SYNOPTISCHE UEBERSICHT MITTELFRIST

S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T M I T T E L F R I S T ausgegeben am Freitag, den 16.08.2019 um 10.30 UTC

Wechselhaft mit gebietsweisen Schauern und Gewittern, vor allem im Süden teils
auch kräftige Regenfälle. Dabei mäßig warm bis warm.

Synoptische Entwicklung bis zum Freitag, den 23.08.2019

Nach den zeitweiligen Hitzeperioden seit Ende Juni hat sich das Sommerwetter nun
normalisiert bzw. ist bei den Temperaturen auf ein mäßig-warmes Niveau zurückgegangen. Es stellt sich die Frage, ob der Sommer damit auch schon ausgedient hat, oder ob er noch einmal zurückkehrt. Allgemein lässt sich sagen,
dass bis weit in den September hinein vielerorts noch Sommertage vorkommen können. Im Speziellen ist in der Mittelfrist aber nur bedingt etwas vom Sommer
zu finden.

So wird die ab Montag beginnende Mittelfrist von einem Langwellentrog über dem
Nordostatlantik beherrscht, der durch Randtröge, die vom südlichen Grönland kommen, beständig regeneriert wird. Während die Mobilität des Haupttroges durch
die Regenerierungen eingeschränkt ist, laufen davor Kurzwellen nach Osten ab und
traktieren Deutschland. Erst am Freitag macht der Langwellentrog Anstalten, sich
nach Osten über Deutschland hinweg fortzubewegen. Durch diese Konstellation kommen feucht-warme Luftmassen mit T850 hPa über 10 Grad mal mehr, mal weniger
nach Norden voran. Im Süden werden zeitweise über 15 Grad erreicht, sodass sommerliche Höchsttemperaturen über 25 Grad zumindest gebietsweise auftauchen
sollten.

Im Detail ergibt sich am Montag und Dienstag auf der Vorderseite des Langwellentrogs eine südwestliche Strömung über Deutschland, in der die Frontalzone eingebettet ist und eine Luftmassengrenze diagonal über dem Südosten
des Landes liegt. Sie trennt die feucht-warme Luft im Südosten von trockener und
kühlerer Luft mit T850 hPa zwischen 5 und 10 Grad nordwestlich davon. Südöstlich
der Luftmassengrenze sind konvektive Umlagerungen mit teils markanten Gewittern
zu erwarten. Insbesondere am Dienstag, wenn sich eine erste Kurzwelle nähert,
wird die Luftmassengrenze aktiviert und zeigt stärkere Regensignale. So werden
in der Nacht zum Mittwoch über Teilen Südostdeutschlands sogar Ansätze eines
größeren konvektiv durchsetzten Clusters (Durchmesser bis zu 300 km, eventuell
MCS?) abgebildet.

Am Mittwoch zieht dann eine Kurzwelle aus dem Trog heraus über den Nordosten
Deutschlands nach Nordosten ab. Einerseits wird damit die
Luftmassengrenze bzw.
die Frontalzone nach Osten und Südosten abgedrängt und damit auch die feucht-warme Luft, andererseits bringt die Kurzwelle aber vermehrte konvektive
Aktivität im Norden. Dabei ist dort das Potenzial für markante Gewitter geringer.

Am Donnerstag nähert sich der Langwellentrog Mitteleuropa an und lässt von Nordwesten erneut Konvektion aufkommen. Mit bodennaher Drehung der Strömung auf
Südwest wird die warme, diesmal aber nicht feuchte Luft mit T850 hPa über 10
Grad etwa bis zur Mainlinie geführt. Im Südosten werden sogar bis zu 15 Grad
erreicht.

Am Freitag schwenkt der Langwellentrog schließlich langsam über Deutschland hinweg nach Osten, sodass vor allem in der Nordhälfte Schauer und Gewitter durchziehen. Mit Drehung der bodennahen Strömung auf Nordwest wird wieder kühlere Meeresluft mit T850 hPa unter 10 Grad eingesteuert.

In der erweiterten Mittelfrist ab Samstag setzt sich zunächst ein schmaler Rücken durch, der für Zwischenhocheinfluss sorgt. Am Sonntag bildet sich ein
neues Höhentief über den Britischen Inseln, das auf Richtung Frankreich Kurs
nimmt. Auf der Vorderseite wird nun wieder warme Luft nach Norden geführt, wobei
die 10 Grad-Isotherme in 850 hPa Norddeutschland touchiert. Im Westen geht das
mit einer Zunahme der Schauer- und Gewittertätigkeit einher.

Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs

Die Konsistenz des heutigen 00 UTC-Laufs vom EZMW zu seinen beiden gestrigen
Vorläufen ist bis zum Mittwoch hoch, danach nimmt sie deutlich ab. Ab Donnerstag
fällt eine langsamere Verlagerung des Langwellentrogs auf, sodass am Freitag
gegenüber dem gestrigen 00 UTC-Lauf ein Phasenunterschied von etwa 18 Stunden
festzustellen ist. Zudem tropft nun auch kein Höhentief mehr Richtung zentrales
Mittelmeer ab. Im gestrigen 12 UTC-Lauf wäre der Langwellentrog erst am Samstag
und Sonntag über uns zu liegen gekommen, wobei sich das Höhentief aus dem gestrigen 00 UTC-Lauf über Süddeutschland positioniert hätte. Aufgrund dieser
Unterschiede fallen die Vorhersage zum Teil deutlich anders aus, deren Details
zu erklären an dieser Stelle den Text zu lang machen würden.

Vergleich mit anderen globalen Modellen

ICON folgt der Lösung des EZMW in den wesentlichen Zügen, setzt den Durchgang
des Troges am Donnerstag/Freitag jedoch etwas weiter südlich an. GFS dagegen
lässt den Trog bis Donnerstagmorgen bereits durchschwenken und ein schwaches
Höhentief über dem zentralen Mittelmeer abtropfen (ähnlich der gestrigen 00 UTC-EZMW-Lösung). Danach gelangen wir in eine südwestliche Strömung und das Höhentief zieht nach Polen weiter. Am Sonntag hat GFS wie das EZMW ein Höhentief
über den Britischen Inseln im Programm, das uns aber näher rückt als beim EZMW.
GEM und NAVGEM sind weitgehend dem EZMW ähnlich.

Bewertung der Ensemblevorhersagen

Die Clusteranalyse des EZMW offenbart von Dienstag bis Donnerstag mit sechs Clustern zwar eine große Bandbreite, bei genauerem Hinsehen wird diese allerdings für Mitteleuropa eingedampft, da dort die Unterschiede nur klein sind. Alle sechs Cluster setzen auf den Trogdurchgang am Donnerstag, wobei C5
und C6 auch noch zum Abtropfen über dem zentralen Mittelmeer neigen. Diese Lösung ist damit nicht komplett vom Tisch. Zwischen Freitag und Sonntag gibt es
ebenfalls sechs Cluster. Die Lösungen differieren erheblich, sodass oben erwähntes Szenario des Hauptlaufs durchaus als zweifelhaft angesehen werden kann.

Bei den Rauchfahnen herrscht bis zum Mittwoch noch relative Einigkeit, sind die
Spreads bis dahin nicht allzu groß. Danach öffnen sich die Rauchfahnen, das Gros
bei den T850 hPa verbleibt jedoch zwischen 6 und 11 Grad mit etwas ansteigender
Tendenz zum Ende hin. Beim Geopot 500 hPa sind die Verteilungen ab Freitag meist
inhomogen, was die Vorhersageunsicherheit ab diesem Zeitpunkt noch einmal bekräftigt.

Fazit: Bis zum Mittwoch sind sich die Modelle größtenteils einig, sodass vor
allem der Südosten in den „Genuss“ feucht-warmer Luftmassen mit Schauern und
Gewittern kommt, möglicherweise mit einem Höhepunkt in der Nacht zum Mittwoch
(Verclusterung). Weiter nordwestlich ist es mäßig-warm mit nur wenigen Schauern.
Ab Donnerstag folgt der Trogdurchgang, der wechselhaftes Wetter für den Norden
bereithält und die Temperaturen zunächst ansteigen, dann wieder fallen lässt. Am
Wochenende ist eine Vorhersage schwierig, am ehesten ist wohl der EZMW-Variante
zu glauben, weil einige andere Globalmodelle ähnliche Lösungen favorisieren.
Demzufolge würden die Temperaturen abermals steigen und insbesondere im Westen
Schauer und Gewitter auftreten.

Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen

EFI zeigt vor allem am Dienstag im Süden und Südosten Signale für überdurchschnittlich viel Niederschlag. Das bestätigen auch COSMO-LEPS und EZMW-EPS, die Wahrscheinlichkeiten bis zu 50 % für mehr als 30 l/qm in 24 Stunden und bis zu 20 % für mehr als 50 l/qm in 24 Stunden haben. Die Trennung
zwischen Dauer- und Starkregen fällt dabei schwer, zumal eingelagerte Gewitter
oder Verclusterungen (Nacht zum Mittwoch) den Regen zeitweilig verstärken können. Bereits am Montag ist – dann allerdings nur mit geringer Wahrscheinlichkeit – im Süden Dauerregen möglich.

Darüber hinaus treten gebietsweise Gewitter auf, am Montag und Dienstag im Süden, am Mittwoch und Freitag hauptsächlich in der Nordhälfte. Dabei sind markante Entwicklungen hinsichtlich Starkregen und stürmischen Böen denkbar –
insbesondere nach Süden hin -, eine Schwergewitterlage zeichnet sich aber an
keinem der Tage ab.

Basis für Mittelfristvorhersage
MOSMIX, EZMW, EZMW-EPS

VBZ Offenbach / Dipl. Met. Simon Trippler

SYNOPTISCHE UEBERSICHT MITTELFRIST

S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T M I T T E L F R I S T ausgegeben am Mittwoch, den 14.08.2019 um 10.30 UTC

Wechselhaft und am Samstag teils warm, ab Montag häufig nur mäßig warm und im
Nordwesten auch kühl. Im Süden und Südosten in der neuen Woche Dauerregen möglich

Synoptische Entwicklung bis zum Mittwoch, den 21.08.2019

Nach Abzug eines Höhenkeiles nach Polen kommen wir auf die Vorderseite eines
Langwellentroges mit Zentraltief nordwestlich von Schottland. Die Kaltfront des
Tiefs erreicht bereits morgens den Nordwesten und zieht weiter zum mittleren
Deutschland, wo sie rückläufig wird.
Am Sonntag zieht das Zentraltief weiter ins Seegebiet vor Südnorwegen und die
Haupttrogachse bleibt noch über Westeuropa. Die Kaltfront wird über der Mitte
Deutschlands durch Wellenbildung vorübergehend aufgehalten, verlagert sich aber
bis Tagesende in den Südosten Deutschlands.
Am Montag schwenkt ein Troganteil über Mitteleuropa nach Nordosten und über Westeuropa findet eine Regenerierung des Troges statt. Die Kaltfront bleibt schleifend über dem Südosten liegen. Dabei strömt mäßig warme Meeresluft zu uns.

Am Dienstag schwenkt der westeuropäische Trog nach Frankreich und die Kaltfront
bleibt im Südosten wetterwirksam. Über Westeuropa steigt großflächig der Bodendruck und es entwickelt sich ein Hochzentrum dicht südwestlich von Irland.
Am Mittwoch zieht der Trog nach Mitteleuropa und rückseitig verstärkt sich das
Hoch über den Britischen Inseln weiter. Gleichzeitig zieht eine Frontalwelle von
Niederösterreich nach Litauen und beeinfluss anfangs noch mit seiner Kaltfront
den Südosten. Dabei gelangt mit auf Nord drehender Strömung recht frische Meeresluft nach Deutschland.

Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs

Ab Dienstag gibt es im neuen Modelllauf von EZMW einige Differenzen zu den beiden Modell-Runs von gestern.
Während im alten Lauf hinter einer Kaltfront in der 2. Tageshälfte noch ein Höhentrog durchzieht, der im Norden für Schauer sorgt, hängt im neuen Lauf der
Höhentrog zurück und die Kaltfront schleif noch im Südosten Deutschlands mit
Regen. Schauer würden danach nur im Nordseeumfeld auftreten. Diese Version wird
auch von ICON gestützt.
Am Mittwoch schwenkt im neuen Lauf der Trog über uns hinweg nach Osten und sorgt
für Schauer und im Südosten anfangs für Regen, während im alten Lauf schwacher
Hochdruckeinfluss herrscht bei höheren Temperaturen.
Eine extreme Version zeigt der Mittags-Lauf von gestern: Hier hängt der Trog
ebenfalls zurück und es entwickelt sich an der schleifenden Kaltfront eine Frontalwelle, die Dienstagabend über Südostbayern liegt und am Mittwochabend am
Oderhaff. Auf der Nordwestseite treten dabei teils ergiebige Dauerregenfälle
auf, die die Mitte und den Nordosten beeinflussen.

Vergleich mit anderen globalen Modellen

Nach NAVGEM überquert am Dienstag nur ein schwacher Trog Mitteleuropa ostwärts
und der Haupttrog bleibt am Mittwoch unter Abtropftendenz über Westeuropa hängen. Insgesamt fällt damit nur an der Küste und im Alpenraum nennenswerte
Regen am Dienstag und Mittwoch.
Bei GEM ist der Trog schwächer ausgeprägt als bei EZMW und die Regenmengen sind
ähnlich wie bei NAVGEM auch im Süden nicht sehr groß.

Ansonsten simulieren die Modelle recht ähnlich.

Bewertung der Ensemblevorhersagen

Die Clusteranalyse zeigt heute bis zum 7. Folgetag 4 Cluster, die leichte Timing-Unterschiede beim Trogdurchgang aufweisen. In allen Clustern entwickelt
sich dicht südwestlich der Britischen Inseln ein kräftiges Hoch, das spätestens
ab Mittwoch frische Meeresluft nach Deutschland führt. Die Lage wird dann als
blockierend eingestuft.
In der erweiterten Mittelfrist wird die blockierende Lage mit 3 Clustern fortgesetzt. Dabei tropft im ersten Cluster der Höhentrog nach Polen bzw. zur
Ostsee ab und im 2. Cluster wird das nach Süddeutschland abgetropfte Höhentief
über Polen wieder eingefangen. Im dritten Cluster tropft das Höhentief nach Süddeutschland ab und verlagert sich bis Samstag nach Oberitalien. Im letzten Fall bildet sich dabei eine Hochdruckzone, die von den Britischen
Inseln nach Nordosteuropa reicht. Im 2. Cluster besitzt das Hoch über der Biskaya einen Keil nach Mitteleuropa und im ersten Cluster fließt zwischen einem
Tief über der Ostsee und dem englischen Hoch weiter kühle Luft nach Deutschland.

Die Rauchfahne von Offenbach zeigt am Samstag einen kräftigen Temperaturrückgang
von rund 11 Grad auf 6 Grad und bis Mittwoch geht die Temperatur noch etwas zurück auf 4 bis 5 Grad. Erst ab Donnerstag gibt es einen leichten Trend nach
oben, der sich zum Wochenende verstärkt. Nach einem Tiefpunkt am Sonntag steigt
das Geopotential in der neuen Woche kontinuierlich an.
Die neue Woche ist bis Mittwoch/Donnerstag recht kühl mit Werten zwischen 17 und
21 Grad Deutschlandweit (EPS-Meteogramme). Ab Freitag/Samstag liegen die Werte
im angenehmen Bereich zwischen 20 und 25 Grad und rund 10 Prozent der Modell-Runs zeigen Sommertemperaturen von 26 Grad und mehr.

Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen

Am Samstag gibt es im Nordwesten ein geringes Risiko starker Gewitter im Zusammenhang mit der o. e. Kaltfront. An der Nordsee sind nach CosmoLEPS stürmische Böen möglich.

Am Sonntag existiert im Südwesten eine geringe Wahrscheinlichkeit von Stark-
oder Dauerregen, teils auch mit Gewitter. Im Küstenbereich und auf exponierten
Bergen sind stürmische Böen wahrscheinlich.
Am Montag und Dienstag ist ganz im Süden und Südosten Dauerregen wahrscheinlich.
Unwettermengen über 50 mm in 24 Stunden im Allgäu nicht ausgeschlossen (EZMW-EPS).
Zum Teil ist auch über zwei Tage hinweg Dauerregen möglich (40 bis 60 mm innerhalb von 48 Stunden).

Basis für Mittelfristvorhersage
MosMix, EPS, oper. Modelle.

VBZ Offenbach / Dipl. Met. Olaf Pels Leusden

SYNOPTISCHE UEBERSICHT MITTELFRIST

S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T M I T T E L F R I S T ausgegeben am Dienstag, den 13.08.2019 um 10.30 UTC

Wechselhaft, im Norden und in der Mitte allenfalls noch mäßig warm. Im Süden am
Sonntag Gewitter mit Unwettergefahr, danach dort ebenfalls zurückgehende Temperaturen.

Synoptische Entwicklung bis zum Dienstag, den 20.08.2019

Deutschland liegt unter einer west- südwestlichen Strömung, die über den gesamten Atlantik hinweg sehr zonal ausgerichtet ist. Ein darin eingelagerter
flacher Keil überquert Deutschland ostwärts. Dieser stützt ein Zwischenhoch, das
sich zwar nach Südosten verlagert, aber mit Absinken für längere sonnige Abschnitte sorgt.
Am Wochenende stellt sich an der Vorderseite eines sich Westeuropa nähernden und
am Sonntag auf die Britischen Inseln und die Bretagne übergreifenden Troges eine
südwestliche und zusehends aufsteilende Strömung ein. In diese ist eine Kaltfront eingelagert, die in der Nacht zum Sonntag schleifend auf den Nordwesten übergreift und bis Montagfrüh die Alpen erreicht. Bedingt durch das
Schleifen der Front und mögliche Wellenbildungen sind länger andauernde Niederschläge zu erwarten. Präfrontal erfolgt ein Einschub von Subtropikluft,
was die Temperaturen am Samstag im Süden auf Maxima bis 30 Grad steigen lässt.
Allerdings ist diese Luftmasse labil geschichtet, so dass sich Gewitter entwickeln können; auch Unwetter sin nicht auszuschließen. Am Sonntag halten
sich noch in Alpennähe und ganz im Osten Reste feuchtlabiler Luft. Ansonsten
setzt sich bereits trockenere Atlantikluft durch, was einen
Temperaturrückgang
mit sich bringt.
Zu Beginn der neuen Woche gelang Deutschland in den Bereich des o.g. Troges,
wobei dessen Hauptachse noch weiter westlich verbleibt. Zum Dienstag hin wird
der Trog über dem nahen Ostatlantik regeneriert. Als Folge bleibt eine west-
südwestliche, aber zyklonal geprägte Strömung bestehen. Reste feuchtlabiler Luft
sorgen an den Alpen noch für weitere Niederschläge; auch Dauerregen ist dort
nicht auszuschließen. In Küstennähe macht sich der Trog durch eine rege Schauertätigkeit bemerkbar, wobei auch kurze Gewitter auftreten können. Ansonsten verstärkt sich der Hochdruckeinfluss, was vermehrt Auflockerungen mit
sich bringt. Dabei bleibt es größtenteils mäßig warm. Allenfalls im Süden und
Südosten sind bei entsprechender Einstrahlung noch Maxima um 25 Grad vorstellbar.
Im erweiterten mittelfristigen Vorhersagezeitraum greift der nach Südwesten austropfende Haupttrog auf Mitteleuropa über. Danach, d.h. weiter stromaufwärts,
setzt die Frontalzone weiter nördlich an und es wölbt sich ein nach Island und
Grönland gerichteter Rücken auf. Durch diesen wird eine Hochbrücke gestützt, die
sich von der Nordsee über Südskandinavien hinweg nach Westrussland ausweitet.

Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs

Bis einschließlich Sonntag ist der aktuelle Lauf gegenüber den beiden gestrigen
Modellläufen weitgehend konsistent. Allerdings wird das Sturmtief, das am Samstag über die Nordsee hinweg nordostwärts ziehen sollte, bei den aktuellen
Vorhersagen nicht mehr zu finden. Zu Wochenbeginn nehmen die Unterschiede zu den
beiden gestrigen Modellläufen allmählich zu. So wird der Trog, der am Dienstag
über Deutschland hinweg ostwärts schwenkt, vom aktuellen Modelllauf nicht mehr
so kräftig gerechnet wie dies bei den beiden Modellläufen des Vortages der Fall
war.
Größere Unsicherheiten bestehen ab Mittwoch, da von jedem Modelllauf der o.g.
Austropfprozess unterschiedlich simuliert wird.

Vergleich mit anderen globalen Modellen

Bis einschließlich Sonntag zeigen die verfügbaren Modelle eine weitgehend ähnliche Entwicklung. Prognoserelevante Unterschiede lassen sich bis dahin kaum
ableiten. Allerdings ergeben sich hinsichtlich der Kaltfrontpassage am Sonntag
leichte Differenzen. EZMW geht hier von einer eher verzögerten Variante aus (so
dass der Tagesgang im Südosten seine Wirkung entfalten kann), nach GFS hat die
Kaltfront dann bereits die Beskiden erreicht. ICON liegt etwa dazwischen. Der zu Wochenbeginn im Süden und in der Mitte einsetzende
Hochdruckeinfluss wird
vom EZMW am ausgeprägtesten gezeigt. ICON ist dagegen am zyklonalsten aufgestellt.
Im erweiterten mittelfristigen Vorhersagezeitraum ist der o.g. Austropfprozess
wie auch die sich über Südskandinavien hinweg ostwärts ausweitende Hochbrücke
nur bei den EZMW-Prognosen zu finden. GFS und auch das Modell des kanadischen
Wetterdienstes belassen es bei einer Zonalströmung, wobei sich in der Mitte und
im Süden Hochdruckeinfluss durchsetzt.

Bewertung der Ensemblevorhersagen

Das EPS des GFS stützt die oben beschriebene Entwicklung. Demnach bleibt die
Westströmung bestehen, zur Wochenmitte wird die Strömung eher wieder zyklonaler,
als Folge hiervon dürfte sich auch im Süden Deutschlands ein spürbarer Temperaturrückgang bemerkbar machen. Im Norden ist der Spread relativ gering,
wobei die Niederschlagssignale ab Wochenbeginn merklich weniger werden. Nach
Süden hin wird der Spread zusehends größer mit ausgeprägten
Niederschlagssignalen vor allem zu den Alpen hin, was auf Unsicherheiten hindeutet, inwieweit auch die südlichen Teile Deutschlands von der kühleren Luft
erfasst werden.
Das EPS des EZMW zeigt ein ähnliches Verhalten, lässt aber die Hochbrücke, die
beim deterministischen Lauf relativ weit nördlich nach Osten ausgreift, weiter
im Süden, d.h. über Mitteleuropa hinweg, sich nach Osten ausweiten. Wie beim EPS
des GFS ist auch beim EPS des EZMW der Spread im Norden und in der Mitte gering,
nach Süden hin dagegen erhöht und vor allem zu den Alpen hin mit ausgeprägten
Niederschlagssignalen versehen. Von der übergroßen Mehrzahl wird ein Austropfprozess über West- oder Mitteleuropa gezeigt. Nur ein Cluster (mit 5
Einzelläufen) lässt diesen Trog bereits über dem nahen Ostatlantik austropfen.
Auf den Austropfprozess über West- und Mitteleuropa spricht auch der EFI an, der
im erweiterten mittelfristigen Vorhersagezeitraum über dem Süden und Südosten
Deutschlands schwache Niederschlagssignale zeigt.

Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen

Am Freitag sind unter erneutem Einfluss eines Zwischenhochs keine markanten Wettergefahren zu erwarten.
Am Samstag kommt im Nordwesten schauerartiger Regen auf, auch einzelne Gewitter
sind nicht ausgeschlossen. An der Nordsee besteht eine geringe Wahrscheinlichkeit für stürmische Böen.
Am Sonntag entwickeln sich im Osten und Süden Gewitter, dabei muss mit Unwettern
gerechnet werden. Außerdem können an der Nordsee sowie auf exponierten Berggipfeln stürmische Böen auftreten.
In der Nacht zum Montag und am Montag kann vor allem im Südosten noch längere
Zeit Regen fallen, der an den Alpen anfangs noch von Gewittern begleitet ist,
danach ist im Stau der Alpen Dauerregen nicht auszuschließen. Ansonsten treten im Nordwesten wiederholt Schauer und auch kurze Gewitter mit
stürmischen Böen auf, in exponierten Küstenlagen sind Sturmböen möglich.

Basis für Mittelfristvorhersage
EPS(EZMW) + MOS

VBZ Offenbach / Dipl. Met. Thomas Schumann

SYNOPTISCHE UEBERSICHT MITTELFRIST

S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T M I T T E L F R I S T ausgegeben am Montag, den 12.08.2019 um 10.30 UTC

Unbeständig mit schauerartigen, teils gewittrigen Regenfällen und Wind. Am Wochenende zumindest im Südosten vorübergehend sehr warm, sonst eher kühl.

Synoptische Entwicklung bis zum Montag, den 19.08.2019

Die Mittelfrist ist über weite Strecken gekennzeichnet von einer recht aktiven
Westdrift mit einer Tendenz zur Austrogung über Mittel- und Westeuropa. Die leicht mäandrierende Frontalzone ist für die Jahreszeit verhältnismäßig gut ausgeprägt und verläuft weit südlich. Egal, ob es nach der
Wetterlagenklassifikation am Ende „West/Südwest zyklonal“ oder „Trog West/Mitteleuropa“ wird, Deutschland erwartet einen sehr unbeständigen Wetterabschnitt. Mit Ausnahme des Wochenendes, wo vorübergehend sehr warme Luft
advehiert werden könnte, pendelt sich das Temperaturniveau auf ein eher leicht
unterdurchschnittliches Niveau ein. Erst ab der erweiterten Mittelfrist mehren
sich die Hinweise, dass die Frontalzone wieder stärker mäandrieren und sich in
der Folge sogar wieder eine Blocking-Situation einstellen könnte. Doch das ist
definitiv noch „Glaskugel“.

Zu Beginn der Mittelfrist am Donnerstag ist die großräumige
Geopotenzialverteilung gekennzeichnet durch viele Höhentiefs im Korridor von
Grönland und dem Nordpolarmeer bis zum Nordostatlantik und Nordeuropa, die letztendlich als Drehzentren eines umfangreichen Langwellentrog interpretiert
werden können. Mitteleuropa befindet sich an der Südflanke dieses Troges in einer westlichen Höhentrömung, in der ein kurzwelliger Troganteil ostwärts gesteuert wird. Dieser stützt ein Tief über der Nordsee, das sich im Verlauf
über Dänemark nach Südschweden verlagert. Das okkludierte Frontensystem überquert Deutschland mit schauerartigen Regenfällen von West nach Ost. An der
Front sowie postfrontal wird ein wenig Labilität aufgebaut, sodass auch das ein
oder andere Gewitter mit von der Partie sein kann. Aufgrund des ordentlichen
Höhenwindes und der mäßigen Scherung kann sich die Konvektion zu Linien organisieren und Sturmböen produzieren. Starkregen ist nur wenig wahrscheinlich.
Wind ist auch abseits der Schauer und Gewitter ein Thema, die Gradientverschärfung an der Südflanke des Tiefs sorgt gebietsweise für steife,
an der Nordsee und im höheren Bergland für stürmische Böen. Die advehierte subpolare Luftmasse ist maritimer, erwärmter Natur. Trotzdem sollte das Quecksilber auch im anfänglich noch freundlichen Osten und Südosten bei knapp 25
Grad „Schluss machen“.

Am Freitag schwenkt nach Abzug des Kurzwellentroges ein flacher Rücken durch,
der von Süden und Westen her für schwachen Zwischenhocheinfluss sorgt. Die Schauer- und Gewitteraktivität sollte also im Vergleich zum Vortag eher etwas
zurückgehen bzw. sich nach Nordosten und an den Küsten zurückziehen, wenngleich
trotzdem meist ein wolkiger Wettercharakter bestehen bleibt. Der Wind weht an
der See, im Nordosten und im Bergland anfangs noch böig, flaut aber insgesamt
immer weiter ab.
In der Nacht zum Samstag setzt sich über Deutschland zunächst in eine recht glatte westliche, am Samstag durch eine neue Austrogung über dem Nordostatlantik
und Nordwesteuropa eine zunehmend auf SW aufsteilende Höhenströmung durch. Der
„neue“ Trog korrespondiert mit einem wahrscheinlich veritablen Sturmtief bei den
Britischen Inseln, das im letzten 12UTC-IFS-Lauf beispielsweise einen Kerndruck
von unter 985 hPa aufwies. Die Position, insbesondere der Randtiefs, ist noch
sehr unsicher. Für Deutschland bedeutet es aber auf jeden Fall sowohl mittel-
als auch niedertroposphärisch WLA. Die 850-hPa-Temperaturen steigen bis Samstagabend wahrscheinlich auf 10 bis 18 Grad (von Nordwest nach Südost), föhnbedingt kann es an den Alpen auch och weiter nach oben gehen. Da die WLA
aber gleichzeitig für viele hohe und mittelhohe Wolkenfelder, bevorzugt im Westen und Nordwesten auch für leichten bis mäßigen Regen sorgt, macht die Temperatur keine allzu großen Sprünge, bevorzugt im Süden und Osten sind aber
wieder Höchsttemperaturen von deutlich über 25 Grad möglich. Abhängig von der
Position des Sturmtiefs und dessen Randtiefs bei den Britischen Inseln und der
Nordsee zieht auch der Wind mehr oder weniger stark an. Steife Böen Bft7 sollte
man zumindest in der Nordwesthälfte ins Kalkül ziehen, Sturmböen sind im höheren
Bergland und an der Nordsee im Bereich es Möglichen.

Am Sonntag nähert sich der westeuropäische Trog unter leichter Amplifizierung
etwas an, wodurch die Strömung noch etwas aufsteilt und zyklonaler wird. Der
korrespondierende Tiefkomplex erstreckt sich von den Britischen Inseln über Skandinavien bis zur Barentssee. Die zugehörige Kaltfront erreicht den Nordwesten und verlagert sich im Verlauf langsam südostwärts, um dann wahrscheinlich aufgrund fehlender Schubkomponente irgendwo diagonal über Deutschland vorübergehend quasi stationär zu werden. Die mit der Front in Verbindung stehenden, schauerartigen Regenfälle könnten daher regional längere
Zeit anhalten und für Stark- und oder Dauerregen sorgen. Auf der warmen Seite
der Frontalzone (850er m Südosten 15 Grad plus x, im Nordwesten im Zustrom subpolarer Meeresluft 10 Grad minus x), sind auch stärkere Gewitter denkbar.
Zwar nimmt die hochreichende Scherung signifikant zu, es wird nach jetzigem Stand aber kaum Labilität aufgebaut bzw. sie ist nach Südosten zu wohl stark
gedeckelt. Eine überregionale Unwetterlage scheint demnach eher unwahrscheinlich. Prinzipiell können geringe Änderungen der synoptischen Ausgangslage aber zu einer Schwergewitterlage führen, sodass die Entwicklung
dahingehend im Auge behalten werden sollte.

Ab Montag, spätestens zu Beginn der erweiterten Mittelfrist erreicht der Trog
mit seiner Achse den Westen Deutschlands. Wie schnell das geschieht und ob er
vollständig über das Land hinwegschwenkt, ist die große Frage. Der neuste IFS
Lauf ist, was die Progression angeht, ein eher „zäher“ Geselle. Gerade der Südosten verbliebe noch länger auf der Trogvorderseite im Umfeld einer wellenden
Frontalzone. Kräftige, gewittrige Regenfälle wären die Folge. Die meisten anderen Modelle (ICON, GFS …) sehen das Übergreifen zumindest stärkerer kurzwelliger Troganteile, die die Frontalzone nach Osten „wegdrücken“, schon am
Montag und damit ein landesweiter Übergang zu wieder eher kühlem Schauerwetter.
Der Wind bleibt an der Südflanke der Tiefdruckzone ein Thema. Insbesondere im
Umfeld etwaiger Randtiefs kann es zu Sturmböen kommen, natürlich bevorzugt an
der Nordsee. Aber insbesondere am Montag sind Sturmböen auch im Binnenland der
Nordwesthälfte nicht ausgeschlossen!

Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs

Zu Beginn der Mittelfrist ist die Konsistenz unter den neusten IFS-Modellläufen
als gut zu bezeichnen. An dem unbeständigen, eher kühlen Wetterabschnitt bis zum
Wochenende bestehen keine Zweifel.
Danach gehen die Modellsimulationen vorübergehend deutlicher auseinander, mit
für Deutschland prognoserelevanten Unterschieden. Nach dem neusten IFS-Run (00UTC) kommt Deutschland schon im Laufe des Freitags und damit einen Tag früher
als in den Vorläufen auf die Vorderseite eines neuen
Austrogungsprozesses in den
Zustrom subtropischer Luftmassen. Der Samstag wäre nach dem 00UTC-Lauf schon ein
verbreitet sehr warmer Tag.
Was die allmähliche Verdrängung der Warmluftmasse zur kommenden Woche mit teils
kräftigen Regenfällen, möglicherweise auch starken Gewittern angeht, bläst der
aktuelle IFS-Lauf aber wieder ins gleiche Horn.

Vergleich mit anderen globalen Modellen

Nennenswerte Unterschiede zwischen dem neusten IFS-Lauf und den Globalmodellen
ICON und GFS ergeben sich erst ab dem Wochenende. ICON und GFS lassen den Trog
bzw. kurzwellige Anteile rascher von Westen auf Deutschland übergreifen und hinwegschwenken, wodurch die Warmluft schneller verdrängt wird (siehe Text oben).

Bewertung der Ensemblevorhersagen

Die Rauchfahnen des IFS-EPS für Geopotential und 850-hPa-Temperatur verlaufen
bis Freitag ziemlich gebündelt. Ein seichtes „Auf- und Abwippen“ bei durchweg
vorhandenen, vor allem ab Sonntag und zur Beginn der Woche teils auch sehr stark
ausprägten
Niederschlagsignalen unterstreichen die Entwicklung einer zyklonalen Westwetterlage.
Am Wochenende nimmt die Streuung dann etwas deutlicher zu, da einerseits die
Ausprägung der neuen Trogvorderseite unklar ist und andererseits die Phasenunterschiede des Trog-Rücken-Musters zunehmen (wie schnell greift der „neue“ Trog von Westen her über?). Die Standardabweichung des 500-hPa- Geopotenzial beträgt am Sonntag immerhin verbreitet 4 bis 8 gpdam (am höchsten
im Nordwesten, die Standardabweichung der 850-hPa-Temperatur 2 bis 4 Grad (am
höchsten im Südosten). Sowohl der Haupt- als auch Kontrolllauf sind eher am oberen Rand der Temperaturrange, weniger als 30% der EPS-Member stützen die Warmluftadvektion in der im Haupt- und Kontrolllauf beschriebenen Ausprägung.
Die Trogvorderseite scheint mittlerweile relativ sicher, die Advektion sehr warmer oder gar heißer Luft vor allem in den Süden und Osten des Landes ist aber
eher fraglich.
Nachfolgend nimmt die Bündelung der Temperaturkurve eher sogar wieder etwas zu.
Das EPS stützt das Szenario des deterministischen IFS-Laufes von 00 UTC mit der
eher zögerlichen Verdrängung der Warmluft.

Das Clustering liefert für +72-96 h 3 Cluster, die alle eine aktive Westdrift
beschreiben.
Für +120-168h werden ebenfalls 3 Cluster angeboten, alle vom Typ „positive NAO“
und alle mit einer Austrogung über Westeuropa. Unterschiede
manifestieren sich
nur in unterschiedlicher Ausprägung der Trogvorderseite (Höhenströmung WSW vs.
SSW, aber stets zyklonal).
Im Zeitraum +192-240h weitet sich das Clustering auf 5 Cluster auf. Interessanterweise zeigt nur 1 Cluster (nur 13/51 Member) eine Fortdauer der
aktiven Westdrift. Alle anderen gehen zu einer Blockingsituation über, wobei das
Blocking eher über Nordosteuropa zu finden ist (Mitteleuropa mehrheitlich unter
Trogeinfluss).

Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen

GEWITTER:
Am Donnerstag von West nach Osten einzelne Gewitter wahrscheinlich. Dabei Sturmböen und Starkregen möglich.
Am Freitag vornehmlich im Nordosten und allgemein im Küstenumfeld weitere Gewitter, Starkregen und Sturmböen nicht ausgeschlossen.
Am Sonntag und Montag vor allem in der Südosthälfte erhöhte
Gewitterneigung.
Lokaler Starkregen und Hagel wahrscheinlich.

STURM:
Am Donnerstag sowie von Samstag bis Montag bevorzugt an der Nordsee und in exponierten Hochlagen der Mittelgebirge zeitweise Sturmböen möglich. Am Montag
auch im Binnenland in der Nordwesthälfte Sturmböen nicht ausgeschlossen!

STARK-/DAUERREGEN:
Im Umfeld einer schleifenden Front am Sonntag diagonal über der Mitte, am Montag
nach Südosten zu Starkregen >20mm in 6h bzw. Dauerregen >25 mm in 12h nicht ausgeschlossen.

Basis für Mittelfristvorhersage
MOS-IFS/-MIX, IFS det., IFS EPS.

VBZ Offenbach / Dipl. Met. Adrian Leyser

SYNOPTISCHE UEBERSICHT MITTELFRIST

S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T M I T T E L F R I S T ausgegeben am Sonntag, den 11.08.2019 um 10.30 UTC

„West zyklonal“ – endlich mal wieder.

Synoptische Entwicklung bis zum Sonntag, den 18.08.2019

Zu Beginn der Mittelfrist wird sich die Zonalisierung der Großwetterlage vom
Nordatlantik tatsächlich bis zum europäischen Festland durchgesetzt haben, daran
bestehen keinerlei Zweifel mehr – auch nicht, dass die sich einstellende Westwetterlage der Kategorie „zyklonal“ sein wird. Denn Deutschland gelangt unter, zeitweise sogar auf die Nordflanke der für die Jahreszeit weit nach Süden
vorankommenden, leicht mäandrierenden Frontalzone. Über weite Strecken des mittelfristigen Prognosezeitraumes herrscht also subpolare Meeresluft vor, die
im Vergleich zum langjährigen Mittel 1 bis 5 K zu kalt ausfällt. Unbeständiges
und zeitweise windiges Wetter komplettieren einen eher „schmuddeligen“ Wettercharakter.

Am Mittwoch befindet sich Deutschland im Wirkungsbereich eines umfangreichen
Langwellentroges mit Drehzentrum (Höhentief) bei den Färöer-Inseln unter einer
leicht mäandrierenden, flotten westlichen Höhenströmung. In dieser wandert ein
Kurzwellentrog schon am Vormittag ab, gefolgt von einem flachen Rücken, der am
Boden einen vom Azorenhoch bis nach Mitteleuropa reichenden Hochdruckkeil stützt. Mit Ausnahme der küstennahen Regionen, wo insbesondere durch diabatische
Effekte ein paar Schauer auftreten, bleibt es unter schwachen Zwischenhocheinfluss zunächst überwiegend trocken. Doch schon am Abend nähert
sich von den Britischen Inseln her ein weiterer Kurzwellentrog, der in der Nacht
zum Donnerstag nach Deutschland hereinschwenkt. Das korrespondierende Wellentief
zieht mit seinem Kern bis Donnerstagfrüh von Südengland unmittelbar an den Westfriesischen Inseln vorbei zur dänischen Nordseeküste. Das okkludierende Frontensystem erfasst schon Mittwochabend den Nordwesten und sorgt zu bis zum
Donnerstagmorgen schließlich in der gesamten Nordwesthälfte für schauerartige
Regenfälle. Das Tief vertieft sich im Verlauf auf einen Kerndruck von unter 1000
hPa, was eine deutliche Gradientverschärfung im Nordwesten und Norden zufolge
hat. Während tagsüber an der Nordabdachung des Hochkeils nur an exponierten Küstenabschnitten einzelne steife Böen zu erwarten sind, treten im Laufe der
Nacht zu Donnerstag im Nordwesten und Norden verbreitet steife, an der Küste
stürmischen Böen oder Sturmböen auf. Auch in Kammlagen der Mittelgebirge dürften
erste Böen Bft 8-9 drin sein.Die advehierte Luftmasse ist subpolaren Ursprungs,
erreicht auf 850 hPa von Nord nach Süd nur noch 4 bis 10 Grad. Sommertage (Tmax
>25 Grad) sind also nur noch die Ausnahme.

Am Donnerstag schwenkt der Trog über Deutschland hinweg, das Tief zieht weiter
nach Südschweden. Das okkludierte Frontensystem überquert die Nordhälfte mit den
schauerartigen Regenfällen rasch ostwärts, im Süden gerät sie allerdings ins
Schleifen. An der Front und im Vorfeld wird etwas Labilität aufgebaut, sodass
das ein oder andere Gewitter (mit lokalem Starkregen und Sturmböen) nicht ausgeschlossen werden kann. Da sich der Drehzentrum des Langwellentroges respektive das Höhentief zur mittleren Nordsee verlagert, bleibt die Höhenströmung auch nach Abzug des Kurzwellentroges zyklonal konturiert. Da es in
der Höhe zudem abkühlt, sind die Bedingungen für Konvektion (wiederholt Schauer
und einzelne, kurze Gewitter) postfrontal fast noch günstiger als an und vor der
Front. Die vertikalen Umlagerungen sorgen dafür, dass der nach wie vor üppige
Gradient an der Südflanke des Tiefs (immerhin rund 15 hPa Differenz zwischen
Norden und Süden) besser zur Geltung kommt und deutschlandweit mit starken bis
steifen, an der See teils stürmischen Böen, im höheren Bergland mit Sturmböen zu
rechnen ist. Summa summarum: Es wird ein sehr wechselhafter, „aprilwettriger“
Tag. Immerhin, die Höchsttemperaturen meist Ü20 würde man im April als sehr mild
bezeichnen.

Am Freitag zieht das Höhentief über Dänemark zur südlichen Ostsee. Ihm folgt ein
Rücken, der mit seiner Achse bis Freitagabend die Britischen Inseln, bis Samstagfrüh die Nordsee erreicht. Die zyklonal konturierte Höhenströmung dreht
über Deutschland in der Folge von WSW auf WNW. Das Bodentief füllt sich langsam
auf und verlagert sich mit Zentrum zur mittleren Ostsee. Tagsüber muss in der
Nordhälfte Deutschlands unter höhenkalter und damit feucht-instabiler Meeresluft
mit reger Schauertätigkeit gerechnet werden. Aufgrund vorübergehend deutlich
zunehmender hochreichender Scherung kann sich die Konvektion zu mehreren Schauer- und/oder Gewitterstaffeln organisieren, die für Sturmböen gut sein dürften. Auch abseits der Schauer und Gewitter weht der Westwind in gebietsweise
Böen steif, an der Küste stürmisch. Auf den Berggipfeln treten Sturmböen auf. Im
Süden schleift die Front mit zeitweiligen Regen noch etwas, größere Regenmengen
stehen aber nicht ins Haus. Fortwährende KLA (850er nur noch zwischen 3 und 8
Grad) und NVA vorderseitig des sich langsam nähernden Rückens lässt den Druck in
der Nacht zum Samstag steigen, in der Folge stößt ein neuer
Azorenhochkeil bis
nach Deutschland vor. Die Niederschlagsneigung sollte – mit Ausnahme der Schauer
im äußersten Norden und Nordosten sowie des leichten Regens an der „alten“ Front
im Süden – deutlich zurückgehen.

Am Samstag schwenkt der Rücken nach Deutschland. Die damit in Verbindung stehende Stabilisierung drückt die Niederschlagsneigung weiter, sodass der Tag
zunächst verbreitet trocken verläuft. Da der Rücken bereits von WLA überlaufen
wird, zeigen sich neben flachen Quellwolken zunehmend auch hohe und mittelhohe
Wolkenfelder. Immerhin kommt die eingeflossene subpolare Meeresluft etwas zur
Ruhe (der Wind schläft meist ein, weht nur noch auf Berggipfeln stürmisch) und
kann sich leicht erwärmen.

In der Nacht zum Sonntag gelangt Deutschland aber schon wieder auf die Vorderseite eines neuen Langwellentroges, dessen Drehzentrum sich im Laufe des
Sonntags bei den Britischen Inseln einnistet. Kurzwellige Anteile laufen in der
auf Südwest zurückdrehenden und wieder deutlich an Fahrt aufnehmenden Höhenströmung über das Land hinweg. Mit dem Langwellentrog nimmt auch ein neues,
steuerndes Zentraltief Position über Nordwesteuropa ein. Die Warmfront erreicht
den Nordwesten mit Regen schon in der Nacht zum Sonntag. Die nachfolgende Kaltfront überquert den Norden mit schauerartigen Regenfällen rasch ostwärts.
Postfrontal ist in feucht-instabiler Luft mit Schauern zu rechnen. Im Süden verliert die Kaltfront immer mehr an frontsenkrechter Windkomponente, gerät daher ins Schleifen. Somit regnet es im Süden im Verlauf mitunter längere Zeit,
warnwürdige Niederschlagsmengen (über 20 bzw. 30 l/qm in 6 bis 12 Stunden) sind
durchaus denkbar. Im Warmsektor des Tiefs wird vor allem in den Süden und Südosten deutlich wärmere Luft advehiert (10 bis 15 Grad auf 850 hPa). Präfrontal (also bevorzugt im äußersten Südosten) könnte es mit Sonnenunterstützung für ein Sommerintermezzo reichen (Tmax >25 Grad). Timing und
Ausprägung sind aber noch unsicher! Eine größere Gewitterlage steht aufgrund
fehlender Labilität – stand jetzt – in jedem Fall nicht ins Haus. Temporär warnwürdig bleibt aber nach wie vor der Wind, steife bis stürmische Böen sind am
ehesten an der Küste, im höheren Bergland und bei Schauern möglich.

In der erweiterten Mittelfrist schwenkt der Trog nach Mitteleuropa, sodass sich
das unbeständige Wetter auf dann wieder landesweit unterdurchschnittlichem Temperaturniveau fortsetzt.

Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs

Die Konsistenz der jüngsten IFS-Modellläufe kann als sehr gut bezeichnet werden.
So simuliert der neuste IFS-Run von 00 UTC wie schon seine Vorgänger die Entwicklung der Großwetterlage hin zu einer unbeständigen, verhältnismäßig kühlen und zeitweise auch ziemlich windigen zyklonalen Westwetterlage. Erst zum
Ende der Mittelfrist nehmen die Unschärfen zu. Die letzten beiden IFS-Läufe lassen die Frontalzone über West- und Mitteleuropa wieder etwas stärker mäandrieren, wodurch Deutschland am Wochenende zumindest vorübergehend wieder in
den Zustrom deutlich wärmerer, gewitterträchtigerer Luft gelangen würde.

Vergleich mit anderen globalen Modellen

Im Großen und Ganzen besteht relative Einigkeit darüber, dass sich eine zyklonale Westwetterlage einstellt. Typischerweise ergeben sich mit zunehmendem
Vorhersagehorizont Unschärfen bei Timing und Ausprägung des
Trog-Rücken-Musters.

Wie schon in den Vorläufen und gestern beschrieben simulieren weder ICON noch
GFS eine Verlagerung des Höhentiefs zur Nordsee und nach Dänemark, sie lassen
das Tief über dem Nordmeer. Deutschland würde demnach nur in den „Genuss“ eines
Randtroges kommen, der schon in der Nacht zum Freitag ostwärts durchschwenkt,
gefolgt von einer rascheren Wetterberuhigung am Freitag. Dafür gelangt Deutschland nach Lesart von ICON und GFS schneller, nämlich schon in der Nacht
zum Samstag, auf die Vorderseite des neuen Langwellentroges.

Ganz grob ergibt sich also ein Phasenunterschied zwischen IFS und ICON/GFS von
immerhin 24 Stunden. „Zyklonal West“ bleibt aber „zyklonal West“.

Bewertung der Ensemblevorhersagen

Die Rauchfahnen des IFS-EPS von Geopotential und 850-hPa-Temperatur zeigen sich
bis Samstag gut gebündelt. Ein seichtes „Auf- und Abwippen“ bei durchweg vorhandenen, vor allem im Norden und in der Mitte auch stark ausprägten Niederschlagsignalen unterstreichen die Entwicklung einer zyklonalen Westwetterlage. Die Temperaturrange liegt im Norden bei 3 bis 9, im Süden bei 6
bis 12 Grad.

Am Wochenende nimmt die Streuung zu. Unklar ist die Ausprägung des neuen Langwellentroges über West-/Nordwesteuropa und ob die Strömung über Mitteleuropa
vorübergehend stärker aufsteilt oder eher „glatt“ bleibt.
Das EPS-Mittel der 850-hPa-Temperatur steigt landesweit an auf rund 8 Grad im
Nordwesten und rund 15 Grad im Südosten. Vor allem im Südosten gibt es einige
Ausreißer nach oben (in der Spitze bis 24 Grad). Zumindest dort ist die Möglichkeit eines sehr warmen Tages nicht von der Hand zu weisen.

In der erweiterten Mittelfrist zu Beginn der kommenden Woche verlaufen die Rauchfahnen zumindest bezüglich der Temperatur wieder deutlich gebündelter auf
niedrigerem (für die Jahreszeit leicht zu kühlem) Niveau.

Die Clusteranalyse des IFS-EPS liefert für +72-96 h sechs Cluster, die alle eine
aktive Westdrift zeigen mit tiefem Geopotenzial über
Nordwest-/Nordeuropa, aus
denen sich keine nennenswerten, prognoserelevanten Unterschiede ergeben. Für +120-168 h werden zwei Cluster angeboten, die sich in Ausprägung des neuen,
vom Atlantik nach Westeuropa ausgreifenden Troges unterscheiden. Der erste Cluster (31 Member) belässt es bei einer recht glatten westlichen Strömung über
Mitteleuropa, während der zweite ein stärkeres Aufsteilen der Strömung andeutet
(20 Member).
Im Zeitraum zeigen alle fünf Cluster eine recht aktive, mehr oder weniger stark
mäandrierende Strömung mit Tendenz zur Austrogung über Mitteleuropa.

Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen

In der zweiten Wochenhälfte muss in feuchter und instabiler Meeresluft mit einzelnen, kurzen GEWITTERN gerechnet werden. Im Fokus stehen dabei mögliche
Sturmböen, aber auch Starkregen ist nicht ganz ausgeschlossen. Auch außerhalb der Gewitter frischt der Wind zeitweise böig auf. STURMBÖEN sind
am Donnerstag und Freitag vor allem im Küstenumfeld und auf Berggipfeln möglich.

Ob es am Wochenende durch den Vorstoß sehr warmer, energiereicher Luftmassen
nach Südosten zu auch schwere Gewitter geben könnte, ist sehr fraglich.

Basis für Mittelfristvorhersage
IFS, MOS-IFS/-MIX, IFS-EPS

VBZ Offenbach / Dipl. Met. Adrian Leyser