SYNOPTISCHE UEBERSICHT MITTELFRIST

S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T M I T T E L F R I S T
ausgegeben am Dienstag, den 15.10.2019 um 10.30 UTC

Unbeständig mit wellenden Frontensystemen, dabei zeitweilig geringe Gefahr von
Stark-/Dauerregen. Vor allem in Hochlagen zeitweise Sturmböen.

Synoptische Entwicklung bis zum Dienstag, den 22.10.2019

Am Freitag, zu Beginn des mittelfristigen Vorhersagezeitraumes, liegt
Deutschland nach IFS auf der Vorderseite eines breiten Troges über Westeuropa
und dem nahen Ostatlantik in einer moderaten südwestlichen Höhenströmung. Sein
Drehzentrum befindet sich nordwestlich Irlands. Dort ist auch der Kern des
korrespondierenden Zentraltiefs situiert, dessen wellendes Frontensystem sich
über Deutschland befindet. Dabei kann man aufgrund der Felder des IFS durchaus
von einer wellenden Kaltfront ausgehen. Zu Beginn des Tages liegt ein Teiltief
über der Kieler Bucht (dort befindet sich auch der Okklusionspunkt), von dem aus
sich die Kaltfront über den Osten und die Mitte Deutschlands bis nach Frankreich
und zur Iberischen Halbinsel erstreckt. Über dem Westen Deutschlands deutet sich
schon wieder die nächste Wellenbildung an, die alsbald zur Deutschen Bucht zieht
und bedingt, dass die Luftmassengrenze zum Mittagstermin nun wieder über der
Westhälfte Deutschlands verläuft. Am Okklusionspunkt bildet sich am Abend über
den Forties ein Randtief. Die Kaltfront kommt indes vor allem in ihrem Nordteil
weiter nach Osten voran, hingegen hängt sie über dem Süden Deutschlands zurück.
Mit dem Vorankommen der Kaltfront werden auch allmählich die Reste der Warmluft
aus dem Südosten verdrängt – mittags sollen dort im 850-hPa-Niveau noch
Temperaturen von knapp über 10 °C herrschen. Im äußersten Nordwesten sind es
hingegen nur noch Temperaturen um 5 °C, die im Tagesverlauf auf die gesamte
Nordwesthälfte ausdehnen. An der Luftmassengrenze kommt es zeitweilig zu meist
leichten bis mäßigen, teilweise auch mal schauerartig verstärkten Regenfällen.

Am Samstag ändert sich an der Lage nicht viel: Der Trog über Westeuropa weitet
sich etwas weiter nach Süden aus, auch sein Drehzentrum erreicht gerade einmal
den Südosten Irlands. Über dem Süden Deutschlands setzt die nächste Welle an,
die bis zum Tageswechsel in den Nordosten Deutschlands zieht. Dabei regnet es
vor allem auf deren kalten Seite, zum Abend und in der Nacht zum Sonntag
„befeuert“ durch kurzwellige Troganteile streifenweise auch mal kräftiger. Lokal
werden dabei knapp an die 20 Liter pro Quadratmeter in sechs Stunden gezeigt.

Am Sonntag verabschiedet sich die Welle alsbald zur Ostsee und schließlich nach
Südschweden, die Luftmassengrenze verläuft in einem weiten Bogen über Polen und
Tschechien nach Süddeutschland und von dort aus weiter zum Zentralmassiv. An den
Alpen setzt mit der infolge der allmählichen Wellenlängenverkürzung und
Amplitudenvergrößerung des Troges noch etwas mehr auf Südsüdwest drehenden
Höhenströmung leichter Föhn ein, sodass sich auf der Alpennordseite ein Leetief
bildet. Die Luftmassengrenze liegt aber wohl etwas weiter nördlich und befindet
sich zum Tageswechsel diagonal von Südwest nach Nordost über Deutschland. Mit
Niederschlagssignalen indes geizt das IFS: Abgesehen vom abziehenden Regen im
Nordosten, ein wenig Niederschlag im Umfeld der Luftmassengrenze und einzelnen
schwachen Schauern im Nordwesten findet man derlei kaum.

Am Montag schnürt sich der Trog über Westeuropa weiter ein und tropft abends
schließlich auch ab, das Drehzentrum befindet sich dann über Spanien. Dadurch
dreht die Höhenströmung vollends auf Süd. Die weiterhin wellende
Luftmassengrenze befindet sich noch diagonal von Südwest nach Nordost über
Deutschland. Vorübergehend wird im Zusammenspiel mit der drehenden Höhenströmung
niedertroposphärisch etwas wärmere Luft in den Osten und Südosten geführt
(Anstieg der T850 auf oder knapp über 10 °C) Dabei regnet es auf ihrer kalten
Seite, strichweise sogar mal kräftiger, sodass ein Überschreiten von
Starkregenwarnschwellen nicht ausgeschlossen ist. Auch das ein oder andere
Gewitter ist bei moderater Labilität denkbar. Am Abend verabschiedet sich die
Luftmassengrenze mit einem nach Ostpolen ziehenden Tief aus weiten Teilen
Deutschlands, im Südosten lässt sie sich allerdings noch finden. Dort setzen vor
allem südlich der Donau wieder mäßige Regenfälle ein. Auch im Norden regnet es
dann an der rückgebundenen Okklusion leicht.

Am Dienstag macht die Luftmassengrenze wieder etwas Raum nach Norden gut und
liegt zonal relativ genau über der Mitte Deutschlands. Anfänglich regnet es im
Südosten noch mäßig, im weiteren Tagesverlauf halten sich die Niederschläge
allerdings in Grenzen, da sich das abgetropfte Höhentief zu den Balearen
verlagert und sich über Deutschland ein Höhenrücken etabliert. Der Norden
profitiert zudem von einer schmalen und relativ schwachen (weil durchaus
gestörten) Hochdruckzone, die von den Azoren über die Kanalanrainer und das
nördliche Mitteleuropa bis nach Zentralasien reicht, sodass es dort vor allem in
der zweiten Tageshälfte größere Auflockerungen geben kann. Insgesamt dreht die
bodennahe Strömung auf Ost, im Süden ist der Gradient auch etwas stärker
ausgeprägt – aus jetziger Sicht kommt es aber wahrscheinlich nicht zu
warnwürdigen Böen.

Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs

Die Konsistenz des aktuellen Laufes des IFS ist über nahezu den gesamten
mittelfristigen Zeitraum hoch, signifikante Unterschiede hinsichtlich der
großräumigen synoptischen Strukturen ergeben sich nicht. Einzig am Dienstag
zeigt sich im neuesten Lauf ein stärkerer antizyklonaler Einfluss als in den
Vorläufen.
Verteilung und das Timing der Niederschläge werden zwar von Lauf zu Lauf etwas
unterschiedlich gerechnet, in der Akkumulation wird aber konsistent deutlich,
dass das Gros der Niederschläge in der Westhälfte fallen wird (gebietsweise 40
bis 50 mm), während von Brandenburg bis in den Südosten Bayerns nur um 10 mm
zusammenkommen.

Vergleich mit anderen globalen Modellen

Im Wesentlichen zeigen die anderen Globalmodelle zunächst ähnliche Szenarien.
Unterschiede gibt es primär im Timing: GFS lässt die wellenden Fronten am
zügigsten nach Osten durchziehen, ICON ist deutlich langsamer, IFS liegt in etwa
in der Mitte. In der neuen Woche – vor allem am Dienstag – zeigen sich dann doch
größere Unterschiede: Statt des Rückens zeigt vor allem GFS einen scharfen Trog
(als nördliches Residuum des ehemaligen Troges), dessen Wetterwirksamkeit
allerdings – trotz hochreichend kalter Luft – sehr limitiert sein soll. Auch
ICON hat einen ähnlich scharfen Trog im Angebot, lässt diesen aber zügig nach
Osten abziehen. Zudem verläuft die Bodenantizyklone weiter südlich, was für den
Norden eine eher westliche und somit feuchtere Strömung bedeuten würde.

Bewertung der Ensemblevorhersagen

Die Rauchfahnen für eine repräsentative Auswahl deutscher Städte zeigt bis
Montag einen meist relativ gebündelten Verlauf der Kurvenschar. Dabei erkennt
man den ganz allmählichen Temperaturrückgang im 850-hPa-Niveau. Die Ausnahme
bildet dabei der Südosten (München, teilweise auch Leipzig), wo die Kurven schon
am Wochenende auseinanderlaufen, da nicht ganz sicher ist, inwiefern sich dort
nochmals wärmere Luft durchsetzt. Ansonsten spricht das zunehmende Aufspreizen
der Kurvenschar am Dienstag für die steigenden Unsicherheiten. Haupt- und
Kontrolllauf liegen sowohl bei der T850 als auch beim 500-hPa-Geopotenzial in
etwa mittig.

Beim Clustering gibt es für den Zeitraum von Freitag bis Samstag (T+72…96h)
drei Cluster, die mit 22, 18 und elf Membern besetzt sind. Der Kontrolllauf
lässt sich dem ersten, der deterministische Lauf dem dritten Cluster zuordnen.
Für Mitteleuropa gibt es allerdings keine signifikanten Unterschiede in den
Strukturen. Auch für den Zeitraum von Sonntag bis Dienstag (T+120…168h) gibt
es drei Cluster mit der gleichen Zuordnung von Haupt- und Kontrolllauf. Sogar
die Besetzung mit 23, 18 und zehn Membern ist ähnlich verteilt. Für Sonntag und
Montag gibt es erneut keine wesentlichen Unterschiede mit Auswirkung auf unser
Vorhersagegebiet (abgesehen davon, dass beim Cluster II der Trog etwas weiter
nach Osten vorankommt). Am Dienstag jedoch sind die Unterschiede bedeutend
größer. Bei Cluster II liegt nämlich der abgetropfte Trog weiter östlich über
Frankreich und die Zone hohen Geopotenzials läuft weiter nördlich über
Südskandinavien. Zudem wäre das Wettergeschehen nach dieser Variante auch im
Bodenniveau zyklonaler geprägt. Cluster I lässt zwar den Trog nur geringfügig
weiter östlich abtropfen als Cluster III (zur Erinnerung: der deterministische
Lauf lässt sich diesem Cluster zuordnen), allerdings kommt es nicht zum Aufbau
der Potenzialbrücke über Deutschland. Vielmehr findet man ähnlich wie beim ICON
und GFS einen Trog, der über den Norden Deutschlands hinwegschwenkt.

Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen

Stark-/Dauerregen:
Seitens der Ensembles gibt es nur ausgesprochen geringe Hinweise auf Stark- bzw.
Dauerregenereignisse am Samstag und Montag. Von der Deterministik her sind diese
zumindest strichweise denkbar.

stürmische Böen/Sturmböen:
Am Freitag gibt es beim IFS-EPS schwache Signale für stürmische Böen an
exponierten Abschnitten der Nordseeküste (v.a. Helgoland, Sylt) und in der
Eifel. Am Sonntag zeigen sich beim IFS-EPS erhöhte Wahrscheinlichkeiten für
Sturmböen auf den Alpengipfeln.

Basis für Mittelfristvorhersage
IFS, IFS-EPS, EZ-MOS

VBZ Offenbach / M.Sc. Met. Stefan Bach