DWD -> Thema des Tages – TT

Thema des Tages

Es ist noch nicht Sommer!

Im heutigen Thema des Tages wird versucht die zum Teil verzerrte Wahrnehmung des aktuellen Wettergeschehens, auch im Vergleich zum letzten Jahr, etwas zu Recht zu rücken.

Im vergangenen Jahr haben die „sommerlichen“ Frühlingsmonate April und Mai jeweils einen neuen Allzeitrekord bei der
Durchschnittstemperatur aufgestellt. Die Abweichungen zu den vieljährigen Mittelwerten lagen bei fünf bzw. knapp vier Grad. Dass neue Rekorde an zwei Monaten in Folge aufgestellt werden, gab es bis dato seit Aufzeichnungsbeginn noch nicht. Nun waren nicht nur der April und Mai überdurchschnittlich, ganze dreizehn Monate am Stück verblieb das Monatsmittel über den vieljährigen Mittelwerten. Das ist ebenfalls ein neuer Rekord.

Angesichts der beeindruckenden Bilanz des zurückliegenden Jahres kann der diesjährige Mai schonmal schnell mit negativen Superlativen aller Art bedacht werden. Studien haben zudem gezeigt wie schnell sich der Mensch an eine Verschiebung der Durchschnittstemperatur gewöhnt und diese als neues Maß für das aktuelle Wetter zu Grunde legt.

Natürlich lässt sich nicht von der Hand weisen, dass der Mai in diesem Jahr kein Wonnemonat gewesen ist. Klar ist auch, dass die Serie überdurchschnittlich warmer Monate nun reißen wird. Ohne die Details vorweg zu nehmen, wird der Mai landesweit
unterdurchschnittlich ausfallen. Dennoch bleibt ganz nüchtern festzustellen, dass dies nur ein einziger Monat gewesen ist. Es war statistisch mehr als überfällig, dass nun auch einmal negative Abweichungen registriert werden.

Darüber lässt sich aber weder eine klimatologische Aussage machen, noch ein Rückschluss auf den bevorstehenden auf den Sommer 2019 ziehen. Für Klimabetrachtungen bräuchte es mindestens 360 Monate (30 Jahre) um eine einigermaßen fundierte Aussage treffen zu können. Selbst wenn also auch der Rest des Jahres und der diesjährige Sommer unterdurchschnittlich ausfallen sollten, hätte das noch keine klimatologische Relevanz. Dazu kommt noch die Tatsache, dass bei den Betrachtungen der Fokus nur auf Deutschland gesetzt ist. Ein Blick über den Tellerrand hinaus zeigt, dass die Rekordwerte im
diesjährigen Mai, bedingt durch die Großwetterlage, stattdessen in Westrussland zu finden sind. So wurden beispielsweise am 12. Mai nahe dem Polarkreis (64.8° N, Koynas (RUS)) knapp 31 Grad gemessen. Auch in Portugal und Israel gab es für Mai außergewöhnliche Hitzewellen. Beispielsweise wurde am 13. Mai im südlichen Portugal die 38 Grad Marke geknackt. In Tel Aviv stieg das Quecksilber am 23. Mai auf 44 Grad.

Zurück zu Deutschland, wo zu Beginn der Woche erneut eine kühlere Phase mit Durchzug einer Kaltfront eingeleitet wird. Am bayerischen Alpenrand setzt ab dem Abend Dauerregen ein, der in Staulagen bis Mitte der Woche sogar unwetterartig ausfallen kann. Der Mai 2019 bleibt sich also treu.

Lassen wir das Alltagsgrau aber einfach mal hinter uns und schauen nach vorne. Rasch wird man feststellen, dass wir uns ja eigentlich noch im Frühjahr befinden. Kalendarisch dauert es noch bis zum 21. Juni, meteorologisch definiert beginnt der Sommer aber am kommenden Samstag, dem 1. Juni.

Und was macht das Wetter? Das bewegt sich auf Sommerkurs. Noch nicht vollumfänglich und überall, aber mit jedem Tag ein bisschen mehr. Zum Sonntag sind, abgesehen vom Norden (20 bis 24 Grad), überall Höchstwerte im Sommerbereich zu erwarten (25 bis 29 Grad). Natürlich nehmen die Unsicherheiten in weiterer Folge zu, die Zeichen stehen aber nicht schlecht, dass dem Sommer damit ein meteorologischer Punktstart gelingt und größere Kälterückfälle der Vergangenheit angehören.

Bleibt festzuhalten: Ein Monat macht noch kein Klima und man sollte den Sommer nicht abschreiben, bevor er wirklich angefangen hat.

Dipl.-Met. Marcus Beyer
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 27.05.2019

Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

Diesen Artikel und das Archiv der „Themen des Tages“
finden Sie unter www.dwd.de/tagesthema

Weitere interessante Themen zu Wetter und Klima finden
Sie auch im DWD-Wetterlexikon unter: www.dwd.de/lexikon

DWD -> Thema des Tages – TT

Thema des Tages

Numerische Wettervorhersage – Ensemblevorhersagen zur Abschätzung der Vorhersageunsicherheit

Auch die besten Wettervorhersagemodelle können das Wetter nur bis zu einer gewissen Zeit in die Zukunft präzise vorhersagen. Im heutigen Thema des Tages wird erklärt, wie man die (Un-)sicherheit einer Wettervorhersage abschätzen kann.

Heutzutage berechnen komplexe Computerprogramme (sogenannte „numerische Wettervorhersagemodelle“) die physikalischen Prozesse in der Atmosphäre. Als Ergebnis erhält der Meteorologe Informationen über die zeitliche und räumliche Entwicklung der atmosphärischen Größen wie Temperatur, Luftdruck, Wind oder Niederschlag, die er schließlich zu einer Wettervorhersage kombiniert. Allerdings wird mit fortschreitender Vorhersagedauer jede Wetterprognose immer ungenauer und hat irgendwann nichts mehr mit der tatsächlich eintreffenden Wetterlage zu tun.

Für den Vorhersage-Meteorologen ist es von besonderem Interesse, zu wissen, wie weit in die Zukunft die Vorhersage noch „brauchbar“ ist. Eine immer gültige Faustregel hierfür gibt es nämlich nicht. Während bei beständigen Wetterlagen eine zutreffende Prognose manchmal bis über eine Woche hinaus möglich ist, kann in anderen Fällen die Vorhersage schon nach wenigen Tagen stark von der tatsächlich eintreffenden Wetterlage abweichen. Interessiert man sich sogar für relativ kleinräumige Wetterphänomene (z.B. Gewitter), dann können unter Umständen schon für den Folgetag erhebliche Unsicherheiten entstehen.

Doch wie weit in die Zukunft ist eine Wetterprognose nun zuverlässig? Stünde dem Meteorologen nur eine einzige Modellberechnung zur Verfügung, könnte er diese Frage nicht beantworten. Sie beschreibt lediglich EINE mögliche Entwicklung des zukünftigen Wetters. Da die Modelle aber alle paar Stunden neu gestartet werden, kann man die neueste Vorhersage mit der vorherigen vergleichen. Ab einer gewissen Vorhersagezeit werden sich die Ergebnisse unterscheiden, sodass spätestens ab diesem Zeitpunkt die Vorhersage offensichtlich unsicher wird. Da die Wetterdienste verschiedener Nationen unterschiedliche Modelle entwickelt haben, besteht zudem die Möglichkeit, die Vorhersagen der verfügbaren Modelle zu vergleichen. Zeigen sie ab einem bestimmten Tag abweichende Wetterlagen, so wird die Vorhersage für die darauffolgenden Tage unsicher.

Die heutigen Hochleistungsrechner ermöglichen es außerdem, mit dem gleichen Modell zur selben Zeit nicht nur eine, sondern mehrere Vorhersagen zu erstellen. Dabei macht man sich die Ungenauigkeiten des Modells selbst zu Nutze. Schon der Anfangszustand der Atmosphäre als Beginn einer jeden Vorhersage kann niemals exakt bestimmt werden, da uns keine lückenlosen dreidimensionalen Wetterinformationen vorliegen und kein Messgerät absolut exakt misst (s. Thema des Tages vom 17. März.). Bereits kleinste Abweichungen vom tatsächlichen Wetterzustand führen aber früher oder später zu deutlichen
Unterschieden in den Modellergebnissen. Verändert man mittels statistischer Methoden den Anfangszustand geringfügig und nimmt diese leicht unterschiedlichen Ergebnisse als Startpunkt für die einzelnen Modellvorhersagen, wird sich dies auf den Verlauf der berechneten Vorhersage auswirken. So erzeugt der Deutsche Wetterdienst mit seinem Modell „ICON“ zum selben Zeitpunkt 40 unterschiedliche
Modellvorhersagen. Anfangs werden die Prognosen der einzelnen Modelläufe noch relativ ähnlich aussehen, weiter in der Zukunft unterscheiden sie sich aber zusehends.

Andere nationale Wetterdienste verfahren mit ihren Modellen ähnlich. Die beigefügte Grafik zeigt zwei Beispiele des Ensembles des amerikanischen Modells „GFS“. Dargestellt ist der Verlauf der Temperatur in etwa 1500 m Höhe als eine für den Meteorologen wichtige Schlüsselgröße. Im ersten Beispiel unterscheiden sich die
Temperaturen bis zum sechsten Folgetag (22. April) nur geringfügig voneinander, danach gehen die einzelnen Kurven schlagartig
unterschiedliche Wege. Ab diesem Zeitpunkt wird die Vorhersage also unsicher. Im zweiten Beispiel werden die Weichen für die zukünftige Wetterentwicklung offensichtlich schon nach weniger als zwei Vorhersagetagen gestellt (9. März). Somit war damals eine
zuverlässige Wettervorhersage für mehrere Tage kaum möglich. Bei genauerer Betrachtung kann man zudem die einzelnen Kurven in Gruppen einteilen, die einen ähnlichen Weg einschlagen und danach beurteilen, welche der möglichen Temperaturverläufe am wahrscheinlichsten ist. Somit kann man beispielsweise abschätzen, wie wahrscheinlich es ist, dass uns in den nächsten Tagen eine Hitzewelle oder ein Kälterückfall droht. Eine Garantie ist das aber nicht, manchmal setzt sich auch eine „Außenseiterlösung“ durch. Eine detailliertere Erläuterung zur Bedeutung der einzelnen Kurven finden Sie übrigens im Thema des Tages vom 21.03.2018.

Die Ensembleprognosen liefern unserem Mittelfrist-Meteorologen, der sich mit dem Wetter der kommenden vier bis zehn Tage befasst, sehr hilfreiche Informationen, um die Unsicherheit der Wettervorhersage für diesen Zeitraum abzuschätzen. Neben der 10-Tage-Vorhersage verfasst er täglich einen ausführlichen Bericht (Synoptische Übersicht Mittelfrist), in dem die Vorhersagen der unterschiedlichen Wettermodelle und die Ensembles analysiert werden. Der interessierte Hobbymeteorologe darf gerne einmal einen Blick in diesen Bericht werfen (s. unten angefügter Link).

Dr. rer. nat. Markus Übel (Meteorologe)
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 26.05.2019

Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

Diesen Artikel und das Archiv der „Themen des Tages“
finden Sie unter www.dwd.de/tagesthema

Weitere interessante Themen zu Wetter und Klima finden
Sie auch im DWD-Wetterlexikon unter: www.dwd.de/lexikon

DWD -> Thema des Tages – TT

Thema des Tages

Das Wetter zur Europawahl 2019

Am morgigen Sonntag ist Europawahltag. Heute geben wir einen kurzen Ausblick zum erwarteten Wetter in Deutschland.

Die Europäische Union (EU) ist ein Verbund von derzeit 28
Mitgliedstaaten. Außerhalb des geografischen Europas umfasst die EU Zypern und einige Überseegebiete. Mehr als 500 Millionen Menschen leben in der EU. Vom 23. bis 26. Mai findet die Europawahl 2019 statt, bei der rund 400 Millionen Teilnahmeberechtigte ein neues Parlament wählen dürfen. Am morgigen Sonntag können nun unter anderem die deutschen Bürger ihre Stimme abgeben.
Zur Europawahl 2019 ist Deutschland wettermäßig dreigeteilt: Ein Tiefdruckkomplex über Nordeuropa mit mehreren Zentren (CLAUDIUS I und II und BERNHARD) beeinflusst das Wetter in Norddeutschland. Die Mitte profitiert von einem Ableger des „Azorenhochs“, während der äußerste Süden Deutschlands mit den Resten der eingeflossenen feuchteren Luft zu „kämpfen“ hat, siehe Abbildung.
In Schleswig-Holstein, Hamburg und Ostfriesland (blauer Bereich in der Abbildung) braucht man beim Gang zum Wahlbüro einen windfesten Regenschirm oder eine gute Regenjacke, denn es regnet mehr oder weniger den ganzen Tag. Dazu weht ein mäßiger bis frischer, in Böen starker Südwestwind und die Temperatur steigt maximal auf Werte zwischen 13 und 17 Grad. Vom Emsland bis nach Vorpommern und in die Uckermark dauert es bis zum frühen Nachmittag, ehe der Regen dort ankommt. Wer also im Trockenen zur Wahl gehen möchte, sollte dies vormittags tun. Der Südwestwind weht schwach bis mäßig, in Böen frisch und die Höchstwerte liegen bei 19 Grad.
Deutlich besser durch den Tag kommt die breite Mitte und Teile Süddeutschlands (gelber Bereich in der Abbildung). Sonne und einige Wolken wechseln sich bei angenehmen 20 bis 24 Grad ab. Den
Regenschirm kann man getrost zu Hause lassen. Der Westwind ist zudem nur leicht spürbar.
Richtung Alpen steigt im Tagesverlauf in der feuchteren Luft das Schauer- und Gewitterrisiko etwas an (orangener Bereich in der Abbildung). Bevor man das Haus verlässt, sollte man also einen Blick in den Himmel werfen, um bösen Überraschungen vorzubeugen. Ansonsten wird es mit 20 bis 25 Grad und einem schwachen Westwind für viele ein angenehmer Tag sein.

Dipl.-Met. Marco Manitta
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 25.05.2019

Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

Diesen Artikel und das Archiv der „Themen des Tages“
finden Sie unter www.dwd.de/tagesthema

Weitere interessante Themen zu Wetter und Klima finden
Sie auch im DWD-Wetterlexikon unter: www.dwd.de/lexikon

DWD -> Thema des Tages – TT

Thema des Tages

Wie Wetter Paten schafft: Die Wetterpatenschaft

Hoch- und Tiefdruckgebiete ohne Name? Heutzutage undenkbar. Ein Blick zurück auf die Entwicklung dieser Erfolgsgeschichte und ein Vorschlag zur eigenen aktiven Beteiligung am Wettergeschehen.

Der Nachwuchs ist unterwegs, aber noch kein passender Name gefunden? Oder der weibliche Vorname mit sieben Buchstaben,“O“ am Anfang und „A“ am Ende will einem beim Kreuzworträtsel einfach nicht einfallen? Dann könnte vielleicht ein Blick auf die Wetterkarte die zündende Idee liefern. Denn die Kombination aus Druckgebilde und Vorname ist aus diesen nicht mehr wegzudenken.

Vorreiter diesbezüglich waren die USA. Der US-Wetterdienst begann im 2.Weltkrieg damit, Taifune, also tropische Wirbelstürme über dem Pazifik, mit Vornamen zu versehen. Der Grund hierfür war recht simpel: Man konnte dadurch deutlich leichter den Überblick über das aktuelle Wettergeschehen behalten. Dies machte sich vor allem dann bezahlt, wenn nicht nur ein, sondern gleich mehrere Taifune unterwegs waren. Diese Vorgehensweise war so erfolgreich, dass man sich entschied, in Zukunft auch Hurrikane (tropische Wirbelstürme über dem Atlantik) zu benennen.

In Deutschland vergingen noch einige Jahre, ehe man auch hier „das Kind beim Namen nannte“. 1954 schlug die damalige Studentin des Instituts für Meteorologie der FU Berlin, Karla Wege, vor, den Druckgebilden, die das Wetter in Mitteleuropa beeinflussen, jeweils einen Vornamen zu geben. Seitdem vergibt das meteorologische Institut der FU Berlin diese Vornamen und zwar in alphabetischer Reihenfolge, d.h. man beginnt bei „A“, endet bei „Z“ und startet danach wieder einen neuen Durchgang.

Nach jahrzehntelanger medialer Unbedeutendheit stieg der
Bekanntheitsgrad dieser Praktik erst Ende Februar 1990 rasant an, als mit VIVIAN und WIEBKE gleich zwei Orkantiefs kurz hintereinander in Deutschland und Umgebung wüteten. Seither sind Vornamen für Hochs und Tiefs in der Medienwelt kaum noch wegzudenken. In den 90ern wurde dann aber auch rasch Kritik an der Namensvergabe laut, denn bis dato war es üblich, Tiefdruckgebieten stets weibliche und
Hochdruckgebieten männliche Vornamen zu verpassen. Die damit einhergehenden Diskussionen führten schließlich dazu, dass es seit 1998 auf den Wetterkarten fair zugeht: In geraden Jahren besitzen die Tiefs weibliche und die Hochs männliche Vornamen. In ungeraden Jahren (wie in diesem) ist es genau umgekehrt.

Im November 2002 entstand dann die Aktion „Wetterpate“. Dabei werden die alphabetischen Namenslisten nicht mehr allein vom
meteorologischen Institut der FU Berlin, sondern mit Unterstützung der Bevölkerung erstellt. Das bedeutet, dass Sie seitdem die Möglichkeit haben, Wetterpate zu werden und ein Druckgebilde selbst zu benennen. Sie können somit also aktiv in das Wettergeschehen „eingreifen“…zumindest auf der Wetterkarte.

Allerdings möchte so eine „Taufe“ natürlich auch bezahlt sein. Sie kostet für ein Tief im Normalfall 199 und für ein Hoch 299 Euro (zzgl. MwSt.). Manchmal werden Druckgebilde aber auch von der FU Berlin auf eBay zur Versteigerung angeboten. Wie sie sehen, hat ein Hoch nicht nur einen höheren Luftdruck, sondern auch einen höheren Preis als ein Tief. Der Grund hierfür liegt darin, dass
Hochdruckgebiete im Allgemeinen beständiger und somit auch länger auf der Wetterkarte zu sehen sind als Gebiete tiefen Drucks. Im Schnitt werden pro Jahr etwa 50-60 Hochs und ca. 150 Tiefs „getauft“.

Das Geld kommt der studentischen Wetterbeobachtung an der
Wetterstation Berlin-Dahlem zu Gute, die seit März 2002 für die ununterbrochene Fortführung der über hundertjährigen
Beobachtungsreihe sorgt.

Zum Abschluss für unsere „Kreuzworträtsler“ hier noch ein Vorschlag für den weiblichen Vornamen mit sieben Buchstaben: „Ophelia“. So heißt nämlich das am heutigen Freitag für uns in Deutschland noch wetterbestimmende Hoch.

Dipl.-Met. Tobias Reinartz
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 24.05.2019

Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

Diesen Artikel und das Archiv der „Themen des Tages“
finden Sie unter www.dwd.de/tagesthema

Weitere interessante Themen zu Wetter und Klima finden
Sie auch im DWD-Wetterlexikon unter: www.dwd.de/lexikon

DWD -> Thema des Tages – TT

Thema des Tages

Ein regional historisches Dauerregenereignis

Die Dauer- und Starkniederschläge, die von Montag bis Mittwoch Teile Deutschlands heimgesucht haben, sind abgeklungen. Hoch OPHELIA schiebt sich von Westen ins Land und sorgt für eine Wetterberuhigung. Das ist der perfekte Zeitpunkt, um ein Resümee zu ziehen.

Am Ende einer Unwetterlage stellen wir uns vom Deutschen Wetterdienst immer die Frage, wie das Geschehene historisch und im Hinblick auf andere vergleichbare Ereignisse einzuordnen ist. Dies ist
gleichbedeutend mit der Fragestellung, wie „ungewöhnlich“ eine bestimmte Wettersituation war. „Nackte Zahlen“ in Form von reinen Niederschlagssummen eignen sich kaum dafür, zumal man in den verschiedenen Regionen Deutschlands ganz unterschiedliche
Niederschlagsmengen „gewöhnt“ sein kann.

Um Starkregenereignisse statistisch einordnen zu können, wurden daher umfangreiche, zwischen Hydrometeorologen und Wasserwirtschaftlern koordinierte Starkniederschlagsregionalisierungen vorgenommen. Die Ergebnisse werden in der Datenbank „KOSTRA-DWD“ zusammengeführt und beruhen in der neusten Version auf Messdaten des Zeitraumes zwischen 1951 und 2010. Mit Hilfe dieser Datenbank können Aussagen zu den Niederschlagshöhen in Abhängigkeit von der Niederschlagsdauer (der sog. Dauerstufe, 5 Minuten bis 72 Stunden) und der Wiederkehrzeit (der sog. Jährlichkeit, 1 Jahr bis 100 Jahre) getroffen werden. Neben der rein meteorologischen Einordnung eines Starkregenereignisses stellt die Dimensionierung wasserwirtschaftlicher Bauwerke wie Kanalnetze, Kläranlagen, Pumpwerke und Rückhaltebecken einen weiteren wesentlichen Anwendungsbereich der KOSTRA-DWD-Datenbank dar.

Forscher der Klima- und Umweltabteilung des DWD nutzten die Datenbank nun, um das Stark- bzw. Dauerregenereignis der vergangenen Tage zu analysieren, zu bewerten und schließlich historisch einzuordnen. Die beobachteten Niederschlagsmengen des Zeitraumes von Montag (21.05., 05:50 UTC) bis Mittwoch (22.05., 05:50 UTC) wurden mit den in der KOSTRA-Datenbank befindlichen mittleren 48-stündigen
Starkniederschlagshöhen für die verschiedenen Wiederkehrzeiten (1 Jahr bis 100 Jahre) abgeglichen (siehe Grafik auf
https://www.dwd.de/DE/wetter/thema_des_tages/2019/5/23.html).

Demnach ergibt sich insbesondere für Teile des südlichen
Alpenvorlandes, Ost- und Mittelhessen sowie Ostwestfalen eine Jährlichkeit des Ereignisses von 20 bis 50 Jahren, punktuell – insbesondere im Allgäu – auch von 100 Jahren und mehr. Auch sonst liegt die Wiederkehrzeit in einem Streifen vom nördlichen bis zum zentralen Mittelgebirgsraum sowie gebietsweise im Süden Deutschlands bei 5 bis 20 Jahren.

Man kann also sagen, dass das Starkregenereignis der letzten Tage für die genannten Regionen ein außergewöhnliches – und damit potenziell auch schadensträchtiges Ereignis darstellte. Denn die
wasserwirtschaftlichen Bauwerke und Entwässerungssysteme sind nicht auf statistisch betrachtet derart seltene Ereignisse ausgelegt und auch die natürlichen, örtlichen Entwässerungssysteme (Bäche, kleine Flüsse etc.) waren mit den Wassermassen überfordert. So kam es regional zu Überflutungen und Hochwasser. Die Flusspegel erreichten vor allem im Süden zum Teil Hochwassermarken mit 2- bis 5-jähriger, vereinzelt auch 10- bis 20-jähriger Wiederkehrzeit.

Wenigstens besteht Hoffnung, dass sich so etwas nicht so schnell wiederholt. Denn eine Wiederkehrzeit von 100 Jahren bedeutet schließlich nichts anderes, als dass ein solches Starkregenereignis in der betrachteten Region nur alle 100 Jahre vorkommt – zumindest rein statistisch. Leider hält sich das Wetter nicht unbedingt an Statistik, sodass nicht ausgeschlossen werden kann, dass ein solches 100-jähriges Ereignis also durchaus auch öfter als einmal in einem Jahrhundert auftreten kann (man erinnere sich an die beiden „Jahrhundertfluten“ in Deutschland 2002 und 2013). Achja, und dann wäre da noch der Klimawandel als „Unbekannte“, der die Karten für die Zukunft neu mischen könnte – aber das soll an dieser Stelle nicht weiter thematisiert werden.

Dipl.-Met. Adrian Leyser
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 23.05.2019

Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

Diesen Artikel und das Archiv der „Themen des Tages“
finden Sie unter www.dwd.de/tagesthema

Weitere interessante Themen zu Wetter und Klima finden
Sie auch im DWD-Wetterlexikon unter: www.dwd.de/lexikon