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Thema des Tages 

Der erste heiße Tag des Jahres 

Bisher hat es 2020 noch keine Station in Deutschland gegeben, die 
einen heißen Tag mit 30 Grad oder mehr verzeichnen konnte. Wird der 
Sommer also nicht so heiß wie die beiden letzten Sommer? 

30 Grad oder mehr sind notwendig, damit die Meteorologen per 
Definition von einem „heißen Tag“ (früher auch von einem „Tropentag“) 
sprechen. Zwar haben wir bis zum meteorologischen Sommeranfang am 
kommenden Pfingstmontag (01.06.2020) noch ein paar Tage, in den 
vergangenen Jahren aber gab es häufig schon im Frühling die ersten 
heißen Tage in Deutschland. Bis zum heutigen Montag hat in diesem 
Jahr in Deutschland noch keine Station 30 Grad oder mehr erreicht, 
sodass noch kein heißer Tag verbucht werden konnte. 

In den vergangenen Jahren seit 2011 wurde als frühestes Datum eines 
Jahres mit einem heißen Tag ein 22. April registriert (2018 in 
Ohlsbach (Baden-Württemberg), siehe Tabelle 1 unter 
https://www.dwd.de/DE/wetter/thema_des_tages/2020/5/25.html), als 
spätester Termin ist ein 13. Juni zu verzeichnen (2013 in Rheinfelden 
(Baden-Württemberg)). 

Im Mittel der Termine mit dem ersten heißen Tag des Jahres ergibt 
sich der 25. Mai, den wir heute haben. Sollte es also in den nächsten 
Tagen irgendwo in Deutschland einen heißen Tag geben, dann wären wir 
noch nah am Mittel. Mit jedem weiteren Tag ohne 30 Grad oder mehr 
entfernen wir uns aber davon und wären dann entsprechend spät dran. 

Ein später Beginn heißer Tage lässt jedoch keinerlei Rückschlüsse auf 
den Verlauf des Sommers zu, wie ein Vergleich für 2018 und 2019 
offenbart! So wurde 2019 erst am 2. Juni in Geldern-Walbeck 
(Nordrhein-Westfalen) der erste heiße Tag gemessen, insgesamt aber 
kam es im deutschlandweiten Mittel in diesem Jahr noch zu mehr als 16 
heißen Tagen. 2018 dagegen stieg die Temperatur bereits am 22. April 
zum ersten Mal auf über 30 Grad, wobei in diesem Jahr im 
deutschlandweiten Jahresmittel fast 20 heiße Tage gemeldet wurden. In 
beiden Jahren sind also vergleichsweise viele heiße Tage vorgekommen 
(das Mittel seit 2011 liegt bei rund 11 Tagen), obwohl es einmal 
einen ziemlich späten (2019) und einmal einen sehr frühen Start 
(2018) heißer Tage gab. Ob der Sommer 2020 nun viele heiße Tage haben 
wird oder wenige und ob er damit heiß wird oder nicht, ist überhaupt 
noch nicht klar! 

Relativ klar hingegen ist das Wetter der nächsten Tage. Hoch 
„Steffen“, das aktuell mit Zentrum über dem Südwesten der Britischen 
Inseln thront, verlagert seinen Schwerpunkt im Wochenverlauf zur 
Nordsee und dann nach Mitteleuropa und Skandinavien. Dabei strömt 
zunächst meist noch kühlere Meeresluft aus dem Norden zu uns. Im 
Wochenverlauf dreht die Strömung mehr und mehr auf Ost, womit 
trockene Festlandsluft unsere Gefilde erobert. Diese kann sich durch 
Sonneneinstrahlung allmählich erwärmen. Die Höchsttemperaturen liegen 
entsprechend zunächst meist bei 15 bis 24 Grad, am Mittwoch und vor 
allem ab Freitag werden häufiger auch wieder 25 Grad oder etwas mehr 
erreicht (meteorologisch gesehen übrigens per Definition ein 
Sommertag). Von 30 Grad oder mehr hingegen ist in den Vorhersagen 
zumindest diese Woche vorerst nichts zu sehen, sodass der erste heiße 
Tag des Jahres wohl noch etwas auf sich warten lässt. 

Dipl.-Met. Simon Trippler 
Deutscher Wetterdienst 
Vorhersage- und Beratungszentrale 
Offenbach, den 25.05.2020 

Copyright (c) Deutscher Wetterdienst 

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Thema des Tages

Schlechtere Wettervorhersagen durch weniger Flugverkehr?

Derzeit sind durch die Coronakrise deutlich weniger Flugzeuge in der 
Luft, die normalerweise wichtige Daten für die 
Wettervorhersagemodelle sammeln. Wie stark wirkt sich das auf die 
Prognose aus?


Damit Wettermodelle Vorhersagen für die kommenden Tage berechnen 
können, müssen sie erst einmal den "Ist-Zustand" der Atmosphäre 
möglichst genau kennen, d.h. das aktuelle Wetter an möglichst vielen 
Orten in möglichst vielen unterschiedlichen Höhen erfassen. Dabei 
gilt: Je mehr Infos bekannt sind, desto besser kann die Vorhersage 
werden. Diese Infos über den aktuellen Zustand kommen dabei nicht nur
von Wetterstationen, von Schiffen und Bojen, von Wetterballons, 
Wetterradaren und Satelliten - sondern auch von Flugzeugen. 

Das globale DWD-Wettermodell "ICON" zum Beispiel wird normalerweise 
jeden Tag mit rund 5,3 Millionen Messwerten gefüttert. Diese stammen 
zwar zu mehr als 80% von Satelliten, aber immerhin auch zu etwa 10% 
von Flugzeugen (die restlichen 10% liefern Bodenstationen, 
Wetterballons, etc.).

Aufgrund der aktuellen Situation haben Flugzeuge ihr Dasein in den 
letzten Wochen/Monaten zwangsweise fast komplett von der Luft auf den
Boden verlagern müssen, bei Lufthansa z.B. wurden 95% aller 
Linienflüge gestrichen. Damit gingen seit Anfang März auch die 
meteorologischen Flugzeugbeobachtungen drastisch zurück; in Europa 
beispielsweise um etwa 80%. 

Beim hochaufgelösten "COSMO-D2" Modell des DWD fallen die fehlenden 
Flugzeugdaten besonders stark ins Gewicht. Dieses weitere, regionale 
Wettermodell des DWD umfasst nicht die ganze Weltkugel wie das ICON, 
sondern nur Deutschland und seine Nachbarländer; liefert mit 2,2 km 
Auflösung (anstelle von 13 km) aber dafür auch deutlich genauere 
Vorhersagen, z.B. von Gewittern. Während in die Berechnungen des 
COSMO-D2 am 1. Februar noch mehr als 40.000 Flugzeugmesswerte 
eingingen, waren es am 1. April nur noch gut 5000. Besonders markant 
ist der Rückgang der Feuchtedaten, die an Bord von neun A321 
Lufthansa-Maschinen gesammelt werden (siehe beigefügte Grafik).

Doch wie groß sind die Auswirkungen dieser fehlenden Flugzeugdaten? 
Das Europäische Zentrum für Mittelfristige Vorhersage hat dies mit 
Messwerten des Jahres 2019 simuliert. Das Ergebnis: Ein 
Qualitätsrückgang der Prognose ist vor allem in Höhe des polaren 
Jetstreams (10-12 km Höhe) merklich, dort kommt es zu Fehlern von 
teils über 10%. Am Boden liegt die Abweichung, je nach 
Vorhersagemodell leicht verschieden bei etwa 4%.

Einen exorbitanten Einfluss haben die fehlenden Daten auf die 
Wettervorhersage also nicht, wobei die Auswirkungen bei einer ruhigen
Hochdruckwetterlage nochmals geringer sind als bei Tiefdruckeinfluss 
(evtl. lässt sich ein näherndes Tief erst einen Tag später erkennen 
als sonst oder seine Zugbahn etwas ungenauer vorhersagen).

Um den Einfluss der fehlenden Flugzeugdaten etwas zu mindern, werden 
nun zusätzliche Radiosonden (Wetterballons) in die Höhe gelassen, die
zusätzliche Messwerte liefern. Außerdem nutzt der Deutsche 
Wetterdienst (DWD) ab sofort die Winddaten des europäischen 
Forschungssatelliten "Aeolus". Allerdings sind die Messfehler bei 
Windmessungen durch Satelliten höher (2-2,5 m/s), als wenn sie durch 
Flugzeuge (ca. 1 m/s) erfolgen.
Übrigens: Das Programm "Aircraft Meteorological Data Relay" (AMDAR), 
in dessen Rahmen (Verkehrs-)Flugzeuge meteorologische Messdaten 
sammeln, existiert schon seit 1991. Es wird durch den Dachverband der
europäischen Wetterdienste EUMETNET organisiert. Täglich werden 
(normalerweise) mehr als 40.000 meteorologische Flugzeug-Meldungen 
von verschiedenen europäischen Fluggesellschaften in einem 
automatischen Verfahren übermittelt. Jede Meldung enthält neben den 
Zeit- und Ortsdaten auch Meldungen zur Lufttemperatur, 
Windgeschwindigkeit, Windrichtung und vereinzelt Luftfeuchte. Diese 
meteorologischen Daten werden selektiv während des Steig-, Reise-(10 
bis 15km) oder Sinkfluges von Verkehrsflugzeugen gewonnen. Größter 
Messdatenlieferant für den DWD ist die Lufthansa innerhalb Europas.
Die durchschnittliche Zeitdauer von der Erfassung der Messdaten im 
Flugzeug bis zum Empfang der Meldung in der Datenbank des DWD beträgt
unter 15 Minuten.

Dipl.-Met. Magdalena Bertelmann
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale 
Offenbach, den 24.05.2020

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Hyperaktive Hurrikan-Saison?

Am 1. Juni startet die atlantische Hurrikan-Saison. Verschiedene 
Prognosen unabhängiger Institute gehen von einer sehr aktiven 
Wirbelsturm-Periode aus.

Am vergangenen Wochenende und zu Beginn dieser Woche entwickelte sich
mit ARTHUR der erste tropische Sturm über dem Atlantik in diesem 
Jahr. ARTHUR war damit ein wahrhaftiger "Frühzünder". Die eigentliche
Saison atlantischer Hurrikane und tropischer Stürme startet nämlich 
offiziell erst am 1. Juni. Im Mai traten seit dem Jahre 1851 
insgesamt gerade mal 25 Stürme und 4 Hurrikane auf - das bedeutet im 
Schnitt 0,15 Stürme und 0,02 Hurrikane im Mai. ARTHUR könnte als 
Frühstarter" ein erstes Symptom einer hyperaktiven, also besonders 
"stürmischen" Hurrikan-Saison 2020 sein.

Alljährlich geben Experten mehrerer Konsortien und Wetterdienste 
Vorhersagen für die Hurrikan-Saison heraus. Neben groben Aussagen, ob
die Saison aktiver, normal oder weniger aktiv als im klimatologischen
Mittel erwartet wird, werden auch konkrete Prognosen über die Anzahl 
an Stürmen und Hurrikanen getroffen. Die Vorhersagen beruhen dabei 
wesentlich auf Analysen der großräumigen Luftzirkulationen der 
Atmosphäre über den Tropen und Wasseroberflächentemperaturen der 
Meere. Diese "Systeme" sind weitaus träger als diejenigen, die unser 
hiesiges Wetter bestimmen. Deswegen können solche längerfristigen 
Prognosen mit einer durchaus guten Trefferquote erstellt werden. Für 
die Voraussetzungen über dem Atlantik ist beispielsweise der aktuelle
Zustand der El-Nino-Southern-Oscillation (ENSO) von erheblicher 
Bedeutung, also die Variation der Wasseroberflächentemperaturen des 
tropischen Ostpazifik sowie die damit in Verbindung stehenden 
Luftmassenzirkulationen darüber. Indirekten Einfluss hat auch der 
afrikanische Monsun. Unmittelbar von Relevanz sind selbstverständlich
die Wasseroberflächentemperaturen des tropischen Atlantiks, über dem 
die Störungen bzw. Tiefs entstehen, aus denen sich tropische 
Wirbelstürme entwickeln können. 

In diesem Frühjahr befindet sich die ENSO in einem neutralen Zustand,
tendiert aber leicht in Richtung eines schwachen "La 
Nina"-Ereignisses, siehe Wetterlexikon: https://www.dwd.de/DE/service/lexikon/Functions/glossar.html?lv2=1006
52&lv3=100732). Im Gegensatz zu einem "El Nino"-Ereignis, was 
Hurrikan-Entwicklungen eher unterdrückt, ist "La Nina" günstig für 
die Hurrikan-Entwicklung. Darüber hinaus herrschen im tropischen 
Atlantik und im Karibischen Ozean zurzeit überdurchschnittliche 
Wasseroberflächentemperaturen: Je wärmer, desto besser für 
Wirbelstürme! Verhältnismäßig schwache Winde, geringe Windscherung 
und ein relativ starker afrikanischer Monsun stehen ebenfalls auf der
"Pro-Seite" einer etwaigen "wilden" Saison. 

Die bekannteste und im Hinblick auf Hurrikane wohl erfahrenste 
Institution, der amerikanische Wetterdienst NOAA, veröffentlichte am 
Mittwoch (21. Mai) seine Vorhersage, in der von einer 60-prozentigen 
Wahrscheinlichkeit für eine überdurchschnittlich aktive 
Hurrikan-Saison die Rede ist. Die Wahrscheinlichkeiten für eine 
normal oder gar unterdurchschnittlich aktive Saison werden mit 30 
Prozent bzw. 10 Prozent angegeben. Die Experten der NOAA gehen von 13
bis 16 tropischen Stürmen aus, von denen 6 bis 10 zu Hurrikanen und 3
bis 6 sogar zu besonders schweren (major) Hurrikanen heranreifen 
sollen. Damit blasen die Forscher des amerikanischen Wetterdienstes 
ins gleiche Horn wie die meisten anderen Experten. So kommt auch 
TROPICAL STORM RISK (TSR), ein Konsortium am University College 
London, zu ähnlichen Erkenntnissen und sagt eine 
überdurchschnittliche Saison voraus. Nach Angaben der North Carolina 
State University (NSCU) und der University of Arizona (UA) könnte es 
sogar zu einer sog. "hyperaktiven Saison" kommen mit eventuell mehr 
als 20 tropischen Stürmen und 10 Hurrikanen. Das Mittel liegt bei 12 
Stürmen, 6 Hurrikanen und 3 schweren Hurrikanen. 

Die Einigkeit der Experten unterstreicht das Potenzial für eine sehr 
aktive Saison, wenngleich die Natur in der Vergangenheit immer wieder
auch mal Überraschungen parat hatte. Was allerdings schon fest steht,
sind die Namen der Wirbelstürme, die übrigens nicht wie in 
Deutschland bei Hochs und Tiefs käuflich erwerblich sind, sondern 
vorgegeben. Einen Link zur Namensliste sowie einen Überblick über die
verschiedenen Vorhersagen finden Sie unterhalb von diesem Artikel auf
https://www.dwd.de/DE/wetter/thema_des_tages/2020/5/23.html.

Dipl.-Met. Adrian Leyser
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale 
Offenbach, den 23.05.2020

Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

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Nachlese AMPHAN

In den vergangenen Tagen wütete der Wirbelsturm AMPHAN in Bangladesch
und Teilen Indiens. Viele Straßen und Ortschaften wurden überflutet, 
Millionen Menschen mussten fliehen.

In dieser Woche war beim deutschen Wetter nicht allzu viel los und so
konnte im Thema des Tages vom 19.05.2020 
(https://www.dwd.de/DE/wetter/thema_des_tages/2020/5/19.html) ein 
Blick über den Tellerrand und Richtung bengalische See geworfen 
werden. Dort formierte sich bereits seit dem Wochenende ein 
tropisches Tief, das sich rasch verstärkte und kurzzeitig die Stufe 4
auf der 5-stufigen Saffir-Simpson-Skala erreichte. Die betroffenen 
Behörden tauften den Zyklon schließlich "Amphan".

Vergangenen Mittwoch (20.05.2020) verließ der Wirbelsturm AMPHAN die 
bengalische See und zog auf das Festland des indischen Bundesstaates 
Westbengalen und das südliche Bangladesch. Der Sturm hatte sich bis 
dahin von Stufe 4 auf der Saffir-Simpson-Skala zu einer Stufe 2 
abgeschwächt. Er traf dennoch am Nachmittag (Indian Standard Time) 
mit Windgeschwindigkeiten von rund 155 km/h und Böen bis zu 185 km/h 
auf die Küstenbereiche und konnte in den Mangrovenwäldern vor der 
Küste noch mit voller Kraft zuschlagen. Eine Sturmflut von rund 3 bis
4 m Höhe erreichte die Küstengebiete Indiens und Bangladeschs und 
flutete die meisten niedrig gelegenen Regionen.

Auf seinem Weg nord-nordostwärts schwächte sich der Wirbelsturm rasch
weiter ab und wurde bereits am Donnerstag nur noch als Sturmtief 
geführt. Allerdings hatte er bis dahin die dicht besiedelte Region 
Kalkuttas, in der mehr als 14 Millionen Menschen leben, passiert. 
Zeitungs- und Fernsehberichten zufolge riss der Sturm in Westbengalen
zahlreiche Bäume um und zerstörte etliche Häuser und Tempel durch 
Wind und Regen. Auch aus Bangladesch wurden überflutete Straßen und 
zerstörte Häuser gemeldet. In vielen Orten brach die Stromversorgung 
zusammen. 

An der Wetterstation in Kalkutta (Kolkata) Dum Dum wurde am 
Mittwochabend eine Böe von 130 km/h (12 Bft) registriert. Die 
höchsten 24-stündigen Regenmengen für Mittwoch wurden vom indischen 
Wetterdienst mit 240 l/qm in Alipore, 200 l/qm in Dum Dum und 80 l/qm
in Haldia angegeben. 

In Bangladesch wurden an der Wetterstation Ishwardi in 24 Stunden 160
l/qm Niederschlag registriert, an der Station Netrokona reichte es im
gleichen Zeitraum für 94 l/qm. An der Wetterstation Patuakhali im 
Süden des Landes wurde am Mittwochabend eine Böe von 122 km/h 
gemessen.

Obwohl bereits im Vorhinein Millionen Menschen evakuiert wurden, gibt
es in beiden Ländern etliche Tote zu beklagen. Hunderte von Reis-, 
Sesam-, Gemüse- und Fischfarmen wurden überschwemmt und zerstört. Die
Regierungen befürchten Sachschäden in Höhe von rund 1,3 Milliarden 
Euro. Der letzte heftige Wirbelsturm in der Region war SIDR im Jahre 
2007. Er forderte mehr als 3500 Tote und richtete Schäden von mehr 
als 2 Milliarden Euro an. 

Dipl.-Met. Jacqueline Kernn 
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale 
Offenbach, den 22.05.2020

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GUDRUN kämpft gegen die Männerdominanz an!

In den kommenden Tagen sorgt Tief GUDRUN für unbeständiges Wetter, 
bevor sich schon am Sonntag das nächste Hoch namens STEFFEN 
anpirscht, um die Wetter-Vorherrschaft zu übernehmen.

Das Wetter der vergangenen Tage war voll in Männerhand. Das Hoch 
namens ROLF brachte uns einen Sonne-Wolken-Mix und angenehme 
Temperaturen. ROLF hat zwar mittlerweile ein betagtes Alter und 
seinen Altersruhesitz nach Skandinavien verlagert, aber er hat ein 
gutes Herz mit den Vätern (und natürlich auch Müttern, Kindern und 
Singles) in Deutschland. Er verwöhnt uns am heutigen Vatertag (für 
die Christen unter uns: Christi Himmelfahrt) mit bestem 
Ausflugswetter. Häufig lacht die Sonne am Himmel und wird nur von 
lockeren bauschigen Quellwolken begleitet. Den Regenschirm kann man 
getrost zuhause lassen. Dazu wird es angenehm warm mit Höchstwerten 
zwischen 20 und 27 Grad, nur an der Ostsee bleibt es etwas kühler. 
Dafür kommt an Rhein und Mosel der ein oder andere bei 28, vielleicht
sogar 29 Grad und sportlichen Aktivitäten ins Schwitzen. Gegen 
stärkeren Gegenwind müssen Radfahrer heute auch nicht ankämpfen, der 
Wind weht nämlich nur schwach aus östlichen Richtungen. Was will man 
also mehr?

Derweil nähert sich vom Atlantik GUDRUN, die heute Abend als 
Sturmtief mit einem für Ende Mai beachtlichen Kerndruck von etwa 965 
hPa über dem nahen Ostatlantik westlich von Irland aufwartet. In der 
kommenden Nacht zum Freitag und morgen tagsüber zieht GUDRUN weiter 
nordostwärts. Dabei ist sie weiterhin sehr fidel nördlich von Irland 
unterwegs und bringt auch in Teilen Deutschlands etwas mehr Schwung 
ins Wetter. Hoch ROLF hat dann endgültig das Zeitliche gesegnet.

Bereits am Vormittag greift die Warmfront von Tief GUDRUN auf den 
Nordwesten über und bringt etwa vom Emsland bis nach Nordfriesland 
bis zum Mittag etwas Regen. Auch im Rest des Landes ziehen zunehmend 
dichtere Wolkenfelder auf, nur im Südosten Bayerns bleibt es bis zum 
Nachmittag noch länger sonnig. Am Nachmittag und Abend pirscht sich 
aus Westen die Kaltfront an. Bereits vor ihrem Eintreffen formiert 
sich im Westen und Nordwesten im Bodendruckfeld eine flache 
Tiefdruckrinne, die mit feuchtwarmer Luft angereichert ist. Zudem 
nehmen mit Annäherung der Front die Hebungsvorgänge zu. Dadurch 
verstärken sich am Nachmittag und Abend die Niederschläge im 
Nordwesten (etwa vom Rheinland bis zur Kieler Bucht) und sind 
zunehmend schauerartig verstärkt. Stellenweise kann es auch blitzen, 
donnern und kurzzeitig kräftiger schütten. Allerdings bestehen noch 
gewisse Unsicherheiten: Aus heutiger Sicht bleibt abzuwarten, ob und 
wie zahlreich Gewitter beziehungsweise Schauerstaffeln in diesem 
Regengebiet eingelagert sind.

In Süden und Osten ist - von zunehmend dichteren Wolken abgesehen - 
noch wenig von GUDRUN zu spüren. Allerdings saugt sie aus 
Südwesteuropa einen Schwall sehr warmer Luft an, sodass in der Mitte,
im Westen und Süden verbreitet ein Sommertag (Temperatur > 25 Grad) 
zu verzeichnen sein wird. Ob etwa von Karlsruhe bis Freiburg im 
Rheintal sogar die 30-Grad-Marke geknackt wird, hängt von den 
Sonnenanteilen ab.

In der Nacht zum Samstag verlagert sich GUDRUN weiter nordostwärts 
und befindet sich am Samstag um die Mittagszeit voraussichtlich knapp
nördlich von Schottland. Ihre "besten Jahre" hat sie dann bereits 
hinter sich, liegt ihr Kerndruck "nur" noch bei etwas über 980 hPa. 
Dennoch hat sie weiterhin Einfluss auf das Wetter in Deutschland. 
Schon in der Nacht zieht ihre Kaltfront ostwärts über Deutschland 
hinweg, sodass dann auch die Mitte und der Osten etwas vom 
schauerartigen Regen abbekommt. Nur ganz im Süden bleibt es weiterhin
trocken. Dort kommt der Regen der schleifenden Kaltfront erst am 
Samstag an. Am Nachmittag fällt dieser südlich der Donau auch mal 
etwas kräftiger aus, auch das ein oder andere Gewitter kann dann mit 
von der Partie sein.

Wie der Name schon sagt, fließt hinter der Kaltfront spürbar kühlere 
Luft ein, sodass die Temperaturen meist nur auf 17 bis 21 Grad 
klettern. Nur im Chiemgau wird es mit bis zu 24 Grad nochmals recht 
warm. Während in der Mitte und im Westen die Wolken im Tagesverlauf 
zunehmend auflockern und Platz für die Sonne machen, können sich im 
Norden in der Kaltluft Schauer und einzelne Gewitter bilden.

Am Sonntag möchte wieder ein Mann (voraussichtlich Hoch STEFFEN) die 
Herrschaft über das Wetter übernehmen. Dieses Hochdruckgebiet 
befindet sich dann über Frankreich und der Biskaya und nimmt Kontakt 
mit einem weiteren sich entwickelnden Hoch über Osteuropa auf. 
Demnach wird es vor allem im Süden schon wieder recht freundlich mit 
einem Mix aus Sonne und Wolken bei Temperaturen zwischen 18 und 22 
Grad.

Aufgeben möchte die nunmehr in die Jahre gekommene GUDRUN aber noch 
nicht. Zunehmend unter Altersschwäche leidend zieht sie über 
Südskandinavien hinweg und zum Beginn der neuen Woche weiter nach 
Deutschland. Dort ist sie dann vorwiegend noch in höheren 
Atmosphärenschichten präsent. Am Sonntag sorgt sie vor allem im 
Norden und in der Mitte für schauerartige Regenfälle. Inwieweit sie 
auch am Montag noch in der Osthälfte und im Norden mit Regen oder 
Schauern ihre Finger mit im Spiel hat, ist noch etwas unsicher. Im 
Westen und Südwesten hat hingegen Hoch STEFFEN das Wetter wieder mit 
Sonnenschein und angenehmen Temperaturen über 20 Grad erobert.


Dr. rer. nat. Markus Übel (Meteorologe)
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale 
Offenbach, den 21.05.2020

Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

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