Thema des Tages

Wetter aktuell
Tropische Wirbelstürme im Mittelmeer

Können sich tropische Wirbelstürme oder gar Hurrikans auch im
Mittelmeer bilden? Auf diese Frage werden wir im heutigen Thema des
Tages eingehen

Bestimmt erinnern sich viele noch an die Bilder der verheerenden
Überschwemmungen in Griechenland und am vergangenen Sonntag in
Libyen. Dabei kamen in Griechenland teils um 1000 mm innerhalb von 3
Tagen zusammen. Dies ist mehr als der mittlere Jahresniederschlag von
Hamburg, der bei rund 800 mm liegt. Verantwortlich dafür war ein
abgekoppeltes Tiefdruckgebiet, welches sich nahezu stationär über den
griechischen Inseln befand und sich im Laufe seiner weiteren
Entwicklung dann nur sehr langsam über das warme Mittelmeer nach
Libyen verlagerte. Bei dieser Zyklone handelte es sich um ein
sogenanntes Cut-Off Tief, dass sich aufgrund eines ausgeprägten
blockierenden Hochdruckgebietes über Mitteleuropa von der
Höhenströmung abschnürte. Solche blockierenden Wetterlagen sind vor
allem im Spätsommer und Herbst häufig die Grundlage für schwere
Unwetter im Mittelmeerraum. So auch in der vergangenen Woche als sich
Tief DANIEL abkoppelte und sich in Richtung östliches Mittelmeer
verlagerte.

Nachdem DANIEL in Teilen Griechenlands für extreme
Niederschlagsmengen gesorgt hatte, verlagerte er sich auf das
östliche Mittelmeer. Die sehr hohen Wassertemperaturen von teils über
26 Grad führten zu einer Intensivierung der Zyklone zu einem
mediterranen Tropensturm. Dies ist ein Sturm über dem Mittelmeer mit
tropischen Eigenschaften, bei dem die auftretenden
Windgeschwindigkeiten zwischen 64 und 111 km/h liegen. Hätte sich
Daniel noch weiter verstärkt, würde man von einem Medicane sprechen.
Der Name Medicane setzt sich aus mediterran und Hurrikan zusammen und
bezeichnet starke Wirbelstürme mit tropischen Eigenschaften über dem
Mittelmeer.

Der Unterschied zu den Hurrikans auf dem Atlantik liegt hauptsächlich
in der Struktur des Sturms. Hurrikans besitzen einen hochreichenden,
warmen Kern, welcher durch die Energieflüsse vom warmen Ozean
entsteht. Mediterrane Stürme im Mittelmeer sind dagegen oftmals nur
in unteren Schichten durch einen warmen Kern charakterisiert. In
höheren Schichten ist dagegen teils sogar ein kalter Kern
vorherrschend, denn zu Beginn der Entwicklung ist vor allem der
dynamische Antrieb in Verbindung mit einem in der Höhe mit Kaltluft
gefüllten Tief entscheidend. Dies wurde auch bei der Zyklone DANIEL
beobachtet. Außerdem befinden sich die höchsten Windgeschwindigkeiten
bei Hurrikans in der Augenwand nahe zum Zentrum des Sturms, während
mediterrane tropische Stürme die stärksten Winde in den
spiralförmigen Bändern im äußeren Bereich haben. Zudem sind diese
Stürme auch aufgrund der geringen Ausdehnung des Mittelmeers nicht so
groß wie die Exemplare auf dem Atlantik.

Eines haben die beiden Stürme aber gemeinsam: Und das sind die
intensiven Regenfälle, die teils schwere Überschwemmungen auslösen
können. Bei der Zyklone DANIEL war dabei neben den hohen
Wassertemperaturen des Mittelmeers als Feuchtereservoir auch die
langsame Verlagerung des Sturms für die teils extrem hohen
Regensummen verantwortlich.
Zudem können auch Medicanes über dem Mittelmeer im Endstadium ein
Auge ausbilden. Das wird allerdings relativ selten beobachtet, da
viele Stürme über dem Mittelmeer keine Hurrikanstärke erreichen.
Damit ist die Rotationsgeschwindigkeit der Stürme meist nicht groß
genug, womit die Absinkbewegungen zur Ausbildung eines Auges nicht
stark genug sind. Der letzte Sturm, der diese für Hurrikans typische
Struktur mit klarem Auge hatte, war Medicane IANOS im September 2020,
der in Griechenland für teils schwere Schäden sorgte.

M.Sc. Met. Nico Bauer
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 14.09.2023

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