#SXEU31 #DWAV #311800 S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T K U R Z F R I S T ausgegeben am Freitag, den 03.06.2022 um 18 UTC

SXEU31 DWAV 031800

S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T K U R Z F R I S T
ausgegeben am Freitag, den 03.06.2022 um 18 UTC

Markante Wettererscheinungen:
Nachts vor allem in Bayern noch Gewitter, anfangs Unwettergefahr durch heftigen
Starkregen und Hagel. Gegen Morgen im Südwesten erneut Gewitter.
Nach kurzer Wetterberuhigung am Samstag am Sonntag erneut lokal schwere
Gewitter.
Am Montag erneut Wetterberuhigung.

Synoptische Entwicklung bis Montag 12 UTC

Aktuell … Auf der Vorderseite eines Höhentroges, der weit nach Süden von
Südskandinavien bis ins Seegebiet vor Portugal reicht, liegt Deutschland in
einer südwestlichen Höhenströmung, wobei wir großräumig in einem flachen Keil
liegen, der aber von einem flachen Randtrog umlaufen wird. Unterstützend für den
Trog wirkt die Regenerierung des Keils bis zum Morgen über Ostfrankreich und
Benelux. Entsprechend zieht der Trog unter Verstärkung in der 2. Nachthälfte
über den Osten nach Polen. In der Fläche zeigen damit die Globalmodelle in der
Nacht bereits die höchsten Regensummen im südlichen Teil von Ostdeutschland und
in Bayern. ICON-D2 EPS bringt bis 21 UTC noch Starkregensignale besonders vom
Bodenseegebiet bis nach Südostbayern und in Nordbayern, abgeschwächt auch über
der Alb und in Südbaden in Rheinnähe. Im Vordergrund scheint der Starkregen zu
stehen, da die Zuggeschwindigkeit der Zellen nur gering ist sowie die PPWs bei
rund 35 mm liegen. Zudem ist die Scherung nicht besonders groß, so dass schwere
Sturmböen und Großhagel eher unwahrscheinlich ist.
Ab 21 UTC verschwinden die 6stg. Starkregensignale (kaum noch Signale im
Zeitraum von 21 UTC bis 03 UTC). Abgeschwächt kommen Regen und Schauer sowie
einzelne Gewitter ab dem späten Abend im südlichen Ostdeutschland an.
In der 2. Nachthälfte soll noch Konvektion von der Schweiz her ins südliche
Ba.-Wü. Ziehen ohne große Unwettergefahr. Im Großen Rest von Deutschland
passiert nicht viel bei örtlich aufgelockerter Bewölkung und ganz im Norden
einstelligen Werten.
Der Wind weht außerhalb der Gewitter nur schwach.

Samstag … Ganz im Nordosten Deutschlands hängt der Trog noch zurück, zieht
aber im Tagesverlauf ostwärts ab. Dieser Trog ist jedoch von Kaltluftadvektion
überlaufen, so dass der ausgehend von dem Hoch über der Nordsee nach
Nordwestpolen reichende Hochkeil (ehemalige Brücke) bestehen bleibt und der Trog
somit kaum wetterwirksam ist.

Der über dem nahen Ostatlantik liegende Höhentiefkomplex, in dem sich die beiden
Zentren (Biskaya und UK) vereinen, zieht sich vorübergehend mit seinem
Schwerpunkt etwas nach Westen zurück. Der davon ausgehende Trog, in dem
ursprünglich das 2. Höhentief steckte, schwenkt nach Galizien, was über
Frankreich die Strömung aufsteilen lässt, so dass sich dort Subtropikluft mit
PPW Werten bis 40 mm durchsetzt. Von dieser Luftmasse bleibt Deutschland
zunächst verschont, was an der Verstärkung des Höhenkeiles an der Westgrenze
Deutschlands liegt. So kann sich nämlich die Hochruckzone über Norddeutschland
noch etwas verstärken.

Die über der Südhälfte liegende Luftmasse ändert sich in ihren Eigenschaften nur
wenig und wird kaum mit weiterer Feuchte (PPW 30 bis
35 mm, über der Mitte um 25 mm) angereichert, CAPE steigt vom Oberrhein bis nach
Südbayern auf 500 bis 1000 J/kg.)
Auch wird die feuchtlabile Luft im Tagesverlauf mit der Verstärkung der
Hochdruckzone sogar wieder etwas nach Süden gedrängt.

Dennoch sind gerade über den Bergen in der Südhälfte spätestens zum Nachmittag
wieder Gewitterneubildungen zu erwarten, da gegenüber dem Vortag umso mehr die
dynamische Hebungskomponente fehlt. Aufgrund der Luftmasseneigenschaften (und
nur geringen Verlagerungsgeschwindigkeiten) sind erneut (vereinzelte) Unwetter
durch heftigen Starkregen, entlang und südlich der Donau bei moderater Scherung
und hohem CAPE auch durch großen Hagel nicht ausgeschlossen.

Bevor die Gewittertätigkeit in Gang kommt, werden in der schwülwarmen Luft
selbst nach bewölktem Start rasch 25 bis 29 Grad erreicht.
Im Norden wird unter Hochdruckeinfluss nennenswerte Wolkenbildung durch Absinken
weiterhin unterbunden und die Temperaturen bewegen sich zwischen 21 und 26 Grad,
an der Küste bei auflandigem Wind bei 17 bis 20 Grad.

In der Nacht zum Sonntag verlagert sich die Rückenachse über Deutschland zögernd
nach Osten. Damit lassen die Gewitter zudem auch mit Beendigung des Tagesgangs
nach, bzw. klingen ab. Der Norden und Nordosten bleiben in trockener Luft ruhig
und kühl mit abermals vermehrt einstelligen Tiefstwerten – bodennah in
ungünstigen Lagen bis 2 Grad.
Allerdings kommt der Westen im Laufe der Nacht auf die Vorderseite des Troges
über Westeuropa. Ein markantes Hebungsgebiet erreicht in den Frühstunden das
Grenzgebiet zu Benelux und Frankreich. So muss ausgangs der Nacht mit ersten,
teils kräftigen Gewittern im äußersten Westen und Südwesten gerechnet werden bei
Tiefstwerten zwischen 16 und 10 Grad. Da darin die subtropische Luftmasse mit
PPW bis 40 mm nochmal eine etwas intensivere Qualität bekommt, sind punktuell
Starkregenmengen bis in den Unwetterbereich nicht ausgeschlossen. Erste
Starkregensignale gibt es bei ICON-D2-EPS in Ba.-Wü. Und in Rheinlad-Pfalz bis
hin in den Unwetterbereich.

Sonntag … liegt die Mitte und der Osten Deutschlands zunächst noch unter dem
Rücken. Dessen Achse verlagert sich jedoch rasch ostwärts und so kommen wir in
den Zirkulationsbereich des Höhentiefs über den Britischen Inseln. Der davon
ausgehende Trog erreicht Frankreich und stützt ein flaches Bodentief, das von
Belgien zur holländischen Grenze zieht.
Dabei verlagert sich im Tagesverlauf eine Warmfront bis zum südlichen
Norddeutschland, wodurch erneut ein Schwall feuchtwarme Luft mit Temperaturen in
850 hPa von über 12 Grad in den Westen und Süden geführt wird. Dagegen hält sich
im Norden noch die kühlere und trockenere Luft mit Temperaturen (in 850 hPa) von
8 bis 11 Grad. Die in den Süden und Westen eingeströmte Luftmasse hat es in sich
mit PPW-Werten zwischen 35 und 40 mm und CAPEs die teilweise über 2000 J/kg
liegen (Südosten), allerdings diesmal kommt auch noch die Dynamik dazu!

In der feucht-labilen Luft im Südwesten und Süden können sich im Tagesverlauf
kräftige Gewitter entwickeln, die mit Hagel und Starkregen bis in den
Unwetterbereich verbunden sind. Dagegen ist es in der Nordosthälfte Deutschlands
heiter und trocken, auch wenn im Tagesverlauf von Südwesten Bewölkung aufzieht.
In weiten Teilen des Südens und des Ostens sind sommerliche Temperaturen bis in
den hohen 20er Bereich zu erwarten, während im Westen und Norden nur 19 bis 24°C
erreicht werden.

Der Wind weht schwach bis mäßig aus Ost und dreht im Westen und Süden auf
Südwest.

In der Nacht zum Montag ziehen Schauer und Gewitter über den Osten und über
Bayern hinweg ostwärts ab. Dabei ist die Unwettergefahr noch nicht gebannt,
obwohl die CosmoLEPS-Unwetter-Wahrscheinlichkeit gering ist.

Montag … liegt Deutschland im zyklonalen Randbereich eines von Ostengland zur
zentralen Nordsee ziehenden Zentraltiefs (Südwestströmung). Allerdings ist die
Kaltfront des Tiefs mit den Gewittern bereits nach Polen abgezogen und
südwestlich des hochreichenden Tiefs strömt von Westen und Südwesten etwas
frischere Atlantikluft nach Deutschland. Nichtsdestotrotz entwickelt sich im
Tagesverlauf Cape-ML zwischen 100 und 400 J/Kg bei PPWs um 25 mm, im Osten knapp
über 30 und im Nordwesten um 20 mm. Das reicht für einzelne Schauer und Gewitter
vor allem im Westen und in der Mitte Deutschlands. In der Fläche werden aber
meist nur Regenmengen unter 5 mm in 12 Stunden berechnet. Die
Starkregenwahrscheinlichkeiten sind nach den EPS-Ergebnissen nur gering.
Mit Werten zwischen 20 Grad in Nordseenähe und 26 Grad in der Lausitz ist es in
den meisten Gebieten nicht mehr so warm wie bisher.

Modellvergleich und -einschätzung

Die externen Modelle simulieren die Entwicklung recht ähnlich.

Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Olaf Pels Leusden