SYNOPTISCHE UEBERSICHT MITTELFRIST

S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T M I T T E L F R I S T
ausgegeben am Samstag, den 19.10.2019 um 10.30 UTC

Zumeist Hochdruckeinfluss mit zunehmender Nebel- und Hochnebelneigung. Kaum
Niederschlag. Vor allem in höheren Lagen sehr mild. An den Alpen zeitweise Föhn
bzw. föhnig.

Synoptische Entwicklung bis zum Samstag, den 26.10.2019

Dienstag … sticht bei der Betrachtung der Höhenkarte sofort der in einem
Abtropfprozess befindliche mächtige Langwellentrog über Südwesteuropa ins Auge.
Außerdem kommt dieser kaum nach Osten voran, denn ein umfassender Rücken reicht
von Tunesien über Süditalien bis nach Osteuropa. Dieser stützt bodennah ein
Hochdruckgebiet über Mitteleuropa, das die Brücke von der französischen
Atlantikküste bis zum Schwarzen Meer schlägt. Die diagonal vom Oberrhein bis zur
Oder reichende schwach ausgeprägte Luftmassengrenze verliert damit weiter ihre
Wetterwirksamkeit, wenngleich diese thermisch gesehen noch gut zu erkennen ist.
An den Alpen dreht die südwestliche Höhenströmung auf Süd und verliert an
Stärke, sodass der föhnige Abschnitt zunächst ein Ende findet. Den Norden
streift außerdem ein schwach ausgeprägter Randtrog, der sich dort vor allem
hinsichtlich der Bewölkung auswirken wird. Summa summarum ergibt sich daher für
Deutschland ein eher ruhiger Dienstag, wohingegen dem westlichen Mittelmeerraum
unruhige Zeiten mit heftigen, konvektiv durchsetzten Niederschlägen bevorstehen.

Mittwoch … verlagert sich das hochreichende südwesteuropäische Tief mit seinem
Zentrum in den Südosten Spaniens. Bodennah ergeben sich mehrere Tiefdruckkerne,
die sich über Südwesteuropa und dem westlichen Mittelmeerraum situieren.
Vorderseitig kommt kräftige WLA in Gang, die zum Mittagstermin bis in die Mitte
Deutschlands ausgreift (T 850 zwischen 17 Grad an den Alpen und 10 Grad im
Bereich der zentralen Mittelgebirge, an der Küste hingegen nur um 4 Grad). Damit
stellt sich aber auch die Frage, wie stark sich die Warmluft in den tiefen Lagen
durchsetzen kann. Zum einen nimmt der Gradient an den Alpen wieder etwas zu,
sodass sich dort der Föhn mit einem schwachen Lebenszeichen zurückmeldet. Diese
leichten föhnigen Effekte können aber in Kombination mit der Einstrahlung
ausreichen, dass am Alpenrand bereits die Marke von 25 Grad wieder in Sichtweite
gerät. Andererseits wird der Tag in vielen Regionen mit Nebel- oder Hochnebel
starten, der sich früher oder später aber noch meist auflösen sollte. Über 20
Grad kommt Temperatur in diesen Regionen aber wahrscheinlich nicht. Im Norden
ziehen außerdem die Wolken der Luftmassengrenze über den Himmel hinweg, sodass
auch dort die Temperatur teils deutlich unter 20 Grad liegt. Niederschläge sind
keine auszumachen.

Donnerstag … ändert sich in der synoptischen Grundkonstellation nur sehr
wenig, allerdings verlagert sich der umfassende südwesteuropäische Trog ein
wenig ostwärts. Dies facht die WLA über Deutschland noch weiter an, sogar an der
See werden eine T850 von mehr als 10 Grad erwartet. Jedoch ergibt sich aus der
Nacht heraus voraussichtlich eine ausgeprägte Nebel- und Hochnebelsituation, die
sich im Verlauf des Tages nur langsam abschwächt. MOS reagiert darauf bei der
relativen Sonnenscheindauer mit einem ausgeprägten Berg-Flachland-Muster. Damit
können zwischen nebligen 15 Grad und sonnigen 20 Grad oft nur wenige Kilometer
liegen. Während es in weiten Teilen Deutschlands keinen Niederschlag gibt,
streift den Nordwesten die Kaltfront eines nordeuropäischen Tiefs. Damit sind
dort ein paar Tropfen Regen nicht ausgeschlossen.

Freitag … zeigt der aktuelle Lauf, dass die Frontalzone etwas weiter
nördlicher verläuft als beim gestrigen 00-UTC-Lauf, geringe Niederschläge sind
im Norden aber weiterhin möglich. Geschuldet ist dies der etwas weiter nach
Norden ausgreifenden Hochdruckzelle über Mitteleuropa. Es verstärkt sich
außerdem wieder der Luftmassengradient in 850 hPa, der von 15 Grad an den Alpen
bis 4 Grad an der Küste reicht. Sonnenschein gibt es ausgiebig auf den Bergen,
im Flachland wird sich die Hochnebellage dagegen wohl verstärken.

Samstag … verlagert sich das bereits am Vortag vollständig abgetropfte Tief
über dem westlichen Mittelmeer ein wenig in Richtung Sardinien. Über Deutschland
verweilt der Rücken, somit ergeben sich im Vergleich zum Freitag kaum
Änderungen.

In der erweiterten Mittelfrist könnte die Nordostflanke des Rückens etwas
einbrechen. Damit sind zyklonalere und kühlere Verhältnisse in Ostseenähe
möglich. Sonst bleibt es beim Hochdruckeinfluss mit sehr milder Luft in höheren
Atmosphärenschichten, Nebel- und Hochnebel im Flachland und ausbleibendem
Niederschlag.

Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs

Die großräumigen synoptischen Strömungsmuster sind zu Beginn des
Berichtszeitraums ziemlich konsistent zwischen den verschiedenen Läufen des
EZMW. Kleinere Unterschiede ergeben sich naturgemäß in den Feinheiten, so wird
der am Dienstag auf den Norden Deutschlands übergreifende Randtrog von Lauf zu
Lauf unterschiedlich stark ausgeprägt simuliert. Auch der genaue zeitliche
Ablauf ist noch nicht ganz klar.

Ansonsten manifestiert sich im Süden der Hochdruckeinfluss mit einer
Hochnebel-/Nebelproblematik, im Norden bleibt es sehr wahrscheinlich zunächst
noch leicht wechselhaft und etwas kühler. Ab Donnerstag simuliert der aktuelle
EZMW-Lauf den über Deutschland wirksamen Rücken ausgeprägter, sodass das Pendel
auch im Norden auf eine eher trockene Witterung umschlagen könnte. Für das
Wochenende ist die aktuelle Vorhersagetendenz, dass der Hochdruckeinfluss weit
überwiegt und die bisher für den Norden gerechneten Tiefausläufer nur den
äußersten Norden/Nordosten streifen.

Vergleich mit anderen globalen Modellen

Die Unterschiede zwischen den Modellen halten sich sehr in Grenzen.
Erwähnenswert ist eventuell, dass der vorhin schon diskutierte über den Norden
hinwegziehende Randtrog in ICON nicht auftaucht. Zum Ende des Berichtszeitraums
will ICON außerdem von der Schwächung der Nordostflanke des Rückens nichts
wissen.

Insgesamt steht aber fest, dass in weiten Teilen des Bundesgebiets eine längere
trockene Phase bevorsteht.

Bewertung der Ensemblevorhersagen

EPS:
Die Rauchfahnen für repräsentative Orte in Deutschland spiegeln die
vorhergehende Diskussion wider. Im Süden verbleibt die Temperatur 850hPa im
Mittelfristzeitraum auf durchgehend hohem Niveau. Dabei nehmen die
Unsicherheiten erst ab dem Wochenende etwas zu. Im Norden und der Mitte gibt es
bei der T850 hPa eine kleine Wellenbewegung, die dem vorübergehenden schwachen
zyklonalen Einfluss am Dienstag und Freitag Rechnung trägt. Allerdings ist immer
im Hinterkopf zu behalten, dass sich die sehr milde Luftmasse nur stellenweise
in tiefen Lagen durchsetzen kann. Größere Niederschläge sind sehr
unwahrscheinlich.

CLUSTER:
+120 … +168h: Es liegen 3 Cluster vor, wobei zwei Cluster (mit dem
deterministischen Lauf) eine positive NAO erkennen und ein Cluster eine
Blockingsituation zeigt (mit dem Kontrolllauf). Die Anzahl der Member ist
zwischen den Clustern annähernd gleichverteilt. Für Mitteleuropa interessant
ist, dass zwei Cluster den vorhin beschriebenen mächtigen Rücken stützen. Das
dritte Cluster propagiert dagegen zum Wochenende eine flachere Südwestströmung.

+192 … +240h: In diesem Zeitraum wurden ebenfalls 3 Cluster zusammengefasst,
wobei die Strömungsmuster zwischen Blocking und atlantischem Rücken schwanken.
Damit ergeben sich für Mitteleuropa aber doch sehr unterschiedliche
Auswirkungen. Während Cluster 1 (26 Member) tendenziell weiterhin antizyklonal
und durch eine milde Luftmasse geprägt ist, deutet Cluster 2 (18 Member) auf der
Rückseite des osteuropäischen Troges eine kühlere Nord- bis Nordwestströmung an.

Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen

Auf den Alpengipfeln zeitweise stürmische Böen oder Sturmböen (Bft 8 bis 9).
Ansonsten keine signifikanten Wettererscheinungen.

Basis für Mittelfristvorhersage
EZMW-EPS, EZMW-Mos

VBZ Offenbach / Mag.rer.nat. Florian Bilgeri