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Thema des Tages

Die gespaltene Front

Tagtäglich gehört der Blick auf die Erde aus dem Weltall zur Arbeit eines Meteorologen. Mithilfe unzähliger Satelliten ist es heutzutage möglich, die unterschiedlichsten Wolkenstrukturen und deren Entwicklung mit sehr hoher zeitlicher und räumlicher Auflösung zu beobachten. Dies hat vorrangig für die Erstellung der
Wettervorhersage eine große Bedeutung. So kann z.B. verfolgt werden, ob die Entwicklung eines Tiefdruckgebietes über dem Ozean so verläuft, wie es die Wettermodelle auch erwarten, da einem dort nur wenige Echtzeitmessungen, wie die von Schiffen, zur Verfügung stehen. Natürlich spielt aber auch die Ästhetik eine Rolle, denn man wird nicht selten Zeuge von beeindruckenden Wolkenstrukturen mit den unterschiedlichsten Formen. Im heutigen Thema des Tages soll so ein „Schnappschuss“ vorgestellt werden, der eine sogenannte „split front“ über dem offenen Nordatlantik zeigt.

Dafür schauen wir in die Vergangenheit und zwar auf den 28. Mai 2018 und richten unseren Blick auf das Seegebiet vor Grönland, direkt südlich der Irmingersee (beigefügtes Bild). Es ist ein riesiger Wolkenwirbel zu erkennen, der ein für die Jahreszeit kräftiges Sturmtief darstellt.
Dieses Tiefdruckgebiet entwickelte sich bereits am 24. Mai über den Weiten Kanadas, verlagerte sich in der Folge über Neufundland nach Osten und erreichte im Verlauf des 27. Mai den offenen Atlantik. Dort zog es in eine äußerst entwicklungsförderliche Umgebung. Zwischen dem wärmenden Wasser des Golfstroms und der winterlich kalten Polarluft über Grönland baute sich ein markanter Temperaturgradient auf. Außertropische Tiefdruckgebiete beziehen unter anderem ihre Energie aus solchen Temperaturgradienten und daher verwunderte es nicht, dass sich das Tiefdruckgebiet vom 27. auf den 28. Mai innerhalb von 24 Stunden um mehr als 20 hPa verstärkte. Diese Intensivierungsrate liegt nur geringfügig unter der einer sog. „rasanten
Tiefdruckentwicklung“, von der man ab einem Druckfall von 24 hPa/24h spricht. Dabei entstand während der intensivsten Phase dieses Satellitenbild, in das grob die Kaltfront eingezeichnet wurde. Dabei besitzt die Bodenfront farblich ausgefüllte Symbole, während die offenen Symbole eine Höhenfront repräsentieren, also eine Front, die sich nur in der Höhe bemerkbar macht. Das „T“ stellt das
Tiefdruckzentrum dar und ist gekennzeichnet von einer immer enger werdenden Wolkenspirale.

Nun muss man wissen, dass bei sehr kräftigen Tiefdruckentwicklungen trockene Luft aus höheren Bereichen der Troposphäre einbezogen wird – nicht selten aus 9 bis 11 km über Grund. Diese trockene Luft wird auf der Südseite des Tiefdruckgebietes regelrecht in tiefere Bereiche der Troposphäre gerissen und wirbelt dann weiter nach Nordosten. Sehen Sie den ziemlich wolkenfreien Bereich südlich und östlich des Tiefdruckzentrums? Das sind die Auswirkungen der trockenen Luftmasse, in der sich ein Großteil der Bewölkung auflöst. Diese trockene Luftmasse wurde durch einen gelben Pfeil gekennzeichnet.
Gleichzeitig wurde vorderseitig der Kaltfront bodennah eine warme und feuchte Luftmasse aus Südosten um das Tief geführt (rote Pfeile).

Wenn nun die trockene Luftmasse südlich um das Tiefdruckzentrum gewirbelt wird und die Kaltfront erfasst, die sich östlich vom Zentrum befindet, dann wird der obere Bereich der Kaltfront abgetrocknet. Die trockene Luftmasse überrennt die Kaltfront und frisst sich in die Wolkendecke, die die Kaltfront begleitet. Dabei wird der Übergang dieser trockenen Höhenluft und der feuchten und wolkenreichen Luftmasse als Höhenkaltfront bezeichnet. Dies wurde im Satellitenbild wie bereits erwähnt durch eine Front mit offenen Symbolen dargestellt. Die bodennahe Kaltfront hingegen ist deutlich hinter der Höhenkaltfront zu finden. Diese Art der Frontenverteilung wird als „split front“ bezeichnet. Dabei ist der Bereich zwischen Höhen- und Bodenfront meist durch tiefe Bewölkung gekennzeichnet, die in diesem Fall jedoch nur spärlich vertreten war. Der Einschub trockener Höhenluft fiel in diesem Beispiel sehr kräftig aus und die Bodenfront war dort relativ wetterinaktiv.

Mit diesem Wissen lässt sich erklären, wieso man manchmal nach der Passage der Höhenkaltfront mit Schauern und Gewittern nur kurze Zeit später erneut Schauer- und Gewitterwolken am Horizont erkennt. Diese sind in dem Fall an die bodennahe Kaltfront gebunden und sorgen erneut für unliebsame Überraschungen infolge von Blitzschlag und teils heftigen Böen.

Bleibt abschließend zu sagen, dass die Satelliten in der heutigen Zeit aus der Wettervorhersage nicht mehr wegzudenken sind, denn mit ihrer Hilfe können u.a. auch solche Ereignisse entdeckt und analysiert werden, die sich weit abseits der Kontinente ereignen und bedeutend für die regionalen maritimen Vorhersagen sein können.

Dipl.-Met. Helge Tuschy
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 24.06.2018

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Thema des Tages

Rückfall in alte Muster

Im Thema des Tages vom 21.6.
(https://www.dwd.de/DE/wetter/thema_des_tages/2018/6/21.html) wurde im Detail auf die Gründe für die derzeit vergleichsweise tiefen Temperaturen eingegangen, Stichwort: Polarluft. Wir werfen heute einen genaueren Blick auf die darauf folgende Wetterlage, die in vielen Bereichen frappierende Ähnlichkeiten zu Wetterlagen der vergangenen Wochen aufweist.

In den Fokus rückt dabei Hoch DARYL, das am heutigen Samstag (23.06.) noch über Irland liegt. In den kommenden Tagen wandert dieses kräftige und umfangreiche Hochdruckgebiet langsam nach Osten und soll nach Mehrheit der verschiedenen Wettermodelle am Dienstag mit Schwerpunkt über der Nordsee liegen. Im gleichen Maße, wie uns das Hoch „auf die Pelle rückt“, verschwindet auch der Einfluss tiefen Luftdrucks nach Osten. Wie bereits beschrieben laufen diese Prozesse aber nur langsam ab. Während sich im Westen bereits am Dienstag freundliches Wetter einstellt, dauert dies beispielsweise in Cottbus oder Passau länger.

Genau diese langsame Verlagerung der Druckgebilde ist es aber, die uns diese stabile Wetterlage beschert. Zwar kommt das Hoch nur langsam herein, es zieht aber auch nicht wie ein Zwischenhoch in ein oder zwei Tagen über uns hinweg. Somit wird sich erneut eine weitgehend stabile hochdruckgeprägte und zunehmend sommerlich warme, teils heiße Wetterlage in West- und Mitteleuropa einstellen. Etwas unbeständiger wird es zeitweise im Osten und Südosten Deutschlands sein, dort spürt man die Nähe zu kleinräumigen Tiefs über dem östlichen Mitteleuropa in Form von mehr Wolken und einzelnen Schauern und Gewittern.

Die gebietsweise problematische Trockenheit bleibt also bestehen beziehungsweise verschärft sich weiter. Die Niederschläge der vergangenen Tage und auch die Niederschläge der zwei oder drei kommenden Tage waren und sind da oft nur der berühmte Tropfen auf den heißen Stein. Meist wurde allenfalls die oberste Bodenschicht angefeuchtet, die bei den kommenden hohen Verdunstungsraten rasch wieder austrocknen wird. (Daten zur Bodenfeuchte für viele Orte
Deutschlands in der Rubrik „Agrarwetter“: (https://www.dwd.de/DE/fachnutzer/landwirtschaft/2_agrarwetter/_node. html). Größere Regenmengen gab es im Prinzip nur im Nordwesten des Landes, im Norden Mecklenburg-Vorpommerns, an den Alpen sowie örtlich bei starken Schauern und Gewittern.

Während das kommende Wetter den heimischen Urlauber also ein Lächeln ins Gesicht zaubert, treibt es Landwirten und (Hobby-)Gärtnern eher Sorgenfalten auf die Stirn.

MSc.-Met. Thore Hansen
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 23.06.2018

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Thema des Tages

Hoch die Hände – Wochenende

Am Samstag dominieren in weiten Teilen Deutschlands dichte Wolken. Dazu gibt es vor allem im Norden und in der Mitte des Landes zeit- und gebietsweise Schauer. Die Niederschlagsmengen sind mit meist 1 bis 2 Liter pro Quadratmeter gering, lediglich zwischen Harz und Erzgebirge können über den Tag verteilt bis zu 10 Liter
zusammenkommen. Etwas „besser“ gestaltet sich das Wetter im Südwesten und im äußersten Nordosten, also zwischen Usedom und Darß, dort lässt sich die Sonne länger blicken und es ist trocken. Durch den Zustrom kühler Luft polaren Ursprungs aus Norden bis Nordwesten erreicht die Temperatur Werte zwischen 14 und 19 Grad. Lediglich mit
Sonnenunterstützung am Oberrhein und im Saarland können die Höchstwerte bei 20 bis 22 Grad liegen. Dazu weht ein mäßiger, an den Küsten auch frischer bis starker Nordwestwind, der in Böen Stärke 6, an der Nord- und Ostsee bis Windstärke 8 erreicht.
In der Nacht zum Sonntag bestimmen vielerorts dichte Wolken und örtlich etwas Regen das Wetterbild. Dabei sind im Verlauf auch schauerartige Regenfälle im Südosten zu erwarten. Im Südwesten bleibt es bei nur wenigen Wolken trocken. Die Temperatur sinkt von Nord nach Süd auf 12 bis 4 Grad. Der Wind lässt etwas nach und weht meist nur mäßig, an den Küsten frisch aus West bis Nordwest.

Am Sonntag verbleibt Deutschland auf der Vorderseite eines Hochs mit Zentrum bei den Britischen Inseln im Zustrom feuchter und kühler Meeresluft. Später am Tage dringt von Westen etwas trockenere Luft ins Land. So sind in der ersten Tageshälfte noch verbreitet Schauer oder leichter Regen zu erwarten. In der zweiten Tageshälfte kann es im Osten und Südosten weiterhin regnen, dabei sind im Stau der Alpen und des Erzgebirges noch einmal bis zu 10 Liter pro Quadratmeter wahrscheinlich. Sonst ist es weitgehend trocken und die Sonne setzt sich etwas besser durch. Am freundlichsten wird der Sonntag im Ostseeumfeld mit rund 9 Stunden Sonne. Regen wird keiner erwartet. Der Wind lässt weiter nach und weht nur schwach, an den Küsten mäßig bis frisch aus Nordwest bis Nord. Die Temperatur erreicht im Nordosten und Südwesten häufiger mal 20 Grad, im Großen und Ganzen werden nur mäßig warme 17 bis 19 Grad erwartet.
Die Nacht zum Montag verläuft wechselnd bis stark bewölkt und meist trocken. Nur im Südosten sind noch schwache Schauer unterwegs. Die Temperatur geht auf Werte zwischen 13 Grad im Nordwesten bis 8 Grad im Süden zurück, am Alpenrand werden um 4 Grad erwartet.

Dipl.-Met. Jacqueline Kernn
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 22.06.2018

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Thema des Tages

Tief „Cathy“ macht ernst und schickt erwärmte Polarluft!

Am heutigen Donnerstag hat Tief „Cathy“ das Zepter über das Wetter übernommen. Unter leichter Abschwächung zieht es vom südlichen Schweden und Dänemark auf die Ostsee, um im weiteren Verlauf über Finnland und der nördlichen Ostsee vor Anker zu gehen. Auf der Rückseite wird kühle Luft polaren Ursprungs angesaugt und mit einer nördlichen bis nordwestlichen Strömung nach Mitteleuropa geführt. Die Grenze zwischen der deutlich kühleren polaren Luftmasse und der im Süden liegenden Subtropikluft kennzeichnet eine markante Kaltfront, die am Morgen über dem Nordwesten lag und innerhalb von 24 Stunden das Land südostwärts überquert (vgl. Graphik).

An der Kaltfront setzen vertikale Luftumlagerungen ein, die mit leichten schauerartigen Niederschlägen einhergehen. Im Tagesverlauf sind auch kurze Gewitter möglich. Doch von besonderem Interesse ist der Wind. Durch die Umlagerungen kann der stramme Höhenwind bis zum Boden gemischt werden. Obwohl die Kaltfront auf ihrer Passage an Wetteraktivität verliert, legt der Wind zu. Vor allem von der Nordsee ins südliche Brandenburg und nach Sachsen sind stürmische Böen oder Sturmböen zu erwarten. Aber auch sonst sind starke oder steife Böen wahrscheinlich. Wenn die kalte Luft am Abend und in der Nacht zum Freitag die Alpen erreicht, setzen dort schauerartig verstärkte Regenfälle ein. Vorher ist in der feuchtheißen Luft aber auch schon mit einzelnen kräftigen Hitzegewittern zu rechnen.

Am morgigen Freitag hat die kühle Polarluft das ganze Land geflutet und lässt das Temperaturniveau meist unter der 20-Grad-Marke verharren. Durch die Zufuhr noch kälterer Höhenluft, labilisiert die Atmosphäre zusätzlich, sodass im Norden und Osten sowie in Teilen der Mitte wiederholt Schauer und einzelne Gewitter auftreten.
Einhergehend zeigt sich die Sonne nicht mehr so ausdauernd wie zuvor.

Bis zur Mitte der kommenden Woche beruhigt sich das Wetter von Westen her wieder zunehmend. Verantwortlich dafür ist das großräumige Hoch „Daryl“, das am heutigen Donnerstag mit Zentrum schon westlich von Island liegt und sich nachfolgend bis zum Wochenstart allmählich Richtung Ärmelkanal und westliche Nordsee verlagert. Da Deutschland vorerst jedoch auf dessen Ostseite verbleibt, kann weiter nur kühle oder mäßig warme Nordseeluft das Wetter in Deutschland prägen. Mit aufkommendem hohem Luftdruck nehmen aber die Absinkbewegungen der Luft in der Atmosphäre zu, sodass die Niederschlagsneigung nachlässt bzw. komplett abklingt und die Sonnenanteile deutlich steigen. Einhergehend gehen auch die Temperaturen wieder auf Klettertour und erreichen ab Mittwoch verbreitet wohl erneut sommerliche Werte über 25 Grad. Am längsten liegt der Osten im Einflussbereich von Tief „Cathy“.

Dipl.-Met. Lars Kirchhübel
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 21.06.2018

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Korrektur fürDWD -> Thema des Tages – TT

Thema des Tages

Sommerbeginn ? astronomisch, meteorologisch und phänologisch?

Korrigierte Passage:
Danach macht sich die Sonne von der Erde aus betrachtet wieder auf den Weg in Richtung Äquator, welchen sie am 23. September um 03:54 Uhr (Herbstanfang) überschreitet. Die hellen Tage werden nun also wieder kürzer und der Einfallwinkel der Sonne flacher.

Am morgigen Donnerstag, dem 21. Juni um 12:07 Uhr ist es wieder soweit. Die Sonne erreicht auf der Nordhalbkugel ihren höchsten Stand auf der Umlaufbahn der Erde um die Sonne. Damit wird der
astronomische Sommerbeginn bezeichnet.

Die Sonne steht zu diesem Zeitpunkt an ihrem nördlichsten Punkt. Den damit erreichten Breitenkreis, der sich in etwa auf 23 Grad Nord (23°26?16? N) befindet, nennt man auch „nördlicher Wendekreis“. Bis zu diesem Wendekreis bewegt sich die senkrechte Achse der Sonne während der gesamten ersten Jahreshälfte täglich ein Stück weiter nach Norden, was wir durch längere Tage und auch durch einen höheren Sonnenstand am Himmel beobachten können. Auf diesem Wendekreis gibt es genau einen Ort bzw. Punkt, wo die Sonne um 12:07 Uhr
mitteleuropäischer Sommerzeit bzw. an dem besagten Punkt um 12 Uhr Ortszeit genau senkrecht über der Erde steht. Danach macht sich die Sonne von der Erde aus betrachtet wieder auf den Weg in Richtung Äquator, welchen sie am 23. September um 03:54 Uhr (Herbstanfang) überschreitet. Die hellen Tage werden nun also wieder kürzer und der Einfallwinkel der Sonne flacher.

Wir Meteorologen sind schon seit dem 1. Juni auf Sommer eingestellt. Dies hat allerdings rein statistische Gründe. Für die Auswertung von Wetter- oder Klimadaten und die Erstellung von Statistiken ist es, insbesondere im Computerzeitalter, einfacher, volle Monate zu betrachten. Daher wurden die Monate Juni, Juli und August aus wissenschaftlicher Sicht für die Meteorologie als Sommer definiert.

Der phänologische Sommerbeginn richtet sich entgegen nach der Flora in der Natur und deren Entwicklungsstand. Das ?phänologische Jahr? wird grundsätzlich in 10 physiologisch-biologisch begründete ?phänologische Jahreszeiten? eingeteilt, gekennzeichnet durch spezielle phänologische Indikatoren (Leitphasen). Der Sommer wird dabei nochmals in Frühsommer, Hochsommer und Spätsommer
untergliedert. Mit dem Blühbeginn der Gräser setzt der Frühsommer ein. Auf den Wiesen blüht zuerst der Wiesenfuchsschwanz und auf den Getreidefeldern der Winterroggen. Blühen die Sommerlinden und die Kartoffeln, dann kommt der Hochsommer.

Mit dem Wissen der verschiedenen Definitionen stellt sich nun die Frage, warum der Sommer nicht genau um den Sonnenhöchststand (21.06.) herum definiert ist, an dem die Sonne den größten Energieeintrag auf die Nordhalbkugel abstrahlt. In diesem Sinne müssten die Monate Mai, Juni und Juli den Sommer bilden!?!

Wie oben beschrieben, umfasst der Sommer aus astronomischer Sicht allerdings denjenigen Zeitraum, in dem sich die Sonne vom nördlichen Wendepunkt zum Äquator zurückbewegt. Bei den Meteorologen wird auch nur ein kleiner Zeitraum vor Sonnenhöchststand dem Sommer
zugesprochen. Die Pflanzenwelt ist komplett von meteorologischen Parametern wie Niederschlag, Temperatur und Sonnenstrahlung abhängig und kann in dieser Diskussion nicht berücksichtigt werden.

Für eine genauere Betrachtung muss man zusätzlich zur
Sonneneinstrahlung auch die Speicherung und den Transport von Wärmeenergie betrachten. Die Atmosphäre und erst recht die Ozeane sind grundsätzlich träge Medien, bei denen alle thermodynamischen Vorgänge etwas langsamer ablaufen. Ab Frühlingsbeginn, wenn sich die senkrechte Achse der Sonne über den Äquator hinweg nach Norden bewegt, erwärmen sich die Ozeane und Landflächen auf der
Nordhalbkugel indem sie die einstrahlende Sonnenenergie aufnehmen bzw. speichern. Da in nördlichen Breiten (>60°N) durch die Kugelform der Erde der Energieeintrag trotz höherem Sonnenstandes sehr gering bleibt, muss Wärme von Süden nach Norden transportiert werden. Dies übernehmen bis ca. 30° N hauptsächlich die Ozeane und deren Strömungen (z. B. Golfstrom). Nördlich von 30° N sind unsere wohlbekannten Tiefdruckgebiete für den Wärmetransport größtenteils verantwortlich. Bis also die maximale Energie bzw. Wärmemenge in den mittleren bzw. nördlichen Breiten erreicht wird, vergeht etwas Zeit. Aus diesem Grund treten im Normalfall die maximal möglichen Temperaturen für die mittleren und nördlichen Breiten, vom
Sommeranfang zeitlich nach hinten verschoben, in den typischen Hochsommermonaten Juli und August auf.

Aufgrund günstiger Wetterlagen kam in diesem Jahr bereits im Frühling an vielen Tagen ein „Sommerfeeling“ auf. Strömungen aus südlichen Gefilden führten schon seit Mitte Mai wiederholt warme bis sehr warme Luft nach Deutschland, die sich hierzulande durch die
Sonneneinstrahlung, der nahe am Zenit stehenden Sonne weiter aufheizen konnte. Dies sorgte schließlich dafür, dass zum morgigen Sommeranfang nach Definition verbreitet schon mehr als 30 Sommertage mit Höchstwerten über 25 Grad in Deutschland registriert wurden.

Auch am heutigen Mittwoch stehen die Zeichen durch Hoch „Christof“, einem Azorenkeil, der sich von Westeuropa bis in die Ukraine erstreckt und mit Christof über Polen und Tschechien sein Zentrum hat, noch voll auf Hochsommer. Dabei wird mit einer südwestlichen, im Süden teils auch östlichen Strömung, weiter Warmluft ins Land geführt. Diese heizt sich durch die hoch am Himmel stehende Sonne richtig auf, sodass im Südwesten Deutschlands Höchstwerte bis 32 Grad zu erwarten sind. Lediglich der äußerste Norden, rund um die Küstenabschnitte, bleibt weiter benachteiligt und bekommt von diesem Hochsommerfeeling kaum etwas ab. Bei durchziehenden Wolkenfeldern und auffrischendem Wind klettern die Temperaturen dort nur auf Maxima zwischen 20 und 25 Grad auf.

Doch bald heißt heißt es „auf Hochmut folgt der tiefe Fall“!

Eine große Wetterumstellung bringt Schwung in die Atmosphäre. Wie schon im gestrigen Thema des Tages beschrieben, folgt auf den „One Day Summer“ mit teils heißen Temperaturen über 30 Grad, nach einem Temperatursturz um 10 bis 15 Grad vorübergehend ein eher herbstlicher Witterungsabschnitt!

Bereits am morgigen Donnerstag sowie in der Nacht auf Freitag macht sich Tief „Cathy“ mit Kern über dem südlichen Skandinavien und Dänemark bemerkbar. Im Zusammenspiel mit dem Hoch „Daryl“, das langsam den Schwerpunkt zu den Britischen Inseln verlagert, wird Luft polaren Ursprungs angesaugt und mit einer auf Nordwest drehenden Strömung über die Nordsee hinweg nach Deutschland transportiert.

Folgt also auf den Hochsommer im Frühling der Herbst im Sommer?

Diese Frage kann auf jeden Fall mit „Nein“ beantwortet werden! Denn bei den herbstlichen Wetterbedingungen mit Regenschauern und Temperaturen zwischen 15 und 20 Grad handelt es sich nur um ein vorübergehendes Intermezzo. Schon zur neuen Woche begeben sich die Temperaturen wieder auf Klettertour. Nach derzeitigem Stand soll sich erneut eine recht stabile Hochdruckwetterlage mit viel Sonnenschein einstellen. Dann steht Hoch „Daryl“ im Mittelpunkt, das zwar demnächst für die herbstlichen Verhältnisse mitverantwortlich ist, ab Montag dann aber zunehmend wieder den Sommer bringt. Unsicher ist noch, ob wir „nur“ mit sommerlichen Höchstwerten zwischen 23 und 28 Grad rechnen müssen oder ob die Sommerhitze mit Werten über 30 Grad ein Revival startet. Abhängig ist das jeweilige Szenario von der tatsächlichen Lage von „Daryl“. Bleibt er mit seinem Zentrum westlich von Deutschland liegen, bringt er zwar Sonne pur, jedoch schafft es die starke, im Zenit stehende Junisonne nicht, die dann weiterhin einfließende Nordseeluft in den Bereich der 30-Grad-Marke zu heben. Sollte „Daryl“ jedoch etwas weiter nach Osten wandern und schließlich z.B. mit seinem Zentrum über Deutschland ankern, könnte aus Süden auf seiner Westflanke zusätzlich wärmere Luft einfließen, sodass die Sonne die Maxima tatsächlich wieder in das „heiße Temperaturniveau“ mit Werten über 30 Grad ansteigen lässt. Warten wir es also ab.

Allerdings muss auch festgehalten werden, dass die aktuellen Computerberechnungen der vielfach ausgetrockneten und daher nach Wasser lechzenden Natur in Teilen Nord- und Ostdeutschlands leider nur wenig, ab Montag wahrscheinlich überhaupt keinen Regen mehr versprechen.

Dipl.-Met. Lars Kirchhübel
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 20.06.2018

Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

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