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Thema des Tages

Die Kinderstube der Hoch- und Tiefdruckgebiete

Auch wenn es etwas seltsam erscheinen mag, selbst Druckgebilde haben bevorzugte Orte, an denen sie nicht nur entstehen, sondern auch öfter wiederkehren.

Dieser kurze Abriss ist eine Fortsetzung zum Thema des Tages vom 07.07.2019. Dort ging es um die Zugbahnen von Hoch- und
Tiefdruckgebieten.

Heute wollen wir der Frage nachgehen, wo klimatisch gesehen die Druckgebilde am ehesten entstehen und sich gerne auch länger aufhalten bzw. sich immer wieder regenerieren. Die klimatische Betrachtung bietet den Vorteil, dass gewisse Schwankungen
herausgemittelt werden und so stabilere und eindeutigere
Charakteristika übrigbleiben.

Auf der unten angeführten Grafik sieht man bevorzugte Bereiche für die periodische Zyklo- und Antizyklogenese (Zyklogenese bedeutet Bildung von Tiefdruckgebieten und ist dabei mit negativem Vorzeichen versehen und Antizyklogenese entsprechend Hochdruckgebiete mit positivem Vorzeichen) und zwar über den gesamten Globus verteilt. Dabei ist die Abhängigkeit von der Orografie und der Schichtung der Atmosphäre überlagert. Bei der Schichtungsstabilität gilt, dass stabile Schichtung mit Absinken und Wolkenauflösung (Hochdruckgebiet) verbunden ist, wohingegen labile Schichtung dazu führt, dass Luft aufsteigt (Tiefdruckgebiet) und sich Wolken bilden.

Ersichtlich ist aus der Grafik eine gewisse Topografie der Verteilung der Druckgebilde. Topografie deshalb, weil zum einen eine relativ eindeutige Zuordnung zur realen und nicht gemittelten Orografie erkennbar ist. Das gilt allerdings für klimatisch gemittelte Strömungsverhältnisse. Zum anderen sieht man auch den Zusammenhang zur potentiellen Temperatur, die gerade etwas aussagt über die Schichtungsstabilität der Atmosphäre.

In Bezug auf die Orografie sind zwei Schwerpunkte der Bildung von Tiefdruckgebieten zu finden. Der eine liegt im Lee von Gebirgen, wo die Luftsäule gestreckt und labilisiert wird, wodurch die Luft angehoben wird und im Tal der Luftdruck fällt. Hierfür sind gute Bedingungen z.B. im Lee der Kordilleren in Nordamerika gegeben. Der andere Schwerpunkt liegt auch in tiefen Lagen, allerdings spielt hier auch die spezielle Geländeform eine Rolle. Ein sehr gutes Beispiel ist hier das Genua-Tief, wo ein wirkliches Minimum der Geländehöhe existiert und das Terrain von dort in alle Richtungen ansteigt.

Für ein Hochdruckgebiet sind reziproke Bedingungen für die
orografische Entstehung förderlich, z.B. häufig in Gipfellagen zu finden, wie über den Alpen. Der Grund dafür ist die vertikale Stauchung der Luftsäule über und luvseitig an dem Gebirge, wodurch der Luftdruck steigt.

Schwieriger wird es, wenn man klare Korrelationen mit thermischen Effekten sucht, die zudem auch noch jahreszeitliche Schwankungen aufweisen. Dennoch lassen sich zumindest für die außertropischen Bereiche Beispiele finden wie zum Beispiel das Azorenhoch, wo das Absinken subtropischer Warmluft für eine nahezu ständige Regeneration an ähnlicher Stelle sorgt. Genau dieses Absinken sorgt für eine Stabilisierung der Luftsäule, also eine stabile Schichtung.

Bei Tiefdruckgebieten ist umgekehrt eine Labilisierung der Schichtung notwendig, damit die Luft zum Aufsteigen gezwungen wird und der Luftdruck fällt. Solche Bedingungen findet man, wie wir gesehen haben im Lee der Gebirge vor.

Bei Tiefdruckgebieten ist die thermische Beurteilung im Allgemeinen allerdings deutlich schwieriger, da diese oft von dynamischen Faktoren überlagert sind.

Zusammenfassend kann man sagen, dass es bezüglich der klimatischen Korrelation von Orografie mit der Zyklo- und Antizyklogenese gute Übereinstimmung gibt. In Bezug auf die Korrelation mit der
atmosphärischen Schichtung (ausgedrückt über die potentielle Temperatur) sind die Zusammenhänge schwächer erkennbar und zudem noch jahreszeitlichen Schwankungen unterworfen.

Dr. rer. nat. Jens Bonewitz
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 20.07.2019

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Thema des Tages

Unsere Atmosphäre: Welche Ehre!

Für uns Menschen selbstverständlich, für Himmelskörper alles andere als das: die Atmosphäre!

Er ist derzeit in aller Munde: Der Mond! Einerseits weil er vor genau 50 Jahren die ersten Menschen auf seiner Oberfläche begrüßen „durfte“, andererseits aufgrund seiner partiellen Finsternis in der Nacht zum vergangenen Mittwoch (zumindest hierzulande). Doch so faszinierend dieser treue Erdbegleiter auch sein mag, wettertechnisch hat er nicht viel zu bieten. Es fehlt ihm schlicht und ergreifend eine dafür notwendige Atmosphäre, also ein ihn umhüllendes
Gasgemisch.

Das liegt aber nicht etwa daran, dass er kein Planet ist, denn der Titan (größter Mond des Saturn) kann beispielweise eine solche vorweisen. Auch bei Planeten ist ihr Vorhandensein wahrlich keine Selbstverständlichkeit, auch wenn in unserem Sonnensystem mit Ausnahme des Merkurs alle Planeten eine mehr oder weniger gut ausgeprägte Atmosphäre ihr Eigen nennen dürfen. Für ihren „Erwerb“ muss ein Planet (wie auch alle anderen Himmelskörper) diverse Voraussetzungen erfüllen.

Einen im wahrsten Sinne des Wortes massiven Vorteil diesbezüglich haben Planeten, die eine große Masse besitzen. Denn je schwerer ein Planet ist, desto größer ist auch seine Anziehungskraft auf einen anderen Körper, z. B. eben auf Gasmoleküle. Anders ausgedrückt: Ist ein Planet zu leicht, also seine Anziehungskraft zu gering, kann er keine Gase in seiner Nähe halten. Sie würden in den Weltraum „abhauen“.

Zudem ist eine gewisse „Coolness“ gefragt. Je höher nämlich die Temperatur auf einer Planetenoberfläche ist, desto größer ist auch die Bewegungsenergie der dortigen Gasmoleküle. Das wiederum hat einen direkten Einfluss auf ihre Geschwindigkeit, die dabei nämlich ebenfalls zunimmt. Tja, und ab einer bestimmten Geschwindigkeit können sich die Gasteilchen letztendlich von der Anziehungskraft des Planeten losreißen und sagen „Auf Nimmerwiedersehen!“.

Ein letzter Punkt, der sich positiv auf den Erhalt einer Atmosphäre auswirkt, bezieht sich auf die Gase selbst, die auf einem Planeten z. B. durch Ausgasen (Gasaustritt aus festem oder flüssigem Material) entstehen. Da Gasmoleküle mit einem kleineren Molekulargewicht schneller sind als die mit einem größeren, stehen für Erstere die Chancen deutlich besser, dem Anziehungsfeld des Planeten zu entkommen.

Die Erde konnte sich in all diesen Punkten behaupten (siehe angehängtes Bild der NASA), auch wenn ihre Anziehungskraft nicht ausreicht, um beispielsweise die relativ leichten Wasserstoff- und Heliummoleküle in der Atmosphäre zu halten. Dazu müsste die Erde genauso ein „Brummer“ sein wie zum Beispiel der Saturn (ca. 95-fache Masse der Erde) oder der Jupiter (ca. 317-fache Erdmasse). Bei dem Anziehungsfeld dieser beiden Planeten haben selbst Wasserstoff und Helium keine Chance zu entkommen.

Die etwas schwereren Stickstoff- und Sauerstoffmoleküle hat die Erdatmosphäre dagegen ganz gut im Griff. Das zeigt auch die Zusammensetzung des Gasgemisches (also der Luft), das unsere Atmosphäre ausmacht und dort bis zu einer Höhe von etwa 100 km über dem Erdboden recht konstant vorhanden ist: 78,08 % Stickstoff, 20,95 % Sauerstoff, 0,93 % Argon und weniger als 1 % Spurengase (z.B. Kohlendioxid CO2). Der Wasserdampf, der den wichtigsten Bestandteil für unser Wetter darstellt, nimmt aufgrund starker räumlicher und zeitlicher Schwankungen etwa 1 bis 4 % der Luft ein.

Doch diese Gaszusammensetzung war bei Weitem nicht immer so. Was die Erdatmosphäre in den letzten Jahrmilliarden alles mitmachen musste, erfahren Sie voraussichtlich am kommenden Sonntag im Thema des Tages.

Dipl.-Met. Tobias Reinartz
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 19.07.2019

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Die ungewöhnliche Entstehungsgeschichte des Tropensturms BARRY

Es ist landläufig bekannt, dass sich Tropenstürme bevorzugt über dem warmen Ozean entwickeln. Das heutige Thema des Tages beschäftigt sich mit der Entstehung des Tropensturms BARRY, die über Land und somit weit ab vom warmen Meereswasser begann.

Im Verlauf der vergangenen Woche bildete sich über dem Golf von Mexiko der erste Hurrikan der Saison 2019 mit dem Namen BARRY und wies somit eng begrenzt mittlere Windgeschwindigkeiten von rund 120 km/h auf. Dass die Intensivierung nicht noch heftiger ausfiel, war beständiger Windscherung (Windzunahme mit der Höhe) und einer trockenen Luftmasse in seiner Umgebung zu verdanken. Daher wird dieser Sturm mit Sicherheit nicht wegen seiner Windgeschwindigkeiten in die Geschichtsbücher eingehen.

Bedeutender war, dass BARRY nur sehr langsam an Land zog und somit verbreitet teils erhebliche Niederschlagsmengen von mehr als 200 l/qm brachte. Strichweise wurden in Louisiana innerhalb von ein bis zwei Tagen mehr als 500 l/qm, in Arkansas mehr als 400 l/qm Regen gemessen. Zudem fielen diese Regenmassen in einer Region, die nicht nur rund 40 bis 60 % zu hohe Bodenfeuchtewerte im Vergleich zur langjährigen Klimatologie aufwies (Quelle: Climate Prediction Center), sondern auch bereits vor dem Eintreffen von BARRY mit Hochwasser zu kämpfen hatte. Daher verwundert es nicht, dass die Überschwemmungen regional signifikant ausfielen, allerdings weit unter den Ausmaßen von Hurrikan KATRINA aus dem Jahr 2005. Doch was macht BARRY noch interessanter?

Kurz zur Erinnerung: Die Entwicklung tropischer Stürme setzt im Allgemeinen warme Wasseroberflächen sowie eine warme und feuchte und somit potentiell labil geschichtete Troposphäre voraus. Der Wind sollte mit der Höhe nicht zunehmen, was in der Meteorologie unter dem Begriff „schwacher Windscherung“ bekannt ist. Konvektion kann sich nun, stark vereinfacht gesagt, ungestört bilden und sich allmählich zu einem Tropensturm entwickeln.

Die Entstehungsgeschichte von BARRY war eine atypische, wenn auch nicht ungehörte. Normalerweise richten die nordamerikanischen Meteorologen ihre Blicke gen Osten, wenn es um die
Tropensturmvorhersage für die Bereiche der südlichen und östlichen USA geht. Im Thema des Tages vom 20. Juni 2019 wurde ein möglicher Prozess erklärt, wie sich Tropenstürme aus sogenannten „African easterly waves“ entwickeln können. Es gibt noch weitere
Entwicklungsmöglichkeiten, die sich jedoch allesamt über den warmen tropischen und subtropischen Gewässern abspielen. Bei BARRY begann jedoch alles über den weiten Landmassen der nordamerikanischen Great Plains und somit weit abseits des warmen Wassers.

In der beigefügten Grafik ist im ersten Bild links oben ein umfangreicher Gewittercluster über Kansas und Missouri zu erkennen. In diesem langlebigen Cluster wurde durch die rege Gewitteraktivität viel latente Wärme (siehe Link zum DWD-Lexikon) in der mittleren Troposphäre freigesetzt. Die latente Wärme, ein nicht so greifbarer Begriff, kann man sich bildlich so vorstellen: Die Sonne lässt im Tagesverlauf durch ihren Energieinput (Wärmezufuhr) Wasser verdunsten und aufsteigen. Mit der Höhe nimmt die Temperatur ab und der Wasserdampf beginnt zu kleinen (Wolken-)Tröpfchen zu kondensieren, wobei die gespeicherte Energie wieder freigesetzt wird (=latente Wärme). Beim Blick auf das Satellitenbild kann man sich vorstellen, dass hier innerhalb des Gewitterclusters gewaltige Energiemengen freigesetzt wurden, die sich nun in der mittleren Troposphäre sammelten. Da warme Luft leichter ist als kalte, beginnt der Luftdruck in der Höhe zu fallen und es entwickelt sich ein
sogenannter „mesoskalig konvektiver Wirbel“, im Englischen „Mesoscale convective vortex, (MCV)“. Dieser, besonders in der Höhe (mittlere Troposphäre) kräftig ausgebildete Wirbel, driftet in der Folge mit den Höhenwinden dahin, wobei solche Systeme über Tage hinweg überleben und dabei immer wieder neue Gewitter auslösen können.

Ein kräftiges Hochdruckgebiet über dem Westen der USA lenkte das System in der Folge Richtung Tennessee (a). In b) ist der Wirbel bereits über dem Bundesstaat Georgia zu finden. Zu diesem Zeitpunkt lässt sich etwas Interessantes im Satellitenbild erkennen: Auch die weniger hochreichenden Wolkenfelder konnten sich zu einem Wirbel organisieren. Dies ist ein Anzeichen, dass sich die Rotation aus der Höhe teils auch bis in tiefe Lagen durchsetzt, was auf ein sich verstärkendes System hindeutet.

Allerdings nahm der Wirbel erst so richtig Fahrt auf, als er über das durchschnittlich 1 bis 2 Grad zu warme Wasser des Golfs von Mexiko zog, wo sich erneut heftige und langlebige Gewitter ausbilden konnten, die sich letztendlich zum Tropensturm BARRY organisierten und der schließlich in Louisiana an Land ging.

Wie in diesem Fall ersichtlich läuft die Entwicklung von
Tropenstürmen teils sehr komplex ab. Ohne feinmaschige Wettermodelle und hochaufgelöste (zeitlich wie räumlich) Wettersatelliten ist manch einer dieser Stürme früher wie aus dem Nichts entstanden und überraschte die Menschen entlang der Küsten häufig mit verheerenden Folgen.

Dipl.-Met. Helge Tuschy
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 18.07.2019

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Auch Aktien sind wetterfühlig – Teil 1

Sind Aktien etwa wetterfühlig? Kann das Wetter tatsächlich die Kurse an der Börse beeinflussen? Tatsächlich fanden Forscher heraus, dass sich sonniges Wetter nicht nur positiv auf die Laune des Menschen, sondern auch auf die Börsenwelt auswirkt.

Auf den großen Börsenparketten in den Finanzzentren der Welt geht es zurzeit drunter und drüber. Teilweise herrscht große Verunsicherung, unter anderem aufgrund der gesamtwirtschaftlichen „Abkühlung“ sowie politischer Konflikte, andererseits zieht die vorherrschende Niedrigzinspolitik Groß- als auch Kleininvestoren magisch an und die Preise für Aktien steigen. Aber nicht nur Wirtschaft und Politik beeinflussen die Aktienkurse, auch das Wetter spielt dabei eine Rolle.

In der Tat haben sich Forscher bereits mit der Frage beschäftigt, ob bei „schönem“ Wetter Aktienkurse steigen und diese umgekehrt bei „schlechtem“ Wetter fallen. Und das Ergebnis: Tatsächlich sollten nicht nur die Fans von Outdoor-Sport und Freiluftaktivitäten das Wetter im Blick behalten. Auch für Anleger kann es durchaus von Interesse sein, ob die Wettervorhersage tendenziell eher sonnig oder wolkenreich und regnerisch ausfällt. Denn Aktienhändler sind nun mal keine gefühllosen Wesen. Und da das Wetter einen signifikanten Einfluss auf die Stimmung der Menschen besitzt, schlägt sich die Laune auch in ihrer Risikoneigung und den Aktiennotierungen nieder.

Bereits die Investment-Legende André Kostolany wusste um die Massenpsychologie der Börse, denn diese wird hauptsächlich von den Massen bestimmt. So verwundert es kaum, dass in etlichen Studien nachgewiesen werden konnte, dass Faktoren, die die Stimmung aufhellen oder trüben, wie Feiertage, Fußballergebnisse oder Wetterparameter wie Temperatur, Niederschlag und Sonnenschein auch Auswirkungen auf die Einschätzung der Märkte und somit auf die Kurse haben können.

Amerikanische Forscher schauten sich im Rahmen einer Studie die größte Wertpapierbörse der Welt, die New York Stock Exchange (NYSE) an und glichen die Wertentwicklung des Dow-Jones-Indexes mit der Bewölkung in New York City ab. Dabei fanden sie heraus, dass zwischen den beiden Größen ein signifikanter Zusammenhang besteht: Je bewölkter der Himmel über der Stadt, desto enttäuschender fiel der Wertzuwachs aus.

So schön diese Theorie auch sein mag, nicht alle Anleger sitzen bei schlechtem Wetter in New York, sondern könnten genauso gut in der Sonne Floridas am Strand liegen und von dort aus „traden“ (engl.: mit Aktien handeln). Deshalb konzentrieren sich einige Studien besonders auf die sogenannten „Market Maker“ (dt.: „Marktpfleger“ oder „Marktmacher“). Das sind Makler, die besonders beim Telefonhandel und bei wenig gehandelten Wertpapieren kontinuierlich die entsprechenden An- und Verkaufskurse (also die Brief- und Geldkurse) festlegen, um so deren Handelbarkeit sicherzustellen. So bieten sie beispielsweise einem Kunden an, eine gewisse Anzahl an Aktien für 100 Euro zu kaufen (Geldkurs) und ihm diese dann für 100,30 Euro weiter zu verkaufen (Briefkurs), teilweise stammt eine gewisse Anzahl an Wertpapieren auch aus ihrem eigenen Besitz. So sorgen sie bei volatilen Märkten für Stabilität und gestalten die weitere Entwicklung des Marktes mit. Aufgrund des Risikos, dass die Market Maker dabei tragen, steht ihnen die Differenz zwischen An- und Verkaufskurs dann als eigener Gewinn zu. Das Ergebnis der Studie bleibt jedoch gleich: Je mieser das Wetter in New York, desto weniger risikofreudig sind die Market Maker. Sie fassen dann die Spanne zwischen Geld- und Briefkurs (auch „Spread“ genannt) breiter, was wiederum Verluste für Anleger wahrscheinlicher werden lässt.

Auch am deutschen Kapitalmarkt lässt sich dieses Phänomen beobachten. Der Darmstädter TU-Professor Dirk Schiereck stellte mit seinem Team nachweislich fest, dass sich die Bewölkung über Frankfurt auf die Spanne zwischen An- und Verkaufskursen, die von Börsenmaklern auf dem Frankfurter „Parkett“ festgelegt werden, auswirkt. Ein Einfluss auf die Kursentwicklung konnte dabei jedoch (anders als in den USA) nicht festgestellt werden, weil gleichzeitig die Handelsaktivität durch die übrigen Marktteilnehmer an Tagen mit „schlechtem“ Wetter zunahm. Scheinbar vertreiben sich die Anleger in Deutschland bei Regen gerne die Zeit mit Börsenspekulationen.

Dass die Märkte bei sonnigem Wetter hingegen deutlich zulegen, war unter anderem das Ergebnis einer groß angelegten Studie des Forscherduos David Hirshleifer und Tylor Shumway. Diese verglichen das Wetter mit dem „Auf und Ab“ an 26 verschiedenen internationalen Märkten und zeigten, dass Aktienkurse bei Sonnenschein besonders häufig steigen. Sonnenschein wirkt sich folglich nicht nur positiv auf das Wachstum der Natur aus, sondern tut auch Börsianern und den Kursen gut. Herrscht hingegen „schlechtes“ Wetter, sinkt die Laune der Anleger und damit auch ihre Aktienrendite.

Es existieren jedoch auch Studien, die keinen Zusammenhang zwischen den Aktienmärkten und dem Wetter herstellen konnten. So ist es kaum verwunderlich, dass dieses Thema noch immer in Forscherkreisen heiß diskutiert wird. Die Suche nach Zusammenhängen geht also weiter, um am Ende womöglich sogar eine Anlagestrategie zu finden, die die Wettervorhersage beim Wertpapierkauf berücksichtigt.

MSc.-Met. Sebastian Schappert
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 17.07.2019

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Partielle Mondfinsternis – nur eine Faszination des Mondes

Es gibt wieder etwas zu sehen! Kommende Nacht wandern Teile des Mondes wieder durch den Kernschatten der Erde. Die partielle Mondfinsternis ist dabei bevorzugt im Süden sowie im Nordosten gut zu beobachten. Sonst stören oftmals dichte Wolken.

Ob als „Blutmond“, „Blue Moon“, „Supermond“ oder einfach nur „Vollmond“, der Mond (lateinisch „Luna“) fasziniert viele Menschen auf ganz unterschiedliche Weise. Auch in der Nacht vom heutigen Dienstag auf morgigen Mittwoch rückt der Mond wieder in den Fokus. Zahlreiche Medien berichten schon seit einigen Tagen über das anstehende Ereignis. Sofern es die Bewölkung zulässt, kann heute Nacht eine „partielle Mondfinsternis“ am Himmel in Teilen Europas und somit auch Deutschland bestaunt werden.

Bei einer partiellen Mondfinsternis wandert nicht der gesamte Mond in den Kernschatten der Erde, sondern streift diesen nur. Beim kommenden Ereignis liegen insgesamt 65% der Mondoberfläche im Kernschatten der Erde. Der restliche Teil des Mondes wird entweder weiter von der Sonne beleuchtet oder liegt im Halbschatten, der mit bloßem Auge nicht wahrgenommen werden kann. Der Startschuss der Mondfinsternis ertönt, sobald der Mond in den Halbschatten der Erde um 20:43 Uhr MESZ eintritt. Ab etwa 22 Uhr MESZ gelangen erste Teile des Mondes in den Vollschatten, der Mond wirkt nun zunehmend „angeknabbert“. Der Höhepunkt der partiellen Mondfinsternis wird für 23:32 Uhr MESZ erwartet.

Doch spielt das Wetter mit? Die besten Chancen für eine freie Sicht auf den ständigen Begleiter der Erde haben die Regionen südlich von Mosel und Main sowie Teile von Mecklenburg-Vorpommern. Während im Nordosten die dichteren Wolkenfelder wohl erst nach dem Ereignis aufziehen, könnten im Süden dichtere Schleierwolken die Sicht etwas trüben. In den übrigen Landesteilen lässt überwiegend starke Bewölkung kaum einen Blick zum Mond zu.

Auch wenn es sich beim kommenden Fall „nur“ um eine partielle Finsternis handelt, sollten sich Astronomen und Freunde des Mondes zumindest hierzulande das Ereignis nicht entgehen lassen. Zwar gibt es auch im nächsten Jahrzehnt einige partielle Finsternisse, bis zur nächsten totalen Mondfinsternis muss in Deutschland allerdings noch 10 Jahre, bis zum 20. Dezember 2029, gewartet werden.

Als ständiger Begleiter hat der Mond jedoch auch einen großen Einfluss auf das Leben auf der Erde. Um ihn besser von den Trabanten anderer Planeten des Sonnensystems abzugrenzen, wird er oft auch als „Erdmond“ bezeichnet. Mit einem Durchmesser von 3.476 km ist er viermal kleiner als die Erde und gleichzeitig der fünfgrößte Mond unter den seinen im Sonnensystem. Der Abstand zwischen Mond und Erde beträgt im Durchschnitt 384.400 km. Er umkreist die Erde auf einer elliptischen Bahn und benötigt dafür 29,5 Erdtage (Neumond zu Neumond). Gemeinsam bewegen sich Mond und Erde (Schwerpunkt im Erd-Mondsystem) schließlich um die Sonne. Auch aufgrund der verhältnismäßig geringen Entfernung ist er bisher der einzige Himmelskörper, den der Mensch neben der Erde jemals betreten hat. Bereits am 20. Juli 1969 setzte Neil Armstrong als Kommandant von Apollo 11 den ersten Fuß auf den Erdtrabanten. Insgesamt gab es im Zeitraum von 1969 bis 1973 weitere fünf erfolgreiche Landungen der US-Amerikaner, seitdem aber keinen weiteren menschlichen Besuch. Dies könnte sich aber bald ändern. In verschiedenen Ländern der Erde wird fleißig eine neue bemannte Mondmission geplant. Demnach wollen die Amerikaner 2028 wieder zum Mond starten, Russland strebt das Jahr 2030 für einen Mondaufenthalt an und auch China befasst sich mittlerweile mit eigenen Mondplänen.

Am Himmel ist der Mond meist das auffälligste Gestirn, sodass er zusammen mit der Sonne die Kalender der Menschen prägte und prägt. Auf seiner Bahn um die Erde variiert er sein Aussehen und durchläuft verschiedene Mondphasen. Den Beginn macht der Neumond. Zu diesem Zeitpunkt steht der Mond von der Erde aus gesehen in Richtung Sonne und geht mit dieser auf und unter. Weil er uns die Nachtseite zuwendet, können wir ihn in der Nacht nicht sehen. Nach Neumond bewegt sich der Mond von der Sonne aus gesehen nach Osten und geht daher nach der Sonne unter. In der Abenddämmerung ist für die Menschen ein kleiner Teil der Tagesseite des Mondes zu erkennen, was wir im Verlauf als „zunehmende Mondsichel“ wahrnehmen. Befindet sich der Mond von der Sonne aus schließlich neben der Erde, kann man die Hälfte der Tagseite des Mondes erkennen („zunehmender Halbmond“). Der Mond geht dann etwa zu Mittag auf und gegen Mitternacht unter. Als „zunehmenden Mond“ wird nachfolgend die vierte Mondphase bezeichnet, in der sich der Mond weiter als die Erde von der Sonne entfernt. Dabei steigt die Helligkeit des Mondes für die Beobachter
beträchtlich an und lässt den Erdtrabanten bis nach Mitternacht am Himmel strahlen. Steht der Mond von der Sonne aus hinter der Erde, befindet sich die gesamte der Erde zugewandte Mondhälfte im Sonnenlicht. Der sogenannte „Vollmond“ geht bei Sonnenuntergang auf und bei Sonnenaufgang unter. Dieser 5. Mondphase folgen der „abnehmende Mond“ sowie der „abnehmende Halbmond“. Dabei wandert der Mond um die Erde herum wieder in Richtung Sonne.

Weitere Informationen über den Mond können Sie beispielsweise der Seite der-mond.org entnehmen.

Dipl.-Met. Lars Kirchhübel
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 16.07.2019

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