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Thema des Tages

„Zwiebellook“ im Spätsommer!

Der Herbst kommt mit seinen Begleiterscheinungen zumindest
Übergangsweise. Eihergehend muss auch der Kleiderschrank mal wieder umsortiert werden. Frische Nächte stehen teilweise in Kontrast du warmen Tagen, zudem fegt regional der Wind den Regen über das Land.

Normalerweise sind die Übergangsjahreszeiten Frühling und Herbst bekannt für einen großen Tagesgang der Temperaturen.

Auch derzeit befinden wir uns kalendarisch noch im Sommer, doch das Wetter mutet diese Woche eher wie Herbst an. Tiefstwerte verbreitet zwischen 9 und 2 Grad folgen vielerorts Höchstwerte zwischen 14 und 20 Grad. Besonders groß ist der Temperaturunterschied im Südwesten und Süden, wo die Sonne die Temperaturen tagsüber gen 20 Grad treibt, während nach nächtlichem Auskühlen morgens bei Werten im unteren einstelligen Bereich häufig feuchtkühles Wetter vorherrscht. Die Temperaturspanne von 8 bis 14 Grad sorgt dort schließlich für das Problem bei der Kleidungswahl. Insgesamt ist diese Kombination von „feuchtkühl“ zu „sonnig und warm“ zudem förderlich für
Erkältungskrankheiten. Im Nordosten ist die Temperaturdifferenz aufgrund der Bewölkung zwar nicht ganz so groß, dafür muss die Bekleidung dort teilweise wind- und regenfest sein. Abhilfe kann der von einer Zwiebel inspirierte Kleidungslook aus mehreren Schichten, der sogenannte „Zwiebellook“, schaffen. Allerdings muss dieser je nach Region unterschiedlich interpretiert werden.

Typischerweise empfiehlt es ich direkt auf der Haut, als unterste Schicht, keine Wolle oder Baumwolle zu tragen. Im Vergleich zu anderen Naturfasern, wie beispielsweise Seide, nimmt die Baumwolle sehr viel Feuchtigkeit auf, ohne sie wieder abzugeben. Die Nässe bleibt schließlich auf der Haut und kühlt diese aus. Die Folge kann dann eine Erkältung sein. Idealerweise sollte die erste
Kleidungsschicht ein Funktionsunterhemd sein. Darüber sollte ein T-Shirt oder Longsleeve folgen. Ein hochgeschlossener Cardigan oder Rollkragenpullover verhindert als dritte Schicht, dass kalte Luft am Halsausschnitt eindringen kann. Den Zwiebellook abschließen sollte dann eine Jacke aus atmungsaktivem, aber wasserabweisendem Material, die auch vor kaltem Wind Schutz bietet. Als klassischer Regenmantel kann zusätzlich ein Trenchcoat dienen. Steigt tagsüber dann die Temperatur an oder betritt man einen wärmeren und trockenen Raum, können je nach Bedarf die obersten Kleidungsschichten abgelegt werden.

Grundsätzlich bleiben die Temperaturdifferenzen zwischen Tag und Nacht wohl über das kommende Wochenende hinweg erhalten. Zwar werden die Nächte am Wochenende etwas milder, gleichzeitig legen aber auch die Werte am Tag wieder etwas zu. Während morgens schon eine Winterjacke sinnvoll sein kann, reicht am Nachmittag bei Sonnenschein teilweise schon ein T-Shirt aus. Aber Achtung, wenn die Sonne flacher steht und schließlich hinter dem Horizont verschwindet, sinken die Temperaturen rasch wieder ab.

Dipl.-Met. Lars Kirchhübel
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 16.09.2019

Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

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Thema des Tages

Herbstlicher Wettercharakter zur neuen Woche

Das Jahr schreitet voran und der Herbst naht auch aus kalendarischer Sicht! Das Wetter pendelt dabei derzeit zwischen Spätsommer und Herbst hin und her. Kommende Woche ist dann wieder der Herbst mit seinen typischen Anzeichen am Zug.

Am 1. September hat nach meteorologischer Zeitrechnung der Herbst begonnen und am Montag den 23. September folgt der Herbstanfang auch aus kalendarischer Sicht. In der Grauzone der
Herbstanfangsdefinitionen pendelt das Wetter zwischen Herbst und Spätsommer hin und her. In der kommenden Woche schlägt das Pendel in Deutschland wieder in Richtung Herbst aus. Bei Tiefstwerten zwischen 11 und 4 Grad, in Tal- und Muldenlagen der Südhälfte teils bis 1 Grad – örtlich inklusive Nachtfrost – kann sich zudem gebietsweise dichter Nebel bilden. Gleichermaßen beginnen derzeit auch die Blätter an den Bäumen zunehmend die Farben gelb und rot anzunehmen, sofern diese aufgrund der Trockenheit im Sommer nicht schon früher das Zeitliche gesegnet haben und zu Boden fielen. Im Norden und Osten vollendet schließlich stark böig, teils stürmisch auffrischender Wind, der Regenwolken über das Land peitscht, das herbstliche Feeling.

Allerdings sind die Rollen von Spätsommer und Herbst in Deutschland derzeit ungleichmäßig verteilt. Denn vor allem im Norden und Osten sowie Teilen der Mitte übernehmen ab heute zunehmend Tiefdruckgebiete das Wettergeschehen. Das erste Tief, das seine Fühler nach
Deutschland ausstreckt, ist „Ignaz“ über Skandinavien. Dessen Kaltfront rollt im Tagesverlauf auf den Norden zu und überquert das Land allmählich südwärts. Zwischen Tief „Ignaz“ und dem Hoch „Gaia I“ bei Irland kann sich eine stramme Nordwestströmung ausbilden, die Polarluft anzapft und bis nach Deutschland transportiert. Da allerdings die Nordsee noch recht warm ist und diese erwärmen kann, kommt die Luft zumindest noch gemäßigt bei uns an. Im Norden und Osten purzeln die Tageshöchstwerte diese Woche dennoch auf kühle 13 bis 19 Grad.

Dagegen sorgt das Hoch „Gaia I“ im Südwesten weiter für viel Sonnenschein, sodass die im Vergleich zum Wochenende ebenfalls niedrigeren Höchsttemperaturen zwischen 19 bis 23 Grad in den kommenden Tagen allenfalls den Eindruck des eines „Goldenen Herbstes“ erwecken.

Ein typisches Anzeichen für den Herbst – in den nächsten Tagen in Deutschland auch gut zu erkennen – ist der zunehmende Tagesgang der Temperaturen. Während am Tag mit Sonnenunterstützung die Höchstwerte oft noch angenehme Werte zwischen 15 und 25 Grad erreichen, sinken die Temperaturen in der Nacht verbreitet in den einstelligen Bereich. Der Grund liegt im abnehmenden Tageslicht. Zum kalendarischen Herbstanfang steht die Sonne mit etwas mehr als 12 Stunden genauso lange am Himmel wie zum Frühlingsanfang am 20. März, zum Sommeranfang am 21. Juni waren es dagegen noch knapp 16,5 Stunden. Die geringste Menge an Tageslicht erwarten wir dann zum Winteranfang am 22. Dezember.

Mit dem abnehmenden Sonnenlicht nehmen, wie oben schon angedeutet, auch die herbstlichen Wetter- und Umwelteigenschaften und somit auch Gefahren zu. So kann fallendes Laub insbesondere bei feuchten oder nassen Wetterbedingungen auf den Straßen für eine gefährliche Rutschbahn sorgen.

Anders sieht es mit dem Nebel aus. Besonders der sogenannte Strahlungsnebel hüllt die Landschaften in bodennahen Schichten zunehmend in einen weiß-grauen Schleier. Der Strahlungsnebel beruht dabei im Wesentlichen auf bodennahes Auskühlen. Bei klarem Himmel gibt der Boden viel Wärme an die Luft ab und kühlt somit stark aus. Umso länger die Nacht dauert, desto stärker kann der Boden bei wolkenlosen Verhältnissen auskühlen. Zeitlich verzögert kühlt der Boden schließlich auch die unteren Luftschichten ab. Verfügt die Luftschicht über eine ausreichende Menge an Feuchte, kann diese ab einer bestimmten Temperatur (Sättigung der Luft mit Wasserdampf) zu kleinen Tröpfchen kondensieren. Nachfolgend bilden sich bodennahe Wolken, die wir als Nebel wahrnehmen. Für Autofahrer können diese Nebelfelder aufgrund einer raschen Verschlechterung der
Sichtverhältnisse sehr tückisch sein. Oftmals können die Sichtweiten lokal sogar unter 100 Meter sinken.

Erst wenn die Sonne am Himmel höher steigt und die Luft wieder erwärmt, löst sich der Nebel wieder auf. Die dann wieder wärmere Luft kann eine größere Menge an Feuchte aufnehmen, sodass die kleinen Nebeltröpfchen verdunsten und der Luft wieder als Wasserdampf erhalten bleiben.

Auch in den nächsten beiden Nächten muss vor allem im Westen und Süden erneut mit Nebelbildung gerechnet werden. Gebietsweise sind dabei auch wieder Sichtweiten unter 150 Meter zu erwarten.
Entsprechend sollte in den betroffenen Regionen die
Fahrgeschwindigkeit den Verhältnissen angepasst werden.

Dipl.-Met. Lars Kirchhübel
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 15.09.2019

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Thema des Tages

Hurrikane: Eine Gefahr für Deutschland?

Welche Rolle Hurrikane hierzulande wirklich spielen, erfahren Sie im heutigen Thema des Tages.

Nachdem Hurrikan „DORIAN“ auf den Bahamas und in den USA in der letzten Woche sein zerstörerisches Werk beendet hatte, tauchte er weiterhin in den Schlagzeilen auf – nun aber im Zusammenhang mit dem Wetter hierzulande. Auch wenn das aus meteorologischer Sicht im Kern richtig ist, kann es, abhängig von der Formulierung, leicht zu Missverständnissen führen. Denn damit war definitiv nicht gemeint, dass der Hurrikan als solcher über den Atlantik ostwärts braust und in Europa dieselbe Kraft entfaltet, wie in den zuvor betroffenen Gebieten. Vielmehr ist es angebracht, in diesem Zusammenhang von einem ehemaligen Hurrikan zu sprechen (auf den Wetterkarten z.B. als Ex-„DORIAN“ gekennzeichnet), da er sich vor unserer Haustür von Tiefdruckgebieten der mittleren Breiten meist nicht wesentlich unterscheidet. In den medialen Beiträgen wird dies im
„Kleingedruckten“ oft entsprechend relativiert, auch wenn die Schlagzeilen etwas anderes vermuten lassen. Daher soll an dieser Stelle mehr Licht ins Dunkel gebracht werden, was die
Wetterwirksamkeit von tropischen Wirbelstürmen in Europa betrifft.

Zunächst einmal eine gute Nachricht: Dass Hurrikane in ihrer ursprünglichen Form die mittleren Breiten, speziell Deutschland, erreichen, ist – unter den aktuellen Klimabedingungen – nahezu ausgeschlossen. Denn zu den elementaren Voraussetzungen für die Entstehung gehört eine großräumige, warme Wasseroberfläche mit Temperaturen von mindestens 26 Grad – Bedingungen, die am ehesten in den Tropen und Subtropen gegeben sind. Dadurch scheiden die meisten europäischen Gewässer schon mal aus, allerdings kann es in Bereichen des Mittelmeeres tatsächlich vor allem im Frühherbst so warm werden (Stichwort: „Medicanes“, siehe Thema des Tages vom 29.09.2018: https://www.dwd.de/DE/wetter/thema_des_tages/2018/9/29.html).

Weiter muss man sich einen zentralen Unterschied zwischen den Tiefdruckgebieten Europas und den Hurrikanen vor Augen führen: Bei uns gewinnen die Tiefdruckgebiete ihre Energie aus den
Temperaturunterschieden zwischen der Arktis und den Tropen. Ist dieser Unterschied abgebaut, löst sich das Tief auf. Ein tropischer Wirbelsturm hingegen besteht aus einer weitgehend einheitlich temperierten, feuchtwarmen Luftmasse und kann auch nur als solcher erhalten bleiben, solange die entsprechenden lokalen Gegebenheiten vorherrschen.

Die für das europäische Wettergeschehen relevanten Wirbelstürme entstehen meist in der Nähe der Kapverdischen Inseln oder westlich davon auf dem Atlantik. Ihre gewöhnliche Zugbahn verläuft am Südrand des Azorenhochs mit den vorherrschenden, westwärts gerichteten Passatwinden zunächst in Richtung Karibik. Dass sie direkt eine nördliche Zugbahn in Richtung Europa einschlagen, ist bei normaler (im klimatologischen Mittel üblichen) Ausprägung des Azorenhochs nicht gegeben, wobei Ausnahmen die Regel bestätigen (siehe weiter unten). Erst wenn sie das Azorenhoch „umkurvt“ haben, vollziehen Hurrikane den „Schlenker“ nach Norden. Teilweise haben sie da bereits die Südostküste der USA erreicht, wie auch jüngst im Falle von „DORIAN“. Sobald sie nun in außertropische Bereiche weiter nördlich vordringen, beginnen sie kältere Umgebungsluft anzusaugen. Dadurch verlieren die Stürme ihre tropischen Eigenschaften: Anstatt einer einheitlich temperierten Luftmasse bekommen sie nun eine warme Vorder- und kalte Rückseite, in Wetterkarten erkennbar durch Bildung von Warm- und Kaltfront. Zuweilen wird er auch durch die Annäherung einer Kaltfront eines außertropischen Tiefs eingefangen (absorbiert). Die Selbsterhaltung des Systems durch die ständige Zufuhr
feuchtwarmer Luft von allen Seiten ist damit nicht mehr gegeben und das Tief durchläuft einen „klassischen“ Lebenszyklus wie jedes andere Tief der mittleren Breiten, an dessen Ende seine Abschwächung und schließlich Auflösung steht.

Bis zu ihrer Ankunft in Europa hat sich der Großteil der
Temperaturkontraste bereits abgebaut, so dass die Wirbelstürme im Vergleich zu ihrer Hurrikan-Vergangenheit meist nur noch ein Schatten ihrer selbst sind. Hätte man es nicht auf den Wetterkarten verfolgt, so wäre wohl kaum jemand darauf gekommen, dass die schwache Regenfront, die letzten Mittwoch (11.09.2019) den Norden und die Mitte Deutschlands überquerte, zum ehemaligen Hurrikan „DORIAN“ gehörte. Gefährlicher für Europa sind vielmehr winterliche
Orkantiefs, die als sogenannte „Schnellläufer“ über uns
hinwegbrausen. Kaum ein „richtiger“ Sturm in Mitteleuropa hat eine Hurrikan-Vergangenheit.

In jüngerer Vergangenheit gibt es allerdings zwei prominente Fälle von tropischen Wirbelstürmen, die Europa als solche deutlich näher kamen beziehungsweise sie sogar erreichten. 2005 war dies Hurrikan „VINCE“. Er bildete sich um den 8. Oktober zwischen den Azoren und Kanaren – deutlich weiter nördlich als sonst üblich. Dabei lag die Wassertemperatur allerdings bei nur 23 °C – eigentlich zu wenig, wie wir oben gesehen haben. Vermutet wird, dass dies auf ungewöhnlich kalte Luft in der Höhe zurückzuführen ist, so dass der
Temperaturunterschied groß genug war, um einen genügend starken Konvektionsantrieb zu erzeugen. Nachdem der Sturm am 9. Oktober sogar ein Auge entwickelt hatte, wurde er offiziell zum Hurrikan
hochgestuft. Durch das ungewöhnlich weit nördlich liegende
Entstehungsgebiet von „VINCE“ spielte das Azorenhoch keine
(blockierende) Rolle, so dass er auf nordöstlicher Zugbahn direkt Kurs auf die Iberische Halbinsel nahm. Am 11. Oktober kam es in Südwestspanien zum Landgang mit entsprechendem starken Sturm und Regen. Danach schwächte er sich allerdings sehr schnell ab. Auch wenn seine Intensität von anderen Hurrikanen der Saison 2005 in den Schatten gestellt wurde (speziell „KATRINA“), so war er für europäische Wetterverhältnisse doch eine außergewöhnliche
Erscheinung.

Ein weiteres prominentes Beispiel liegt erst zwei Jahre zurück: Hurrikan „OPHELIA“. Bemerkenswert dabei war, dass er noch auf der Höhe der Iberischen Halbinsel das Erscheinungsbild eines klassischen Hurrikans mit ausgeprägtem Auge abgab und nachfolgend Irland mit Regen und Wind extremen Ausmaßes heimsuchte. Die Themen des Tages vom 12. und 15. Oktober 2017 widmeten sich dem Sturm ausgiebig: https://www.dwd.de/DE/wetter/thema_des_tages/2017/10/12.html https://www.dwd.de/DE/wetter/thema_des_tages/2017/10/15.html

Als Fazit lässt sich sagen: Vor „richtigen“ Hurrikanen ist
Mitteleuropa so gut wie sicher geschützt – das Azorenhoch und der kalte Atlantik in unseren Breiten bilden zwei entscheidende Barrieren. Die vorgelagerten Landmassen sorgen zudem beim Landgang für zu viel Reibung und in der Folge für eine rasche Abschwächung. Der Vollständigkeit halber sei noch ergänzt, dass auch die Höhenwinde hierzulande oft zu stark für Wirbelstürme sind. Bekommen die Aufwinde einen Versatz in der Höhe (Windscherung), bricht das System zusammen. „VINCE“ und „OPHELIA“ sowie ein paar weitere Beispiele sind auch heute noch die absoluten Ausnahmen, da sich für diese Fälle, wie wir gesehen haben, sehr außergewöhnliche Wetterbedingungen einstellen müssen. Signifikant ist, dass mit Annäherung der Tropenstürme auf der Vorderseite mit der südlichen Strömung die Reste der ehemals tropischen Luftmasse für ungewöhnlich warme Temperaturen bei uns sorgen kann. Wenn sie daher auf den Wetterkarten den Vorsatz „Ex-“ lesen, ist der „Altweibersommer“ oder der „Goldene Oktober“ oft nicht weit.

Dipl.-Met. Robert Hausen / Niklas Anczykowski (Praktikant)
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 14.09.2019

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Spätsommerwetter im Altweiber-Gewand

Sonniges und warmes Spätsommerwetter mit Temperaturen bis 30 Grad erwartet uns an diesem Wochenende. Ist das schon der
„Altweibersommer“?

Die Tage werden kürzer, die Temperaturen sinken allmählich und die Sonne zeigt sich aufgrund der abnehmenden Tageslänge nicht mehr so lange wie in den Vormonaten – deutliche Vorboten für den Herbst. In den nächsten Tagen werden wir von diesen Erscheinungen aber nicht allzu viel merken. Gibt nun sogar der sogenannte „Altweibersommer“ ein Gastspiel? Aus meteorologischer Sicht erfüllt das Wetter am Wochenende die Voraussetzungen dafür, kalendarisch gesehen allerdings passt es noch nicht ganz. Aber was ist überhaupt der Altweibersommer?

Die Namensherkunft des Altweibersommers hängt mit dem altdeutschen Wort „weiben“ zusammen, was übersetzt „weben“ bedeutet. Weil sich im September in den Morgenstunden häufiger als in den Vormonaten Tau auf Wiesen und Feldern absetzt, werden dort nun auch von Spinnen gewobenen Netze besonders gut sichtbar.

Beim Altweibersommer stellt sich eine frühherbstliche
Hochdruckwetterlage ein, die zwischen dem 22. September und Anfang Oktober vorkommt. Ein Hochdruckgebiet, das sich im Frühherbst über Mitteleuropa bildet und zwischen einem Tiefdruckgebiet über dem Atlantik und einem weiteren über Osteuropa eingespannt ist, unterbricht dann den Tiefdruckeinfluss der Westwetterdrift. Die Höchsttemperaturen können nochmals um 30 Grad erreichen, die Nächte dagegen sind aufgrund abnehmender Tageslänge häufig von niedrigen Temperaturen gekennzeichnet. Der Süden Deutschlands profitiert im Regelfall deutlich mehr von dieser Wetterlage, denn im Norden wird in vielen Fällen durch das Heranführen von feuchter Luft die Bildung von Nebel- und Hochnebelfeldern begünstigt. In der Meteorologie wird, wie beim „Siebenschläfer“ oder den „Hundstagen“, von einer Singularität oder einem Witterungsregelfall gesprochen. Darunter werden
Wetterereignisse verstanden, die mit einer hohen statistischen Wahrscheinlichkeit auftreten und hinsichtlich ihrer Temperaturen und Niederschläge vom sonst üblichen Jahresgang abweichen. Beim Altweibersommer ist mit einer Wahrscheinlichkeit von 70 Prozent damit zu rechnen, dass sich besagte Hochdruckwetterlage im entsprechenden Zeitraum einstellt.

Beim aktuell zu erwartenden Spätsommerwetter kommt es zu solch einer Wetterlage, wobei sich am heutigen Freitag ein Hoch namens „Gaia“ über den Britischen Inseln etabliert. Dieses Hoch bildet am Samstag und Sonntag eine Hochdruckbrücke aus, die vom Atlantik bis ins östliche Mitteleuropa reicht. Damit dreht die Strömung über Deutschland allmählich auf südliche Richtungen, sodass zunehmend warme Luft zu uns gelangt.

Nach einem noch teils wechselhaften Freitag mit vereinzelt leichtem Regen, aber schon hohen Temperaturen bis 27 Grad im Süden, setzt sich am Wochenende mehr und mehr der Sonnenschein durch. Die
Höchsttemperaturen liegen am Samstag zwischen 22 und 27 Grad, in der Nordosthälfte bleibt es bei 17 bis 21 Grad noch etwas kühler. Am Sonntag wird es mit 24 bis 28 Grad noch wärmer, im Südwesten könnte es sogar örtlich einen heißen Tag mit Temperaturen von 30 Grad oder mehr geben. Im Norden allerdings tauchen am Sonntag neue Wolken einer Kaltfront auf, die nachfolgend wieder ein wenig Regen bringen und die Temperaturen dämpfen. Die Kaltfront sorgt zum Wochenanfang dann auch in den anderen Landesteilen für eine deutliche Abkühlung.

Das zu erwartende Wetter an diesem Wochenende erfüllt also alle Kriterien eines Altweibersommers, zumal es abends nun schnell abkühlt und die Nächte mit Tiefstwerten zum Teil unter 10 Grad recht frisch werden. Aber wie bereits erwähnt ist noch nicht die Zeit für den Altweibersommer, sodass man in diesem Fall wohl besser von
Spätsommerwetter im Altweiber-Gewand sprechen kann?

Praktikant Daniel Meister (B.Sc. Student Geographie) und Dipl.-Met. Simon Trippler
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 13.09.2019

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„High-Impact-Wetter“: Heftige Regenfälle am westlichen Mittelmeer

Schwere Unwetter werden im westlichen Mittelmeerraum erwartet. Heftige Starkregenfälle erfassen vor allem Teile der Balearen sowie Südost-Spanien.

Wer kennt es nicht: Der Herbst ist da, die Tage werden kürzer, die Sommerwärme schwindet. Gerade als Sonnen- und Wärmeanbeter schaut man da fast sehnsüchtig in die Kataloge der Reiseanbieter: Schnell ans Mittelmeer und nochmal Sonne und Wärme am Strand genießen – wunderbar! Im Herbst kann man mit „Last-Minute ans Mittelmeer“ aber schnell auch mal auf die Nase fallen, zumindest, wenn man im Vorfeld nicht auf die Wettervorhersagen achtet.

Das Wasser des Mittelmeers ist (noch) warm, die aus Norden mitunter weit nach Süden vorstoßende und über das Wasser streichende Luft (schon) etwas kühler als noch im Hochsommer. „Unten warm, oben kühl“ bedeutet nichts anderes, als ein großes Temperaturgefälle mit der Höhe. Wir Meteorologen reden da gerne von „Labilität“, die starke Luftmassenumwälzungen in Form von Schauern und Gewittern begünstigt. Nicht selten wird dabei die Bildung von kleinräumigen, aber intensiven Tiefdruckgebieten über dem Meereswasser in Gang setzt. Diese Mittelmeertiefs verlagern sich meist nur sehr langsam und bringen den Mittelmeeranrainern so mitunter gewaltige
Niederschlagsmengen in kurzer Zeit sowie Sturm. Im Fachjargon spricht man bei der erhöhten Tiefdruckaktivität über dem Mittelmeer im Zeitraum zwischen September und November wegen dem hohen
Schadenpotenzial von „High-Impact-Weather“ (HIW, zu Deutsch: Wetter mit großen Auswirkungen).

Zu Beginn dieser Woche ereignete sich ein Kaltluftvorstoß, der von Nordwest- und Westeuropa Richtung Spanien und westliches Mittelmeer gerichtet war. In den Wetterkarten bildet sich in dem Bereich der höhenkältesten Luft ein sog. Höhentief ab, das sich von Irland kommend über die Biskaya und Spanien Richtung Straße von Gibraltar (Meerenge zwischen Spanien und Marokko) verlagerte und dort nun einige Tage „herumeiern“ wird. Das Höhentief forciert fortwährend die Ausbildung kleiner Bodentiefs, vor allem über dem Norden der Länder Algerien und Marokko sowie vor deren Küsten. An der Nordflanke dieser Tiefs werden die über dem Mittelmeer und Nordalgerien entstehenden, teilweise größeren Schauer- und Gewittersysteme in einer östlichen bis südöstlichen Strömung immer wieder Richtung Südostspanien und die Balearen geführt – enorme Niederschlagsmengen, größere Überflutungen und Erdrutsche sind die Folge!

Schon seit Dienstag sind Teile Spaniens und der Balearen von Starkregenfällen betroffen. Im Norden der Insel Mallorca gingen von Dienstag auf Mittwoch örtlich über 200 Liter Regen pro Quadratmeter nieder. Mittwoch auf Donnerstag erfassten Starkregenfälle dann insbesondere das Valencianische Land im Osten Spaniens mit
stellenweise über 80 Liter pro Quadratmeter. In einigen Regionen wurden Bäche und Flüsse zu reißenden Strömen.

Am heutigen Donnerstag und am Freitag weitet sich der Schwerpunkt der heftigsten Starkregenfälle vom Valencianischen Land weiter nach Süden in die Regionen Murcia und Ostandalusiens sowie in den Südosten der Region Kastilien-La Mancha aus. Auch Ibiza könnte betroffen sein. In den genannten Regionen sind bis Samstagfrüh Niederschlagsmengen von gebietsweise 100 bis 200 l/qm zu erwarten. Durch wiederholt auftretende Schauer und Gewitter (vor allem in Küstennähe) sowie in Staulagen des spanischen Berglandes sind räumlich eng begrenzt auch weitaus höhere Mengen zwischen 200 und 400 l/qm möglich. Bevorzugt über dem Seegebiet zwischen den Balearen und der ostspanischen Mittelmeerküste weht ein in Böen zeitweise stürmischer Wind. Sturmböen oder gar schwere Sturmböen sind ebenfalls durchaus denkbar. Hohe Wellen (3-4 m, teilweise sogar bis 6 m) stellen eine weitere Gefahr für die Schifffahrt dar.

Das „High-Impact-Weather“ hält bis zum Wochenende an. Erst danach beruhigt sich das Wetter langsam etwas, sodass der westliche Mittelmeerraum bei den Sonnen- und Wärmehungrigen als Urlaubsziel wieder attraktiver werden sollte.

Dipl.-Met. Adrian Leyser
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 12.09.2019

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