsicherheiten allerdings deutlich zu. Ein schweres Sturmereignis
erscheint angesichts ausgewählter norddeutscher IFS und GFS ENS Meteogramme
unwahrscheinlich.
Die Cluster im Zeitraum +120-168h (Mo-Mi) variieren letztlich nur in Stärke und
Position der beteiligten Sturmtiefs leicht, ändern aber nicht am oben
beschriebenen Fahrplan für die kommenden Tage. Während sich das Hauptsturmfeld
am Montag wohl vorrangig über den Britischen Inseln abzeichnet, lässt das
Cluster 1 mit 12 Membern (von insgesamt 51) am nächsten Mittwoch auch über der
Nordsee ein giftiges Sturmtief entstehen. Potential dafür ist (an allen Tagen)
aufgrund der synoptischen Konstellation allemal vorhanden.

Die Lösungen in der erweiterten Mittelfrist reichen von Wz bzw. SWz (West
zyklonal, Südwest zyklonal) bis hin zu TM (Trog Mitteleuropa). Von Blockinglagen
kann keine Rede sein. Mit etwas „Glück“ ließe sich bei passendem Abtropfen über
dem westlichen Mitteleuropa respektive Italien eine VB-ähnliche Lage generieren,
die aufgrund der beteiligten Luftmassen und milden Vorgeschichte im Flachland
aber auch kein Winterwetter garantieren würde. So schauen Schneefans vorerst
weiter in die Röhre…

Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen

STURM:
Bis auf kurze Pausen nahezu im gesamten Mittelfristzeitraum bevorzugt an der See
und im höheren Bergland immer wieder Sturmböen wahrscheinlich. Geringe
Wahrscheinlichkeit (COMSO-LEPS, IFS-EPS) für bis in das Norddeutsche Tiefland
ausgreifende Sturmböen Samstag bis Montag. Der EFI reagiert hierbei nur äußerst
schwach mit Werten zwischen 0,5 und 0,7 ohne positiven SOT Überlapp. Daher ist
ein Extremereignis mehr oder weniger auszuschließen.

GLATTEIS: Mit langsamen Übergreifen der frontalen Regenfälle in der Nacht zum
Samstag und Samstag Früh zwischen Bayerischem Wald und Alpenrand in
windgeschützten Lagen örtliche und kurzzeitige Glatteisbildung durch
gefrierenden Regen wahrscheinlich.

SCHNEE: Geringe Wahrscheinlichkeiten (ICON-EPS) für Neuschneemengen von 10 bis
20, in Staulagen bis 30 cm binnen 12 Stunden in der Nacht zum Dienstag und
Dienstag Vormittag.

Basis für Mittelfristvorhersage
IFS, IFS-EPS, Mos-Mix

VBZ Offenbach / Dipl. Met. Robert Hausen