Thema des Tages

Sieben Wochen wechselhaft mit Gewittern?

Der gestrige Montag, der 27.06.2022, wird auch als
„Siebenschläfertag“ bezeichnet. An diesem Tag soll sich das
Wettergeschehen der folgenden sieben Wochen entscheiden. Bleiben die
nächsten Wochen also wechselhaft mit kräftigen Gewittern?

Bauernregeln zum Siebenschläfertag gibt es viele: „Das Wetter am
Siebenschläfertag sieben Wochen bleiben mag“, „Scheint am
Siebenschläfer Sonne, gibt es sieben Wochen Wonne“ oder mein
persönlicher Favorit: „Werden die sieben Schläfer nass, regnet’s noch
lange Fass um Fass“.

Entgegen der weitverbreiteten Vermutung hat das gleichnamige Nagetier
nichts mit der Bauernregel zu tun. Seinen Namen verdankt der
Siebenschläfertag vielmehr einer alten Legende. Dieser nach sollen
sieben junge Christen in der Zeit der Christenverfolgung in einer
Höhle lebendig eingemauert worden und in einen tiefen Schlaf gefallen
sein. Nach etwa 200 Jahren wurden sie dann zufällig entdeckt, wachten
auf und bezeugten den Glauben an die Auferstehung der Toten, starben
jedoch wenig später. Den sieben Schläfern wurde daraufhin der 27.
Juni als Gedenktag im katholischen Heiligenkalender gewidmet.

Und was hat das nun mit dem Wetter zu tun?

Der Siebenschläfertag gilt als meteorologische Singularität, also als
Witterungsregelfall. Etabliert sich dabei hoher Luftdruck über
Skandinavien oder entsteht eine Hochdruckbrücke über die Britischen
Inseln hinweg bis zum Azorenhoch, führt das in Mitteleuropa oft zu
trockenem und sehr warmem Badewetter. Wird hingegen bei einer
sogenannten „zyklonalen Westlage“ feuchte Atlantikluft nach
Mitteleuropa geführt, ist der Regenschirm durchaus auch mal ein
sinnvoller Begleiter. Dann stellt sich eine wechselhafte und eher
kühle Witterung ein.

Die Siebenschläfer-Bauernregel hat eine im Vergleich zu anderen
meteorologischen Singularitäten vergleichsweise hohe Trefferquote.
Statistische Auswertungen ergaben, dass die
Eintrittswahrscheinlichkeit der Siebenschläferregel bei der
erstgenannten „Schönwetter-Variante“ zwischen 55 und 60 % liegt, bei
unbeständigen Westwetterlagen trifft die Bauernregel sogar mit 62 bis
70 % zu. Dabei ist die Trefferquote im Alpenvorland höher als in
Norddeutschland.

Ganz so einfach ist es leider nicht: Offiziell gilt zwar der 27. Juni
als Siebenschläfertag, berücksichtigt man die gregorianische
Kalenderreform, fällt er aber auf den 7. Juli (1582 gab es eine etwa
zehntägige Verschiebung). Außerdem sollte man es mit dem
Siebenschläfertag nicht ganz so genau nehmen und sich dabei nicht auf
einen bestimmten Tag festlegen, sondern vielmehr den gesamten
Zeitraum Ende Juni/Anfang Juli berücksichtigen.

Was heißt das jetzt für unser Wetter?

Diese Woche wird sich das Wetter recht wechselhaft gestalten, immer
wieder treten gebietsweise Schauer und Gewitter auf, regional kommt
es zu Unwettern. Ab der Nacht zum Freitag schwenkt ein Tiefausläufer
über Deutschland hinweg und sorgt für etwas Regen. Das Ganze spielt
sich meist im sommerlichen Temperaturbereich ab, wobei die
30-Grad-Marke vor allem am Donnerstag und Sonntag regional geknackt
werden kann. Typisches mitteleuropäisches Wetter eben.

In der kommenden Woche könnte sich dann aber eine allmähliche
Umstellung der Großwetterlage andeuten. Deutschland gelangt mehr und
mehr in eine westliche bis nordwestliche Strömung, wodurch eher
mäßig-warm temperierte Luftmassen ihren Weg nach Deutschland finden
sollten. Entsprechend stehen dann Temperaturen von 30 Grad und
kräftige Gewitter mit heftigen Starkregenfällen wohl erst einmal
nicht mehr auf dem „Wetterprogramm“. Bleibt nur noch abzuwarten, ob
uns diese gemäßigte Witterung dann auch wirklich sieben Wochen
begleiten wird.

Zusammengefasst lässt sich sagen, dass es nur wenig Sinn macht, das
Wetter der nächsten Wochen an einem bestimmten Tag festzumachen. Mit
hundertprozentiger Sicherheit lässt sich wohl nur sagen: „Fliegt der
Bauer übers Dach, ist der Wind weiß Gott nicht schwach“.

Dipl.-Met. **
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 28.06.2022

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