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SXEU31 DWAV 071800

S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T K U R Z F R I S T
ausgegeben am Dienstag, den 07.09.2021 um 18 UTC

Markante Wettererscheinungen:
Zunächst spätsommerliches Hochdruckwetter. Ab der Nacht zum Donnerstag von
Südwesten wechselhafter mit Schauern und Gewittern.

Synoptische Entwicklung bis Freitag 12 UTC

Aktuell … liegt Deutschland im Einflussbereich eines kräftigen Höhenrückens.
Entlang der Ostflanke des Rückens zieht eine sich abschwächende Welle über
Tschechien zum östlichen Alpenraum. Wie so oft hat die Numerik Probleme mit der
durch solch schwache Wellen ausgelösten Bewölkungsdichte, sodass heute zwar
wiederholt ausgedehnte Cirren über den Himmel ziehen, diese jedoch nachmittags
nur zeitweise/regional die Sonneneinstrahlung mindern. Besonders im Norden und
Westen scheint die Sonne meist ungestört. Eine gröbere Ausnahme bildet das
Umfeld der Deutschen Bucht, wo tiefer Stratus entlang einer schwachen
Temperaturinversion an der Oberseite einer marinen Schicht immer wieder ins
Binnenland driftet und sich dort auflöst.
Peripher der Welle liegt eine etwas feuchtere und mit 200-500 J/kg MUCAPE
geringfügig labil geschichtete Luftmasse über dem Südosten, was die dort
verstärkten und meist orografisch gebundenen Quellungen erklärt. Einzelne
Schauer, entlang des Bayerischen Waldes lokal auch gewittrig, können bis in die
Abendstunden auftreten. Sonst bleibt es deutschlandweit trocken mit abendlichen
Temperaturwerten von 17 bis 20 Grad im Küstenumfeld, 20 bis 23 Grad im gesamten
Osten und 22 bis 25 Grad im Westen/Südwesten. Der Wind weht schwach aus
östlicher Richtung, im Nordwesten von Südost auf Süd drehend und im Nordosten
aus überwiegend nördlicher Richtung.

Die Nacht zum Mittwoch verläuft zunehmend klar und trocken, besonders im Osten
können sich in der noch etwas feuchteren Luftmasse regional Nebelfelder bilden
und die Tiefstwerte liegen meist zwischen 13 und 6 Grad – am kühlsten südlich
von Alb und Donau sowie entlang der östlichen/zentralen Mittelgebirge. Im Umfeld
von Nord- und Ostsee bleibt es mit rund 16 bis 18 Grad milder.

Mittwoch … vollzieht sich die bereits heute Vormittag angesprochene
Modifikation der großräumigen Blockierungslage von einer „omega-ähnlichen
Blockierung“ hin zu einer „Hoch-über-Tief-Blockierung“. Grund hierfür ist eine
progressive Wellenverlagerung von Island nach Skandinavien, die durch
hochreichende WLA den Keil nach Osten in Richtung Polen/Ukraine drückt und
diesen zunehmend zonal ausrichtet. Das umfangreiche Bodenhoch HERMELINDE über
der Ukraine wandert zunehmend in russische Gefilde ab, belässt jedoch eine bis
zur Nordsee reichende Brücke an seiner Westflanke, die nur zögernd von Westen
abgebaut wird.
Für Deutschland hat diese Entwicklung zur Folge, dass die höchste Schichtdicke
bei der Ostverlagerung des Rückens über Deutschland geführt wird, was verstärkte
Subsidenz/Abtrocknung und somit einen deutschlandweit sonnigen Tag zur Folge
hat. Ausnahme dürfte das Umfeld der Ostsee sein, wo sich besonders bis zur
Mittagszeit ausgedehnte Stratusfelder zeitweise bis ins Küstenumfeld ausweiten.
Ob sich am Alpenrand zum Abend ein magerer Schauer entwickeln kann ist aus
heutiger Sicht noch unsicher bzw. sehr unwahrscheinlich. Die Temperaturwerte
steigen dank der häufig ungehinderten Einstrahlung auf 23 bis 27 Grad, entlang
des Rheins auch auf 28 oder 29 Grad und bleiben im Küstenumfeld mit 18 bis 23
Grad in etwas kühleren Gefilden. Der Wind weht schwach aus Ost, im Nordosten aus
Südost bis Süd.

In der Nacht zum Donnerstag zieht ein Trog von der Biskaya nach England, der
gleichzeitig seine Amplitude verringert und daher nur abgeschwächt auf den
Südwesten Deutschlands übergreift. Durch dessen Hebung ausgelöste Bewölkung bzw.
Überreste der in Frankreich ausgelösten Konvektion driften im Verlauf der Nacht
in Form von ausgedehnten Wolkenfeldern in den Südwesten. Gleichzeitig erfasst
ein breiter, jedoch nur schwach konturierter und nordostwärts ziehender
Bodentrog den Südwesten Deutschlands, der mit einer deutlich feuchteren
Luftmasse (PPWs um 30 mm) auf die Bereiche zwischen Eifel und Alb übergreift.
Vorhersagesoundings zeigen jedoch noch Reste der Absinkinversion und zudem ein
vertikal begrenztes Anfeuchte, sodass aus heutiger Sicht in diesen Regionen nur
einzelne Schauer ausgelöst werden sollten. Sonst verläuft die Nacht weiter klar
und trocken mit örtlichen Nebelfeldern. Die Tiefstwerte liegen meist zwischen 13
und 7 Grad (mit den niedrigsten Werten im Umfeld des Bayerischen Waldes). Dank
der Bewölkung bleibt es im Westen mit rund 15 Grad und im Umfeld der Nord- und
Ostsee mit rund 17 Grad milder.

Donnerstag … hat sich das Wellenmuster (Trog über der Biskaya und
„Hoch-über-Tief-Blockierung“ in (Süd)Osteuropa) soweit nach Osten verschoben,
dass die Höhenströmung besonders im Westen/Norden auf „Südwest zyklonal“
springt, während der Osten eher noch von den westlichen Ausläufern der
Antizyklone beeinflusst wird. Niedertroposphärisch sickert die feuchte und labil
geschichtete Luftmasse bis weit in den Norden und Osten von Deutschland,
allerding sorgt eine konfluente Höhenströmung (300 hPa) und nur schwach
ausgeprägte niedertroposphärische Antriebe für ein vermindertes Potenzial
konvektiver Umlagerungen. Zudem bleibt eine höhenmilde Luftmasse mit 500 hPa
Temperaturwerten von -10 bis -13 Grad bestimmend, was die vertikale
Temperaturabnahme und somit auch die tageszeitlich entwickelnden CAPE-Werte
mindert (dank der Feuchte jedoch immerhin 500-1000 J/kg MUCAPE). Aus heutiger
Sicht wird somit im Süden die Orografie zum Fokus für Zündung (Schwarzwald, Alb
und Alpenrand), während nach Westen zu auch abseits der Orografie die
Entwicklung von Schauern/Gewittern möglich erscheint. Bei von Südost nach West
von 30 auf 40 mm ansteigenden PPWs und geringer Zellverlagerung ist der
Starkregen das Hauptkriterium (markant bis lokal unwetterartig), wobei in den
stärksten Entwicklungen lokal auch Hagel und stürmische (Abwind) Böen eine Rolle
spielen können. Alles in allem aber eine überschaubare Lage.
Im Norden und Osten bleibt es hingegen sonnig und bis zum Abend trocken. Die
Höchstwerte liegen deutschlandweit zwischen 22 und schwül-warmen 28 Grad, nur
küstennah etwas kühler. Der Wind weht abseits der Konvektion schwach bis mäßig
aus Süd bis Südwest, im Nordosten aus Südost bis Ost.

In der Nacht zum Freitag schwächt sich die Konvektion bei all den
mindernden/genannten Punkten rasch ab, Schauer sind jedoch abgesehen vom
Nordosten überall möglich. Während die Nacht im Nordosten überwiegend klar
verläuft, ziehen sonst teils ausgedehnte Wolkenfelder vorüber, sodass die
Tiefstwerte mit 19 bis 15 Grad über der Mitte und dem Westen mild ausfallen.
Frischer wird es im Nordosten und im Süden mit 13 bis 10 Grad.

Freitag … verbleibt der Wellenzug dank der Blockierung über Osteuropa mehr
oder weniger vor Ort, allerdings kühlt es in der Höhe um 1 bis 2 Kelvin ab. Bei
deutschlandweit vorhandenen PPWs von 30 bis 40 mm und in der Höhe von Südwest
nach Nordost ziehenden Wellen erwartet uns überall ein wechselhafter Tag. Die
einzelnen Schauer am Vormittag entwickeln sich zum Nachmittag zu kräftigen
Schauern und Gewittern, die dank geringer Scherung und Zellverlagerung besonders
mit Starkregen einhergehen. Markant bis lokal unwetterartig kann diese
Konvektion ausfallen, wobei besonders ICON über der Mitte mit einer
hochreichenden Windscherung von 1 m/s auf quasistationäre Zellen hindeutet, was
regional das Unwetterpotenzial erhöhen würde. Schwerpunkte können sich aber in
den Folgeläufen noch ändern. Die Höchstwerte liegen bei schwül-warmen 22 bis 26
Grad und der Wind weht schwach bis mäßig aus Südwest.

Modellvergleich und -einschätzung

Bis einschließlich Donnerstag ergeben sich keine nennenswerten Unterschiede. Zum
Freitag gibt es noch Unsicherheiten, ob Wellen entlang der Ostflanke des
westeuropäischen Troges über Deutschland geführt werden, oder ob noch
antizyklonaler Einfluss überwiegt. Letzteres wird von GFS angedeutet. Davon
hängt ab, wie weit nach Nordosten die Schauer/Gewitter ausgreifen. Für diese
Kurzfrist habe ich mich für die Mehrheit entschieden und somit für einen
deutschlandweit wechselhaften Tag, denn die Lauf-zu-Lauf Konsistenz ist bei
allen Modellen recht gut (Hurrikan LARRY greift ja auch noch nicht direkt in das
außertropische Wettergeschehen ein).

Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Helge Tuschy