SYNOPTISCHE UEBERSICHT MITTELFRIST

S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T M I T T E L F R I S T
ausgegeben am Donnerstag, den 17.10.2019 um 10.30 UTC

Zunächst regnerisch, im Alpenraum Föhn. In der ersten Wochenhälfte
Wetterberuhigung, nachfolgend wieder wechselhafter.

Synoptische Entwicklung bis zum Donnerstag, den 24.10.2019

Zu Beginn des mittelfristigen Vorhersagezeitraums am Sonntag liegt Deutschland
vorderseitig eines umfangreichen Troges, dessen Achse von Skandinavien über die
Britischen Inseln nach Gibraltar zeigt in einer südwestlichen bis
südsüdwestlichen Strömung. So setzt sich der in den Alpen herrschende Föhn fort.
Am Boden verläuft eine Luftmassengrenze diagonal von Südwest nach Nordost über
Deutschland, die eine wärme Luftmasse im Südosten (T850 hPa 15 Grad) von einer
deutlich kühleren Luftmasse (T850 hPa 4 Grad) im Nordosten trennt. In deren
Bereich kommt es zu teils länger anhaltenden Regenfällen, Sonne ist föhnbedingt
lediglich im Südosten zu finden.

Zum Montag kommt der Trog geringfügig ostwärts voran und zieht sich zunehmend in
die Länge. Der dann mit mehreren Drehzentren ausgestattete Trog tropft im
Tagesverlauf zur Iberischen Halbinsel ab und der Resttrog schwenkt in der Nacht
zum Dienstag über Norddeutschland ostwärts durch. Allerdings bildet sich im
Verbindungsbereich des Randtroges mit dem Höhentief ein weiteres Drehzentrum
über der Nordsee aus. Die Luftmassengrenze verlagert sich weiter ostwärts,
sodass die 850-Temperaturen zumindest vorübergehend in ganz Deutschland
einstellig werden.

Am Dienstag baut sich hohes Geopotential über Mitteleuropa auf. Allerdings
könnte sich das Tief über der Nordsee, das sich in ein kleinräumiges Höhentief
wandelt und über Dänemark ostwärts zieht, für etwas Hebung über Norddeutschland
sorgen. Korrespondierend zum Rücken etabliert sich auch ein Hoch am Boden, das
von Frankreich kommend über Deutschland nach Polen wandert.

Am Mittwoch verlagert sich das Drehzentrum des Höhentiefs von der Iberischen
Halbinsel allmählich in den westlichen Mittelmeerraum. Zeitgleich erfolgt eine
neue Randtrogentwicklung vom nördlichen Atlantik bis nach Irland. Die zu Beginn
noch über Deutschland verlaufende Achse des Rückens verlagert sich sukzessive
ostwärts. Die im Süden liegende Luftmassengrenze macht Boden nach Norden hin
gut.

Am Donnerstag gliedert sich das südwesteuropäische Höhentief diesem Randtrog
wieder an, am Abend verläuft die Achse von den Britischen Inseln bis nach
Tunesien. Ein weitgehend okkludiertes Frontensystem schiebt sich langsam in den
Westen Deutschlands.

In der erweiterten Mittelfrist tropft der Höhentrog erneut ab und verlagert sich
in den Mittelmeerraum, während der Resttrog langsam über Norddeutschland zieht.
So scheint sich die Wetterlage im Norden aufgrund der Nähe zur Frontalzone
zyklonal zu gestalten, während der Süden von hohem Luftdruck über Südwesteuropa
profitieren könnte.

Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs

Die Konsistenz des aktuellen IFS-Laufs ist bis Montag hoch und lässt dann nach.
Trotz einiger Unterschiede in den synoptischen Strukturen ist der Lauf
brauchbar. Bereits beim Abtropfprozess des westeuropäischen Troges zur
Iberischen Halbinsel am Montag sind Unterschiede im Timing zu finden,
insbesondere aber im Verhalten des ostwärts schwenkenden Resttroges, der im
aktuellen Lauf wieder etwas mehr auf den Norden Deutschlands übergreift. Die
Zunahme des Geopotentials über Deutschland ist unstrittig, allerdings bildet
sich am Dienstag über der Nordsee nach dem aktuellen Lauf ein kleinräumiges
Höhentief, der das Wetter in Norddeutschland weiterhin unbeständig gestalten
könnte. Zum Donnerstag gliedert sich das mittlerweile über dem westlichen
Mittelmeer befindende Höhentief schneller wieder dem westeuropäischen Trog an.

Vergleich mit anderen globalen Modellen

Der Vergleich von IFS, ICON und GFS zeigt zunächst Gemeinsamkeiten beim
Abtropfprozess und beim Aufbau des hohen Luftdrucks. Allerdings wird das
Trogresiduum anders behandelt, nach ICON liegt die Frontalzone etwas südlicher
als nach IFS und GFS. Die Wiederangliederung des Höhentiefs an den
nordwesteuropäischen Trog wird von ICON gestützt, nach GFS erfolgt diese erst
später und nachfolgend greift der Trog auf Deutschland über. So kann ab Ende des
Mittelfristzeitraums wohl nur noch spekuliert werden.

Bewertung der Ensemblevorhersagen

Die Rauchfahnen repräsentativer deutscher Städte stützen den Temperaturrückgang
zum Dienstag und die wieder nordwärts vorankommende Luftmassengrenze am
Mittwoch. Niederschlagssignale sind vor allem am Sonntag zu finden und nehmen ab
Donnerstag wieder zu und stützen damit das o.g. Szenario.
Im Zeitraum 120 168h ergeben sich in der Clusteranalyse 2 Cluster, die annähernd
gleichverteilt sind (26 zu 25 Member), wobei der Kontroll- wie auch der
Hauptlauf sich in Cluster 1 befinden, der einen etwas stärkeren Rücken und einen
etwas nördlicheren Verlauf der Frontalzone zeigt.
Im Zeitraum 192 240h ergeben sich 3 Cluster, in denen der am stärksten besetzte
Cluster 1 (mit deterministischen Lauf) eine starke Austrogung über Westeuropa
beinhaltet, während Cluster 2 (mit Kontrolllauf) den Trog eher über
Norddeutschland positioniert. Der dritte Cluster favorisiert einen starken
Rücken über Deutschland. Damit dürfte für jeden was dabei sein, eine Aussage
lässt sich aber nicht mehr treffen.

Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen

WIND:
EFI wie auch die Probabilistik zeigt den Föhn am Sonntag in den Alpen, es werden
Sturmböen (Bft 8-9), in exponierten Lagen auch schwere Sturmböen (Bft 10)
erwartet. Montag nachlassend.
Am Dienstag und Mittwoch einzelne stürmische Böen (Bft 8) an der See nicht
ausgeschlossen.

Dauerregen:
Im EFI geringe Hinweise auf ein Dauerregenereignis im Südwesten am
Samstag/Sonntag. Seitens EZ-EPS nur geringe Wahrscheinlichkeit, lediglich
Cosmo-Leps stützt mit 30%-iger Wahrscheinlichkeit Mengen von mehr als 30 l/qm in
24 Stunden im Südschwarzwald.

Basis für Mittelfristvorhersage
EZ, EZ-EPS, EZ-Mos

VBZ Offenbach / Dipl. Met. Peggy Hofheinz