Thema des Tages

Gordon Bennett Cup 2022

Am Freitag, den 02. September 2022 startete in St. Gallen (Schweiz) 
der "Coupe Aéronautique Gordon Bennett". Das wohl wetterabhängigste 
Rennen der Welt bei dem man nicht weiß wie lange es dauert oder wo 
das Ziel ist.

Der Gordon Bennett Cup oder "Coupe Aéronautique Gordon Bennett", ist 
die älteste Luftsportveranstaltung der Welt und wurde von James 
Gordon Bennett Jr. ins Leben gerufen. Er war Zeitungsverleger des 
"New York Herald", aber vor allem auch Abenteurer und sorgte mit 
privat finanzierten Expeditionen selbst für seine Schlagzeilen. So 
initiierte er einen Wettbewerb für Gasballone dessen erster Wettkampf
1906 vom Jardin des Tuileries in Paris aus startete. Die Regeln des 
Wettkampfes sind einfach. Es kommt nicht auf die Geschwindigkeit an, 
es gibt auch kein eindeutiges Ziel. Gewonnen hat die Mannschaft mit 
größtmöglicher Distanz (Luftlinie) zwischen Startplatz und Landung, 
egal wie lange sie dafür brauchen. 
Es gibt zwei verschiedene Arten von Ballonen - Heißluftballone und 
Gasballone. Warum ein Ballon überhaupt steigt, schwebt und wieder 
sinkt liegt am archimedischen Prinzip. Dabei spielt die mittlere 
Dichte des gesamten Konstrukts (Ballonhülle, Luft/Gas in der 
Ballonhülle, Korb, Besatzung) die entscheidende Rolle. Bei 
Heißluftballonen sorgt die Erwärmung der Luft innerhalb der 
Ballonhülle für eine geringere Dichte, sodass der Ballon einen 
Auftrieb erfährt. Kühlt sich die Luft im Ballon ab, sinkt er wieder 
zu Boden. Der Pilot kann also mit der Erwärmung der Luft den Auftrieb
kontrollieren. Gasballone hingegen haben eine geschlossene 
Ballonhülle, die mit Wasserstoff gefüllt wird. Wasserstoff hat eine 
geringere Dichte als das Luftgemisch der Troposphäre und steigt somit
auf. Damit hier der Pilot das Aufsteigen und Absinken kontrollieren 
kann, lässt er entweder Gas ab zum Sinken oder er wirft Ballast ab 
(in der Regel Sand) um das Eigengewicht zu reduzieren und damit zu 
steigen. 
Im Gegensatz zu anderen Luftfahrzeugen kann ein Ballonfahrer also nur
die vertikale Bewegung steuern und nicht direkt in der Horizontalen 
manövrieren. Der Ballon fährt immer mit dem Wind, er fliegt also 
nicht (er hat ja auch keine Flügel). Daher ist es für die Piloten 
enorm wichtig, sich ständig über die aktuellen Wind- und 
Wetterverhältnisse zu informieren. Da bei dem Rennen jeder mehr oder 
weniger mit demselben Equipment fährt (jeder Ballon darf nur maximal 
ein Volumen von 1000 Kubikmeter haben), spielt das Geschick des 
Piloten und die Beratung des Meteorologen die entscheidende Rolle. 
Jedes Team hat dabei seinen eigenen "Wetterfrosch" in seinem 
Unterstützungsteam.
"Bereits im Vorfeld des Rennens werden mehrere Vorwärtstrajektorien 
gerechnet um die optimale Route herauszufinden. Dabei spielt vor 
allem auch die Modellkonsistenz eine Rolle, da der Wettkampf ja über 
mehrere Tage gehen kann.", sagt Diplom Meteorologin Heidi Schmid, die
mit ihrer jahrelangen Erfahrung in der meteorologischen Ausbildung 
und auch selbst als Ballonpilotin das österreichische Team AUT-1 
berät. Die Wetterberatung erfordert einiges an meteorologischem 
Wissen, geographischen Kenntnissen und auch Fachwissen über das 
Luftgerät. Der mitgenommene Ballast ist dabei der limitierende 
Faktor. Wenn der Ballast ausgeht, ist die Fahrt zu Ende. Es gilt also
nicht nur die Route mit den stärksten Windgeschwindigkeiten zu 
finden, sondern auch die ballast-sparsamste. So erfordert zum 
Beispiel ein nächtliches Aufsteigen mehr Ballastabwurf als ein 
Aufsteigen in den Frühstunden. Wenn die ersten Sonnenstrahlen die 
Ballonhülle erreichen, erwärmt sich das Gas und die Dichte wird 
geringer. Das heißt der Ballon erfährt automatisch Auftrieb. Auch ein
"Schwimmen" auf einer Inversion kann da von Vorteil sein, denn eine 
Inversion bedeutet auch immer ein Dichtesprung in der Atmosphäre. All
diese taktischen Überlegungen machen den Wettbewerb für Piloten und 
Meteorologen so spannend.
Dieses Jahr starteten 17 Teams aus acht verschiedenen Nationen. Der 
Startplatz lag im schweizerischen St Gallen. Die Wetterbedingungen am
Start waren nicht ganz einfach. Eine Tiefdruckrinne entwickelte sich 
von den Britischen Inseln nach Südfrankreich. Am Nachmittag sollte 
diese Schauer- und Gewitterträchtige Zone auch die Schweiz erreichen.
Zum Glück konnte der geplante Starttermin noch vor der Schauer- und 
Gewitterlinie planmäßig um 16 Uhr stattfinden. Zunächst war das 
Teilnehmerfeld noch dicht beieinander und fuhr mit der Höhenströmung 
ostnordostwärts über den südlichen Bodensee in Richtung Allgäu. Doch 
schon bald gab es den ersten Ausreißer. Das Team von AUT-1 stieg in 
größere Höhen auf, in diesem Level herrscht ein stärkerer Wind vor, 
der zudem den Ballon auf eine südlichere Zugbahn brachte als den Rest
des Feldes. Am Abend ging es in einer Höhe von über 3500 Metern auf 
der Führungsposition über die Zugspitze. Die Strategie dahinter: 
Möglichst schnell, möglichst viel Strecke zu machen um eine lange 
Fahrt über mehrere Tage zu vermeiden. 
Das Leben in einem Ballon ist nämlich nicht gerade luxuriös. Essen, 
Trinken, warme Kleidung, Sauerstoffflaschen (wenn man in größeren 
Höhen unterwegs ist), sowie Funkgeräte mit genügend Stromkapazität 
muss alles mit in den Korb. Eine Zwischenlandung ist nicht erlaubt. 
Es gibt ein kleines Türchen im Korb das sich öffnen lässt, damit man 
beim Schlafen die Füße raushängen kann. Das klingt alles andere als 
gemütlich. Einige Teams sind aber hartgesotten. Für sie zählt nur der
Sieg. Dafür braucht man bei der aktuellen Wetterlage eine andere 
Strategie. Am Rande eines schwachen Höhenrückens, der sich vom 
Mittelmeer nach Osteuropa erstreckte, fuhren sie weiter in 
südöstliche Richtungen über Österreich hinweg in Richtung Serbien.
Am Sonntag wurde es dann zunehmend schwierig mit dem Weiterkommen. 
Über Serbien, Rumänien bzw. Bulgarien waren kaum Luftdruckgegensätze 
auszumachen, sodass vor allem in der unteren Atmosphäre nur geringe 
Windgeschwindigkeiten vorherrschten. Die Strategie hier heißt dann 
"Abwarten und Tee trinken" oder was man halt so im Korb noch hat. 
Denn für Montag war eine Wetterumstellung in Aussicht. Der Rücken 
sollte sich verstärken und somit die Windgeschwindigkeiten wieder 
zunehmen. Bei gleichzeitiger Winddrehung auf Süd, wäre eine Landung 
auf Kreta möglich gewesen. Doch in der Nacht zum Montag ist die 
Entscheidung anders ausgefallen. Die Gefahr von Gewittern auf dem Weg
nach Griechenland war zu hoch. Am heutigen Montag sind die letzten 
Ballone zu Boden gegangen. Das Sieger-Team GER-3 mit den Piloten 
Wilhelm und Benjamin Eimers kommt aus Deutschland und landete in den 
Frühstunden in Bulgarien 1572 km vom Startplatz in St Gallen 
entfernt. Damit wird der Gordon Bennett Cup 2024 von Deutschland 
(2023 nochmals in der Schweiz) aus starten, was bestimmt viele 
Ballonsport-Fans und Flugmeteorologen freuen wird.


MSc Sonja Stöckle
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale 
Offenbach, den 05.09.2022

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