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Wetter aktuell
Die Wüste auf Osterbesuch

Die ausgeprägte Saharastaub-Wolke am gestrigen Ostersamstag war in
aller Munde – und das quasi wortwörtlich, betrachtet man sich die
Feinstaubkonzentration in der Luft. Ein Rückblick.

Nahezu überall in Deutschland konnte am gestrigen Ostersamstag
(30.04.2024) die mächtige Saharastaub-Wolke beobachtet werden, die
sich über das Land gelegt hat. Besonders eindrucksvoll spiegelte sich
das in den mitunter ziemlich fremdartigen Lichtstimmungen wider. Sei
es tagsüber bei milchig-bräunlichem Himmel, durch den sich die Sonne
höchstens mit Mühe durchkämpfen konnte, oder in Form von
strahlend-intensiven Sonnenuntergängen dort, wo sich die Bewölkung
schon etwas gelichtet hatte. Zahlreiche fotografische Nutzermeldungen
in der DWD-WarnWetter-App belegten das eindrücklich.

Wie aber kam es überhaupt zu der Situation? Hauptverantwortlich dafür
war ein riesiger Tiefdruckkomplex mit Zentrum über dem nahen
Atlantik. Dieser reicht an seiner Südseite bis weit nach Nordafrika
herein, wo sich aufgrund des damit verbundenen Windes große
Staubwolken am Rande der Sahara bilden konnten. Diese Wolke wurde
dann entlang der südöstlichen Flanke dieses Tiefdruckkomplexes nach
Norden über die Alpen hinweg nach Deutschland sowie angrenzende
Nachbarländer verfrachtet. Die seit Tagen anhaltende kräftige
Südströmung, die bei uns unter anderem für milde Temperaturen und
kräftigen Föhn an den Alpen sorgte, war dafür prädestiniert.

Vielerorts aber schaffte es die Sonne gar nicht mehr durch die dicke
Wolkendecke und sorgte für recht trübe Verhältnisse. Das machte sich
unter anderem bei den Höchsttemperaturen des Tages bemerkbar, die
verbreitet deutlich unter dem blieben, was die Vorhersagemodelle, die
vom Wüstenstaub nichts „wussten“, prognostizierten. Oftmals waren
auch die Sichtweiten deutlich herabgesetzt. Das war ein Hinweis
darauf, dass sich auch in den niedrigen atmosphärischen Schichten
allerhand Saharastaub befand. Dass dem tatsächlich so war, stellt man
bei Betrachtung der Feinstaub-Messwerte schnell fest. Repräsentativ
ist hier die die Größe „PM10“, die die Massekonzentration an
Feinstaubpartikeln mit einem aerodynamischen Durchmesser von ?10µm
angibt. Hierbei ist bundesweit ein Grenzwert von 50µg/m³ im
Tagesmittel definiert, das höchstens an 35 Tagen pro Jahr
überschritten werden darf.

Dieser Wert wurde nun am gestrigen Ostersamstag in großen Teilen des
Landes überschritten und lag stellenweise beim zwei- bis dreifachen
des Grenzwertes. Wer sich also fragt, warum ihm vielleicht gestern
der Hals gekratzt hat oder öfter als üblich einen Husten verspürt
hat, könnte somit in der schlechten Luftqualität eine mögliche
Erklärung finden.

Am heutigen Ostersonntag haben sich nun mittlerweile große Teile der
Saharastaubwolke verflüchtigt. Die Luftqualität allerdings ist vor
allem in Bayern und Mitteldeutschland noch immer recht miserabel und
wird sich wohl erst in den kommenden Tagen wieder bessern. Ansonsten
heißt es erstmal wieder: Durchatmen. In diesem Sinne wünschen wir
unseren Leserinnen und Lesern frohe Restostern!

M.Sc. Felix Dietzsch
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 31.03.2024

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