SXEU31 DWAV SYNOPTISCHE UEBERSICHT KURZFRIST

SXEU31 DWAV 150800

S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T K U R Z F R I S T
ausgegeben am Samstag, den 15.02.2020 um 08 UTC

GWL und markante Wettererscheinungen:
Am Sonntag und Montag im Norden und auf den Bergen stürmisch, dabei sehr mild.

Synoptische Entwicklung bis Montag 24 UTC

Samstag… In der Höhe hat sich über dem mittleren Atlantik ein sehr breiter und
flacher Trog ausgebildet. Wir befinden uns auf seiner Südostseite in einer
diffluenten Südwest-Strömung in der massive Warmluft advehiert wird.
Im Bodendruckfeld steht einem sehr umfangreichen Tiefdruckkomplex im Nordwesten
mit sehr ausgeprägten Tiefs (Kernisobare von VICTORIA heute bei 925 hPa) hoher
Druck über dem Süden und Osten gegenüber. Der Süden wird heute noch von einem
Hoch beeinflusst, dass im Tagesverlauf in Richtung Südosten abzieht. Das sorgt
dort für freundliches Wetter mit reichlich Sonnenschein. Auch im Rest des Landes
gibt es ab und zu freundliche Abschnitte, nur im Norden dominieren viele Wolken.
Das liegt am Frontensystem eines Tiefs über dem Bottnischen Meerbusen, das im
Tagesverlauf über der Nordsee und Jütland liegt und rückläufig wird. Es sorgt im
Norden und Nordwesten für etwas Regen, ansonsten bleibt es heute trocken.

Warnparameter Nr. 1 ist heute der Wind. Er frischt im Tagesverlauf wieder auf
und an der Nordseeküste und dem daran angrenzenden Binnenland im Nordwesten gibt
steife (Bft 7), direkt an der Küste auch stürmische Böen (Bft 8) aus Süd. Auch
auf den Bergen gibt es Böen der Stärke Bft 8, exponiert auch 9 bis 10 und auf
dem Brocken 11.

Bei Temperaturen in 850 hPa von 1 Grad im Norden und fast 9 Grad an der
Schweizer Grenze steigen die Tageshöchstwerte heute auf sehr milde 8 bis 13
Grad.

In der Nacht zum Sonntag fällt der Luftdruck weiter und der Gradient nimmt vor
allem im Norden zu. Südöstlich des über der Nordsee und Jütland wellenden
Frontsystems wird weiterhin quasi subtropische Luftmassen zu uns geführt, sodass
im Süden die Temperatur in 850 hPa auf fast 10 Grad ansteigt. Dem entsprechend
sinken aufgrund der guten Durchmischung auch in der Nacht die Temperaturen nicht
sehr stark ab. Vor allem im Westen sind Minima über 10 Grad möglich. Frost ist
nur im äußersten Süden und Südosten ein Thema, da dort die Grenzschicht von der
sonstigen Entwicklung abgekoppelt ist, da die Durchmischung nicht stattgefunden
hat.
Die Front erreicht in der Nacht den Nordwesten und das frontale Regengebiet
kommt in der zweiten Nachthälfte weiter nach Süden bis etwa auf eine Linie von
Eifel nach Mecklenburg voran. Für den Norden gibt es Signale für kräftigeren
Regen, Warnschwellen werden allerdings nicht erreicht.

Eine tagesgangbedingte Abschwächung des Windes ist nicht erkennbar. Im
Gegenteil, der Wind nimmt an der Küste sogar noch zu. Somit gibt es im Westen,
Norden und an der Ostsee steife bis stürmische Böen aus Süd bis Südwest. An der
Nordseeküste und auf den Bergen stehen Windstärke 9, auf den Nordfriesischen
Inseln bis Bft 10 und auf freien Hochlagen Bft 11 bis 12 auf der Karte.

Sonntag… füllt sich das steuernde Zentraltief VICTORIA auf etwa 940 hPa auf
und verlagert sich mit seinem Kern in Richtung Schottland. Für uns bedeutet das
eine weitere Zunahme des Gradienten und damit des Windes. Der Schwerpunkt des
Sturmfeldes befindet sich zunächst im Bereich Nordwesten/Nordsee und verlagert
sich bis zum Abend in den Bereich der westlichen und zentralen Mittelgebirge.
Dann schwächt es im Bereich der Nordsee bereits wieder etwas ab. Es werden für
die Mitte und den Norden Böen der Stärke 8 bis 9, exponiert auch mal Bft 10 aus
Südwest erwartet. An der Nordsee und im nördlichen SH kann es anfangs schwere
Sturmböen (Bft 10), auf den Bergen ebenfalls Bft 10, exponierte Lagen auch
darüber (Brocken bis Bft 12). In Süddeutschland spürt man mit Ausnahme vom
nördlichen Franken und Baden von der Sturmlage nur wenig. Lediglich auf den
Gipfeln der Berge kann es Sturmböen (Bft 9), exponiert auch schwere Sturmböen
oder orkanartige Böen (Bft 10 und 11) geben.

Der an die schleifende Front gebundene Regen tangiert eigentlich nur den
Nordwesten und maximal Teile der Mitte. Dabei können im Nordwesten bis zum
nördlichen Mittelgebirgsrand bis Montagmorgen gebietsweise über 20 mm/24h
fallen. Warnschwellen werden allerdings eher nicht erreicht.

In Süddeutschland scheint dagegen die Sonne bei Höchstwerten zwischen 13 und 19
Grad, am Oberrhein gebietsweise sogar über 20 Grad! Auch im restlichen Land ist
es in Anbetracht der Jahreszeit mollig warm. Auch in den Regengebieten werden
Höchstwerten von 13 Grad im äußersten Nordosten bis 18 Grad im Westen erreicht.

In der Nacht zu Montag rückt der Trog weiter an den Kontinent heran und aufgrund
der höhenkalten Luft labilisiert sich die Schichtung in Küstennähe. Die
Kaltfront kommt weiter nach Süden voran und erreicht am Morgen etwa eine Linie
von Südbaden zur Oberlausitz. Dahinter wird dann maritime Polarluft mit einer
Temperatur von -1 bis -3 Grad in 850 hPa in den Norden geführt. Das frontal
gebundene Niederschlagsband greift in der Nacht weiter nach Süden, auf den
Südwesten und die Mitte über, im Nordwesten und im Südosten bleibt es dann meist
trocken. Größere Mengen werden allerdings nicht mehr erwartet.

Kommen wir zum Wind, er schwächt sich in der Mitte und im Osten in der Nacht
nach Frontdurchgang ab, nimmt dagegen an der Nordsee wieder zu. So gibt auf den
Gipfeln der Mittelgebirge weiterhin Sturmböen Bft 8 bis 9, exponiert Bft 10 und
im Flachland stellenweise 7 bis 8. An der Küste gibt es Bft 8 bis 9 und auf den
Inseln vor allem gegen Morgen wieder Bft 10. Frost ist in der Nacht kein Thema.

Montag… kommt der Langwellentrog weiter nach Osten voran und liegt abends mit
einem kurzwelligen Anteil in unserem äußersten Westen. Dadurch steilt die
südwestliche Höhenströmung weiter auf. Die schleifende Kaltfront erreicht am
Abend auch im Südosten die Alpen. Daran gekoppelt befindet sich weiterhin ein
Niederschlagsgebiet, das vor allem in den süddeutschen Mittelgebirgen für
kräftigen Regen sorgt. Es werden Mengen von teilweise über 20 mm/12h
prognostiziert. Zumindest COSMO-LEPS signalisiert für den Schwarzwald eine
geringe Wahrscheinlichkeit für Dauerregen.
Im Norden, dass deutlicher in der höhenkalten Luft liegt gibt es Schauer,
teilweise ist auch mal ein Gewitter möglich.

Der Wind nimmt im Tagesverlauf im Norden wieder zu und es gibt bis ins Flachland
Bft 7, Richtung Küste Bft 8, an der Küste selbst Bft 9 bis 10. Im Süden gibt
lediglich auf den Berge steife bis stürmischen Böen, exponiert auch mal
Sturmböen (Bft 9).

Im Norden und direkt an den Alpen gibt es längere freundliche Abschnitte. Die
Tageshöchstwerte liegen zwischen 9 Grad an der Küste und 16 Grad im Südosten.

In der Nacht zum Dienstag gehen die Schauer in den zentralen Mittelgebirgen
oberhalb 500 m, in den süddeutschen Mittelgebirgen und an den Alpen oberhalb 800
bis 1000 m in Schnee über. An der Windsituation im Norden und auf den Bergen
ändert sich nicht viel.

Modellvergleich und -einschätzung

Insgesamt stimmen die Modelle weitgehend überein. Es fällt wieder auf, das die
Böenparametrisierung des IFS etwas höher aus die deutschen Modelle liegen. Die
Grundaussage ändert sich nicht. Wir erwarten eine Sturmlage, unwetterartige Böen
(ab Bft 11) sind allenfalls in exponierten Lagen auf den Bergen und teilweise
auf den Nordfriesischen Inseln zu erwarten.

Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Rolf Ullrich