#SYNOPTISCHE ÜBERSICHT #MITTELFRIST ausgegeben am Samstag, den 09.05.2026 um 10.30 UTC
S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T M I T T E L F R I S T
ausgegeben am Samstag, den 09.05.2026 um 10.30 UTC
Anfangs sehr kühl, langsame Erwärmung. Unbeständig, erst in der erweiterten
Mittelfrist Anzeichen für Stabilisierung.
Synoptische Entwicklung bis zum Samstag, den 16.05.2026
Zu Beginn der Mittelfrist am Dienstag wurde Deutschland rückseitig einer
Kaltfront von hochreichender polarer Meeresluft (-3 bis -6 Grad in 850 hPa)
geflutet. Ein kurzwelliger Trog über Ostdeutschland tropft ab und das Höhentief
zieht südostwärts. Von Nordwesten folgt ein flacher Keil nach, der einen
Atlantikhochkeil im Süden stützt. Ein Bodentrog über dem Nordosten läuft nach
Südosten ab, vor allem dort gibt es Schauer, teils mit Graupel. Im Nordosten
erreicht der Westwind auch abseits der Küste tagsüber Böen der Stärke 6 bis 7.
In der Nacht zum Mittwoch ist es im Süden zeitweise gering bewölkt, dort kann in
ungünstigen Lagen für Luftfrost, zumindest aber für Frost in Bodennähe. Im
Nordwesten sorgt eine hereinziehende Okklusion für schauerartige Niederschläge.
Am Mittwoch schwenkt der flache Höhenkeil über dem Süden ostwärts. Von der
Nordsee nähert sich ein Langwellentrog, der sich nach Frankreich ausweitet.
Vorlaufend kommt die Okklusion eines Tiefs über der Nordsee etwas ins
Landesinnere voran und bringt schauerartige Regenfälle in der Nordwesthälfte.
Die Temperatur in 850 hPa steigt bis zum Abend auf 0 (Nordseeküste) bis +7 Grad
(Südbayern). Der südwestliche Wind erreicht an der Küste, in Berg- und manchen
Leelagen Bft 7 in Böen.
Am Donnerstag amplifiziert sich der Trog über Frankreich weiter und kommt kaum
noch ostwärts voran. Das Tief über der Nordsee füllt sich auf. Über Oberitalien
kommt es zu einer Zyklogenese, später zieht ein Teiltief nach Tschechien. Über
dem Südosten Deutschlands setzen in Verbindung mit Warmluftadvektion länger
andauernde Regenfälle ein. In 850 hPa liegt die Temperatur zwischen 0 Grad im
äußersten Westen und 5 Grad im äußersten Osten und Südosten.
Am Freitag tropft der Trog über Frankreich zum westlichen Mittelmeer hin ab. Am
Boden bildet sich von Oberitalien bis zum Baltikum eine großräumige
Tiefdruckrinne mit der bodennah kühle Luft aus nördlicher Richtung herangeführt
wird. Darüber kommt es im Osten zu Warmluftadvektion. Gebietsweise, vor allem im
Nordstau der Mittelgebirge kommt es zu teils länger anhaltendem Regen. Am
Temperaturniveau ändert sich kaum etwas im Vergleich zum Vortag.
Am Samstag zieht das Höhentief zum Ionischen Meer. Damit hat es keinen Einfluss
mehr auf das Wetter bei uns. Über Mitteleuropa bildet sich eine schwache Brücke
zwischen hohem Geopotenzial über dem Südwesten Europas und Russland. Die
Strömung bleibt vorerst in allen Höhenniveaus auf Nord eingetsellt und es wird
weiterhin feuchte Luft herangeführt. Bei +2 bis +6 Grad in 850 hPa und viel
Bewölkung und gebietsweisem Niederschlag sind bei der 2m-Temperatur keine großen
Sprünge zu erwarten.
In der erweiterten Mittelfrist kann sich ein Keil über Mitteleuropa samt
Bodenhoch etablieren. Die feuchte Grundschicht trocknet allmählich ab und damit
einher geht eine schrittweise Erwärmung.
Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs
Zu Beginn der Mittelfrist am Dienstag liegt ein kräftiges Tief über dem
Baltikum, die Kaltfront hat Deutschland in der Nacht zuvor überquert.
Nachfolgend fließt hochreichende polare Meeresluft ein. Die Konsistenz zu den
Vorläufen ist gut. In der Folge wird der Norden von der Frontalzone stärker
beeinflusst als der Süden. Mittwoch/Donnerstag greift ein umfangreicher Trog von
Nordwesten auf Mitteleuropa über. Details werden unterschiedlich simuliert.
Grundsätzlich ist die Konsistenz zu den Vorläufen aber weiterhin eher gut. In
der zweiten Wochenhälfte verbleiben wir im Einflussbereich des weiter westlich
gelegenen Troges. Später tropft dieser südlich von uns ab. Die Unsicherheiten
bezüglich der genauen Tiefdruckgebiete innerhalb oder am Rande des Troges nehmen
zu.
Vergleich mit anderen globalen Modellen
Die Temperaturentwicklung ist vergleichsweise sicher. Die
Niederschlagsentwicklung zunächst zwar auch, ab Donnerstag nehmen die
Unsicherheiten dann aber stark zu, auch wenn grundsätzlich von einem Fortbestand
der unbeständigen Witterung auszugehen ist.
Bewertung der Ensemblevorhersagen
Beim Geopotenzial zeigt sich nach dem anfänglichen Anstieg am Dienstag (Abzug
des ersten Troges) ein erneutes Absinken mit Annäherung des Troges über
Westeuropa. Das Minimum wird dabei am Donnerstag (Norden) oder Freitag (Süden)
erreicht bevor eine allmähliche Zunahme des Potenzials von so fast allen
Ensemblemitgliedern gezeigt wird. Die Spreizung der Lösungen nimmt allmählich
über den Zeitraum hinweg zu und ist am Ende recht groß.
Die Temperatur in 850 hPa zeigt ein klares Minimum Dienstagfrüh mit Werten um -5
Grad, bevor ein rascher Anstieg zum Mittwoch erfolgt. Nachfolgend verläuft der
Anstieg gebremst (Norden) bzw. es setzt vorübergehend wieder eine Abkühlung
(Süden) ein. In der erweiterten Mittelfrist zum Wochenwechsel werden im Mittel 3
bis 6 Grad erreicht. Die Spreizung der Lösungen nimmt allmählich über den
Zeitraum hinweg zu, bleibt bis auf einzelne Lösungen aber vergleichsweise
gering.
Die Niederschlagssignale zeigen in der Mitte und im Süden am Dienstag/Mittwoch
ein Minimum. Ansonsten sind die Niederschlagssignale zahlreich. Extreme Lösungen
finden sich aber nicht. In der erweiterten Mittelfrist nehmen die Signale für
Niederschlag deutschlandweit ab.
CLUSTER:
Von Dienstag bis Samstag zeigen die Cluster allesamt das Regime
„Mittelatlantischer Rücken“. Anfangs sind die Mitglieder in 5, später in 3
Gruppen aufgeteilt. Unterschiede für Mitteleuropa ergeben sich nur im Detail des
Abtropfens und der genauen Konfiguration der Tröge.
Für Sonntag bis Dienstag findet in allen Lösungen ein Wechsel hin zu einem
Blockingmuster über Nordosteuropa statt. Für Deutschland ergeben sich
Unterschiede in der Frage inwieweit uns ein Trog über dem Ostatlantik bzw.
Westeuropa nahekommt. Das Cluster des Hauptlaufs (Cluster 2, etwas kleiner als
Cluster 1) zeigt eher eine antizyklonalere Lösung als die anderen beiden
Cluster.
Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen
WIND:
Es gibt es mäßiges Signal für ein leicht ungewöhnliches Windereignis im
Nordosten am Dienstag.
Das EPS zeiht mittlere bis Hohe Wahrscheinlichkeiten für Bft 7 und niedrige
Wahrscheinlichkeiten für Bft 8 im Nordosten sowie an der Nordseeküste am
Dienstag.
TEMPERATUR:
Deutliche Signale für einen ungewöhnlich kalten Dienstag in der Osthälfte.
Schwache Signale für ungewöhnlich niedrige Temperaturen am Freitag im Südwesten.
Basis für Mittelfristvorhersage
MOSMIX, IFS, IFS-EPS
VBZ Offenbach / M.Sc. Met. Thore Hansen