SXEU31 DWAV SYNOPTISCHE UEBERSICHT KURZFRIST

SXEU31 DWAV 080800

S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T K U R Z F R I S T
ausgegeben am Sonntag, den 08.12.2019 um 08 UTC

GWL und markante Wettererscheinungen:
Im Nordwesten bis in nördliche NRW sowie im Thüringer Becken und im Harzvorland
stürmische Böen. An der Küste und im höheren Bergland Sturmböen, auf exponierten
Bergen Böen Bft 10 bis 12. In der Nacht zum Dienstag im Bergland oberhalb 400
bis 500 m Schneeschauer mit Schneeglätte, in Hochlagen der östlichen
Mittelgebirge Schneeverwehungen nicht auszuschließen, am Dienstag unter
Zwischenhocheinfluss Wetterberuhigung.

Synoptische Entwicklung bis Dienstag 24 UTC

Sonntag… Die Okklusion eines Sturmtiefs bei den Shetlandinseln hat auf den
Nordwesten übergegriffen und verlagert sich ostsüdostwärts über Deutschland
hinweg. Sie erreicht zum Tagesende etwa die Donau. Dabei wir die nach
Deutschland einströmende Subtropikluft durch erwärmte Meeresluft subpolaren
Ursprungs ersetzt. Die an den Tiefausläufer gekoppelte breite Trogvorderseite
sorgt für Hebung und Regenfälle, die allerdings mit 1 bis 7 mm, in Staulagen
vereinzelt um 10 mm innerhalb von 12 Stunden weitab von Warnschwellen liegen. Im
Bereich der Front und postfrontal frischt der Wind auf und so sind in der Mitte
und im Nordosten sowie Osten steife Windböen zu erwarten. In höheren Lagen und
in Nordwestdeutschland, später auch im Thüringer Becken sowie im Harzvorland
stehen stürmische Böen, unmittelbar an der See und auf Berggipfeln 9er Böen auf
der Warnkarte. Auf exponierten Bergen muss mit Böen Bft 10 bis 12 gerechnet
werden. In den Abendstunden kann es dann auch ganz im Süden 7er und exponiert
8er Böen geben. Postfrontal strömt zwar wenig kühlere Meeresluft zu uns, in der
die Temperatur in 850 hPa bis zum Abend im Norden und in der Mitte auf 0 Grad
oder knapp darunter zurückgeht, jedoch ist diese Luftmasse gut durchmischt, so
dass es heute sogar milder wird als am Samstag: Die Maximum-Temperaturen liegen
verbreitet zwischen 10 und 12 Grad, im Südwesten vereinzelt bei bis zu 14 Grad
und im höheren Bergland um 8 Grad.

In der Nacht zum Montag erreicht die Front die Alpen, kommt also im Südosten nur
langsam voran, so dass die Regenmengen in Staulagen des Bayerischen Waldes 10
bis 15 mm erreichen können. Postfrontal fallen bei aufgelockerter bis starker
Bewölkung einzelne Schauer und an der Nordsee ist vielleicht mal ein kurzes
Gewitter dabei. Hier sinken in 500 hPa die Temperaturen vorübergehend auf -32
Grad, so dass die Temperaturdifferenz zwischen 500 und 850 hPa vorübergehend auf
30 K ansteigt. Der Gradient fächert vor einem von Westen her nach Benelux
schwenkendem, auch in der Höhe ausgeprägten Trog nur vorübergehend auf, so dass
meist nur noch auf den Bergen und an der See stürmische Böen und Sturmböen
auftreten. In der 2. Nachthälfte und Montagfrüh nimmt aber im Westen vor dem
Bodentrog der Wind wieder zu mit steifen, exponiert mit stürmischen Böen.

Montag… zieht der o. e. Trog über Deutschland hinweg nach Osten und in der
Höhe wird er abends und in der Nacht zum Montag im Osten regeneriert. Mit dem
Durchgang des Bodentroges ist die subpolare Meeresluft nicht besonders kalt mit
850-hPa-Temperaturen um -2 Grad, so dass die Schauer erst oberhalb von 800 bis
1000 m in Schnee übergehen. Angesichts von Temperaturen bei -30 Grad oder knapp
darunter kann auch ein kurzes Gewitter mit Graupel nicht ganz ausgeschlossen
werden. Mit dem Trogdurchgang und den Schauern ist vorübergehend eine
Windzunahme verbunden, so dass wieder häufiger 7er Böen auftreten. Bei kräftigen
Schauern kann auch eine stürmische Bö nicht ausgeschlossen werden. In dem
Bodentrog befindet sich knapp nördlich von uns eine Bodenzyklone, die bis zum
Abend zur Südspitze Schwedens zieht. In ihrem Randbereich nimmt am Nachmittag in
Nordwestdeutschland der Wind zu und dreht auf Nordwest. Damit sind dann an der
Nordsee 9er und 10er Böen wahrscheinlich und ICON simuliert vor den
Nordfriesischen Inseln gar die Bft 11. Landeinwärts können im Nordwesten 8er
Böen auftreten.
Auf exponierten Bergen gibt es weiterhin 8er bis 10er und sehr exponiert auch
11er Böen.
Allgemein ist es wechselnd bis stark bewölkt und die Sonne zeigt sich allenfalls
nur kurz. Es bleibt noch mild mit Tageshöchsttemperaturen zwischen 8 Grad in
Holstein und 11 Grad in der Lausitz und am Oberrhein.

In der Nacht zum Dienstag zieht das Bodentief zur östlichen Ostsee und es führt
von Nordwesten zunehmend kältere Meeresluft polaren Ursprungs nach Deutschland,
in der die 850-hPa-Temperatur auf -4 Grad im Nordosten und -7 Grad im Süden
sinkt. Entsprechend sinkt auch die Schneefallgrenze auf 500 bis 300 m und vor
allem im Harz und in den östlichen Mittelgebirgen muss mit Schneeschauern
gerechnet werden. Meist dürfte aber die gelbe Schneefallwarnung ausreichen, da
die Niederschlagsmengen meist bei 1 bis 5 mm innerhalb von 12 Stunden liegen.
Lediglich im einsetzendem Nordweststau der Alpen ist mit 5 bis 10 cm und örtlich
mit 10 bis gut 15 cm Neuschnee oberhalb von 800 bis 1000 m zu rechnen.
Der Wind ist eingangs der Nacht im Norden noch kräftig mit steifen Windböen. An
der See sind 8er bis exponiert 10er Böen möglich, ehe in der 2. Nachthälfte der
Wind schwächer wird, so dass Dienstagfrüh nur noch im Nordosten steife Böen
auftreten sowie stürmische Böen an der Ostsee. Auf den Bergen gibt es weiterhin
stürmischen und exponiert auch Sturmböen, auf dem Brocken anfangs 10er Böen.
Bei Tiefstwerten zwischen 4 und 0 Grad kann es wieder recht verbreitet
Bodenfrost geben und im Bergland ist geringer Luftfrost zu erwarten.

Dienstag… ziehen Höhen- und Bodentrog ab und von Westen her steigen Potenzial
und Luftdruck kräftig an. Oder anders ausgedrückt, die eingeflossene polare
Meeresluft (T850 inzwischen -4 bis -7°C) kommt unter Zwischenhocheinfluss, was
Wind und Niederschlag zur Ruhe bringt. Am Vormittag kommt es im Süden und
Südosten noch zu einigen Schneeschauern, die vor allem an den Alpen noch mal ein
paar Zentimeter Neuschnee bringen. Ansonsten lockert die Wolkendecke mal mehr,
mal weniger auf und es bleibt für längere Zeit niederschlagsfrei.
Zum Abend hin frischt der auf Süd drehende Wind auf der Nordsee sowie an der
Grenze zu BeNeLux schon wieder auf – ein klares Zeichen auf das nächste
Sturmtief (genannt SIRO), das am Mittag vor der isländischen Südküste thront.
Kerndruck knapp unter 965 hPa! Temperaturmäßig reicht es am Dienstag „nur“ noch
zu 4 bis 8°C und im höheren Bergland liegen die Werte um 0 Grad.
In der Nacht zum Mittwoch gibt es bei anfangs teils klarem Himmel in der
Südosthälfte und im Mittelgebirgsraum leichten Frost. In Südostbayern sind sogar
Tiefstwerte zwischen -5 und -9 Grad zu erwarten. In der 2. Nachthälfte setzt im
Westen und Nordwesten durch ein neues Frontensystem Niederschlag ein. Dabei ist
in den westlichen Mittelgebirgen sowohl etwas Schnee als auch gefrierender Regen
möglich!

Modellvergleich und -einschätzung
Die Modelle zeigen sowohl von den Basisfeldern als auch beim Niederschlag und
beim Wind eine recht ähnliche Entwicklung.

Was die Wahrscheinlichkeit von orkanartigen Böen morgen an der Nordsee angeht,
so gibt es bei CosmoLEPS praktisch keine Hinweise dafür. Anders bei PEPS: Hier
liegen die Wahrscheinlichkeiten zwischen Friedrichskoog und Sylt bei 30 bis 50
Prozent!

Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Olaf Pels Leusden

SXEU31 DWAV SYNOPTISCHE UEBERSICHT KURZFRIST

SXEU31 DWAV 070800

S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T K U R Z F R I S T
ausgegeben am Samstag, den 07.12.2019 um 08 UTC

GWL und markante Wettererscheinungen:
Wz
Heute abflauender, kommende Nacht wieder zunehmender Wind. An der Küste
Sturmböen, am Montag dann teilweise schwere Sturmböen oder sogar orkanartige
Böen. Auf den Bergen stürmische Böen oder Sturmböen, in exponierten Lagen ab
Sonntag orkanartige Böen möglich.

Synoptische Entwicklung bis Montag 24 UTC

Samstag… verlagert sich ein Trog relativ flott in Richtung Osten. Ihm folgt
vom nahen Ostatlantik ein flacher Rücken nach. Dadurch kommen wir in eine
nordwestliche Höhenströmung, der am Boden eine recht flotte Südwest- bis
Westströmung gegenübersteht. Mit der Bodenströmung wird subpolare Meeresluft zu
uns geführt in der gebietsweise Schauer eingelagert sind. Bei einer T850 um 0°C
ist Schnee im Mittelgebirgsbereich kein Thema.
Der Regen, der die Glatteiswarnungen im Südosten ausgelöst hat, hat Deutschland
ostwärts verlassen. Nach Auslaufen der Unwetterwarnung muss allerdings im
Südosten vorerst weiterhin mit Glätte gerechnet werden.

Insgesamt sorgt die um den Keil herumgeführte WLA heute für meist bedeckten
Himmel, Auflockerungen sind am ehesten im Süden und Südosten zu erwarten. Die
Temperaturen steigen heute auf 5 Grad im Südosten und bis auf 11 Grad am Rhein.

Warnrelevant ist heute allerdings der westliche Wind. Vor allem im Norden und im
Osten kann er bis ins Flachland mit steifen Böen (Bft 7) wehen. Auf den Bergen
sind stürmische Böen oder Sturmböen der Stärke 8 bis 9 zu erwarten. Am
Nachmittag schwächt sich der Wind dann vorübergehend ab.

In der kommenden Nacht überquert uns dann der Höhenrücken, der jedoch von WLA
überlaufen ist. Der Grund dafür ist rückseitig des Keils zu erkennen, denn dort
verstärkt sich ein weiterer Höhentrog, der in der Nacht die Britischen Inseln
erreicht. Korrespondierend dazu hat sich am Boden über dem Ostatlantik ein
Sturmtief gebildet, das sich am Sonntagmorgen mit mehreren Zentren im Seegebiet
zwischen Island und Schottland befindet. Damit verbunden ist ein Frontensystem,
das am Morgen den Kontinent erreicht. In der Folge nimmt vor allem an der
Nordsee und im Nordwesten der Wind wieder zu und es gibt bis ins Binnenland Böen
der Stärke 7., an der Küste Bft 8 und exponiert Bft 9. Auch auf den Bergen nimmt
der Wind wieder zu. In exponierten Lagen kann es sogar schwere Sturmböen, auf
dem Brocken auch orkanartige Böen aus Südwest geben.
Frost und damit die Gefahr von Glätte durch überfrierende Nässe kann es am
ehesten im südöstlichen Bergland und am Alpenrand geben.

Sonntag… amplifiziert sich im Laufe des Tages der Höhentrog über den
Britischen Inseln und dadurch dreht die Höhenströmung bei uns zunehmend auf
Südwest. Der vom Trog gestützte bodennahe Tiefdruckkomplex verlagert sich weiter
ostwärts und liegt am Tagesende im mittleren Skandinavien. Das damit verbundene,
stark okkludierte Frontensystem überquert Deutschland rasch ostwärts und wird
lediglich im Süden noch zurückgehalten. Sein Niederschlagsgebiet erfasst damit
außer den Südosten das ganze Bundesgebiet. Hinter der Okklusion wird subpolare
Meeresluft zu uns geführt und die zwischenzeitig auf bis zu 4°C angestiegene
T850 sinkt wieder auf Werte um 0°C ab.
Postfrontal ist die Schichtung leicht labil und daher gibt es Schauer, für
Gewitter reicht es aber eher nicht.

Markant ist wieder die Windentwicklung, die mit der Front erfolgt. Außer im
Süden kann es überall auch im Flachland Böen der Stärke Bft 7 und in Küstennähe
Bft 8 geben. Auf den Berggipfeln gibt es stürmische Böen oder Sturmbögen (Bft 8
bis 9), exponiert 10 bis 12.
Es ist sehr mild bei Tageshöchstwerten von 8 bis 12 Grad, im Südwesten teilweise
bis 14 Grad.
Freundliche Abschnitte sind am ehesten im Südosten zu erwarten.

In der Nacht zum Montag erreicht der Trog unsere westlichen Landesteile. Es
bleibt sehr windig bis stürmisch mit Schauern oder zum Teil auch kurzen
Gewittern. Postfrontal sinkt die T850 unter 0°C und daher kann es in Lagen
oberhalb von etwa 800 m auch zu Schnee kommen.

Da mit dem Höhentrog sich auch ein Bodentrog nähert, verstärkt sich der Gradient
und von Westen her nimmt der Wind weiter zu. An der Küste und im äußersten
Westen gibt es bis ins Flachland stürmische Böen, sonst in der gesamten
Westhälfte Böen der Stärke 7. Auf den Bergen sind Sturmböen, exponiert schwere
Sturmböen und Böen bis in den Orkanbereich zu erwarten (Brocken,
Feldberg/Schwarzwald, Fichtelberg).

Montag… kommt Deutschland vollends in den Trogbereich und somit unter labil
geschichtet maritime Polarluft. Das führt fast überall zu Schauern, im
Küstenbereich auch zu Gewittern. Die Schneefallgrenze liegt bei etwa 800 m und
dem entsprechend kann es in höheren Bergregionen Schnee geben.
Mit dem Trog kommt auch ein Bodentrog nach Deutschland. Auf der Rückseite des
Bodentroges wird ein flaches Tief über Norwegen nach Süden geführt und bildet
über Dänemark nach Lesart von ICON ein abgeschlossenes Tief mit einer
Kernisobare von 990 hPa. Die anderen Modelle unterscheiden sich davon allerdings
nicht signifikant.

Daher bleibt die Windentwicklung am Montag markant. In der gesamten Westhälfte
muss auch im Flachland mit stürmischen Böen gerechnet werden. Auf den Bergen
gibt es Sturmböen, in exponierten Lagen schwere Sturmböen oder orkanartige Böen.
Im Nordseeküstenbereich verschlimmert sich die Situation mit Herannahen des
Bodentiefs am Nachmittag. Dann muss an der Küste mit schweren Sturmböen, auf den
Nordfriesischen Inseln mit orkanartigen Böen gerechnet werden.

Es ist fast überall stark bewölkt bis bedeckt, lediglich im Osten und Südosten
ist mal die Sonne zu sehen. Die Tageshöchsttemperaturen liegen bei milden 9 bis
11 Grad.

In der Nacht zum Dienstag verlagert sich der Trog langsam ostwärts und das
korrespondierende Bodentief liegt am Dienstagmorgen bereits in der mittleren
Ostsee. Daher verlagert sich das Windfeld im Verlauf der Nacht ostwärts und im
Nordwesten sind dann keine Windwarnungen mehr erforderlich. Im Nordosten gibt es
allerdings bis zum Morgen selbst bis ins Binnenland noch Böen der Stärke 8, an
der Küste Bft 9 bis 10 aus Nordwest bis Nord. Auch auf den Bergen gibt es
weiterhin stürmischen und exponiert auch Sturmböen.
Die Nacht ist abgesehen von höheren Muldenlagen in den Gebirgen frostfrei.

Modellvergleich und -einschätzung

Die Modelle zeigen sowohl von den Basisfeldern als auch beim Niederschlag und
beim Wind eine recht ähnliche Entwicklung.

Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Rolf Ullrich

SXEU31 DWAV SYNOPTISCHE UEBERSICHT KURZFRIST

SXEU31 DWAV 060800

S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T K U R Z F R I S T
ausgegeben am Freitag, den 06.12.2019 um 08 UTC

GWL und markante Wettererscheinungen:
GWL: Wz (West zyklonal)

Heute und kommende Nacht gebietsweise Glatteis (Mitte, Süden), Unwetter nicht
ausgeschlossen. Darüber hinaus auffrischender und mit unterschiedlicher
Intensität auch am Wochenende andauernder Wind, meist aus Südwest.

Synoptische Entwicklung bis Sonntag 24 UTC

Freitag… ist die seit Tagen apostrophierte Umstellung der Großwetterlage
bereits in vollem Gange. Vom vor wenigen Tagen noch in den Potenzialkarten
auftretenden Omegamuster ist nichts mehr übriggeblieben, stattdessen rückt uns
von Norden her die zwar leicht mäandrierende, im Kern aber von West nach Ost
exponierte Frontalzone immer dichter auf den Leib. Sie erstreckt sich über
tausende von Kilometern etwa von Neufundland über den mittleren Noratlantik und
Südskandinavien bis nach Russland. Eingelagert ist ein kurzwelliger Trog, der
heute UK/Irland passiert, zum Abend hin die Nordsee erreicht und in der
kommenden Nacht schlussendlich auf den Vorhersageraum übergreift. Dem Trog
vorgelagert sind zwei flache Wellen, von denen die östliche heute früh über
Südskandinavien analysiert werden konnte, von wo aus sie in den nächsten Stunden
via Bottenbusen ostwärts abzieht. Ihr folgt ein zweites Exemplar (QUENTIN), das
seinen Sitz bis Mitternacht von den Färöers nach Mittelschweden verlegt. Beide
Wellen sind nicht nur mit einem Frontensystem verbunden, dessen Warmfront und
aktuell von Nordwesten her traktiert und dessen (Thermisch schwache) Kaltfront
in der Nacht zum Samstag unseren Raum erreicht. Beide Wellen halten auf ihren
Südflanken außerdem einen veritablen Luftdruckgradienten zu der immer weiter
nach Süden abgedrängten Hochdruckbrücke aufrecht, die Teilen des Landes einen
windigen Nikolaustag beschert.
Neben der gesamten Strömungskonfiguration ist natürlich auch der bevorstehende
Luftmassenwechsel von allerhöchstem Interesse. Dazu lohnt sich (eigentlich lohnt
sich das immer) ein Blick auf die nächtlichen Radiosondenaufstiege. Während im
Norden (Schleswig, Norderney) eine von unten bis etwa 600 hPa weitgehend
gesättigte untere Troposphäre mit durchweg positiv temperierter Grundschicht
registriert werden konnte, zeigen Temps in der Mitte und im Süden (z.B.
Meiningen, Oberschleißheim) noch das klassische hochdrucklastige
Grenzschichtprofil: kalter (und negativ temperierter) Fuß mit Sättigung bis 900
hPa, darüber starke Inversion mit markanter Abtrocknung und „warmer Nase“ bis
700 hPa. Darüber hinaus hat sich vor allem in den zentralen und den südlichen
Mittelgebirgen der Frost in den vergangenen Tagen sukzessive etwas weiter in den
Boden vorgearbeitet, an einigen Stellen bis zu 10 cm oder sogar etwas darüber.
Kurzum, die Rahmenbedingungen für gefrierenden Regen mit Glatteis sind gegeben,
und tatsächlich werden wir es heute und in der kommenden Nacht mit genau diesem
Phänomen zu tun bekommen.
Aktuell überdeckt ein leicht fraktiles Regenband den gesamten Norden und Westen
des Landes. Es ist übrigens kein frontaler Regen, sondern WLA und leichter PVA
vorderseitig des o.e. Höhentrogs geschuldet. Viel Regen fällt nicht, von einigen
Ausnahmen abgesehen liegen die Stundenraten unter 1 mm/h. Aufgrund des glatten
Geländes hat der aufgefrischte Wind die Temperatur in den unkritischen Bereich
gebracht, sprich, Glätte ist in nord- und westdeutschen Flachland kein Thema.
Das ändert sich, wenn der Niederschlag langsam aber sicher auf den Westteil des
zentralen Mittelgebirgsraum srespektive den Harz übergreift. Trotz
Gegenstrahlung und Windzunahme bleiben wie so oft einige Kältelöcher übrig, in
denen der fallende Regen beim Auftreffen auf den Boden gefriert. Schon in der
Nacht bzw. heute früh wurde eine markante Glatteiswarnung für einen von der
Eifel bis zum Harz reichenden Streifen herausgegeben. Evtl. muss es noch kleine
zeit- und räumliche Nachjustierungen geben, eine Hochstufung auf Unwetter wäre
nur dann erforderlich, wenn nicht nur die Kältelöcher, sondern eine größere
Fläche betroffen wäre, was sich derzeit aber nicht abzeichnet.
Zweites Thema neben dem Glatteis ist der Parameter Wind, der – wie eingangs
schon erwähnt – auch auf sich aufmerksam macht. Vor allem im Norden und Westen
sowie in höheren Lagen und in einigen Leegebieten der Mitte, also quasi überall
dort, wo nichts im Wege steht (damit sind nicht nur Berge gemeint, sondern auch
stabile Kaltluft), frischt der Südwestwind spürbar auf mit Böen 7 Bft, an der
See sowie im Norden SHs 8-9 Bft, in einigen exponierten Hochlagen sogar 10 bis
11 Bft. Relativ ruhig, von den Bergen mal abgesehen, bleibt es im Süden und
Südosten, wo die scheidende Hochdruckbrücke zudem noch so potent ist, die
zyklonalen Attacken von Nordwesten her zu kontern. Sprich, abseits der sich zum
Teil wieder nur zögernd auflösenden Nebel- und Hochnebelfelder scheint heute
noch mal ordentlich die Sonne, bevor später einige hohe und mittelhohe Wolken
aufziehen.
Die Temperatur steigt heute auf 2 bis 8°C, an der Nordsee sowie im Süden (in der
Inversion) noch etwas höher, dafür in den genannten Kältelöchern nur um 0°C.

In der Nacht zum Samstag greifen die Regenfälle dann auch auf den Süden und
Südosten über, wo die Temperatur z.T. vorher noch mal in den Frostbereich
zurückgegangen ist. Dazu kommt noch ein bisschen kalter Böhmischer Wind und
Frost im Boden, so dass das Damoklesschwert „Glatteis“ gewaltig am Schwingen ist
und mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit auch zuschlagen wird – und
das nicht nur ockerfarben, sondern gebietsweise sogar (um in der Bildsprache zu
bleiben) „blutrot“. Betroffen sind schon in den Abendstunden der Thüringer Wald
und das Erzgebirge, vielleicht auch noch Rhön und Spessart, später dann der
fränkische Mittelgebirgsraum, die Oberpfalz und der Bayerische Wald nebst
Niederbayern. Ob das Ganze auch noch bis nach BW abfärbt (vor allem Schwäbische
Alb und obere Donau) und gegen Morgen noch die Alpen betrifft, muss abgewartet
werden.
Ansonsten gilt es noch festzuhalten, dass die o.e. Kaltfront trotz leichten
niedertroposphärischen Temperaturrückgangs (T850 um 0°C) keine wirkliche
Abkühlung bringt, z.T. steigt die 2m-Temperatur im Laufe der Nacht sogar an.
Darüber hinaus geht der Niederschlag mit Annäherung des KW-Troges im Nordwesten
in Schauer über, wobei ein kurzes Gewitter über der Nordsee nicht ganz
auszuschließen ist.
Warnrelevant bleibt der Wind, der hinter der Kaltfront (die zwar schwach
ausgeprägt ist, dafür aber in einem schönen Bodentrog eingebettet ist)
vorübergehend mal von Südwest auf West bis Nordwest springt. Vor allem im Norden
und in der Mitte wird mit Trogpassage in Böen gebietsweise Windstärke 7 Bft
erreicht, auf den Bergen weiterhin Sturm, exponiert Orkan. Stürmisch gibt sich
zunächst auch noch die Küste, bevor der Gradient hinter der Kaltfront (und dem
dazugehörigen Bodentrog) auseinandergezogen wird. Inwieweit der Wind im Süden
bis in tiefere Lagen durchgreift (simulierter LLJ plus Leitplankeneffekt), muss
abgewartet werden.

Samstag… wird der KW-Trog relativ zügig nach Osten durchgereicht, während sich
gleichzeitig über dem nahen Ostatlantik ein flacher Rücken aufwölbt. Dazwischen
generiert sich vorübergehend eine weitgehend indifferente nordwestliche
Höhenströmung, unter der wir den morgigen Bundesligasamstag genießen dürfen
(Achtung, Spitzenspiel Gladbach-Bayern). Bodennah gelangt mit leidlich flotter
Südwest- bis Westströmung subpolare Meeresluft in den Vorhersageraum (T850 um
0°C), in der sich der eine oder andere Schauer entwickelt. Die meisten davon
dürfte es in einem von der Nordsee über den Raum HH bis nach MV und das
nördliche BB reichenden Korridor geben, wo die leichte Labilität bis etwa
650-600 hPa hinaufreicht. Im Süden fällt an den Alpen anfangs noch etwas Regen,
lokal vielleicht gefrierend, was später aber nachlässt. Wolkenauflockerungen
sind morgen eine Rarität, wenn, dann trifft man sie am ehesten im äußersten
Süden oder im äußersten Norden an.
Anzusprechen ist einmal mehr der Wind, auch wenn dessen Duftmarken am morgigen
Samstag nur von limitierter Substanz sind. Die Annäherung eines flachen
Zwischenhochkeils von Westen her macht sich im Gradienten bemerkbar, der
vorübergehend etwas auffächert. Was bleibt ist ein mäßiger, mitunter böig
auffrischender Südwest- bis Westwind, der im Osten (anfangs) an der Küste sowie
im Norden in Schauernähe Böen 7 Bft parat hält. Ansonsten fokussieren sich
warnrelevante Böen bis zu Stärke 10 Bft auf exponierte Kamm-, Kuppen- und
Gipfellagen der Mittelgebirge und der Alpen.
Die letzten Kaltluftreste im Süden und Südosten werden ausgeräumt, so dass die
Temperatur abgesehen von höheren Lagen deutschlandweit auf 6 bis 11°C ansteigt.

In der Nacht zum Sonntag wandern der flache Höhenrücken nebst flachen
Bodenhochkeil zügig über Deutschland hinweg nach Osten. Wie so oft werden
derartige „Luschen“ von WLA überlaufen, die sich über den gesamten
Vorhersageraum ausbreitet und als Menetekel einer sich über dem Ostatlantik
zusammenbrauenden Sturmlage verstanden werden darf. Dort formiert sich nämlich
ein Doppelsturmtief mit zwei Kernen (es müsste sich um die Gebrüder RUDI I und
II handeln, ist aber noch nicht offiziell), die um Mitternacht mit einem
Kerndruck von etwas unter 970 hPa aufwarten. Mit im Paket sind ein
okkludierendes Frontensystem sowie ein vorgelagerte „heimatlose“ Warmfront (so
nennt man Fronten, die keine direkte Anbindung an das eigentliche Frontensystem
haben), die Kurs auf Südskandinavien respektive den europäischen Kontinent
nehmen.
Wettermäßig bedeutet das für uns nach einer kurzen Beruhigung (Wind und Schauer
betreffend) neues mehrschichtiges Gewölk und gegen Morgen im äußersten
Nordwesten die ersten Tropfen – vielleicht, denn die meisten externen Modelle
sind etwas defensiver vom Timing aufgestellt. Relevanter als der mögliche Regen
ist aber die Windzunahme. So frischt der auf Süd rückdrehende Wind in der
zweiten Nachthälfte zunächst im Westen und Nordwesten sowie in den Hochlagen auf
mit Böen 7, exponiert 8 Bft, an der Nordsee auch schon mal 9 Bft, in exponierten
Kammlagen bis zu 11 Bft.

Sonntag… formiert sich über dem nahen Ostatlantik ein relativ breiter und
zunächst flacher Höhentrog, der sich im Laufe des Tages aber noch etwas
amplifiziert und zum Montag hin auf Deutschland übergreift. Korrespondierend
dazu bringen sich die beiden o.e. Tiefs in Stellung, sie liegen am Mittag
zwischen den Färöers (der westliche Kern bis etwas unter 960 hPa) und Svinöy/NOR
(der östliche Kern mit etwas unter 965 hPa). Und als ob das nicht schon reicht,
gesellt sich noch ein dritter Geselle dazu (wäre dann vielleicht RUDI der
Dritte), der als Teiltief an der Okklusion entsteht und um 12 UTC im
Übergangsbereich von Skagerrak zu Kattegat seinen Platz finden soll.
Südlich dieses imposanten Trios schwenkt nicht nur die Okklusion im Laufe des
Tages über den Vorhersageraum hinweg, es baut sich zudem ein langgestreckter und
vor allem nach Westen knackiger West-Südwestfetch auf, der vom Ostatlantik bis
nach Mitteleuropa reicht. Entsprechend darf sich Deutschland auf „traumhaftes“
Dritter-Advent-Wetter einstellen, an dem es nichts Schöneres gibt, als einen der
zahlreichen Weihnachtsmärkte zu besuchen – oder man geht arbeiten. Tatsache ist,
dass mit der Okklusion ein Regengebiet von Nordwest nach Südost durchzieht. Am
längsten trocken (wahrscheinlich bis zum Abend) bleibt es am Alpenrand sowie im
südöstlichen Bayern, wo bei aufgelockerter Bewölkung sogar „Klärchen“ für einige
Zeit zu sehen sein wird. Da die Okklusion Kaltfrontcharakter hat, geht die
850-hPa-Temperatur in der rückseitig einfließenden subpolaren Meeresluft auf
etwas unter 0°C zurück. Dabei entwickeln sich einzelne Schauer, mit zunehmender
Höhenkaltluft (T500 um -30°C) im äußersten Nordwesten später auch kurze Gewitter
(mit Sturmböen).
Der auf Südwest drehende Wind frischt landesweit merklich auf, wenn auch mit
unterschiedlicher Intensität. Noch stehen nicht alle Details fest, aber im Osten
und Süden zeichnet sich eher ein Windminimum ab (was aber nicht bedeutet, dass
nicht auch dort einige Böen 7 oder 8 Bft am Start sind). An der Küste wird es
sowieso stürmisch (Nordsee stärker als Ostsee), vereinzelt kann es hochgehen bis
Stärke 10 Bft. Auf den Bergen stehen exponiert Orkanböen 11 bis 12 Bft auf der
Karte. Mit 7 bis 12°C, am Oberrhein sowie im Alpenvorland stellenweise noch
darüber, wird es alles andere als kalt.

Die Nacht zum Montag bleibt sehr windig bis stürmisch mit Schauern oder kurzen
Gewittern, in den höchsten Lagen der Mittelgebirge teils als Schnee.

Modellvergleich und -einschätzung

Im Grunde sind sich die Modelle einig. Kleine Unsicherheiten ergeben sich u.a.
noch beim Wind was Timing und Intensität angeht. Problematisch bleibt auch noch
das Thema „Glatteis“, vor allem in der kommenden Nacht im Südosten. Was können
auflebender Wind und Gegenstrahlung gegen die Frostluftseen ausrichten, und
wenn, wie lange dauert es. Auf eine Vorabinformation Unwetter wurde wegen der
voraussichtlich eingeschränkten räumlichen Ausdehnung des gefrierenden Regens
verzichtet, Unwetterwarnungen als solche hält der Verfasser aber für
wahrscheinlich.

Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Jens Hoffmann

SXEU31 DWAV SYNOPTISCHE UEBERSICHT KURZFRIST

SXEU31 DWAV 050800

S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T K U R Z F R I S T
ausgegeben am Donnerstag, den 05.12.2019 um 08 UTC

GWL und markante Wettererscheinungen:
W z
Vorerst ruhige Hochdruckrandlage. Heute im Norden auffrischender Wind, an der
Nordsee ab dem Abend stürmische Böen, auf exponierten Gipfeln (Brocken)
Sturmböen. In der Nacht zum Freitag an der gesamten Küste Gefahr von Sturmböen,
an der Nordfriesischen Küste sowie auf höheren Gipfeln der nördlichen
Mittelgebirge schwere Sturmböen.
Am Freitag und in der Nacht zum Samstag an der See weiterhin stürmische, in
exponierten Küstenlagen sowie auf höheren Berggipfeln Sturmböen. Zudem im
zentralen Mittelgebirgsraum sowie im Südosten mit einsetzendem Regen Gefahr von
Glatteis.
Am Samstag an der Küste und im Bergland stürmische, exponiert auch Sturmböen.
Wind in der Nacht zum Sonntag im Westen auffrischend mit stürmischen Böen bis in
tiefe Lagen und schweren Sturmböen auf höheren Berggipfeln.

Synoptische Entwicklung bis Samstag 24 UTC

Donnerstag… liegt Deutschland im Randbereich eines Höhenhochs, das sich nach
Südosteuropa verlagert, dabei abschwächt und somit seine blockierende Wirkung
verliert. In der vorerst noch relativ weit nördlich liegenden Frontalzone läuft
ein breiter und wenig konturierter Trog nach Osten ab. Die Annäherung der
Frontalzone macht sich auch im Bodendruckfeld bemerkbar. Im Norden legt der
Gradient zu, so dass in der zweiten Tageshälfte an der See Windböen und bis zum
Abend an der Nordsee stürmische Böen aufkommen. In Nordfriesland sind dann auch
Böen bis Sturmstärke, auf dem Brocken schwere Sturm- und vielleicht auch
orkanartige Böen vorstellbar. Warnrelevante Böen können zunächst aber auch durch
den „Böhmischen Wind“ in der Lausitz auftreten.
Ansonsten hält sich noch der Einfluss einer im Bodendruckfeld noch vorhandenen
und sich allmählich südwärts verlagernden Hochbrücke, wenngleich im späteren
Tagesverlauf auch in der Mitte Deutschlands bedingt durch eine leichte
Gradientzunahme ein wenig Bewegung aufkommt, was dort die Chancen, dass sich
Nebel und Hochnebel auflösen, steigen lässt. Aber auch in den anderen Gebieten
dürfte durch Absinken die Inversion weiter in Bodennähe, d.h. bis in oder
unterhalb von 950 hPa, gedrückt werden, wodurch die Wahrscheinlichkeit, dass
Nebel und Hochnebel verschwinden, hoch ist. Dennoch wird es vor allem in Süd-
und Südostdeutschland einige Tallagen geben, in denen es neblig bleibt und die
Temperatur kaum über die Nullgrad-Marke hinauskommt. Ansonsten sind je nach
Zeitpunkt der Auflösung von Nebel und Hochnebel 1 bis 6 Grad zu erwarten.
In der Nacht zum Freitag setzt ganz im Norden Warmluftadvektion ein. Diese steht
in Verbindung mit dem Frontensystem einer flachen Welle, die über Südnorwegen
hinweg rasch ostwärts gesteuert wird. Hierdurch nimmt im Nordwesten und im
Norden der Gradient weiter zu, so dass an der Küste (zunächst Nordsee, später
auch Ostsee) Sturmböen aufkommen. Damit erreicht die Windentwicklung vorerst
ihren Höhepunkt. In exponierten Küstenlagen (ICON) und auf höheren Berggipfeln
der nördlichen Mittelgebirge sind auch schwere Sturmböen (Brocken orkanartige
Böen) vorstellbar, aber generell in den Hochlagen der zentralen und östlichen
Mittelgebirge muss mit Böen bis Sturmstärke gerechnet werden. Bis weit ins
nordwestliche Binnenland hinein sind Windböen möglich. Mit der Warmfront dieser
Welle sind im Nordwesten und ganz im Norden Niederschläge zu erwarten, die
jedoch fernab von jeglicher Warnrelevanz sind.
In den anderen Gebieten hält sich noch der Einfluss der Hochbrücke, die
allerdings weiter nach Süden gedrückt wird, so dass deren Achse in den
Frühstunden über den Alpen liegt. Daher ergibt sich für den Süden und Südosten
im Vergleich zu den Vornächten keine Änderung.

Freitag… gelangt ein in der Frontalzone eingelagerter kräftigerer Trog bis in
die Nordsee. Vorderseitig ist ein flaches Tief zu finden, das, wie das vorherige
Tief, ebenfalls nach Südnorwegen gesteuert wird. Da das Maximum der
Vorticityadvektion von diesem Tief abgesetzt ist und der Trog zudem von
Kaltluftadvektion überlaufen wird, ist dieses Tief nicht entwicklungsträchtig,
so dass der Gradient im Norden nicht weiter zulegen sollte. An der Küste sind
zwar weiterhin stürmische und exponiert auch Sturmböen möglich; schwere
Sturmböen sollten jedoch nicht mehr auftreten. Vielmehr macht sich das
Zurückweichen der bislang wetterbestimmenden Hochbrücke in Form einer
Gradientzunahme in den westlichen, mittleren und südwestlichen Landesteilen
bemerkbar. Aufgrund der stabilen Schichtung sollte sich dies in den
Mittelgebirgen bemerkbar machen, wodurch in höheren Berglagen Böen bis
Sturmstärke auftreten können. Auf exponierten Gipfeln (Brocken) sind schwere
Sturmböen möglich, orkanartige Böen können nicht ganz ausgeschlossen werden. Bis
ins nordwestliche und westliche Binnenland hinein können in freien Lagen
Windböen auftreten.
Mit der sich annähernden Kaltfront greifen Niederschläge, die durchweg als Regen
fallen, auf den Norden und Westen sowie Teile der Mitte Deutschlands über. Diese
sind zwar nicht warnrelevant, aber in Staulagen können durchaus um 10 mm
innerhalb von 12 Stunden zusammenkommen. Im zentralen Mittelgebirgsraum kann
dabei in windgeschützten Tälern, in denen die kalte Grundschicht noch nicht
ausgeräumt wurde, die gefrierende Phase auftreten, wenngleich die
Wahrscheinlichkeit hierfür nicht allzu hoch ist.
Längere sonnige Abschnitte sind am ehesten noch im Bereich der sich weiter nach
Süden verlagernden Hochbrücke vorstellbar, wofür der östliche Mittelgebirgsraum
und Süddeutschland in Frage kommt. Zudem kann es an den Alpen leicht föhnig
werden. Deutschlandweit ist ein Temperaturanstieg auf 5 bis 10 Grad zu erwarten.
Im Mittelgebirgsraum und dort vor allem in windgeschützten Tallagen, in welchen
die Gradientzunahme noch nicht so recht wirksam wird, sind nur Maxima um den
Gefrierpunkt zu erwarten.
In der Nacht zum Samstag überquert die Kaltfront des in Richtung Südfinnland
ziehenden Randtiefs und nachfolgend der Trog weitgehend das Vorhersagegebiet.
Niederschläge greifen unter Abschwächung hierdurch auch auf den Osten und Süden
Deutschlands über. Sollte der Bewölkungsaufzug nach Südosten hin erst relativ
spät einsetzen, erfolgt dort erneut eine Abkühlung in den Bereich leichten
Frostes. In diesem Falle besteht bei Einsetzen der Niederschläge, die durchweg
in flüssiger Phase auftreten, örtlich die Gefahr von Glatteis. In Abhängigkeit
von der zu erwartenden Niederschlagsmenge muss dann die Warnstufe entsprechend
gewählt werden, im ungünstigsten Falle sind unwetterartige Auswirkungen nicht
ganz auszuschließen.
Abgesehen vom Südosten Deutschlands, vom höheren Bergland und von den alpennahen
Gebieten sollte es in der Nacht weitgehend frostfrei bleiben.

Samstag… gelangt Deutschland an die Vorderseite eines sich annähernden flachen
Höhenrückens und somit unter eine nordwestliche Strömung. Durch diesen Rücken
wird ein schwacher Zwischenhochkeil gestützt, der die Strömung leicht
antizyklonal deformiert. Dabei wird der Gradient vorerst nur wenig
auseinandergezogen, wobei an der Küste und im Bergland weiterhin stürmische und
exponiert Sturmböen auftreten. Erst im späteren Tagesverlauf flaut der Wind ein
wenig ab. Die Niederschläge sind, bedingt durch den nach Osten abziehenden Trog,
anfangs noch konvektiv geprägt, für Gewitter sollte die Labilität jedoch nicht
hinreichend sein. Mit erneut einsetzender Warmluftadvektion und dem hieraus
resultierenden Hebungsantrieb nehmen die Niederschläge, die hauptsächlich im
Norden Deutschlands auftreten, alsbald wieder einen skaligen Charakter an.
Ein paar Wolkenlücken sind am ehesten in Küstennähe und am Alpenrand zu
erwarten. Ansonsten hält sich meist mehrschichtige Bewölkung. Bedingt durch die
westliche Strömung, mit der Atlantikluft sich auch in den östlichen und
südöstlichen Landesteilen durchsetzt, steigt die Temperatur noch leicht an, so
dass Temperaturmaxima zwischen 7 und 12 Grad zu erwarten sind.
In der Nacht zum Sonntag verlagert sich der flachen Rücken über Deutschland
hinweg ostwärts, gefolgt von einem weiteren Trog, der aus zwei Achsen besteht.
Dessen vorlaufende Achse überquert die Britischen Inseln, wogegen der Haupttrog
noch über dem nahen Ostatlantik verbleibt. Das korrespondierende Bodentief wird
dabei zu den Hebriden gesteuert. Dessen Warmfront greift mit Niederschlägen auf
den Nordwesten Deutschlands über. Mit der Annäherung der Warmfront legt der
Gradient erneut zu, so dass an der Küste sowie in freien Lagen Nordwest- und
Westdeutschlands Wind- und stürmische Böen und an der Nordsee sowie in den
nördlichen und westlichen sowie zunehmend dann auch in den südwestdeutschen
Mittelgebirgen Sturmböen aufkommen. In exponierten Gipfellagen muss dann mit
schweren Sturmböen Bft 10 gerechnet werden.
Abgesehen vielleicht vom unmittelbaren Alpenrand bleibt es ansonsten frostfrei.

Modellvergleich und -einschätzung

Die vorliegenden Modelle stützen die oben beschriebene Entwicklung. Anhand der
synoptischen Basisfelder ergeben sich keine prognoserelevanten Unterschiede. Die
Gefahr von gefrierendem Niederschlag in der Nacht zum Samstag im Südosten
Deutschlands wird neben ICON auch von EZMW(MOS) gestützt.
Zum Ende des Vorhersagezeitraumes hin wird der auf Deutschland übergreifende
flache Rücken von EZMW etwas kräftiger und von GFS ein wenig schwächer
simuliert, so dass sich im Hinblick auf die Annäherung der Warmfront noch
leichte Unsicherheiten ergeben.

Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Thomas Schumann

SXEU31 DWAV SYNOPTISCHE UEBERSICHT KURZFRIST

SXEU31 DWAV 040800 

S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T K U R Z F R I S T 
ausgegeben am Mittwoch, den 04.12.2019 um 08 UTC 

GWL und markante Wettererscheinungen: 
W a, Übergang zu W z 
Vorerst ruhige Hochdruckrandlage. Am Donnerstag im Norden auffrischender Wind, 
an der Nordsee ab dem Abend stürmische Böen, auf exponierten Gipfeln (Brocken) 
Sturmböen. In der Nacht zum Freitag an der gesamten Küste Gefahr von Sturmböen, 
an der Nordfriesischen Küste sowie auf höheren Gipfeln der nördlichen 
Mittelgebirge schwere Sturmböen. Am Freitag und in der Nacht zum Samstag an der 
See weiterhin stürmische, in exponierten Küstenlagen sowie auf höheren 
Berggipfeln Sturmböen. Zudem im Südosten mit einsetzendem Regen Gefahr von 
Glatteis. 

Synoptische Entwicklung bis Freitag 24 UTC 

Mittwoch… liegt Deutschland unter einem blockierenden Hoch, das einen ins 
Nordmeer gerichteten Keil aufweist. Durch dieses bis in obere 
Troposphärenschichten ausgeprägte Hoch wird im Bodendruckfeld eine Hochbrücke 
gestützt, die die Verbindung zwischen dem Azorenhoch und einem mit Schwerpunkt 
über dem Karpatenraum liegenden Bodenhoch darstellt. Im Bereich dieser 
Hochbrücke sind die Luftdruckgegensätze schwach, so dass sich verbreitet Nebel 
und Hochnebel bilden konnte. Die aus großräumigem Absinken resultierende 
Inversion liegt zwischen 850 und 900 hPa, so dass nur höhere Mittelgebirgslagen 
oberhalb davon liegen. Somit dürfte sich in Tal- und Muldenlagen verbreitet 
Nebel und Hochnebel den Tag über halten, wogegen im Bergland, in den Leegebieten 
der Mittelgebirge sowie in Teilen Süddeutschlands (abseits der für Nebel 
anfälligen Tallagen) längere sonnige Abschnitte vorstellbar sind. Je nach 
Sonnenscheindauer steigt die Temperatur auf 2 bis 7 Grad, wogegen unter zähen 
Hochnebel der Gefrierpunkt kaum überschritten wird. 
In der Nacht zum Donnerstag verlagert sich das o.g. Hoch unter Abschwächung nach 
Südosten und verliert für Mitteleuropa seine blockierende Wirkung. Der Norden 
gelangt hierdurch mehr in die Nähe der Frontalzone, was den Wind auffrischen 
lässt. In der Lausitz setzt „Böhmischer Wind“ ein, dort kann der Wind 
Warnschwellen erreichen. Ansonsten sollte der Wind noch nicht warnrelevant sein. 

In den anderen Gebieten bildet sich erneut Nebel oder noch vorhandene Nebel- 
oder Hochnebelfelder verdichten sich. In Teilen von Süddeutschland kann es bei 
längerem Aufklaren mäßigen Frost geben. 

Donnerstag… läuft in der vorerst noch relativ weit nördlich liegenden 
Frontalzone ein breiter und wenig konturierter Trog nach Osten ab. Die 
Annäherung der Frontalzone macht sich auch im Bodendruckfeld bemerkbar. Im 
Norden legt der Gradient zu, so dass in der zweiten Tageshälfte an der See 
Windböen und bis zum Abend an der Nordsee stürmische Böen aufkommen. In 
Nordfriesland sind dann auch Böen bis Sturmstärke, auf dem Brocken schwere 
Sturm- und vielleicht auch orkanartige Böen vorstellbar. Warnrelevante Böen 
können aber auch durch den „Böhmischen Wind“ in der Lausitz auftreten. 
Ansonsten hält sich noch der Einfluss der o.g. Hochbrücke, wenngleich im 
späteren Tagesverlauf auch in den mittleren Gebieten bedingt durch eine leichte 
Gradientzunahme ein wenig Bewegung aufkommt, was dort die Chancen, dass sich 
Nebel und Hochnebel auflösen, steigen lässt. Aber auch in den anderen Gebieten 
dürfte durch Absinken die Inversion weiter in Bodennähe, d.h. bis in oder 
unterhalb von 950 hPa, gedrückt werden, wodurch die Wahrscheinlichkeit, dass 
Nebel und Hochnebel verschwinden, größer ist als heute. Dennoch wird es vor 
allem in Süd- und Südostdeutschland einige Tallagen geben, in denen es neblig 
bleibt und die Temperatur kaum über die Nullgrad-Marke hinauskommt. Ansonsten 
sind je nach Zeitpunkt der Auflösung von Nebel und Hochnebel 2 bis 7 Grad zu 
erwarten. 
In der Nacht zum Freitag setzt ganz im Norden Warmluftadvektion ein. Diese steht 
in Verbindung mit dem Frontensystem einer flachen Welle, die über Südnorwegen 
hinweg rasch ostwärts gesteuert wird. Hierdurch nimmt im Nordwesten und im 
Norden der Gradient weiter zu, so dass an der Küste (zunächst Nordsee, später 
auch Ostsee) Sturmböen aufkommen. Damit erreicht die Windentwicklung vorerst 
ihren Höhepunkt. In exponierten Küstenlagen (ICON) und auf höheren Berggipfeln 
der nördlichen Mittelgebirge sind auch schwere Sturmböen vorstellbar, aber 
generell in den Hochlagen der zentralen und östlichen Mittelgebirge muss mit 
Böen bis Sturmstärke gerechnet werden. Bis weit ins nordwestliche Binnenland 
hinein sind Windböen möglich. Mit der Warmfront dieser Welle sind im Nordwesten 
und ganz im Norden Niederschläge zu erwarten, die jedoch fernab von jeglicher 
Warnrelevanz sind. 
In den anderen Gebieten hält sich noch der Einfluss der Hochbrücke, die 
allerdings weiter nach Süden gedrückt wird, so dass deren Achse in den 
Frühstunden über den Alpen liegt. Daher ergibt sich für den Süden und Südosten 
im Vergleich zu den Vornächten keine Änderung. 

Freitag… gelangt ein in der Frontalzone eingelagerter kräftigerer Trog bis in 
die Nordsee. Vorderseitig ist ein flaches Tief zu finden, das, wie das vorherige 
Tief, ebenfalls nach Südnorwegen gesteuert wird. Da das Maximum der 
Vorticityadvektion von diesem Tief abgesetzt ist und der Trog zudem von 
Kaltluftadvektion überlaufen wird, ist dieses Tief nicht entwicklungsträchtig, 
so dass der Gradient im Norden nicht weiter zulegen sollte. An der Küste sind 
zwar weiterhin stürmische und exponiert auch Sturmböen möglich; schwere 
Sturmböen sollten jedoch nicht mehr auftreten. Vielmehr macht sich das 
Zurückweichen der bislang wetterbestimmenden Hochbrücke in Form einer 
Gradientzunahme in den westlichen, mittleren und südwestlichen Landesteilen 
bemerkbar. Aufgrund der stabilen Schichtung sollte sich dies zunächst in den 
Mittelgebirgen bemerkbar machen, wodurch in höheren Berglagen Böen bis 
Sturmstärke auftreten können. Auf exponierten Gipfeln (Brocken) sind schwere 
Sturmböen möglich, orkanartige Böen können nicht ganz ausgeschlossen werden. Bis 
ins nordwestliche und westliche Binnenland hinein sind in freien Lagen Windböen 
möglich. 
Mit der sich annähernden Kaltfront greifen Niederschläge, die durchweg als Regen 
fallen, auf den Norden und Westen sowie Teile der Mitte Deutschlands über. Diese 
sind zwar nicht warnrelevant, aber in Staulagen können durchaus um 10 mm 
innerhalb von 12 Stunden zusammenkommen.  
Längere sonnige Abschnitte sind am ehesten noch im Bereich der sich weiter nach 
Süden verlagernden Hochbrücke vorstellbar, wofür der östliche Mittelgebirgsraum 
und Süddeutschland in Frage kommt. Zudem kann es an den Alpen leicht föhnig 
werden. Deutschlandweit ist ein Temperaturanstieg auf 5 bis 10 Grad zu erwarten. 
Im Mittelgebirgsraum und dort vor allem in windgeschützten Tallagen, in welchen 
die Gradientzunahme noch nicht so recht wirksam wird, sind nur Maxima um den 
Gefrierpunkt zu erwarten. 
In der Nacht zum Samstag überquert die Kaltfront des in Richtung Südfinnland 
ziehenden Randtiefs und nachfolgend der Trog das Vorhersagegebiet. Niederschläge 
greifen unter Abschwächung hierdurch auch auf den Osten und Süden Deutschlands 
über. Sollte der Bewölkungsaufzug nach Südosten hin erst relativ spät einsetzen, 
erfolgt dort erneut eine Abkühlung in den Bereich leichten Frostes. In diesem 
Falle besteht bei Einsetzen der Niederschläge, die durchweg in flüssiger Phase 
auftreten, örtlich die Gefahr von Glatteis. Eine unwetterträchtige Glatteislage 
zeichnet sich jedoch nicht ab. Abgesehen vom Südosten Deutschlands, vom höheren 
Bergland und von den alpennahen Gebieten sollte es in der Nacht weitgehend 
frostfrei bleiben. 

Modellvergleich und -einschätzung 

Die vorliegenden Modelle stützen die oben beschriebene Entwicklung. Anhand der 
synoptischen Basisfelder ergeben sich keine prognoserelevanten Unterschiede. Die 
Gefahr von gefrierendem Niederschlag in der Nacht zum Samstag im Südosten 
Deutschlands wird neben ICON auch von EZMW(MOS) gestützt. 

Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach 
Dipl. Met. Thomas Schumann