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Thema des Tages

Hangwinde

Gebirgsketten nehmen einen großen Einfluss auf das regionale 
Wettergeschehen. Die komplexe Topographie verursacht lokale 
Windphänomene wie das Hangwindregime und das mit diesem eng 
verzahnten Tal- und Bergwindsystem. Ersterem widmen wir uns heute 
etwas genauer.


Mit dem Fortschreiten des Frühlings rückt auch die nächste 
Wandersaison langsam wieder in den Fokus (Vorbehaltlich einer 
Lockerung der derzeitigen Ausgangsbeschränkungen). Jeder der einmal 
einen Wanderurlaub - sei es in die Alpen oder in unseren 
Mittelgebirgen - unternommen hat, wird vermutlich den Hangwind schon 
mal wahrgenommen haben. Aber auch Segel-, Drachen-, oder 
Gleitschirmflieger machen sich selbigen oft zu nutze.

Die Hangwindzirkulation ist ein tagesperiodisches Windsystem, das im 
Gebirge überwiegend bei ruhigen Hochdruckwetterlagen entsteht, und 
als ein Teilglied in die Berg- und Talwindzirkulation eingebettet 
ist. Die Grundvoraussetzung ist starke, möglichst störungsfreie 
Sonneneinstrahlung. Nach dem Sonnenaufgang fällt die Strahlung 
zunächst auf die Osthänge der Bergketten, während die nach Westen 
abfallenden noch im Schatten liegen. Dadurch setzt an den 
sonnenbeschienenen Hängen eine rasche und starke Erwärmung des Bodens
ein. Auf den der Sonne zugewandten Hängen ist der Einfallswinkel zur 
Sonnenstrahlung nahe bei 90°. Diese Hänge erhalten mehr Energie pro 
Fläche und werden stärker aufgeheizt als hangferne Luft im Tal. 
Diesen Wärmeüberschuss gibt der Boden an die darüber liegende Luft 
ab. Die nun erzeugte dünne Warmluftschicht ist aber deutlich leichter
als die kalte Umgebung und beginnt daher in Form von Warmluftblasen 
aufzusteigen. Dabei spielt auch die geringere Luftdichte in den 
Hochlagen, die zuerst von der Sonne bestrahlt werden, eine Rolle. Auf
z.B. 2000 m Höhe hat die Luftdichte gegenüber der Meereshöhe um fast 
20% abgenommen. Entsprechend weniger Energie wird benötigt, um die 
Luft aufzuheizen.  Weitere Faktoren bei der Erwärmung spielen aber 
auch die Oberflächenform und der Bewuchs. So erwärmen sich 
vegetationsarme Wiesen- oder Schotterhänge schneller als dunkle 
Wälder oder Seen. 
Wanderer können die aufsteigenden Warmluftblasen in den 
Vormittagsstunden an einem sonnenbeschienenen Hang beim Aufstieg 
wahrnehmen. Für einige Sekunden ist eine deutliche Temperaturerhöhung
spürbar. Gleichzeitig kann man auch vorübergehend viel stärker den 
Duft von Blüten oder auch Tannen wahrnehmen, deren Duftstoffe die 
Warmluftpakete beim Aufgleiten aufnehmen können.
Wird die Folge der aufgleitenden Luftpakete immer dichter, entsteht 
der Hangaufwind. Dessen Geschwindigkeit beträgt in der Regel etwa 2 
bis 4 m/s. Die Hangaufwinde erreichen eine Mächtigkeit von nur 
wenigen Metern bis zu einigen Dekametern (im Maximum meist deutlich 
unter 100 m). 

Die Luft kühlt sich schließlich beim Aufsteigen ab und sinkt über der
Mitte des Ursprungstals oder aber auch im Nachbartal wieder in 
tiefere Lagen ab. Auch an den unbesonnten Hängen kommt es noch zu 
Abgleitvorgängen. Insgesamt bildet sich eine geschlossene 
Hangwindzirkulation.  Im Tagesverlauf verlagert sich mit der Änderung
des Sonnenstandes bei Nord-Süd-Tälern der aufwärts gerichtete Ast der
Hangaufwindzirkulation am Nachmittag zum Westhang hin. Bei 
Ost-West-Tälern bleibt er hingegen den ganzen Tag über dem Südhang. 
Wegen des beschränkten Luftvolumens im Tal wird zunehmend Luft aus 
dem Vorland ins Tal gezogen und es entsteht im Laufe des Vormittags 
ein zusätzlicher Wind, der das Tal hinauf weht, der Talwind. (Diesem 
werden wir uns in einem weiteren Thema des Tages genauer widmen.)

Die Luft, die aus den Tälern nachgeführt und sukzessive die Hänge 
hinauftransportiert wird, ist meist feucht. Auch sie wird erwärmt und
steigt ebenfalls auf, wodurch sie sich abkühlt und relativ gesehen 
feuchter wird. Wenn sie das Kondensationsniveau (100 % Luftfeuchte) 
erreicht, bilden sich meist um die Mittagszeit über den Berggipfeln 
und -kämmen die ersten Quellwolken.
Mitunter können sich bei ausreichender Labilität Schauer oder 
Gewitter bilden. Über den Tälern bleibt es hingegen oft wolkenlos, da
sich die absinkende Luft erwärmt und dabei relativ gesehen trockener 
wird.

Für Segel- oder Gleitschirmflieger sind Hangaufwinde, neben der 
Thermik, die wichtigste Antriebsquelle. Bereits ein relativ schwacher
Hangaufwind kann zu einem merklichen Höhengewinn führen, wenn die 
Flugroute parallel zum sonnen- bzw. windseitigen Hang verläuft. 

Am Abend und in der Nacht drehen sich die Verhältnisse um. Kurz vor, 
spätestens aber mit dem Sonnenuntergang kommt der Hangwind zum 
Erliegen. Nach zeitweiligem Stillstand der Luftbewegung kehrt sich 
das Windsystem schließlich um. Die Luft über den Hochebenen und den 
Berghängen des Gebirges kühlt sich durch die stärkere Ausstrahlung 
schneller ab als die Luft über dem Tal in vergleichbarer Höhe. Die 
nun kühlere, dichtere und somit schwerere Luft strömt die Hänge 
hinab, fließt im Tal zusammen und sorgt so für frische Luft am 
Talgrund, der Hangabwind hat eingesetzt. Die abwärtsgerichteten Winde
haben geringere Mächtigkeit als die Hangaufwinde und ihre 
Geschwindigkeiten sind in der Regel auch kleiner. Nur an steilen und 
langen Hängen kann das Abfließen der Kaltluft stark und 
außerordentlich böig sein. 


MSc.-Met. Sebastian Altnau
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale 
Offenbach, den 28.03.2020

Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

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Thema des Tages

Earth Hour und Zeitumstellung - ein ereignisreiches Wochenende

Am kommenden Wochenende ist in Deutschland einiges los: Am 
Samstagabend findet die weltweite Earth Hour statt. Für eine Stunde 
werden die Lichter gelöscht. In der Nacht zum Sonntag drehen wir die 
Uhren eine Stunde vor.

Seit 2007 wird an jedem letzten Samstag im März weltweit für eine 
Stunde das Licht ausgeschaltet. Der Ursprung dieser Aktion findet 
sich in Australien, genauer gesagt in Sydney. Der australische WWF 
(Worldwide Fund For Nature) hatte damals zum ersten Mal dazu 
aufgerufen, und im ersten Jahr nahmen 2,2 Millionen Haushalte an der 
Aktion teil. Im Jahr 2008 wurde bereits in 370 Städten in 35 Ländern 
der Erde das Licht für eine Stunde ausgeschaltet. Seither nimmt die 
Zahl der teilnehmenden Länder und Städte immer weiter zu.

Die Idee hinter dem Aktionstag ist einfach: Wenn jeder auf der Welt 
für eine Stunde am Abend das Licht ausschaltet, lässt sich Strom 
sparen und dadurch die Umwelt schützen. Angesprochen werden nicht nur
Privathaushalte, sondern auch öffentliche Institutionen. Zudem wird 
es an immer mehr Wahrzeichen dunkel. Als Zeitpunkt für das Abschalten
hat der WWF 20.30 Uhr lokale Zeit festgelegt. Nach einer Stunde 
werden alle Lichter wieder angestellt. Aus dem All wird der Moment 
des Ein- und Ausschaltens der Lichter eingefangen und hinterher in 
einem kurzen Zeitrafferfilm dargestellt. Wie eine Welle verdunkelt 
sich die Erde, Zeitzone für Zeitzone.

Nun kann man mit der auf diese Weise in einer Stunde eingesparten 
Energie nicht die Umwelt retten, das weiß auch der WWF. Mit der 
großen Resonanz auf diese eher simple Idee hat er es aber geschafft, 
viele Menschen für eine Sache zu sensibilisieren: den Klima- und 
Umweltschutz. Die mediale Aufmerksamkeit, die dem weltweit 
ausgerufenen Aktionstag zuteilwird, schafft dabei die Möglichkeit, 
auf das Problem und die bereits vorhandenen oder eben nicht 
vorhandenen Lösungsansätze hinzuweisen. Und das ist schlussendlich 
das Ziel aller Aktionen und Aktionstage: auf ein Problem hinweisen 
und zum Umdenken anregen. 

Nach der Earth Hour begeben wir uns in die Sommerzeit. Immer am 
letzten Sonntag im März drehen wir an der Uhr und stellen sie eine 
Stunde vor. Am kommenden Sonntag ist es nun wieder soweit und wir 
stellen von zwei auf drei Uhr vor. 

Der ein oder andere mag sich erinnern, dass in einer Abstimmung im 
Jahre 2018 die Zeitumstellerei von 4,6 Millionen Europäern abgelehnt 
wurde und die Europäische Kommission sich um eine einheitliche Lösung
in Europa bemühen sollte. Das große Problem dabei: Um ein Zeitchaos 
zu vermeiden, müssen sich die EU-Staaten, zumindest mit ihren 
Anrainern, auf eine Zeit einigen, es müssen also Kompromisse gefunden
werden. 

Im Moment gibt es eine große Zeitzone in Europa, die von Spanien bis 
nach Polen reicht. Stellen wir die Uhren nicht mehr und bleiben 
dauerhaft in der Normalzeit (also Winterzeit), würde es in Warschau 
im Sommer bereits um 3 Uhr morgens hell. Bei einer dauerhaften 
Sommerzeit ginge die Sonne in Spanien im Winter erst nach 10 Uhr 
morgens auf. Für die östlichsten und westlichsten Staaten muss eine 
dauerhafte Zeit also gut überlegt sein.

Ursprünglich war ein Ende der wiederkehrenden Zeitumstellung für 
Herbst 2019 geplant, nun sollen im April 2020 die europäischen 
Staaten mitteilen in welcher Zeit sie künftig dauerhaft bleiben 
wollen. Da erwartet wird, dass sich ein Flickenteppich aus 
verschiedenen Zeitzonen in Europa ergibt, haben die Staaten 
anschließend fast ein Jahr Zeit, sich auf wenige Zeitzonen zu 
einigen. Die letzte Zeitumstellung soll dann im März 2021 erfolgen.


Dipl.-Met. Jacqueline Kernn 
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale 
Offenbach, den 27.03.2020

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Thema des Tages

Wochenendwetter mit winterlichen Winkelzügen

Das kommende Wochenende präsentiert sich oft winterlich. Einen entsprechenden Ausblick bezüglich der Niederschläge gibt das heutige Thema des Tages.

Im gestrigen Thema des Tages wurde es ja schon kurz angedeutet – der inzwischen sowohl meteorologisch als auch kalendarisch vergangene Winter, der seinem Namen so lange Zeit keine Ehre gemacht hat, gibt sich noch nicht geschlagen. Das war in den vergangenen Tagen (genauer gesagt in den vergangenen Nächten) schon zu spüren, schließlich sorgten diese ja verbreitet für leichten und mäßigen, teils sogar für strengen Frost. Und auch für das kommende Wochenende kündigt sich Winterliches in der Wetterküche an. Dann kann es in Deutschland nämlich wieder gebietsweise weiß werden.

Eine Grundvoraussetzung dafür ist, dass sich unser aktuelles Sonnenschein-Hoch JÜRGEN allmählich nach Osten verlagert. Es sollte am Samstag im Bereich des Urals zu finden sein. Zuerst versucht, auch heute schon im Süden, das Mittelmeertief LIEBGARD die Regie beim Wetter zu übernehmen und milde Mittelmeerluft nach Norden zu steuern. Das Problem dabei: Die warme Mittelmeerluft hat Schwierigkeiten, die im wahrsten Sinne des Wortes schwere Kaltluft über Mitteleuropa zu verdrängen. In der Folge gestaltet sich der Wetterwechsel sehr zögerlich, die Erwärmung zieht sich über einige Tage hin. Und weil die Kaltluft auch sehr trocken ist, ist bis zum Samstag kaum mit Niederschlägen zu rechnen.

Ab dem kommenden Samstag spielt sich dann ein recht rabiates Duett beim Wetter in den Vordergrund. Hoch KEYWAN über dem Nordatlantik und ein Tief über dem Nordmeer zapfen ordentlich Polarluft an. Diese wird ohne große Umwege nach Mitteleuropa und damit auch nach Deutschland befördert. Und weil diese Prozesse recht dynamisch ablaufen und die von Norden heranrauschende Luftmasse kalt und damit schwer ist, wird der Luftmassenwechsel nicht zögerlich, sondern vielmehr rasch vonstattengehen.

Nach aktuellem Stand der Modelle soll die Kaltfront, die uns die Polarluft bringt, in der Nacht zum Sonntag auf den Norden
Deutschlands übergreifen. Am Sonntagnachmittag wird sie
voraussichtlich in Bayern und Baden-Württemberg ankommen und am Montag die Alpen überquert haben. Mit der Front sind dann erstmals seit über einer Woche wieder nennenswerte Niederschläge verbunden.

Wie sich unser Europa-Modell ICON-EU die 24-stündigen Niederschläge vorstellt, ist in der beigefügten Grafik dargestellt
(https://www.dwd.de/DE/wetter/thema_des_tages/2020/3/26.html). Im linken Teil der Abbildung ist zu erkennen, dass es sehr verbreitet zu Niederschlägen kommt, die in den jeweiligen nördlichen Staulagen der Mittelgebirge tendenziell intensiver ausfallen, so z.B. am Rand des Erzgebirges und der Alpen, aber auch am Harz, am Thüringer Wald oder am Rothaargebirge. Darüber hinaus ist zu erkennen, dass in der Westhälfte etwas mehr Niederschlag als im Osten „gerechnet wird“; weitgehend trocken soll es beispielsweise von der Mecklenburger Seenplatte bis zur Leipziger Tieflandsbucht, aber auch von
Oberfranken bis nach Niederbayern bleiben. Vorsicht ist bei der Interpretation der Niederschläge im Küstenumfeld geboten. Dort verläuft die Kaltfrontpassage mitnichten trocken. Allerdings sollen die Regenfälle bis zum Montagmorgen um 08 Uhr MESZ schon nach Süden weitergezogen sein. Dort regnet es also vor dem Beginn des in der Karte dargestellten Zeitfensters.

Auf der rechten Seite der Grafik ist dann der 24-stündige
Schneeanteil bis Montagmorgen zu sehen. Insbesondere die
Mittelgebirgslagen im Süden und Osten sollen sich laut ICON-EU am Montagmorgen in einem „weißen Gewand“ präsentieren, in den Hochlagen sind dabei um 5 cm, in den Staulagen der Alpen auch 10 bis 20 cm Neuschnee möglich. Da aber die Schneefallgrenze bis in tiefste Lagen absinkt, kann sich südlich des Mains die Landschaft am Montagmorgen überall „angezuckert“ präsentieren.

Dipl.-Met. Martin Jonas
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 26.03.2020

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Frühling versus Spätwinter 

Aktuell ringt der Frühling mit dem Spätwinter. Die Vegetation ist 
mittlerweile schon weit fortgeschritten, in den Nächten stellt sich 
jedoch verbreitet Frost ein. Wie geht es in den kommenden Tagen 
weiter? 

Was war das für ein Winter? Mit einer positiven Temperaturabweichung 
von 3,9 Grad über der international gültigen Referenzperiode von 1961 
bis 1990 ging der vergangenen Winter als zweitwärmster seit 
Aufzeichnungsbeginn in die Geschichtsbücher ein. In 
Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg und Berlin war der diesjährige 
Winter sogar der wärmste seit Messbeginn. Dabei sorgte eine unentwegt 
einströmende, milde Meeresluft nur selten für winterliche Stimmung. 

Mit dem astronomischen Frühlingsanfang am vergangenen Freitag hätte 
man doch den enttäuschenden Winter einfach hinter sich lassen können. 
Es war bereits von Frühjahrsputz die Rede und man überlegte, ob die 
im Winter nur selten getragene Winterjacke bereits wieder im Keller 
verschwinden sollte. 

Dass sich die Wetterlage nun seit einigen Tagen umgestellt hat, merkt 
man gleich beim Blick aus dem Fenster. Statt grau und wolkenverhangen 
zeigt sich der Himmel meist wolkenlos und die Sonne kann den ganzen 
Tag über strahlen. Zuständig für das sonnige Wetter derzeit ist Hoch 
„Jürgen“, von dem wir an dieser Stelle in den vergangenen Tagen schon 
häufiger lesen konnten. 

Sonniges Frühlingswetter ist aber nicht das einzige, das „Jürgen“ für 
uns im Gepäck hat: Denn wenngleich die Temperatur tagsüber mit 
kräftiger Unterstützung der Sonne bei frühlingshaften 8 bis 13 Grad 
liegt, fühlt sich der teils mäßige Nordost- bis Ostwind recht kalt 
an. Und mit diesem gelangte in den vergangenen Tagen kontinentale 
Polarluft aus Nordosteuropa zu uns, eine Luftmasse, wie man sie sich 
eigentlich für einen knackig-kalten Winter wünscht. Leider kommt 
diese etwa ein bis zwei Monate zu spät. 

So tat man gut daran, die Winterkleidung noch nicht aus dem 
Kleiderschrank zu verbannen. Denn besonders in den frühen Morgen- 
sowie in den späten Abendstunden werden Winterjacke, Handschuhe und 
Co. noch dringend benötigt. Bei klarem nächtlichen Himmel können die 
Tiefstwerte verbreitet in den Frostbereich sinken. Vor allem in höher 
gelegenen Tal- und Gipfellagen des östlichen und südlichen Berglands 
wird derzeit sogar strenger Frost unter -10 Grad Celsius verzeichnet. 
Der bereits deutlich fortgeschrittenen Vegetation dürfte diese Kälte 
überhaupt nicht gefallen! 

Zum Wochenende stellt sich die Wetterlage dann aber um. Hoch „Jürgen“ 
verlagert seinen Schwerpunkt weiter nach Osteuropa respektive 
Russland und Tief „Liebgard“ tritt auf der Wetterkarte in 
Erscheinung. Diese nistet sich über dem zentralen Mittelmeer ein, 
womit die Strömung in Deutschland mehr und mehr auf südöstliche 
Richtungen dreht und somit wieder etwas mildere Luft zu uns gelangt. 
Allerdings nehmen dann aber auch die Wolkenanteile wieder zu. So muss 
am Freitag und Samstag mit einem Mix aus Sonne und Wolken gerechnet 
werden, Niederschlag wird meist aber nicht erwartet. Dafür steigt die 
Temperatur nachmittags wieder auf milde 10 bis 18 Grad an. In den 
Nächten schafft es das Thermometer meist nur noch örtlich bei 
längerem Aufklaren in den leichten Frostbereich. 

War es das also nun mit dem Spätwinter? Kommt jetzt der 
herbeigesehnte Frühling? 
Leider müssen Bauern und Hobbygärtner auch weiterhin um 
frostempfindliche Pflänzchen bangen. Denn über dem Nordostatlantik 
steht das nächste kräftige Hoch namens „Keywan“ in den Startlöchern, 
um uns mit weiterem Spätwinterwetter zu versorgen. 

Aber der Reihe nach: Zunächst greift am Sonntag die Kaltfront eines 
Tiefs im Bereich der Karasee auf Deutschland über. Dabei fallen die 
Niederschläge anfangs meist als Regen, gehen aber in höheren Lagen im 
Tagesverlauf mehr und mehr in Schnee über. In der Nacht zum Montag 
und Montagfrüh ist dann selbst in tiefen Lagen eine vorübergehende 
weiße Überraschung nicht auszuschließen. Auch im Alpenvorland könnten 
– Stand jetzt – einige Zentimeter an Neuschnee zusammenkommen. Am 
Montag nimmt schließlich der Hochdruckeinfluss wieder zu: Hoch 
„Keywan“ sorgt bei uns erneut für eine nordöstliche Strömung, mit der 
weitere kontinentale Kaltluft zu uns geführt wird. Im Klartext heißt 
das wieder sonniges und ruhiges Wetter, tagsüber bei Höchstwerten im 
niedrigen einstelligen Bereich, in den Nächten knackig-kalt. 

Aus den uns zur Verfügung stehenden mittelfristigen Modellrechnungen 
lässt sich der Kaltlufteinbruch am Sonntag mittlerweile ganz gut 
ablesen. Allerdings ist es zum aktuellen Zeitpunkt noch unklar, wie 
lange dieser anhält. Ob und wie weit die Temperatur zum Monatswechsel 
wieder nach oben geht und dann endlich der Frühling nachhaltig Einzug 
hält, ist zurzeit noch ungewiss. 

MSc.-Met. Sebastian Schappert 
Deutscher Wetterdienst 
Vorhersage- und Beratungszentrale 
Offenbach, den 25.03.2020 

Copyright (c) Deutscher Wetterdienst 

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Unterschätzte Gefahr im Frühling: Der Sonnenbrand! 

Sonnige Frühlingstage nutzen viele für ein erstes, ausgiebiges 
Sonnenbad. Doch Vorsicht! Eine Gefahr wird gerade dann häufig 
unterschätzt: Der Sonnenbrand! 

Die sonnendurchfluteten Frühlingstage sind nach der langen, dunklen 
Jahreszeit eine echte Wohltat für Körper und Geist. Wer kann, der 
nutzt sie gerne für ein erstes, ausgiebiges Sonnenbad. Doch abends 
vorm Spiegel kommt es dann nicht selten zum großen Entsetzen: Überall 
zeigen sich rote, brennende Hautstellen. Ein Sonnenbrand? Dabei war 
es doch gar nicht so warm… 

Ein kleiner Exkurs: Die Strahlung, die die Sonne zu unserer Erde 
sendet, besteht nicht nur aus dem für uns sichtbaren Sonnenlicht, 
sondern zusätzlich aus der unsichtbaren Infrarotstrahlung, die wir 
als Wärme wahrnehmen, sowie der ebenso unsichtbaren und auch sonst 
nicht spürbaren Ultraviolett-Strahlung. Von Letzterer wird ein 
größerer Teil von der Atmosphäre „verschluckt“, ein kleinerer gelangt 
aber bis zum Erdboden. Die UV-Strahlung ist besonders energiereich 
und kann der Haut daher auch in besonderem Maße schaden. Bei 
Überdosis zerstört sie die Zellen der obersten Hautschicht, wodurch 
Rötungen, Juckreiz und sogar Blasen hervorgerufen werden können. Auch 
die Gefahr von Hautkrebs steigt bei häufigem Sonnenbrand deutlich an. 

Die Sonnenstrahlung auf der Erde ist vom Sonnenstand abhängig, also 
von der Tages- und der Jahreszeit. Je höher die Sonne über dem 
Horizont „steht“, desto mehr Sonnenstrahlung kann die Atmosphäre 
durchdringen und bis zum Erdboden gelangen ? also mittags mehr als 
abends und im Sommer mehr als im Winter. Im Frühling gewinnt die 
Sonne nun Tag für Tag deutlich an Kraft. Leider intensiviert sich die 
unsichtbare UV-Strahlung, die viel stärker vom Sonnenstand abhängig 
ist, schneller als das sichtbare Sonnenlicht und die fühlbare 
Wärmestrahlung. Wenn sich Menschen also im Frühling längere Zeit der 
Sonne aussetzen, bemerken sie in der Regel nicht, dass sie auf dem 
besten Wege sein könnten, sich einen Sonnenbrand „einzufangen“. 

Mithilfe des UV-Indexes (UVI) erfolgt eine Abschätzung der während 
eines Tages maximal erreichten Intensität der UV-Strahlung. Der UVI 
wird unterteilt in mehrere Stufen. In Deutschland werden je nach 
Wetterlage meist Werte zwischen 1 (geringe UV-Strahlung) und 10 (sehr 
hohe UV-Strahlung) erreicht, höhere Werte bis 16 oder 17 (extreme 
UV-Strahlung) treten zum Teil in den Subtropen und Tropen auf. 
Wichtig ist nun, dass dieser Index völlig objektiv ist und nicht 
direkt die Sonnenbrandgefährdung für einen einzelnen Menschen angibt. 
Man kennt ja die Ungerechtigkeit. Die einen rekeln sich scheinbar 
stundenlang am Pool in der Sonne, ohne je von Sonnenbrand bestraft zu 
werden, während sich die anderen schon nach einem kurzen Aufenthalt 
an der Strandbar später mit juckenden Rötungen der Haut präsentieren. 

Hier kommen nun die unterschiedlichen Hauttypen zum Tragen. Eine 
weitläufig bekannte Einteilung bezüglich der Sonnenempfindlichkeit 
der Haut wurde 1975 vom amerikanischen Dermatologen Thomas 
Fitzpatrick entwickelt. Nach Fitzpatrick gibt es 6 Hauttypen, die 
jeweils eine bestimmte Eigenschutzzeit aufweisen. Die Eigenschutzzeit 
beschreibt die Zeitdauer, für die man ungebräunte und ungeschützte 
Haut der Sonne aussetzen kann, ohne dass die Haut rot wird. Menschen 
mit einem keltischen und nordischen Hauttyp (sehr hell) sollten sich 
der Sonne nach Möglichkeit nie ungeschützt aussetzen. Schon ab einem 
UVI von 3 bis 4 droht hier ohne zusätzlichen Schutz nach wenigen 
Minuten ein Sonnenbrand. Der Mischhauttyp (mittlere Hautfarbe) kann 
sich bei vergleichbarem UVI immerhin bis zu einer halben Stunde der 
Sonne aussetzen, ohne abends rote und stark juckende Haut bestaunen 
zu müssen. Der mediterrane und dunkle Hauttyp darf sich ohne Folgen 
zwischen 30 und 90 Minuten sonnen, der schwarze Hauttyp auch noch 
länger. 

Also, passen Sie vor allem im Frühling auf! Lassen Sie sich nicht von 
niedrigen Temperaturen in die Irre führen. Schützen Sie sich! 
Informationen zur UV-Strahlung und aktuelle Vorhersagen des UVI 
finden Sie in den Links unter diesem Artikel auf 
https://www.dwd.de/DE/wetter/thema_des_tages/2020/3/24.html) und 
natürlich auch in der WarnWetter-App. 

Dipl.-Met. Adrian Leyser 
Deutscher Wetterdienst 
Vorhersage- und Beratungszentrale 
Offenbach, den 24.03.2020 

Copyright (c) Deutscher Wetterdienst 

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