#SXEU31 #DWAV #SYNOPTISCHE ÜBERSICHT #KURZFRIST ausgegeben am Dienstag den 18.02.2025 um 18 UTC
SXEU31 DWAV 181800
S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T K U R Z F R I S T
ausgegeben am Dienstag, den 18.02.2025 um 18 UTC
SCHLAGZEILE:
Zunächst noch trocken-kaltes Hochdruckwetter mit teils strengem Nachtfrost. Ab
Donnerstag von Westen her deutlicher Temperaturanstieg, aber voraussichtlich nur
wenig Niederschlag.
Synoptische Entwicklung bis Donnerstag 06 UTC
Aktuell … steht die Großwetterlage nach wie vor im Zeichen des inzwischen aus
vier! Namensanteilen bestehenden Hochs FINJA (I, II, III, IV), das von der
Framstraße bis nach Mitteleuropa reicht (dort etwas über 1030 hPa), um von hier
nach Osten abzuwinkeln und über der Ukraine Tuchfühlung zu einem weiteren Hoch
über Russland aufzunehmen. Wenn man so will ein über tausende von Kilometern
verlaufender „Hochdruckschlauch“, dessen mitteleuropäischer Teil von einem
kräftigen Potenzialrücken gestützt wird, welcher sich von Algerien über
UK/Irland bis hoch nach Ostgrönland erstreckt. Flankiert wird der Rücken von
einem umfang- und hochreichenden Tiefdrucksystem über dem mittleren Nordatlantik
(Kerne südwestlich von Island) sowie einem stationären Kaltluftkörper über
Nordosteuropa. Summa summarum ein stark gestörtes Strömungsmuster, das uns für
ein paar Tage den Winter gebracht hat und auch noch bringt. So ist mit östlicher
Strömung eine kontinental geprägte Polarluft arktischen Ursprungs eingeflossen
(cP), in der heute von wenigen Ausnahmen abgesehen die Sonne schien. Nur im
äußersten Nordosten (nordöstlich der Divergenzachse) zogen von der Ostsee ein
paar Wolken rein. Und ganz im Süden hielt sich in der Bisenströmung ein
schmaler, aber zäher Streifen mit hochnebelartiger Bewölkung, der im schweizer
Mittelland – klassisch möchte man hinzufügen – seine Fortsetzung fand.
Erwähnenswert an dieser Stelle auch die Temperaturverteilung, die am Mittag den
Feldberg im Schwarzwald als den wärmsten Ort Deutschlands (Messnetzt DWD)
auswies: +6,3°C wurden um 12:00 UTC auf knapp 1500 m Höhe gemessen, während es
etwa zur gleichen Zeit auf dem Großen Arber (1436 m) -8,9°C, auf dem Brocken
(1135 m) -7,0°C und auf dem Fichtelberg (1213 m) -7,6°C waren. Dieser
Unterschied belegt eindrucksvoll, dass die Kaltluft nach Osten und Norden hin
noch eine solide vertikale Mächtigkeit aufweist, während im Südwesten
verstärktes Absinken eine ausgeprägte Inversion oberhalb einer relativ flachen
Grundschicht geschaffen hat.
Im Laufe der kommenden Nacht verschiebt sich das gesamte Strömungsmuster
geringfügig nach Osten, wodurch der Rücken dichter an den Vorhersageraum
heranrückt. Auf seiner Vorderseite setzt sich das Absinken fort bzw. verstärkt
sich sogar etwas mit dem Ergebnis, dass die Inversion im Südwesten noch weiter
nach unten bis auf Bodenniveau gedrückt wird, wo sie nahtlos in die klassische
nächtliche, durch Ausstrahlung bedingte Bodeninversion übergeht. Kollateral
werden dabei die letzten Wolken- respektive Hochnebelreste getilgt, so dass die
Nacht im größten Teil des Landes unter klarem Himmel verläuft (abgesehen von ein
paar tiefen Wolken oder Nebelfeldern in Ostvorpommern und vielleicht in der
Uckermark). Die Temperatur geht in den leichten bis mäßigen, in der
Nordosthälfte vielfach strengen Frostbereich zurück. In einigen schneebedeckten
Mulden oder engen Tälern sind erneut Tiefstwerte nahe der -20°C-Marke drin.
Darüber hinaus nimmt der Druckgradient im Westen und Südwesten etwas zu, was den
Ost- bis Südostwind auf Kämmen und Kuppen sowie über der freien Nordsee aus der
Reserve lockt (Böen 7, vereinzelt 8 Bft).
Mittwoch … greift der Höhenrücken ganz allmählich auf Deutschland über,
während stromab das korrespondierende Bodenhoch seinen Schwerpunkt peu a peu ins
östliche Mitteleuropa verlagert. Damit setzt sich die gesamttroposphärische
Erwärmung fort, bis zum Abend steigt T850 auf rund -7°C im Grenzbereich zu Polen
und bis zu +5°C im Grenzbereich zu Benelux. Das bleibt freilich nicht ohne
Wirkung auf die 2m-Temperatur, zumal einmal mehr im größten Teil des Landes den
ganzen Tag die Sonne scheint. Die Areale mit Dauerfrost werden kleiner gegenüber
heute, auch wenn in den östlichen und zentralen Mittelgebirgen sowie punktuell
im Osten noch das Minuszeichen aufblinkt. Dafür gehtŽs im Westen und Südwesten
hoch auf +6 oder +7, vereinzelt vielleicht sogar +8°C. Daran ändern auch die
hohen, später teils mittelhohen Wolken nichts, die angefacht durch leichte WLA
von Frankreich und Benelux zu uns reindriften.
Der Südostwind bleibt über der Deutschen Bucht prominent unterwegs. Wegen der
weitgehend ablandigen Windkomponente dürften wahrscheinlich aber lediglich
Helgoland sowie die Ostfriesischen Inseln eine kleine Warnung abbekommen (7 Bft,
Helgoland Haken 8 Bft). Ansonsten spielt der Südostwind nur in exponierten Kamm-
und Kuppenlagen der Mittelgebirge eine Rolle mit Böen 7, vereinzelt 8 Bft, wobei
im Südwesten (Schwarzwald, Schwäbische Alb) bereits wieder abnehmende Tendenzen
erkennbar sind.
In der Nacht zum Donnerstag macht das gesamte Strömungsmuster noch einen kleinen
Satz nach Osten, was den äußersten Westen „gefährlich“ nah an eine erste Störung
bringt, die versucht, gegen Blocking-FINJA anzustinken. Namentlich handelt es
sich um eine freischwebende Gammelokklusion, dem ersten von mehreren Ausläufern
des o.e. Atlantiktiefs. Mit Hilfe von schwacher WLA, aber auch etwas PVA –
immerhin kommt der Westen hinter die Rückenachse und somit auf die leicht
diffluente Vorderseite eines breiten ostatlantischen Troges – schafft es die
Okklusion, den Hebungsimpuls zu erhöhen, was sich zunächst in mehrschichtiger
Bewölkung ausdrückt. Gegen Morgen könnte es dann zumindest im Grenzbereich zu
Frankreich, Luxemburg und Belgien zu schwachen Niederschlägen reichen, was aber
noch nicht verbrieft ist. Noch immer simulieren die Modelle eine leicht
unterschiedliche Progression, der Respekt vor FINJA ist groß. Hinzu kommt, dass
die untere Troposphäre zunächst noch relativ trocken ist. Heißt, es kann oben
zwar Niederschlag fallen, es gibt aber keine Garantie, dass dieser unten auch
ankommt. Erst wenn die Grundschicht ausreichend durchfeuchtet ist, was bei
schwachem Niederschlag dauern kann, klappt es auch mit Ankunft am Boden.
Womit wir direkt bei der nächsten Frage wären, nämlich der nach der
Niederschlagsphase. Schnee fällt aus, da niedertroposphärisch zu warm. Aber was
ist mit gefrierendem Regen und Glatteis, wie in der subjektiven
Wetterinterpretation einiger Wettermodelle zu sehen. Ja und nein, lautet die
Antwort. Vorausgesetzt, der Niederschlag erreicht tatsächlich den Boden, wird es
so sein, dass dieser aufgrund der Vorgeschichte z.T. gar nicht gefroren ist und
auch die morgendliche Lufttemperatur im Plus liegt. Im Bergland allerdings
könnten sehr wohl noch gefrorene Böden vorhanden sein, auf denen im Fall der
Fälle Glatteis möglich ist, wenn auch räumlich und zeitlich sehr begrenzt. Wie
häufig bei vergleichbaren Lagen ein komplexes Gleichungssystem mit vielen
Unbekannten, das zu lösen sich Mensch und Maschine sehr schwertun. Mal sehen,
wie die morgigen Prognosen aussehen. Eine substanzielle Glatteislage droht so
oder so nicht!
Zur Mitte und nach Osten hin gibt es diese Probleme nicht, weil das langsam
scheidende Hoch noch alles im Griff hat. Bedeutet klarer (Osten) oder nur gering
bewölkter bis wolkiger Himmel ohne Niederschlag mit leichtem bis mäßigen, im
Osten auch strengem Frost. Ganz so kalt wie in den Vornächten wird es sehr
wahrscheinlich aber nicht mehr.
Synoptische Entwicklung bis Freitag 06 UTC
Donnerstag … Der neueste Lauf von ICON (12 UTC) weicht wenn überhaupt nur
marginal von den jüngsten Vorläufen ab. Wesentlich neue Erkenntnisse gibt es
nicht, weshalb an dieser Stelle auf die Ausführungen der Frühübersicht verwiesen
wird.
Modellvergleich und -einschätzung
Es ist alles gesagt, inkl. der Unsicherheiten am Donnerstagmorgen (Niederschlag
ja/nein, wenn ja => Glatteis ja/nein, wenn ja, wo…).
Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Jens Hoffmann