SXEU31 DWAV SYNOPTISCHE UEBERSICHT KURZFRIST

SXEU31 DWAV 240800

S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T K U R Z F R I S T ausgegeben am Montag, den 24.06.2019 um 08 UTC

GWL und markante Wettererscheinungen:
S a

Rasch zunehmende Hitze, Höhepunkt der Hitzewelle zur Wochenmitte. Auch über dem
Bergland kaum Gewitter.

Synoptische Entwicklung bis Mittwoch 24 UTC

Montag… liegen wir unter einem Höhenrücken, der sich infolge kräftiger Warmluftadvektion vor einem Trog westlich des Kontinents aufwölbt. Er kräftigt
sich noch etwas und bildet eine weitere, in die nördliche Nordsee gerichtete
Keilachse. Dies stützt eine Hochdruckzone am Boden über dem
Nordostatlantik und
Nordeuropa.
Dabei gelangt mit einer östlichen bis südöstlichen bodennahen Strömung trockene
und meist stabil geschichtete Luft zu uns. Nur im Westen und Südwesten ist die
Schichtung labiler, durch den Rücken und die WLA aber auch stark gedeckelt, so
dass konvektiv, auch mit Hilfe der Orografie, nichts zu erwarten ist. Die WLA
verursacht höchstens nach Westen und Norden hohe Bewölkung.
Die Erwärmung, advektiv und durch Absinken, macht weitere Fortschritte. Bei nahezu ungehinderter Einstrahlung sind 28 bis 34, in Küstennähe und im höheren
Bergland 22 bis 27 Grad zu erwarten.

In der Nacht zum Dienstag ändert sich die Lage der Rücken und Tröge nur marginal. Am Boden entsteht über Frankreich ein Tief, womit die niedertroposphärische Strömung meist auf Südwest bis Süd dreht und verstärkt
Luft aus Südeuropa und Nordafrika in das Vorhersagegebiet geführt wird. Schon
die Nacht wird wahrscheinlich in Teilen West- und Südwestdeutschlands sehr warm
und die Temperatur dürfte dort kaum unter 20 Grad zurückgehen.

Dienstag… wird der Keil durch weitere Warmluftadvektion an dessen Westflanke
gestützt. Einer weiteren Ausdehnung nach Norden sind durch die Frontalzone über
Nordeuropa Grenzen gesetzt, die von der Irmingersee über
Mittelskandinavien und
Karelien zum Ural verläuft. Zwischen dem Bodenhoch, das nunmehr einen zu den
Karpaten gerichteten Keil aufweist und dem Tief, das sich über Ostfrankreich und
den Benelux-Staaten zur Nordsee ausweitet, gelangt mit einer bodennahen südöstlichen Strömung trockene und heiße, aber zusehends labiler geschichtete
Luft nach Deutschland. Die Labilität (ML Cape nach ICON bis über 3000 J/kg im
Süden) weist aber auch einen starken Deckel auf und selbst mit Hilfe der Orografie sollten konvektive Umlagerungen nicht in Gang kommen. Falls doch, was
aber sehr unwahrscheinlich ist, wären rasch schwere Gewitter möglich. Die Temperaturen liegen im 850 hPa Niveau im Norden und Nordosten zwischen 15
und 19 Grad, sonst zwischen 19 und 24 Grad, womit dann deutschlandweit Höchsttemperaturen zwischen 32 und 38 Grad zu erwarten sind; verbunden mit großer Wärmebelastung. Unmittelbar an der See sowie im höheren Bergland wird es
mit 26 bis 31 Grad nicht ganz so heiß. Abzuwarten bleibt, ob die über dem Westen
und Norden hinweg ziehenden hohen Wolken, vielleicht doch die Temperaturentwicklung etwas dämpfen und ob sich nicht schon Saharastaub im Westen bemerkbar macht.

In der Nacht zum Mittwoch wird ein in der Frontalzone eingelagerter schwacher
Trog in die Nordsee gesteuert, was die Achse des Keils ein wenig abhobelt und im
Norden nach Osten drückt. Durch diesen Trog setzt auch über der Nordsee Druckfall ein, so dass sich die Hochbrücke aufspaltet und sich ein Tief vor der
dänischen Nordseeküste bildet.
Dabei verbleibt ein Hoch über Osteuropa mit einem Keil bis in den Alpenraum. Ein
kräftigeres Hoch entwickelt sich dagegen südwestlich von Island. Insgesamt ist
aber das Wettergeschehen antizyklonal geprägt. Auch wenn Absinken den Himmel aufklaren lässt, geht die Temperatur häufiger nicht unter die 20 Grad-Marke zurück.

Mittwoch… zieht der Trog langsam nach Osten, bleibt aber noch über der Nordsee
und greift später auf Dänemark über. Der Höhenrücken wird etwas nach Süden abgedrängt, bildet aber wieder einen nach GB gerichteten Keil aus. Über Deutschland ergibt sich meist eine antizyklonale westliche Strömung. Der Süden
verbleibt im direkten Einflussbereich
des kräftigen Rückens.
Das mit dem Trog verbundene Bodentief verlagert sich bis zum Abend nach Südschweden und rückseitig sorgt
niedertroposphärische Kaltluftadvektion für kräftigen Druckanstieg über dem Westen der Britischen Inseln und der Nordsee. Mit der auf Nordwest drehenden
Bodenströmung gelangt weniger heiße, bzw. warme Nordseeluft in den Nordwesten
und Norden des Landes. Vor allem im Nordseeumfeld können sich an einer niedrig
liegenden Inversion eventuell auch ausgedehntere SC-Felder entwickeln. In 850 hPa macht sich die Abkühlung nur bedingt bemerkbar, dort sinkt die Temperatur auf etwa 15 Grad im Nordseeumfeld. Mit auffrischendem Nordwestwind,
der mit dem sich verschärfenden Gradienten zunächst über der Nordsee, abends
auch im Ostseeumfeld Warnrelevanz (Bft 7) erreichen kann, überschreitet die Temperatur direkt an der Küste eventuell kaum mehr die 20 Grad-Marke.

In der Mitte und im Süden dominieren dagegen weiterhin der Einfluss des Höhenrückens und Absinken. In der Grundschicht kommt es zu einer weiteren Feuchteanreicherung und die Luftmasse ist oberhalb des Deckels hochreichend labil geschichtet (ML Cape über dem Süden bis 5000 J/kg im ICON), dennoch dürfte
es wohl nach wie vor kaum zur Auslöse reichen. Die Temperaturen in 850 hPa bewegen sich weiterhin zwischen 20 Grad in der nördlichen Mitte und 25 Grad im
Südwesten.

Bewölkung – auch hohe – sollte kaum noch vorhanden sein. Stellt sich die Frage,
ob Saharastaub die Einstrahlung etwas hemmt. Wenn nicht, stehen vielerorts neue
Junirekorde ins Haus, Höchstwerte zwischen 33 und 38 Grad, eventuell sogar 39
Grad (die den neuen Deutschland-Junirekord bedeuten würden) sind dann zu erwarten, ob irgendwo tatsächlich die 40 Grad „geknackt“ werden, die z.B. vom
MOSMIX simuliert, steht in den Sternen.

In der Nacht zu Donnerstag zieht sich der Rücken retrograd nach Westen bis Südwesten zurück. Das Bodentief verstärkt sich noch etwas und zieht zum Baltikum
mit der rückseitigen nordwestlichen Strömung breitet sich die weniger warme Luft
noch etwas nach Süden aus. Beim Durchzug einiger flacher Wolkenfelder gehen die
Temperaturen im Norden auf 18 bis 12 Grad zurück und der Wind frischt vor allem
an der See zeitweise stark auf mit Bft 7 bis 8 aus West bis Nordwest. Im Süden
und der Mitte werden gebietsweise die 20 Grad nicht unterschritten.

Modellvergleich und -einschätzung

Die Modelle zeigen keine prognose- und warnrelevatnte Unterschiede. GFS simuliert am Mittwoch Niederschläge, aber wieder wegen des Feuchtebias in der
Grundschicht. Unsicherheiten bezüglich der Temperatur wurden im Text erwähnt.

Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Bernd Zeuschner

SXEU31 Synoptische Übersicht Kurzfrist

SXEU31 DWAV 230800

S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T K U R Z F R I S T ausgegeben am Sonntag, den 23.06.2019 um 08 UTC

GWL und markante Wettererscheinungen:
HN a

Heute ganz im Südosten erneut einzelne Gewitter, dabei Gefahr von Starkregen, aber kaum noch Unwetter. An den Tagen darauf stark ansteigende Wärmebelastung.

Synoptische Entwicklung bis Dienstag 24 UTC

Sonntag… liegt Deutschland im Bereich eines Höhenkeils, der sich mit seiner Achse vom westlichen Mittelmeer in Richtung Nordsee aufwölbt, Warmluftadvektion führt an dessen Westflanke zu weiterem
Geopotentialgewinn. Durch diesen Keil wird eine Hochbrücke gestützt, die vom Seegebiet südlich von Island über Südskandinavien hinweg nach Westrussland reicht. Gleichzeitig wird an der Vorderseite eines Troges über dem nahen Ostatlantik Subtropikluft nach Südfrankreich gepumpt, so dass über Westeuropa Druckfall einsetzt. Hierdurch bleibt an der Südflanke der Hochbrücke eine östliche bodennahe Strömung bestehen, so dass im Süden und Südosten die feuchtlabile Luft nicht ausgeräumt wird. Entrainment trockenerer Luft lässt den Gehalt an niederschlagbarem Wasser auf 25 bis wenig über 30 mm sinken, auch CAPE erreicht dann kaum noch 500 J/kg. Zudem ist das Höhentief, das am Vortag im Süden Starkniederschläge brachte, nach Südosteuropa abgezogen. Daher besteht ganz im Südosten, d.h. von den Bayerischen Alpen bis zum Bayerischen Wald, mit orografischer Unterstützung noch einmal die Gefahr starker Gewitter, die kaum noch unwetterartig sind. Die Temperaturen steigen auf 25 bis 31 Grad. In Küstennähe, ganz im Nordosten, im Südosten und im Bergland sind 19 bis 24 Grad zu erwarten.
In der Nacht zum Montag weitet sich der Keil über Deutschland hinweg nach Norden aus. Absinken sollte der Konvektion dann auch über dem Südosten Deutschlands die Grundlage entziehen. Örtlich können sich flache Nebelfelder bilden.

Montag… kräftigt sich der über Deutschland liegende Keil noch etwas. Warmluftadvektion lässt eine zweite, in die nördliche Nordsee gerichtete Keilachse entstehen. Die am Boden vorhandener Hochbrücke ändert ihre Lage dagegen kaum. Somit gelangt mit einer östlichen bis südöstlichen bodennahen Strömung trockene und meist stabil geschichtete Luft in das Vorhersagegebiet, wodurch die Erwärmung, zum einen advektiv, zum anderen durch großräumiges Absinken bedingt, Fortschritte macht. Bei nahezu ungehinderter Einstrahlung sind daher 28 bis 34, in Küstennähe und im höheren Bergland 22 bis 27 Grad zu erwarten.
In der Nacht zum Dienstag rückt die Keilachse ein wenig nach Osten vor. Dies lässt die mitteltroposphärische Strömung im Norden und Westen und zusehends auch über der Mitte auf Südwest bis Süd-Südwest drehen, wodurch Luft von Nordafrika in das Vorhersagegebiet geführt wird. Der Boden für die Hitze der kommenden Woche ist damit bereitet. Bereits in der Nacht wird wahrscheinlich in größeren Städten West- und
Südwestdeutschlands die Temperatur dann nicht mehr unter 20
Grad zurückgehen.

Dienstag… wird der Keil durch Warmluftadvektion an dessen Westflanke genährt. Einer weiteren Ausdehnung nach Norden sind jedoch durch die Frontalzone Grenzen gesetzt, die von der Irmingersee über
Mittelskandinavien und Karelien zum mittleren Ural verläuft. Zwischen dem Bodenhoch, das nunmehr einen zu den Karpaten gerichteten Keil aufweist und tiefem Luftdruck über Ostfrankreich und den Benelux-Staaten gelangt mit einer bodennahen südöstlichen Strömung trockene und heiße, aber zusehends (noch gedeckelt) labiler geschichtete Luft nach Deutschland. Selbst mit Hilfe der Orografie sollten konvektive Umlagerungen nicht in Gang kommen. Deutschlandweit sind daher Höchsttemperaturen zwischen 32 und 37 Grad zu erwarten, was zum Teil eine starke Wärmebelastung bedeutet. Unmittelbar an der See sowie im höheren Bergland wird es mit 26 bis 31 Grad nicht ganz so heiß. In der Nacht zum Mittwoch wird ein in der Frontalzone eingelagerter schwacher Trog in die Nordsee gesteuert, was die Achse des Keils ein wenig nach Osten, d.h. über den Nordosten Deutschlands, drückt. Durch diesen Trog setzt auch über der Nordsee Druckfall ein, so dass sich die Hochbrücke aufspaltet. Dabei verbleibt ein Hoch über Osteuropa mit einem Keil bis in den Alpenraum. Ein kräftigeres Hoch entwickelt sich dagegen südwestlich von Island. Insgesamt ist aber das Wettergeschehen weiterhin eher antizyklonal geprägt. Auch wenn Absinken den Himmel meist aufklaren lässt, geht die Temperatur kaum unter die 20 Grad-Marke zurück.

Modellvergleich und -einschätzung

Die vorliegenden Modelle zeigen eine weitgehend ähnliche Entwicklung. Anhand der synoptischen Basisfelder lassen sich keine prognoserelevanten Unterschiede ableiten.

Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Thomas Schumann

SXEU31 DWAV SYNOPTISCHE UEBERSICHT KURZFRIST

SXEU31 DWAV 221800

S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T K U R Z F R I S T ausgegeben am Samstag, den 22.06.2019 um 18 UTC

Markante Wettererscheinungen:
Im Süden bis in die Nacht hinein noch kräftige Gewitter, Unwetterpotenzial aufgrund von Starkregen aber abnehmend. Sonntag nur noch im Südosten vereinzelte Gewitter. Zu Wochenbeginn zunehmende Wärmebelastung.

Synoptische Entwicklung bis Dienstag 12 UTC

SXEU31 DWAV SYNOPTISCHE UEBERSICHT KURZFRIST

SXEU31 DWAV 220800

S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T K U R Z F R I S T ausgegeben am Samstag, den 22.06.2019 um 08 UTC

GWL und markante Wettererscheinungen:
B M
Heute im Süden Gewitter bis hin zum Unwetter, vor allem durch heftigen Starkregen. In der Nacht zum Sonntag nur zögernd abklingend. Am Sonntag nur ganz
im Südosten noch einmal Gewitter, aber kaum noch Unwetter. Ab Montag zunehmende
Wärmebelastung.

Synoptische Entwicklung bis Montag 24 UTC

Samstag… liegt Deutschland im Bereich eines flachen Keils, der sich vom Karpatenraum zu den Britischen Inseln erstreckt. Durch diesen Keil wird eine
Hochbrücke gestützt, die von Westrussland über die Ostsee hinweg bis nach England reicht. Deren Achse liegt knapp nördlich von Deutschland, wodurch in den
Norden und in die Mitte Deutschlands mit einer östlichen bis nordöstlichen bodennahen Strömung trocken-stabile Luft gelangt. Im Süden hält sich dagegen die
bisherige feuchtlabile Luftmasse mit einem Gehalt an niederschlagbarem Wasser
bis ca. 35 mm und CAPE bis etwa 1000 J/kg. Die Konvektion setzt meist unterhalb
von 800 hPa ein, die Auslösetemperatur sollte mühelos erreicht werden. Ein Höhentief, das den Keil faktisch unterwandert und sich in Richtung Oberitalien
bewegt, steuert die erforderliche Hebung bei, so dass im Tagesverlauf konvektive
Umlagerungen bis hin zum Unwetter entwickeln. Nur niedertroposphärisch ist etwas
Scherung vorhanden; zudem weisen die Konvektionszellen eine geringe Verlagerungsgeschwindigkeit auf, so dass als Unwetterkriterium am ehesten der
heftige Starkregen in Frage kommt. Extreme Niederschlagssummen bis etwa um 50 mm
innerhalb weniger Stunden sind nicht auszuschließen und werden von mehreren hochauflösenden Modellen bzw. Verfahren angeboten. Als Region für Gewitter kommt
der Bereich südlich der Linie Südpfalz – Rhön – Westerzgebirge in Frage. Eine
Unwetter-Vorabinformation für die Gebieten, in denen die heftigsten Entwicklungen am wahrscheinlichsten sind, wird daher ausgegeben. Nördlich der genannten Linie lässt Absinken keine nennenswerte Quellwolkenbildung zu. Die Tageshöchsttemperaturen erreichen 23 bis 28, unmittelbar an der See, im höheren Bergland und ganz im Süden 18 bis 22 Grad.
In der Nacht zum Sonntag verlagert sich das Höhentief allmählich ostwärts, wodurch die Hebung auf der Alpennordseite nur sehr zögernd zum Erliegen kommt.
Ein Zusammenbrechen der Konvektion zeichnet sich daher erst weit in der zweiten
Nachthälfte ab. Ganz im Norden kühlt es sich noch einmal in den Bereich einstelliger Tiefstwerte ab.

Sonntag… wölbt sich vom westlichen Mittelmeer ein Keil in Richtung Britischer
Inseln auf, Warmluftadvektion führt dort zu weiterem Geopotentialgewinn. Mit
Hilfe dieses Keils kann sich die Hochbrücke noch etwas kräftigen, die dann vom
Seegebiet südlich von Island über Südskandinavien hinweg bis nach Westrussland
reicht. Gleichzeitig wird an der Vorderseite eines Troges über dem nahen Ostatlantik Subtropikluft nach Südfrankreich gepumpt, so dass über Westeuropa
Druckfall einsetzt. Hierdurch bleibt an der Südflanke der Hochbrücke eine östliche bodennahe Strömung bestehen, so dass im Süden und Südosten die feuchtlabile Luft nach wie vor nicht ausgeräumt wird. Entrainment trockenerer
Luft lässt den Gehalt an niederschlagbarem Wasser auf 25 bis 30 mm sinken, auch
CAPE erreicht dann kaum noch 500 J/kg. Zudem ist das Höhentief (und damit auch
der dynamische Hebungsantrieb) über dem Vorhersagegebiet abgezogen. Daher besteht ganz im Südosten, d.h. von den Berchtesgadener Alpen bis nach Niederbayern, mit orografischer Unterstützung noch einmal die Gefahr konvektiver
Umlagerungen, wobei Unwetter zusehends weniger wahrscheinlich werden, aber nicht
ganz auszuschließen sind. Die Temperaturen steigen auf 25 bis 31 Grad. In Küstennähe, ganz im Nordosten, im äußersten Südosten und im Bergland sind 19 bis
24 Grad zu erwarten.
In der Nacht zum Montag weitet sich der Keil über Deutschland hinweg nach Polen
aus. Absinken sollte der Konvektion dann auch über dem Südosten Deutschlands die
Grundlage entziehen. Dort, wo es zuvor viel geregnet hat, können sich flache
Nebelfelder bilden.

Montag… kräftigt sich der über Deutschland liegende Keil noch etwas. Warmluftadvektion lässt eine weitere, in die nördliche Nordsee gerichtete Keilachse entstehen. Die am Boden vorhandener Hochbrücke ändert ihre Lage dagegen kaum. Somit gelangt mit einer östlichen bis südöstlichen bodennahen Strömung weiterhin trockene und meist stabil geschichtete Luft in das Vorhersagegebiet, wodurch die Erwärmung, zum einen advektiv, zum anderen durch
großräumiges Absinken bedingt, Fortschritte macht. Bei nahezu ungehinderter Einstrahlung sind daher 27 bis 33, in Küstennähe und im höheren Bergland 20 bis
26 Grad zu erwarten.
In der Nacht zum Dienstag rückt die Keilachse ein wenig nach Osten vor. Zudem
wandelt sich der Keil in ein abgeschlossenes Höhenhoch über dem östlichen Mitteleuropa um. Dies lässt die Strömung im Norden und Westen und zusehends auch
über der Mitte auf Südwest bis Süd-Südwest drehen, wodurch Luft von Nordafrika
in das Vorhersagegebiet geführt wird. Der Boden für die Hitze der kommenden Woche ist damit bereitet. Bereits in der Nacht wird wahrscheinlich in größeren
Städten West- und Südwestdeutschlands die Temperatur dann nicht mehr unter 20
Grad zurückgehen.

Modellvergleich und -einschätzung

Die vorliegenden Modelle zeigen eine weitgehend ähnliche Entwicklung. Anhand der
synoptischen Basisfelder lassen sich keine prognoserelevanten Unterschiede ableiten.

Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Thomas Schumann

SXEU31 DWAV SYNOPTISCHE UEBERSICHT KURZFRIST

SXEU31 DWAV 210800

S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T K U R Z F R I S T
ausgegeben am Freitag, den 21.06.2019 um 08 UTC

GWL und markante Wettererscheinungen:
GWL: Übergang zu HNFa. Heute im Süden sowie in Teilen des Ostens einzelne Gewitter, insbesondere aufgrund von Starkregen lokal Unwetter wahrscheinlich. Am
Samstag im Süden weiterhin gewittrig, weiterhin Unwettergefahr durch Starkregen,
teils auch mehrstündig. Ab Sonntag überall Wetterberuhigung. Synoptische Entwicklung bis Sonntag 24 UTC

Freitag… liegt Deutschland an der Südostflanke eines Höhentroges mit Drehzentrum über dem Europäischen Nordmeer. Die Achse des Troges erstreckt sich aktuell über die Nordsee hinweg Richtung Benelux und Frankreich und wird im Tagesverlauf über den äußersten Norden Deutschlands hinweg Richtung Südskandinavien und Ostsee schwenken. Mit dem Trog verbunden ist im Bodendruckfeld ein Tiefkomplex, der sich von Island bis nach Fennoskandien erstreckt. Ausgehend von einem darin eingebetteten Tief über Schweden erstreckt sich eine Kaltfront von Nordost nach Südwest über Deutschland hinweg, etwa von Brandenburg bis zum Schwarzwald. Sie trennt feuchtwarme Luft im Osten und Süden des Landes (T850 hPa um 10 Grad) von etwas kühlerer Luft im Nordwesten und Westen (T850 hPa 9 bis 4 Grad). Aufgrund der nahezu
höhenströmungsparallelen Ausrichtung der Front, kommt diese im Tagesverlauf nur wenig weiter südostwärts voran. Mit Durchschwenken des Troges nähert sich von Westeuropa ein flacher Höhenrücken an, sodass die Höhenströmung allmählich antizyklonal gekrümmte Form annimmt. Zudem hat von Westen aktuell schon Druckanstieg eingesetzt, der sich im Tagesverlauf weiter fortsetzt. Dabei etabliert sich über Westeuropa ein abgeschlossenes Hoch, dessen Einfluss bis nach Deutschland reicht. Somit verhindert Absinken in weiten Teilen des Landes hochreichende Konvektion. Vielmehr lockert die Bewölkung auf, so dass dann gebietsweise auch längere sonnige Abschnitte vorstellbar sind. Präfrontal allerdings, d.h. vom Schwarzwald bis zum Bayerischen Wald und dem Erzgebirgsraum bis ins östliche Brandenburg können sich in der noch potentiell instabilen Luftmasse erneut Gewitter entwickeln. Fraglich ist allerdings inwieweit der äußerste Osten noch betroffen ist, da dort die labile Luftmasse bis zum Nachmittag weitgehend abgedrängt wird. In den anderen genannten Gebieten
weist die Luftmasse weiterhin einen relativ hohen Gehalt an
niederschlagbarem Wasser auf mit Werten bis 30 mm. Zudem kann dort mithilfe der Einstrahlung nochmals CAPE bis etwa 800 J/kg generiert werden, mit den höchsten Werten südlich der Donau. Dynamischer Hebungsantrieb ist zwar kaum mehr geboten, dennoch werden sich ausgehend vom Bergland einzelne Schauer und Gewitter entwickeln. Dann kommt es lokal eng begrenzt zu Starkregen, kleinkörnigem Hagel und stürmischen Böen. Allerdings kann bei schwachen Höhenwinden und somit sehr langsam ziehender Konvektion das Kriterium für unwetterartigen Starkregen erreicht werden. Entsprechende Hinweise gibt es diesbezüglich auch seitens COSMO-D2 EPS. Zudem ist südlich der Donau auch etwas größerer Hagel um 2 cm denkbar. Außerdem gibt es seitens der hochauflösenden Modelle Hinweise darauf, dass sich ausgehend vom Allgäu ein
Gewittercluster entwickelt, der sich ost-/nordostwärts verlagert. Auch im Nordwesten kann es im Bereich des durchschwenkenden Höhentroges einzelne
Schauer geben, auch einzelne kurze Gewitter sind bei CAPE Werten bis 200 J/kg nicht ausgeschlossen. Die Tageshöchsttemperaturen erreichen deutschlandweit 20 bis 26, unmittelbar an der See und im höheren Bergland Werte um 18 Grad.
In der Nacht zum Samstag verlagert sich die Achse des Höhentroges über Skandinavien weiter nordostwärts. Zwischen dem abziehenden Trog und einem weiteren vom Atlantik herankommenden Höhentrog kann sich der Höhenrücken über dem Vorhersagegebiet noch etwas stärken. Das korrespondierende Bodenhoch verlagert seinen Schwerpunkt Richtung südliche Nordsee und Norddeutschland. Somit sorgt Absinken vielerorts für Aufklaren sowie ein Abklingen der einzelnen Schauer und Gewitter. Anders sieht es im äußersten Süden aus, wo nach wie vor kein Luftmassenwechsel stattgefunden hat. Zudem nähert sich von Südostfrankreich und dem Alpenraum ein Randtrog. Davon ausgehend kann zwar nur schwache Hebung auf Deutschland übergreifen. Diese ist aber hinreichend, dass die Konvektion und
damit auch die Gewittertätigkeit ganz im Süden Deutschlands noch nicht gänzlich zur Ruhe kommen. Dabei bleibt lokal Starkregen weiterhin Thema. In den anderen Gebieten bleibt der leicht antizyklonale Charakter bestehen. Absinken sorgt für Aufklaren, im Nordwesten und Westen gibt es einstellige Temperaturminima.

Samstag… bleibt die Nordhälfte Deutschlands im Einflussbereich des von Mitteleuropa Richtung Großbritannien gerichteten Höhenrückens. Das korrespondierende Bodenhoch verlagert seinen Schwerpunkt von der Deutschen Bucht
Richtung Dänemark. Dabei ist im Norden weiterhin etwas kühlere Luft wetterbestimmend, die sich aber im Vergleich zum Vortag wieder ein Stück erwärmen kann. Zudem scheint verbreitet die Sonne.

Der Randtrog schwenkt von Südostfrankreich weiter ostwärts, wobei sich bis Tagesende von Norditalien bis in den äußersten Süden Deutschlands ein abgeschlossenes Höhentief bildet. An dessen Nord- und Ostflanke wird recht markante Hebung generiert, die den äußersten Süden Deutschlands beeinflusst. Dort setzt leichter Druckfall ein, wobei nördlich der Alpen ein flaches Lee-Tief
entstehen soll. Die instabile Luftmasse, die dort nicht verdrängt wurde und sogar über der Mitte wieder etwas nach Norden vorankommt weist CAPE-Werte bis nahe 1000 J/kg auf. Zudem steigt der Gehalt an niederschlagbarem Wasser wieder an auf Werte bis 35 mm. Insofern nimmt die Gefahr für unwetterartige Entwicklungen insbesondere aufgrund von heftigem Starkregen im Vergleich zum Vortag wieder zu. Somit ist im Süden bereits am Vormittag wieder mit Gewittern zu rechnen. Zudem gibt es Signale, dass sich ausgehend vom Alpenrand aufgrund fehlender Scherung einzelne Zellen zu einem größeren teils gewittrigen Regengebiet zusammenschließen. Insofern ist dort gebietsweise auch eine mehrstündige Starkregenwarnung denkbar, mit Mengen zwischen 20 und 35 l/qm in 6 Stunden. Auf Basis der EPS-Verfahren sin 12-stündig auch regional Mengen über 40
l/qm möglich, wobei nicht zu unterscheiden ist, ob dies mit den anfänglichen Einzelzellen oder dem Verclustern zusammenhängt. So oder so wird eine Warnung nur kurzfristig möglich sein. Inwieweit die Schauer- und Gewittertätigkeit auch Teile der Mitte erfasst, wird derzeit von den Modellen noch unterschiedlich prognostiziert. Vor allem in Südhessen und Rheinland-Pfalz sind aber einzelne Entwicklungen nicht ausgeschlossen.

In der Nacht zum Sonntag zieht das Höhentief Richtung Balkan ab und verliert somit den Einfluss auf unser Wetter. Der Einfluss des Höhenrückens nimmt noch etwas zu. Das Tief über dem Südosten Deutschlands füllt sich rasch auf, gleichzeitig weitet sich der Einfluss des Hochs mit Schwerpunkt über der südlichen Ostsee weiter bis in den Süden Deutschlands aus. Durch den nachlassenden Hebungsantrieb lässt die Schauer- und Gewittertätigkeit nach. Im Südosten Bayerns wird sie aber vermutlich noch bis in die Frühstunden anhalten.

Sonntag… tropft vor Westeuropa ein Höhentrog ab. Vorderseitig kann sich der Rücken über West- und Mitteleuropa weiter kräftigen. Vorderseitig des Troges wird mit einer südwestlichen Strömung Subtropikluft nach Norden geführt. Über Westeuropa kommt kräftige WLA in Gang, wodurch dort Druckfall einsetzt, der sich
bis in den Westen und Süden Deutschlands fortsetzt. Sonst ist weiterhin der Einfluss des Hochs mit Schwerpunkt über der Nord- und Ostsee wirksam. Mangelnder
Hebungsantrieb und kaum vorhandene Labilität sollten hochreichende Konvektion verhindern, sodass sich verbreitet sonniges Wetter einstellt. Einzig im äußersten Südosten Bayerns können die Reste der nächtlichen Konvektion noch für etwas mehr Wolken und anfangs auch noch etwas Regen sorgen. Die Zufuhr wärmerer Luft macht sich in einem Anstieg der Höchsttemperaturen bemerkbar, die Werte zwischen 25 und 31 Grad erreichen. Etwas kühler bleibt es noch im Küstenumfeld bei Werten um 22 Grad.
In der Nacht zum Montag ändert sich an der großräumigen Wetterlage wenig. Insofern ist eine ruhige, insbesondere im äußersten Westen aber sehr milde Nacht
zu erwarten. Deutschlandweit liegen die Tiefstwerte zwischen 17 Grad am Niederrhein und 10 Grad in Südbrandenburg.

Modellvergleich und -einschätzung

Die betrachteten Modelle prognostizieren die großräumige
Wetterentwicklung sehr ähnlich. Im Detail gibt es noch Unterschiede für den Samstag. Zum einen inwieweit die Konvektion auch über der Mitte wiedereinsetzt (nach GFS und Euro4 weiter nordwärts ausgreifend als bei ICON und EZMW) und zum anderen bezüglich der Verclusterung der Gewitter und Bildung eines Starkregengebietes über dem Süden. Letzteres wird wiederum von GFS und Euro4 nicht unterstützt.

Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Johanna Anger