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Kaltfront ohne Kälte

Datum 26.01.2018

Am gestrigen Donnerstag (25.01.2018) zog die Kaltfront von Sturmtief HELENE über Südskandinavien bis in die mittleren Landesteile Deutschlands. Rückseitig der Kaltfront wurde es im Norden zwar kühler, es blieb aber für die Jahreszeit weiterhin deutlich zu mild. Wir klären, warum die Kaltfront alles andere als kalte Luft brachte.

Für das Verständnis der Wetterlage ist ein kleiner Wetterrückblick sinnvoll. Beginnen wir also mit Mittwoch, dem 24.01.2018. An diesem Tag erreichte uns landesweit in einer kräftigen Südwestströmung eine für die Jahreszeit ungewöhnlich milde Luftmasse. In dieser subtropischen Luft gab es verbreitet zweistellige Temperaturwerte und im Norden des Landes kam es vereinzelt sogar zu neuen Monatsrekorden der Tageshöchsttemperatur, wie zum Beispiel in Schleswig oder Leck (beide in Schleswig-Holstein). Auch am gestrigen Donnerstag reichte es vor der Kaltfront noch einmal für Temperaturen oberhalb der 10-Grad-Marke. Doch selbst hinter der Kaltfront lag die Temperatur im Norden und Westen von Deutschland mit 6 bis 9 Grad noch im milden und damit überdurchschnittlichen Bereich für Ende Januar. Dennoch, aufgrund der noch höheren Werte weiter südlich, handelte es sich zweifelsfrei um eine Kaltfront. Denn letztlich ist nicht die Temperatur hinter der Front, sondern die Temperaturdifferenz vor und nach der Front entscheidend.

Dies erklärt zwar, warum es sich trotz der weiterhin relativ hohen Temperaturwerte um eine Kaltfront handelte, aber noch nicht warum es hinter der Kaltfront nicht wirklich kalt wurde. Für die Beantwortung dieser Frage braucht es den Blick auf die Herkunft der Luftmasse, die bei uns einströmte. Dafür sind sogenannte „Trajektorien“ hilfreich. Dies sind die Bahnkurven, auf denen sich die Luftpartikel in der Atmosphäre bewegen. Mit einfachen Worten: es handelt sich um jene Wege, die Luftpartikel in der Atmosphäre zurücklegen. Dabei wird zwischen zwei Arten von Trajektorien unterschieden: Die sogenannten „Rückwärtstrajektorien“ geben an, woher ein Luftteilchen kommt, und die „Vorwärtstrajektorien“ liefern Informationen darüber, wohin sich ein Luftteilchen bewegt. Lange Rede kurzer Sinn, die Luftmasse, die uns erreichte, nahm ihren Ursprung am vergangenen Wochenende in Neufundland. Nun ist es dort im Winter für gewöhnlich recht kalt und auch am vergangenen Wochenende lagerten in dieser Region arktische Luftmassen. Doch auf ihrem weiten Weg über den Atlantik, etwa entlang des 50. Breitengrades, konnte sich die Luft zumindest in den unteren Schichten deutlich erwärmen. Denn der Nordatlantik weist in diesem Bereich Wassertemperaturen von etwa 10 bis 12 Grad auf. Die Luftmasse wurde somit nach und nach deutlich modifiziert und verlor ihre ursprünglichen arktischen Eigenschaften.

Arktische Luftmassen erreichen Mitteleuropa aufgrund des Atlantiks nur aus nördlichen Richtungen (der Weg über das Europäische Nordmeer und die Nordsee ist zu kurz für eine vollständige Umwandlung der Luftmasse) oder über östliche Windrichtungen auf dem „Landweg“, auf dem eine Umwandlung deutlich langsamer vonstattengeht. In den kommenden Tagen sind wir vor derlei Windrichtungen allerdings gefeit. Es bleibt bei Südwest- bis Westwind weiterhin deutlich zu mild für die Jahreszeit. Gebietsweise werden am kommenden Sonntag und Montag erneut Höchsttemperaturen über 10 Grad erreicht.

MSc.-Met. Thore Hansen

Deutscher Wetterdienst Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach, den 26.01.2018

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