SXEU31 DWAV SYNOPTISCHE UEBERSICHT KURZFRIST

SXEU31 DWAV 200800

S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T K U R Z F R I S T
ausgegeben am Sonntag, den 20.10.2019 um 08 UTC

GWL und markante Wettererscheinungen:
Sz
Im Westen Dauerregen, vereinzelt Gewitter. An den Alpen Föhn. Zu Beginn der
kommenden Woche unter zunehmendem Hochdruckeinfluss Wetterberuhigung.

Synoptische Entwicklung bis Dienstag 24 UTC

Sonntag… zeigt der allseits bekannte Langwellentrog westlich und nördlich von
uns Abtropftendenzen in Richtung Iberische Halbinsel. Während sich das Wetter
zunächst also noch in „Täglich grüßt das Murmeltier“-Manier wechselhaft mit
zeitweiligen Regenfällen gestaltet, wird durch den Abtropfprozess und einer
kompensierenden Aufwölbung eines Rückens weiter östlich davon ein
Großwetterlagenwechsel von Sz zu SWa herbeigeführt, von dem auch Deutschland
„profitieren“ sollte.
Zunächst aber resultiert aus der aktuellen Konstellation am heutigen Sonntag mit
dem LWT eine südwestliche Strömung, die von der Iberischen Halbinsel über
Deutschland und Polen bis nach Russland reicht und die über Frankreich bereits
leicht antizyklonal konturiert ist. In der südwestlichen Strömung eingebettet
ist die Frontalzone. Im Langwellentrog ist über der Nordsee ein Drehzentrum
auszumachen, dass dort das Tief THILO stützt. Allerdings verrät die
achsensenkrechte Exposition, dass dieses Bodentief kaum noch Entwicklungschancen
hat. Indes hat durch den Abtropfprozess über Südfrankreich und Nordspanien eine
Zyklogenese eingesetzt, die heute früh mit einem neuen Bodentief namens URBAN
mit einem Kerndruck nahe 1000 hPa quittiert wurde. Dieses Tief zieht im
Tagesverlauf vom Süden Frankreichs in die Mitte des Landes unserer Nachbarn.
Beide Tiefdruckgebieten sind mit einem Frontensystem verbunden, das in
Südwest-Nordost-Erstreckung quer über Deutschland liegt und schauerartige
Regenfälle bringt. Im Tagesverlauf wird die Frontalzone bzw. das Frontensystem
durch den von Frankreich hereinziehenden antizyklonalen Anteil etwas
aufgesteilt, wobei das Frontsystem marginal nach Nordwesten gedrückt wird. Trotz
der antizyklonalen Konfiguration in der Höhe wird Hebung generiert, die zum
einen aus PVA auf der Vorderseite des Abtropfprozesses im Südteil des LWT rührt,
zum anderen aber auch durch WLA unterstützt wird. Frontogenetisch lässt sich
also eine Verstärkung feststellen, sodass im Westen und Nordwesten länger
andauernde Regenfälle zu erwarten sind. Im Westen geben die Ensembles mehr oder
weniger deutliche Hinweise für warnwürdigen Dauerregen mit Mengen von mehr als
30 mm in 24 Stunden, weshalb eine entsprechende Warnung vom Saarland bis zur
Eifel ausgegeben wurde. ICON-EU EPS hat im Vergleich zu gestern sogar noch
einmal aufgesattelt und zeigt Hinweise für unwetterartige Regenmengen, steht mit
dieser Lösung aber alleine da. Eventuell kommt auch noch eine Erweiterung der
Warnung für das Bergische Land infrage, wurden mit den neusten Modellläufen die
Regenmengen dort ein wenig heraufgesetzt. Zudem stellt sich noch die Frage, ob
die Hebung für Gewitter ausreicht? Die Konvektionsparameter sprechen eher
dagegen, da im Niederschlagsgebiet nur niedrige Lapse Rates (unter -0,5 K/100 m)
vorhanden sind und die zur Verfügung stehende Energie gering ist (MU CAPE 100
bis 200 J/kg). Dennoch könnte insbesondere am Südrand des Niederschlagsgebietes
im Grenzbereich zu etwas besseren konvektiven Bedingungen mal ein Blitz oder
Donner dabei sein.
Darüber hinaus bewirkt die Südwestströmung in den Alpen Föhn. Auch wenn der Wind
bisher unter den Erwartungen blieb, sind bei einer Druckdifferenz von zeitweise
bis zu 8 hPa zwischen Innsbruck und Bozen immer noch einzelne orkanartige Böen
um 115 km/h (Bft 11) in exponierten Lagen, ansonsten auf den Gipfeln schwere
Sturmböen um 100 km/h (Bft 10) zu erwarten. In anfälligen Föhntälern können
Sturmböen zwischen 65 und 80 km/h (Bft 8 bis 9) auftreten, im angrenzenden
Vorland vereinzelt starke Böen bis 60 km/h (Bft 7).
Ansonsten gibt der Gradient anders als am gestrigen Samstag in den Höhenlagen
kaum noch warnwürdige Böen her.
Bleibt abschließend noch zu erwähnen, dass außerhalb der Regengebiete zeitweise
die Sonne scheint. Am häufigsten ist sie ganz im Osten und im Südosten zu sehen.
Die Höchsttemperaturen liegen im Nordwesten unter den Regenwolken nur bei 13 bis
17 Grad, während es sonst 17 bis 23 Grad warm wird. Föhnunterstützt wird im
Alpenvorland erneut ein Sommertag mit Temperaturen über 25 Grad in Angriff
genommen.

In der Nacht zum Montag macht der Abtropfprozess weiter Fortschritte, das
resultierende Cut-Off-Tief verliert jedoch noch nicht vollständig die Verbindung
zum Trogresiduum über Skandinavien. Am Boden füllt sich Tief THILO über der
Nordsee auf, da es durch das abziehende Trogresiduum keine dynamische
Unterstützung mehr aus der Höhe erfährt. Tief URBAN hingegen wird mit einem um
den Cut-Off herumlaufenden und zum Ärmelkanal ziehenden schwachen Randtrog nach
Nordfrankreich bzw. Belgien geführt. Das nun in Okklusion befindliche
Frontensystem des Tiefs bleibt damit über Deutschlands erhalten, wobei die
Warmfront/Okklusion ein wenig nach Norden weiterzieht, während von Westen und
Südwesten die Kaltfront nachrückt. Weitere Regenfälle im Norden und neue
Niederschläge im Westen bzw. Südwesten sind die Folge. Allerdings nehmen auch
die dynamischen Impulse bzw. die Hebung ab, weil erstens die WLA nach Norden
herauszieht und zweitens die Kaltfront von KLA überlaufen wird. Die
resultierenden Niederschläge mit Mengen zwischen 3 und 15 mm in der Fläche
erweisen sich als nicht mehr warnwürdig. Im Norden werden in einem Bereich von
Bremen über Hamburg bis nach Lübeck von der deutschen Modellkette bis zu 20 mm
in 12 Stunden angeboten, was nach derzeitigen Erkenntnissen aber ebenfalls keine
Warnung notwendig macht.
Der Föhn an den Alpen hält noch an, zeigt bei abnehmender Druckdifferenz von nur
noch 6 hPa jedoch bereits leichte Schwächeerscheinungen.
Nach Osten und Südosten zu gibt es zeitweise Auflockerungen und gebietsweise
wieder Nebel mit Sichtweiten von zum Teil unter 150 m.
Die Temperaturen sinken unter den meist vielen Wolken nur auf 13 bis 7 Grad.

Montag… Am Montag wird der Cut-Off-Prozess vollzogen. Der neue Cut-Off
positioniert sich dann über der Iberischen Halbinsel. Der schwache Randtrog über
dem Ärmelkanal zieht zur Nordsee weiter und ist abends nur noch als kleines
Höhentief zu erkennen. Allerdings sorgt es für ein Vorankommen des Tiefs URBAN
in die Ostsee, sodass die Okklusion bzw. die Warmfront nach Norden herausziehen
und die Kaltfront sich in die Mitte Deutschlands verlagert. Im Norden gibt es
daher Regenfälle (3 bis 10 mm, in Nordfriesland örtlich auch mehr). Entlang der
Kaltfront werden im Nordteil nur schwache Niederschläge (1 bis 3 mm, KLA)
gerechnet, im Süden aber etwas stärkere Signale ausgegeben. Dort kommt noch
einmal schwache Hebung auf, die aus der diffluenten Vorderseite des Cut-Offs
hauptsächlich aus PVA induziert wird. Regenmengen zwischen 3 und 8 mm, örtlich
auch um 10 mm sind die Folge. Elektrische Aktivität bleibt den Modellen zufolge
aus, zumal die Ingredienzien alles andere als gut sind (keine Energie, keine
Labilität).
Zwischen den Regengebieten scheint zuweilen die Sonne, vorhandene Restfeuchte
lässt aber keinen allzu großen Spielraum für längere heitere Abschnitte.
Der Föhn an den Alpen bricht spätestens am Abend ein, ansonsten spielt der Wind
bei einer nur noch flachen Druckverteilung keine Rolle mehr.
Die Temperaturen steigen auf 11 bis 19 Grad, im Osten und Südosten vor der
Kaltfront auf 17 bis 23 Grad. Im Berchtesgadener Land kann föhnbedingt noch
einmal ein Sommertag mit Höchsttemperaturen knapp über 25 Grad vorkommen.

In der Nacht zum Dienstag wölbt sich vom zentralen Mittelmeer ausgehend ein
Rücken über Deutschland auf, sodass der Druck steigt. Über der Mitte
Deutschlands bildet sich dann eine neue Hochzelle, die das Absinken verstärkt.
Die noch über der Mitte Deutschlands liegende Kaltfront wird dadurch
frontolytisch und die Niederschläge von den Modellen mehr und mehr
zurückgerechnet. Allerdings sorgt die noch vorhandene Restfeuchte für viele
Wolken und gebietsweise Nebel. Ein paar mehr Auflockerungen sind nach Norden hin
zu verzeichnen, wo die Luftmasse schon abtrocknet. Die Tiefsttemperaturen liegen
zwischen 11 und 6 Grad.

Dienstag… wölbt sich der Rücken weiter auf, sodass das neue Hoch weiter
gestärkt wird und Niederschläge fast nicht mehr zu verzeichnen sind. Am ehesten
könnte im Norden – die Betonung liegt auf könnte – ein aus dem Nordteil des
Cut-Offs über der Iberischen Halbinsel herauslaufender und zur Nordsee ziehender
Troganteil ein paar Tropfen bringen. Zumeist verläuft der Tag jedoch trocken mit
zeitweiligem Sonnenschein bei Höchsttemperaturen von 13 Grad in der Eifel bis 20
Grad im Südostbayern.

In der Nacht zum Mittwoch dominiert das neue Hoch und die Auflockerungen nehmen
zu. Allerdings werden durch die immer noch vorhandene Restfeuchte des ehemaligen
Frontenzugs bei deutlicher absinkender Temperatur als in den Vornächten vermehrt
Nebelfelder ausgelöst. Etwas ausgenommen davon scheint nur das Ostseeumfeld zu
sein. Die Temperatur sinkt auf 10 Grad an der See, sonst auf 9 bis 4 Grad.

Modellvergleich und -einschätzung

Die Modelle simulieren die anstehende Wetterlage ähnlich. Kleinere Unterschiede
vor allem bei den Niederschlägen wurden im obigen Teil angesprochen.

Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Simon Trippler

SXEU31 DWAV SYNOPTISCHE UEBERSICHT KURZFRIST

SXEU31 DWAV 190800

S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T K U R Z F R I S T
ausgegeben am Samstag, den 19.10.2019 um 08 UTC

GWL und markante Wettererscheinungen:
GWL und markante Wettererscheinungen:
SWz

Im Südwesten und Westen bis in die Nacht zum Montag gebietsweise Dauerregen. In
den Mittelgebirgen heute windig, in den Alpen bis zum Montag Föhnsturm. Ab
Montag unter zunehmenden Hochdruckeinfluss Wetterberuhigung.

Synoptische Entwicklung bis Montag 24 UTC

Samstag… manifestiert sich die eingefahrene Großwetterlage abermals in der
Aussage, dass wir auf der Vorderseite eines Langwellentroges über dem nahen
Nordostatlantik in einer milden Südwestströmung mit zyklonalem Anstrich liegen.
Das Wetter in der Kurzfrist bis zum Montag bleibt damit wechselhaft, bevor es
danach zur Wochenmitte hin allmählich stabilisiert (womit wir dann schon in der
Mittelfrist sind).
Wie auch immer sorgen um den oben erwähnten Langwellentrog herumlaufende
Randtröge für die „Musik“ im aktuellen Wettergeschehen. Ein erster solcher
Vertreter ist in der vergangenen Nacht über Deutschland nach Nordosten
abgezogen. Ein zweiter Vertreter seiner Zunft sorgt für eine Amplifizierung des
LWT, der gen Iberische Halbinsel gerichtet ist und eine recht lang gezogene,
zunehmend glatte und daher allmählich indifferente südwestliche Höhenströmung
über weiten Teilen Mitteleuropas hinterlässt.
Am Boden bildet sich der positiv geneigte LWT durch ein Tiefdrucksystem mit
mehreren Kernen über den Britischen Inseln und der Nordsee ab. Von dort
ausgehend erstreckt sich ein Frontensystem, das bis zum Baltikum und zur
Iberischen Halbinsel reicht. Ein Teil dieses Frontensystems liegt als wellende
Front derzeit quer über dem Süden Deutschlands. Sie trennt etwas kühlere
Meeresluft mit T850 hPa von 3 bis 7 Grad von deutlich milderer Subtropikluft mit
T850 von 10 bis 15 Grad. Im Laufe des Tages macht das Frontensystem Boden nach
Norden gut und erreicht etwa die Mitte.
Nicht nur in diesem Bereich, sondern auch weiter nördlich sind durch WLA
zeitweilige Regenfälle zu erwarten. Im Frontbereich ist der Regen eher skaliger
Natur, wobei die Regenmengen bis zum Abend meist zwischen 1 und 10 mm, im
südlichen Bergland zum Teil um 15 mm liegen. Mit Verstärkung des Regens im
Südwesten am Nachmittag und Abend (Hebungsmaximum durch Randtiefentwicklung
durch die Amplifizierung im Bereich der Pyrenäen) zeichnet sich ein
Niederschlagsmaximum im Schwarzwald ab, das durch entsprechende
Wahrscheinlichkeiten in den Ensembles und der Ausgabe einer markanten
Dauerregenwarnung bis in die Nacht zum Sonntag gewürdigt wird bzw. bereits
wurde.
Nördlich des Frontengeschehens ist in Norddeutschland ein wenig Labilität
vorhanden, sodass dort der Niederschlag zum Teil schauerartig ausfällt und
vereinzelt mit Blitz und Donner einhergehen kann.
Weitgehend trocken dürfte der Tag dagegen in Teilen Südostbayerns verlaufen,
dort scheint mit Unterstützung des aufgekommenen Föhns trotz einiger hoher bzw.
mittelhoher Wolken zeitweise die Sonne. Der Föhn seinerseits bringt aber
Sturmböen bis 85 km/h (Bft 9) in den Hochlagen, in einzelnen exponierten Lagen
auch schwere Sturmböen bis 100 km/h (Bft 10). In Föhntälern treten vereinzelt
erste starke Böen bis 60 km/h (Bft 7) auf.
In den anderen Mittelgebirgen kann es ebenfalls starke Böen um 55 km/h (Bft 7)
geben, vereinzelt sind stürmische Böen um 65 km/h (Bft 8) dabei, auf dem Brocken
Sturmböen bis 85 km/h (Bft 9).
Die Temperaturen liegen zwischen 13 Grad im Norden und bis 20 Grad
föhnunterstützt in Südostbayern.

In der Nacht zum Sonntag füllt sich das Tiefdrucksystem über der Nordsee auf,
während sich das Tief über den Pyrenäen leicht verstärkt und langsam etwas nach
Norden zieht. Das Frontensystem über Deutschland, mittlerweile wieder als
Warmfront zu identifizieren, verlagert sich damit ebenfalls etwas nach Norden
bzw. sogar nach Nordwesten. Die Regenmengen betragen 12-stündig allgemein 1 bis
10 mm, im Südwesten bis zu 15 mm. Eingelagerte Gewitter sind nicht per se
auszuschließen, aber nur gering wahrscheinlich.
Meist trocken verläuft die Nacht südöstlich der Front in einem Bereich Oberrhein
bis nach Sachsen und in Brandenburg, Nebel scheint dort bei größeren
Auflockerungen möglich.
Der Wind schwächt sich bei etwas nachlassendem Gradienten ab, vereinzelt starke
Böen, exponiert stürmische Böen rechtfertigen spätestens ab der zweiten
Nachthälfte aber kaum noch Warnungen im Bergland.
Anders gestaltet sich die Lage an den Alpen, dort verstärkt sich mit dem Tief
über Südfrankreich der Gradient, sodass der Föhn sogar leicht zunimmt. Ein
Ausgreifen starker Böen Bft 7 bis in die Föhntäler ist daher wahrscheinlich,
ganz oben kann es sogar zu orkanartigen Böen oder Orkanböen bis 120 km/h (Bft 11
bis 12) kommen.
Die Temperaturen sinken unter den vielen Wolken auf 12 bis 8 Grad, in
Südostbayern bei größeren Auflockerungen bis auf 5 Grad.

Sonntag… setzt im LWT westlich von uns ein Abtropfprozess ein. Das Bodentief
über Frankreich wird dadurch aufgehalten und die Warmfront über Deutschland
zeigt nur spärliche Bewegungstendenzen.
Regen fällt dadurch in einem Streifen vom Südwesten (Saarland, Rheinland-Pfalz,
NRW) bis zur westlichen Ostsee. Die Regenmengen liegen 12-stündig bei 2 bis 10
mm, in Staulagen der Gebirge bei bis zu 15 mm. Da tagsüber ähnliche Bereiche vom
Regen getroffen werden wie in der Nacht zuvor, gibt es im vom Saarland bis zur
Mosel und bis zur Eifel bis in die Nacht zum Montag hinein erhöhte
Wahrscheinlichkeiten für markanten Dauerregen mit mehr als 30 mm in 24 Stunden.
Gewitter werden von den Modellen nur selten simuliert, zumal in den
Regengebieten die Labilität nicht ausreicht (Lapse Rates nur bei maximal -0,5
K/100 m)
Meist trocken bleibt es hingegen im Nordseeumfeld und südöstlich einer Linie
Baden-Württemberg – Bayern -Südbrandenburg.
Die Föhnlage an den Alpen bleibt bestehen, ansonsten reicht der Gradient selbst
in den Höhenlagen kaum noch für stärkere Böen aus.
Durch den Föhn sind die höchsten Temperaturen mit knapp über 25 Grad und daher
einem Sommertag mitten im Vollherbst im Alpenvorland anzutreffen. Auch sonst
wird es mit 17 bis 23 Grad vielerorts mild. Mit ein wenig kühleren
Höchsttemperaturen von 13 bis 17 Grad muss man dagegen nordwestlich der
Warmfront vorliebnehmen.

In der Nacht zum Montag ändert sich nicht viel, das Tief über Südfrankreich
kommt nur langsam bis in die Mitte des Landes unserer Nachbarn voran, weil der
Abtropfprozess des LWT weitere Fortschritte nach Süden bzw. Südwesten macht.
Weiterer Regen ist damit dem Nordwesten garantiert, die Regenmengen betragen
nochmals 2 bis 8 mm.
Der Föhn in den Alpen ist zunächst noch stark, in der zweiten Nachthälfte
schwächt er sich ein wenig ab.
Trocken verläuft die Nacht im Südosten (Grenze etwa Schwäbische Alb bis zum
Bayerischen Wald). Bei größeren Auflockerungen bildet sich dann Nebel.
Die Tiefsttemperaturen liegen zwischen 12 und 7 Grad.

Montag… ist der Abtropfprozess auf dem Weg zum Abschluss. Das Tief über
Frankreich erreicht uns im Tagesverlauf, füllt sich dabei aber langsam auf, weil
die südwestliche Höhenströmung durch den Abtropfprozess unter der Aufwölbung
eines Rückens ausgehend vom zentralen Mittelmeer einen antizyklonalen Touch
bekommt. Die Front verlagert sich nun wieder mehr in die Mitte bzw. den Südosten
des Landes. Das Absinken lässt nur noch Niederschlagsmengen zwischen 1 und 4 mm
zu. Trotz des beginnenden Absinkens prägen noch viele Wolken das Himmelsbild.
Der Föhn in den Alpen bricht mit beginnendem Druckanstieg im Tagesverlauf
zusammen.
Die Höchstwerte liegen zwischen 13 und 17 Grad im Nordwesten und zwischen 16 und
23 Grad sonst.

In der Nacht zum Dienstag wölbt sich der Rücken weiter über Deutschland auf. Am
Boden wird ein neues Hoch, das von den Britischen Inseln bis nach Deutschland
reich, gestützt. Die sich weiter abschwächende Front gelangt in den Südosten des
Landes, Regen fällt aber nur noch sehr wenig.
Ansonsten sind unter Absinken einige Auflockerungen zu erwarten, gebietsweise
bildet sich jedoch Nebel.
Die Temperaturen gehen auf 11 bis 6 Grad zurück, im westlichen Bergland örtlich
bis 4 Grad.

Modellvergleich und -einschätzung

Die Modelle sind sich weitgehend einig. Einige kleinere Unterschiede gibt es
bezüglich des Dauerregens im Bereich Saarland – Mosel – Eifel ab heute
Nachmittag. So sind vor allem bei ICON-EU-EPS die Signale stark, die vom
EZMW-EPS aber nicht mitgetragen werden. Deshalb sollen für die Ausgabe einer
markanten Warnung dort noch die nächsten Läufe zu Rate gezogen werden.

Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Simon Trippler

SXEU31 DWAV SYNOPTISCHE UEBERSICHT KURZFRIST

SXEU31 DWAV 180800

S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T K U R Z F R I S T
ausgegeben am Freitag, den 18.10.2019 um 08 UTC

GWL und markante Wettererscheinungen:
SW z

Heute vor allem im Norden und der Mitte Durchzug einer Gewitterlinie mit
Sturmböen. Schwere Sturmböen nicht ausgeschlossen. In den Alpen am Wochenende
aufkommender Südföhn. Mit einer schleifenden Front im Südwesten und Westen von
Sonntag zum Montag Dauerregen gering wahrscheinlich.

Synoptische Entwicklung bis Sonntag 24 UTC

Freitag… befindet sich ein umfangreicher Langwellentrog über Westeuropa mit
Drehzentrum über Irland. Von der zugehörigen Bodenzyklone geht eine wellende
Front aus, die diagonal von Südwest nach Nordost über Deutschland verläuft.
Sowohl auf der Vorder- als auch auf der Rückseite gelangt mit südwestlicher
Strömung sehr milde Meeresluft nach Deutschland. Ein Umstand der zusammen mit
dem prä- und postfrontal einheitlich aus Süd bis Südwest wehenden Winden die
Lage der Front etwas in den spekulativen Bereich verschiebt.
Etwas weiter abseits der Frontalzone im Südosten Bayerns ist die Luft auch
trockener, teils etwas föhnig abgetrocknet, mit einstelligen Taupunkten.
Ansonsten handelt es sich bei der herangeführten Luftmasse um eine sehr feuchte
mit PPW Werten bis nahe 30 mm.
Aus dem Haupttrog hat sich unterdessen ein kurzwelliger Anteil gelöst, der im
Tagesverlauf vor allem die Mitte und den Norden mit markanter Hebung durch
kräftige positive Vorticityadvektion überquert. Die Scherung nimmt deutlich zu
(LLS um 15 m/s, DLS bis 40 m/s) es baut sich etwas Cape auf, so dass uns
beginnend am späten Vormittag von Westen her zum Teil linienhaft organisierte
Schauer und Gewitter überqueren. Bei Oberwinden von bis 45 kt (EURO4 bis 50 kt)
in 850 hPa sind in den Gewitterlinien Sturmböen bis Bft 9 zu erwarten und
vielleicht eine Schwere Sturmböe Bft 10 nicht völlig ausgeschlossen. Starkregen
sollte nicht das große Thema werden, da die Zellen rasch unterwegs sind. Hagel
ist sich auch nicht gänzlich ausgeschlossen. Der Tiefausläufer wird über dem
Norden nach Osten abgedrängt, schleift aber weiter über dem Süden oder der
Mitte.
Da sich das Tief, insgesamt füllt es sich zwar auf, dennoch über die Nordsee
nach Osten ausweitet, nimmt der Gradient bei uns etwas zu. Entsprechend frischt
der Wind auf und im Westen/Nordwesten sowie über der Mitte kommt es auch abseits
etwaiger Konvektion zu starken bis exponiert und an der Nordsee zu stürmischen
Böen. Im Bergland sind Sturmböen möglich und der Brocken ist vielleicht auch mal
mit einer orkanartigen Böe dabei.
Der Süden und Südosten liegt etwas abseits des aktiven Geschehens; hier kommt es
eher zu einzelnen Schauern und Gewittern, die Windentwicklung ist dabei
schwächer und vom Südosten Bayerns (leicht föhnig) bis zur Lausitz scheint
häufiger die Sonne und es bleibt weitgehend trocken bei Temperaturen um 20 Grad.
Die Temperaturen liegen aber auch sonst, trotz fehlender Einstrahlung bei
respektablen 15 bis 20 Grad.

In der Nacht zu Samstag lockert es postfrontal im Nordwesten auf. Über der
Nordsee kommt es aufgrund des noch warmen Wassers und bei Temperaturen um -24
Grad in 500 hPa zu weiteren Schauern und kurzen Gewittern. Im Südwesten beginnt
es mit Annäherung der nächsten Welle über Frankreich im Verlauf der Nacht wieder
zu regnen. Ansonsten stellt sich vorübergehend leicht antizyklonaler Einfluss
ein und die Wolken lockern auf und der Wind lässt nach.
Nur an der Nordsee könnte es noch zu einzelnen Windböen (um 55 km/h) aus
Süd-Südwest kommen.
Der Trog nimmt unterdessen mehr eine Südwest-Nordost Exposition ein und weitet
sich vor dem europäischen Festland nach Süden aus. In Hochlagen der Alpen kommen
dabei erste Sturmböen auf.

Samstag… zieht das Bodentief in die westliche Nordsee und füllt sich weiter
auf, es liegt nahezu senkrecht unter dem Drehzentrum des Höhentiefs. Der
Kerndruck liegt abends nur noch wenig unter 1000 hPa.
Der dazugehörige Höhentrog amplifiziert sich weiter und schwenkt zur Iberischen
Halbinsel, so dass die Höhenströmung weiter nach Südwest bis Süd dreht und
zunimmt.
In den Alpen kommt dabei Südföhn auf mit teilweise schweren Sturmböen auf
einigen Gipfeln. Der speist sich aber auch
aus dem zunehmenden Druckgradienten zwischen Süd- und Nordalpen. So steigt die
Druckdifferenz zwischen Bozen und Innsbruck auf rund 8 hPa, was reichen könnte,
den Föhn bis ins südliche Alpenvorland übergreifen zu lassen.

Der Regen an der Welle greift vom Südwesten unter leichten
Abschwächungstendenzen nach Nordosten aus und zieht in der Nacht zu Sonntag
nordwärts ab. Dahinter kommt es noch zu einzelnen Schauern, bevor der Regen
Richtung Schwarzwald am Abend wieder stärker wird, so er denn wirklich aufhört,
was nicht mal sicher ist.
Im Westen und Nordwesten nimmt die Regenwahrscheinlichkeit im Tagesverlauf
ebenfalls zu, was einem weiteren nordostwärts schwenkenden KW-Trog nebst
korrespondierendem Bodentrog geschuldet ist.
Windmäßig sind neben dem Föhn noch die Hochlagen der Mittelgebirge von
Interesse, wo der Süd-Südwestwind in Böen Sturmstärke erreichen kann.
Temperaturmäßig stehen weiterhin 14 bis 19°C auf der Karte, in Südostbayern
sogar 20°C oder 1-2 Grad mehr, bei länger andauerndem Regen im Mittelgebirgsraum
etwas weniger.
In der Nacht zu Sonntag zieht die Welle nach Nordosten ab, während über
Frankreich sich ein Tief formiert, dessen Warmfront nach Deutschland ausgreift.
Über den Westen und Südwesten breitet sich auf dessen Vorderseite wieder Regen
aus, ansonsten lockern die Wolken vorübergehend auf und es bildet sich örtlich
Nebel.
An der Nordsee und im höheren Bergland kommt es noch zu Windböen, auf
exponierten Gipfeln sind stürmische Böen möglich und in den Alpen dauert die
Föhnlage an. Auf exponierten Gipfeln sich auch Orkanböen nicht ausgeschlossen.

Sonntag… tropft der Langwellentrog zur Iberischen Halbinsel und Biskaya ab,
was auch zur Bildung des Bodentiefs über Südwesteuropa führte. Bei uns ist eine
südsüdwestliche, antizyklonale Höhenströmung die Folge, bei geringen
Druckgegensätzen im Bodenniveau. Der Resttrog im Norden schwenkt Richtung
Skandinavien und nimmt das Tief am Boden mit, was sich aber weiter auffüllt.
Die Anströmung von Süden her dürfte zu einer weiteren Verstärkung des Föhns
führen und einen Schwall sehr milder
Luftmassen mit T850 hPa um 15 Grad in den Süden und Südosten des Landes lenken.
Dort werden für Oktober doch sehr milde Tagesmaxima zwischen 18 und 22 Grad
erwartet, in einigen Föhntälern sind auch Werte nahe 25 Grad nicht
ausgeschlossen.

In der Mitte und im Norden, wo die Frontalzone für starke Bewölkung und
teilweise länger anhaltende Regenfälle sorgt, bleibt es mit Werten zwischen 14
und 18 Grad etwas kühler. Der Streifen mit dem meisten Regen erstreckt sich
wahrscheinlich vom Südwesten (RLP, Saarland) bis nach Mecklenburg-Vorpommern.
Gerade im Südwesten/Westen (Saarland bis Eifel) sind dabei in 24 Stunden von der
Nacht zum Sonntag bis in die Nacht zum Montag auch warnwürdige Mengen von 30 bis
40 mm in 24 Stunden nicht ausgeschlossen. Die Wahrscheinlichkeiten seitens der
Probabilistik halten sich aber in Grenzen. Darüber hinaus haben GFS und IFS den
Niederschlagsstreifen in ihren letzten Läufen ein Stück nach Nordwesten
verschoben. Neben den grenzwertigen Mengen verbleiben also auch
Modellunsicherheiten.
In der Nacht zum Montag schwenkt ein Rücken über uns nach Nordosten, was die
Bodenfrontalzone noch weiter in den Norden befördert. Dort also Regen, sonst
teilweise Auflockerungen und stellenweise Nebel. Die Föhnlage in den Alpen hält
wahrscheinlich weiter an.

Modellvergleich und -einschätzung

Die Modelle simulieren die grundsätzliche Entwicklung ähnlich. Unsicherheiten
verbeiben bei den Gewittern, obwohl sich der „Rahmen“ recht gut abstecken lässt.
Der Dauerregen am Sonntag/Montag ist unsicher, da die Lage der schleifenden
Front inkonsistent simuliert wird.

Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Bernd Zeuschner

SXEU31 DWAV SYNOPTISCHE UEBERSICHT KURZFRIST

SXEU31 DWAV 170800

S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T K U R Z F R I S T
ausgegeben am Donnerstag, den 17.10.2019 um 08 UTC

GWL und markante Wettererscheinungen:
GWL: SWz (Südwest zyklonal)

Heute wechselhaft aber geschmeidig. Am Freitag mehr Dampf, vor allem im Norden
linienhaft organisierte Konvektion wahrscheinlich.

Synoptische Entwicklung bis Samstag 24 UTC

Donnerstag… stehen weite Teile West- und Mitteleuropas unter der Ägide eines
hochreichenden Zentraltiefs knapp westlich von Irland, das auf den Namen THILO
hört – so es denn hören könnte. Es konnte heute Nacht noch mit einer Kernisobare
von 980 hPa analysiert werden, wird sich im Laufe des Tages aufgrund seiner
quasisenkrechten Achsstellung aber allmählich auffüllen. Über der nördlichen
Nordsee hat sich am Okklusionspunkt des zugehörigen Frontensystems ein kleines
Teiltief gebildet (THILO II), was dem gesamten Druckbild einen zugegeben sehr
asymmetrischen Dipolcharakter verleiht. Wichtiger für den Vorhersageraum, und
damit sind wir in Deutschland angekommen, ist zum einen die tiefvorderseitig,
bis in große Höhen reichende Südwestströmung, mit der bis auf Weiteres milde
Atlantikluft advehiert wird. Dabei laufen immer wieder kurze Wellen nordostwärts
ab, die für einen wechselhaften Witterungsabschnitt verantwortlich zeichnen.
Hinzu kommt die Tatsache, dass sich von Westen her eine thermisch schwach
ausgeprägte Kaltfront derart nachhaltig für einen Verbleib in Deutschland
interessiert, dass sie uns wohl über das Wochenende hinaus erhalten bleibt.
Konkret, aufgrund ihrer höhenströmungsparallelen Ausrichtung weist die Front
einen stark schleifenden, mitunter zur Wellenbildung neigenden Charakter auf,
mit dem sie sich südwest-nordost-orientiert diagonal über Deutschland pflanzt,
man aber nie so ganz genau weiß, wo sie sich gerade aufhält (das hängt nämlich
nicht zuletzt von der genauen Vita der bereits angesprochenen kurzen Wellen in
der mittleren Troposphäre ab, die in ihrer Zugbahn leicht variieren können.)
Kommen wir zum heutigen Donnerstag, der – so viel sei an dieser Stelle schon
verraten – vergleichsweise unspektakulär über die Bühne geht. Die Kaltfront, die
den Westen bereits erreicht hat, schiebt sich noch etwas landeinwärts voran.
Rückseitig gelangt ein Schwall immer noch milder Meeresluft subpolaren Ursprungs
(die Luftmasse muss einen weiten Bogen um den „dicken THILO“ schlagen, wobei sie
sich erwärmen kann) in den Norden und Westen (T850 4-7°C), während präfrontal
weiterhin relativ warme und leicht kontinental angehauchte (niedrige Taupunkte,
im Südosten teils unter 5°C) Luft wirksam ist. In dieser Luftmasse scheint heute
trotz einiger hoher und mittelhoher Wolkenfelder von den Alpen bis hinüber zum
Bayerischen Wald häufig die Sonne bei Höchstwerten von 17 bis 21°C.
Ansonsten ist heute von reichlich Gewölk auszugehen, im Norden und Westen
überwiegend geschlossen (außer vielleicht später an der Nordsee, wo es
postfrontal auflockert), sonst wenigstens mit einer halbwegs reellen Chance auf
ein paar Aufhellungen oder gar Auflockerungen. Kalt wird es mit 14 bis 20°C
nicht, dafür regnet es zeit- und gebietsweise. Regen respektive Nieselregen
fällt zunächst vor allem im Norden quasi im Schlepptau der nach Norden
abziehenden Warmfront des o.e. Frontensystems, Tendenz im Tagesverlauf von Süden
her nachlassend. Ein zweiter Schwerpunkt liegt aktuell im Südwesten (gekoppelt
an einen in 300 hPa einigermaßen erkennbaren KW-Trog), der sich unter
Abschwächung via Mitte nordostwärts verlagert. Bei beiden Regenereignissen fällt
nicht allzu viel ab, sprich, die 5mm-Schwelle wird wohl kaum überschritten.
Bereits am Nachmittag zieht dann von Ostfrankreich her die nächste Welle mit
skaligem Regen in den Südwesten und Westen, wobei dann zumindest in einigen
Staulagen lokal auch mal etwas mehr als 5 mm fallen können.
Noch ein Wort zum Wind, der sich heute aus Süd bis Südwest kommend gepflegt
zurückhält und nur in einigen exponierten Hochlagen der Mittelgebirge mitunter
rebellisch aufmuckt mit Böen 7-8 Bft, auf dem Brocken am Vormittag sogar 9 bis
10 Bft.

In der Nacht zum Freitag ändert sich vergleichsweise wenig an der großräumigen
Konstellation. Die Welle aus dem Westen /Südwesten schwenkt nordostwärts durch,
wodurch sich der zugehörige Regen über die Mitte bis in den Norden und Nordosten
ausbreitet. Akkumuliert über 12 h fallen gebietsweise 5 bis 10 mm, in den
Mittelgebirgen vereinzelt auch etwas mehr. Trocken bleibt es weiterhin zwischen
Alpenrand und Bayerischem Wald (und wohl auch in der Ober- und Niederlausitz),
wobei sich an Donau, Naab und Inn das eine oder andere Nebelfeld bilden kann.
Vergleichsweise wenig Regen fällt im Westen und Nordwesten, allerdings wird mit
Annäherung des Haupttrogs (der zum Zentraltief gehörige) etwas höhenkalte Luft
(T500 -20/21°C) über die Nordsee gespült, was dort mit diabatischer
Unterstützung (die Nordsee ist mit 14/15°C noch „brühwarm“) konvektive
Umlagerungen in Form von Schauern und kurzen Gewittern zur Folge hat.

Freitag… kommt nach dem eher beschaulichen Donnerstag wieder mal Schmackes in
die Bude. Zwar füllt sich das Zentraltief mehr und mehr auf – zum Mittagstermin
sind es über Irland nur noch etwas weniger als 995 hPa -, dafür greift im
Tagesverlauf ein veritabler Randtrog mit einem ausgewachsenen IPV-Maximum auf
den Nordwesten und die Deutsche Bucht über, von wo aus er nordostwärts schwenkt.
Seine Position am linken Ausgang des von Westen nachfolgenden Jet-Streaks
begünstigt die vom Trog ausgelösten dynamischen Hebungsprozesse, die eine
relativ milde und feuchte (PPW um oder etwas über 25 mm), vor allem aber labil
geschichtete Luftmasse nach oben hieven. Berücksichtig man nun noch, dass auch
die Scherungsbedingungen extrem „günstig“ sind (LLS 10 bis 15, vereinzelt 20
m/s, DLS gebietsweise 30 bis 40 m/s), versteht man schnell, warum die
hochaufgelösten Modelle am Nachmittag trotz überschaubarer CAPE-Werte („high
shear, low cape“) eine organisierte, leicht gekrümmte Schauer- und Gewitterlinie
simulieren, die sich etwa von NRW und dem westlichen NDS ost-nordostwärts über
SH und HH bis nach MV verlagert. Höhenwinde von bis zu 50 Kt in 850 hPa und – je
nach Modell – vereinzelt noch etwas darüber in 700 hPa lassen in Verbindung mit
starken Schauern und Gewittern Sturmböen 9 Bft, in Einzelfällen vielleicht sogar
schwere Sturmböen 10 Bft wahrscheinlich werden, auch wenn z.B. COSMO-D2-EPS eine
sehr defensive Haltung einnimmt. Starkregen von 15 mm oder etwas mehr innert
kurzer Zeit ist räumlich eng begrenzt auch nicht ausgeschlossen, sollte wegen
der recht zügigen Verlagerungsgeschwindigkeit (im Gegensatz zur Lage am
Dienstagabend) aber nicht ganz oben auf der Agenda stehen.
Weiter südlich sind an bzw. hinter der wellenden Front ebenfalls einzelne
Gewitter (und Schauer sowieso) möglich, allerdings fehlt es dort etwas an
Dynamik. Nichtsdestotrotz können auch diese Zellen bis in den Ockerbereich
gehen, vor allem durch Böen 8 Bft, durch die langsamere Zuggeschwindigkeit
punktuell auch Starkregen, was aber keinesfalls sicher ist. Ausgenommen vom
zyklonalen Geschehen bleibt einmal mehr der Südosten Bayerns, so sich zeitweise
sogar die Sonne durchsetzt. Auch der Osten Sachsen und die Lausitz bekommen –
wenn überhaupt – nur einen Streifschuss ab. Auflockerungen treten übrigens auch
im Nordwesten vor Eintreffen der Gewitterlinie und danach auf.
Erwähnt sei noch der vorübergehend auf südliche Richtungen rückdrehende, später
wieder auf Südwest springende Wind, der nicht nur konvektiv auf sich aufmerksam
macht. Besonders im Westen und Nordwesten sowie in der Mitte (dort vor allem im
Bergland) frischt der Wind auch gradient- und tagesgangbedingt auf mit Böen 7
Bft, exponiert sowie in Hochlagen 8 Bft, an und auf der Nordsee vermehrt 8-9 Bft
und auf dem Blocksberg bis 10 Bft.
Trotz des verbreitet wechselhaften Wetters und der Tatsache, dass die wellende
Front recht weit nach Südosten vorankommt (und damit weite Landesteile auf die
Rückseite gelangen), bleibt es mild bis warm mit 14 bis 19°C im Süden und
Südosten stellenweise 20°C oder etwas darüber.

In der Nacht zum Samstag beruhigt sich die Wetterlage nach Abzug der Schauer-
und Gewitterlinie, und auch an der wie eine Klette an Deutschland hängenden
Front stellt sich vorübergehend ein Hebungsminimum ergo wenig Regen ein.
Allerdings deutet sich am frühen Samstagmorgen im Süden und Südwesten bereits
die nächste Kurzwelle in der Höhe an, die den Regen gebietsweise wieder aufleben
lässt. Zwar zeigen sich noch Unschärfen unter den Modellen hinsichtlich der
genauen räumlichen Verteilung, der Schwerpunkt dürfte aber im Schwarzwald liegen
(5-10 mm bis zum Morgen).
Der Wind schwächt sich relativ zügig ab, bleibt aber an und auf der Nordsee
(dort auch noch einzelne Schauer oder kurze Gewitter) sowie in einigen Hochlagen
aber noch im neuralgischen Bereich 7-8 Bft. Im südöstlichen Bayern, das bei
dieser Wetterlage ein wenig wie das berühmte „Gallische Dorf“ daherkommt, bildet
sich örtlich Nebel.

Samstag… erreicht das Tief THILO Mittelengland (12 UTC), wobei von dem
ehemaligen stolzen Zentraltief nur noch ein mickriges Relikt mit knapp unter
1000 hPa übrig ist. Tja, nicht nur Menschen, auch Tiefdruckgebiete haben mit
Alterungsprozessen zu kämpfen. Während das Bodentief also eindeutig auf dem
absteigenden Ast ist, blüht der zugehörige Höhentrog jetzt erst so richtig auf.
Verantwortlich dafür ist ein kurzwelliger Randtrog, der sich bereits am Freitag
vom Seegebiet südlich Kap Farvels vom Haupttrog über der Labradorsee ablöst und
nach Südosten vorstößt. Dabei läuft er zunehmend in die Rückseite des bis dato
eher rundlich geformten Troges über dem nahen Ostatlantik, was am Samstag
schließlich zu einer substanziellen Amplitudenvergrößerung führt. Zum Tagesende
reicht seine positiv geneigte Achse von England bis hinunter zur Ostküste der
Iberischen Halbinsel. Für uns ergibt sich daraus eine zunehmende, leicht
aufsteilende südwestliche Höhenströmung, die in den Alpen den Südföhn befeuert.
Der speist sich aber auch aus dem zunehmenden Druckgradienten zwischen Süd- und
Nordalpen. So steigt die Druckdifferenz zwischen Bozen und Innsbruck auf rund 8
hPa, was reichen könnte, den Föhn bis ins südliche Alpenvorland übergreifen zu
lassen. In den Hochlagen stehen je nach Exposition Sturmböen 8-10 Bft auf der
Karte, für mehr wird es auf deutscher Seite wohl nicht reichen.
Ansonsten gilt es zu konstatieren, dass sich der wellengetriggerte Regen aus dem
Südwesten über die Mitte nordostwärts verlagert. Dahinter kommt es noch zu
einzelnen Schauern oder sogar kurzen Gewittern, bevor der Regen Richtung
Schwarzwald am Nachmittag und Abend wieder stärker wird. Vor dem Hintergrund
weiterer Regenfälle in der Nacht zum und am Sonntag (und wahrscheinlich noch
danach), sollte man eine mögliche warnwürdige Dauerregenlage zumindest schon mal
im Hinterkopf abspeichern (Schwarzwald, Oberrhein Saarland, südliches RP), auch
wenn die Numerik den Schwerpunkt eindeutig auf französischer Seite sieht.
Im Westen und Nordwesten nimmt die Regenwahrscheinlichkeit im Tagesverlauf
ebenfalls zu, was einem weiteren nordostwärts schwenkenden KW-Trog nebst
korrespondierendem Bodentrog geschuldet ist. Auf der Suche nach Sonnenschein
bleibt der Südosten Bayerns weiterhin eine Bank. Neben dem Föhn breitet sich
auch die trockenere Luftmasse wieder etwas weiter nordwestwärts aus, was das
Areal potenziellen Sonnenscheins gegenüber Freitag wieder vergrößert (grob vom
Bodensee/Allgäu bis nach Niederbayern und der Oberpfalz).
Windmäßig sind außerhalb des Föhns nur noch die Hochlagen einiger Mittelgebirge
von Interesse, wo sich der Süd-Südwestwind in Böen auf Sturmstärke 8-9 Bft
hochschaukeln kann. Temperaturmäßig stehen weiterhin 14 bis 19°C auf der Karte,
in Südostbayern sogar 20°C oder 1-2 Grad mehr, bei länger andauerndem Regen im
Mittelgebirgsraum eher etwas weniger.

Modellvergleich und -einschätzung

Die Modelle sind weitgehend einer Meinung, vor allem was die großräumigen
Strukturen angeht. Beim Niederschlag und der Konvektion gibt es noch gewisse
Unschärfen, die Wahrscheinlichkeit für eine organisierte Gewitterlinie mit
Superzellen am morgigen Freitag in Norddeutschland ist aber relativ hoch.
Trotzdem muss man natürlich noch di nächsten Läufe abwarten, um sich ein
abschließendes Urteil erlauben zu können.

Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Jens Hoffmann

SXEU31 DWAV SYNOPTISCHE UEBERSICHT KURZFRIST

SXEU31 DWAV 160800

S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T K U R Z F R I S T
ausgegeben am Mittwoch, den 16.10.2019 um 08 UTC

GWL und markante Wettererscheinungen:
SWz
Wechselhaft und mild, vor allem auf den Berggipfeln und an der See Gefahr von
stürmischen Böen.

Synoptische Entwicklung bis Freitag 24 UTC

Mittwoch… überquert ein kurzwelliger Trog unsere nördlichen Landesteile
ostwärts. Dabei kommt es zu einem Cut-Off. Das entstehende Höhentief in
Verbindung mit einer Kaltluftlinse überquert die Mitte und den Norden ostwärts
und erreicht am Nachtmittag die Oder. Diese Entwicklung sorgt durch PVA vor
allem im Norden für kräftigen Hebungsantrieb. Korrespondierend dazu überquert am
Vormittag die Kaltfront auch die Mitte und den Osten. Sie hängt mit dem
Tiefdruckgebiet „Sebastien“ zusammen, welches sich von Vorpommern bis Tagesende
nach Gotland verlagert. Das führt vor allem im Norden zu teils kräftigen
Regenfällen, die auch anfangs noch konvektiv verstärkt sein können. Im
6-stündigen Zeitraum simulieren die Modelle vor allem in M-V Niederschlagsmengen
über 20 mm.

Rückseitig der Front schwenkt ein Keil über Deutschland hinweg nach Osten.
Dadurch setzt sich vor allem im Süden zunehmend Zwischenhocheinfluss durch und
es ist sonnig und trocken. Die Temperaturen erreichen im Regen im Nordosten nur
14 Grad, im Südwesten werden über 20 Grad erreicht.

Am Nachmittag verdichten sich in der Nordhälfte von Westen her erneut die
Wolken. Grund ist das Übergreifen des Frontensystems des Tiefs Thilo auf den
Westen Deutschlands. Im Vorfeld verstärkt sich vor allem in der Mitte der
Südwestwind und auf den Bergen kann es steife, exponiert auch stürmische Böen
geben (Bft 7 bis 8). Auf dem Brocken muss man auch mit Sturmböen rechnen.

In der Nacht zum Donnerstag kommt das Frontensystem des Zentraltiefs „Thilo“ mit
Lage westlich von Irland weiter ostwärts voran und erreicht in der zweiten
Nachthälfte unseren Nordwesten. Durch die vorderseitige WLA entsteht ein
Niederschlagsgebiet, das vor allem den Norden und den Westen erfasst.
Warnwürdige Mengen sind daran nicht zu erwarten. Gebietsweise simulieren die
Modelle in den westlichen Mittelgebirgen aber 10 bis 15 mm/12h. Auch der Wind
auf den Bergen der Mitte bleibt ein Thema und erreicht exponiert in Böen die
Stärke 7 oder 8. Unter den Wolken bleibt die Nacht mild bei knapp zweistelligen
Temperaturminima. Im Südosten ist es dagegen klar und vereinzelt kann es Nebel
und auch leichten Bodenfrost geben.

Donnerstag… nähert sich ein breiter Trog den Britischen Inseln.
Korrespondierend dazu liegt westlich von Irland weiterhin das Zentraltief
„Thilo“. Sein Frontensystem überquert den Norden ostwärts. Nach Süden und Westen
zu kommt die Front aufgrund der strömungsparallelen Ausrichtung ins Wellen. Am
Mittag liegt die Front in etwa über der Mitte Deutschlands. Die kräftigsten
frontalen Niederschläge sind vor allem Richtung Westen zu erwarten. Hier werden
von ICON teilweise über 10 mm/12h simuliert. Die anderen Modelle liegen jedoch
meist darunter und kommen kaum auf 5 mm/12h. Weiterhin ein Thema ist der Wind
auf den Bergen in der Mitte und im Südwesten. Hier ist in Gipfellagen mit
steifen bis stürmischen Böen zu rechnen. Am freundlichsten ist es im Südosten,
wo in Alpennähe erneut über 20 Grad erreicht werden können. Sonst liegen die
Tageshöchstwerte zwischen 15 Grad im Nordosten und knapp 20 Grad im Südwesten.

In der Nacht zum Freitag kommt die Front langsam weiter nach Südosten voran.
Dadurch gibt es vom Norden bis in den Südwesten leichten bis mäßigen Regen, der
mengenmäßig weit davon entfernt ist, Warnschwellen zu erreichen. Im Südosten
bleibt es zunächst noch trocken und in den Flusstälern entsteht dichter Nebel.
Auf den Bergen in der Mitte und im Südwesten gibt es weiterhin steife bis
stürmische Böen aus Südwest. Die Temperaturen gehen in der Nordwesthälfte auf
niedrige zweistellige Werte zurück, nur im Südosten ist mit einstelligen
Temperaturen zu rechnen. Bodenfrost gibt es allenfalls in den Alpentälern.

Freitag… erreicht das Zentraltief, das sich mittlerweile etwas aufgefüllt hat,
Irland. Auf seiner Südostseite liegt seine Front, die sich aufgrund der
strömungsparallelen Lage kaum verlagert, wellend über Süddeutschland. In der
zweiten Tageshälfte kommt es aufgrund eines vorlaufenden Randtroges über der
Nordsee zur Entstehung eines zweiten Tiefkerns. Daher muss weiterhin in weiten
Teilen des Landes mit Regen gerechnet werden. Durch die Entstehung eines zweiten
Tiefkerns über der Nordsee nimmt auch im Nordwesten der Gradient wieder zu und
der Südwestwind frischt auf. So kann es vor allem im äußersten Nordwesten auch
im Flachland zu steifen Böen, auf den Bergen und am Abend auch an der Nordsee zu
stürmischen Böen kommen. Auf den Inseln sind auch Sturmböen möglich. Aufgrund
der insgesamt sehr zyklonalen Konturierung der Höhenströmung kann es immer
wieder zu leichten Regenfällen kommen. Lediglich im Südosten bleibt es noch
freundlich. Dort und im Südwesten können nochmals 20 Grad erreicht werden.

In der Nacht zum Samstag kommt der Trog näher an den europäischen Kontinent
voran und dadurch steilt sich die Strömung auf. Das Randtief über der Nordsee
schwächt sich ab sodass auch der Wind an der Küste nachlässt. Unmittelbar an der
Küste ist aber weiterhin mit steifen Böen zu rechnen. Die Reste der Front
tangieren weiterhin den Süden und Südwesten. Dort ist mit mäßigen und teilweise
auch mit kräftigem Regen zu rechnen ohne das jedoch Warnschwellen erreicht
werden. Die Temperaturen gehen auf 11 bis 5 Grad zurück.

Modellvergleich und -einschätzung

Die anderen Modelle simulieren die Entwicklung ähnlich wie ICON. Auch die
Unterschiede bei der Niederschlagsvorhersage sind nur marginal.

Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Rolf Ullrich