SYNOPTISCHE UEBERSICHT MITTELFRIST

S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T M I T T E L F R I S T
ausgegeben am Samstag, den 07.03.2020 um 10.30 UTC

Zeitweise starke bis stürmische Böen, im höheren Bergland und an der See
Sturmböen. Zunächst überall regnerisch, zur Wochenmitte vor allem über der Mitte
Regen, im Norden Schauer, im Süden meist trocken. Zunächst mild bis sehr mild,
zum Freitag überall kühler, an den Alpen Neuschnee.

Synoptische Entwicklung bis zum Samstag, den 14.03.2020

Dienstag … wölbt sich über Westeuropa ein mächtiger Rücken auf, dessen
Ausdehnung nach Mitteleuropa aber nur langsam vor sich geht. Gestützt wird
dieser durch kräftige WLA, die den Westen des Landes bereits in den
Vormittagsstunden beeinflusst. Die Warmfront des Bodentiefs, das sich zum
Mittagstermin etwas nördlich von Schottland befindet, passiert voraussichtlich
in den Vormittagsstunden die westliche Landesgrenze. Aus dieser Konstellation
resultiert in weiten Teilen des Bundesgebiets stratiformer Regen, der gegen
Mittag bereits die Oder und Niederbayern erreicht. Dabei ist die Intensität
meist mäßig, wobei vorübergehend auch starker Regen möglich ist. Der
herangeführten Luftmasse muss das Prädikat „sehr mild“ verliehen werden, die
T850 steigt zunehmend auf über 5 Grad an. Außerdem verstärkt sich der Gradient
etwas, sodass starke bis stürmische Böen wahrscheinlich sind, auf den Bergen
sind teils schwere Sturmböen möglich. In der Nacht zum Mittwoch zieht das
Bodentief weiter in Richtung Südschweden, dabei kommt die Kaltfront etwa bis zur
Mitte Deutschlands voran und wird anschließend leicht rückläufig. Entlang und
südlich der Luftmassengrenze muss mit weiterem Regen gerechnet werden, wobei
EZMW im Süden nun auch längere trockene Phasen zulässt. Geschuldet ist dies
einem schwachem Bodenkeil, der seine Fühler – gestützt durch den sich nach
Osteuropa ausdehnenden Rücken – in Richtung Süddeutschland ausstreckt.
Unterstützt wird diese Variante durch GFS. Die Schneefallgrenze steigt in den
Alpen auf über 2000 m an. Je nachdem wie lange die Regenfälle an den Alpen
anhalten, sollte auch das Warnelement „Tauwetter“ im Auge behalten werden. Der
weiterhin vorhandene mäßige Gradient sorgt weiterhin für starke bis stürmische
Böen.

Mittwoch … zonalisiert die Höhenströmung über West- und Mitteleuropa. Der
Rücken überdeckt nun große Teile Südwesteuropas, wobei die Keilachse von
Mittelitalien zum Balkan gerichtet ist. Während in Süddeutschland die Isohypsen
in 500hPa sogar leicht antizyklonal gekrümmt sind, verlaufen diese im Norden
zonal. Die aus der leicht rückläufigen Kaltfront resultierende Luftmassengrenze
bleibt über der Mitte Deutschlands liegen und trennt mäßig warme Meeresluft im
Norden von ein paar Grad wärmerer Luft im Süden (T850 zwischen -1 und +7 Grad).
Die kräftigsten Regenfälle sind daher von NRW und RLP bis nach Sachsen zu
erwarten, in den Staulagen der Mittelgebirge ist die Überschreitung von
Dauerregenschwellen möglich. Weiterhin ist GFS auf der Linie von EZMW, ICON
lässt hingegen die Kaltfront die Alpen erreichen mit entsprechenden
Niederschlägen im Süden. Diese Variante außer Acht gelassen, steigen die
Temperaturen im äußersten Norden auf bis zu 10 Grad, im Süden und Südwesten sind
bis zu 16 Grad möglich. In der Nacht zum Donnerstag ändert sich an der
synoptischen Grundkonstellation nur wenig. Weiterhin muss vor allem über der
Mitte des Landes mit weiteren Regenfällen gerechnet werden. Nachtfröste sind
kein Thema. Tagsüber sind vor allem im Norden teils stürmische Böen möglich,
nach Süden zu fächert der Gradient etwas auf. In der Nacht flaut der Wind
abseits der See und des Berglandes zunehmend ab.

Donnerstag … greift ein flacher Langwellentrog auf Irland und Großbritannien
über. Daher dreht die Höhenströmung über Mitteleuropa leicht auf südwestliche
Richtung. Die nach wie vor vorhanden Luftmassengrenze über der Mitte kommt
weiterhin nur sehr schleppend nach Süden voran und beeinflusst ungebrochen vor
allem die mittleren Regionen mit zeitweiligem Regen. Mit der weiteren Ausdehnung
des Langwellentroges in Richtung nördliches Mitteleuropa und eines von Dänemark
in Richtung Nordosteuropa ablaufenden Randtroges wird jedoch zunehmend schwache
KLA induziert, die die Kaltfront vor allem im Westen aktiviert und etwas nach
Süden drückt. Die Regionen südlich der Donau werden vom Regen aber noch nicht
tangiert. Das Thema Wind bleibt weiterhin auf der Tagesordnung: im Norden starke
bis stürmische, im Süden meist nur einzelne starke Böen. Es wird vor allem im
Süden sehr mild mit bis zu 18 Grad. Im Laufe der Nacht zum Freitag erreicht die
Trogachse eine Linie vom Skagerrak bis zur Bretagne. Die Kaltfront führt vor
allem in den südlichen Landesteilen zu Regen und erreicht die Alpen nach
Mitternacht. Postfrontal gibt es über der Nordhälfte mit der zunehmend
einsickernden höhenkalten Luft ein paar Schauer, die bei T850 von -4 bis -6 Grad
durchaus bis 300 m herab als Schnee daherkommen können. An den Alpen liegt die
Schneefallgrenze in den Frühstunden bei etwas unter 1000 m (T850 sinkt gegen 0
Grad), Glätte ist daher nur am höheren Alpenrand ein Thema. Der Wind flaut
abseits der See im Laufe der Nacht wieder ab.

Freitag … verlagert sich der Langwellentrog langsam ostwärts und überdeckt
zunehmend große Teile des nördlichen Mitteleuropas. Dabei kristallisieren sich
zwei maßgebliche Prozesse heraus: An den Alpen die Niederschläge (bis 700 m
herab als Schnee) der schleifenden Kaltfront und im Norden eine rege
Schauertätigkeit aufgrund der Labilisierung durch die höhenkalte Luft (T500 um
-35 Grad). Die eine oder andere Flocke kann sich dabei auch bis in tiefe Lagen
verirren, hat aber dort aufgrund der warmen Böden keine Überlebenschance. In
Schauernähe sind starke Böen möglich, sonst tritt der Wind eher in den
Hintergrund. In der Nacht zum Samstag zieht der Trog nach Osten ab. Nachfolgend
setzt sich vor allem am Boden antizyklonaler Einfluss durch. Die Niederschläge
klingen daher im Laufe der Nacht ab und die Wolken lockern etwas auf. Auf
mögliche Glätte muss dann geachtet werden.

Samstag … ergibt sich aufgrund des rasch nach Osten wandernden Hochs im
Tagesverlauf eine Hochrandlage. Obwohl sich an der Temperierung der
eingeflossenen frischen Meeresluft nur langsam etwa ändert, reicht der
Sonnenstand Mitte März wohl aus, um die Temperaturen wieder über die
10-Grad-Marke zu treiben. Die Sonne hat dabei vor allem im Süden die besten
Chancen, denn im Nordwesten ziehen bereits die hohen Wolken einer sich
annähernden Warmfront auf. Diese sorgt in der Nacht dort für Regen, sonst bleibt
es trocken und teils klar bei leichtem Frost.

Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs

Die zunächst maßgebliche Großwetterlage (West zyklonal, inklusive der Troglage
am Freitag) wird ziemlich konsistent gerechnet. Allerdings setzt sich der Trend
fort, dass die Kaltfront Mitte der Woche von Lauf zu Lauf etwas später simuliert
wird. Außerdem wird diese nach dem neuesten Lauf bereits über der Mitte
Deutschlands rückläufig, sodass der Süden Deutschlands sowohl am Mittwoch, als
auch am Donnerstag in der milderen Luftmasse verbleibt. Außerdem ist es dort
meist trocken, während über der Mitte im Bereich der Luftmassengrenze Regen
fällt. Zum Wochenende nimmt die Unsicherheit deutlich zu, wobei der Trend am
Samstag in Richtung Zwischenhoch geht, ehe am Sonntag eine Warmfront auf den
Nordwesten übergreift.

Vergleich mit anderen globalen Modellen

Maßgebliche Unterschiede ergeben sich bei der Lage der Luftmassengrenze am
Mittwoch. ICON lässt diese und den damit einhergehenden Regen bis zu den Alpen
ausgreifen, während bei EZMW die Front über der Mitte Deutschlands verharrt.
Außerdem weist GFS einen etwas stärkeren antizyklonalen Einfluss auf. Die Lage
der Luftmassengrenze bzw. der sich aktivierenden Kaltfront ist auch am
Donnerstag von Relevanz, allerdings gleichen sich die Modelle dabei wieder an.
Ab dem Samstag ergeben sich dann deutliche Unterschiede: GFS rechnet ein starkes
kleinräumiges Tief über West- und Mitteleuropa, ICON mit einem Abtropfprozess
über dem westlichsten Europa, einer auf Südwest drehenden Höhenströmung und der
damit einhergehenden Rückläufigkeit der an den Alpen liegenden Front.

Bewertung der Ensemblevorhersagen

EPS:
Die Rauchfahnen für repräsentative Orte in Deutschland stützen im Wesentlichen
die deterministischen Aussagen. Die wechselhafte, niederschlagsreiche
Witterungsperiode zeigt sich in vielen Landesteilen, wobei die Luftmasse im
Süden und der Mitte meistens etwas wärmer ist als im Norden. Die Unsicherheiten
im genauen Timing sowie der Lage der Luftmassengrenze zeigen sich auch bei den
Ensembles – leichte zeitliche und räumliche Verschiebungen der Niederschläge
sind daher durchaus noch wahrscheinlich. Mit dem Trogvorstoß zum Freitag geht
auch das Temperaturniveau etwas zurück, an den Alpen kommt nochmals etwas Schnee
hinzu.

CLUSTER:
+120h … 168h: die Cluster zeigen fast alle in eine Richtung: positive NAO. Das
sowohl vom Hauptlauf, als auch vom Kontrolllauf gestützte Cluster 1 beherbergt
20 Member. Zum Ende des Zeitraums geht es in Richtung atlantischer Rücken.
Cluster 2 mit einer Population von 17 wartet bis Freitag mit einem stärkeren
Rücken über Südeuropa auf. Der anschließende Trogdurchgang ist aber
übereinstimmend zu Cluster 1.
192 … 240h: wird das Bild deutlich differenzierter. Cluster 1 mit 14 Member
schwenkt zunehmend auf negative NAO. Bei den anderen 4 Cluster ergibt sich ein
buntes Bild mit allen möglichen Grundmustern. Maßgeblich dürfte ein möglicher
Abtropfprozess über dem Ostatlantik bzw. Westeuropa sein. In der Hinsicht
ergeben sich Vergleichbarkeiten zur deterministischen ICON-Variante.

Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen

WIND:
Am Dienstag sind im Nordwesten, in der Nacht zum Mittwoch auch im Osten einzelne
stürmische Böen wahrscheinlich (EZMW-EPS bis 50%). An der See sind auch
Sturmböen möglich, im höheren Bergland wahrscheinlich. Am Mittwoch sind
bundesweit stürmische Böen wahrscheinlich, wobei der Schwerpunkt im Norden und
der Mitte liegen dürfte. Die höchste Wahrscheinlichkeit für Sturmböen besteht
wieder an der Küste sowie auf den Bergen. In der Nacht zum Donnerstag flaut der
Wind im Süden ab, während er im Norden erhalten bleibt. Am Donnerstag wiederholt
sich das Spiel vom Vortag mit stürmischen Böen, wobei die Wahrscheinlichkeit für
Sturmböen abseits der Küsten auch etwas ansteigt. Ab Freitag gehend die
Wahrscheinlichkeit für stürmische Böen generell zurück.

REGEN:
Zwischen der Nacht zum Dienstag und Donnerstag sind in den Staulagen der
westlichen und zentralen Mittelgebirge Warnungen vor Dauerregen mit Mengen
zwischen 40 und 60 l/qm gering wahrscheinlich (EZMW-EPS geringe
Wahrscheinlichkeiten). Die hohen Mengen für den Schwarzwald und den westlichen
Alpenrand wurden mit der neuen EZMW-Variante verworfen.

SCHNEE:
Am Freitag an den Alpen oberhalb von 800 m mehr als 10 bis 15 cm in 12 bis 18
Stunden gering wahrscheinlich.

Basis für Mittelfristvorhersage
EZMW-det./EZMW-prob./MOSMIX

VBZ Offenbach / Mag.rer.nat. Florian Bilgeri